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Full text of "Zeitschrift für die deutschösterreichischen Gymnasien"

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ZEITSCHEIFT 

für (He 

Österreichischen 

OYMNASIEN. 



Verantwortliche Rcdacteure: 

J. O. Seidl, H. Bonitz, J. Mozart. 






• » • • • 



FAnfter Jahrganff. 
1854. 



Verlag und Druck von Carl Gerold und Sohn. 






• .».•••• • • 



Inhalt des fünften Jahrganges 

der 

Zeitschrift für die österreichiscben Gymnasien. 
(1854.) 



Erste Abtheilttny. 

Aöhandhtn§en, 

A.QdeuluDgeD über den gegenwärtigen Stand der homerUchen Frage. Von 
G. Curlius. S. 1—23. 89—115. 

Beitrage zur österreichischen Geschichte. Von Dr. Albert Jäger. 

I. Ober das Grund ungsjahr der babenbergischen Ostmark. S. 116—124. 
II. über die Privilegien der Babenberger. $. 1. Allgemeines. S. 279—283. 
$. 2. Die Literatur. S. 283—290. S* 3. Das Privilegium von Hein- 
rich tV. dd, Dürrenbach, 4. Oct. 1058 S 429—441. {. 4. Das Pri- 
vilegium Kaiser Friedrichs t. dd, Regensburg, 17. September 1156. 

S. 673—696. 

Zur Frage über Wahl und Behandlung der Aufgaben für deutsche Aufsätze, 
insbesondere im Obergymnasium. Von A. W ilhelm. S. 177— 185. 

Einige Worte ül)er den Werth and die Verwendung der Karte beim geo- 
graphischen Unterrichte. Von E. von Sydow. S. 185 — 194. 

Beitrag zur Entwickelung einer Elementartheorie der Fliehkraft, für Schul- 
ond Lehrbücher in Ohergymnasien und Oberrealschulen. Von A. 
Martin. S. 194—199* 

Ovidiana, mit besonderer Rücksicht auf «Die Metamorphosen des P. Ovi- 
dius Naso, erklärt von Moriz Haupt. Erster Band. 1853.' Von G. 
M. Thomas. S. 261—279. 

«Bevidirte Ordnung der lateinischen Schulen und der Gymnasien im König- 
reiche Bayern.» Von der Redactioiu S. 349—395. 

Daa zu weuig und zu viel im deutschen Onterrichte. (1. Präparat ion und 
Inhaltsübersicht für die deutsche Leetüre. 2. Lehrbücher für Poetik 
und Rhetorik.) Von A. Wil heim. S. 441—449. 

Ober die Formen und den Gebrauch dea lateinischen Imperativs. Von G. 
J. Grysar. S. 513—529, 

Ober geographische Hilfsmittel. Von Dr. Ad. SchmidL S. 593—598. 

Historische Aufsätze der «Allgemeinen Monalschrift für Wifsenschaft und 
Literatur' vom Juli 1851 bis December 1853. Von Dr. Max Bu« 
ding er. S. 599— 624w 

Die Conjunction qtmm in temporeller und causaler Bedeutung. Von C. J. 
Grytar. S. 749— 76a. 



IV 

über plastische Karten und ihre Eignung zum Dnterrichte. Von Anton 

Steinhauser. S. 833—841. 

Die Paulovicb'scbe Methode für den geographischen Unterricht. Von M. 

Hojfsak. S. 841-844. 

Die Klagen Ober die mangelhaften Leistungen im Latein an unseren jetzi- 
gen Gymnasien. Von Franz Hochegge r. 8. 845—872. 



flSureite Abtheilnnflr. 

Literarische Anteigen. 

Ampeliut (r..), von ß. Wo I ff I in, siehe Bibliotkeca Teubneriana. 

Anihotogia fyrica (graeca), s. ß e r g k. 

A riosto (L.)> Orlando fUrioso, Ed. Dr. G, B, ßolza. Vienna, S, Anna, 

angez. von J. B. ßolza. S. 144—147. 

B a b r i u 8, von F. (i . S c h n e i d e w i n , s. Bibliotheca Teubneriamu 
Balbi (Adr. u. Eug.), Nuovi elementi di geografla. 2. ediz. Torino, 

Cugini Pomba e C, i86i-'i8S2. angez. von A. Steinhauser. 

S. 792—797. 
Bart hei (R.), Leben und Dichten Hartmann's von Aue. Berlin, H. Schind- 
ler, 1854. angez. von K. Wein ho Id. S. 315. 316. 
Becker (M. A.), Handkarte von Niederöslerreich für Schulen. Nach A. 

Steinhauser 's Angaben gez. u. lithogr. von Frz. Simi5. Wien, 

J. Bermann. angez. von Fr. Simony. S. 148 — 151. 

Beduschi (G), La Chiave Omerica ossia ßjtito flIoL grammai, per 

bene tradurre PlUade. Mtiano, Pirotia, 1854. angez. v. G Linker. 

S. 764—766: 
Bellingera (J.), h'rötki rys Jeografli. Przez W. Schmidt. Bochnia^ 

Wawrzjfhca Pisza, 1854. angez. v. B. T r z a s k o w s k i. S. 889— 891 . 
^&fg}L{l\\.).Anthologiaiyrica. Lipsiae^ Reichenbach» 1854. angez. von 

«.Linker. S. 701. 702. 

Bibliotheca scriptorum Graecorum et Romanorum Teubneriana. angez. 

von G. Linker. S. 308—313. 

Bill (Dr. J. G.), Grundrifs der Botanik für Schulen. Wien, G. Gerold u. 

Sohn, 1854. ang. von Dr. Frz. Onger. S. 240. 241. 

Blanchardt (G. B.), Elementarbucli der italienischen Sprache. L Cursus- 

Leipzig, Renger, 1853. angez. von Dr. J. B. ßolza. S. 4l. 42. 
Brennecke (Dr. W.), Die Berührungsaufgabe für Kreis und Kugel. Ber- 
lin, Enslin, 1853. angez. v. A. Ger nert h. 8. 564. 
Bumuller (Joh.), Die Weltgeschichte. Ein Lehrbuch für Mittelschulen. 

2 Aufl. Freiburg im Br., Herder, 1852. 2 Bde. angez. von Dr. Ad. 

Wolf. S. 62—67. 

Caesar (C. J.), Commentariorum de bello civiii libri III. Erklart von 

Dr. G. Queck. Jena, Fr. Mauoke, 1853. angez. von W. Kergel. 

S. 450—457. 
Cicero (M. T.), von R. K lotz, Pr. IH. V. 1., s. Bibliotheca Tenbneriana. 
Cicerone (M. T.\ Orazioni scelte con note del Dr. G. Marimonti, 

MilanOy Grocchi, 1854. angez. von G. Linker. S. 217 — 221. 
Ciassici latini per uso delle scuole, s. Ovidio. 
Colshorn (Th.), Deutsche Mythologie für's deutsche Volk. Hannover, 

Rüropler, 1853. angez. von K. Wein hold. S. 554. 

Daniel (Prof. Dr. H. A.), Leitfaden für den Unterricht in der Geographie. 

Halle, Waisenhausbuchhdig. y 1854. aogez. von A. Steinhauser. 

S. 706—709. 



Daniel (Prof. Dr. H. A.), Lehrbuch der Geographie für höhere üulerrichts- 

anstalleii. 7. Aufl. ilalle, Waiseuhauslmchhdlg., 1854. angez. von A. 

Steinhauser. S. 705— 709. 

Dell in er (J.), Vocabularium für den griech. Elementarunterricht. Brauu- 

schweigy Schwetschke u. Sohn, 1852. angez. von Dr. K. Schenkt. 

S. 28. 29. 
D ieckh off (Georg), Elementarbuch für den deutschen Sprachunterricht 

in analytischer Methode. 2. AufL Münster, Theissing, 1853. angez. 

von Th. B r a l r a u e k. S. 876—878. 

— — Leitfaden für den deutschen Sprachunterricht in analytischer 
Methode. Ehend. 1852. angez. von Th. Krat ranek. S. 876— 878. 

— — Sammlung von leichten Muslerslücken deutscher Prosa und 
Poesie, lübeiid. 1852. angez. von Th. Brat ranek. S. 875. 876. 

Di od or US Siculus, von J. Bekker, s. BfbUotheca Tetibneriana. 
Du ucker (M.), Geschichte des Altertums. 2. Bd. Berlin, Duncker und 

Humblot, 1853. angez. von G. M. Thomas. S. 633—636. 

Kmo (G.), Grammatica della iinffua greca, 3. ed, P. /. Venezfa, Ant. 

di Töin. Filfppi, i854, an^jcz. von Fr. H o c h e g g o r. S. 302—305. 
Kngel (J.). Elementar- Atlas der Anschauung beim Unterrichte in der Geo- 

graplüe. Leipzig, Fr. Hentze, J854. angez. von A. Steinhäuser. 

S. 894. 895. 

— — , Neueste Wandkarte von Deutschland. Leipzig, Hentze, 1854. nn- 

gez. von A. Steinhäuser. S. 896. 897. 

E u r i p i d e s, von A. N a a c k e, s. BfbUotheca Teubneriana. 
— — , Aasgewählte Tragödien, erkl. v. Schöne. 2. Bdch.t Medea. 

Leipzig, Weidmann, 1853. angez. von Dr. K. S c h e n k 1. S. 625—628, 
Ewald (L.), Wand-Atlas der allgemeinen Erdkunde und physischen Erd- 
besehreibung, i. Orograph. Karte. Darmstadt, Bauerkeller, 1854. 

angez. von A. S t e i n h a u s e r. S. 797 — 799. 

Flor US (J.y von C. Halm, s. Btblioiheca Teubneriana, 
Gell i US (A.), von M. Hertz, Voi, L U, s. BtbUotheca Teubneriana. 
Gleim (Dr. F.), Leitfaden für den Unterricht in der Geographie, siehe 

Seydli tz. 
Gravisi (A. V. de). Italienische Taschengrammatik. 5. Aufl. angez. von 

Dr. J. B. Bolza. S. 630. 631. 

Hagen (Dr. E.), Untersuchungen über römische Geschichte. Theil I : Catllina. 

Königsberg, Gräfe u. Unger, 1854. angez. v. G. L i n ke r. S. 458—462. 

— — , Galilina, eine historische Untersuchung, s. Hagen, Untersuchun- 

gen über römische Geschichte. 
II artmann von Aue, s. Barthel. 
Ilattala (M.), Zmkosiovi Jazyka siaro i novo-tesk^ho a siovensH^ko, 

V Pra%e, K Mäbeh, 1854, angez. von A. S c h I e i c h e r. S. 480—482. 
Heck mann (Georg), Deutsches Sprach- und Lesebuch, t. Ahlheilung. 

Mannheim, J. Löiricr, 1853. angez. v. Th. Bratranek. S. 878— 880. 

— — , Deutsches Sprach- und Lesebuch. 2. Abtheilung. Ebend. 
1853. angez. von Th. Bratranek. S. 878—880. 

Heini seh (G. Fr.) und Ludwig (J. L.), Drittes Sprach- und Lesebuch. 

2. Aufl. Bamberg, Buchner, 1853. angez. von Th. Bratranek. 

S. 880—882. 
— . — — — — , Viertes Sprach- und Lesebuch für 

höhere Lehranstalten und Familien. Ebend. 1852. angez. von Th. 

Bratranek. S 882-889. 

— — — — — , Die Sprache der Prosa, Poesie und 
Beredsamkeit u. s. w., s. Heinisch u. s. w. 4. Sprachbuch. 

S. 882—889. 
Herzog (D. G.), Stoff zu slylislischen Übungen in der Muttersprache 



VI 

für obere Glassen. 5. Aufl. Brauoschweig , Schwetschke u. Sohn, 

1854. angez. von A.^Baumgarten. S. 467—480. 

äeufler (L. Ritter v.), Österreichische VaterUndskunde. Wien, k. k. 

Schulbücherverlag, 1854 angei. v. A Steinhäuser. S. 488— 492. 
Biliar dt (Dr. E. R.), Geometiische Wandtafeln S. 398. 

Homer i lUadis epUome. Ed. Fr. Hoc heg g er. P. H. (XI—XÄIV.) 

Vindobonae, C. Gerold, iSSa. Selbstauzeige von Fr. Hochegger. 

S. 799—810. 
Kehr ein (J.)i Grammatik der neuhochdeutschen Sprache nach J. Grimm's 

deutscher Grammatik. 2 Thle. Leipzig, 0. Wigand, 1852. angez. 

von K. Weinhold. S. 38. 39. 

— — Kleine deutsche Sohulgrammatik. Leipzig, 1852. angez. v. K. 
Weinhold. S. 39. 

-^ — Entwürfe zu deutschen Aufsätzen und Reden u. s. w. Pader- 
born, Schöningh, 1854. angez. v. Am. Baumgarten. S. 225—235. 

Koppe (K.), Die ebene Trigonometrie für den Schul- u Selbstunterricht. 
2. Aufl. Essen, Badeker, 1853. angez. v. A. Geruer th. S. 562—564. 

Kraft (C) und Müller (Dr. Corn.), Real Sohullexikon f. d. studierende 
Jugend. 2 Bde. Altena, Hammerich, 1848—1853. angez. von C 
J. Grysar. S. 31—35. 

Kunze (Dr. G. L. A.), Lehrbuch der Geometrie. 1. Bd.: Planimetrie. 
2. Aufl. Jena , Frommann , 1812. angez. von A. G e rn e r t h. 

S. 559—562. 

Leydolt (Frz.) und Ad. Machatschek, Anfangsgründe der Minera- 
logie. Wien, D. Gerold u. Sohn, 1853. angez. v. U. M. Schro id t. 

S. 235—240. 

Liohner (P.), HeUen nyelotan. Po%tonyban, iSSa. angez. von K. 
Halder. 8. 125—136. 200—211. 291—302. 

Littrow (J. J. V.), Die Wunder des Himmels. 4. Aufl. Bearb. von K. 
V. Littrow. angez. von Dr. K. Kreil. S. 320. 321. 

Lübker (Dr. Fr.), Reallezikon des classischen Altertums f. Gymnasien. 
1. Abthlg. Leipzig, B. G. Teubner. 1853. angez. von C Grysar. 

S. 35-38. 

Lünnig (H.), Deutsche Schulgrammatik. Frauenfeld, Verlagscomptoir, 
1853. angez. von K. Wein hold. S. 39. 40. 

Machatschek (Ad.), Anfangsgründe der Mineralogie, s. Leydolt (Frz.). 

Menzel (K. Ad.), Historische Leseslucke. 1. Tbl. Breslau, Gosohorsky, 

1851. angez. von Th. F. ßratranek. S. 789-792. 
Meurer(H.)> Leitfaden f. d. Unterricht in d. Geographie. 2. Aufl. Mün- 
ster, Theifsinfif, 1853. angez. von A. Steinhauser. S. 316— 319. 

— — Kurze Übersicht der Geographie für Volksschulen und Vor- 
beceitungsclassen. Ebend. angez. von A. St ein haus er. S. 316 — 319. 

Moiszisslzig (Dr. H.), Lateinische Grammatik. 2. Aufl. Berlin, Gärt- 
ner, 1853. angez. von C. J. Grysar. S. 305—308 

Ovidio (F.) Nasone, Le metamorfost» connofe UaL delprof, G. Rota. 
Milano, Grocchi, i854. angez. von G. Linker. S. 549— 552. 

Ovidii (F,) NasofU», Metamorphoees, Auswahl f. Schulen u. s. w. von 
Dr. J. Siebe lis. 1. u. 2. Heft. Leipzig, B. G. Teubner, 1854. 
angez. von K. Enk. S. 766—770. 

Pausen ias, von J. H. Gh. Schubert, 1^49/. /., s. Bibliotheca Teuö- 
neriana. 

Petersen (H.), Lehrbuch der Geographie. Hamburg, Schuberth u. G., 

1852. angez. von A. S t e i n h a u s e r. S. 555. 556. 
Pia ton, von G. F. Hermann, YoL lY, s. Bibliotheca Teubneriana. 
Pia ton, Apologie des Sokrates und Krilon. Mit erklar. Anmerk. von A. 

Ludwig. Wien, G. Gerold u. S., 1854. angez. v. K. E n k. S. 873. 874. 



?ri 

P i ij U r c h u s, von C. S f iil e n i s, Vol ///. iV, «. Bibththeta TeuMeNuna. 
r&elite lifrici Graeci. Ret. Tk. Bergk. Ed. Z Liptiue, ReieheHlmi% 

iSSS. Jiusei voti G. Linker. S. ö97— 701. 

Eave (UemrOt Luitradeti zu eineiQ melhodischeii DnUrricbte in der Geo^ 

grftphtö, Hannover, Haha, 1852, 1* u. 2. Curs. ingeK, von A. 

Slcjiihauacr, 8. 89t— 894. 

Qutntui Smyrna«us, von B. K o c h I y, s. Bibliotheca Tiuäneriana. 
saiimti (C> CrUpi, Mi^ioTiamm frugmenia. Ed. F. h'rii^iuw. 

Lißiiae, B, G. TmbneTy 1863. augei. v, U. Linker. S. 139—144. 
Stil- Harte, Wnlilicr von Aquitanten. Ülierset^t onü erJautert^ Magdo* 

bürg, CreuU, ia53* angez. von K. W*iinhold. 8. 3i4. 315. 

Sohl Ter [l^r. J. W.), Tabellen tut Geschichte iler deutÄchen LUeralur. 

Ldptig, G, Mayer, 1853, angex, von K, WeinhoN. S. 313.314. 
[ f e h e D k I ( Dr, K J , ürißchi^chas Gleoaenlarbuch , nach C u r t i u s und 

Ruhnor, 2. Aufl. Prag, J. 0. Calve (F. Tempsky), IS54. aoget. 

von K. Enk. S. 629. 630. 

StlliDartia (K ), Orundfüge der Zoologie. I. TheÜ! SyAtema tische Zoo- 
logie. Wien, C. Gerold u, Sohn, 3853. aiipe. voi» B. M. i^ch m i d t. 

S. 151 — 160* 
Sobmitt (F.), SUtislik dej o.slerr Kai«$<?rfitaalt?s. Nach llain's Handbuch 

der Statjjflik T d. Schu Igt' brauch hearb. Wien, Tendier u. C, 1854. 

angG£^ von A. Stei n haaser. S. 482 — 488. 

— — 8UlLJitik dcsa bsterr. Ikaiserilaales. Eband* 1854. angez. von 
M. flojlsük. S. 713-716. 

Schüben h (JulJ, SehulaÜafi der ftlteu und neuen Geographie, anges. 

von A. Steinhäuser. S. 556—558. 

Seh ü L at 1 as (NaturgeachichlUcheL'} £utn Gebrauche an den k. k Gymnasien 

und Real&chuka. OlmütE , Hülse) , 1854. angei. von Ur, Ernst 

Brücke. S. 710—713. 

Sehulz (A ), Wallber von Aquitanien, a. San -AI arte. 
Scbtil l£ (Ferd.), Lateinische Sprachlehre, zunächst L Gymnasien. 2. Aua^^. 

Paderborn, Scböningh, 1853. angez. von C. J. G r ysa r. S. 211—214* 

— — Dasselbe, angez. von A. WiJheJm. S. 214—217. 
8eh wegler (Dr. A.), Romische Geschichte. Bd. ], Abtb. 1. Tübingen, 

Laupp, 1853. angei. von Ur, G, Linker. S, 42—49. 

Seydiitz (ßrnst v*), Leitfaden L den Culerricht in der Geographie. 7. 

Aufl. ße^rh. von Dr. F. Gleim. Breslau, F. Hirt, 1854. ange«. 

von A. Stein ha u s e r. S, 636 — 646 1 

Seyffert (Dr. M.), Übungsbuch xum Übersetzen aus dem Dcntsrhen in^t 

Lateiniaehe rür Secunda. 3. Aul). Itrandetiburg, Müller, )853. au- 

gel. von C. J. Gry dar, S. J37— 139* 

Simic (Fr*), Hanükarte von C^iederosterreich, s. ßecker (M* A.). 
Sitnony (Prof. F.>, Kleiner Sehul-AHai. Wien, C Gerold o. Sohn, |854. 

angez. von A. ^S t e i nh au^er. 8. 64L 642. 

Sophokles. Erkifirl von F.W. Schneidewin. Leipzig, Weidmann. 

&. Bdchen: Elektra, 18i3. — 2. Aufl. 1. BdchenJ Aias, Philo- 

kiel. 1853. augez. von Em, Hoffmann. S. 530—549. 

Spiers(Fr.), iiricebiacbe Formenlehre (ur Aufanger. % Aufl, ßearb. 

Ton Tb. B r c 1 1 i r Efsen, ßädeker, 1852. angez. v. Dr« K. 8 c h e n k L 

S. 24—28* 425—428. 
— Übungsbuch zum Übersetzen aus dem Griecbischen in*« Deutsche 

und aus dem Deul^^cben \n% Griechische. 2. Aufl. ßparb. von Th. 

Breiter. Ebend. 1853. angt'Z. von übend. S 28. 425—428. 
Spiefs (F.). Tenria detle forme greehe pei primipimdi ecc. ad mo 

degU HaUunL Trenln^ €. SeUer, /6fJl. angcz. v, F. Hoch egg er. 

S. 702. 703. 



V[l| 



Spiteer (Jak.)i Ü^terreichiacbe VaterlfliidsgCEchichte für Schule und Elaus. 

Jena, Fr. Maucke, 1^53* nngei, von I)r, A. Jager. .s, f>0— 6*!. 
StaJelniann i\\), Varia wnriorum curmtna iaUntt moäis apfaia ad- 

ieclis archeippii. Ünüidif £, B. Gumm(, iM4. angei. von ti, M, 

Thoraae. S. 770— 77a. 

Steinhäuser (.\.), Handkarte von Niederö&terrclch, %. Becker (M. A.). 
Stifter (AdaibO und Apient (J,K Lesebuch zur Forderung liuitianer 

Bildung u. e. w. Pest, G< UeckeDastp 1854. anges* von Th. F* 

Bratranek. S. 773-789. 

Stil (Matlh.)» Gleichzeitiger Unterricht in der dcutacheti und italienischen 

Sprache f. Gjrmn. u. Realscb. Wieü, B. Lechner^ 1851. anget, von 

Dr. J. ß, BoUa, S. 40. 41. 

Sydow (Eli. v.X Öeutschlaad im Maf^stabt; von 1:2'/^ l^liÜ^ bearheitet 

von IL Bergbau s. Gotha« Perliiea, angez. von A. S t e i n h a uae r. 

S. 67—69. 
— — Sehij]- Alias. 6. Aufl. angez. von A. S t ei n h a u s er. S. 709. 710. 
Toffoli ( Franc. )j Siementf äi Algebra ml ttso del GlnmiH super ior(. 

Vimna, / Ä. Amministr. per vendita de* mrl scaiaslicl, 1853. 

angex von A. G er ii e r 1 h, S* 72—75. 

Vaterlaudskuude (üfitarreichische}, •. Heufler (Ludw. ßiller v.)< 
Vaterlandskunde (Uslerreichische). Wien , k. k. Schul buchervrrhg 



1854. Von M. Itüjfaak. 
Virgii <zu)^ Ausgabe von Th. 

Völler (Dan.), Schul -Atlas. 

Volk mar (C ), Fü^nuaia lattm. 



S. 713—716. 

L a d e w i g. Von Em. H o T ün a n n^ 

S. 221-224. 

4. Aufl. Eralingen, C VVeichardl. 1854. 

S. 894. 
Mit Anmerk. f. Schulen. Nordhauüen, 
Föratemann, 1852. angcK. von G. J* Grysar S. 552. 

Vogel (A.), Griechische Etementarlehrc. Plauen, Schröter, anget. von 
Dr. K. Schenk L S. 29. 30, 

Wa(>päu$ (Dr. J. E,>, Handbuch der Gfographie und Stalistik , begrün- 
det durch Dr. CL G. Stein und Dr, Perd. Hörschel manu, an- 
gez. von A. S tei nhauae r. S. 69-71- 
Wolf (J. \\\% Die deutsche GöiicHehre. fVaeh Jak. Grimm u. a. Göt- 
lingen, üielerich, 1852- angez. von K. Wehihold, S. 552— 554, 
Woll (StOi Die Flexion dea griech* Verbums. Zu der Sehulgrammalik 
von Fror. G Cur liua. 1. AbLhlg. Brunn, SlerulicbL angez. von 
Fr. üochegger. 8. 704. 705. 
Wpp Im l Falshi dla uiplkii klau niit%U€h m C, lt. skahtch simnazpair^ 
ttffCä, Tom tr^cL Lembcrg, Schulbücher vor lag« 1852. angez. v» 
TJi. Bralranek. S. 031-633. 
Xenophon, Opera omnitL V, ///. Cf^ri mimrii emped. recena. Dr. R, 
XuAuer. Goihae, Ikmiings, /SS 2. augoi;. von Dr. K. Seh unk I. 

S. 462—465- 

— ~~ , Anahasis, Erläutert von Dr, ß. Kuhner. Ebend. t852.. 

angez. von Dr. K. Schenk 1. S. 465—467. 

ZaiDbra(Dr. B), / principe € gii elen^nii della ßsica- Milmm, B, 

Fr. Vellardl, tSSL anger,. von Dr. K. RrelL S. 71. 7i. 

— — , hdtaduzione atlo sfudla detttt fisiea. Diicona. üdine, 0, 

'iUcchelio, i84S. augei, von Dr. K. K r e i 1. S. 72, 



nrlite A^tliellunft, 

VerorfiMunffcn ßr die ä$t€rreichii€hen GymfiaMfeni SiaiUtik. 

a) AiJgemeiuc Verordnuugcn» Erläfse, Gjrcular- 
«chreiben u. b. w. 

Erlaf« rom 31. OctUr 1853. SUpendicn Tur Candiüaten it«s Lehramtes n» 
Gymrta&ien mit jl^L und deuUcber Onk'rricUiü^priirliis. S* 7ö. 77. 
ErJafs vom 30. Novbr. 1853* i^euerlichor Goacurs för das pbilologisciie 
uiid g<?ogr. hifilor. Lchrfacli am römlach - kailiotiÄcheii StaJiJsg^miH- 
sium Jtu llermjiimsladt. S. 77* 78. 

ErJafs vom 10. Decbr. 1853. ßcsuch cvangeL Gymnasien TOsSeUa kziUio^ 
liscber Schüler, „ S, ItiJ. 

Erlafa Tom 9. Jaimer 1654. Äiulerting tri der Veribpiluii^ tiinl Ileiherifol>£i* 
des niturwirsenschAfi lieben Lobrsloll* am Obergymrhisjunfi, S, 243, 
rtafa Tom 16. Jänner. Aufstchl.^recbt der b ia c bot! t eben Ordinariate^ ültcn- 
den DnlerricbC an bathoU^chen (lymnasien^ 5. 101 — 1(33. 

Erlafä vom 5. Febr. 1854. Verwendung von Lehrern offenÜ jeher Gymna- 
aien o^er Healscbulen an KrivatlebrauÄlaiten. S. 243—244. 

ErUfi vom 17. Kebr. 1854. Geaeltljch« Bedingungea bei Einführung von 
Lehrbüchern. S. 244— 24f». 

EHart vom 17. Febr. und 9. April 1854. Die l^laturitätsprürung am Sehhifse 
des ScbuJjabreg ISH- S- 396— 3^>7. 

Erlarü vom 5. März 1854. Ri^guUerung der Gchalie und GehaUssula^üii 
des LehrerpersaDales in den aus öfTenUichen Fondü erb^lteneii Gym- 
nasien, 8. 322—325. 
Erlata irom 11. Marx 1854. Jalireaberichte vomSdiuljahre 18n> beitoniLcrs 
in betrelT des lateinischen (Jnteniehta. S* 325 — 329* 
Erlar» vom 29. April 1854. BenüUung der OniversJLätsbibJiolheken durch 
die Gymnasipilsdiiilen S. 811—812. 
[£rlaC» vom 15. Mjii 1854. Eulhebung der Lehrkörper vor der Einsendung 
der Conferenzprotocolle, S, 898. SO 9 
ErlaTd %'om 10. Xuni 1854. Die zum Gebrauche an Gymnasien deutscher 
tlüterrlchtssprache approbierlen Lehrbucher« (Samml Verzeichnis.) 

S. 565—571, 
^Erials vom 10. Jyü 1853. Mtabrauche bei den Maliiriläläprufunjeen. 

S. 242. 243. 

Ertafä vom 2t. August 1854. Regetuog der SprachverhaZlniüse an dt>n 

Gymnasien Croatiens. S. 812—814. 

[£rlafa vom 24. Anguat 1854. Ehrenprüfungen amSctdurso des Schuljahres. 

S. 814* 815. 

'ErUfs vom 28. August 1854. Fetitsetzung der Gehalte und der Diäleii- 
cl4sse, der Kategorien und der FuocLbnen der Schulrät he. 

S. 717— 719. 

ErUrs vom 10. Octbr. 1854. AlUugrorüc Frequenz und damit znsan»- 

men hängen de Errieh tuiig von ParalleEeursen. S, 815* 

Erlafi vom 30. Oclbr, 1854* Schuldispena Israel iL Gymnasiabchüler an 

Israel. Festlagen. S. 8l>9. 

Erlafs vom 9. Novbr. 1854. Kalligraphischer (Jnterricht an den tivm- 

DABien. $. 899* 9i}0. 



b) Erläfse an einzelne Scbulbabörden* 



L 1f>. Februar 1853. nilf.'>lehrer und Supidenteti. 
LI. Früfiiog aus d«n Landcäsitracbeu. 



S. 24(1. 
8. U6. 247, 



LH. AufnahmsprufuDg für Schüler , welche häuslichen Unterricht genoCsen 

haben. S. 247. 

LIII. Ober Location. S. 329—331. 



Slataten des philologisch-historiechen Seminars der k. k. Wiener Univer- 
sität. S. 643—649. 
Verzeichnis der Lehrbucher für Unterrealschulen in deutscher Sprache. 

S. 720. 721. 
Ergebnisse der wirsenschafllichen Prüfungscommissionen für das Lehramt 
an Gymnasien und Realschulen während des Schuljahres 18jJ. 

S. 727—732. 
1. Gymnasial-Prufungscommission in Wien. S. 728 -730. 

2» Prüfungscommission für das Realschul -Lehramt in Wien. 

S. 730. 731. 

3. Gymnasial-Prüfungscomroission in Prag. S. 731. 732. 

4. Gymnasial-Prüfungscoinmission in Lemberg. S. 732. 

5. Gymnasial-Prüfuugscommission zu Innsbruck. S. 822. 



c) Statistik. 

Statistische Obersichl über die österreichischen Gymnasien am Schlufse des 
' Schuljahres 18*'/s4* Heft XII der Zeitschrift für die österreichischen 
Gymnasien. 1854. 



d) Personal- und Schulnotizen. 

(Hit Etnbecug der Personen- und Ortsnamen in den tfiseellen ) 

Alt, Dr. Antonin. 248. Allh, Dr. Titus. v. 730. Althan-Ruhland (Stip.) 821. 
Aneclot, J.A. P. Fr. 821. Antal, Job. 904. Apel, Dr. U.E. 496. Appoloni, Pet. 
000. Arnetb, Mich. 337. Ascbbach, Dr Jos. 816. Auersperg, Ant Alex. Graf. 
V. 79. Balla, Äthanes. (Stip.) 166. Balling, K. J. N. 572. Bärändy, J. 337. 
Barth, Ür. Christ K. 250. Barthel, K. 336. Bartsch, Dr. H. 399. Bauer, 
Mai. 649. Baumgarlner, Se. Excell. Andr. Freiherr v. 79. 573. 649. 723. 
817. Bayer, Tbadd. Edl v. (Stipendium.) 575 Beer, Adolf. 729. Beer, 
P. Andr. 816. Beer, Dr. Jak. 333. Beltrami, Giov. 496. Benvenuti, AI. 
722. 822. Bergmann, Jos. 248 333. Bernd, Dr. Chr. Sam. Th. 726. 
BiosuUi, Job. 822. Bitztus, Albert. 304. Blaha, Job. 721. Bocries (Stip.) 
575. Boisseräe, Sulpiz, 399. Bonitz, Dr. H. 649. 650. Bottura, Dr. Pet. 
722. Bradaska, Franz 649 729. Bülow, Edl. v. 166. Bula, Tbeophil. 8l6. 
Buswald, Jon. 729. Canal, Pietro.8l8 Garabelli, Dr. Wilhelm, ▼. Lunkaszprie, 
248. Carina, AI. v. 397 Carrara, Dr. Franz. 251. Castclli, J. F. 334. 639. Cerri, 
Gajetan. 723 Chmel, Jos. 333. Christan (Slip.) 166. Cicogna, Em. 650. 
Claicli, \lich. 729. Clauren, H. 653. Codagya, Dr. Gior. 818. Codemo, Joh. 
494. Collin (Slip.) 334. Coroaggio, A. A. 659. 660. Csergheö, Laur. 332. 
Czezik, Em 248. Danel, Franz, 729, 900. Danilo, Joh. 729. 900. Daval- 
Marchessand (Slip.), 576. Decker, Aug 817. Deinhardstein , J. L. 164. 
Diclilz, Direct. 821. Dietrichstein, Se. Durchlaucht, Fürst Franz Joseph, 577. 
Doblika, Josef Karl, 722. Doblika, Karl, 729. Dobrila, Dr. Georg, 8t7. 
Döbler, Ludw. 573. Dominkusch, Job 729. Dfbal, Matthias. 729. Dwofak, 
Leop. 731. Dwofak, Wenzel. 731. Ebersberg, Jos. Sii'gro. 822. Ehrhardt, 
Vinc. V. 493. Ei.s'^nlohr. 399. Eisenlohr, Dr. Ollo. 496. Elisabelh, Ihre 
Maj. dio Kaiserin. 572, 573. Elisabelh (Slip.) 902. Elschnigg, Dr. Anl. 729. 
Ender, J N. 399. Engelhard. 334. Ennemoscr, Dr. Jos. 727. Erben, Jos. 
164. Ersl» Jos. 729. Farinati, Barth. 817. Farinati, Cirus. 822. Feierfeil, 



XI 

P. Karl. 729. FdJ, Jot. 248. 493. 8! 6. Ferainandfjsfhei Slip. 336* 576. 

821, 902. 903. Flli, K. MicU. 251. Fischer, flr. Fran* Aat (Slifk) 0üX 

Fiscticr, Dr. Friedrich. bO. Fischer, Johnon. 731* Fldschmann^ Aul 73 L 

Fjicilcmanu, Dr. Fr^ T. 166. Frisiaüi, Rok Paolo. 818. FromherK, Ur. K. 

i 49tj. Füraip ücörg. 335. Furtmalr, Wjii 726. GMrr. Dr. ü. Andr. 79. 

f^sbrigd, VViih, 732- Gassisr, Vtnc. 334* Ga«sncr, P. Theod. 722. G.U- 

I bo^hükl, Job, 494. Geblteka. PauL 731. GeülilLiii, Job. 816* 022* Gi^rold, 

k. 727* 728. üieseler, J* k. L. 577. liischig, Joä. 592. Giax, Heiuf. 2^- 

'Oleira^ P.Franz Ign. 729. GlJubich iCjubicX äimeon. 729. litabocdk.ios.Bl?. 

I Closius^ArlDer (iitip.) 255* GÖJ^ Job. 817. Gdlkr, Dr. Frmz. !67* GoÜmayr, 

1 br. Atidr. 163 900* GoUbelf, Jereanias. 904* Gotlwald* (Slip.) 576. GnlJpar£*?r, 

Fr. 79 572, Gi ion. JusN 729. Grosd, Tomm. 167. Grolofend, Dr. G F* 167. 

Grün, Ana«la^JU8. 79. Grö«, Üiooys 73 r, Gubrauer. Dr. O.E. 167. lUm, 

Dr Mich- 333* Hifdö, Karl. 729* 900. Ibifiier, Frao^. 398, Halm, Wilh. 

494. HaidenbursVch?8 SUp. 334* 903. Ilaidingcr, Wilh. 333. \htm, Fried* 

rieb* 494, HaiuerlinK* Hupr. 729. 900* Hanuncr'Pur^.staJI, Jos* Freiherr v. 

79. ie;i Hanacjk, Jos. 731. Hauel, Ür* ioa. 163. Hantikür, Gtorg v* (Slip*) 

\m2 Hasiherger, P. Gr* 249- Ikake. FranB. 79. Utl>euslrdl , Dt, W 399, 

Bt'lferU Dr. J, A* 322, 572. S16, lltjlkr, Karl. 164. Hera, Kraaz. 398. il»y, 

Or, Wilb. 653. HeuÖer, Ludw. Killer v, 249, Ht?un, k. 653* ljeyd<?r, 

Dr. GnsI. 332, IHIle. Se. llocbw* Üartbol. 572. UiiiU^rberKcr, Dr. Fnedr. 

I 730. tljrseb, ür, Hud. 550. Ilnidy, INik. 163, llolkr, Dr. Cüust. 249. üq- 

Ijtthbpr^er* K. Georg. 332, 730, Höiii«Äbfirg^ Dr. Ferd. Kdk'rv*493» HöU(, 

lJ09. 722.729, Hon-r, P. Edm 79, UolTüiaim, P. 576* llobenbalk t3i»lip*> 335. 

[lohen warlor, Job 822. Hohcti^arler, Thom. 1 64* llol^Egethao, Dr. G4?ürg,332. 

illorni«. Hm 3.52, 730. Jah*i n^^ki, Vinc. 732. Jacob, Prot Fr. 726* Ugvt, 

\B . ktherl. 333, 816* inneiii, Ant 729. Jt-bljeka, Ar. 163, Jirfcek, Jos. 

1:^12. Ivauovich, Peter 334. Raibliuger, Js»* 650. Kaittabrminer» P. Alex. 

fi2l* S22 KandkT, lir. P 333. karajaii, Th, v. 249. 649. KAlki^ Igi». 7;*K 

[lelln*?f, Üeteua ÄpolL (Slip ) 902, Kbneig. (Slip,) 575. Kidmamisep^% Frhr, 

|Ci**ipJ 165. 398. 399* kirchberg, Frhr. (Slip.) 575 tvlecinann, Dr. Job, 332, 

il4rin«tisiewic£, Dr, Ldw* 900. Knaffl. (Ntjptfod.) 335. 726, Kiiik , Rudolf, 

l«49* 650. Köck Dr, A. l-, Th. ii52, Kö^l, .Seh. 650. Kopier, ^^ ilh, 730* 

Hm, KönigsberEü^ P. Priedr. 822. Kopp, DirucL J*21. Kolb, (Slip) 902. 

llolUr, ViQC. 333. KoMcheg^, Valent. 729. 816 Koni, Max, 250, 2,^1. 

]Kotrbe1oe, Dr* Lcop. 731* Koll, Franz, 731. 817. KoEacsek, Jos v, 333* Ko 

[Tics, P. Mnrc, 817. ko2ciin,BI. 163. Krakowiu<T,Joh.(SGp, )902. Kraiky, Dr. 

el. 722. Kr^lochwile, Dom. 817 Kovnrii^, Jos 8! 7- Krcy&atg, Dr, J^ 

»496. Krischek, Ed. 722. Krombholi. ArU. 332. Krusi>n.«kr, Job. 78. Kiih- 

'iteft, Ür Ernst* 730* kürsinger, Ign. v, 723* Lang, Ad 729. Lang v. Hoi'- 

niu* (Slip.) 575*902* Linge', Dr. Friedr 82Ä, Legi^i, AiiL 729. Lebrbauin, 

l A* (i^rip.) 334. Leibrock, Äug. 166, LeiUigeb, P.Seb. 78, Lenz, J,n, v. 399. 

[iepsiiis, k* Pet 166 Leselickyi Adal. 731- Lewinski , limur 722. 732, 

le\a, Josi de 64ö- 729. Lili^hbuis* (Slip.) 903, Lifsner, Franz 731. S17, 

[ÜMfier, Job. 731* 817 Litlrow, D . K. l* 495* 496. 572* Lobpreis, Job. 

$16. Lorenz Dr. Jos. 822. Luka.s Job. 732. Liiscbin, Franz. 399. Mada- 

nhy, Job. 2^H^ U^m, Dr. P. 337. Mafirini , l)r. A. Ö6o. Mai^ Angclo. 

726. 727* Mainardi^ Dr. Casp 818. MntskT, P. Aiidr 822- Malinö, Job* 

Uü. Mafecki, Dr. AnM 63, M.TKniti, Dr.Joh.900* Malowany, Veronika (*Slrp,) 

^^2. ManageUa, Dr, J W, Rill, v. (SiipO 576. Mnivdl, Leop. (Slip.) 574. 

iarrk, Dr, Jo,s. 729 900. Manisch, Jos 572. .Waria Magdalena, Erzheiio- 

riiii (Slip*) 250. Marufsi^.Joh, 722. M;j(lendait, Rnroti PeU8l8*8l9* Malunei, 

Marl. 332. M^liüir, Job, 732, Mayer, Dr. Gollfr. 333. Mayirbofer, Jo?*. 

(Slip,) 901, MayfsL Max. 722. M^hes, P, v. 333. Mdslcr, Jak. 722* Mclly^ 

lir, Fd, 904, Meniri, Dr, Lod, 8ia, Mcschular* Andr 163. Meyin^rl, Dr, 

Jlerm* 818, M(ni«lurium da^ Cultus uuit Otitcrricbti. 651. MiKcbiato, Giov. 



m 



729, Mitscliertich, Dr. Chr. Wilh. 167. Monlgomery, James. 496. HoreUi, 
iJr- G- I6Ö. Wonenthal, Dr, S. IL lt)5. 249. 050. 723, Milial, Job- Ki-J. 
Mtiller. io* 649. Mijllt;r, VV< 72» Mrincli-lk-llin^bausen, Klig- Krii, v. 494. 
ftiutK, P. Ailölf, 732. ^3gy, Ig", 337. Namjesk)' . A. F. C^Stip ) 575. 9i>2, 
MiiwrJillI, Joi. 729. Kebe, 727. i\f|joimicky, Jos. 722. 732, IVesic, Matth, 
1Ö4. Ktfuzi», P. DcUviati. 732. WickcH. iJr. Fraiia. 248. Hitwcbc . (Stipj 
r>75. 902, Koljili*, PeL ¥-905. Nonne, L. h. 821. Nowak. Dr, Au^. 904, 
iNowicki, Älax. 493, 732, Nyirak, Ixii. 333. Obernhulier, Ph, 332 Üü Hin- 
ter, Ford. Anlfej. Iö8, Ohm, t)f. G* 57Ö. Orclli, l^rof. koiir. v. 72d, Ürsi, 
Paul, 334. 817. Orii-M-iimra, Coni^ GiroL 333, Pädagogische Slip 65 L 
PiiutnaiJiu Job, Ffbr. V. 397. Poutk , Theoit, 72*1. 730, Paiio , Ür. J, G. 
VV. 726. Parlbe. Ür, Jos. 7ö. 732. I^arlsdi, Joü. 730. 817, Paibcli, Päd. 
333. i^itckj Job. 493. Pautilscl», R J, 8l6. Pauiiäc£, Micb 334 Phw- 
lowaki, FrnriK, 817. Paiüut, Jos. 7<,i2. Pel>a|, Ir, Crop v. 730. IVgger, F, 058, 
Pellico, SjJmGraf-ltJ7, Pt?reK, Noliile Paulo, 248. Pi^rtout. Aul. 901, l*fyirer, 
J. J. X. tu Wcueck 80. Pbili|i|>s, Üf, (ieorg 3.33. Piclilfr, Ludvv, 399. Pic-rre, 
Ür, Viel, 78. Pi'^ko, F J. 658. PotlmanilÄky, Ikrm. Frbr, v* 255 Pöücbl, J^k. 
493. 731- Poli, lir. Kald. 818. PotksU-ifjer, J, ». (Slip.; 335, Poppe, l*r, J, [1. M. 
251- Poäsanep V. FreuUial, Fnisl, 650^ l'mtohcverfi, iJr K. J. Frirr, v. \\ iesborn, 
250. Prechtr, Joh, itlUcr v, 904. Pre<-htler,Ono.404. PiOÄcUko, Dr. Franz Jo», 
649. 722. Puff, Dr H. Ü 164 Pujliob, U*!org.64D. R.iOUt, A. J, v, (Slip.) 903. 
Kmiman, Dr. A. 659. Itani, K. 572. Rfliifil. J. Mntib. 905. IkbiUch, EUas. 722. 
Kechberg (Slip.) 821. 903. Ikvichel, Wmvi. 333, lleicbeober^er, Ür. Atidr, 
905. Heiser. Ferd, 248, Repä^sy, Jo«. 163. f\dsü, Wctu. l63. 732. Reusa. 
Dr, A. E 572. Rieci, VicL 822. Itiedl, Am. Mhx, 722. RiifrJ, Gus(. Frhr. v. 
332. Hieger, Ant, (siip.)820. Rier. Jos. 722, Riese^ Älicb. 730, RUs, Jos. 
732. Rocht^lte, Desirö Raou), 577. Uocheüi, Dr. Aless. 3ö9. Kös8l<?r, K, 
Hugo. 572, RosenbursWbüs Slip 334, 903. Rosen3twei^% Vjiic. l£dJer v, 
164. 723. RoüSüUi, G.ihriel. 496, Roisi, Dr. Fratic, 650, 8*8, Hott er, L»r, 
J. J. 333. Roller, Rieh, 731, Rova, Dr. A(vx, 332, Roiek, Juh, 722, Ro- 
Äornj Joh- Weiiz. 731. üaiot llüairt?, Aug. 166. Saniaruir, Hoiiif. 6i>8, 650. 
i»aiilMir, Giov, 333. Sauler, Ferd. 905, Schaffer. Franz ion. 650. Sirhelleu- 
bur^. (Stip.) 335. 652, Schelhrjg, Fr. W. J. 653. Schenacb, Georg. 334. Seljo- 
nach, QuiriiL 334. Sch^rer, Aiulr. 817, Kabeuha, Heinr, 730. Scbick, (Slip,) 
575). Schiller, Karl. 731. Scbilliug, Ür, Aug. 494 Scbmiil , Dr. Chr. 726. 
Schmidek, h. 78 Schmidt, Dr, Ambr. 7.10- SeUmidl, Wjlh. 722, üclinnbel, 
Dr. G. a. ,572, Sehiieidawiiid, E. J. \, l«4, Schn<;id<*r, Ur, Job. Clir, Fn dr, 
80, SeJuieidrr, Jos, 731. 818. Sehöbl, Or. Ed. 248, Schöpr, P, Joh 822. 
iichok. lüi 722- Jicbozaii, Matist Rcgdia. (Stip.) 495, Schrfi(jzer, l^dui. 33«. 
731. Sriliott, P.ÖcUa, 730.816, Sehnbe tj'erd, 723. Schwägricheji, Dr, Cbr, 
Fr. nki Nehwaulbalrr, Fr-inÄ, X. 8ÄI, .Scbwufi, K. 248 Seidl , J. G. 3;U, 
iJcwcik, Fniiu, 731, Siher, Ür, Tbadd. 726. Sidiiiig^r . Dr, Jos. 7*^. 334, 
SU'gl. P. tvd. 817. Skladal. Dr< (.Slip.) ö:)2. 904, ökubmlty , Uod. 723. 
Smila, Joh 731. Sobie^äki, SUnietl. 572. 732. Sobola, Job. 722. Äolni, Jo\ 

730. 900, Souveslre, Kmil, 577, Spitzel, Arit, 818 Sprenger, PauL 905. 
Maude, u. ö. tStiftplaU,) 652. Slaiiecki , Tbom, 732 ^Jlecker. Dr. Mich, 
905. Silin, Joh, G v. (.^«ipj 165- Sleinb^'rger (Stip.) 902 Sleiugari^, tK, 
65S. SlelJa, Rad 248. Slchlecki , Dr. Albin 7.\0. Stenzel, Dr. t;. ,\, I!, 
IÖ7 8t<'jdi loy, Hud. 818. Sleme, Ferd, 332. 333. 334. ,SUfie^ Ad.ilb. ,1.34. 
öliiupt'J, Atd 78, 816. Slis, MaUhia». 731, Mraist^r, 1', Gahriel, 721 730. 
Siraus. (Mip. I 67r>. 902. Nwoboda. i>r. Ad*dh. Viel. 730 S>lko, Jov. 730. 
Sxaido, VVdwc. 255, S/,ilägyi. Jos. P.ip. *^M, Taodkr, Jos 24H Tai y (Tan)» 
P,X, 166. 3yM, ruj^^rh. Dt lleitn, 104 Tfuingei, JidvjMili.i The ts*M, ("^'ip.) 
24». Tenlitm. Job 730 Tr.^aK JtH, 732. T- ulTenh.icb, Fibr. (Sii|i ) .135 575. 
Tbuu, 80. Eic. Gral Leo, 332. ri76 Tirby , Jn^, 41'3, TonNisihrk, Aul, 
721. Tomaschek, Paul, 333. TdMdii, Paol<) 6^3. Trwska, Heliod. 822, 



Ulf 

TsfMen, Anl'*?^. Tonsl, Joh. 722. 7S0, T^ntm, 0r. Jon. SIS. Tyn. 
Em. 79. Vi«ohorskv* Jos. 732. Vogd, Heinr. Ö49. Vo^el, mar. 7iil. Voi^l. 
.Jtr. Job.650. Voss, ("stip.)8Sl Vouk, k" Ik'rua dua, 730. Vukn»ovi<\ VjtatH, 
|73<r VViirJianek, VVinj, trjcdr. 73t Weber, Heda 333. Weuier, Dr- Aot 
7ö* WeiijlioUl, K. d50. Weiser, Dr, Jo?i, 79. Weisa«, Max. 334. WeiK 
jtMip.)r>74. WdiH>a, P, ColumbAih 73Ö. Wtfji^ig, Jüj*. H51 VVerner, Ü, 162, 
piik^mADU, Div Kd. 653. Wimer. lim. Uonh 730. WiUigb, Ernst. 731, 
IWiu-Uiag, Joh. Joüclj. liraf v, (SlipJ OOL Wilinief, Wilh 250, Wolf, lir, 
iFiMd. 79. Wyslou7.il, Wilh. 732 Xtcliar, Chry», 334. Zambra, Beni. SlS, 
llaiDbvlJi, Ü, V. B. 818 XedliU, Jos. Chrisl. K ejherr v. 7Ü. 333. Zeich- 
ne uxsUpendkn CJ3I Zt^ilhamitier» Arjt. 732. Zelller, P. Jusl. -137. Züuiic» 
' |lr Aifg. 250 ZimfiicrmauiT, Joi. (Slip.) Ö03. ZolcliocLi, Audr. 335, ZoNer, 
tkrnaril. 652. Zwaoiiger, Jg. iO. 



Die Namen sämrollicber Osler r, Gymnasien (mii An- 
gabe der Zahl der Lt^hrcr und Snhüler, dein Ergebnisse der Cla^ssiücation, 
der Alaliifit.ihprüfungeu u. s. w.) in der slÄilsUiclien Ibersiclit, wdthe dua 
HcJt XU dieses Jabfgiins^fl bildet. — Agram. 164, 3M. 495. ti49. 729. 

kf3K Alfenburg. 820. Aszod. [Progymn, A. C. 255,] Bocbnia. 404. 422, 
Boien. 822. Itrpgcm. [tfnterrealsch. 818.] ßnxen.334. ßroily. [Uulerrealscbp 
725 J Briititi. [Gymn. 658. 722. 817. 901. Tecbn. Au^t. 336. 4Ö3. 90h 
ÄeaL^h. 6451, 73I.J ßudwcis. 573. 731. 8lT. CiUi. 398- 72 L 729, 900, 
Cfecna. 63b, 659. Cremoiia. 332. 900. Croatien. 49.^. Czcrnouitx. 163. 
495. 573* 583. 651, 722. 729. 732. Eger, 573. 732. 817. Eisenach. 820* 
Eperies, 334. A. C. 587. 588. Feldkirch. 622. 900. Görz. 78. 399, 4ll — 
413. 721. 722. 816. 819.900. Gral^- [Urüv. 248. 650. Gymn. 723. 739, 
821. 822 900, Joann. 494, 649 730. UberrealÄch. 649. ünlerrealscb. 573. 
818, Älufiler-Hanplsch. 817,] ßrofswardeiiu333, Güm. [Beiicdicl. Obergymii, 
407. 4081 Hermannstadt, 404—406. 722. 730. 732. 816. llüd-Mezö^Va- 
tarhely» [OlTeul. Gymii.H.C 254.} Uorn. 816. Hradiücb. [ünlerrealsch.574.] 
Iglüu. 78, bbZ bmdiruck. 78. 162. 334 576. Ji^in 573. 731. 817. Ka- 
loea«. 163. 31^8. Karrzag-Ujätailas. [Gymn. Lchraual, H. C. 255.] Kaschau, 
79. 162. 333- 822. KeUkeoicl- [Pnv. Gymn, 11. C, 255.] feeatraark. [Priv. 
(lyran. A. C. 537. 688.] KU Hüii-llalaa. [Priv. Oymn. 255.] Kis- Ujaxalla?«. 

|[PriVv Gymn. It. C. 255.] Riagenfurt 729. [ObcrreaSseh. 901. ünlem-algeh, 

[S2\K] klallaii. 403. 404. Königpr.iU 573 731. 732, 817. Üomorn. 334. 
lorneu bürg [HaupU und Dnterrealsch. 725.] Krakau. [tJiiiv, 103, 334, Gymn. 
732 900-] kreiD«. 416^418, [HaitpL- uttd DiUerreaUch 494.651] hrem- 
«icr 820. Kremsmünsler. 249. 418. 41». 721. 730. Üunt-S^ient-f^likliis. 
[Gymnasial Lchranst 11 C. 255.] Laibncb, 163. 398. 413, 414. 722. 730. 
816. 817* 900. 901, I>eipa (Böhmisch-)- 403, LeiliBerilz. 78. 732. lern- 

[herg. [Cniv. 78. Ac. Gymn. 162. 722: II. Gymn. 78. 730. 732. Ti-eluu 
Akad, 78. 336. Knaben -Seminar 573, Lal. kfith. ,Muslei*-lbiiiplst*h. 494,] 
Leulüch.^u, 163. 406 407 [Pnv. Gymn. A. C 587. 58B. 722. 732] Lins, 

,649. M.iilaüfl. [Hrvta 818. Porta nuo\a. 649. 660. 662] IVIaini. 589—592. 

[Marburg. 163. 42 J. 422. 724. 729. 816. [Uiiterreaiseli. 724.] Marmaros- 
Siiget. [Priv. <äymn, H, C. 588.589.] Rkran. 822. Mrzö Tur, [Gym. Lehr 
Änsl II. C. 255.] Wiskülz. [Priv. Gymn, A. C 255. Priv- Gynni. II. C. 254] 
AlOMia. 659. 660, Nagy-KbrÖ*. [(iCTenlb Gyrata 11. C. 254,] Neubaus. 248. 722, 
731, NpiJs^obl, 407. 722 ?yeualadl (Wiener-). 751. Nurnhcf^J. 248. Oeileii 
borpr. [liene.lictiiKT Obergyninai^iuni. 78. 79. 332. 333. 334. 407 ] Ofi'n, 

1^33. IKaiholiÄche^ Gymnasium. 409-411.722. 724. 721*. 730 819. 820. 

' rnlerreaNeh. 819] OlmüfJl, [Cniv. 163. 419, 420.493. 724. 730. 819. Pa- 
tina [Ikiiv, 399. 818- Lyc. 649. 729.) Paul [SL) 730. 816. Pavia. [Univ. 
332, 649. 818 901] Peslb, [Lniv. 398, 819. Priv. Gymn. Ä. C. 255. 



XIV 

He^lscli. 574.] PiseL 732. Pöllau, 817, Füllen (Sl.) 651. Prag. [üniv. 723. 
M&U Gymn. 16^^. 649. 722. ^LeiDS. Gymn, 582. 81fl. 817, mäiui. techn. 
Inst. 248. 57t. 723. OUerrealsch. (DeuischcJ 730. 73!. (Böhm:) 164* 818.] 
Presshurg. 78. 248 533, 4l», [Kalk Gymn. 582. 722. 724, 729, Obcr- 
roalsch. 901.] PrEeioysI, 722, 732, 817. Ragusa, 729. Keichenherg. 4l5. 
41ß. Rtma Sxombal. [Priv, Gym». A, C, u. H. C. 58S, 589] Rosenan. [Kn\h. 
GymiT> 1Ö3. 817. Pfiy. Gymn, A. C. 587, fiSÖ.] Hoveredo, 334. 722. 8lö. 
817, 822, Sflflz,580. 732. Salzburg. [Gymn. 249. 250. 651. 822. ünlt^rrealsch. 
818,] Sambor. 493, 732.817, Haiidec t^Nou-), 572. 73^ Siiros-Palük. [Priv. 
Gymn, H, C 588. 589,] Schlesii ii. 64ö, SccIru. 817. Slavonion. 495. Son- 
ilrio. 900. Slackerau [Haupt- und üitterrefllscb, 195,] Slryi. [IhupUchnk^ 
494.] StuhJwfifseoburg. 816 Sink^zo. [Priv. Gymn. 588. 589.] Teücbeti, [Katb. 
Gymn. 163. 721. 722. 817. 900- Evang, Gymn. 584. 73U.] Trient, 817, 
TriesL 579. 582. 722. 729. 816. 817. 8 J 9, Troppau. 163. 248. 573, 721. 
725. 900. [Ünlerrealsch. i64. 724,] Düine, 658. Venedig, [Sla, Caüerina. 79.] 
818- Vicenta, 494. ViUach. [ünlerrealsch. 249] VinkovcE^^ 336, 730, Waid- 
bofen an der Ips. [Haupl- und DnU^rrealsch, 495.] 725, 904. Waraadin, 332. 
Wien. [Dniv. 332. 650, 731. 818. Acad. Gymn. 418. ScholtBii-Gymo, 572. 
Joseph*Gymn. 730, Theresian. Gymn. 494. 578. Olerrealscli. atn Schollen* 
fdde, 79. 415. 421. 730. 731. Oberrealsch. an der Land.Hlr. 79. 332, 415. 
730. 731. NorcDal'lIaupt- und ünlerrealscb* üei St. Anna, 249, 398. 723* 
725. IJaupl- und Ut^atschule des k. k, WaiBenh-iuses. 724, 725. 819, Un- 
lerrefdscb. zu Gumptiudorf. 398. 725. Zoller ßernard'^ißhe Haupl - und 
Renlsch, 398. 652 Unterrealscb. bei St Tbekla, 731. Polytecbn, Insi. 493. 
573 730. TheroKiaii, Acad. 810. Orient. Acad. 726.] Zara. ö49, IJ58, 722. 
729.900, Zeogg. 336. 65L Inaiiu. 78. 580. Zombor. [ünterreadsch, 574,] 



irierte itbtlieilunEf. 

Mtscelien, 

Schulprograismc osterroichiicber Gymnasien am 
ScbiuTse d es 8chu]jabrc& 18^%,. 

.. Nredei'österreich ; J.Wien. 1. Akad. Gymn. (Mit einer Abband - 
luu^ von A. Gerne rth), bespr, von Dr. K. Kreil, S, 4lS. — 
2, Theres. Gymn. (Mit e. Abhandlung v. I, Lobpreis), beapr. v. 
A. Gerne rlh. S. 578. 579. — 3. Schotionfelder Oborrcalschul*?, 
(Mit e. Abhandlung v. Tbeod. Vernaleken), bcspr* v. A. WH* 
hcLm S. 414. 415. Ebend. Abbandlnug v. Prof. Ilartmann v* 
F r a n Ä e n a b n I d. bespr. v. A. G e r n e r t h, S. 421. — 4. I.snd- 
atrasser Oberrealschule. (IVIit e, Abhatidluo^), be^pr, v, A, Wil- 
helm. &. 415. — 11. Itrema. (Mit e. Abhandlung v. Prof, A. Hol- 
lerj bespr, v, J, G. Sei dl, S. 416—418. 

f, Oberdsterreich ; Kremsmiinsler. (Mit e. Abhandlung f. A. Nesl- 
huber), beüpr, v, Ür. K. Kreil. S. 418. 419, 

', Sleiermarki Marburg?, (Mil e. Ahhandlung v* J. F. S Ire im). 
hespr. V. A, Gernerth. S. 421, 422 

^ Krain: Laibach. (Mit e. Abhandlung v. Prof. K* MeU«r}. beapr* 
V. A, W ilhelm. S. 413, 414. 

'. Küstenland r 1. Triest (Mite. Abhandlung v, W^ Lei Igeb). t)espr. 
V. A. Gernerlh. 8, 579. 580. u. m, e. Abhandlung v. 8. P u n l- 
scherl u. bespr. v. G. Curliua. 8. 96, u. v. H, Boniti. 
S. 582. — 2. Göri. (Mil 6. Abhandlung v. Pfof. V. Laukolzk y). 
bcapr. v. A. Wilhelm. S. 411—413. 



t9 



F. DalOQitleiit Zara. (Mil e. Abhandlung v* F. Pegger) betpr. Ton 
A. G e r n e r t h. S. 658. 

ff. Böbaienj l. BöhtüUr^hLeipa. (JVlil Ahbanrllunfen v, pr. Dir* Caj, 
l'osseK u. V. Med, Dr. Fögus), bf«f>r. v. A/W i J he I m. S. 403. 
— 2. hlallau. tRIil e, AbhnDdlung v. Prof. hl ^bourb). Lespr. 
V* A. Wilhelm, S, 4oa, 404- — 5, ttdchenberg, (Mit e, Ab- 
harvillung), besjir. v, A. Wilhelm. S. 415. 416, — 4. Saast. 
(Mit ejner Abhandlung v. AI, DosUI) bespr. v* fJ. Uonil*. 
S. 580-584. 

Ä Mihfpn iinij Scbletien? 1, Briinn. (Mh e, ALhaodlung w F. J, 
Pi«ko). bespr. v, A. Gerne rlh. S. 658. — 2, Olmütz, {MIX q. 
Ahbandluiig v. Dr, P, K. v. Höoigsberg). bespr, v, A. Ger- 
nerlb, 8. 419. 420, — 3. Znaim. (Mit e. Abhandlung v, K. 2jii^ y s- 
kal). bejjpiv V. H, BoriiU, S. aSO^-^Ba. — 4. Iglau. (Mit 
c. Abhandlung v, H, Schreyer). be^pr. v. U. fjotiilx .S. 583^ 
584. — 5. Tescheu. Evaog. (iymn. (Mjl e. Abhaiidlung v. K. liurk- 
bard). bespr. v. CS. Curlius. S. 584—586. 

/. Galicfeii : Bochnia, (Mit e. Al>handJung v. pn Dir. J. Cxaj ko w« k I). 
LeMpr. V- A. W i I h o I m. S. 404. 

K Bukou ina ; Cüernowiti. (Mtt e. Abhandlutig v. Dr. J. A. Rohlert). 
^Mrip^. v. H, Bonilz. 8. 583. 

l Ungarn; 1. Ofeit. Kath. Oymn. (Mit e, Abhandlung v. Rieh. Pein- 
lich), bespr. V, A. Wilherra. S. 40Ö— 411. — 2. Oedenbarg. 
ß«ned. Obergyron. (Mit e. AbhFindlung). bespr. v, A. Wilhelm. 
S. 40T. — 3. Guns. Bened. üntergynin. (M. e. Abhandlung), bespr. 
V. A. Wilhelm. S, 407. 40a — 4. NeusohL Kalb. Gjtnn. (Mit 
«, Abhandlung ?. pr Dir. J, Dragoni). he«pr. v. A. Wilhelm. 

5. 407. — 5. Leutaehau. Btaatagymn. (Mit e. Abhandlung v. pr, 
Dir. A. E. Siegl). bespr. v, A. Wilhelm S. 406.407. — 

6. Oberschützen. Evang. SrhuljinstallL»n. (Mtl e. Abhandlung v. 
Th. Beaser). beapr. v. A. Wilhelm. S. 408. 409. -^ 7. Prefa- 
bürg. Rath. Gyron. a) (Mit e. Abhandlung v, A. VV. Schopf)* 
bespr. von A. Gerne rlh. 8. 419, 0} (Mit e. Abhandlung v. 
Frl. Hoch egger), bespr. v. D. BonitK, S. Ä82— 583. 

1/. Siebenbürgen : Herraannsladl. Gymn. A. (Mil e. Ahhandiung v. Dir, 

J. Göbbel). bespr. von A, Wilhelm. S. 404-406. 
lit. Lombardo Venetien : 1. Crema. (MIl e. Abhandlung r. Prof Bonif. 
Snmaroni). heapr. v. A. Pokorny. S. 658, 659. — 2. Monza. 
(Mit e, Abhandlung v- P. Ä. A. Cornaggia). bespr. v. A. Po- 
korny. S, 659. 660. — Mailand. Porta nyova. (Mit einer Ab- 
handlung v. Dr. A. ÄfaRri ui), brspr. V. A. Pokorny, S. 660. 
661. — 4. Üdine. (Mit e, Abhandlung v. Dr. A. Ha dm an), bespr, 
V. A, Oernerth, S._658. 
[Bemerkungen zu d. slalisl. Übersicht über die öslerr. Gymnasten. (Clansi- 
(icntion. Schulgeld). Von A. Wilhelm. S. 168-^171. 

tbcr fertige Übersetzungen als Hilfsmittel der Präparat ioii, Von A. W i l- 
heim. > S. 252—254. 

Cbifr die Höbe de« Lebensalters der Gymnasialschüler. Von A. Wilhelm. 

S. 500—504. 
Die Lehrerconferenien. Von A. Wilhelm. S. 654— Ö57. 

ßemerkuiigi^n aus dem didaklüehen Gebiete. Von A, Wilhelm. 

!. Difl Vorbcrrilung für die Maturitätsprüfung. S. 733—736. 

2, Über dre Noiliw**fidigkdt der ofTenll, Prüfungen. S. 736—738. 

3, Über die Programme. S. 738. 739. 
Von der Einriehtung dt-r Ausgaben deui scher Clüssiker ^um Gebrauche für 

die Gymnasialjugend. Von Plus Zingerle, S, 497—499, 



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Ab liatkdUogeB BalarwiriensehAftricIie n Inbaltt. 
(Ilrufui.) FoucauU'ft Beweis für die AchiQDdrebuiig der Erde. Von 
E J. PUto. (ti5ti|>r. V. A. Gerner th. S. 65S. 

(ZAra.) FaralhlOfframm& äette f(ff%e. Voü E. Pe§ger. fiegpr. 
¥. A. GenuTth. S. 658. 

(UdJne ) Beli' mo det caeoia e della sua imporinn^ netia 
Mtuäiü delia ßslca. Von Ür. A. E a d eh a n. Be»pr. v. A. G e r- 
tierlh. S. 658, 

(Creoia.) Snlt impnrinn^a ed uitlitd deile griente nniurali eec, 
— Voir Prof, Büi»*L Bamaroui. Bespr v. A. Fotorny, 

S 658. 659. 
(Moti^a). Rapft/i pr&ffretiij cht feee i& §eQiQfftä, nmfoggdmdati 
aita UraUßcnxiom alla pnieoni&i&^iu. Sm P. A. A. Cor- 
n ft g g I a. Bespr. v. A. P k o ni j . S. 651^, 660. 

(l^lAitnnd , Porta nuovA.) Detia inßuefna deiie »£i£n%e mimraU 
ralla ctUirnrn ietieraria e muI randiefe m&rate della pioteniu. 
Von Df, A, WagriuL Bespr. v. A. Pek<>rtiy. S» 660, 661. 



A) Überiicht der seil MiUe 1$52 in DeulsehUiid erBchieneoeti philolo- 

gischen Liicratun 

f. Ausgaben der griecht^cheii CLasstker und Erktarungsschriften, 

S, 84-88- 

IL AtiRgaben der lateinisehen Clasaiker nnd Erklär ungs^ehrineii (seit 

18530 S. 256— 2Ö0. 338—341. 

B) (h>erstcht der eeit 1853 ersebiffnetien bielorlschen Literatur. 
l Lilerütüruberfiicht. S. 661, 
ir Allgem. poLJLijtche und Culturgeschichto. S, 66 t — 664. 
MI. Deutsche u. öalerreichischeGeachirhle, S. 664 — 671. 739—741. 
{¥. Die fibrige europStsche und auljerearopäische Gescbtehte. 

S. 741. 742. 

D Überstichl der &eit 1S53 in DeutsehUnd eracbienenen physikaliscben 

Literatur, S, 742—746. 

l)} Ol>ersLebt der seft 1859 enehieneüen naturhlitorUchen LUeralur. 

8, 823—832. 

S) Oberalfbl der seil Nnrember 1853 erschienene Stbriften ror d e u t<- 

BcbcDKpraehwifienscbart und Üleratitr. 5. 906--919* 



Keck (C.), PIflIoiiSE Phüosophie. ßespr. v. Pr Fr. S^useiBibl. S. 176. 

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öymii. in Mawz. 1852.) Bespt. v, i-. J, Ürysar. a 509-593, 

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ne r t h' * Anaeig» dAriihe«. Von j. G. B ob m. S. 344—347. 
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gitng«n d.isu. Vti^ A. (^a j^e 1 1 nit 11 n. S. 832. 

Cictf^t d0 FaUt, ^m^ Frtfmflnk aua ditsen] Uu<-be« ITin^l entdeckt 

, von BiU. iudw. CKrysat. Ferrucei. LUeiariücbe KaliE dürüber. 

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Dr. Oilo n. Prof. Dr. Tb. Lad ewig. S. 511. 513. 

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Th. Ladewig. S. 512. 

Lauer (J. Fr.^, System der griech. Mythologie. Bespr. v. Dr. L. Prel- 
ler. S. 172. 173. 

Linker (Dr. 6.), Emendationen tu Sallust auf Grand seiner Quellen und 
Nachahmer. Literarische Notis darüber. 8. 919. 209. 

Livii (T.\ Ab wrb€ eandUa UM. Erkl. v. W. Weif sen bor n. Leip- 
sigy Weidmann, 1853. 1. a. 2. Bd. Bespr. t. H. Heerwagen. 

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Liviu» (tu den Fragmenten des). Von 0. Linker. S. 422. 423. 

Minckwitt (Job.), lilustr. Taschenwörterbuch der Mythologie. Bespr. 
?. Dr. L. Prell er. 8. 17«. 

Monatsschrift (allgemeine) für Wilsenschaft und Literatur unter Mit- 
wirkung v.J.O. Droysen u. s. w. Braunschweig, G. A. Schwetschke 
u. Sohn (M. Bruba). Juli 1851 — Januar 1854. 8. 504. 505. 

Osterwald (R. W.), Homerische Forschungen. 1. Tbl. Hermet — 
Odysseus. Bespr. y. Dr. L. Pr e Her. & 173. 

Piaion, s. Beck, Stallbaom, Deuscble. 

Rautner (R. v.), Unterricht im Deutschen. 8. 341—343. 

Rinck (W. Fr.), Die Religion der Hellenen. Bespr. y. Dr. L. Prell er. 

S. 172. 

Sophokiei'Liitfhinf (Zur). S. 341—344. 

Stallbaum, Piatons Symposion. Bespr. y. Dr. Fr. SasemihL 

S. 176. 

De ariU diaieetteae Hi FMaedro PUUonii doeiriiia ei utu. Bespr. 

Y. ebend. S. 176. 

Stell (6. W.), Handbuch der Religion u. Mythologie der Griechen und 
Römer. Bespr. y. Dr. L. Preller. S. 172« 

SxUvik (G.), Personalstand des k. k. Ministeriums f. Gultus u. Unterricht 
u. 8. w. Wien, Beck, 1854. Bespr. y. H. Bonitz. S. 506— 510. 

Vaterlandskunde (Bemerkungen zu zwei Schalbuchem über öster- 
reichische). Von M. Hojfsak. S. 713—716. 

Weltall (Das). Zeitschrift f. populäre Naturkunde. Red. y. Giebel 
u. Schaller. 8. 671. 672. 

Zeitschrift t d. gesammten Naturwifsenschaften , her. y. d. natur- 
wifs. Ver. IGr Sachsen und Thüringen, und red. y. G. Giebel und 
W. Ueintt. S. 671. 

Zell (K.), Handbuch der röm. Epigraphil. Bespr. y. K. B. Hase. 

S. 510. 511. 



Berichtigung. 
Heft X. S. 779. Z. 2 y. o. sUtt «Lust» I. .Tact». — Z. 22 statt 
«Ewigkeit» I. «Innigkeit». 



Erste Abtheilung. 



Abhandlnn^iU 

AndeotuDgen über den gegenwartigen Stand der home- 
rischen Frage. 

JJIan pflegt es als einen wesentlichen Vorzug der sogenann- 
ten exacten Wifsenschaflen zu betrachten, daß sie mit Ausschluß 
einer tief greirenden Meinungsverschiedenheit und eines erheblichen 
Spielraums Tür Ansichten und Neigungen des einzelnen dem Ziele 
aller Wifsenschaft, der Erkenntnis der Wahrheit, festeren und ge- 
raderen Schrittes entgegen giengen, als die philosophisch -histori* 
sehen. Bis zu einem gewissen Grade wird das einzuräumen, wird 
zuzugestehen sein, daCs das gröfsere Schwanken und die Hei- 
nungsverschiedenheit auf letzterer Seite mit Nothwendigkeit in 
den Objecten dieser Wii^enschaftcn liegt, die mehr als jene auf 
das Gefühl des forschenden einwirken und dadurch ein von sub- 
jectiven Stimmungen und Neigungen ganz unabhängiges Denken 
und Forschen in manchen Fallen auGserordentlich schwierig machen. 
Der forschende wird vielleicht in der vielseitigen Anregung, welche 
ihm der Stoff gewährt, Ersatz finden für die geringere Entschie- 
denheit, mit der er seine Beweise führen kann. Aber das Stre- 
ben auch jener zweiten Gruppe von Wifsenschaften mufs offenbar 
dahin gehen, exacter zu werden und zu allgemeiner anerkannten 
Ergebnissen zu gelangen. Und diefs Streben ist in der That vor- 
handen. Wir sehen, um uns hier auf das philologisch- historische 
Gebiet zu beschränken, offenbar nach allen Richtungen hin Be- 
mühungen, zur objectiven GewissheH zu gelangen. Methodische 
Erforschung der urkundlichen Überlieferung, genaue Benützung' 
aller auch der entlegensten Quellen, statistisch genaue Darstellung 

Zeitschrift fttr di« ösurr. Ojm«. i864 I. lUft. 1 



2 Andeutungen über d. gegenw. Stand d. homer. Frage, v. G, CUrtHu, 

und historische Untersuchung der Spracherscheinungen sind auf 
eben dieüs Ziel hingerichtet. Aber Treilich sind diese Bemühungen 
noch keineswegs durchgedrungen, und ihnen zum Trotz ist in Be- 
zug auf einzelne Fragen die Meinungsverschiedenheil so grofs, 
wie sie noch nie war, so grofs, dafs mancher draufsenstehende, 
wenn er von diesen Gegensätzen Kenntnis nimmt, entweder an 
der Lösbarkeit dieser Fragen oder an der Fähigkeit unserer Zeit- 
genofsen zu ihrer Lösung zweifeln möchte. Zu diesen Fragen 
gehört nun aber die, mit der wir uns hier beschäftigen wollen, 
die Frage nach dem Ursprung der homerischen Gedichte. Wie 
jene vielgepriesenen Gesänge entstanden sind , ob wir sie als die 
Schöpfungen eines Dichtergenius oder als ehrwürdige Oberreste 
eines weit verzweigten volkstümlichen Heldengesanges betrach- 
ten, ob wir in jedem der beiden grofsen Ganzen eine künstleri- 
sche Einheit annehmen, oder den vorhandenen Zusammenhang zum 
grofsen Theile für das Werk einer späteren Einigung aus ur- 
sprünglich einzeln gedichteten Liedern halten sollen , was davon 
älter, was jünger, oder ob alles gleichzeitig ist, unter welchem 
Stamme, in welchen griechischen Gegenden sich diese Poesie ge- 
bildet hat: über alle diese Fragen besteht unter den gründlich- 
sten Kennern dieser Gesänge die gröfste Meinungsverschiedenheit, 
und doch sind sie alle für einen jeden, der die Anfänge der grie- 
chischen Geschichte, der griechischen Poesie erforschen will, ja 
für einen jeden, welcher das Aufkeimen der Poesie überhaupt für 
erforschenswerth hält, so unabweisbar, dals eine Antwort noth- 
wendig versucht werden muCs. 

Es ist hier nicht unsere Absicht, uns in die Einzelheiten 
der schwierigen, ja wir leugnen es nicht, immer schwieriger wer- 
denden Untersuchung tiefer einzulafsen , sondern nur über die we- 
sentlichsten Meinungen der neueren Forscher^ über die Art der 
hervorgetretenen Gegensätze und über das bei aller Verschieden- 
heit der Ansichten gemeinsam anerkannte einen Überblick zu ge- 
ben. Und wenn sich daran Andeutungen über eine mögliche Lö- 
sung und Vereinigung anschlietsen werden, so wollen diese für 
nichts anderes gehalten werden, als für Versuche, hervorgegan- 
gen aus dem eigenen Bedürfnis nach Klarheit, das ja ein jeder 
verspüren mufs, der über griechische Literatur öffentlich zu leh- 
ren berufen ist. Vielleicht wird durch diese Andeutungen doch 



Andeutungen tjiber d. gegenw. Bland d, homer. Frage, v* G. CurtiUi. 3 

80 viel erreicht, mancfieii mit diesen Unlersucfiungen noch wenig 
TTcrlraulen Leser dieser Blätter in sie einzuführen, einzelnen^ die 
alUukühn mch an eig:ene Lösung^versuche machten, die Gefah- 
ren des Weges aufzudecken ^ und krafiigere Mitstrebende zur ge- 

■ naueren Erörterung einzelner, wie es scheint ^ besonders erheb-* 

[licher Puncte aufzufordern- 

Nachdem F. A. Wolf im Jahre 1795 In seinen unalerblichen 
Prolegomenis zum er$tenmale in streng wifsenschaftlicher Form den 
Glauben an die Persönlichkeit des ffomer, als Dichters der Iliade 
und der Odyssee, hekympft hatte, fand er anfangs unter den re- 
|eren und strebsameren Geistern weit mehr Zu^^timmung als Wi* 
jerüpruch> in der That halte er auch den wunden Punct der 
bisherigen AutTüf^ung de;* Uomer scharf genug getrolTen* Man 
liatle den Homer eigen tiieh immer ganz mit den späteren gelehr-» 
ten Epikern, wie Virgil, Tas^o, Milton, auf eine Linie gestellt und 
in blödem Worlschwatl die Erhabenheit, Weisheil, Menschenkennt- 

I nis, ja Philosophie des Dichters gepriesen, den — mit Ausnahme 
einzelner kühner Zweifler — alte Welt mit dem Gnfl'el in der 
Hand oder einem Sklaven dicüerend seine grofsen Epopöen com- 
ponieren liefs afs wahre Muster son Einheit und Abrundung, als 
über alten Tadel hoch erhaben. Dieser Auffafsung gegenüber 
wog es schwer, dafs Wolf zuerst den Homer in Verbindung mit 
seiner Zeil ins Auge faf«le und dadurch für alle liierarische For- 
schüag den Anstofs gab , jedes Werk aus seiner Zeit heraus zu 
begreifen, dafs nun für Homer mit gewichtigen Gründen die Mög- 
lichkeit ursprünglicher schriftlicher Aufzeichnung beslrillen, dafs 
vielmehr die jahrhundertelange blofs mündliche Verbreitung der 
Gedichte wahrscheinlich gemacht, dafs in den Gedichten selbst 
einzelne erhebliche Widersprüche aufgedeckt , und dafs aus den 
damals erst kürzlich entdeckten Scholien zur llias gezeigt wurde, 
wie schon das gelehrte Altertum für die homerischen Gedichte 
nicht blofs Bewunderung, sondern auch scharf einschneidende Kri- 
lik und erhebliche Zweifel gehabt habe. Der mehr auf das all- 

L^emeine gerichtete Geschmack der Zeit erüefs es dem kühnen 

PForscher gern, den von ihm selbst für schwierig gehaltenen Nach- 
weis 2U führen, aus welchen Stücken denn jene wunderbaren Ge- 
dichte zusammengesetzt, seien. Der Umschwung der Zeitrichtun- 
gen konnte aber auch für die homerische Untersuchung nicht 

1 * 



4 AndeulUDgen über d. gegenw. Staod d. homer. Fragei ▼. G, CuriiUi. 

ohne Wirkung vorübergehen. In den zwanziger Jahren unseres 
Jahrhunderts wagten sich die ersten erheblicheren Einwendungen 
gegen WolFs Ansicht hervor. Da Wolf den hauptsächlichen 
Nachdruck derauf gelegt hatte, dafs die Gedichte erst spät zu 
schrinjicher Abfafeung gelaugt seien, so knüpften sich die ersten 
Entgegnungen besonders an die Schriflfrage. Indefs die sorgfäl- 
tigste Nachlese und Durchstöberung aller darauf bezüglichen Nach- 
richten konnte doch den Hauptsatz Wolfs nicht umstofsen. Es 
gibt wol wenige Gelehrte, welche an eine ursprüngliche schrift- 
liche Abfafsung der homerischen Gedichte glauben. Der durch 
Wolf entdeckte , durch die bald darauf folgenden Untersuchungen 
der deutschen^ der skandinavischen, der proven^alischen , serbi- 
schen, finnischen und anderer Heldensage glänzend bestätigte Be- 
griff des Volksepos gieng siegreich aus den Kämpfen hervor. Dab 
in den homerischen Gesängen kein neuer oder gar erfundener 
Stoff, daCs darin alt überlieferte mit dem Glauben und der Sitte 
des hellenischen Volkes eng verwachsene, in lange schon gepfleg- 
tem Heldengesaug durchgesungene Sagengeschichte enthalten ist, 
daran zweifelt jetzt niemand. Die Verschiedenheit dieses volks- 
tümlichen Epos von dem künstlichen, oder auch^ wie Jacob 
Grimm sich ausdrückt, des wahren, das heifst natürlich gewach- 
senen, wirklich zusammengesungenen von dem falschen, das heifst 
für die Lesung mit feiner Berechnung und kühler Überlegung ge- 
dichteten oder nachgedichteten, ist heut zu Tage schon Gemein- 
gut der gesammten Literaturgeschichte , ja, man kann fast sagen, 
aller gebildeten geworden. Aber der Punct, worüber in der wet- 
teren Gestaltung der Wifsenschaft wiederum Zweifel auftauchten» 
war der, ob nicht in diefs lebendige, naturwüchsige Volksepos der 
Griechen dadurch etwas neues eingetreten m^ dafs — sei es durch 
einen einzelnen Dichtergeist, sei es durch den dichterischen Geist 
elfter Periode — die früher vereinzelten kleineren Lieder um be- 
stimmte Mittelpuncte gruppiert, dadurch in strengen Zusammenhang 
gebracht und auf diese Weise zu grolsen Epopöen umgebildet 
worden wären, und ob wil* nicht eben in Ilias und Odyssee, die- 
sen nach Aristoteles Ausspruch in meisterhafter Einheit abgeschkw* 
senen Gedichten , Werke der letzteren' Art erhalten hätten. Das 
Gefühl vieler Männer, welche in die Kunst, in die Bedingungen 
des künstlerischen Schaffens sich vertieft hatten, sträubte sich 



Äbdfiutungeu übar d. gegeiiw. Stand d. tiom«r. Frage, v. G. CuriiUM. 5 

fegen die Annahme , dafs jener auch von Wolf anericannle durch 
jedes der beiden Gedichle durchgehende gleicbmäfdge Ton, jene 
FEiiftheit in der Zeichnung der Charaktere^ jener unzweifelhafte Forl- 
[ichrilt der Handlung, jene vielen und oH m sinnreichen Bezie- 
angen einer Stelle auf die andere durch Zufall oder durch ver- 
abredetes Zusammenwirken \ieler Sänger oder gar erst durch spä- 
teres Zusaminenlölen ursprünglich gotrennler Theile soUre entstan- 
den sein» Schon Schiller halte diesen Gedanken für barba- 
mch erklärt Goethe, früher ein Anhänger Wolfs, war nach 
Lange's ßrief über die Einheit der Ih'ade (1826) \n späten Jahrea 
dahin gelangt, die homerischen Gedichte lieber als ganzes ernpün- 
den zu wollen« Die sinnigen und tief gelehrten Forschungen 
Welcker's deckten zum erstenmal die Bedeutung des nach- 
bomerischen cyklischen Epos auf, das um das homerische sich 
wie Planeten um die Sonne drehend^ eben diese Sonne, nicht Son- 
nentheilchen vorauszusetzen schien. So ward nun Homer der Re- 
präsentant der einheithchen^ künstledisch abgerundeten Epopöe, und 
«ogar in dem Namen "O^ti^q^^ den man Zusammenfüger, Einiger 
(ofioiJ u^Biv) deutete, sollte jenes Zeilalter selbst seine Auflas- 
•ung des Vorgangs uns hinterlafsen haben. Dabei blieb immer 
noch die Persönlichkeit des Homer zweifelhaft, auch der Ursprung 
der beiden grofsen Gedichle aus einer Quetle ward nicht be- 
hauptet ^ der Name homerisch ward zu einem Gattungsnamen für 
die bezeichnete Art des epischen Gesanges» Schon aber giengen 
andere noch weiter. Immer entschiedener trat Nilzsch in sei- 
nen verschiedenen kleineren Aufsätzen mit setner Ansicht hervor, 
dars in jedem der Gedichte ein ganz beälimmter, bewufsler Plan 
eines Dichters zu erkennen sei, der nur hie und da durch spä- 
tere Zusätze entstellt sei In seinen trefflichen Anmerkungen zur 
Odyssee suchte er für diefs Gedicht einen solchen Plan nachzuwei- 
sen. Bedeutende Altertumsforscher, wie 0. Müller und Dis- 
sen, stimmten dieser Ansicht, welche jetzt der Wolf'schen ^ato- 
mjstischen'^ gegenüber sich die ^^organische'' nannle, im wesent^ 
Kchea bef. 0. Müller namentlich erklärte jetzt*) jene frühere Auf- 
fafsung für roh und äufserlich, das ^,was wahrhaft als ein ganzes 
in sich zusammenhängt^ könne nur von einem inneren Leb(>ns- 



*) Gott. GeL A, 1828. Kleine Schrien M. h S^ J99. 



6 Andeulongen über d. gegenw. Stand d. homer. Frage, v. G. Cwrtiut. 

keim«, welcher das ganze schon dynamisch in sich trägt, aus- 
gehen>> *), und in seiner Geschichte der griechischen Literatur 
stellt er Homer als den Dichter hin, der zuerst aus der griechi- 
schen Heldensage einen Gegenstand ausgewählt und in geschlos- 
sener Einheit des Charakters und der Composition das eigentliche 
Epos begründet habe (S. 81). Und obwohl die Odyssee von 0. 
Müller für jünger als die Iliade erklärt und von ihr nach man- 
chen Richtungen hin abweichend gefunden wurde, schien doch 
^<der Hauptgrund der Verschiedenheit in der BeschafTenheit der 
Sage'^ zu liegen, es zeigte sich ihm kein hinreichender Grund, 
<<um das bewunderungswürdige Genie Homefs zwei verschiedenen 
Personen beizulegen»^ höchstens hielt er es für möglich^ ^<Homer, 
nachdem er in der Fülle seiner Jugendkrafl die Ilias gesungen, 
habe in seinem Greisenalter irgend einem Schüler den Plan der 
Odyssee mitgetheilt und ihm denselben zur Ausführung überlafsen.'^ 
(S. 106, 107.) 

Diesen Ansichten gegenüber machten sich nun aber doch 
auPä neue Zweifel geltend. Gottfried Hermann namentlich 
stellte sich im wesentlichen durchaus auf WolFs Seite und war 
in einer Reihe kleinerer, mit der ihm eigentümlichen nüchternen 
Klarheit geschriebener Aufsätze, die jetzt im 5. und 6. Bande 
seiner Opuscula gesammelt sind, bemüht, die Arbeit WolPs durch 
eine kritische Prüfung des Zusammenhanges der Ilias und Odys- 
see zu erganzen. Hier ist wider von ^<den Dichtern die Rede, 
die wir unter dem Namen Homeros zusammenfafsen»% hier wer- 
den jene Gedichte wider in verschiedene Substanzen zerlegt. Be- 
sonders erkannte Hermann Substanzen von dreierlei Art (^OpuM- 
cula VI p, 79X nämlich vofhomerisches oder das, ^«was- 
die Dichter, die wir unter dem Namen Homeros zusammenfafsen, 
erkennbar aus alten Gedichten aufgenommen haben»% homeri- 
sches, das heifst ^«die einzelnen Gedichte selbst, in denen sich- 
bei aller übrigen Cbereinstimmung doch ein so verschiedener Geist 
ausspricht, und so manche einzelnen Abweichungen gefunden wer- 
den, dafs, auch wer sie sämmtlich einem und demselben Dichter 
zuschreiben will, doch mindestens annehmen mufs^ dafs sie in sehr 
verschiedener Stimmung und grofsen Zwischenräumen gedichtet. 



«) Ebenda S. 402. 



Andeatungen über d. gegen w. Stand d. homer. Frage, v. G, CUrtius. 7 

seien.^ Nachhomerisches aber ^Jäfst sich da nachweisen^ 
wo entweder offenbar Nachahmung des homerischen oder Stücke 
angetroffen werden, von denen sich zeigen labt, dafs sie gedichtet 
sind, um andere Gedichte in Verbindung mit einander und in einen 
schicklichen Zusammenhang zu bringen.» In Bezug auf die Ilias 
aber zeigte Hermann mit bewundernswürdigem Scharfsinn, wie 
gerade in einem Angelpuncte der Handlung, nämlich im Buche A 
bei dem Auftreten des Patroklos sich so unerträgliche Härten, 
Widersprüche und Unebenheiten fanden , dafs der jetzige Zusam- 
menhang unmöglich ein von einem künstlerischen Dichter ur- 
sprünglich beabsichtigter sein könne. Und es war diefs um so 
bemerkenswerther, weil gerade hier in der Hitte des Gedichts nach 
0. Müller (Kl. Sehr. I. S. 466) sich alles enger- zusammenschliefst 
und ein deutlicher Causalnexus, eine fast dramatische Spannung 
die Ereignise zusammenhält, auch ein deutlicheres Bewufstsein der 
Einheit eintritt.» Doch noch weit stärker mufste der Gegensatz 
werden, als einer der gröfsten Kritiker mit ganz neuen Waffen in 
den Kampfplatz trat. Nicht von der abstrahierenden und zersetzen- 
den Richtung des 18. Jahrhunderts aus — welcher 0. Muller die 
Wolf'sche Ansicht beigemefsen hatte (S. 399) — sondern mitten 
aus den wifsenschafllichen Bestrebungen unseres Jahrhunderts, aus 
den durch die Gebruder Grimm begründeten hingebenden Studien 
deutscher Sage, deutschen Glaubens und deutscher Sitte hervor, 
wurde jetzt die Einheit der homerischen Gedichte bestritten. Nach- 
dem Lach mann die Nibelungen unter der^ erst jetzt hie und 
da widerrufenen, damals allgemeinen Zustimmung der stimmfähi- 
gen Forscher in eine Reihe einzelner alter Lieder zerlegt hatte, 
wagte er sich an die ähnliche Aufgabe in Bezug auf die Iliade. 
Er unternahm das, was Wolf versäumt hatte, nämlich den Beweis 
für die allmähliche und stückweise Entstehung der Iliade aus dem 
Inneren des Gedichtes selbst zu führen, indem er zahlreiche Wi- 
dersprüche und Ungleichheiten darin wahrnahm und die Stücke, 
woraus dasselbe zusammengesetzt sei, in der Form von 16 selb* 
standigen Liedern nachzuweisen suchte. Diese Lieder, von denen 
jedes in sich eine geschlofsene Einheit bilde, seien dann in man- 
cherlei Weise forlgesetzt, später erweitert und entstellt, bis sie 
nach jahrhundertelanger mündlicher Überlieferung auf Anordnung 
des Pisistratus zu jener schriftlichen Zusammenfassung und Redac- 



8 AndeutQDgen aber d. gegenw. Stand d« homer. Frage, v. G. Curtms, 

tion gelangt wären, welche uns in der (liade vorliegt. Diefs die 
Grundzüge von Lachmann's Ansicht^ die er in seinen ^«Betrach- 
tungen über Homer'a llias^' der königlichen Akademie zu Berlin 
in den Jahren 1837 und 1841 vortrug (neuer Abdruck mit Zu- 
sätzen von Moriz Haupt, Berlin 1847). Es ist beachtenswerlb, 
dafs fast gleichzeitig und ganz unabhängig von Lachmann ein 
anderer anerkannt Teiner Kenner antiker Poesie^ Naeke, in Be- 
trelT des ersten Buches der lliade mit einer Ansicht hervortrat, 
welche der Lachmann'schen in wesentlichen Puncten gleichkam« 
(Vrooemium ind. lectionum univ. Bonn. aest. J8380 ^Mit diesen 
Untersuchungen beginnt nun für die homerische Frage eine ganz 
neue Zeit, der Stand, den wir im allgemeinen als den jetzigen 
bezeichnen können. Der Kampf dreht sich jetzt vorzugsweise um 
die innere Einheit der Gedichte, und da die Odyssee bisher fast 
nur im unitarischen Sinne behandelt ist, fast ausschlielslich um 
die innere Einheit der lliade. Die Gegensätze stehen sich schrof- 
fer als je gegenüber. Hier eben müfsen wir uns näher zu orien- 
tieren suchen. 

Wir können unter den jetzigen Forschern auf diesem Felde 
drei verschiedene Richtungen wahrnehmen, nach denen wir gut 
thun werden, ihre Bestrebungen zu überblicken. Diese drei Rich- 
tungen sind die streng unitarische, die in Lachmann's Sinne tren- 
nende (Liedertheorie), und eine vermittelnde Richtung, die wider 
mehrere Unterschiede hat. Hier mufs es genügen, die erheblich- 
sten Momente einer jeden Richtung herauszuheben und auf die 
bedeutendsten Erscheinungen hinzuweisen. 

Wir brauchen uns nicht lange bei denen aufzuhalten, welche 
voll Verachtung für einen jeden Versuch homerischer Kritik die 
Einheit der homerischen Gedichte nicht mit Gründen zu erweisen 
suchen, sondern wie einen Glaubensartikel unbedingt angenommen 
wifeen wollen. Gesetzt, man fände, dafs diese Gedichte aus sehr 
ungleichen Theilen zusammengesetzt wären, so würde dadurch 
nicht blofs niemand in seinem Gewifsen beunruhigt werden, son- 
dern nicht einmal die Freude an dem vielen grofsen, ja unüber- 
troITenen in der homerischen Poesie würde dadurch im mindesten 
getrübt oder beeinträchtigt. Eben so wenig beachtenswerth scheint 
eine in neuester Zeit hie und da auftauchende AuiTafsung, welche 
TOQ der Anschauung des griechischen Bodens und von dem hohen 



Andeutuogen über d. gejv«ow. S(aiid d, liooier. Frage, t. ^, Curtim. t 

Aller der Cultur in Ägypten, Fhoniciea, Kleinasien ausgehend, 
(lorchauB dem Homer wider seinen GrifTel in die Hand stecken 
mlL Am kecksten tritt diese Auflaföüng in den kürzlich erschie- 
nentn ^«Studien und Skizzen aus den Landern der alten Cuttur 
von Dr. Julius Braun*' (Mannheim 1854) hervor, wo, nachdem 
wir belehrt sind, dafs die tlias kein Epos, sondern ein Drama, 
keine Geschichte, sondern ein Gemtilde sei (8. 83), ^^^^ ^i^b aus 
der lüaB nicht erzählen Mtt (?) und daf^ dsrum Uamer nicht 
dnmal au^s Sagen geschöpft habe (S. 81), schliefslich das groföc 
Wort erschallt (S* 84) «Und wenn dn wirklicher Widerspruch 
aufgefunden wird, dann zeugt er eben so sehr für die Grüftto 
dessen, der ihn stehen lief^, als für die Kleinheit derer ^ die ihn 
finden.'^ Es i^t doch seltsam; der Naturforscher darf einzelne 
kleine Minerale chemisch zersetzen, wiegen, unter das Mikroskop 
nehmen und daraus viel leicht die wichtigsten Hesultate für die Geo- 
logie gewinnen; dem Kunstkenner verdenkt es niemand, V'^tmi er 
in einem alten wer th vollen Gemätde fremde Pinselstriche nach- 
weist, und man gesteht ihm das Recht zu^ aus kleinen Umstän- 
den in Zeichnung, Colorit, Gruppierung auf den Meister zu schlie- 
rten. Nur der Philolog wird der Mikrologie bezüchligt, wenn er 
auf seinem Felde ein gleiches thut. DaF^ ein grofser Dfchter Wi- 
dersprüche^ die ihm entschlüpft sind, stehen lafsen darf, ist ge* 
wiss^ aber eben so unzweifelhaft ist es, dafs es Widersprüche 
gibt, die sich weder ein grofser noch ein kleiner Dichter zu schul* 
den kommen lafsen kann, weil er sonst kein Dichter wäre* 
Solche Wideraprücbe sind dann eben Kriterien, dafs wir es nicht 
mit dem Werke eines, sondern mehrerer Dichter zu thun 
haben. Sie aufzudecken wird ein gröfseres Verdienst sein, ats in 
groCssprecherischen Redensarten über die Arbeiten von Mannern 
sbzuurtheilen, deren Verdienst auf festerer Grundlage ruht, als auf 
den flüchtigen Einfällen eines schwärmenden Touristen und der in 
Heidelberg ausgeheckten Pelasger-Philisterhypolhese, 

Unter den Gegnern der Lachmann'schen Lieder theorie sind 
vor allen Nägelsbach und Nitzsch zu erwähnen, beide un- 
streiUg gründliche Kenner der homerischen Gedichte und um ihr 
genaueres Verstandnils vielfach verdient. NägeUbach hat nur in 
kürzerer Weise diese Frage berührt in der zweiten Ausgabe eei- 
n^r «Anmerkungen zur Ilias.*' Über die Entgegnungen , welch« 



iO Andeutungen über d. gegenw. Stand d. homer. Frage, v. G. Curiius. 

dort gegen die Lachmann'sche Behandlung der drei ersten Bücher 
der liias erhoben werden, können wir aur den zweiten Jahrgang 
dieser Zeilschrift (1851 S. 207 ff.) verweisen. Dort ist der Stand- 
punct Nägelsbach's charakterisiert, der insofern ein noch positiverer 
als der von Nitzsch ist, als sich Nagelsbach nur aufsersl ungern 
selbst zur Annahme kleinerer spaterer Einschiebsel entschliefst, 
obwol das seiner Grundansicht von der planmafsigen Anlage der 
Ilias gar nicht widersprechen würde. Unbeirrt durch einzelne 
Stellen, die er selbst ^<nicht gerade für Meisterstücke hält» (S. 
145), oder durch ^< Widersprüche in ganz unwesentlichen Neben- 
dingen» (S. 238), will er wenigstens in den drei ersten Büchern 
alles festhalten, was überliefert ist. Seine Abneigung gegen die 
Kritik ist so grofs, dafe er in einzelnen Fällen sogar die Lesarten 
der Handschriften nicht mit den um viele Jahrhunderte älteren uns 
in den Schollen erhaltenen Lesarten Aristarch's, oder gar der vor- 
alexandrinischen Texte vertauschen will. Übrigens verdient her- 
vorgehoben zu werden, dafs auch nach Nägelsbach die Ilias «Jahr- 
hunderte lang blofs mündlich verbreitet, dadurch in Stücke zer- 
fallen, im einzelnen vielfach umgestaltet sein soll.» 

Weit ausführlicher wird die homerische Frage behandelt in 
dem umfangreichen Werke: «Die Sagenpoesie der Grie- 
chen, kritisch dargestellt von Gr. Wilh. Nitzsch», Braunschweig 
1852. Diefs Werk ist unstreitig das bedeutendste^ was die neuere 
Zeit im Sinne der planmafsigen Einheit der homerischen Gedichte 
hervorgebracht hat. Es beschäftiget sich indefs nicht ausschließ- 
lich mit dieser Frage, sondern behandelt aufserdem auch das Ver- 
hältnis des homerischen Epos zum nachfolgenden cyklischen und 
mit besonderer Ausführlichkeit das Yerhällniss der griechischen 
Tragödie zum Epos, wobei überall vorzugsweise Weicker s grofs- 
arlige literarhistorische Arbeiten berücksichtiget werden. Nach 
allen diesen Richtungen hin fehlt es nicht an wahrhaft bedeuten- 
den und in die Tiefe dringenden Beobachtungen und Äußerungen. 
Wir begnügen uns hier damit, wesentliche Puncte aus der Ansicht 
des Verfafsers hervorzuheben und einzelnes aus seiner Polemik 
näher zu beleuchten. Das Schlagwort, welches in diesem weit- 
läufigen Werke überall widerkehrt, ist das Wort «national.» Durch 
«nationale Betrachtungsweise» hofft der Verf. weitere «Resultate zu 
erübrigen» (S. 1); «alle bisherigen Versuche, die Frage von der 



Andeutungen über d. gegenw. Stand d. bomer. Frage, ▼. €. Oatku. II 

Einheil oder Interpolation der beiden homerischen Gedichte tm lö- 
sen, müfsen für voreilig erklärt werden, weil sie der Grundlage 
nationaler Auffafsung ermangeln, welche allein ein genetisches Ver- 
slandnißs der ans überlieferten Gedichte hervorbringen kann» (S. 
84). Die ^«Kleinliederjäger» namentlich denken nicht daran, ^^dafs 
der nationale Stoff nationale Bedingungen für alle Kunstgestaltun^ 
mit sich bringe.» <<Alle nationalen Grundlagen und Voraussetzun- 
gen geben grofse Organismen» (S. 186). Diefs Wort klingt von 
Anfang bis zu Ende durch, ohne dafö uns irgend wo deutlich 
gesagt wird, was damit eigentlich gemeint ist. Soll damit gesagt 
sein, man könne die homerischen Gedichte nur verstehen, wenn 
man sich in die Sprache , Sitte , Anschauungsweise der helleni- 
schen Nation vertiefe, so ist das ein allgemein anerkannter Salz, 
und Männer wie Hermann, Lachmann, Weicker, gegen die hier 
vorzugsweise gekämpft wird , standen doch sicherlich nicht so 
au&erhalb der Studien der hellenischen Nation, daCs ihnen gegen- 
über ein ganz neuer Standpunct durch die Beobachtung des «na- 
tionalen» genommen werden konnte. Oder geht die Meinung da- 
hin^ wir dürften die homerischen Gedichte nicht mit andern Augeu 
ansehen, als mit denen die griechische Nation der Hehrzahl nach 
zu ihr aufblickte? Das hiefse die Kritik von Anfang an aus- 
schliefen, und diefs ist doch nicht des Yerfaföers Absicht, der in 
Ilias und Odyssee selbst eine nicht unbeträchtliche Anzahl von 
Stellen, z. B. den Schiffskatalog (S. 127), an welchen das Ge- 
fühl der griechischen Nation im allgemeinen keinen Anstofs nahm,- 
für untergeschoben erklärt. In S. 125 nimmt der Verf. sogar 
bei den alexandrinischen Gelehrten «nationale Befangenheit» wahr 
und gesteht es zu , dafs wir «vor ihnen die Unbefangenheit vor- 
aus hätten, von solcher nationalen Tradition unbeirrt den Dichter- 
genius in seinem Wirken und Weben zu erkennen.» Oder dür- 
fen wir zwar im einzelnen von dem Urtheil der alten abweichen, 
mfilsen aber ihre Ansicht von Homer als einem grofeen Dichter 
im ganzen stehen lafsen? Aber das ist eben nichts als ein Po- 
stulat: konnten die alten Hellenen, die jene Gedichte überhaupt 
mehr empfanden als prüften, sie mehr im einzelnen bewunderten 
als im ganzen nüchtern überblickten , konnten sie ohne Anstofs 
über vieles hinweg hören und lesen , woran schon Aristarch ent- 



It AndeutUDgeo ab«r d. gegenw. Sttnd 4. Immmt. Frage, ▼. €. CurilU^. 

schiedenen Anstofs nahm*), konnten sie schon so verschieden- 
artige Poesie wie die homerischen Hymnen und die llias für Werke 
eines Dichters halten, so sehen wir, dals sie im grotsen und gan- 
zen eines klaren, bestimmten Begriffs von homerischer Poesie ent- 
behrten. Übrigens war doch auch Aristarch ein Nationalgrieche 
so gut wie sein kuhner Vorgänger Zenodot^ und sie verwarfen 
beide viele homerischen Stellen, welche Nitzsch durchaus verthew- 
digt, und auch die Chorizonten waren Griechen, welche die Odys- 
see dem VerfaiSier der llias absprachen. Wir können uns dem- 
nach durch jenes Zauberwort ^nationaP nicht bannen lafsen, und 
müisen hier wie überall der neueren Wilsenschaft das Recht vin- 
dicieren, selbständig und nach ihrer Art das Altertum zu durch- 
forschen. Wie stände es mit der Sprachforschung, wäre sie im- 
mer auf dem ^nationalen'^ Standpuncte eines Herodian verharrt? 
Und allerdings gleichen sich Sprache und Heldengesang; beide 
entstehen in uralter, vorhistorischer Zeit; die späteren freuen sich 
der reifen Früchte, deren Wachstum den meisten gleichgiltig isU 
Aber die Wilsenschaft mufs zu den Wurzeln vorzudringen suchen. 
— Nach einzelnen Stellen zu schliefsen (z. B. S. 250) , möchte 
man glauben, dieb Pochen auf ^nationale AufBüsung)^ sei haupt- 
sächlich durch den Widerwillen hervorgerufen, den der Verf. selbel 
gegen die Vergleichung ^Jremder^' Poesie, z. B. der altdeutschen 
hegt. Aber wie auf der Vergleichung in den verschiedensten Ge- 
bieten der Fortschritt der neueren Wifsenschaft beruht, so wird 
doch diese fruchtbringende Methode unmöglich von der Brfor«^ 
schung des Epos ausgeschlofsen werden dürfen. 

Können wir also in dieser so stark betouten «nationalen^* 
Betrachtungsweise überhaupt weder irgend ein bestimmtes Princip, 
noch ein neues oder eigentümliches Verfahren erblicken, so ist 
dagegen anzuerkennen, dafe in diesem Buche zum erstenmal in 
ausführlicher und eingehender Weise der Versuch gemacht wird, 
Lachmann gegenüber die planmäßige Einheit der llias zu verthei- 
digen, ja sogar darüber hinaus nicht blofs Welcker's ^<Althomer» 
oder Homer als Gattungsnamen zu bekämpfen, sondern auch in 



*) Herodot 11, iiß sagt, indem er die KvitQut für unhomeriscb erklart 
ausdrücklich: ovdctft^ Sllrj ivBnodiOs imvtov, d. h. sonst hat sieh 
Homer nirgends widersprochen. Er war also ein «Anstöfsler', las 
und hörte aber über viele Widerspruche hinweg. 




indealungen ub«r d. gegen w. Stand d. homer. Frage, v. G. €Hrtiui, 13 



ijngest&ndener Abweichung von früheren eig^enen Meinungen des 
[Yerfafsers, den gemeinsamen Ursprung beider grof^er Gedichte 
*TOO einem Dichter nachzuweisen. Hr* JV, ist also Überali be- 
möht, auf den Zusammenhang der Geaänge^ auf den Fortschritl im 
Gange der Handlung^ auf die ßedehungen des einzelnen zum gan- 
Een hinzuweisen. Die Fafsung der Sage unter ein ^^Grundmoliv'^ 
(S, 44)^ dw Auswahl der Stoffe der llias und Odyssee aus der 
Masse der Sagensloffe (S, 27), soll das Werk des ^^Dichlergenius'^ 
Homer sein. Das i^pecifisch homerische nach dem ßewurstsein der 
Griechen (Gap. VH) soll ergründet werden. Einer homerischen 
Poeitk wird nachgeforschr. Bm Grund motiv der [tias soH (S, 89) 
in dem ^^zum eignen Leid umschfagenden gerechten Zorn Achills" 
UegeUi das war das ^juchbarsle und feinste Beispiel der bijf^en- 
den Mafslosigkefl ;'^ die Odyssee ist dagegen (S. 90) ^das Lied 
?on der Strafe der Hybris der Freier.» Wir müfsen solche Be- 
merkungen als sinnreiche Gedanken auch dann hinnehmen , wenn 
sich uns dagegen sofort erhebliche Zweifel aufdrängen* So fra- 
gen wir gleich hier, ob denn auch nur da, wo wir es am mei- 
sten erwarten, im Eingang der Gedichte, die angegebenen Grund- 
motive angedeutet werden* Es geschieht nicht* Der Zorn des 
Achill wird nur als den Griechen verderblich, unheilbringend be- 
zeichne^ und daher nannte denn auch die griechische Nation das 
Gedicht Ufas, nicht Achilleis. Und noch weniger werden wir uns 
entschliersen , den viel gewanderten listenreichen Dulder Odysseus 
als ein blofses Werkzeug der gölt liehen Bache wider die Freier 
zu betrachten* Indem Hr, R die homerische Weise der Erzäh- 
lung mit schärferen Strichen zu zeichnen unternimmt, weist er 
uns auf eine Reihe schöner Zuge hin, die auch diejenigen gern 
hervorgehoben sehen, welche seiner Grundansicht nicht beislim- 
men. Was Hr. N. ^beseell'^ nennt, ist ohne Zweifel ein wesent- 
liches Merkmal der echten homerischen Poesie ^ Jn empfundener 
Weise'^ Ist gewiss alles das gedichtet ^ was des homerischen Na- 
mens würdig sein solJ. Aber wir können die Seele der Poesie 
nicht wie Hn N. darin erblicken j dafs eine Im Epos begonnene 
Handlung auch allemal zu Ende geführt werde. Wir können una 
abo sehr gut ein seelenvolles Lied von Tetemach's Reise denkeni 
ohne data der Dichter seine Heimkehr erzahlte, was Hr* N. S« 136 
für undenkbar erklärl. Ware es undenkbar, so hatten ja nur dio 



14 Andeutungen über d. gegenw. Stand d. homer. Frage, v. G. CurUug: 

Griechen die homerische Poesie wahrhaft genieben können, welche 
die grofsen Massen der Uiade und Odyssee als ganse zu umspan- 
nen vermochten. Nun hörten doch aber sicherlich die Hellenen 
oft ihre Rhapsoden nur einzelne Theile vortragen. Blieb denn 
diesen, blieb den schriftunkundigen Zeitgenofsen , für die Homer 
gedichtet haben soll, die Seele seiner Poesie verborgen? Nach 
unserer Vorstellung war der SagenstoiT überhaupt den Zuhöreni 
bekannt. Mitten aus ihm heraus greift der einzelne Sänger ein 
Lied und spielt darin überall auf rückwärts, vorwärts, seitwärts 
liegendes an. Nicht sowol an der trockenen Folge der Begeben- 
heiten, als an der lebendigen Schilderung der einzelnen Situatio- 
nen wie der darin auftretenden Personen, an den sinnreichen ans 
tiefster Menschenkenntnis geschöpften Gedanken, an dem Ebenmab 
und Glanz der Bilder, dem vollen und abwechselnden Strom der 
Rede, dem Wolklang der Verse freute sich der hellenische Sinn, 
wenn er seinen Homer bewunderte. 

In dem, was Hr. N. ^^homerische Poetik^' nennt, finden wir 
drei Eigenschaften aufgeführt^ welche den homerischen Gedichten 
eigentümlich sein sollen, nämlich erstens, dafs olympische Hand- 
lungen neben den irdischen hergehen^ zweitens, daüs der Zeit nach 
paralleles hinter einander erzählt wird, drittens, dafs Jene Fülle 
von Sagengestalten und Ereignissen, welche aufser ihrem eigent- 
lichen Verlauf liegend eingewebt ist, ihre kunstbewulste Bemeben- 
heit hat.^^ Der erste dieser Züge liegt wol sicherlich mehr im 
Stoffe, in der mannichfaltigen Beziehung der Heroenkämpfe zu den 
Göltern. Der zweite Zug ist mehr behauptet als bewiesen; die 
Entscheidung darüber, ob Handlungen gleichzeitig oder hinterein- 
ander aufzufaOsen sind, wird beim Homer oft sehr schwierig sein, 
und namentlich im Buche A der Ilias, wo Hr. N. durch diese 
Annahme die Bedenken gegen die Erzählung zu beseitigen sucht, 
ist darüber nicht die geringste Andeutung vom Dichter selbst ge- 
geben. Endlich der dritte Zug, ^«die Bemeisenheit der ferner lie- 
genden Sagen^% ist doch kaum der homerischen Poesie besonders 
eigentümlich. Soll irgend eine Handlung die Hauplhandlung sein, 
so mufe alles, was sonst erzählt wird, dagegen zurücktreten. 
Diese Kunst würde überdiefs ebenso dem Diehter eines einzelnen 
Liedes als dem einer grofsen Epopöe zustehen. Über die sinnige 
Art, wie solches Verweben geschieht, erhalten wir Cap. XVI viel 



AodealuDgen über d. gegenw. Stand d. homer. Frage, v. G, Curtiut. 15 

schöne Bemerkungen, ohne daCs wir in die S. 122 zu lesenden 
Worte einstimmen könnten , ^«es sind die eigentümlichen bildneri- 
schen Verhältnisse und darnach gewählten Formen ^ in welchen 
Homer als Sagendichter, d. h. als Formengeber eines überkom- 
menen Sagen- und LiederstoiTs arbeitete, und durch welche er 
seine einheitlichen Werke gestaltete, nun wol in ihrer mafsgeben- 
den Beschaffenheit alle nachgewiesen.'^ In diese einheitlichen Werke 
sollen dann die Rhapsoden der älteren Zeit <^aus älteren Liedern^' 
manches hineingetragen haben, und die folgenden Capitel beschäf- 
tigen sich mit dem Nachweis solcher und anderer Diaskeue oder 
Interpolation. In der Zulafsung der Interpolation ist Hr. Nitzsch 
freigebiger als Nägelsbach und Faesi; sein poetisches Gefühl hat 
an vielen Stellen richtig die schlechtere und blafsere Poesie von 
der heiseren ausgeschlofsen. Der Schiffskatalog, die Doloneia (iQ, 
das unzeitige Geschwätz Nestors^ 664—762, die Götterkämpfe 
T 68 — 74, O 385 — 514 werden unter anderm aus der Iliade, 
Stücke der Nekyia und das erotische Lied von Ares und Aphro- 
dite aus der Odyssee ausgeschlofsen; auch manche kleinere Ent- 
stellungen d^rch gehäufte Gleichnisse, Einschiebung von Gleich« 
nissen überhaupt, von Reminiscenzen und Sentenzen werden ein- 
geräumt und dabei überall eine Menge von Bemerkungen zum 
Theil auch sprachlicher Art gemacht, die für die Erklärung und 
Kritik des Textes wol zu beachten sind. Freilich finden wir uns 
auch mehrfach zu entschiedenem Widerspruche veranlafst. Zwischen 
den Büchern d und o der Odyssee findet ein Misverhältnis statt. Me- 
nelaos verhelfst dem Telemach d 615 ff. einen kostbaren Becher 
als Gastgeschenk: 

dtiom tot %QritrJQa tnvyfkivov aQyvQBog di 
iativ anag, XQ^^^ ^ ^^^ xsllsa xfxpaayTcrt* 
igyov ä* *Hq>aiczoto» n6(fsv di i ^aldiftog TJQtogy 
IkdovCmv §aailsvg y od^ sog dofiog oifiq)S%dXv'ilfBv 
%eia8 fi€ vooti^aavta* tstp S* id'iXa tod* ondoaai. 

Dieselben Verse lesen wir o, 115 — 119 und hier folgt dem Ver- 
sprechen die Thal v. 120: 

mg Binatv iv z^t^l zl^si dinag afi(pi%v«BlXov. 
Natürlich würde in einem kunstvoll zusammengeschloisenen Gedicht 
eine solche Widerholung ärmlich sein. Hr. N. will sie also nicht 
zulafsen; die zweite Stelle erklärt er mit ihrer längeren Ausfüh- 



16 Andeutongen ober d. gegenw. Stand d. faomer. Frage, ▼. G. Ourthu. 

rung ffir unecht. Die erste soll echt sein, das Versprechen aber 
— - ohne dafs der Dichter es sa^ — durch die That erfüllt wer- 
den^ indem, während Menelaos spricht, Megapenthes den Becher 
schweigend vor den Telemach hinstelle» Aber, fragen wir, ist 
das episch, ist das homerisch, etwas zu verschweigen, das we- 
sentlich zur Handlung gehört^ und das um ver^danden zu werden 
ähnlicher Winke bedurfte, wie sie die modernen Theaterdichter 
für die Schauspieler hinzuzufügen pflegen 1 — Od. ^ 218 lesen 
wir den berühmten Vers: 

iq alsl xov bftotov ayei ^Bog ig tov ofioCöv 

den das griechische Altertum nicht anders verstand, als Vota ihn 
übersetzt hat: 

wie doch stets den gleichen ein Gott gesellet dem gleichen! 
woher denn das Sprichwort ofiocog ofioic), in längerer Form 
ogiOMg Ofioip dsl ipiXog, oder o^, oft. TtsXä^ei, (JPlafo Gorg. 
510 mit Stallbaum^s Anmerk.)« Dieser Vers ist, wie man längst 
bemerkt hatte, der einzige im Homer, in welchem co^ in der 
später üblichen Weise als Präposition vorkommt. Hr. N.' will die- 
sen Anstofs beseitigen (S. 173), indem er das zweite mg mit 
wie übersetzt: wie führt den gleichen ein Gott immer wie den 
gleichen! Das pafst aber gar nicht in den Zusammenhang und 
widerspricht der Deutung der alten Griechen selbst. — Es entgeht 
Hrn. N. nicht, dafs die aulserordentliche Fülle des homerischen 
Wörtervorraths ein Argument ist gegen die Abstammung der bei- 
den ganzen Gedichte von einem einzigen Kunstdichter. Aber er 
ergreift den Ausweg (S. 177), es könnte sich diese Erscheinung 
aus den verschiedenen Heimaten der Wörter und der daher 
kommenden Lieder und aus den verschiedenen Lebenszeiten 
Homer's erklären. Allein wie können wir uns einen Dichter den- 
ken, der von den ihm überlieferten Liedern sogar in den einzel- 
nen Wörtern sich abhängig macht und doch diese Lieder im 
grofsen ganzen zu etwas ganz neuem umbildet? 

Scheinen dem Verf. manche einzelnen Einschiebungen in die 
fertigen Gedichte wahrscheinlich, so sträubt er sich dagegen um 
so eifriger gegen angebliche «Widersprüche in den Angelpuncten 
der Handlung.^^ Hier also (Cap. XXVUI) ist das eigentliche Feld 
fßr die Polemik gegen Lachmann. Aber gerade hier ist Hr. N. 
am kürzesten und befriedigt am wenigsten. Lachmann's Einwen- 



Aadeutangcn über 4 gegenw. Sland tl lioaier. Frage» v. G. Curtius. 17 

düngen gegen dfe Einheit des Buches ji der Ulm werden weniger 
mit Gründen, al** mit der widerhallen Bemerkung, sie seien der 
„nationalen AnflhfÄUiig bar*', bekämpft. Das befremdliche ix 
xQio 492 mnchtc doch aber schon dem Zenodot und Aristareh 
den Kopr warm, und Hrn. Nitxsch's Behauptung, jenes seitdem 
gehe nicht auf d»s zunöchsl üegende, sondern auf 425 x^i£o^ 
Ißri xctTil Öatta^ widerspricht der sonst so oft erkennbaren ho- 
merjjschen Klarheit und Genauigkeit in Einzelheiten. Auf das an- 
dere Hauplbedenken Lachmann's — den Aufenthalt der Götter be- 
treffend — wird sogar (S, 180) nur mit einer ganzen Reihe mög- 
licher Deutungen^ nicht mit irgend einer bestimmten Erklärung 
geantwortet y und schliefslich heifsl es, jedenfalls ist der ganze 
Anstofs ein für die Momente der Handlung anerhel)licher'% £(Wenn 
es wirklich für die Hörer einer war,*' Diese Worte verkehren 
den Gesichtspunct volbtändig. Für die Hörer freilich waren alfe 
solche kleinen Widerspruche unerheblich; gefefselt von den Ge- 
slalteii der herrlichen Poesie, genrefsend^ nicht kntisierend^ nah- 
men sie dtefis eben so gut hin, wie viele 4Seltsamkeiten , die nach 
Hrn. Nitzscb erst durch Interpotalion in den Text kamen« Der 
Standpunct des fförers ist uns ako ganz gteichgiltfg^ und unsere 
Jugend mag auch jetzt immer wider nach Art jener Hörer über 
solche Steilen htnwegeilen. Wenn aber die Wifsenschafl fragt, 
ob hier ein Widerspruch ist^ so liegt dem immer der Gedanke 
zum Grunde, dafs Widersprüche innerhalb eines von einem Dich- 
ter iusgegangenen organischen Gan^ien, zumal wenn diefs ein eo 
kleines ist wie das erste Buch, undenkbar sind, dafs das Wesen 
menschlichen Dichtens sie ausschlier^t, dafs folglich solche Wider- 
spruche Kriterien für die äufserltch zusammengelülete Arbeit meh- 
rerer Dichter sind» Wie kann man nun das eine Widerlegung 
dieser Ansicht nennen, wenn man behauptet, ein Widerspruch sei 
unerheblich oder das thue alles nichts, man müfse an den einen 
Dichter glauben? -^ Ein Widerspruch, den auch unser Verfafser 
für erheblich halt, findet zwischen den Büchern / und TI statt. 
Dort haben wir die Gesandtschaft an Achill und ihr gegenüber 
diesen, wie ihn Horaz schildert 

tmpiffer, iracundm, ineworffMüs^ ficer 
Bk demüthigen Bitten der Abgesandten Agamemnon'« und seine 
Gücbenke weist er zurück v< €50 ff. 

ZatiMhr, für .11 1 otli^vr. Oymh(tii*y. IS54^ t. Hfl. 2, 



18 Andeutungen über d. gegenw. Stand d^ homer. Frage, v. G, CUrfius. 

Denn nicht werd' ich eher des blutigen Kampfes gedenken 
Ehe des waltenden Priamos Sohn, der gölliiche Hektor 
Schon die Gezeit' und Schiffe der Myrmidonen erreicht hat, 
Argos' Volk hinmordend, und Glut in den Schiffen entflammet. 

Dagegen sagt Achill i7 71 

bald hätten sie (die Troer) fliehend die Sturzbach' 
Angefüllt mit Todlen, wenn mir Agamemnon der Herrscher 
Billigkeit hätte gewährt. 

Im griechischen steht iJTCia slSsCri^ wenn Ag. gutig gesinnt wäre. 
Dem inexorabilis zuzutrauen^ dafs er hier sich nach Agamemnon's 
Güte sehnte — dessen glänzende Versprechungen Achill tags zu- 
vor zurückgewiesen hatte — das hält auch Hr. N. für unmög- 
lich. Er nimmt daher an, v. 69 — 79 sei ein Einschiebsel. Mit 
dieser Annahme wäre freilich der ärgste Widerspruch beseitigt. 
Aber immer bleibt der Achill des Buches 77 von dem in / sehr 
verschieden ; in I denkt Achill nicht daran , je den Zorn aufzu- 
geben, höchstens hält er es für möglich, einmal zur Abwehr der 
äußersten Gefahr von seinen und der «einigen Schüfen in den 
Kampf zu gehen ; in 77 sagt er v. 60 

nimmer auch war mir 
Rastlos fortzuzürnen der Vorsatz. 

Die Widersprüche zwischen dem Buche I und allen den Theilen 
der Ilias^ in denen Patroklos auflritt (namentlich auch mit ji 607), 
sind von Grote in seiner Hislory of Graece VoL IL p. 242 ff. 
neuerdings am vollständigsten erörtert, und auch Friedländer in 
seiner gleich näher zu betrachtenden Schrift stimmt damit überein. 
Nach dieser Polemik, welche nur wenige Puncte von vielen 
berührt^ wird in ausführlicher Erörterung der Plan der einheit- 
lichen llias entwickelt. Da wird denn von der Darstellung der 
GöUer und vorzüglich des Zeus, vom Ausgangspuncte der Hand- 
lung, vom Verhältnis des Grundmotivs der Uias zur troischen 
Sage gehandelt. Hier finden wir einzelne treffliche Charakter- 
zeichnungen; so heifst es S. 205: <<Die Tapferkeit des Ajas ist 
die des Standhaltens, die des Diomedes die sturmischere des 
Angriffs.'' Hektor wird als das Ideal des Kämpfers für*s Vater- 
land aufgefafst, der Untergang Troja's aus dem gerechten Zorn 
der Götter über Paris' Falschheit erklärt. Die Gesänge 2—7 gel- 
ten als Exposition ; der 9le wird mit besonderer Vorliebe verlhai- 



Andeatungen über d. gegenw. Stand d. homer. Frage, v. 0, Curthts. 19 

digt, der lOte aber, die Doloneia, für eingeschoben erklärt. Der 
Ute Gesang ruft ausführlichere Erörterungen hervor, weil er so- 
wol Hermann als Lachmann zu besonders erhebh'chen Bedenken 
Anlafs gab. A S2\ holt Kebriones den am äuCsersten Ende der 
Schlacht kämpfenden Hektor, um mit ihm gemeinsam den Troern 
zu Hilfe zu eilen , die in einer andern Gegend der Schlacht von 
Ajas hart bedrängt werden. Hektor folgt dem Rufe; beide fah- 
rest zu jener Gegend der Schlacht. Quid dignum lanlo feret 
hie promissor hiatu? Wer erwartet nun nicht den Hektor dem 
Ajas gegenüber treten zu sehen? Aber nein, es heifst 540: 

Er Dur wandelte fort durch andere Reihen der Männer 

Mordend mit Lanz* und Schwert und gewaltigen Steinen des Feldes, 

Ajas nur vermied er im Kampf, den Telamoniden. 

Und dennoch flieht Ajas erschreckt zurück (v. 543). Lachmann 
hat diese Schäden in das hellste Licht gesetzt. Hr. N. aber fin- 
det alles in Ordnung (S. 229); Hektor, der an einem früheren 
Tage mit dem Ajas gekämpft und H 803 nach unentschiedenem 
Zweikampf Geschenke getauscht^ meide den Ajas absichtlich ^«aus 
einem gewissen Gefühle der Scheu.^' Wollten wir das auch an- 
nehmen, wäre es wol homerisch, solchen Gedanken zu verschwei- 
gen? Und wäre diefe homerisch, wozu ist denn der ganze Ap- 
parat? wozu wird Hektor herbeigeholt? Wenn irgendwo, nimmt 
hier, glaube ich, das unbefangenste Gefühl Anslofs. — Ebenso 
erscheint auch der Widerspruch zwischen dem Auftreten des Pa- 
troklos in A und 77 Hrn. N. unerheblich. Patroklos geht ^610 
auf AchilFs Geheifis^ um sich nach dem verwundeten (Hachaon) 
zu erkundigen , den Nestor eben aus dem Treffen hinwegfuhre. 
Nachdem er lange beim Nestor verweilt^ dann den verwundeten 
Eurypylos gepflegt und die Noth der Achäer inzwischen immer 
gröfser hat werden lafsen, kehrt er endlich O 405 zum Achill 
zurück. 77 2 steht er vor ihm 

Heifse Thränen vergiefsend, der finsteren Quelle vergleichbar. 
Die aus jähem Geklipp vorgeufst ihr dunkles Gewässer. 

Achill weifs nichts davon, dafs er ihn gesandt, dafs er ihm auf-« 
getragen hat, sich nach Machaon zu erkundigen. Verwundert 
fragt er: 

«Warum also geweint, Patroklus? 
V. 13 Itasl du etwa allein IJolschaft aus Phthia vernoiumenV 

" 2 ♦ 



20 Andeutungen über d. gegenw. Stand d. horoer. Frage, v. G. CmrUuM, 

V. i7 Oder um Argos' Volk wehklagest dn, wie es verderbt wird 
An den geräumigen Schiffen zum Lohn des eigenen Frevels? 

Patroklos erzählt unter Seufzern vom Leid der Achaer; des Ma- 
chaon gedenkt er mit beiner Sylbe. Alles diefs findet Hr. N. nicht 
blofs in der Ordnung, sondern sogar besonders schön. Es mag 
ertraglich sein in einem Liede, das nur leise an eio früheres oder 
an etwas aus der Sage bekanntes erinnert, nimmermehr in einem 
planvoll gedichteten Ganzen. Man denke sich die Scenen drama- 
tisch; wurden nicht Achilfs Fragen den seltsamsten Eindruck 
machen ? 

Auf die weitere Darlegung der Ilias müfsen wir hier ver- 
zichten. Es mag nur erwähnt werden, daCs Hr. N. den Fort- 
schritt der Handlung in der immer gesteigerten Noth der Achäer 
erblickt, für die er vier Stadien annimmt. Das erste Stadium im 
Buche ®, das zweite A die Verwundung der drei Helden Aga- 
memnon, Diomedes, Odysseus; das dritte M 438 die Sprengung 
des Thors durch Hektor^s Steinwurf, endlich O 701 das erneute 
Andringen der Troer*) und 77 102 der Brand eines Schiffes. 
Daran schliefst sich denn unmittelbar das Auftreten des Patroklos 
an. Hit dem Fall des Patroklos wird die Darstellung tragisch, 
Achill hülst seine im ubermafsigen Zorn liegende Schuld, «er bat 
nun seinen Willen, er hat eignes Leid zu rächen.^' Doch schliefst 
das Gedicht nicht mit der Rache an Hektor, weil (S. 270) Achill 
nicht zuletzt als der grause, wilde Rächer erscheinen durHe, nach 
den Leichenspielen dient namantlich die Scene mit Priamos zur 
Beruhigung und Erhebung der Menschlichkeit Achills.^ Nur das 
allerletzte Stück von i^ 722 an gilt für untergeschoben. 

Nach dieser Darlegung gilt es denn für ausgemacht, dafs 
dieses ganze nur ein einziger Dichter geschaffen haben könne. 
Dabei wird jedoch S. 273 ein wichtiges Zugeständnis gemacht: 
<<Er mag es in sich selbst wie mit Benützung schon ver- 



*) Der Widerspruch zwischen O 39i zi£%Boq aftcpsfkaxopto ^oamv 
Hto^i vriav mit der in M erzählten , also längst geschehenen 
Afauerslurmung wird durch die unsers Bedünkens völlig unmögliche 
Erklärung «als sie in der Gegend der Mauer kämpften' beseitigt. 
Faesi gesteht es ein «an die erste Erstürmung der Mauer wird hier 
nicht gedacht^. Aber konnte so etwas ein Dichter vergefsen, der bei- 
des schuf? 



Aadeutuogen über d. gegenw. Stand d. homer. Frage, v. G. Oirlius. 21 

bondener, zugebildeterer Partieen so erst allmalich 
gethan haben, namenlUch er selbst nur Gruppen, welche innerlich 
durch die ausgeprägten Hauptzuge verbunden waren ^ überliefert 
und jene allmalig gegeben haben.'' Aber gleich darauf wird doch 
wider gegen die Lachmannianer (S. 280) und Hermann Front 
gemacht, und namentlich gegen die ersteren der Vorwurf erhoben, 
^de behaupteten, die ihnen wol bewußten Gesetze der Interpretation 
litten auf die homerischen Gedichte keine Anwendung, alles werde 
von ihnen nur stofQich aufgefafst u. s. w.<^ Diese Vorwürfe sind 
nun aber durchaus ungerecht: Lachmann macht alle Gesetze der 
Interpretation geltend, aber innerhalb des einzelnen Liedes, er spricht 
überall vom Stil, vom Ton der Darstellung; die könsllerisch voll- 
endete Poesie, aber die höchste und herrlichste liegt ihm in den 
einzelnen echten Liedern, und Beziehungen dieser Lieder auf ein- 
ander erkennt er ja auch vielfach an. 

Im zweiten Buche wendet sich Hr. N. besonders gegen 
Weicker's Ansicht, dafs Homer ein Appellativum für das zusam- 
mengefugte Epos sei. Es ist ganz naturlich, dafs hier besonders 
die äulsere Seite der Frage in Betracht kommt. Hier werden also 
mehrere der bekannten Nachrichten über Homer und homerische 
Poesie aufs neue geprüft und dabei be.«onderer Nachdruck auf 
die Zeugnisse des Xenophanes, Heraklit und Herodot gelegt, so 
wie auf das hohe Aller einiger cykli^cher Gedichte, welche bei 
ihrem grof^en Umfange kaum ohne schriftliche Exemplare denk- 
bar waren, also mittelbar für homerische Handschriften vor Pisi- 
stratus zeugten. Hier scheinen aber doch wider einige erheb- 
liche Hisverständnisse mit unterzulaufen. Hr. N. ist der Meinung, 
dals schon zu Solon's Zeit bei den Agonen die beiden grofsen 
Gedichte in vollständigem Zusammenhange rhapsodiert seien. Wir 
lafsen diese Deutung des vielbesprochenen e^ vjtoßoX'^g dahin ge- 
stellt. Aber wenn nun von dieser Hypothese aus wider weiter 
geschlofsen wird, weil in Athen bei den Agonen der ganze Ho- 
mer rhapsodiert sei, müfsten auch die vom Herod. V, 67 envähn- 
ten argivischen Rhapsoden bei den Weitkämpfen den ganzen 
Homer vorgetragen haben, das ist denn doch ein Schlufs, der 
aller Logik widerspricht. Als ob sich rhapsodische Wellkämpfe 
nicht mit einzelnen Liedern denken lie£sen! 



Zweite Abtheilun^. 



Literarische Auzei^en. 

1. SpieTs, Fr. Griechische Formenlehre für Anfänger. Zweite, 
vermehrte und verbefserle Auflage , bearbeitet von Th. Breiter. 
Essen, Bädeker, 1852. — 26 kr. CM. 

2« SpieTs, Fr. Obungsbach zum Übersetzen ans dem Griechi- 
schen in's Deutsche und aas dem Deutschen in's Griechische. Zweite, 
vermehrte und verbefserle Auflage, bearbeitet von Th. Breiter. 
Essen, Bädeker, 1853. — 50 kr. CM. 

8. Deltmer, C. Vocabularium für den griechischen Elementar- 
unterricht. Nebst Aufgaben zu mundlichen und schriftlichen Übungen 
und einem deutschen Wortregister. Braunschweig, Schwetschke u. 
Sohn, 1852. — 24 kr. CM. 

4. Vogel, A. Griechische Formenlehre. Plauen, Schröter, 
1853. — 34 kr. CM. 

Es ist in der neueren Zeit vielfach die Frage angeregt worden, ob 
es zweckmäfsiger sei, sogleich beim Beginne des Unterrichtes in den allen 
Sprachen eine für alle Ciassen des Gymnasiums ausreichende Grammatik 
einzuführen oder in den untersten Glassen Elementarbücher zu gebrauchen, 
welche dem unmittelbarsten Bedürfnisse dieser Ciassen zu dienen sich zur Auf- 
gabe machen. Die Frage selbst ist offenbar ein Zeichen des ernstlichen Bemü- 
hens der Schulmänner, bei der unabweislichen .Mannigfaltigkeit von Lehrge- 
genständen des Gymnasiums für jeden derselben den kürzesten und zugleich 
sichersten Weg zur Erreichung des Zieles ausßndig zu machen , und sie 
verdient insofern recht sehr eine eingehende Erwägung; schon die ach- 
tenswerlhen Namen, welche auf der einen wie auf der andern Seite stehen, 
verbieten es, dieselbe in wenigen Zeilen abmachen zu wollen. Doch 
glaubt anderseits Ref., wenn er unter den obigen Büchern zwei anzuzeigen 
unternimmt, welche eben als Elemenlargrammaliken nur für das Bedürfnis 
der untersten Ciassen bestimmt sind, in aller Kürze bezeichnen zu sollen, 
aus welchen Gründen er für den griechischen Unterricht derlei Bücher 
nicht eingeführt wünschen kann. Ref. beschränkt sich hierbei absichtlich 
auf die für den griechischen Unterricht bestimmten Elementargrammatiken, 
da nur zu ihrer Besprechung zunächst ein Aulafs ist, und zwischen den 



Grlccli. Elwmeiitirbücher v. ^ieß, DsUmef, Vogel, ang. ¥. JT, ScAmkl *15 

likiui»clien und den gfiecbis;clT«ii gra mm atme Ken Büchern für das Gynrnn- 

lium iD didaktiscber Hiitsichl so bedciilende Untenchbde besieUertf 
dar:; mm sehwerlicb woklthulf in dieser didaktisclipu PrAge beide wie 
uuua [erschieden lusnmmen zu belianüelu. Der Uiiterridil io der bteini^cheit 
^pridte wird sogltiicli ham Beginn dos Gymnuiums aiij^efangtin» also b<?i 
mft ftildungsstuf© der Schuler, für welche man vielleicht die «iigsl«n 
&mi£on eines Elcmenlarbuches erforderlich ßodet ; er wird durch eine 
Jihgere Reihe ?oo Jahren, und durch eine gröfnere IM wochenUicher 
Lebrstuiideii forlgeBetzt nh der (juterricht im Griechischeu, wa daCfi, wenn 
au die StcHe eines Tür den AnDing des Crlernans heslimmten Eleoifnt&r* 
buehes hernach eine vol Island ige re GrammalLk Irilt, noch Zeit und Gelegeil' 
heil p^enug bleiben Linn ^ sich in die letalere Gramtnalilc einzugewöhnen; 
endlich an das grammaliische Wif^sen des Gymnasiasten in der lateini^cheti 
Sprache werden höhere Forderungen gestellt, ats im Griechischen, da er 
lieh aueh Gewandtheit des ^ijchreibens und wenigstens Anfaoge eines stiJi- 
Mi^heti Tacles im Lateinischen anzueignen hat, wodurch offenbar die Be- 
rücksichtigung der Bedurrnis^e ^ammtlichcr Classen der Gymnasien in einer 
takiniachen Grammatik grörserc Schwierigkeiten hat, ats in einer griechi- 
iehen> GeseUt also, es würde für den lateinischen Unterricht als sweck- 
mlfsiger erwiesen , in den uiUeriten Classcn ein etemenlares Buch anzu^ 
wt*ndeo, und diesem erat sfiäter eine votUtandigero Grammatik folgen £U 
laffen, »0 würde dadurch noch keineswegs das gleiche für den grie- 
chischen Unterricht bewiesen sein. Für diesen Unterricht »eibit aber 
durfte eä sieb schwerlich als ein wirihchca didaktisches Bedürfnis nach- 
weisen Ufsen, dem Gebrauche der vollständigeren Grammatik ein hlofs 
auf den Anrang herecbnetes ßlementarbuch vorauszuschicken. Denn 
wenn die Schüler die griechische Formenichre zu l<?rnen anfangen, haben 
fie li«r«it8 im Verlaufe von zwei Jahren die lateinische Formenlehre er- 
Itml; sie mufsen also jede nfath' die Fähigkeit erworhen haben, sieh in 
einer, einfach nach der Natur der Sache geordneten Gramtiiatik zureeht 
KU linden, und kiannen diese nun beim Beginne des griechr.'jchen Unter- 
riehtei altwenden. tJberdiefs ist der Orofang des grammalischen , nament- 
heb des syntaktischen VVifsens , welcher in der griechischen Sprache von 
Gymnaslaften verlaugt wird, verh^ütnism^fsig merklich geringer, als im 
LaleiniiCfieii , so dafa sich recht wol, ohne tu grofse Belästigung für den 
Anfinger, das gesamrnte fiir den Gymnasial Unterricht erforderUche Maieria), 
durch den Druck an^eraefscn nnterschie<Scn . in einer für das gante Gyni- 
Dasium ausreichenden Grammatik vereinigen lalst. t:^t aber beim griechi- 
6ch«n Gymnasial Unterricht das Vorausschicken eines F^lementarbuchea nicht 
QOlhwendig, so darf man sich nicht erst noch die von seinem Ge- 
brauche unEertrenn baren Übetitände selbst schaffen, üas Ele- 
iftentarbuch, das eben nur für die erste oder die ersten beiden Clas^en 
bütimmt war, wird nach Beendigung derselben von den Schülern nicht 
Behf gern gebraucht » auch reicht es ja für dau Bedürfnis der folgenden 
£kiieQ Dicht aus; aber in der für die höheren Classen bestimmten Gram- 



26 Griech. Elementarbücher v. Spttfi, DeUmer^ Vogei^ ang. v. AT. SchenkL 

malik vollkommen heimisch zu werden, ist bei der geringen Zahl der dem 
griechischen Dnlerrichte gewidmeten Jahre, der mäfsigen Slundenzahl, dem 
kleinen Anlbeil, der daran dem grammalischen Unterrichte zugewiesen 
werden kann, kaum möglich. So beßndet sich dann der Schuler zwischen 
zwei grammatischen Büchern, — und wie selten werden diese Doch glei- 
chen Grundsätzen in Formenlehre und Syntax bearbeitet sein, — deren eines 
ihm nicht ausreicht, das andere nicht geläufig wird, und an deren kei- 
nes sich sein Localgedächtnis mit aller Festigkeit anknüpfte. Man gibt 
also durch eine solche Einrichtung, noch dazu mit doppelten Kosten für 
den Schuler, ein Umstand, der bei uns nicht gleichgillig ist, Mittel der 
Erleichterung und namentlich der Befestigung des grammatischen Wis- 
sens auf, die sich durch nichts ersetzen lafsen. Und was wird dagegen 
erreicht oder bezweckt? Das Elementarbuch will Mafs und Anordnung 
des Lehrstoffes für den Anfang des Unterrichts bis ins einzelne genau so 
vorzeichnen, dafs dadurch für den Lehrer die weitere didaktische Ober- 
legung des Lehrstoffes, den Lehrern aufeinanderfolgender Classen die Ver- 
ständigung über die Abgrenzung im einzelnen überflüfsig werde. Ein sol- 
ches Buch für nothwendig erklären, scheint dem Ref. eine Geringschätzung 
gegen die Lehrer, zu deren Gebrauch es bestimmt ist, stillschweigend in sich 
zu enthalten; vollkommen ausführbar übrigens ist der Gedanke, 83 
ernstlich man sich mit ihm beschäftigen mag , nicht. An demselben 
Gymnasium ist bei aufeinanderfolgenden Generationen, und noch viel mehr 
an verschiedenen Gymnasien, das Mafs der Leistungsfähigkeit und somit 
auch das Mafs der an die Schüler zu stellenden Forderungen ein merklich 
verschiedenes; was in dem einen Falle angemefsen ist, dasselbe ist in 
einem zweiten zu viel, in einem dritten zu wenig u. s. f. Und so wird 
man bei dem Elementarbuch wieder genölhigt sein , wegzulafsen , umzu- 
stellen, zuzusetzen, nicht viel anders, als wenn man eine für das ganze 
Gymnasium ausreichende, nach der Natur der Sache geordnete, nicht nach 
subjectiver Überzeugung abgegrenzte Grammatik in den Händen der Schü- 
ler wüfste. 

Möchten diese Worte, welche weit entfernt sind, die Frage erschö- 
pfen zu wollen , wenigstens den Ref. rechtfertigen , wenn er griechische 
Elementargrammatiken, welche auf den engsten Nolhbedarf des Anfangs 
berechnet sind, schon mit der Erwartung zur Hand nimmt^ daüs die auf 
sie verwendete Mühe keinen vollständigen Erfolg haben werde. Bei den 
beiden hier unter Nr. 1 und 4 bezeichneten Schriften dieser Art findet sich 
diefs mehr oder weniger bestätigt. 

1. Die Spiefs'sche Formenlehre gibt durch das Erscheinen einer 
zweiten Auflage den Beweis, dafs sie an manchen Anstalten in Gebrauch 
genommen ist ; hiedurch dürften sich auch schon Erfahrungen mit ihr ge- 
sammelt haben, welche dazu dienen, Mängel der ersten Auflage zu ent- 
fernen. Diefs ist nicht in dem Mafse der Fall, als sich billig beanspruchen 
läfst. Nicht blofs dafs die Behandlung des Stoffes ein gänzliches Ignorieren 
der neueren grammatischen Forschungen verräth, deren sichere Ergebnisse 



Griech. ElemenlarbGcher y. Spieße Detimer^ Vogels ang. v. K. Schenkl. 21 

geeignet sind , selbst in den Anfang des Unterrichts zu dringen , sondern 
es ist öfter auch eine gewisse Dnbestiromiheit des Ausdruckes zu rügen, 
welche aus dem Streben nach allzugrofser Kurze und Gedrängtheit hervor- 
gegangen zu sein scheint. Zum Beiego wollen wir aus dem Werkchen 
einige Proben und zwar aus der Lehre vom Zeitworte beibringen. 

Wir lesen S. 37: «Das Medium hat entweder reflexive oder in- 
transitive Bedeutung' (?), ferner eben daselbst «für mehrere Tempora des 
griechischen Zeitwortes gibt es doppelte Formen' (ein sehr angenauer 
Ausdruck, welcher den Schüler bei der eben so ungenauen Fafsung der 
Regel 1 auf S. 61 nothwendig irre führen mufs); S. 66 heifst es: 
^siftiam f ich schmause* (wol «^^^irlhe' ?), ferner eben daselbst: «die 
mit 80 anfangenden Verba augmentiren den zweiten Vocal, z. B. ioqtdiat^ 
(ebenfalls ungenau, denn der Schüler mufs glauben, dafs viele Verba im 
Griechischen mit eo beginnen, während doch nur logta^ai mit so beginnt, 
Ibliror, ioixa u. s. w. aber Perfecta aecunda sind), eben daselbst: «0^70» 
Aar. fo>£a' (wol avoiym Aar, ay^Qi|a} , zu $. 4 hätte hinzugefügt wer- 
den sollen : «und einige, die mit a, oi, uv und nachfolgendem Vocale be» 
ginnen, z. B. avaivto, o^ax^oo.* — Wo ßndet man die Regel, dafs bei 
der Redoplication statt der Adspirata die entsprechende Tennis gesetzt 
wird, wo findet man Auskunft über diBtXsyfiai. j das doch die Schüler oft 
lesen werden? Warum fehlt S. 66 bei Regel 6 ßsßlaaxrixa , S. 67 bei 
Regel 13 xa^CSto , warum fehlt eben daselbst jede Regel über diaitdaty 
ducxovim u. 8. w., die doch sehr gebräuchliche Wörter sind? — Wie 
soll der Schüler die Regel von der Verdopplung des q in der Augmenta- 
tion aus der unklaren Fafsung der Regel 10 auf S. 38 entnehmen? Wa- 
rum ist überhaupt die Lehre vom Augment so zerrifsen, während man sie 
doch in einem hätte geben können und es nicht schwer gewesen wäre, 
das wichtigere und unwichtigere durch gröfseren und kleineren Druck zu 
nnterscbeiden ? Warum fehlen S. 45, B. 6, A. 2 &Xd(o und el%v(o , wa- 
rum jede Bemerkung über das Futurum doricum? Warum ist S. 47, 
R. 20, A. 9 ii^ccaTtim und S. 48, R. 22, A. 10 iXavvto vernachläfsigt, da 
wir doch eben daselbst R. 23, A. 11 das seltene ^atqotpa lesen, welches 
der Schüler kaum bei Athenäus nachsuchen wird? Warum fehlen S. 68, 
R. 3 die Beispiele Xv^ijvai, Idia&ai, u. s. w.? Unklar ist auch die Be- 
merkung auf S. 62, R. 6: «das zweite Perfect nimmt oft intransitive Be- 
deutung an' , wie denn auch bei der tabellarischen Angabe der Tempora 
seeunda (S. 63) die erste Anmerkung hätte ausbleiben können, welche 
den Schüler mehr verwirren als aufklären mufs; eine solche vollständige 
Angabe der Tempora gehört vielmehr in eine gröfsere Grammatik z. B. 
die Krüger'sche, und ganz einfach hätte man bei den einzelnen Veröis die 
gebräuchlichsten Tempora' prima und iecunda angeben können. 

Die neue Bearbeitung durch Th. Breiter ist ungleich; einzelne Ab- 
schnitte des Werkes haben offenbar gewonnen, andere verloren, im ganzen 
aber hat das Buch an Vollständigkeit in Betreff mancher grammatischen 
Einzelheiten gewonnen. Doch trotzdem würde Ref. nach den so eben dar- 



28 Griech.Elemenlarbucher v. Spiefli, DeUmer, Yogei, ang. v. tC. Sckenki. 

gelegten Gründen zum Gebrauche dieses «Nolh- und Hilfsbüchleins» (vergl. 
Vorrede zur Krüger'schen Grammatik, S. VI) nicht rathen können. 

2. Das Übungsbuch ist im ganzen um vieles befser gearbeitet und 
kann, da es reichlichen Stoff enthält , auch mit Nutzen gebraucht werden. 
Dasselbe hat auch bei seiner neuesten Auflage vielfach gewonnen; viele 
unbedeutende Sätze sind ausgeschieden und durch befsere ersetzt worden, 
auch haben die Lesestücke eine heilsame Veränderung erfahren. Was Ref. 
bei der Durchsicht des Buches bemerkt hat, will er zur Förderung des« 
selben kurz angeben. — Störend sind insbesondere bei den Beispielen des 
ersten Cursus die vielen ganz inhaltslosen Sätze, die namentlich in den 
deutschen Übungsstücken vorkommen, z. B. «Die Rinder sind sehr unver- 
ständig^ (S. 14), «Die Reichen sind die Wächter der Schätze' (S. 15) 
u. s. w. ; aber auch im Griechischen , z. B. : 'Odvaofcag mg 9'bov fjnovov 
ot nolttai (? S. 26), T6v noXixmv noXXol {lIv adUmg iTStifimQrivxOf 
71 f iXlfi noXig d'avfLaatSg aq>BlriTO (S. 20)^ ivmmiiev xriv ßaailimg 
dvvafiiv (S. 28) , IIol8(iovpteg x£ %sq9avovfiSv ; — Tov ftero; nlsiatmv 
ildovmv ߣov ^Sim xBTtqiiiaßsv» (Wer hat diefs (Irtheil gefallt?) — 
Tov SyysXov inilsvaa natu arjiiijvcci ifioC (S. 30). Während sonst 
der Verfafser, was wir übrigens nicht misbilligen, die Sätze vielfach ver- 
ändert hat (z. B. S. 14 B. 2. SaU), lesen wir S. 50: TIbC^h, ^oißog 
'OqiGTTjv xTiV firixiQU Htsivai u. a. , auch sind einige Sätze offenbar zu 
schwer, z. B. : Kqaxiczoi av xr,v ijfvxriv Smaitog %Qid'etBv ot %a ts 
dsivä 7i(d ridia aatpiaxata yiyvmCTiovxBg (S. 30) u. a. Auch hätte das 
Präsens und Imperfectum sämmtlicher Verba der ersten Gonjugation ver- 
eint und nicht getrennt behandelt werden sollen. — Was die Lesestücke 
anbetrifft, so ist die Erzählung von der Semiramis (S. 99 — ItO), die 
aus Diodor Liö, IL entnommen ist, offenbar zu lang und noch überdiefa 
die Wahl unglücklich , da Diodor 's Geschichte , besonders die der ältesten 
Zeit, weder von Seiten des Inhaltes, noch von seilen der Darstellung, noch 
in stilistischer Hinsicht anempfohlen werden kann. Endlich dürfte es 
noch zweifelhaft sein, ob denn wirklich die Götter- und Todtengespräche 
Lucian's eine passende Leetüre für Knaben abgeben ; in das Bereich der 
öffentlichen Gymnasiallectüre wünschte Ref. sie nicht gezogen zu sehen, 
da der in ihnen herrschende Ton dem Jugendalter nicht entspricht, und 
der eigentliche Sinn, die eigentliche Bedeutung dieser Dialoge erst dann 
klar werden kann, wenn man die Zeit, in welcher Lucian lebte, tiefer er- 
faCst hat. — Der Druck in den beiden Werkchen ist correct, die Ausstat- 
tung gefällig ; die Preise sind ziemlich billig. 

3. Dettmer's Vocabularium für den griechischen Elementarunter- 
richt ist eine recht fleifsige Zusammenstellung von Wörterclassen nach Ge- 
sohlecht, Accent und Endung, und kann in dieser Hinsicht dem Lehrer 
bei schriftlichen Aufgaben und mündlichen Übungen in der Schule recht 
behilflich sein. Für den Schüler aber ist es nicht brauchbar, da woi 
kaum ein Lehrer wollen wird, dafs ein Schüler im ersten Jahre oder in 
den ersteren Jahren des Unterrichtes eine solche Unmasse von Wörtern 



Griech. EIcmeDtarbucher v. .^fo/jr, Deiimir^ Xö§th aog^v* A^ Sckmki. 29 

> ioswendig lerne, (wenn gleich der Hr. Verf. diefs l»ei der Au^ai-beiluog des 

^Buches vorzugsweise vor Augen geh ab l hat ; vergL Vorrede S. HL) Zudem 

^fnlhäJt dieses Vocabularium eine grofse Anzahl aet teuer Worter, t. B. 

S, 14, Spalte \i ntlogj &iirj7ttovxog ^ atofietio^ (Gurpt^l) , ^Tgofpos^ toQ- 

wog^ tif6x<>^i tp^OQO^j iQvi^og u. a, w. Was aber die DecJinalionsübuii- 

geQ (S, 82 — 86) und die Aufgaben zum übersetzen lo's GrieohUche 

r {S. 80 — 9$) anbetritlt, so mnk es urkbegretflicfa l>)eiben, wia mau so etwas 

chreiben konnte^ Weno gleich der Hr. Verf. iü der Vorrede, S. 4, sich 

enlschuldigt und bekennt, dnfs es bei soEchcu tbüngcn schwer sei^ immer 

etwas ^ngemersüties und dem hi hatte nach befriedigendes zu liefern, so sind 

dcM!h Salze, wie folgende, niemals zu entschuldigen: Die Beerdigung ist daa 

^ Ende dea Lebens, — Die Seele der Gattin war voll Zorn utid Galle, — Der 

iusläiidische Gesang war der Anfang der gemeinsamen Flucht. — DJe Wnctie 

das Code des Diebstnhbt — Das Linsengericht iüt eine schone Nahrung. 

"v- Das Ende des Wiesels war furchtbar, (sämmtlich auf $. B6) u. a. , wo> 

mit wir unsere Leser nicht weiter behelligen wollen. Druck und Auijatattung 

genügen- Der Preis tst biltig. 

4. Was nun endlich die griechische Formenlehre von A. Vogel an- 
betrifTl, so verkennt rief, durchaus nicht, dafs der Hr. Verf. den redlichen 
Willen gehabt hat, etwas £ur Forderung des griechischen Unterrichtes bei- 
lulragen, aber dicfs allein reicht dach noeh nicht aus, das Erscheinen einer 
Granim^itik eu rechtfertigen oder ihren Gebrauch in der Schule als wün- 
schenswerlh erscheinen zu lafsen. Fast scheint es jetzt zur Manie lu wer- 
den, dafs man durch jede kleine Veränderung oder Uraslellung in der sonst 
üblichen Anordnung der Grammatik sich zum Schreiben einer neuen Gram- 
tnatik berechtigt glaubt. Wären derlei kleine [Jmstellungen auch wirklich 
immer wifsenschaftlich oder didaktisch begründt^t» so würde doch die kaum 
ta vermeidende Folge sein, welche auch factisch oft genug eintritlj dafs gar 
manche solcher GramtDatiken ^ deren Erscheinen keine volle Uercchligung 
hatte, bald wieder spurlos verschwinden, und oft dieselben Schüler genö- 
thigt werden, sieh noch an eine zweite Grammatik von merklich verschiede- 
ner Methode zu gewöhnen. Dia Fixentümlichkeilen der vorliegenden For- 
menlehre sind tiauptsaehlich eine sirenge Sonderung des grammatikalischen 
Stoffes in zwei Cursc^ von welchen der erste nur das unumgänglich noth* 
wendigste, der zweite die weitere Ausführung, ferner die einzeln sichenden 
Formen und Ausnahmen urofafst , sodann eine neue Anordnung des Stoffe«, 
nach welcher zuerst die Lehre von den NomM^m und Ver&fä impurfs und 
puris non contractis, hierauf die Lehre von den Ver&U und A'üminiönt 
purii eaniracti» behandelt wird, — Welchen Nutzen dieses gewähren 
soll, kann Itcf, nicht erkennen; otTenbar wird hier die ÜarsLcllung der ein- 
zelnen Declinationen, die Lehre vom Verb um Eerrifsen uod insbesondere die 
Übersicht des Zusammenhanges dem Schüler ungemein erschwert. Über- 
haupt kann tief, nicht einsehen, warum in so vielen neueren Grammatiken 
die Lehre von den \erbis puris cauiraeiiS erst am Ende der erslen Con- 
iugalion behandelt wjnl, da ja doch diese Verba nur im Präsens und Iroper- 



30 Griech. Eleinentarbücher v. Spiefty DeUmer^ Vogel, aog. v. K. Schenhl. 

fect EigeDtumlicbkeiten darbieten , uud man sie daher gleich nach dem 
Präsens uud Imperfect der anderen Verba behandeln kann. — An Sonderbar- 
keiten fehlt es aufscrdem im vorliegenden Buche nicht; so werden neben 
den Artikel auch gleich ovxoq and o8b hingestellt und decliniert, und bei 
der Regel über die Stellung des Artikels neben o aya^os nax^q und 
o naxriq o aya&og wird S. 4 auch die Stellung natriQ 6 ayof- 
9' 6g erwähnt. Auf S. 6 steht: »die Adjectiva auf os, ij (a), ov 
sind im Genitiv Plur. und im ganzen Dual generis cmnmunis.^ (Hat 
der Hr. Verf wol ein Recht, diese seine Ansicht über die Er- 
klärung einer bekannten Erscheinung sogleich an die Stelle des 
F a c t u m 8 selbst zu setzen , und zwar in einer Elementargrammatik ?) 
Ferner: «der Yocativ der Wörter auf og ist zuweilen (?) und bei 
%'B6g {deus) stets dem Noimnativ gleich; S. 7 heifst es: «£ stofsen aus im 
Genitiv und Dativ Sing, und Dativ Plur. , wo sie dafür vor der Endung 
<fi a einschalten: naxi^q u. s. w. Jrjii'qtTjQ Demeter*; also auch z/17- 
p,7iT(fdai^ S. 12 sDer Optativ bezeichnet ohne av einen Wunsch' (was soll 
hier die Erwähnung des &v, von welchem der Schüler noch keinen BegrifT 
hat?), eben daselbst: ^^für den Aorist A, P und M, für das Perfect A 
tind das Fuhir P haben manche Impura doppelle Formen^ (sehr unklar 
und ungenau); S. 13 lesen wir: f^nqo verschmilzt häuflg mit c in ov* 
und nun wird auf die Krasis verwiesen, die erst S. 20 behandelt wird, 
ferner: «nur die mit Bvg und bv zusammengesetzten Verba haben das 
Augment am Stamme, wenn dieser mit einem wandelbaren (?) Vocal be- 
ginnt* u. s. w. — Wo findet aber der Schüler Auskunft über ganz ge- 
wöhnliche und nothwendige Sachen z. B. Uf^ix^ea, ÜSQUlugy vyiäy 
9'cctrov u. 8. w.? Solche Fehler zeigen uns deutlich, was durch dieses 
Zerstückeln und Zerreifsen des grammatischen Stoffes hervorgebracht wird. 
•— Eigentümlich ist es auch, dafs die Lehre von den Encliticis erst nach 
den Pronominibus folgt, weil, wie es in der Vorrede S. IV heifst, «eine 
Regel, wenn sie aufgestellt wird, bevor sie zur Anwendung kommen kann, 
mehr oder minder als ein verlorener Posten anzusehen ist.^ Wollte man 
auch wirklich diese Consequenz aus einem an sich ganz beachtenswerthen 
Grunde zugeben, so wird doch dadurch nicht erklärt, warum gerade hier 
die Procliticae angeschiofsen werden, und ihre Einfügung an dieser Stelle 
durfte darauf hinweisen, dafs jene Motivierung selbst nicht ausreichend ist. 
Eben so kann Ref. es niebt angemefsen finden, dafs unter das Anomalien- 
Verzeichnis alle einzeln dastehenden Declinalions - und Conjugationsformen 
aufgenommen sind (Vorrede S. IV); denn so mufs nun der Schüler diese 
mechanisch einlernen, ohne sie an die verwandten Formen anschliefsen zu 
können,' und da doch hie und da neben der Regel Ausnahmen angegeben 
werden müfsen, so wird hierdurch vielfach eine unnütze Widerholung er- 
zeugt, wie sie sich auch in diesem Büchlein oft genug findet. 

Der Druck ist meist correct, die Ausstattung gefällig, der Preis 
ziemlich billig. 

Prag. Dr. Karl S c h c n k I. 



Reallexika von Kraft, äüUer^ Lubker, ang. v. C J. Grysar. 31 

Real-Schullexikon lurdie studierende Jugend, von Dr. Fr. 
G. Kraft aud Dr. Com. Müller. Eine gäDzliche ümarbeilung von 
C Ph. Funke's Kleinem Real-SchuIIexikou. 2 Bde. gr. 8. Altona, 
Hammerich, 1848 — 53. Bd. I. VIII. u. 936 S. Bd. 11. 1082 S. 
Lexikon Form. — 6 fl. CM. 

Reallexikon des classischen Altertums für Gymnasien. 
Im Vereine mit mehreren Schulmännern herausgegeben von Dr. Fr. 
Lübker, Director des Gymn. in Parchim. Erste Abtheilung. Leipzig, 
B. G. Teubner, 1853. S. 224. Lex.-Form. — 1 fl. 15 kr. CM.*) 

Ein für den Philologen fortan unentbehrliches Repertorium ist die 
bekannte Realencyclopädie der classischen Altert umswifsenschafl von A. 
Pauly. Stuttgart 1837—1852, 6 Bde. gr. 8. Was in den sog. Realien, 
ich meine die alte Literaturgeschichte, Mythologie, alte Geschichte, Anti- 
quitäten, Archäologie, Geographie und Topographie u. s. w. die gelehrte 
Forschung seit den letzten fünf, sechs Decennien in ihren höchst zahlrei- 
chen speciellen Werken zu tage gefördert hat, das finden wir hier in Aus- 
züge gebracht, welche jedoch, wenn die Wichtigkeit des behandelten Gegen- 
standes es erfordert, zuweilen ausführlicher sind und den Charakter einer 
wifsenscbaftlichen Abhandlung annehmen. Ich erinnere beispielsweise .in 
den reichhaltigen Artikel Aristoteles Bd. f, S. 779—809, Plato und 
Platonische Philosophie Bd. V, S. 1692—1721, flislrio Bd. 111, 
S. 1400—1414, Homer und Homeriden ebend. S. 1414—1448, wie 
denn überhaupt, und zwar mit gutem Grunde, die alle Literaturgeschichte 
und was mit derselben zusammenhängt am besten in diesem Werke be- 
dacht worden. Über den Gehalt der vielen hunderte von Artikeln im 
einzelnen zu urtheilen, ist hier der Ort nicht, zumal da sich in Bezug 
auf Umfang und Behandlung eine grofse Verschiedenheit zeigt ; doch wird, 
wer eine Zeit lang sich dieses Sammelwerkes bedient hat, im allgemeinen 
zugeben müfsen, dafs es seinem Zwecke entsprichL Selbst wer sich der 
glücklich.»len Mufse erfreut, verfolgt immer nur die eine und andere Dis- 
eiplin in ihren detaillirten Untersuchungen, kann aber bei der weit grölse- 
ren Mehrheit der Realfächer sich höchstens mit den Ergebnissen der 
Forschung bekannt machen, und wird somit ein Werk willkommen heifsen, 
worin ihm diese in den meisten Fällen wenigstens mit einiger Zuverläfsig- 
keit angegeben werden. Sehr zweckmäfsig ist auch diese Einrichtung, 
dafs bei jedem etwas bedeutenden Artikel ein literarischer Nachweis der- 
jenigen Quellen und Hilfsmittel angebracht ist, aus denen dieselben ent- 
nommen worden, so dafs, wer sich mit dem hier gegebenen Resume nicht 
begnügt, zugleich auf die Schriften hingewiesen wird, wo er die ausführ- 
licheren Untersuchungen selbst findet. Bei der Reichhaltigkeit des von 
Jahr zu Jahr sich mehrenden Stoffes konnte es nicht ausbleiben, dafs, 



*) Nach einer besonderen Ankündigung des Verlegers soll das ganze 
Werk höchstens 50 — 56 Bogen in 4 Abiheilungen umfafsen und der 
Preis die Summe von 4*/, höchstens 5 fl. CM. nicht übersteigen. Die 
erste Alilhcilung geht bis zu dem Namen Decius. 



32 Reallexika fon Kraft, Mülkr, Uibker, ang. t. C. J. GrpMar. 

trolzdem dafs der Druck sehr enge ist» und für eine möglichst kurze 
Fafsung der meisten Artikel das gehörige geschehen, das Werk dennoch 
einen bedeutenden Dmfang bekommen bat. Die einzelnen sechs Bände 
sind immer stärker geworden. Der erste Band hat 1224 Seiten, der sechste 
in zwei Abiheilungen sogar 2927 Seilen. Bei diesem Umfange ist der hohe 
Ladenpreis des Buches von ach tz ig Gulden CM. erklärlich. Dieser Preis 
und selbst auch der grofse Umfang des Werkes hält die Studierenden und 
selbst die angehenden Schulmänner von der Anschaffung und dem Ge- 
brauche desselben ab. Es ist daher kein übler Gedanke der Herren Kraft 
und Mull er gewesen, wenn sie eben für den Gebrauch der letzteren ein 
ähnliches Werk nach einem etwas kleineren Mafsstabe auszuarbeiten unter- 
nahmen. Die beiden vorliegenden Bände, bei denen man die Schönheit 
des Druckes und die Mäfsigkeit des Preises besonders hervor- 
heben mufs, enthalten ungefähr dieselben Artikel, welche in dem Paul/- 
schen Werke besprochen werden. Auch ist es augenscheinlich, dafs die 
Bearbeiter des kleineren Lexikons das gröfsere vielfach benutzt oder viel- 
mehr von den meisten etwas ausführlicher gehalteneu Artikeln Auszuge 
gemacht haben. Wenn dieselben (Vorr. S. VI) versichern, sie müfsten sich 
entschieden eine selbständige Auswahl und Bearbeitung des behandelten 
Stoffes vindicieren^ so beanspruchen sie jedenfalls mehr als recht ist. Denn 
sehen wir von den geographischen Artikeln ab, deren allerdings in dem 
Pauly'schen Werke sehr viele absichtlich übergangen und hier aufgenom- 
men sind, so bleiben nicht manche übrig, von denen man sagen dürfte, 
dafs sie mit Selbständigkeit bearbeitet worden. Wie gewifsenhaft die bei- 
den Herren sich an ihre Vorgänger gehallen haben, dafür spricht besonders 
diefs, dafs sie selbst diejenigen Stellen, worin ihre Vorgänger sich augen- 
fällige Fehler haben zu Schulden kommen lafsen, Wort für Wort in ihr 
Lexikon aufgenommen zu haben. Wir ballen es für nöthig, ein par Pro- 
ben dieser Art hier milzutheilen. 

Bei Pauly R. L. B. VI, S. 2l64 wird im Art. Troja Nr. 5 ge- 
setzt «es sei ein Flecken V e n e t i a ' s , wo Aeneas gelandet sein soll. Vgl. 
Liv. I, 1.' Aber an dieser Stelle des Livius steht ausdrücklich: ab Si- 
cilia classe Laureniem agrum tenuisse: 'ttoiae ethuic loco namen 
€81. Kurz vorher bemerkt Livius, das venetianlsche Troja sei der Ort, wo 
der Trojaner Antenor mit Henetern und Trojanern gelandet und ein 
Städtchen gegründet habe. Trotzdem nun, dafs diefs Versehen sehr grob 
ist, findet es sich dennoch mit denselben Worten widergegeben in dem 
Kr. M. Lexikon B. II, S. 997 Nr. 3. — Bei Pauly B. VI, S. 2895 wird 
von den Geschichtsbüchern des Zosimus gesagt «das erste Buch gebe 
die Geschichte der drei ersten Jahrhunderte der Rom. Kaiser- 
zeit in einer kurzen Uebersicht, welche die drei folgenden bis zum Schlufs 
des vierten Jahrhunderts führten u. s. w.]> Diese Angabe ist durchaus 
ungenau. Zosimus hat im ersten Buche von den drei ersten Jahrhun- 
derten so gut wie nichts: oder man müfste denn die sieben ersten Ca- 
pilel, worin er die bedeutendsten Weltereignisse vom trojanischen Kriege 



Realleiikt von Krnft^ Mutier^ liUken ang. v. C /. Grpiar, at 



an bift tum AufADgc des dritten l.iUrhunderts mit eiaigm Worten ablliut, 
ein« aolcbe üebemcht nennen wollen. Seine allerdings jm ersten ßucbe 
kursgef ATite Gesctiictite l>eginnt eigentlicb beiiD achten Cipilel niit 
der Regierung der K. Pertinax, Üitf. Julian, Sept. Scverus, tihQ 
mit dem dritten Jahrliundert, also gi-wi^ nielit mit Augustus* Die- 
seltMMi Worte abor bat aueti unser kleineres Lexikon 11, S. 1079, iZoii- 
DiQip boifst es bjer, schrieb eine römiBche Ge.<iebiehte von Auguätns bis 
fum J. 410 n. Chr** — Ein gmi ttpafsbaftes Verbellen ist durch diefs 
Ausschreiben entstanden bei dem Art. Q. V a r i u s II y b r i d a. l'ber ihn 
»gt das Paul^^sch« Leitkon B. VI, S. $580 ganz richtig: «Nachdem er» 
n^eh ieinem eigenen Gesetze veriirl heilt, ans dem Vaterlande gcwicliea 
war» »o fand er im £ i i E e durch Trivatrache seinen Tod.» Dies« Worte 
geben Kr, u, M so widen „Er rnnfäle Rom verbfien, und ßcl in Exile 
(eine Variante von im Etile) als pin Opfer der Privai räche». Dabei 
wird auf Ci€erf> dSf kal. il /, SS^ Sf verwiesen, an weleher Stelle jedoch 
gar Dicht vom Exil die Bede ist, aondem auf eine allen audercn Angaben 
Witespreeliende Art berlehtet wird, er sei hingerichtet worden mnmQ 
€fWiiatu lyppiiciague. Übrigens wurde ich dte Frage, woher die Herren 
Kr. ti. U p ihre Angaben enlnommen liahen , hier nicht bespreehen , wenn 
sie nicltfc seihst es so naehiJrueklieh in Abrede gestellt hKtlen, dafs sie 
das Pftuly sehe Werk unselbständig benutzt. Siud ja doch die Mit- 
arbeiter an dem grofseren Werke, wenn man wiN, in den meisten Artikeln 
auch nichts anderes als Compilalorcn, Erhallen wir In solchen Semmel- 
werkto und Auszügen nur richtige und luverlatsige Angaben , so 
gehea wir uns gerne cu frieden, 

Ref, bekennt, dafs er die beiden Bände erst seit kurter Zeit in Jlnn- 
d«n hat, und nur eine fluchtige Einsiebt riniger Artikel hat nehmen kon- 
iirn, tr<»tzdrm aber ihm schon manche -luJfallende Ungenauigk eilen aufge* 
Jtlornen sind, So heifst es B. I, S* 170 unler dem Art. Apollouius 
Molo; «Als er tiüO U, C, unter 8 u 1 1 a' s ü i c t a t u r als TiesAndter der 
Rbodier nach Rom kam , hurte ihn der junge Cicero ; derselbe besuchte 
auf seiner Reise 677 den Apollonius in Bbodus u. s. w.^ Gan£ 

en Worte Ündün sich bei l'auly, B, I, S, 038, Nur ist in dem klci- 
ncpeu Lexikon durch den Zusatz 666 ein Fehler hiniugekommen, denn in 
diesem Jahre war Sulla nicht Diclator, sondern erst 672, Doch ist auch 
in i^utm Jahre Molo in Rom gewesen. Wir raüfscn nämlich nach de, 
Brui, c. SÜ u. 90 annehmenf dafs Molo sich Eweimal in Hom aurgcballen, 
und Cicero jedesmal sein Zuhörer geweseo; das erstemal im Jnhre 666^ w^o 
er« man weifs nicht bei welcher VeranlaCsung, die Welisladt bejtucbte« uud 
das iweilemal 672, wo er von den fihqdiern nach Rom geschickt wurde, 
um ihnen vom Senate eine Entschädigung ru erwirken Tür die Opfer, welche 
m IUI Mithridaliaclieti Kriege gebracht, oder wie Cicero sagt, diciüiore 
SulUi ^gattfM ad senatum de Rhodiorum prmmiis ^tnerat VcrgL 
Mefef SU €^f, Brui, c. t&^ Diesen zweimaligen Aurcuthalt des Molo in 
Hom babeo die Uro* Verf. in einen einzigen uusamm enge zogen. In dcms^l- 



34 Reall«xika von Krafty MüUer, IMker, ang. v. a J. Grfftaf. 

ben Artikel fiudet sich noch eine audere irrlumlicbe Angabe. Der berühmte 
Rhelor, den Cicero in den drei aus dem Brutus angeführten Stellen 
schlechthin Molo Rkodius nennt, wird bei Quintil, lU, /, iQ. und Suettm, 
Mi. Caea. 4. Apoilonlua Molo genannt, und nach diesen beiden Stellen 
wird er auch in der Literaturgeschichte gewöhnlich mit diesen beiden Namen 
aufgeführt Nun aber redet Strabo B. XIV ^ p. 655 u. 661 von zwei 
Bhetoren, von denen der eine A pol Ion ins, der andere Molo geheifsen. 
Wenn also eine Unrichtigkeit in dem von Quintilian gebrauchten Doppel- 
namen liegt, 80 ist eher anzunehmen, dafs ihm die zwei gleichzeitigen Rhe- 
loren zu einem geworden , nicht aber , wie S p a 1 d i n g, und diesem 
folgend Rr. und M. angeben, unser Rhctor habe eigentlich Apollonius 
geheifsen, und sein Vater M o 1 o n , so dafs man ihn nennen mäÜBte ApoÜQ- 
nHu Molonit fitiui , denn Cicero nennt ja immer nur Ikfltm, — B. 1, 
Sl 637 wird unter dem Art. Epodos Nr. 3 gesagt: «es sei diefs eine eigene 
Art lyrischer Gedichte gewesen, in denen auf einen längeren Vers ein 
kürzerer folgte, mit Ausschlufs des elegischen Distichons; Archilocbus sei 
der Erfinder derselben, und habe sie für satirische Gegenstande 
benützt.* Es ist aber die Epode, sowol die des Horaz als die des Archi- 
loehus, durchaus kein lyrisches Gedicht, sondern mit dem jambi- 
schen eines und dasselbe: und der Charakter diefes letzteren besteht be- 
kanntlich darin, dafs der darin ausgesprochene derbe Spott gegen 
bestimmte Personen gerichtet ist. Der Sinn der Worte: «ein 
lyrisches Gedicht für satirische Gegenstände benützen* ist mir nicht deut- 
lich. — B. II , S. 68 wird Nr. 9 , wo wir liie Biographie des bekannten 
Triumvir M. Licinius Crassus finden, gleich in den ersten Zeilen gesagt, er 
sei der Grofsvater des bei den Parthern umgekommenen 
Crassus; weiterhin aber wird er mit diesem ganz identificiert und er- 
zählt, wie er bei dem Flecken C a r r b a e durch die Hinterlist desSurenas 
gefangen und getödtet worden. Der Enkel des Triumvir, P. Licinius Cras* 
BUS, wird Nr. 16 angeführt. Es ist aber von diesem nicht bekannt, noch 
wird es hier erwähnt, dafs er unter den Parthern umgekommen. Es kann 
also auch dieser an obiger Stelle nicht gemeint gewesen sein, — B. II, 
S. 79 wird von dem Geschichtschreiber Livius gesagt, er soll von zwei 
Frauen mehrere Söhne und Töchter hinlerlafsen haben. Wir wifsen aber 
aus der bekannten Stelle bei QuiniiL Ä, /, 39 nur von einem Sohne, und 
ans Senec» conirov. V, prooem, von einem Tochtermanoe. — B. 11, 
S. 298, Nr. 5 wird berichtet, Neaera sei eine berüchtigte Hetäre in 
in Athen gewesen, gegen welche Demosthencs aufgetreten, die auch von 
Horaz Od. III, 14, 21 und von Tibull Eleg. III, 1, 6 erwähnt werde. Wie 
aber ist es möglich, dafs die beiden römischen Dichter,, welche unter die- 
sem Namen ihre eigenen Geliebten besitngen, in den angeführten Stellen 
au die Demoslhenische Neaera gedacht haben? — B. II, S. 507, Col. 2 
wird angegeben, die römischen Schauspieler seien bisweilen von dem Pu- 
blicum aufgefordert worden, ihre Masken abzulegen, wenn man bei einer 
bedeutenden Rolle das Mienenspiel befser beobachten wollte, und dabei auf 



Ton Stuß, Müiier, IMher, ang. v. C. /. ^tar. OT 

de. de ürai. fU, S9, 2i& v*rwie$cn. Aber aus diesen Worlcu, ptno- 
mann m Roicium quidem mngm^re laudabani ^ /olgl ja nur, dati, 
mmu Rosciua mit der Maske ge^spidt, er nicht iO gfolsen ßeifalt geftm- 
tlen^ wie wfon er ohne dieielbe aufgetreten. Hafs d^ Publicuoi die Be- 
fugnis gehabt , dem Sctiauspieier das Spielen oliive Maske vor £u st- b reiben, 
ist eine durch nichts verbürgte Notiz, Auch in d«r von mir geaebriebe* 
nea Abhaadlung über d:i5 rooiische Theater !Sr, 41« welch« Stetle ange- 
führt ist, iteht ja etwas ganz ander««. — E. II, $. 56^ lit der Uihalt det 
platonischen Gespräches M^^tpqmv ^ m^l off/oti mit folgenden Worten 
.-iogegeben: .Vertheidigung der Frömmigkeit des Solir»tei,* Nach diesen 
Worten mufs man j.i doch wo[ gjautwn, dafä fu diesem Gespraelic fs je- 
mand übernommen ^ den Sokratei ju ße^ug auf seine Frömmigkeit etwa 
gegen sein« Ankllgerj die ihn des Ungbuhens wtgen hescuchtrgten, zu ver- 
theidlgen, Alier dieser Di;ilog wird bekiinuthch von Sokiates und Euthy^- 
phron abgehalten , nm den Begriff der Frömmigkeit fe.slzuij teilen, 
nicht um den einen oder den anderen in diesem Puncte tu vcHbettligen. 
— Bei einem tängeren Gebrauche und einer genaueren Dnrclisicht de« 
Buches, KweiÜe ich nicht, dafs Veraehen ähnlicher Art mir noch in grös- 
serer Zahl vorkommen werden» Dennoch soll damit dem Buche &cU\ Wcrih 
nicht al*gc«procben werden , sondern die Herren iierau«?geber darin nur 
eine wolgemeinte Aufforderung sehen, dafs me bei einer Kweilen Auflage 
ihres Leiikon^, deren noth wendig werden bei dem allgemein gefijldt^n Ilc- 
dilrfnia eines solchen Jlilf«mi1tels nicht zu bezweifeln ist , auf die l^ureh- 
mcUl und ßerichtiguiig dtT einzelnen Artikel die nölhige Sorgfali verwen- 
den mögen j denn Richtigkeit und ZuverläUigkeit der Ai»g^iben 
verlangt man gerade bei solelien fluchern mit allem Rechte. — Auch mufa 
iD'incNer andere Vorzug des Werkes anerkannt werden^ wie z« B. dir^er eine, 
dafi die Hrn. Vcrfafser es sehr gut verstanden Iwibeii, durch Ausscht?idung 
alles unwesentlichen und uberflüfsigen uinl Ft*^l hallen des erheblichsten 
ihren Angaben awar eine miiglichst kur^Ec Faf^^ung, und ungleich doch wi- 
der eine befriedigende Vollständigkeit zu geben. In den meisten Artikeln 
iit aueh die Oarsteltung klar und leiclit, — 

^ach einem noch etwas kleinereji Mafsstalie bearbeitet und, wie ei 
in dem Vorberichte aujtdrücklich angegeben wird» lediglich tum Gebrauch« 
der G^mnasial-Jugend angelegt, ist das Beal-Lexikon von Lilbker. nEs 
ioli*^ heifst es darin, , beschränkt sein auf die für unsere in Gymnasien 
nnt errichtete Jugend wif^enswürdigen Theilo und Seiten di^s AllertumeB, 
auf den Bereich der vorings weise in Schulen gelesenen Ctassiker, auf alte 
diejenigen Gebiete und Gegenaitände des Altertums, deren Verständnis dem 
jungen teser so recht anachauhch und fruchtbar gemacht werden kann.* 
Iienmacb sind, um Raum zu ersparen , diejenigen Artikel » welche für den 
Schüler weniger Interesse haben , wie e, B. ausführliche bibliographische 
Ai^gaben, wie sie sich in dem Kr, Müll Lexikon finden, uQd überhaupt 
Angaben von so specieller Art^ daf« sie bei der Leclüre und i\ün Studien 
ufuerer Jugend noch keine Anwendung finden, ausgeschieden worden. Aueh 

3* 



afi 



Reallexiba von Sroft, MiUier, Lübker, ang. v. C /. ürpmr. 



aiDii oiancbo EinzdtiheHcn iti eJnein übcrsiehllichet) Artikel Kusi^mmcn- 
ftfaf^t, m\t ^ith E. D . 9^v. B a u k Q n i t ] e r , Belagerungen, B i 1 J- 
hauer» Bucherweflcn, und sogar bei einrgen gt^OKraphisGlieu Xatti4?n, 
z, B. Attjea, Boeotien mit gutem Fuge gcscheheu. I>agegen ist dat 
wilEettif würdigste aus der Mythologie ^ alten Geographie und Gesehiehle, 
Literatur , den AllertÜEtiern aufgeiioiDOien , und fat^l überall mit Anfuhrung 
der Tviclitigslen classiKchen Stellen, auf welche sieh die jedesmalige An- 
gabe slütEt, hl einer dem wifsen schaftlichen Slandpunclo unserer Schuler 
angemefaeneti AusfübrliebkeiL behandi^ll. Bei dem Art. AUiea ist mn to. 
pographiscbtT Plan der i^tadt Athen , s. p, Cmira sind iwei Plane rotni- 
icber Lager beigefügt» um das besprochene mehr tu veranschaulichen. 
Manche Artikel, wie t. B, agtr pubiicvB , mäUis ^ Ai'schylos, Alexander 
der Grofse, Aikibiadcs, Aleiandria u, a. «ind» da über diese auch der Sehü- 

rler Pchou etwas genaueres wüfsen mufs, mit detaillierteren Darsletlungeri 
bedacht worden, bei auderen, welche der kenntnisnahnio desselben nicht 
so natte gerückt zu werden brauchen, sind die Angaben allgemeiner und 

I knap]»er gehalten worden« Überhaupt aber denke man sich diefs Buch 

[nicht als eine dürre und dürrtige ^ometiclatut i es ist vielmehr — die 
krier AblheUungen werden ungefähr 9(>0 Seilen haben , und jedd enthalt 
Äuf iwei breiten Kolumnen 66 Zeilen iu sehr kleiner Schrift — hier des 
Materiales genug zusammengedrängt. 

An t{m' Bearbeitung der einzelnen Artikel betheitigen sich auD?er 
dem Hrn* Lübker» welcher die Redaclion des ganzen besorgt » meh- 
rere namhafle Gelehrte^ wie die Herran Pr Bein, Witzschel , Claeseu, 
Eckstein u. a., und so steht t\i erwarten ^ dafs das Werk iu Reiug auf 
Sorgfalt und Genauigkeit der Angaben unseren Anforderungen entsprechen 
verde* Wenigstens haben wir in dieser ersten Abiheilung bfi der Ein* 

'«icht mehrerer Artikel keine erheblichen Verstofsc gefunden. Einige klei- 
nere Versehen wollen wir jedoch nicht unbemerkt lafsen. S. 8 wird #. ^- 
uctor Nr. Z auf Bühnen wesen verwiesen, welcher Artikel jedoch iU& 

Viecü nicht zu tinden ist, Üiefs wird unter dem Art. Theater lefcht 

[.tiacbzu tragen sein. S, 3Ö ist der Name Aknites tn der ersten Zeile so 
esprocben, als ob es ein Nomen appellativum sei. «Der Steuermann auf 
ehiem Schiffe.» Es hat wol heifsen sollen ^<ein griech. SteuermanDi von 
dem in dt^n Sagen des Dionysos erzählt wird, dafs y. s, w.» S, 16 wird 

^i fr, L. ÄfrmUm g^-sagt, „er habe in seinen Dramen den Stoff des grle* 
Bhiachen Lebens mit römischen Charakterstücken verbunden, wodurch ein 

'unmittelbarer Übergang zu den gebildeten Atellanen 
angebahnt worden-* Dafs aber in der sog. cmnaediQ loffoin ein 
Anstofä XU der Dmhildung der Atetlanen gelegen, diefs wird durch kein 

Leimiges Zeugnis der Alten angedeutet i und ist schon deshalb unwahr- 

l'ieheintich, weil zwischen der Blütezeit des Afranius und dieser vermeint^ 
liehen Ombildnng ein halbes Jahrhundert liegt. Denn es sott drese doch 
wol von den Dichtern Novius und Pompoaius Bononiensis dnlieren ^ die 
gegen die leiten des Sulla hin die Alelkne bearbeiteten. Sie thaten tu- 



neaHi-siii von ^rafi^ MüiUr, LübHer^ aug, v, C J. Grusar. ^7 

erst di^Ci tchri ft lieh, da bia dahm die grobe Localpoiso our impro 
TJsirrt worden. In der schrifLlicIiPii ßcarbejtuug, Li ei der allerdings di« 
gröbsten Clemeute wegrällea mun^tea, liegt aber aucb die ganze Cinbit* 
diiDg, Den Charakter de^i gr<»bkomlscben bat das Spiel imai^r behalten, 
wofür die nocli vortiandenen Fragmente sprecbeD^ uud eine gebildeld 
Alellanc bat es überhau^it nie gegeben. — S. öl firitlet sich Nr. 4 M. P, 
A. Mo Ion derselbe chrono log iscbo Fehler ^ den ich bereits oben an der 
Angabo des Kr 1^1. Lexilons gerügt habe. *- S. 91 i. v* A r c h y t a s 
h«i(st es, iBan könne aus der bekannten hora^ischen Ode nicht folgern^ 
d«r« dieser Philosoph bei einem Schiffbruche seinen Tod gefunden habe. 
Diefi wird nur dfrjenjgö angeben, welcher diese Ode so jnter]>reUert, wie 
CS Hr. Lübker in seiner Einleitung dazu in seinem Comm* Eutn Üor S. 
täl gelbau baL Nach einer richtigeren Auffafsung derselben wird jedoch 
die Atinahme nothwendig, dafs es wenigstens tine allgemein verbreltela 
Sage gegeben, Archytas sei am Vorgebirge Melinutn im Sehiffbruche um* 
gekoEDEnen. Denn oline das Vorhandensein derselben hatte Horac oder 
vielmehr der griechisiche t)ichler, dem er gefolgt^ die in der Ode geschil- 
derte Situation schwerlich ersinnen können. — S. Jllt sind die Worte; 
ftsein grofseres Werk — von Asiuiuä Pollio ist die Rede — über die 
Bürgerkriege und die ihnen folgende Zeit bis £um baiser- 
tuQje in 17 ß. etc.* — so gef-ifstp dafs man glauben mufSi der gan^e 
&i1raum ¥0m Ueginn der Bürgerkriege (8B v. Chr.) bis auf August sei 
darin behandelt worden. iJem ist jedoch durchaus nicht so, (lorai be- 
Ecichnet den Anfangs- und Fndpunct dieses Werkes sehr genau Od. 11. 1« 
;\ämheh die Worte me/um ex Metelio etc, deuten auf den Anfang hin, 
d, i, das labr 60, in welchem dsis erste Triumvirat £u Stande gekommen, 
und weiterhin lafsen die Worte armn ntmdum ezpiaüa ujicia crUoribuM 
kaum einen Zweifel darüber zu, dafs dasselbe mit der Schlacht bei Ac- 
tium geschtofsen. — S. 133 Ondet sich in der ßiographie des Tragi5dien- 
dichff^rs L A 1 1 1 u s diese sonderbare Notiz : «dafs er «in denkender Kopf 
war. der die theatralische Theorie mit rraiis verband » ^eigt seine Ge- 
schichte der dramatischen Poesie, dMasctilita , m mehreren 
Hüchem,* Erstens fallt es auf, dafs von dem Werke so geredet wird, 
als ob es noeh vorhanden seij noch mehr aber, dafs es geradezu eine 
Gel Chi cht e der dramatischen Po esi e genannt wird. Bekannllich ist 
iu den Vemeichnissenj welche die Griechen und Rom er dlUmcüUcü nann* 
t«n — das Wort ist von Bt^uiS%nvi Schauspiei aufführen ent- 
lehnt — durchaus keine lilcrariache Geschichte des Drama's enthalten ge- 
wesen, sondern nur vereinzelte Angaben über die AutTührung der Stücke, 
über dJe Schau ppielor, die darin aufgetreten, über die Zeit der Auffuhrungi 
über den Erfolg derselben u. a., die man gewissermafsen eine Theater- 
Chronik nennen künnle» Etwas dieser Art haben wir noch in den kunen 
Yerreicbnissen, wekho den homödien des Terenz vorangestellt »ind. Wie 
die dfdmcüHcü des Altius eingerichtet gewesen , wifsen wir zwar nicht 
, dcün dafs einige htcrariscbe Angaben von allgemeinerer A^l wenig- 



tl8 Deutsche GraDim.itfkcn von Kehrein u. Lünlng, ang. ▼. K, Weinkald. 

slens im Aufaiige der Schrift, worin sogar von Homer und Hesiod die 
Rede war, in dieselbe eingeflochten gewesen , lafsl sich aus einigen noch 
vorhandenen Fragmenten darthun ; aber jedenfalls ist für diese Schrift der 
Titel Geschichte der dramatischen Poesie unrichtig. Vg« 
Madviff de L AUii dtdascalUs. Opuic. L p. 87, — S. t07 vermisst man 
bei der Begriffsbestimmung von concio, die im ganzen richtig gefafst ist, 
den Zusatz, dafs auch das Heer, wenn es im Lager, um den Vortrag 
des Peldherm zu vernehmen , versammelt wird , eine eoncio bildet So 
bei Z/r. F///, ^/. Concione extemplo adtocata, wo von dem in Sam- 
nium stehenden Heere die Rede ist. Vg. N i e b u h r 's röm. Gesch. 11, 
Anm. 487. — Die Schreibung der Eigennamen und die Bezeichnung der 
Quantität in der vor- und drittletzten Sylbe ist im ganzen genau. S. 188 
steht CAaeria, was wol ein Druckfehler ist. Dafs die Quantität bei Wör- 
tern wie Curaiöres, CurOa, Curtius^ Dada u. v. a. , wo der Schüler sie 
schon von der Schule her kennen mufs, bezeichnet wird, ist auffallend. 
Dagegen ist sie bei manchen Wörtern, wie Ariott, Ämäiii u. a., wo man 
demselben diese Kenntnis nicht zumuthen kann , nicht bezeichnet worden. 
Von diesen wenigen Mängeln abgesehen, darf man das vorliegende Buch 
ein recht pretswürdiges nennen und es als brauchbar für unsere Gjrmoa* 
sial -Jugend bezeichnen. 

Wien. C J. Grysar. 



Kehr ein, Joseph. Grammatik der neuhochdeutschen Sprache 
nach Jakob Grimm's deutscher Grammatik bearbeitet. Zwei Theile 
in einem Band. Leipzig, Otto Wigand, 1852. I. Tbl. 1. Abth. S. VUI 
u. 151 und eine Tabelle. I. 2. Abth. S. XVI u. 18$. II. 1. Abth. 
S IV u. 164. 11. 2. Abth. S. VIII u. 179. 8.-2 Rthlr. 12 Ngr. 
» 4 fl. CM. 

— — Kleine deutsche Schulgrammatik. Leipzig, 0. Wigand, 
1852. 50 S. 8. und eine Tabelle. — 5 Mgr. — 17 kr. CM. 

Lüning, Heinrich. Deutsche Schulgrammatik für die unteren 
und mittleren Glassen höherer Dnterrirhtsanslalten, Secundärschuleu 
u. s w. Frauenfeld, Verlags-Comptoir, 1853. Vlll u. 136 S. 8. — 
12 Ngr. «= 40 kr. CM. 

Grammatiken der deutschen Sprache und Geschichten der deutschen 
Literatur überschwemmen seit längerer Zeit den Büchermarkt , so daß es 
bereits hier dahin gekommen ist, wohin es in der allgemeinen Geschichte 
and der lateinischen Grammatik längst gedih, daß fast ein jeder Lerer 
lur AuOfollung einer wesentlichen Lücke für seine Schuler ein Buch 
schreibt. Das schlimste dabei ist, daß gewönlich mit einer Unwißenheit 
und einem Leichtsinn zu werke gegangen wird, der auf andern Gebieten 
unerhört ist. Berichterstatter gesteht, dafs es mit solchen Gedanken die 
Grammatik. des Hrn. Jos. Kehrein, Prof. am Gymnasium zu Hadamar, in 
die Hand nam, da des Hrn. Verf.'s frühere Arbeiten keine Bürgschaft für 



DFultchcOrammiliken van Kthrein u. lünln^, aiig. v. B, Welnhaid. £I9 

beßeres zu bieten schienen. Um so mer trene irh mich, auOsprec^hen tu 
künnen, clafs die neuhochdeutfchti GrAoatnatik Hrn. I^ehreifis nieli auQ der 
Masfe vortlieilhaft hervorhebt und vielen eine willkommene Erscheinung 
sein mufs. 

Wie der Tilel andeutet ist dia Rehrein* sehe Grammatik ein Außzug 
auO J* Grimmas deutscher Grammatik und der Geschielile der deutseheil 
Sprattie. Der KnÜiMg ist «orgsam und nicht ungesfrhtekt gem.'icht und 
alles für den GymnasjaHi^rcr wiebtige und notwendige aufgeüommeu. Auch 
i$t nicht das neuhochdeulschc für sich riargeslelt, sondern in Ver^leidiung 
mit dem fiolhischeo, aUhochdeutschen und mittelhochdeutschen. Ebenso 
sind die Ergebnisse der einschligigeo Arbeiten andrer Sprachforscher mit- 
getheilty z. B« beim Al>hiut ist auf die Abhandlungen Adotf HoU/manns 
und Th, Jacobis in den Anmerkungen Rücksicht genommen. Hier mid 
da und n?imenttich für das 16. und 17. Jarh. hat ffr. Kehretn aoO eignen 
Samlungen m^mehea beachtenswerte^ namentlich be7t"jglich der Gcsehichle 
unsrer Schreibweise eingefugt. Diese Selbsttbatigkeit muBle sich in der 
zweiten Ahlheilung des Jtweilcn Theils, welche den m^ammen gesetzten $it£ 
behandelt steigern, d.\ Grimm deeiselben nicht behandelt hat. liideNsen bat 
sich 11 r. K. auch bifr meistens an vorhandene tlilfiimitlel angelent* K. F* 
Becker hat merere HanplbestirDmuiigen und EmIheitungen , und die gAnza 
Woilfnlge- und Interpunctionalere geliefert; für die Conjunctioneu sind die 
althochdp und mittelhoehd. Wörlerbucher und einige l^rogramme (»reußt- 
seh^r Gymnasien beoutt. Dadurch komt allerdings ein Gemisch ge- 
Bchiehilicher und beckerscher Syniai zu staode, d.is wir als solcbeii nicht 
billigen können; dennoch ist anzuerkennen ^ dafs llr. K* abgesehen von 
den Erklärungen der n philoso|ibi sehen ^ oder « neuen ^ Grammatik manchei 
braucbbaro auch hier zusaramengeatelt hat. Der anßbteibende fünfte Theil 
der Grimmischen Grammatik bat in der That srboi» vielen ^ die nicht ioi 
st.inde sind, auf der Grundlage des gegebenen das feiende tu erganien, 
mjmcb lireu£ bereitet. 

In der kleinen Schul gramoidtik hat Hr. fiehrein einen Auf- 
zug für die Schüler au0 dem eben besprochenen Buche gegeben, und den- 
reiben auf diis aUernot wendigste boschränkt. Alles gclerta ist weggelaßen, 
aber durch die ^roOe Ivürzc manche Erklärung nicht gut gefaßt. In der 
größeren Grammatik verbeOert das darauf fulgcnde viele lEweideutige AuO- 
drnebe; in dem kteinen Buche steht das ungenaue allein Das belrilTt 
nameniHch die Erklärungen der ersten Abtheilung. Ungenau ist auch, daß 
Hr. K. mcrmals wunderliche lieispicle nuO der a Volkssprache* aiifiirl, one 
hiuzutufiigen, daß es der miilclrheini^che Dialeet ist; d»ß er vom nordi- 
ischeo spricht, und darunter dajä nord- oder nidcrdentsche versieht, Üer 
Außsug, den Hr. K. auü Grimm it. a. machte, ist ihm beßcr geraten ata 
der Außzug auß dem eignen Buche. 

Ich schließe die kurze Erwanung der deutsche n Sohu Igram- 
matilL von Hrn. Heinrich Lüning, Lerer iu Zürich, an. Der Hr, Vcrf- 
e^lart sein Buch für ein Produki der Schulstubc uud für diese allein be* 



lU Italien, Gromnialjken von Siis u. Blafi€hm% ang. v, Ür. J. A ^aöf/, 

flIimL Weil auf den ULilercn Claäsen der Indutlrlcsdiuten und Gyrunasicn 
der SprarhuiUerricht &itzbildei][l mm mül3e, imlem die Knaben zuerst die 
Spraclie handhaben lernen ftuUei^ so begiol das Buch mit dem Salse; Ab- 
wandlung und Wortbildung achließeu steh an. Hr. L. sagt selbst, daß er 
keinen Anstand genommen habe, andre Grammatiken %«örltieh zy benutzen. 
Wtinn er nun auch die Namen dor benuit«» verschweigt, so ergibt allea 
und jedes, daß hauptsäcbhch Becker und beckerscbe Schul er t\i gründe 
iiegei). In dem etymologischen Theite ist hier und da auf historische 
Grauimalik Hiicksicht genommen i indeü^en ist eine Gteichrürmigkeit nicht 
be2ii\'ekt und überhaupt die Frage, ob für die Schulst ufe, welche der Ur. 
Vert im Auge hat, gothtsohe Beispiele, wenn auch nur erklärungsweiao 
angebracht sind. 

Graz. K. Weinbold. 



1* Gfeichzeilig^er Unlerrichl in der deutschen und italienistchen 

Sprache rdr Gymnasien, Realschulen, Lehr* und Erziebanstattt^n und 
l'rival Unterricht. Nach Becker'» Spracbsysteme und zunächst ji;»cb 
Wurst's Sprachdenklehre, hearbeilel von Wallhiaa Sti^i. Wien^ Lech- 
ner*s Univerdlätsbucbandluug, 1851. X u. 28ö S. — 1 11. 30 kr CM. 

Da^ vorliegende Buch unterscheidet alch von anderen italienischen 
Grammatiken schon dadurch , dafs der Or* Verf. dem bequemen , Tön der 
Mehrzahl der Lehrer betretenen Weg einen ungewöhnlichen, wenn auch 
achwicrrgeren vorzieht; übrigens gehört ei zu denjenigen , die oiil Fleira 
und Geschicklichkeit bearbeitet sind. Ohne in die befolg lo Methode ein- 
zugehen , WAS ^u weit fuhren würde, wollen wir denjenigen Theil des 
Buches, welcher uns näher angeht, nämlich die Partie der ItaL Gramma- 
tik iH'Sprechen. 

Die angegebenen Sprachregeln sind im allgemeinen richtig» oH 
auch, was man bei dea meisten itaL Sprachlehren vermisst, durch sinnige 
Anmerkungen oder durch die Anführung ihrer eigentlichen GriJnde erklärt 
und unterstuUt. In ersterer Beziehung macht eine Ausnahme die Doßni- 
tion der äimughi disiesi und rnccoUi S. 3 f., welche dahin zu berich- 
tigen ißt, dafs man bei den äitlonphi disfesi {äii-mra, ßudö) den craten 
Selbst lau I, bei den raccoUi aber {pUi-no, suö-no% den zweilm mehr her- 
vorhebtf als den anderen^ ferner die unrichtige Anwendung des ApostropTis 
nach un vor einem männlichen Hauptworle , welches mit einem Sulhsl- 
laule anfängt in iler einfachen ZahL Dur Ur, Yerf, schreibt nämlich S, 4 
litt* fforn, S. 16 »»' alberOt S. 11 un' ail&re u. s^ t, da m^n doch un 
u&po, un aibero u. s, w. schreiben soU^ wie man un liöro^ un plno 
u. 5. f. schreibt. 

llinüichllieli der Behnudlnng der einzelnen ReJelheilej welche viel 
|obenswcjlhes darbietet, können wir uns des Befremdens darüber nicht 
enthalten, dafi der Hr- ¥erf. S. 64 in beiden Sprachen vier Endun- 
gen* nämlich !N[ominaliv, Genitiv, Dativ und Accnsativ annimmt. Fragt 



I 

d 



Italico. Grammatikou von Sifs u. BiancAard^ ang. v. Hr. / B. Bßha. 4 1 

mm^ was diese Benennungen im ttalieni^chen bedeuten, so gibl iler Verf. 
foJgeode Aundarutig S. 15t ^ diejenige Furm eines Dirigorto, iii welche r 
mau %9 al» Subjeet des Satzes nennt, lieifst der Nominative S. 64: 
ffOer Accuialiv ist dem Nominativ gleich'»* S. 65: «Der Genitiv ist nichts 
anderes als der Nominativ mit vorgesetitlem cfF, €. 66: gücr Dativ ist 
nichts anderes als der Nominativ mit dem hinzugesetzten Worte €t^. Der 
Hr. Vf. iit hier offenbar durch sein Streben, die Grammaliken der beiden 
Sprachen tioti ihreä Terschiedenen Geistes unter einen (lut zu Uringen^ 
irre gefuhrt worden* 

Auch die vielen Aufgaben £ur Einübung der vorhergehenden Re- 
geln empfehlen sich gröfslentheila durch die sorgfältige Wahl und den 
lehrreichen Sloff; wir sagen gröfstentheils, weil uns die Scfarade und 
L&goffrtfl gleich am Anfange des Werkes, S, 11 --12, und mehrere der 
g^geo das Ende desselben angegebeneu Übungsstücke ici einem Lehrbuche 
nicht am rechten Platz« £u sein scbeiaea, 

2. Elementarbuch <ler ttalienischeti Sprache nach der sogenannten 
calcuUerenden Methode für Deutsche und Franzosen. Von G* B. Blan- 
cbard. L Cursua. Utre elimeiiiaire de (a kmgue UßUemte sei&H 
iü metMäe dUe calenlanre ä Cusage des Aiiemands et deM Franfui«^ 
par Bin HC Aar ä. /. Caurs. I.eipzig^ Renger' ^che Uuchliandlung, 
1853. VIÜ u- 201 S. — % lübln = l fl, 15 kr. CM, 

Dieses Elementar buch entspricht nicht seinem Titel, da es 
eigi-ntlicU nichts anderes ist als ein btofses Übungsbuch: hinsieht] leb der 
beiügficben Hegchi und Theorien weist der Hr. \L bei jeder Aufgabe, auf 
die eiltle Auflage der ital Grninmatik von Fornasari. Als Übungsbuch 
nimmt es zwei Vorzüge in Anspruch, welche darin besteben, dafs «die 
bekannte cnlculierende Meihodf des Dr. Ahn auf die itaL Sprache ange- 
wendet wurde"* d*inn diifs «das Buch ebensowol von Franzosen ak von 
üeutschen henul^t werden kann, wodurch den Deutschen , welche des 
Französischen kundig sind, zur Vergleichung beider mit einander ver- 
wandten Sprachen GelegenlieLt gegeben wird , und somit das Studium der 
iUlieoischen erleiebteri.» 

Ob die Vcrmeogung dreier Sprachen in einem Elemenlarbuche, slalt 
7U nützen« nicht vielmehr geeignet sei, im Ropfe des Schülers eine Ver^ 
wirruog hervorzubringen, dieser Zweifel mufs sich einem jeden aufdrangen, 
welcher aus Erf.ibrung weifs, was für Schwierigkeiten das Beibringen der 
Formen auch nur einer Sprache darbietet. Was die vom llrn, Vf. durch- 
geführte Einrichtung der LIbungsstücke nnch der ealculiercndcn lUethodo 
anbeUngt, so würde sie allerdings dem Buche Kum Vortheile gereichLn, 
wenn nicht die Aufgaben selbst in Bestng auf ihren Stoff und insbesondere 
hinsichtlich der SprachricIiUgkcit vieles zu wünschen übrig liifj^eu. Zum 
Belege biefür wollen wir uns darauf besebräuken, auf die felderbaHe, der 
ff^nzösisJchen Spracbe eigeuß, Widerholung des bestimmten Arlikels bei 
i\cm SiiperifHiw reiatiw S; 32, auf den uurichligen Gebrauch ^on gueUa 



ij A. Sckwegler, Römische Oetohichle L Bd., ang. v. G. Unker. 

S. 16, Z 13; uno S. 15, Z. 14; Mio S. 37, Z. 7, stall QUei, m, bei, 
endlicb beispielweise auf folgende Slellen hinzuweisen: 

S. 22, Z. 6: e vostro piccolo Aglio? 8. 48, Z. 4: // vostro 
quaderm e'rienpiuto di butirro. S.'50, Z. 18: Carlo ha i meno 
iibri. S. 63, Z. 22: Mio amico e' arrivaio oggi da Parigi. S. 69, 
Z. 9: Sog frateUo caniata affaiio aiio. S. 89, Z. 12: Jo io pre- 
gava (slall pregai) di rispondere aiia mia ieiiera, eppwre egii wm 
rispondeva (stall rispose). 

Wien. Dr. J. B* B I £ a. 



Römische Geschichte von Dr. A. Seh wegler, aufserord. Prof. 
der class. Liter, au der Onivers. Tübingen. Bd. I. Abtheil. 1. Auch 
mit d. Titel : Römische Geschichte im Zeilalter der Könige. Ablh. 1. 
Tübingen, Laupp, 1853. X u. 537 S. gr. 8. — «V, Rlhlr. = 3 tl. 
54 kr. CM. 

Eine römische Geschichte nach N i e b u h r ist keine liias posi ffo- 
merum. Zunächst ist Niebuhr's Werk ein Torso geblieben — muilis iiie 
bonis flebHis occidti *) ; das bedeutendste Gesohichtswerk nach ihm, 
welches die spätere Zeil behandelt, Drumann's Geschichte Roms, hat 
sich schon durch die biographische Anlage andere Bahnen vorgezeichnet; 
eine wirklich begonnene Forlsetzung (Haltaus Gesch. Roms im Zeitaller 
der punischen Kriege. Bd. 1. Leipzig 1846) ist schon im Anfange eben- 
falls durch den Tod des Yerfafsers unterbrochen und war ohnehin wol 
nicht von der rechten Seile aus unternommen. Aber auch für die frühere 
Zeit konnte das Werk, welches zuerst eine wifsenschaflliche Behandlung 
derselben geschaffen, wenn es gleich selbst nie überflüfsig werden wird, 
doch eine erneuerte Behandlung nicht überflüfsig machen. Gerade auf 
diesem Gebiete hat in neuerer Zelt die regste und folgenreichste Thälig- 
keil sich entfaltet. Es galt die Grundzüge der Niebuhr'schen Kritik nach 
allen Seiten hin sicher zu stellen und weiter auszuführen, vor allem ihren 
positiven Gehalt in der Rcconstruction der römischen Verfafsung, der den 
Triumph dieser Forschung bildet, möglichst auszubeuten, wie wir diels 
namentlich in dem trefflichen Handbuch der röm. Altertümer von Becker 
und seinem ebenbürligcn Forlsetzer Marquardt gelhan sehen. Dem 
gegenüber sind auch gegnerische Ansichten zum Theil von gewichtiger 
Seite her laut geworden , haben selbst die Grundprincipien der Niebuhr'- 
sehen Behandlung in fr^ge zu stellen gesucht, indessen doch dazu gedient, 
bei erneuter Prüfung und Discussion manche Einzelpuncte scharfer zu be- 
stimmen. Dazu hat das Yierteljahrhundert , das seit Niebuhr's Tode fast 
verflofsen, ganz neue Felder des Wifsens eröffnet, in welche der grofse 
Meisler mitunter zwar schon einen überraschenden Einblick zeigt, deren 



*) Grabschrifl Niebuhr's. 



i. Schwegier, Röraische GMChiehle 1. Bd., ang. \% $, Linker. 4»t 

Punkel überhaupt aber leine Zeil nocb nicht xu lichten vermocht r. Dii 

grof:iartige[i etbitoj^ripbisclieti Resullale der vergleicheaden Sprachforschung 
haben sich sdther erst in ihrer vollen ßedeutung geilend gemaebtr ujid die 
OJaieklfor*chung im einzelnen hat germcfe in Bei reif ^^r iialischfn Vorzeit 
ftn heilei Licht über einen der bisber dunkelten Puncle verhreüet lür 
das unendliche Gebiet der romiichen Epigrapbik, welches Niebuhr gar 
uicht gewürdigt hatte, begiunt eine neue Epoche der Behandlung anzu^ 
ii rechen. Enditeh ist auch der verbcfserlen Gestaltung der betreffenden 
Itteraritctien JlilfijmLllol wal zu gedenken; bei Cicero und Liviu$ wird uui 
erst jetzt die urkundliche Form er«chtof*en, auch von der so lange erwar- 
teten Hcstitution des Üiortysius liegen wenigstens IVuben vor*); die zer- 
L'uten oft nnscbätz hären Beste verlorener Schriftwerke haben sorgfaUi- 
re ßeaehtung gefunden; vor allem verdient die überaus erfreuliche 
Samoitung der f^a^metUa hUi&ricorum Graecorum auch bier ein« na- 
mentljcbe Erwähnung, 

Auch «chieuen uns schon dio letzten Jahre im Beginne eines weit- 
läufig angelegten Werkes eine vom wifsenschafl liehen Stand puncle unserer 
Zeit aui unlernomtnene Behandlung der rÖmiacben Oesebiehte zu ver^pre- 
eben. Bei ihrer über alle Grenzen hinaus supersliliosen Uattung im gan- 
zen und ihrer Abweiitung Tast atter kritischen Fori»chungeu im einzelneu, 
Vor allem selbst Jener grundlegenden ethnographischen Resullale, mufsla 
die I Geschichte der Bomer von Gerlach und ßacboreu'^ (Bd. t in 
2 Abth, Basel IB5 1 ) indessen ihren Zweck ganz, verfehlen und kann nicht 
einmal dienen, vom Slaudpuncle ihrer Pari ei aus (wenn anders uberbaupl 
von einer soTchcn zu i^d^w i.«il) einen Führer in der Fülle der hier cin- 
sehiagenden Forschungen und AiJitichlcu abzugehen % grobe Ausfälle gegen 
unbequeme Gegner (so 1 , 1 , S. 98 ff- gegen S c h o e m a n u ) erinnern in 
der Art der Vorwürfe und Verdächtigungen durchaus an die berüchtigle 
Schul t z '^clie SireiUchrift gegen Niebuhr (Grundlegung zu einer ge- 
schichtlichen Staatüwifisensebaft der Römer, Köln, 1833}, 

Der Aufgabe^ welcher 11 r. Gerlach nicht gewachsen war, sehen wir 
dagegen Um- Schwegicr in hohem Grade entsprechen. Auf der um- 
fafaendstcn Grundlage »W^f nölhigen aprachlichcn und aachlicben Studien 
ist hier ein Werk begonnen, welches in seiner Vollendung den ganzen 
heutigen Stand der röraischen Geschieh tbwifaenschafl würdig zu repräsjcn- 
lieren und nicht wenig zu fördern verspricbU Hr. S. verfolgt ausdrücke 
lieh den 7 weck ,i neben einer möglichst vollständigen 2usammensLellung 
des gcschjchtUcbcn Stoßes und einer selbsländigen, das hislorisrhe Ver- 
stindnia weiter fördernden Bearbeitung desselben zugleich eiuc benrlhei- 
lendo Übersieht ijber die gelehrten Forschungen zu geben , welche in den 
ktzten zwanzig Jahren ^ seit Niebuhr, auf diesem Felde angeslellt worden 



•} Itr. I'rof- Bit seht, in \\ts%^n Händen der vollständige kritische Ap* 
parat ist, hü jetzt ?.unachsl eine Teite*au5-gabe in der Tcubuer'schcu 
Sammlung verspiurben. 



44 A. Sehweffier, Harnische Oe«chichte L Bii,, ang. v. G. Linker, ■ 

sind,"^ Di6 Anlaj^e de» Werkes ist somit eine aufaerst umfasaenüe ; das 
qut'llenraärsige Malerial wie die ganze beÄÜ^liche neuere Lileralur sehen 
wir bis auf den Zpllpunct des Druckes in der sorgfalligstcu Zusammeu- 
Stellung vereint, sa daf^ iioh sehr wenige Nacblräga zur VervaLlsländigutig 
werden geben lafaen, Pas Haupt verdien st des Wertes aber isl in der 
i ElarbeiL und Sidierbei! zu suchen, mit wclebt^r Hr. S. diese erdrückende 
Fülle des ätotTes Leherrscbt^ in der Lber^icblUcbkeit der Darstellung, die 
den Leser ohne alle Abschweifung durch oft wahrhaft iahyrtnthische Par* 
ließ sicher hmdu rebzuführen weif«* Dajin dient gleich die glücklich ge- 
wablta äufsere Gruppierung und Gliederung des Stoffes in gröfsere und 
kleinere Abschnitte, die Beifügung genauer Cnlumneutitel, die Ter Weisung 
alles den Faden des Tesctes störenden Apparates in die Pioten: Eigen- 
schaften , die hier um so mehr eine besondere Erwähnung verdienen, je 
schwieriger der Sinfif bei der vorliegenden Ablbeilung ihre Durchführung 
machen mtifsto und je öfter wir gerade bei deutschen wir^ensehaftUchen 
Werken — auch bei Ger Jach 's Geschichte — diese praktische Seite ver* 
mifseo. 

Die schwierigste Partie des gnuzen mufste seihstverständlich eben 

die Darstellung der ältesten Zeiten Italiens und Hops bilden i um so mehr 

wird die gluckliche Behandlung derjselben, wie sie iu dem erschienenen 

Bande Yorliegt, von dem Berufe des lim» Verf.^s zu seiner Aufgabe zu 

leugen vermögen. Hrn. S* vielseitiges Talent ist uns seither auf andern 

Feldern begegnet; gerade aber zur Darslellung einer Sagengeschichle, wie 

die älteste römische ist, mufslen seine hisherigeu Forschungen ihn als be- 

I sonders befähigt erscheinen lafsen, und seine Arbeit wird hoiTenliich reich- 

I lieh beitragen « geläuterten Ansichten in dieser Sphäre überhnupt ßabu zu 

[brechen; knnn doch die Art der AulTafsuiig und der Behnndlung bei einem 

keinÄetnen mythischen Abschnitte , wie dem vorliegenden, in ihrer Bedeu- 

I tung nicht auf die engen Grenzen , in denen sie gerade jhre Anwendung 

findet» beschränkt bterben. 

Die vorliegende Abiheil ung des Werkes behandelt in zehn OtJchent 
Idie gescbiehl liehen Grundlagen der römischen Geschichte uml die altes teu 
[igelten Italiens hi^ zum Ende der Periode , welche Romulus' Name be- 
lieichnct. 

> Das er^te Buch «über die ursprünglichen Quellen und die Hniste* 

hung der Geschichte dm ältesten Boms^ zeigt uns zunächst^ oh die Hö- 
|iner, selbst bei befserem hislorischera Sinne und mehr fnteresse für der- 
artige Forschung , als wir hei dem „eminent praktischen* Volke finden, 
bei der verhüttnismäfsig spälen Kenntnis iler Schreibkunst, der Dürftigkeit 
■ der älleüten Aufzeichnungen und deren unübersehbarem Verluste im galli- 
scheu Brande, endlich bei dem späten Beginne der römischei» und auch 
der hieher gehörigen griechischen Geschichtschreihung, über ihre ältesten 
Zeiten wiikliche Geschichte überliefern konnten, ob dann w^eiler, abge- 
sehen von der aufsercn Beglanhigung , der InhalL und die innere Glaub- 
würdigkeit die traditionelle Überlieferung als Geschichte erscheinen lafsen. 



i. Sckmgier, Rombebe Gcacfjkhte L Btf ^ ang. f. #. linh^. 4£f 

Wich diesen AusemaDdersetzunger* kana [In S. wahrlich mit Recht holten, 
ei stelle sich herauf, ^dafs, wenn diesö Geschichle neuerlichst (von Üer- 
lach) als b eg I a u b i g I e G 6 s c h i c h t e in Auspruch genommen wor- 
den »ej, dieser Behauptung ein sehr unklarer Begriff von hislorjscher Bo* 
glaub iguog EU Grunde liege, — — Will man einmal alles, wa» die 
romischen öeschichtssehreiber in gutem Glaubi^n bmehtcn, als historisch 
gdlen lafsan , will man sieh ah c i der Darstellung der T h a t e n 
der ßdmer von römischem Wifaeu^ römischem GJauhen 
leiten lafsen» (Worte Ger lach*s), so \%i es viel consec|neuter, wenn 
man mit Theodor Ryck aueh den Jantia und Hercules als hisloriseho 
Pigtiren nimmt, als wenn man die G^cn^linio twischen mythischem und 
htstomchem so willkürlich sieht , w4e es die neueste Apologetik thuU 
Diese Grenzlinie mufs wo anders ^ *ie niufs da gezogen werden, wo die 
Wunder aufhöreni denn das Wunder, des Volksglaubens «liebstes Kind^ 
ist üts sicherste Kriterium der Dichtung. Erst wo die Wunder aufboren, 
fängt die Geschichte an.* (S, 45 — 460 — — «Aber viele leben noeh 
in dem kindlichen Wahn, als ob man nur dieie aH^^ugrellen Fabeln aus- 
sumerzen oder das offenbar Qborlriebene und unmögliche von den mythi- 
ichen Erzählungen abzn «vi reifen brauehlCf um in dem übrigbleibenden echle 
und wirkbche Geschichte £U haben* Sie bedenken nicht, dafs das über- 
nstüriiehe und wunderbare gerade das Lebenselement, die Seele, das gene- 
tische Motiv des Myllins i&Xt nicht Schale, sondern Eern: und dafs das 
nach Ausmerzung des wunderbaren übrigbleibende nur ein Cffpuf mofiuum 
der allen dichterischen Sage und nichts weniger als ein historisches Fac- 
tum wäre. Öbcrhsupl, welches Recht bat man denn, eine Geschichte, die 
überall mit 'offenbaren Dicht ungern durchwirkt und verßocliten ist, auf 
allen den Puncten, wo die Dichtung nur nicht mit Händen zn greifen isti 
wo nur nicht etwag gerAde^u unroi>gliches vorliegt, für vollkommen ge- 
tchichtlich aus^uüE^ben ? ^ie mur«^ vielmehr eben wegen ihres Zusammen- 
hanges mit unzweifelhaft uuhistorischem auch da , wo sie an sieh niehts 
unmögliches enthält, ^r mindestens problematisch gelten. Die Ftgüf 
eines ftGbttersohnes^ hat als solche die PräsunUion für sich, nicht histo- 
risch lu sein* Dafs Romulus einmal mit Veii und Fidenae kriege geführt 
hat, isl freilich an sich nicht unmöglich ; aber auch die Saj^c, Janus habe 
einst eine Stadt auf dem Janiculum , .Saturn eine andere auf dem satümi- 
sehen ßerge gebaut, lierculee habe einmal Rinder durchs Tiberihal getrie- 
ben, enthalt keine sachliche Unmöglichkeit. Das eine als historisch fest- 
zuhalten , das andere als ungeseh*chtlich stillschweigend faiien zu lafsen; 
iomuliis' Himmelfahrt unfer die Pichlungen zu verweisen, aber «ich vor- 
tof teilen« mit dem darauffolgenden Tage, dem ersten Tage des ersten In- 
terregnums, t>cginne wieder echte und heglauhigle Guachichte, diefs isl 
der priociploseste Eklekticismns, der sich denken lafst.* (S, &1--52.) 

Über den Enfslehungsprocess aber der traditionellen Geschichte des 
aieilefi Roms werden snwol Niebuhr's als A* W, Seh le gel'« Ansich- 
Ifi zurückgewiesen ; gegen Schlegel wird Rettend gemacht, erstlich. 



t0 ip Schweffitr^ HömiiChe Öe§chich(a L M,^ ang. v. €. Linker^ 

^Sih drfse Geschichte nicht das Werk emes Griechen, tiicht ««len Römern 

hiofs von den Griechen an^^eschwalat,* Bondcrn ein erohuimiaebei, nntio- 
ualrömisches Erzeugnis, — zweitens, dals sie uriprunglich nicht ein Er- 
Keiignis «flchrinsleit^mcher Erßadung^ seil gegen Niebuhr, dafs sie 
nicht eai Werk *lcr Voliispoesie (wie denn gerade die Geschichte der Ko- 
nigszeit am wenigsten {(ieÄCn Chnrakler trage) , sondern ein TroducL re- 
flecliercnden Kachdenkens sei. 

Im Gegensatz tu die«$en [lolemifichen £rürlerungen legt endlich das 
wiehlige SchiurscapileL dieses ßnchei dii» aus einer eindringenden Kritik 
sich ergehenden Re.su llate über den Ulntstehungsprocess der ältesten tradi- 
Unnelten Geschieh Le d^ir, wie einerseits die Geschichte tur Sage ausge- 
spomien^ andersei Ls und zwar viel hiinfigcr, blofser Alylhus ^ur Geschieb le 
geworden, wie aber die meisten der römischen liherlieferungen nicht unter 

^.deu ßagritf des reinen« ideellen Mythus, sondern einer eigentümlichen Ab- 
art desselben , des von Hrn. S. sogenannten ätiologiscben Mythus 
falten, ad. h* sie erzählen Ereignisse und Vorgänge, die ersonnen oder er- 
klügelt worden sind, um ein gegebenes facttsches, um das Vorhandensein 
oder die Benennung eines Gehrauchs, einer Sitte, eines Gulls, einer Ein- 
richtung, einer Örtlichkeil, eines ftlonuments, eines Heiligtums u. s. w* 
genetisch £U erklären.* Der bekami teilte dieser Mythen ist der vom Jung- 
frAueiiraub der ersten Romcr^ gebildet, um der Form der römilchen lloch- 
leitsgebräuche, der symbolischen Darstellung der Ehe als Raub, eine 
gleichsam ursächliche , an ein Pactum anknüpfende Begründung eu gebeu. 
Das zweite Buch führt uns «die bisherigen Bearbeitungen der Ge- 
schichte des ältesten Roms* in genauester tilerarhislorischer Übersicht vor, 
von Fabjufi Piclor bis auf Niebuhr und seine Nachfolger und Gegner. 
Hier lafsen sich einige Nachträge aus der j^either er.schieneneu Literatur 
geben. Z\i Fabius; W. Sürle99 de FitbiU et Außdiia rerum Rmnuna- 
mm UTipi&riäm , ß&nn. i8S2. Der Verfafaer kommt auf B e c k e r' a 

, Ansicht turück ^ dafs Fabius ein lateinisches und (später) ein griechisches 
Geschichte werk verfafst habe t diese alier seien unter sich auch stolThch 
verschieden gewesen ; jenes habe die alte volkstümliche Sage der Römer, 
dieses, für die Griechen bestimmte, mehr die griechischen Ömänderungeu 
und Ausschmückungen derselben dargestellt. Da Diodor nur das erstcre, 
Dionysius* wie die übrigen griechischen Geschichlschrciber nur das IoIä- 

^iere Werk gekannt , so seien daraus die abweichenden Angaben über Ae- 
neas' Traum am latinisdien Strande und die Gründung von Eavinium und 
Alba longa erklärlich» (Vcrgl* Schw. S, 285, 7 tT.) — Bei Ennius sind 
drei Bonner Dtssettat tonen von 1652 £u£n fügen t IL Hterg, Etmii in- 

ymtiium mn / fragmentni Th. Hug, Ennii Amml Hbror. V/l-^lÄ, s. 

\de Ml/s Fuuicis fragm., endlich die Quaeilimes Etmiamie criiicae 
von J. Vahien, von welchem so eben eine vollständige Fragment Samm- 
lung bei Tenbner erscheint. — Zu Cato nennen wir noch C, G. Briilen- 
turg de M. F, dHone Cemorio. luffd. Bat. iS2ß. (dem lief- indessen 
nicht ans eigener Anschauung bekannt), besonders aber A. Wagener^ 



i, Schuegler, Mmmht Gesebichte h ßd,, ang. t. ff. iMHer, 47 

Jf. R CaionfM Originum fmgmmta emendma dUposHa i(lu$traia. Bann. 
ii4$i über den Vöu Hm. S, 284, 7 berocrkUii Wider^ipruch bei Üer- 
¥i«s ^ ilar. S, 21. — Über die Frage nach dtr Abfafsungizoit der ßücker 
des Livius sind jelzl Auch zu vergleichen L. £, h'öhiefj de T, l/PÜ 
faiüPini piia nc nmrlbus. Fase. /. Berol. fsst, und M* Weingaeri- 
■ er, de T, UtH wHa, Pari. L SeroL iS62. Daiu die neue Notiz nus 
(tt^tn C^. Nazarianus ^u Heidelberg, nnch Wflchtim 0. Jahn kürzlich 
die PeriQchae herausgegeben, m der IJhcrscbrifl zu Liör, tif i qui edi- 
tus posi exccisum August i die itur. — Zu HylarcJi und Varror G, fhilü^ 
de Viirrone Piuiarchi Quaesiimmm Rmnunarnm auctore prmcipuQ 
mnft, iSS$. Vorgl, Schw, & 121, 14. 

Sehr bcherzigenswerth sind am Schlurfe dieser DarsTeKung tli n, S/t 
Wari« S. !47, in dcneu er Mm VerbäHnis zu Niebuhr schildert: «L>er 
Verfar^er des vorliegenden WerkCri bekennt, Ahh et ^ an ränglich in vieleu 
Puncteu mit ISiebutir'i Ansichten weniger eioveratanden , bei TortgesctUer 
Forsebung mehr und mehr auf dtesetbeo £uruct gekommen und iicb uWr- 
Eeogt bätt , darä Niebühr, wie viel er auch seinen Nach folgern iii berich- 
tigea ynd zu vervollständigen übrig geUr^en haben möge, in den histori- 
schen Kaupif ragen fast immer d^is richligü getroffen hat. Seine Auf^lei- 
lungen erscheinen nur desTiaib oft witlkürJich, weil er es, durch unmittel- 
bare hi.4Loriicbe Intuition auf sie gefubrtt an der Eureiühenden Beweisrüh- 
rung uüd polemischen Begründung fehten lafst, oder auch «olcbe Beweise 
dafür vorbringt» die mit unbefangener und kunä^lgeiechler Exegese — 
Miebubr*M schwiichster Serie — niclil besielien können. Allein in den 
meisten Fallen lassen sieb seine staatsrechlticbeu An* 
nahmen viet befser begründen und vert b eidige n, aU von 
ihm selbst gescheben ist,^ 

Am meisten über Nie bohr 's üarst eilung hinausgeben tnufste Hr. S. 
m dritLen und vierten Buche, welcbc die Gliederung der alliUliscben 
Stimme behaadeln. Zum erslenmal sehen wir hier die Resultate der neue- 
reo S(>rachfQri*chiing, vor allen M o m m s o n' s unvergleicbtiches Werk über 
die unteritalischen Dialekte, für die geschichtliche Darstellung auf^gebeutet. 
Dir noch beiOertach so schwebohide BegfitT der Pelasger verschwindet 
und concentficrt «ich klar und fafstich in den Siculern und ihren (aoge- 
nannten messapiscben) Sprachresten. Djg Umbrer und O^ktY, Sabiner und 
Laliner erscheinen durchaus nur als verschiedeno Sliimme einer und der- 
sellMn Rational itäi, durch gleiche Sprache vei-bundeii, wekbe sieb, analog 
der gmcbichen , nur in eiuzekic diaiek tische Verschiedenbeilen spaltete. 
Damit ist hofTentlich die Aiiiichl von der latetni^cben ata einer Misch- 
ipracbe beseitigt, welche noch immer , zum theil auch in neuereu Lehr* 
bücbern, spukt. Anfangs haben die Osker dti» ganzen Süden, die Dmbrer 
den ganten Norden von Italien inne ; diese letztem werden durch die von 
Norden nachdringenden Sabiner und Latiner auseinandergesprengt (ahnlich 
wie ^ord- und Südslaven durch die Magyaren) i denn die Voisker am 
tyrrhenischen Meere werden durch die Reste ihres Dialekts als mit den 



48 Ä, Sckmegler^ Römische Geschichlö L Bd., ang. v, ff, linker. 

Cmbrcrn am adhätiseheti Meere EUffaiDme »gehörig erwfesen. In Elrurjen 
werilen die üinbrer unierworfen von tlen ebenfalls von Norden vordringen- 
den Rasenas* Über den urvlerjocJllen Bestaiidlhcil der elruskischen BevöJ- 
kerung halle schon Let^sius (Über die tyrrhenischen Pelasger in Etrn- 
riei), Berlin, 1842.) gewiss mit rechl in dieser Weise geurtheilt; ob aber 
mit demseiben, wie Hr S* Ümt, aiich der herrschende elrusfeische Adel, 
eben jene räthselhaften Basenas, auch der indogermaiuseben Familie zuza- 
weiien tind also für Verwandle der vorher gennnntea italr.<;chen Slämme 
IQ halten seien, kann vor der Hand nur als subjeclive Ansicht geUen, bia 
die l^rkl^rutig der elruskischen Sprachreste gelanjf^en und damil ein aiche* 
res hrlterium gegeben sein wird. Das Buch von KöUär: ^^Das siavjsehe 
Allitalien. Wien, 1853*, worin wenn wir recht berichtet sind, nichts 
weniger versucht wird, a1t> Veneter, Etrusker und die übrigen ilalischen 
Stämme tn gteieher Zeil für [Jrslaven zu erklären, hat Jlr. 8. noch nicht 
eingehen könneth 

Bei der Aeneassage, bei der Ntebuhr sieh begnCgt hatte, einfach 
das unhistori^che der Tradilion nachzuweisen, wird im fünften Buchte der 
bestimmte [nhalt und die Entslebung der ganscen Sage geneli^ch zu erklä- 
ren versucht, hauptsächlich nach Otfr, Müller (im Cimsicül Munmi^ 
1822, Vf>L XXV f, fh 52, p. S&S'^fS) und B. R. Klausen (Aeneas und 
die Penaten. Hamburg, 1839—40), wonach die Quelle derselben in den 
Sibylleuorakehi zu suchen sei, die in ihrer ursprünglichen OestatI 7M Ger- 
gis und Skepsis am Ida die dort herrschenden Aeneadengeschlechter zu 
verherrlichen dienten, eine llerrschafl, an welche vor allem Efchon die 
Weissagung des Poseidon //. X¥^ ^06 — ein vnlicfnium ex eteniu — 
erinnert. Die gergUhische Sammlung der sibylllnischen Orakel wurde die 
Grundlage der erythräischen, und diese war es, die unler den Tarquiniem 
über Cumae nach ftom gelangte, «tu Rom genofsen die Sib^llinen, obwol 
fremden Ursprungs, hohes Ansehen; sie galten als Staalsorakel , und man 
glaubte in ihnen die Geschieh le des Römerrejches zu lesen. Was die Si- 
bylle dem Geschlecht der Aenendcn verheifsen halle, bezog man nun na- 
türlich in concreter Anwendung auf da» römische Volk ; das verheifsene 
neue llium war ftom, das Iteich der Aeneaden das Eömerreich, das 
Geschlecht der Aeneaden das Hömervolk. Sah man aber einmal in den 
Römern Aeneaden^ so tag nichts näher, als diese Bezeichnung buchstäblich 
lu nehmen und den Ursprung des römischen Volkes wirklich auf Aenea» 
ftiruck zuführen^* Zuglateh werden indessen, was 0, hlulter nicht beach- 
tet, die Motive der Anknüpfung der Aeneassage gerade an Lavinium her* 
vor gehoben. Eine Menge Italischer Städte führten ihre Ursprünge auf 
Hetdennamen des griechischen, besonders des homerischen Sagenkreises 
zurück, eine Folge der weiten Verbreitung und des grofsen Einflufses des 
epischen Cyolus der Griechen im ältesten tlalien ; wurde aber in jeneio 
Sinne für die heilige Laren- und Penatenstadt des talinischen Bundes ein 
Gründer gesucht , so bot sich kein Name natürlicher und ungezwungener 
dar, als der de« Aeneas, dea frommen Itellers der troisehcn Heihgtümer. 



d 



it. ScAwepier^ Romiscb« Geschichte I. fkl., «ug. v. €» Linker. 49 

Duu komialy dafo sieh die Aeneassage vor allem an die Stätten des Aphro- 
diteealts angeknüpft: fast überall hin, wo sieb Tempel der 'AtpQoSCt'ti 
Atpuag fanden, liefo die Sage den Aeueas in förmlicher Rundreise hinge- 
langen und jene Tempel erst gründen. Da aber dieser Gull durch die An- 
liedelungen der Phönicier über alle Küsten und Inseln des Miltelmeeres 
Verbreitung erlangt hatte, so war hierin schon eine fortlaufende Kette von 
Mittelgliedern und Stationen bis zum Strande von Lalium hin gegeben. 

Als ein Haupt verdienst Hrn. S.'s in den folgenden Abschnitten, über 
welche wir kürzer hinausgehen können, ist vor allem das Zurückkommen 
auf Niebuhr's Ansicht von der gänzlich unhistoriscben Verbindung Roms 
mit Alba longa hervorzuheben, eine Ansicht, welche in neuerer Zeit von 
den meisteu zu gunsten einer durchaus euhemeristisch- rational islisclien 
verlafsen worden war. Der sonst so umsichtige Göttling halte hier 
plötzlich aus einem Gewebe von grofsentheils ganz durchsichti^sen Mythen 
gerade einen einzelnen Zug, die Verstofsung der Königstochter und ihrer 
Söhne, als einen wirklich historischen kern in sich schliefsend herausge- 
griffen und daher die vermittelnde Vermuthung aufgestellt, Rom sei durch 
eine Secession albanischer Bürger entstanden; das alte Königtum von 
Alba sei gestürzt worden, und nun hätten gerade ^die Mitglieder und An- 
bänger des Herrscherhauses, aus dem demokratisierten Staate gewaltsam 
oder freiwillig verbannt, am (Jfer der Tiber sich eine neue Heimal ge< 
sucht. Die Erörterung des Hrn. S. wird hoffentlich hinreichen, lUs f^e- 
waltsame und gekünstelte einer solchen Annahme zum Bewufstsein zu brin- 
gen und der Ansicht Niebubr*s die verdiente Geltung widerzugeben *). 

Weniger können wir uns damit befreunden, dafs Hr. S. auch in 
der Vermuthung Niebuhr (in seiner letzten Darstellung) folgt , welche die 
etruskischen Elemente von der ältesten Bevölkerung Roms ausschliefst und 
in den Lueerern nur Latiner, eben die durch Tullus Hostilius nach Rom 
vertelsten Albaner sehen will. Über diesen Puncl werden wir indessen 
erst noch die Darstellung in der folgenden Abtheilung zu erwarten haben, 
welche die Geschichte der Königszeit zu Ende führen wird. 

Diese Fortsetzung des Werkes ist rasch in Aussicht gestellt, und 
wir wollen von Herzen hoffen, das so äufserst verdienstliche Unternehmen 
■löge in nicht allzuferner Zeit sein Ziel erreichen. Möge es auch in Öster- 
reich die verdiente Beachtung und Verbreitung finden. 

Wien. Gustav Linker. 



*) In Betreff der römisci.en Gründungsmythen überhaupt schon wir 
Forch hamm er's Ansichten, welche derselbe nach mehifachen Ke- 
merkungen in seinen ^Uellenica^ iS. 119 u n. Vergl. «Achill» S. 26, 
62, 64) auch auf di«8e« Gebiet ausdehnen will, \on Hm. S. ganz ig- 
noriert Ob absichtlich? Der physikalische Deulungsvorsnch iW'B 
Aeneasmythus durch Si ekler {de Aeneoe in Halinm ndveniu. 
Meiningen, 1819) hat dagegen Erwähnung gefunden (S. 281, 15), 



ZciucHrlft fttr di« S»t*rr. Oymn. iR54 I. H'ft 



50 y. Spffzer, öslerr. Vaierlandsgeschichle, ang. v. A. Jdffer. 

österreichische Valerlandsgcschichte für Schule und Haus, be- 
arbeitet von Jakob Spitzer, Lebrer an der Domsehule «u St. Ste^ 
phan und an der Hermann'schen Töchterschule in Wien. Jena, Friedr. 
Mauke, 1853. 8. S. 196.' — V, Rlblr. =» 50 kr. CM. 

Es war vorauszusehen, dars in Tolge der Omgestallung unseres Un- 
terrichtswesens, zumal in folge der Stellung und Bedeutung, welche. der 
Vaterlandsgcschichte auf dem Gebiete desselben angewiesen ward, eine 
Menge von Kräften die Aufforderung in sich fühlen wurden , die österrei* 
chische Geschichte dem neuen Bedurfnisse gemäfs für Schule und Haus in 
den verschiedensten Richtungen und Formen zu bearbeiten. Wir erhielten 
Seit drei Jahren zahlreiche Handbucher über unsere Geschichte und ?ater^ 
landskunde und eine nicht geringere Zahl dürfte vielleicht noch auf dem 
Wege sein. So sehr diese Rührigkeit der Kräfte^ diese Wärme für die 
Wichtigkeit des Gegenstandes, dieser gute Wille unsere volle Anerkennung 
verdient, und so sehr wir wünschen müfsen, dafs den edlen Absichten des 
Unterrichtsministeriums und dem allgemeinen und tief gefühlten Bedürf- 
nisse der Jugend, welche die Vaterlandsgeschichte kennen lernen und lieb- 
gewinnen soll und will, entsprochen werde, mufs unsere Anerkennung und 
Begeisterung für diese Thätigkeit doch sehr herabsinken, weno wir den 
Werth der meisten dieser Leistungen in's Auge fafsen. In dieser Beziehung 
bleibt auch bei den billigsten Anforderungen sehr vieles zu wünsehen 
übrig, und mehr oder weniger leiden alle an denselben Fehlem und Ge- 
brechen. Kaum finden wir irgendwo das klare Bewufstsein von dem, was 
in der österreichischen Geschichte als Wesen und Zweck erfafst und der 
Jugend beigebracht werden soll. Man begegnet häufig W^erken, denen die 
Ansicht zu gründe, zu liegen scheint, in unserer vaterländischen Geschichte 
gehe es keine Entwickelungsgesetze, nichts was sich in ihr vollendet hat| 
sie werde daher von keinem leitenden Gedanken beherrscht, sondern sie 
bestehe aus einem Conglomerate verschiedener aus der Geschichte der ein- 
zelnen Kronländer excerpierter Thatsachen, bei deren Aufzählung es gar 
nicht darauf ankomme, einen Zusammenhang, viel weniger eine Zusammen- 
gehörigkeit nachzuweisen. «[Daher erscheinen die erzählten Thatsachen 
bruchstückarlig, ohne Motivierung, wie aus den Wolken gefallen. Der 
Knabe liest Thatsachen in Hülle und Fülle; aber weun er am Ende aller 
dieser Thatsachen sich die Frage stellt, was durch sie hätte erzielt and 
vollendet werden sollen, wird er ohne klaren Begriff, ohne Aufklärung von 
dannen gehen. 

Als zweiler allgemeiner Fehler stellt sich die überstürzende Hast 
heraus, mit welcher solche Compendien nicht selten f.ibricierl werden. Als 
bandelte es sich um ein Weltrennen, kommt die eine Arbeit bastiger als 
die andere daher gelaufen. Zwei bis drei veraltete Handbücher haben das 
Materiale zum Schnei Ifabricate geliefert; daher sieht nicht nur eines dieser 
Büchelchen bis aufs Wort dem andern, wie ein Ei dem andern gleich, 
sondern überall widert uns dieselbe Oberflächlichkeit an, überall derselbe 
Mangel eines gründlicheo Eingehens in die Geschichte, überall die alten 



J. i^if^r, (Hltn. ViterlatHlig4?i< hjt'hte, aiip. \\ A, Mffer. 



trmdittonrlten Irrtümer, und «ctbs^ in sülULisehef Bezif^hnn^ überall j^ne 
^aehlär^igkeitf welche »ich nicht srhHml, liiik tuxumuLben, wir süUeti di« 
Bpf ach widrigsten Sälj'.e als reines Deutsch verschlui^ken. INirgeiuJji Oiirlen 
wir eine Bei ücli sieht iguuji^ der 11 euere u Forschung et 1 , dither nirgend«; eine 
Prüfung and Sonderung des wahren vom fals^^hen, nirgends eine TreuaunR 
der $;i|ie nnd Fnhcl vmi der hislorisi^hen ThaLanchei »ondern ribernil jenes 
Qaniitch von wahrt«m und Tatiidieni, das so üfttnalä und iinmcr wfder 
gedrurkl wttrd«*, gt-rade aU wirc die DnwthrhiMt durch die zehnte Auflfige 
tuf Wahrheit geworden, und als gt-hörlc die Fabel aN noihwendige Würte 
mr (jesehiehLe. 

Uerrn Jakobüpi tzerS ostcrrddii^eho Valerlanilügeschich*« maeht 
^Kleinen Afii^prijoh auf eine Ausnahme von dieser Gattung neuerer Arbeiten, 
^^^ii^jct 5Je ^deich in softTne um eine Stufe über ander*! hervor, als mrb- 
^^Rtrr« ^Hüiiiai in einer dem jugondlichen Alter anf^euiersc-uen l^ri.ihlimg vor- 
^^^Helragen sind, und die Sprache im ganzen nicht i^Ü pepen die RTinbeÜ 
iüiidi^lj so h^ben wir tloch Aueh in Hrn. Spititer's B»irhe Salze zu verdauen, 
f für welche wol kaum die Kraft seiuPii eigenen MngiMJs hinreichen durflo. So 

1, B, S. Ö6, wo man lii-üU „Cnlerstülzl von Ernst dem Eisernen, sah sieh 
der £<iiser al^baJd verajdafst, seinen Itarten Ausspruch xurnckzunuhint-n, 
und den Üer^og (Kriedrieh) in Meine vorigen ßerhto widereiiuuaetzea** 
i Aas diesem Worigefiige lojlen wir herauslesen, dafs «ich das Parlrclpium 
fU u ter^ t ü t z t^ nicht auf das 8ubjecl des Salies rtKai^eri* scindt-rn .mf 
den im vorangehenfieti Satze genannlen Herzog Friedrich l^eziebe, welchen 
df^en Bruder Ernst unterstützte, und dadurch den Kaii^er eur Narb^^i^hrg- 
keil nölhigte* Ferner S. 83 , wo der ganz wundeHiche ^»atz aufgetischt 
wird! »Nun he wog dir Kaiser Papst Tant UL ein tkjnciliuoi anszuschraU 
hn\, um die kTrchlich^ii Mreitiu^kfiten zu scUlichlen, tn welcher Ver- 
la ui m ( u r» g die S t » d t 1 r i e n t in Tirol b e s t i ui ui t wurde und 
i c ti 1 1 « b n J A b r g e d a n i* L hatte.* 

Doch bedeutender sind die Verstöfse in der von mir oben bc^ereh- 
neten doppdten Ricbluiig, in Rezng nuf das Ursen diT oalertei<'lM>5cbt'n 

Ile^ehichte und in ItejEu^ auf die Bicbligkcit der hiütnrisehen Th-ilsacheu. 
Die Sarbe verdient eine au«fi)ht liehe* e llespreebnng. 
Wer daj) Lindcben zwischen der Enns und Erlatp das im lt>, Jahr- 
tinndertt] als Ostmark des deutschen Reiches reojiold dem Erlauchten übi-r- 
g«beo ward, mit dem t]nif?^nge nnd der hobin Slcllun^^ s ergleich t^ welche 
dk ftsierf€ichjsch(? Monarfliie in unseren lafitm einnimmt , wird doch die 
Frftgt an sich stellen mülsen, wie di<^>es Fmporfleigeu Öslerreiehs von ^ü 
Wmm Deginne bis auf «oine gegenwärtige Höbü vor iHi giengi ob 
durch hihtl, wobei Fünften und Völker nicht wufslen, wie ihnen geschah, 
4li tk vofi Zeil zu Zmi eines schönen Morgens erwachind zu ihrer über* 
fntchiiiiji wiiier errir Krnop auf ihrem Haupte und ein Stuck Landes iu 
jAff IT Hfl()(^/'a erbli etilen? fJder ob in diesem consequenten Werden der 
merf. M&n^ifffffc providiMitiidle Fügungen oder gewisse in den Vertialt- 
^f^f f^il^t tind Volker und im Oange der Weltgeschiehle gegrüu* 

4* 



1 



52 y. SpUzer, Österr. Vaterlanü^geschichle, ang. v. A, Jäger. 

ilete Geselxe und Nothweodigkeiten milwirkten und von Jahrhunderl tu 
Jahrhundert zu immer grörserer Erweiterung führten? Wird er nicht fra- 
gen müfscn, wie die Fürsten und Völker Österreichs zu diesen Fügungen 
und Gesetzen, ob eingehend oder widerslrebeud sich verhielten? Und 
wennn es solche Gesetze und Fügungen gibt, wird nicht jeder, der die 
österreichische Geschichte zd schreiben unternimmt, dieselben aufsuchen, 
das Verhältnis der Fürsten und Völker zu ihnen errorschen, und in ihrer 
Darstellung die Lösung seiner Aufgabe erblicken müfsen? Wird die öster- 
reichische Geschichte dann noch etwas anderes sein können, als die klare, 
lichtvolle Darstellung dieses grofsen Bildun^sprocesses , in welchem der 
österr. Staat zu seinem eben so grofsen Guifange als Berufe heranwuchs? 
Wahrlich kein Handbuch wird die Jugend an einem andern Leitfaden in 
die Kenntnis unserer Geschichte einführen können, als an dem, welchen 
der Hauptgedanke, das Wesen unserer Geschichte, darbietet. 

Dieses vorausgesetzt, sei nun die Frage erlaubt, darf der Vertafser 
eines Handbuches der österr. Geschichte die Ländererwerbungen , welche 
UDsere Fürsten machten, als etwas untergeordnetes betrachten, sie als un- 
bedeutend in den Hintergrund drängen, und düfür den Vordergrund seiner 
Darstellung mit einem Krame nicht selten läppischer Anekdoten und un- 
historischer Sagen ausschmücken ? Werden wir die Überzeugung gewinnen, 
dafs ein solcher Verfafser wufste, worauf es bei der Behandlung der vater- 
ländischen Geschichte wesentlich ankomme? Können wir behaupten, dafs 
er von einem leitenden Gedanken geführt und durchdrungen sei? Oder 
werden wir nicht vielmehr die Palme jenem reichen, der die Aufmerk- 
samkeit der Jugend mehr als auf irgend etwas anderes auf die gegensei- 
tigen Bedürfnisse und gemeinsamen Gefahren, Rechtstitel, Verbindungen und 
Verträge hinweiset, welche die Annäherung der verschiedenen Völker Öster- 
reichs eingeleitet, ihre Verbindung und die Ländererwerbung herbeigeführt, 
und aus Österreich jene grofse Verlheidigungsmacht geschaffen haben, die 
Jahrhunderte hindurch den Schutz der europäischen Freiheit und des alten 
Rechtes übernahm? 

Man vergleiche mit diesen Anforderungen nunmehr Herrn Spitier's 
Vaterlandsgeschichte und ähnliche Arbeiten. Man wird in ihnen alles fin- 
den, nur den rotben Faden des von uns als wesentlich bezeichneten lei- 
tenden Gedankens wird man vergeblich suchen. Wir werden von Odoaker, 
und Friedrich und Fletheus, und (S. 13) selbst von einer Kirche zu St. 
Johann an der Als lesen, die vor ungefähr 1370 Jahren vom heil. Severi- 
nus erbaut worden, und «heutigen Tages noch in ihrer Einfachheit zu 
schauen ist*, aber nach der wesentlichen Thatsache, dafs schon Karl der 
Grofse eine Ostmark an der Donau gegründet und die späteren deutschen 
Kaiser nur den karolingischen Gedanken aufgegriffen und der neuen baben- 
bergischen Ostmark die alle Bestimmung wider angewiesen haben, wird 
man umsonst sich umsehen. Die erste wichtige Erweiterung der Ostmark 
um das J. 1156, welche nur von dem Gesichtspuncte aufgefafst werden 
kaim, dafs sie die erste Verstärkung des zwischen nord und südsUvischeo 



51 y. Spitzer^ Öätcrr. Vatcrlamlsgeschichte, ang. v. i. Jäger. 

Darin lag die hohe Wichtigkeit der Et Werbung Kärntens und Tirols; es 
war die Vollendung der deutschen Macht des Hauses Habsburg. Hatte 
der Hr. Vf. eine Idee von dieser Wichtigkeit? Kaum, er hätte sonst die 
Folgen dieser Machlbegrundung Österreichs, den Übergang der böhmischen 
und ungarischen kröne an die habsburgischen Fürsten, wol nicht in der 
Weise erwähnen können, wie er es S. 61, 67 und 68 thut. Da ist von 
der Erheitung AlbrechiS auf den böhmischen und ungarischen Thron unter 
viel anderem allerdings auch die Uede; es wird aber nicht gröfseres Ge- 
wicht darauf gelegt , als auf die Anekdoten vom Raubritter Dürrenteufel, 
vom goldüberzogenen Kupferdache der herzoglichen Residenz in Innsbruck 
und von der Leibesslärke der Gimburgis, die befrachtete Wagen umwerfen 
und ll'ifei.Hen zerbrechen konnte. Von den Rechten, welche Kaiser Fried- 
rich IV. und Maximilian I. auf die Krone von Ungarn erworben, und welche 
zur Doppclheirat zwischen Maximilians Enkeln und Wladislaws Kindern 
und endlich zur bleibenden Thronerwerbung von Ungarn und Böhmen 
führten, geschieht in vorliegendem Buche keine Erwähnung; Haus uud 
Schule müfsen sich hierüber mit den zwei hieroglyphischen Sätzen be- 
scheiden, S. 72, dafs «Kaiser Friedrich die Wahl des Mathias Korviuus 
ungeahndet geschehen lafsen uud sich mit dem Rechte der Nachfolge zu- 
frieden begeben mufste* uud S. 75, dafs «Wladislaw, der indessen auch 
«uf den Thron von Ungarn erhoben worden war, einen Vertrag schlofs, 
worin Maximilian die Nachfolge in beiden Reichen (Böhmen und Ungarn) 
gesichert wurde*. Wie Friedrich und Maximilian zu Ansprüchen und 
Rechten auf beide Throne gelangten, davon ist, wie bemerkt, im Büch- 
lein keine Uede. 

In der That, wer in Hrn. Spitzers und ähnlichen Wcrkchcn bei der 
Geschichte Kaiser Karls V. angelangt ist, hat weder Begriff noch Ahnung, 
wie es kam, dafs die Österreichischen Fürsten auf einmal in einer solchen 
Machtfülle und weitgebietenden Stellung erscheinen, wie diefs mit Karl V. 
und Ferdinand I. der Fall ist; sphinxartig tritt die ungeheuere Macht dee 
Hauses Habsburg plötzlich den Lesern entgegen, die ein liuch über deren 
Genesis durchblättert haben, ohne ihres Entstehens innc geworden zu sein. 
Daher erscheint aber in diesen Büchern auch gleich unbegreiflich und 
mysteriös das folgende Wirken dieser Macht. Weil nicht nachgewiesen 
wurde, auf welche hoho Stufe und zu welcher Stellung sie im Laufe der 
Jahrhunderte erhoben ward, und welcher Beruf mit ihrem Entstehen und 
mit ihrer Entwickelung auf sie übergieng, begreift auch niemand, mit 
welchem Rechte sie z. B. den Neuerungen des 16. Jahrhunderts in ihrer 
Weise entgegentrat, mit welchem Rechte und mit welchem Berufe sie den 
Kampf um die Krone Ungarns fortführte, und welche Mission sie erfüllte 
in den mehr als bund(>rtjäbrigcn Kriegen, die bis zum Jahre 1648 den 
früheren Rechts- und Besitzstand auf kirchlichem und politischem Gebiete 
erschütterten. Darum slofsen wir in solchen Buchern auf Sätze, die in 
den Ohren der Jugend nothwendig wie Machtspruchf und Gewaltstreicho 
aus der Tyraunengeschichto eines Hunnenkönigs klingen Aiüfsen. So S. 8% 



y. S^Oter^ Österr. Vaterlandsgeschichte, ang. v. JL Jäger. 55 

in vorliegendeiQ Buchlein, wo es heirst : aAls diese Prolestation (der An- 
hänger Luthers auf dem Reichstage zu Speicr) dem Kaiser zu Fiacenza 
überreicht wurde, liefs er d ie Abgeo rdn e t e n verhaften, uud 
befahl ihnen, dieselbe zurückzunehmen.* So S. 83, wo behauptet wird: 

«Philipp , Landgraf von Hessen , liefs sich herbei , dem Kaiser im 

Uoflager zu Halle fufsfällige Abbitte zu leisten, wurde aber ungeach- 
tet der Versicherung eines freien und ehrlichen Gelei- 
tes dennoch in der Gefangenschaft zurückgehalten.'* So 
S. 85, wo wir die Versicherung erhalten, dafs der im streugkatholischen 
GUabeo erzogene Ferdinand (I.) mit un nachsichtlicher Strenge ge- 
gen die Anhänger der lutherischen Lehre zu verfahren beschlofs, behufs 
dessen in Wien ein Glaubensgericht aus 12 Gliedern der Hochschule zu- 
sammensetzte, vor welchem die geladenen sich nur durch die Kückkehr zur 
römisch -katholischen Kirche und durch strenge Bufsübungen der über sie 
verhängten Strafe entledigen konnten; dieStarrsinnigen hingegen 
den Flammen übergeben wurden' und dann S. 86, wo gesagt 
wird : «dafs , während Ferdinand bemüht war , dieGlaubensmei- 
Dungen zu unterdrücken, seineu Staaten noch weit gröfsere Ge- 
labren drohten.' 

Solche Sätze beweisen — abgesehen von ihrer historischen Unwahr- 
heit — mehr als zur genüge, dafs es den Verfafsern von österreichischen Va- 
terland^eschichten an Einsicht gebrach in die Stellung und in den Beruf 
unserer Fürsten zur Zeit jener Ungeheuern Revolution, wo, wenn jemand 
(ur Wahrung des alten Rechtes in Staat und Kirche mit den edelsten Ab- 
sichten uud mit den reinsten Reform bestreb ungeu eiusland, es gerade die 
österreichischen Fürsten Karl und Ferdinand waren. Sie beweisen, daCs 
die Verfafser solcher Büchlein über den Standpunct nicht hinausgekommen 
sind, auf welchem ihnen die österreichische Geschichte, nicht geleitet und 
beherrscht von einem grofsen Entwickelungsgeselzc, sondern als ein Kram 
witziger Anekdoten und aphoristischer Histörchen erscheint. 

Nicht minder armselig bestellt sind dergleichen Arbeiten, wenn wir 
sie von seite der historischen Treue bezüglich der von ihnen erzählten 
Thatsachen in's Auge fafsen. Ich bemerkte schon oben, dafs man ihnen 
die Eilfertigkeit des Fabricales auf den ersten Blick ansieht. Zwei bis 
drei veraltete Handbücher dienten ihnen als Materialiensammlung, und was 
sich in diesen drei Handbüchern findet, sei es nun wahr oder falsch, mag 
die ncuera Forschung Enldeckungen und Berichligungen gemacht haben 
oder keine, das wird in das eine wie in das andere dieser Büchelchen für 
Baas und Schule , lür die vaterländische Jugend , oder wie sie sonst zu 
ihrer leichtern Verbreitung und Anpreisung betitelt sein mögen, ohne Be- 
denken herübergeschrieben. Daher finden wir in allen dieselben traditio- 
nellen Irrtumer, dieselben stereotypen Fabeln, als müfste die alte Lüge 
doch endlich einmal zur Wahrheit und von Generation zu Generation 
verewigt werden. 



^ J. Sitii%er^ Ö:»lci'r. Valeiiaiidägeschielitc, aug. v. A. Jäger. 

Oafs ein solches Fortsphinen der Unwahrheit nicht zum Heile fuhrt, 
dab die stehend gewordene Geschichtsfälschuiig endlich einmal entlarTt 
werden soll , ist von selbst einleuchtend Es muß daher jedem Freunde 
der österreichischen Geschichte erwünscht sein , wenn die immer wider- 
kehrenden Irrtümer aufgedeckt, und ihnen die Ergebnisse der gründliche- 
ren Forschung entgegengehalten werden. Im Interesse der Wahrheit werde 
ich dicfs von Zeit zu Zeit in eigenen Artikeln zu thun yersuchen, in die- 
ser Abhandlung aber nur ein Verzeichnis der so oft widerholten Fehler 
beifügen. Mögen sich unter ihnen immerhin einige befinden, deren Dasein 
oder Wegbleiben an der Sache nichts wesentliches verändert; dem Lehrer 
der Geschichte mufs die Wahrheit in allem heilig sein, und nur dann kann 
er Achtung für sie vom Schüler verlangen, wenn er selbst sie nirgends 
vorletzt hat. Zu den stereotyp gewordenen falschen Angaben gehört die 
ßehauptung der Identität von Fabiana mit Wien; des Jahres 983 oder 
984 als des Gründungsjahres der babcnbergischen Ostmark ; die Darstel- 
lung des Inhaltes der Privilegien von den Jahren 1058 und 1156, nach 
denen die babcnbergischen Fürsten Vorrechte erlangt haben sollen, welche ' 
die gleichzeitigen Fürsten des deutschen Reiches nicht besafsen; die Sage 
vom Zerwürfnisse Leopolds VI. bei der Erstürmung von Ptolemais mit 
König Uichard Löwen herz ; der Sieg, welchen Friedrich der Streitbare über 
die Mongolen erfochten haben soll; die Darstellung des Verhältnisses des 
Königs Otlokar zum Kaiser Rudolph von Habsburg; das Verhältnis des 
Herzogs Rudolph IV. zum Kaiser Karl IV.; die Sage von dem Abenteuer 
Maiimilians 1. auf der Mariinswand ; die lächerliche Angabe , dafs Kaiser 
Maximilian I. durch seine zweite Gemalin Bianca Ansprüche auf Oberilalieu 
erlangt habe; und die Behauptung der im Auftrage Ferdinands IL gesche- 
henen Ermordung Wallensteins. Über diese und ähnliche aus einem Buche 
in das andere übergegangenen Irrtümer werde ich von Zeit zu Zeit be- 
richtigende Untersuchungen liefern; zum Schlufse des vorliegenden Auf- 
satzes sollen aber in Bezug auf das hier beurlheilte Werk noch ein paar 
dem Hrn. Verf. eigentümliche Verstöfse gegen die Wahrheit der Geschichte 
ausführlicher besprochen werden. Ich bin weit entfernt zu glauben, dafs 
der Hr. Verf. der österreichischen Vaterlandsgeschichte für Schule und 
ll.ius die Absicht gehabt habe, die beiden Fürsten Karl V. und Ferdinand I. 
in ein nachtheiliges Licht zu stellen, und ihnen Willkür, GewaltthSligkeil 
und Unduldsamkeit zum Vorwurfe zu machen; gegen eine solche Voraus- 
setzung schützt ihn die in der Vorrede ausgesprochene Tendenz des Werk- 
chens, so wie dessen Ton und Haltung selbsL Ich nehme lieber an, dafs 
die betreffenden Stellen ohne strengere Prüfung aus einem nahestehenden 
Buche herübergenommen wurden, die Schuld der falschen Benrtheilung der 
zwei edlen Fürsten daher auf dieses Buch zurückfällL Aber besprochen 
müfsen diese Verstöfse gegen die Wahrheit im Interesse unserer Geschichte 
werden. 

Wie ich schon oben bemerkte, zeigt sich in der mchrerwahnten 
österreichischen Vaterlandsgeschichte von S. 89 — 85 eine eigene, ganz 



J. I^^iher, Ö«(err. Valeiiaudsgesebichle, ang. v. A, Jäger, 57 

sonderbare Auffafsung und Daratellimg gewisser Beziehungen Karls V. und 
Ferdinands 1. zur rerormatorlKchen Bewegung. S. 82 wird versichert, 
Kaiser Karl V. habe die Abgeordneten der Anbänger Luthers, als sie ihm 
zu Piacenza die zu Speier verfafste Protestalion überreichten, verhaften 
lafüen, und ihnen befühlen, dieselbe zurückzunehmen. Ich habe schon 
früher bemerkt, dafs, wer nur nach dem Wortlaute dieses hingeworfenen 
Satzes urtheilen mufste, Karl von einer despotischen Willkurh^ndlung nicht 
freisprechen könnte. Es drängt sich die Frage auf, was den Kaiser be- 
rechtigte, Abgeordnete verhaften zu lafsen, welche eine Protestation gegen 
einen Reichst agsbeschlufs überbrachteuf, durch den sie sich in ihrem 6e- 
wifsen beengt und verletzt fühlen mochten. Im vorliegenden Büchlein 
findet sich keine Antwort auf diese Frage, da nicht darauf hingewiesen 
wird, dafs sich die Sache ganz anders darstellt, wenn man den wahren 
Verlauf der Geschichte ins Auge fafst; dieser war aber folgender. Auf 
dem Reichtage zu Speier 1539 ward am 13. und 15. April der Beschlufs 
gefafst, dafs «jene Stände, welche bei depn Edicte von Worms (26. Mai 
1621) seither geblieben wären, dabei auch bis zur Einberufung eines 
christlichen Generalconciliums verharren sollten; bei den andern Ständen 
aber, bei welchen die neuen Lehren entstanden und zum theile ohne 
merkliehen Aufruhr und Gefahr nicht abgewendet werden könnten, solle 
doch hinfuro alle weitere Neuerung bis zum künftigen Concil so viel 
möglieh und menschlich verhütet werden.* Dieser Beschlufs wurde von 
der Mehrheit der Stände angenommen, und verlangt, dafs auch die Be- 
kenner der neuen Lehre ihn anerkennen sollten. Der Mehrzahl der Stände 
schien ein solches Verlangen vollkommen gegründet, denn noch wufste 
man in den Reichsgesclzfu nichts von dem Grundsatze, dafs eine Minori- 
tät gegen die Mehrheit Widerspruch erheben dürfe ; noch . waren die An- 
hänger der neuen Lehren nicht als eine berechtigte Religionsgenofsenschaft 
anerkannt, uberdiefs halle man durch den gefafsten Beschlufs nur ein frü- 
heres Reichstagftgeselz vom Jahre 1526, «welches, wie die Stände erklär- 
ten, bei vielen in einen grofsen Misversland gezogen worden*, näher be- 
stimmt und bestätigt. Allein gerade das war es, was die reformierenden 
Stände zum Widerspruch und zur Protestation bewog. Das Speierische 
Reiehstagsdecret vom Jahre 1526, dem Kaiser und dem Erzherzoge Ferdi- 
nand unter dem Eindrucke der unglücklichen Schlacht bei Mohacz, des 
Torgauer Bündnisses und der italienisch-französischen Kriege abgenölhigt, 
hatte in fönenden unbestimmten und vieldeutigen Ausdrücken abgefafst 
werden müfsen: «dafs, bis ein allgemeines oder besonderes Concilium zu 
Staude komme, in Betreff der Religion und des Wormser Edictes alle es 
so halten sollten, jeder in seinem Gebiete, wie er es vor Gott und zu- 
gleich vor dem Kaiser verantworten könnte.* Obwol über den Sinn, wel- 
chen der Kaiser mit diesem Reichsschlufse verband, kein Zweifel obwalten 
konnte, indem Karl schon unter dem 23. März aus Sevilla in einem Schrei- 
ben sich dahin erklärt hatte, «er wolle, dafs die Stände auf diesem Reichs- 
tage durchaus nichts beschlöfsen, was auf irgend eine Weise den Gebräu- 



98 y. SpÜ%er, Üsterr. ValerUndfgescbichte, ang. v. i. Jäger. 

eben, Gesetzen und Geremonien der alten Kirche zuwiderlaufe, und dafs 
die Reichsstände in ihren Gcbielen alles nach Inhalt des Wormser Edictes 
anordneten"^, glaubten die Anbänger der neuen Lehre ihn doch so auslegea 
zu dürfen, als wäre ihnen mit dem Ausdrucke «jeder sollte es in seinem 
Gebiete so hallen , wie er es vor Gott und zugleich vor dem Kaiser ver- 
antworten könnte*, das Recht, in ihren Landen nach Gutdunken zu refor- 
mieren, eingeräumt worden. Da nun der ;ieue Reichstagsbeschlufs vom 
13. und 15. April 1529, wie die widersprechenden Stände behaupteleOy 
den speierischen Abschied vom Jahre 1526 nicht sowol declariertc, als viel- 
mehr gänzlich aufhob und abthat ,' folglich das Recht, welches sie in 
demselben für sich gefunden hatten, ihnen benahm, so protestierteo 
sie gegen den Itescblufs der Mehrheit der Reichsstände, 
und überreichten nicht nur dem Erzherzoge Ferdinand, der dem Reichstage 
vorsafs, eine Protestationsschrift , sondern sie appellierten auch von dem 
Reichsscblufse an den Kaiser, an das künftige allgemeine oder National- 
concilium und an alle unverdächtigen Richter. Wirklich schickten Bie ge- 
gen das Ende des Monats Mai eine Gesandtschaft au Karl V. nach Italien, 
wozu Johann Ehiuger, Alex. Frauentraut und der Nürnberger Michael 
Gaden gewählt wurden, ohne zu bedenken oder zu erkennen, dafs die 
Re ichsverfafsung das Recht des Widerspruches gegen 
einen Majoritätsbescblufs nicht anerkannte, dafs sie da- 
her durch ihren Widerspruch gegen den Reichsabschied sich ÖfiTentlich als 
eine politische Gegenmacht, als eine getrennte Partei dem Reiche gegen- 
über stellten, und eben deshalb kaum auf eine gute Aufnahme rechnen 
durften. Die Gesandten fanden den Kaiser in Genua, wo ihnen der 12. Sep- 
tember zur Audienz bestimmt wurde. Sie trugen vor, jenes erslere De- 
cret vom Jahre 1526 sei durch dieses neuere von 1529 aufgehoben ; wenn 
das letztere gelten sollte, so seien daraus die gröfslen Verwirrungen zu 
befürchten ; deshalb habe der Kurfürst von Sachsen und seine Gcnofsou 
erklärt, demselben nicht zustimmen zu können ; sie bäten, der Kaiser möge 
solches nicht übel nehmen und ihnen nicht zur Last legen, sondern der 
Nolhwendigkeit beimefsen; sie würden bis zum Concilium nichts Ihun, 
was sie nicht vor Gott und auch vor dem Kaiser verantworten könnten, 
und in Anliegen für das Wol und die Würde des Reiches, sei es zum 
Türkenkriege oder sonst seien sie bereit, gleich ihren Voreltern alles ge- 
bührende zu thun.* Der Kaiser antwortete: «Er habe ihr begehren ver- 
standen, die willfährige Gesinnung, die sie Namens ihrer Fürsten versichert, 
fei ihm sehr angenehm ; er werde nach gepHogenem lUthe Bescheid er- 
theilen, wie er ihn für billig erachte.^ Ära 14. October erfolgte die kai- 
serliche Entscheidung, des Inhaltes: «Von dem Hergange der Sache sei 
der Kaiser schon durch seinen Bruder Ferdinand und die übrigen Gommis- 
sarien initerrichtet gewesen, und dieser Zwiespalt, welcher Anlafs zu vie- 
len Gefahren und Übeln gebe, sei ihm überaus schmerzlich. Seines Amtes 
sei, solchen Dingen vorzubeugen, oder wo sie geschehen, selbe zu befsern s 
deshalb l]al)e er lang und ernstlich mit seinen Rälhen die Sache erwögen 



J. Sßit%er^ Österr. VutertaiKlsgeschichte, ang. ¥. iL Jäger, 59 

and Gilde sie also: «Das Decrct vom 13. und 15. April habe nichts an- 
deres bcziell , als dafs von nun an nichts geneiiert werde, und dafs keine 
Secten Raum fanden, deren sich schon mehrere eingedrungen; sodann dafs 
Frieden und Eintracht im lieiche begründet werde; deshalb halten der Kurfürst 
von Sachsen und seine Genorseii diesem Decrete ebenfalls zustim- 
men sollen. Ein Coocilium wünsche er auch, nicht weniger als jene, wie- 
wol es nicht so nöthig sein würde, wenn man das beobachte, was mit ge- 
meinschaftlichem Willen und Obereinst immung beschlos- 
sen worden; wenn insonderheit auch das mit Zustim- 
mung aller Stände erlafsene Wormser Decret und das da- 
mit verbundene kaiserliche Edict beobachtet wurde, 
wie sie denn ja selbst sagten, dafs die früheren Decrete 
Dicht wider aufgelöst werden sollten. Da nun herge- 
bracht sei, dafs, was der gröfsere Theil der Rei chss tände 
beseht ofsen, nicht durch einige wenige entkräftet wer- 
den könne, so habe er bereits an den Kurfürsten und dessen Genofsen 
den Befehl erlafsen, dafs sie dem letzten Decrete zustimmen und nicht da- 
gegen bandeln, sondern nach den Pflichten, womit sie ihm und dem Reicht 
verwandt seien, demselben folge leisten möchten, denn sonst werde er 
gcDÖthigt sein , als Reichsoberhaupt und des Beispiels wegen, 
streu>se gegen sie zu verfahren. Cr wünsche, dafs sie Ihun muchten, was 
er verlange, um so mehr jetzt , da we;;en der Fortschritte der Türken in 
Cugarii der innere Frieden im Reiche um so nöthiger sei.^ — Karl hob 
noch besonders hervor, dafs selbst Geld und Hilfe zum Türkenkriege ohne 
aufrichtige Eintracht der Gcmülher iiichU erspricfsliches wirken könne; 
Abicgung aller Streitsucht sei das erste Erfordernis, wenn man der grofsen 
Gefahr kräftig begegnen wolle; er selbst werde ehestens mit dem Papste 
verbandeln, auf welche Weise die allgemeine Ruhe hergestellt werden 
könne , und werde dann selbst seine ganze Macht gegen die Türken 
wenden. 

Nach dieser eben so ernsten als freundschafUichen kaiserlichen Er- 
mahnung, nach einer Behandlung, welche die Gesandten als Vertreter 
einer nach dendamalig^^n Reichsgesetzen völlig unbe- 
rechtigten Opposition kaum erwarten durften, was thaten 
die Abgeordneten der prolestienMiden Stande? *) Jetzt überreichten sie die 
Appellation, wie sie zu Spcier gcfafst war, und worin sie sich auf 
das künftige allgemeine oder iNationalconcilium und an alle unverdächtigen 
Richter beriefen, in Gegenwart von Zeugen dem kaiserlichen Minister Ale- 
xander Schweifs, der sie nach einiger Weigerung annahm und dem Kaiser 



**) Wenn ich hier die Anhänger der neuen Lehre eine unberechtigte 
Partei nenne, so hat dieser Ausdruck für die Zeil, von welcher die 
Rede ist, seinen vollen historischen Wcrih; staatsrechtliche Duldung 
und Stellung erlangten sie erst in folge der verschiedenen Keligions- 
friedcn , bis der westphälische sie zur vollen Glcichbereclili^ung im 
Reiche erhob. 



60 J. SpU%er, Öslerr. Vateriandsgeschichle, ang. v. A. Jäger. 

überbrachte. Wir fragen, wie wurde in unseren Tagen die Gesandtschcift 
einer Minorität, und noch dazu die Gesandlschaft einer nach allen Ver- 
farsungsbestimmungen eines Reiches unberechtigten Opposition, unter ähni- 
liehen Verhältnissen behandelt werden? Und wie behandelte sie Karl^ und 
wie benahmen sich die Gesandten? Nachmittags kehrte Alei. Schweifs 
zurück und kündigte den Befehl des Kaisers an, dafs die Gesandten 
wede r ihre Herberge verlafsen, noch etwas nach Hause 
berichten, noch einen der ihrigen irgendwo hinsenden 
sollten, bis auf andere Weisung — unter Strafe an Leben 
und Verm öge n.' Einer der Gesandten , Michael Caden, war gerade 
damals vom Hause abwesend , und schrieb , als er das ganze durch eineo 
Diener erfuhr, es mit gröfster Beschleunigung dem Senate von Nümlierg. 
Die in Haft gehaltenen wurden angewiesen, dem Kaiser zu folgen; zu 
Parma eröffnete ihnen dann Granvella, «dnfs der Kaiser, obwol er 
die uberg ebene Appellation ungnädig aufgenommen ha- 
be, ihnen doch die Heimkehr erlaube; nur Caden aolle 
bei Lebeiisstrafe bleiben;* denn dieser hatte sich aufser der oben 
erwähnten Verletzung des kaiserlichen Verbotes erkühnt, dem Kaiser, als 
er zum Gottesdienst gieng, eine Schrift mit dem neuen Religionsbekennt- 
nisse zu überreichen. Caden glaubte jedoch aus Granvella's Worten Ge- 
fahr für sich befürchten zu mufsen und entfloh über Ferrara und Venedig 
in seine Heimat. 

Das ist die treue Darstellung des 'Wahren Sach Verhältnisses. Wenn 
man nun diesen Hergang im Auge behält, mufs es nicht als grofse Ober- 
flächlichkeit erscheinen, wenn jemand aus dem ganzen Verlaufe der Dinge 
nichts anderes herauszuheben weifs, als den abgebrochenen unmotivierten 
Salz: aDer Kaiser habe, als ihm die (zu Speier verfafste) Frolestation 
überreicht wurde , die Abgeordneten verhaften lafsen , und ihnen befohlen, 
dieselbe zurückzunehmen.' Wird die Jugend durch eine solche Darstel- 
lung zur Kiiisicht gebracht werden, ob die Handlung eine gerechte oder 
eine ungerechte war? Wird ihr die Wahrheil des Thalbestandes klar 
werden ? 

Gleiche Bewandtnis hat c^ mit der historischen Wahrheit der S. 83 
anfgestelllen Behauptung, dafs «Philipp, f^andgraf von Hessen, der sieh 
herbeiliefs, dem Kaiser im Hoflager zu Halle fufsfallige Abbitte zu leisten, 
ungeachtet der Versicherung eines freien und ehrlichen 
Geleites dennoch in der Gefangenschaft zurückgchallen wurde.* Es ist 
nicht wahr, dafs Landgraf Philipp ungeachtet der Versicherung eines freien 
und ehrlichen Geleites dennoch in der Gefangenschaft zurückgehalten 
wurde. Kaiser Karl bestand in der Unterhandlung mit Herzog Moritz und 
dem Kurfürsteu Joachim wegen der Unterwerfung des Landgrafen unab- 
anderfich auf der Forderung, Philipp müfse kommen und seine Rebellion 
bekennen , ohne allen Beding sich auf Gnade und Ungnade ergeben , und 
die Festungen mitsammt dem Geschütze abtreten. In der Urkunde, die 
hierüber ausgefertigt wurde, sicherte der Kaiser nur zu, dafs die Ergebung 



J, Spii%er, Österr. Vaterinndsgcscbichte, ang« v. A. Jäger. 6 t 

dem Landgrafen weder zu Leihstrafe noch zu ewigem Gefängnis gerei- 
chen solle, und dafs die beiden Kurfürsten dem Landgrafen einen Ge- 
leitshrief ins kaiserliche Feldlager geben mochten, der ihn aber gegen die 
Gefangenschaft nicht srhntzen konnte und sollte, weil diese mit den un- 
terhandelnden Kurfürsten schon urkundlich festgestellt war. Dafs diese den 
Landgrafen über die für ihn allerdings nicht angenehme Bedingung im 
Dunkel liefsen, war nicht Schuld des Kaisers; dafs Philipp höchlich ont- 
riistel wurde, als ihm die Haft angekündigt ward, dafs auch die Fürsten, 
aelbti Moritz und Joachim, trotz der von ihnen ansgestelllen Orknnde, es 
ziemlich heftig beim Kaiser durchzusetzen suchten, dafs gar keine Haft 
stattfinden sollte, ist wahr; aber nicht minder wahr ist, dafs die beiden 
Kurfürsten, welche sich für den Landgrafen verbürgt hatten, als die ru- 
hige Stimmung widerkehrte, zu dicinialen eingestanden, der Kaiser sei, 
nach der von ihnen selbst und z\iar zu deutsch ausgestellten Urkunde 
TollomroeD berechtigt gewesen, den Landgrafen in Haft zu nehmen und 
zu halten, nur dafs diese nicht immerwährend sei. 

Wie kann bei einem solchen Thatbeslande die Beschuldigung gegen 
Kaiaer Karl hingeworfen werden , er habe den Landgrafen Philipp unge- 
aehtet der Versicherung eines freien und ehrlichen Geleites dennoch in der 
Gefangenschaft zurückgehalten ? Wir fragen wider , lernt die Jugend auf 
diesem Wege Wahrheit in der Geschichte kennen? Ich widerhole, dafs 
ich gerne annehme, Herr Spitzer habe die Darstellung, die er vom Her- 
gange der Verhaftung des Kurfürsten gibt, bei seinem Gewährsmanne so 
gefunden, und sie ohne strengere Prüfung in sein Büchlein hinuborge- 
Dommen. 

Dieselbe Bewandtnis mag es haben mit den Nachrichten, die er uns 
S. 85 über Ferdinand 1. mittheilt. Wo hat dieser Fürst Scheiterhaufen 
errichten lafsen, um «mit unnachsichllicher Strenge gegen die Anhänger 
der lutherischen Lehre zu verfahren' und «die Starrsinnigen den Flammen 
zu übergeben*? Von der in folge des Wormser Edicles und des Regens- 
burger Beschlufses vom 7. Juli 1524 zu Wien errichteten Ootersuchungs- 
eommission wurde unter allen Inquirierten nur Tauber wegen hartnäckiger 
Verweigerung des Widerrufes am 17. September 1524 zum Tode verur- 
Üieilt und enthauptet, nicht wie der Hr. Verf. zu wifsen meint, den Flam- 
men des Scheiterhaufens übergeben. Fand aber der Verfafser der Vater- 
landsgeschichte für Schule und Haus es interessant, aus den vielen und 
wichtigen Beziehungen Ferdinands L zur reformatorischen Bewegung nur 
den Zug herTorzuhebeo , dal's er mit unnachsichtlicher Strenge gegen 
die Anhänger der neuen Lehre verfuhr , und die Starrsinnigen den Flam - 
men übergab; wäre es nicht ebenso interessant und wichtig und für den 
Hrn. Vrf. sogar Pflicht gewesen, der Jugend irgendwie bemerkbar zu ma- 
chen, dafs kein Fürst auf die Versöhnung der Parteien und Beilegung der 
Spaltung mit so unermüdetem Eifer hingearbeitet habe, wie Ferdinand L 
während seiner vierundvierzigjährigen Regierung, dafs aber Ferdinand da- 
mals, wo der neuen Lehre keine Duldung reichsgesetzlicb zugesichert war. 



62 /. BuffiüUer, Weltgeschichte, an^;. v. A, W'oif. 

wo sie als vom Reiche verurtheilte Häresie betrachtet wurde, gegen die 
Anhänger derselben so wenig als irgend ein anderer katholischer Fursi 
Deutschlands anders verfahren konnte, als wie die bestehendeo Reichsge- 
sclse und Criminalrechte es vorschrieben. 

Oder was sollen Haus und Schule aus einem Buche lernen, das in 
einem Athem nur zu erzählen weifs, wie der eine unserer Forsten «die 
Abgeordneten verhaften'^, «Reiohsfursteo ungeachtei 
der Versicherung eines freien und ehrlichen Geleites io 
der Gefangenschaft zurückhalten*, der andere »in Neustadt 
Hinrichtungen vornehipen* und «die Anhänger der luthe- 
rischen Lehre den Flammen übergeben läfst*, ohne zar 
Erklärung und Molivierung einer solchen Handlungsweise ein Wort hinzu- 
lu fugen ? 

* Wird durch eine solche Behandlung der österreichischen Yaterlands- 
geschichte das erreicht, was Hr. Spitzer in dem Vorworte seines Buches 
als Zweck seiner Bemühung ausspricht: «der vaterländischen Jugend zu- 
nächst ein belehrendes Buch au die Hand zu geben , welches sie 
zur Nachahmung der ruhmwürdigen Handlungen ihrer 
Vorfahren aneifern und in deren Herzen Liebe zu Fürst 
und Vaterland erwecken soll* 

Möchte doch in Schriften für die Jugend nichts aufgenommen wer- 
den, was nicht auf der Goldwage der Wahrheit abgewogen und der streng- 
sten Prüfung unterzogen wurde! Der ersle Eindruck ist nicht selten für's 
ganze Leiten entscheidend. 

Wien. Albert Jäger. 

Die Weltgeschichte. Ein Lehrbuch für Miltelschulon von 
Johannes Buinüiler. 2. verm. u. vorb. Aufl. Freiburg im 
Breisgau, 1852 I. Bd. gr. 8 (613 S.) \% Rlhlr. = 2 fl, 
14 kr. CM.; 2. Bd. gr. 8. (XV u. 392 «.). I Rlhlr. = 
1 fl. 40 kr. CIU. 

Johannes Müller sagt irgendwo: «Alle Stände und Lehensarten der 
bürgerlichen Welt erscheinen auch in der gelehrten , so dafs Ackerleute 
die Materialien herausarbeiten, Künstler ohne Zusatz für die annehmlichste 
Form sorgen, Kaufleute in gelehrten Zeitungen die Waare zur Schau aos- 
legen und eine grofse Menge Kriegsleute auch hier mit verschiedener 
Macht, Talent und Glück mannigfache Fehden bestehen*. Muller hat da- 
bei die Gewerbsleute vergefsen, welche die liierarischen Rohstofie verarbei- 
ten und dem Publicum neue Industrieproducte vorsetzen. Die Alten haben 
nur als Urheber und Zeugen der Thaten oder nach Oberlieferungen ge- 
schrieben ; deswegen ist Leben , Wahrheit, Überzeugung in ihren Werken. 
Rs ist unserer schreiblustigen Zeit vorbehalten, die Industrie in die Ge- 
schichtswelt einzuführen. Die historischen Lehr- und Lesebücher wachsen 
über Nacht aus dem Boden Die Miethlingsliteratur, die mit Stegreif- 
glossen, Parteiansichten y Auszügen, Sammelsurien hausieren gebt, macht 



J. BumüUer, WeKgpschichte, aiig. r. i. HW/I 63 

sieh <H> breit, clafs manches Buch voll Wahrheit und Deiikkraft uicht Raum 
f^ewinnen kann. Capitalieii lafsen sich freilich nicht improvisieren, und 
Dicht jeder ist befähigt, ein historisches Kunstwerk zu schaffen, dem die 
Weihe eines umfafsenden Geistes innewohnt, ßei der imposanten Masse 
von Stoff, bei den Fortschritten der Quellen und Htlfswifsenscharten, welche 
taglich neuen Veränderungen unterworfen sind, bedarf es <*iner genauen 
l^wagung der Zeiten und Nationen, der Heranbi'dung allgemeiner Grund^ 
sitze, sicherer Regelung der Ideen, technischer Kenntnisse, durohgebildeter 
staatlicher und socialer Kenntnisse und vor allem jener belebenden Geisles- 
kraft, die nur das gute will und das gute schafft, um aus der geistigen 
WerfcMStle kerohafle Resultate frisch und fertig an den Tag zu fördern. 

Es ist erfreulich mit Bumullers Wellgeschichte ein Buch 
aoteigcn lu können, das die Geschichte der geistigen und sittlichen Bil- 
dang des Menschengeschlechtes mit * der Geschichte der Staaten in ihren 
wecliselseitigen Beziehungen auffafst, mit der Yollstfindigkeit der Daten 
eine angeoehme Darstellung verbindet und die eigentliche Weihe der Historie 
erthfst: die höchsten Interessen des Menschengeschlechtes, den Kampf des 
Guten gegen das Böse und das Walten des ewigen Geistes, «der über 
dem Toben der Völker lebt und Gerechtigkeit übt.' 

Die sehr kurze Einleitung spricht nur über Begriff und Aufgabe 
der Geschichte, ohne auf die Grundbedingungen wifsenschaft lieber Erkennt- 
nis and Gestaltung der Geschichte weiter einzugehen. Die Geschichte selbst 
wird nach Buchern und Gapiteln so beschrieben, dafs das wesentliche, 
worin Zeiten und die Bedingungen des staatlichen und Culturlebens sich 
gleich sind , in grofsen und kleinen Bildern eingerahmt und mit Schlag* 
Wörtern von^ Persönlichkeiten und Ereignissen benannt ist. Der Verf. 
verwirft die herkömmliche Abtheilung in alte, mittlere und neuere Ge- 
schichte. 0ns scheint dem praktischen Zwecke der Auffafsung und des 
Verstand nis^^es damit nicht gedient. Der materielle GesammtstolT der Ge- 
schichte gliedert sich in einer unendlichen Mannichfaltigkeit von Bestand- 
theilen verschieden äufseren Umfanges. Individuen, Genofsenschaflen, 
Stamme, Völker, Nationen > Staaten, Weltreiche, das Gebiet der geistigen 
Gröfsen und Staalsinstitute, Religion, Kirche, WifsenschaR, Kunst» Recht, 
Heerwesen, alle besonderen Arten des Seins und l«ebens, es fliefst alles 
ineinander, wie die Wellen des Meeres. Einzelne Überschriften sind nur 
wie Langen- und B*eitengrade; ohne Compass und Senkblei vermag man 
sich nicht zurecbt zu finden. Wie der Astronom die Sterne in Bildern, so 
fafst der Historiker die Ereignisse in Perioden zusammen. Die Erhebung 
der Geschichte yollendet sich erst durch Erfafsung der Ideen, von denen 
die iufseren Erscheinungen erfüllt sind; und in der Erhebung des einzel- 
nen %am allgemeinen, in dem Scheiden und Vermalen, in dem Hervor- 
beben allgemeiner Gesicbtspuncte zeigt sich die kiitii$che Prüfung und 
Läuterung des Stoffes. 

Die Geschichte des Altertums ist in 5 Büchern verzeichnet: 
1. die ältesten Völker bis zur Gründung der Ferser monarchie durch Gyrus. 



04 y. Butnülier^ Woltgeschtcble, ang. v. i. Wotf. 

%, Perser und Griechen, lüuropa's Sieg über Asien. 3. Die Römer. 4. Das 
Reich der Cäsaren. Verbreitung des Ch istentums. Wir wollen dem Verf. 
nicht in alle Gange der alten Geschichte nachfolgeti. Es ist dabei weni- 
ger Geschichte als die Beschreibung der Denkmaler uralter Gesittung und 
Staatsordnung. Die Wirsenschaft, jungst durch Dimker's Gesch. des Alter- 
tums gefördert, zaubert uns die frühesten Jahrhunderte in volle Leben- 
digkeit hervor. Wir sehen die uralte Verschiedenheil der politischen Zu- 
stande des Morgenlandes und Europa's, den raschen Wechsel der Reiche 
und Dynastien, die heidnischen Culte ohne religiöse Belebung und sitt- 
lichen Fortschritt, die Rraftanstrengung der lebendigen Völker der Griechen 
und Römer bis zum Endpuncte der geistigen Macht des Altertums durch 
den Sturz des Heidentums unter Theodosius dem Grofsen. Der Verf. ist 
bestrebt, das Lebendige der Eindrucke widerzugeben, wie sie die Archao- 
gie und der grofse Litcraturschatz über die reiche Welt der Griechen von 
Gillies bis Hermann und Müller bieten. Es sind der Staatenverkrhr , die 
Kriege, die Staats verfafsung der Griechen, das Abscheiden des heroischen 
Fürstentums mit dem nachfolgenden Kreislauf der ungestümen Bewegun* 
gen anschaulich geschildert. Das Cullurleben der Griechen ist nur skiz- 
ziert. Die Skizzen würden vollständiger sein, wenn der Geist der grie- 
chischen Kunst, ihre eigentümlichen poetischen Anschauungen, die Ideen 
der Baukunst, der Unterschied zwischen Dorismus und Jonismus, die Ge- 
werbsthätigkeit , der Grofshandel zur See und die daraus entspringende 
Ausstattung des äufseren Lebeos, die Cultur des macedonischen Zeilalters 
mit seiner Gelehrsamkeil und Nachahmungssucht , wenn diefs alles schär- 
fer, concreter bezeichnet wäre. Gleichmäfsiger bewegt sich die römische 
Geschichte von den älteren Staatsi^rundlagen zum Ausbau der römischen 
VerfaCsung und Umsturz des Gleichgewichtes der alten Well seit den pu- 
nischen Kriegen, so wie durch die Wandlungen römischer Literatur, Ge- 
schichts- und Rechtskunde. 

Das MittcUller ist in 3 Büchern aufgefafst: J. Das Christentum 
unter den heidnischen Germanen und Slaven. Der Islam erobert Asien 
und Africa und bedroht das christliche Europa. 2. Das heil. röm. Reich 
deutscher Nation. 3. Deutschland und Italien sinken; Frankreich, Spanien 
kommen empor^ Die Völkerwanderung als Gesammtausdruck der strö- 
menden Völkermassen im 3., 4. u. 5. Jahrb. n. Chr. ist nicht besonders 
hervorgehoben. Es schwebt dem Verf. in der Verjüngung der europäi- 
schen Menschheit durch frische Völker, in den modernen christlichen Staa* 
ten und dem Reiche in sseiner politischen Grofse und christlichen Weihe' 
jene grofse sittliche Wellordnung vor, welche das Christentum über den 
Trümmern der alten Well als die belebende, nährende Kraft erstehen läfst, 
und wie sie in der Gliederung der katholischen Kirche ihren Ausdruck 
fand. Es wird durch die Entwickelung des Organismus der mittelalter- 
lichen Elemente der Eindruck der historischen Anschauung in bedeutender 
Weise gehoben und gestärkt. Wir können nicht sagen, dafs der Verf. 
seinen Fleifs und seine Kenntnisse bei der Entfaltung dieser Stoffe voll- 



/ Butnäiler, Weltgexchichte. ang ▼. A, Wolf. M 

kommeD verwendet hat. Die Verbreitung des Cliristeiituiiis unter den 
Uermaoen, die Klösterorganisatioo , das Entstehen der Localkirchen , das 
atModlandische Kirchenwesen und die volle Glaubenslahigkeit in der Blute 
des Mittelalters sind scharf gezeichnet; aber es fehlen die tieferen Schil- 
derungen der Thätigkeit, die mit und neben dem religiösen Geiste der 
Zeit einhergiengen , wie die Besonderheit der Völker und Staaten , der 
Reiehtam an Gegensätzen zwischen Islam und Christentum, Heidentum und 
Häresie, Kirche und Laienslaat, die inneren Unterschiede der nationalen 
Poesieen, die scholastische Speculation, der Einflufs der saracenischen Cul- 
tur. Am wenigsten übersichtlich und bezeichnend ist der Verfall des 
Mittelalters 7. ß. 315 — 603 dargestellt. Der Verf. schildert mehr die 
Oberfläche und auch hier mehr die Breite und Länge der Bewegung als 
die KnotenpuDcte der Geschichte, Es ist wenig zu lesen über den Verfall 
der deutschen Verfafsung vor und nach dem Interregnum, über die poli- 
tisebeo Parteiungen zur Zeit der Concilien, über das Bürgertum in den 
nordischen Reichen, die Umgestaltung des östlichen Europas durch Siaveo 
und Osmanen , über die VerQechtung des Staatenverkehrs am Ende de^ 
15. Jahrh. über die religiöse Indifferenz, die Umgestaltung des wifsen- 
sebaftlichen Strebens u. s. w. Fleifsige Studien, kritische Läuterung man- 
cher verkommener Partien sind indess nicht zu verkennen. 

In der neuen Zeit ergeben sich nach dem vorherrschenden Cha- 
rakter der Ideen die drei Zeiialter des kirclieustreilii, der monarchischen 
Politik und der Revolution. Der Verf. schildert sie in drei Büchern. Er 
kennt die sogenannte Reformationszeit in Grund und Forlgang tind be- 
leuchtet sie im Widerschein der grofsen kirchlichen Ideen vergangener 
Jahrhunderte. Seine Daten stehen rund und ferfig da; sie ruhen auf dem 
Grund vielseitiger Forschungen. Es treten die Reformatoren auf von Lu- 
ther bis zu dem finsteren Demagogen Knoz, mit allen Gegensätzen ihrer 
Principien und dem Zerfall kirchlicher und weltlicher Ordnung; er schil- 
dert die Verdienste des Jesuilenordens um die kirchliche Beslauration und 
den Aufschwung des Katholicismus nach dem Trienter Concil. Bei der 
Charakterisierung des Zeitalters Ludwig XIV. und Friedrich II. entgeht ihm 
das positive in der Richtung der staatlichen Politik. Er sieht nur die 
Auswüchse derselben, die Angriffe auf die Rirchengewall, welche erschüt- 
tert und vom Staate absorbiert wurde, nicht zugleich die innere Thätigkeit 
der monarchischen Verwaltung und die grofsen Fortschritte in allen Wech- 
selbeziehungen des Lebens. Es ist gewiss keinem Zweifel unterworfen, 
dafo die Resultate der Verwaltung des grofsen Kurfürsten Friedrich Wil- 
helm «ich wolthätig über sein Volk ergofsen haben. Manche Charaktere 
erneheinen auf den Blättern der Geschichte des Verf. in gefärbtem Lichte, 
und manches Urtheil entbehrt factisch jeder historischen Begründung. 
Wenn der Verf. S. 131 sagt, dafs das deutsche Volk nach dem dreifsig- 
jälirigen Kriege zum elendesten in ganz Europa geworden und sich «durch 
Niederträchtigkeit' auszeichnete , so können wir nur beilnnern , dafs die 
Si**ge der Deutschen bei Fehrbellin. .im Rhein, an der honnu, die fromme 

ZcilMkr. rar di« 5tt«rr. OyinaMBi«» 1854- I. Hft. 5 



66 </• ßumüiier, Weltgeschichir, mig. v. A. Woif. 

burgürlidie Sitle, die Gelehrsamkeit au den (Jniversilätpn, die Regsamkeit 
malerlellcr lnleresseo den Verf. nichl zu einer erhabenei-en Denkungsarl be- 
wegten. Wenn er sagt, dafs Fürst Lobkowitx unter Leopold I. von Frank-* 
reich «erkauft» war, oder dafs die Königin Marie Antoinetle beim Beginn 
der Revt)lu!iou «den Ernst der Lage* nicht erkann», so können wir dabei 
auf die Mgociatiotu von Mignet , auf die Correspondens Mirabeau's mit 
dem Herzog von Ahremberg und so viele andere Bücher verweisen , wor- 
aus ganz andere D-iten fliefsen. 

Wir sind es gewöhnt , dafs die grofsen Zuge der Politik und die 
Anschauung europäischer Bewegung in allgemeinen Geschicbtsbucbem gar 
nicht oder verkümmert aufgefafst werden; aber wenn die alten Sünden d«r 
Geschichte immer und immer widerholt werden, so beifst das den Spruoh 
Napoleons, dafs die Geschichte eine ftthle cottvenue sei, zur Devise neh- 
men. Eine solche Sünde liegt in den Worten des Verf., dafs die Theilung 
Polens von Joseph II. ausgegangen. Es ist jedem, der die neueren Werke 
ül)er jene Zeit, wenn auch nur Raumer's Beitrage kennt, bekannt, dafs 
Österreich anfangs für die Integrität Allpolens einstand, dafs die Besetzung 
der Zips keine völkerrechtswidrige Occupation war, und dafs in Neifee 
und [Seu8ladt zwischen Friedrich IL und Joseph IL ganz andere Dinge 
zur Sprache gekommen sind , als man gewöhnlich annimmt. Bei den Ca- 
bineten von Berlin und Petersburg war die Theilung Polens längst vorher- 
gesehen und darüber beschlofsen , ehe man sich verständigt hätte. Und 
als das Einverständnis erfolgte, gedachte Friedrich IL Österreich zur ini- 
tiative zu bringen und es erklärten die beiden Höfe, dafs jene Theilung 
stattfinden würde, auch wenn der Wiener Hof nicht die Hand dazu bieten 
wolle. Österreich blieb nur die Wahl, mit Rufsland und Preufsen Krieg 
zu führen, seine Lebenskräfte für eine Nation einzusetzen, die sieb selbst 
verl.'ifsen, für einen Staat, der seine Interessen vergefseu, seine Freiheit 
längst verloren — oder durch warten und zuschauen seinen politischen 
Einflufs im Norden gänzlich blofszustellen. Als die Cessions vertrage am 
26. September 1772 kundgemacht wurden, war die Theilung Polens eine 
vollendete Thatsache und keine Macht der Erde konnte diesen Staat mit 
seinen vorrotteten Formen wider berslellen. Nachdem der Radicalismus 
sich neben den das innere Staatstebeu zerstörenden Elementen der grufsen 
internationalen Fragen bemächtigte und den Namen Polen mit den de- 
structiven Tendenzen der Revolution in Verbindung brachte, können die 
Resultate der Jahre 1772, 1795 nur nach der sorgfältigsten Prüfung und 
der umfafsendsten Kenntnis aller Gründe und Ereignisse erzählt werden. 
Schilderungen eines Ludwig XV. „als des verdoi bensten Merovingers* 
oder Friedrich Wilhelms U. von Preufcen (S. 240) scheinen wenig geeignet. 
Verstand und Herz der Jugend anzuregen. Der wahre Zweck der 6e<chiehte 
ist die Bildung des Menschen zum praktischen Leben; sie soll ihn weg- 
ziehen von den gigantischen Lnfl^chlöfsern seiner Phantasie, und ihn mit 
Ehrfurcht erfulleu vor den Institutionen der Vergangenheit. Dafür erscheint 
uns die Wanderung duicb die Hallen der Wifsenschafi und Kunst, die Ge- 



p. Sgilmp u. üerghttUM, karte vou l>eu(<«€hlaiid, aiig. v. i. Steinhatuer, <i7 

sUilung des geistig siltlicbeo Völkerlebens , die materiellen liiteresseu, das 
Stialswesen in seinem Kerne und seiner Weibe viel praktischer als die 
Entholking politischer Wirren oder der schmutzigen Geschichtsblätter. 
Daher erscheint uns denn die Darstellung des Revolutiouszeilallers , so 
lebendig auch die Sehilderungen sind, zu weil, und der Schiufs, worin der 
Verf. den Omschwung im socialen I^ben andeutet, viel zu kurz. Welche 
Zeugnisse über den Fortschritt des Menschengeschlechts haben die Princi- 
piea der Revolution oder die napoleonische Weltherrschaft zuruckgelafsen ? 
Enrofia bat seine Freiheit erkämpf! , seine staatliche Ordnung besieht vi^ie 
(ruber. Aber wir sehen ein geläutertes Staatswebeu sich erbeben , die 
mterielleu Interessen mit der mäcbligsten Intension der Kraft in Thatig- 
keity Verbefserung des öffentlichen Unterrichts, gesteigerte Leistungen in 
Ufenfur und Kunst, und über alles dieses ein reKgiös ättliches Leben 
durch l^eiden verjungt und gekräftigt, und so mitten in den Kämpfen po- 
litisefaer Principien das Fortschreilen der Humanität. 

Und so faCsen wir unser Drtheil über Bumuller's Buch dahin zusam- 
men , dafs es viel vortreffliches vortrefflich sagt , dafs die DarsluUung an- 
genehm einfach, ohne rhetorischen Aufputz fortschreitet. £s wird für alle, 
welche aus der Brfahrung vergangener Jahrhunderte angenehmen Geuufs, 
Erbebong des Herzens und Stoff zu neuen Betrachtungen schöpfen wollen, 
eine interessante Leetüre sein. Für ein Schulbuch fehlt ihm der prägnante 
formelle Charakter. 

Pesth. AdamWolf. 



DeolHchland im Harnstabe von 1 : V/^ Mill. , entworfen von 
E V. Sydow und beark>eitet von Herrn. Berf^haus. Lithographie 
und Farbendruck des königl. lith. Inst, in Berlin. Gotha, Justus 
Perthes. Gr Fol. — 1 Rlhlr. = 1 fl. 40 kr. CM. 

Diese fleifsig gearbeitete und schöne Kart« umfafst zugleich die west- 
liebe Hälfte der österreichischen Monarchie und hat daher für die Alpen- 
und Sodetenläoder eine besondere Wichtigkeit. Sie unterscheidet sich von 
den bisherigen physisch- geographischen Karten von Deutschland vor 
tbeilbaft durch gutes Verhältnis im allgemeinen, durch besonders sorgfäl- 
tige Ausführung des Tieflandes, und durch eine grofsentheils zu billigende 
Benennung jener Bergpartien und Flachgegenden, die keine ursprünglichen 
Namen im Volke haben. Die Bergzeichnuug ist mit brauner Farbe ge- 
druckt and in den Alpen durch eine unvollkommene Schieb tenschrafflernng 
verstärkt, deren Bedeutung bei dem Mangel einer Zeichenerklärung nicht 
bestimmt angegeben werden kann. Eben so wenig deutlich in Bezug auf 
den damit verbundenen Zweck erscheint die netzartige Bearbeitung der 
boebelen Rücken, da sie weder in Hesug auf Höhe, noch auf Gletscher 
einem Gesetze unterliegt. Die H&uptübergänge über die Alpen sind im 
ganten deutlich eingeschnitten, nur hie und da ist der Rücken viel zu 
schneidig gehalten. Diefs ist am auffallendsten der Fall bei den Sätteln 

5 ♦ 



08 r. Spdow H. BerghauSy Karle von Deulsrhland, ang. v .4 Steinhäuser. 

iiid Gurk und Lavantlhal (Pack- und bei Obedach), von welchen der leU 
tere zu den sanftesten Übergängen gehört, die im Alpengebirge vorkom- 
men. Der Rücken des Prebühls bei Eisenärz ist zu tief nach Süden ge- 
zogen, der Pass Lueg zu weit nach Norden, der Pass über den LukniADier 
wurde nicht angegeben, die Einsattelung au Gcmmipasse ist übersehen 
worden. Ähnliche Gehrechen entdeckt man auch in den Sudelen. Wenn 
man jedoch gegen solche kleine Mängel die Masse der richtigen, ja vor- 
züglichen Details hält, so bemerkt man mit Befriedigung eine lobenswerlbe 
Sorgfalt für wahre Darsleilung des Terrains. Was die neuen oder vor 
kurzem neu geüchaffenen Sammelnamen anbelangt, so möchte ich mir fol- 
gende Bemerkungen erlauben. Im Alpengebirge finden sich die historischeo 
Namen nur mehr in den karni sehen und julischen Alpen. Waram 
wurden sie bei den Ostgruppen beibehalien , da sie doch (und mit gutem 
Grunde) dort verlafscn wurden, wo sie bestimmtere Grenzen haben, in den 
Westalpcn? Mit dieser Besrhränkun^ auf die Canin- und Terglougnippe 
fällt auch der historische Anhalt9punct, der mehr dem Rarste gilt, einer 
Bergregion, die ein völlig neues Gebiet beginnt und von den Alpen mit 
Recht in neuester Zeit abgetrennt wird. Radstädter Tauem und Rollen- 
manner Tauern werden als Retten namen gebraucht, obwol sie nur 
Übergangsstellen bezeichnen Besser wäre die neuerer Zeit aufgetauchte 
Scheidung in Hochtauern (vom Brenner bis zum Arlthale) und in 
niedrige Tauern (vom Arlthale bis zum Liesinglhale). Die Gruppe 
der Santitaier Alpen (ich wähle diesen Namen, weil das obere Santhal 
der Millelpunct der Gruppe ist) heifst auf der Karle Kolschnagebirg, 
ein völlig unbekannter Name ! Weiter oben liest man Schwabalpen, 
vielleicht Schwanthaler Alpen? Eine Scheidung des Rarstes in HochkarsI 
und niedern Karst ist nicht vorsucht worden. In den Gipfelbenennungen 
finden sich viele, die man mit andern vertauscht wünschen möchte, z. B. 
in den österreichischen Alpen Thorstein statt Dachstein, Prinzberg statt 
Pyrgas, Alpkogel statt (südlicher) Hochsengsen. Wodurch hat es der Ri- 
vale des Grofsglockners , der Venediger, verschuldet, klein geschrieheu zu 
werden? — Überschreiten wir die Donau. An den Mannhartsberg reiht 
sich ein Wildgebirge, offenbar geschaffen aus dem Namen einer westlich 
gelegenen waldigen Partie der Hochfläche, «In der Wild" genannt. Der 
Greinerwald hat beinahe schon das Bürgerrecht auf Karten , obschon ihn 
die Anwohner nicht kennen, und der Weinsbergerwald, dessen Name uralt, 
hat es nicht! Dort findet man einen Steinberg, dagegen hätte derOstrong, 
als boileulsamerer Gipfel, deu Vorzug verdient. Es Ihut wol, auf der Karte 
weder das mährische Gebirge noch den böhmischen Refsel zu er- 
blicken, zwei Irrtümer, die noch immer die Runde machen, so entschieden 
und oft die Rritik auch dage^cen sprach. Im Böhmerwalde sucht man ver- 
geblich den Heidelberg, der zur Trias der höchsten Erhebungen gehört 
Hie und da sind die benannleu Gipfel nicht hervorgehoben (z. B. Mille- 
tcliauer im Mittelgebirge) und der unkundige weifs die richtige Zutheilung 



Sieim u Hörtckelmmm, Handb. d. Geogr u. Stat., ang. v. .4. Sfef'nAfiUser. 69 

nicht SU machen, oder die Namen stehen tu weit von den Gipfeln weg 
(I. B. beim Altvater in Schlesien). 

Im ganzen ist die Fehlerausbeute in diesem Gebiete gering und 
that der Brauchbarkeit der Karte wenig Eintrag. Noch vortheilhafler er- 
probeo sich die guten Eigenschaflen der Karte bei Betrachtung der Tier- 
linder. Hier sind mittels einer einfachen klaren Anordnung von breiten 
und schmalen grünen Strichen drei Stufen sichtbar, muthmafslich bis 
200, 400« 600 Fufs Seehöhe. Die sorgfältige Berücksichtigung aller Hohen- 
knoten hat eine Abwechselung in den Stufen hervorgebracht , die bisher 
auf keiner Karte so genau und deutlich hervortrat. Dieser einzige Umstand 
gewährt ihr schon einen nicht unwesentlichen Vorzug vor vielen physisch- 
geographischen Karlen von Mitteleuropa. In manchem Flachlande, z. B. Dn- 
gam, mag eine künftige genauere Höhenmefsung einige Aenderungen ver- 
aolafoen; genug, dafs einstweilen so vorgesorgt ist. Zwei Durchschnitte 
und eine Tabelle der abgekürzten Bergnamen füllen die Seitenränder; wä- 
reo diese Baume noch zur Karte gezogen worden, es hätte auch das Kar- 
patbensystem noch Platz gefunden und die Karle würde dadurch für 
österreichische Verhältnisse einen noch höheren Werth erhalten haben. 
Obwol physische Karte ihrer Haupttendenz nach, enthält sie dennoch in 
politischer Hinsicht Grenzen in sorgfältiger Ausführung, und mit sehr we- 
nigen Aasnahmen (z. B. Grenze der Woywodina bei lllok über die Fruska 
gora) auch fehlerfrei. Or^e sind absichtlich in geringer Zahl angegeben, 
wobei blofs bei Pafsau ein Versehen zu bemerken, das zu Missdeutungen 
Anlafs geben kann. 

Ich schliefse diese Bemerkungen mit dem Wunsche, dafs sich die 
Erscheinungen von Karten widerholen mögen, welchen man im ganzen so 
viel gutes nachsagen kann, wie der vorliegenden. 

Wien. AntonStein hauser. 



Handbuch der Geographie und Statistik für die ge- 
bildeten Stände begründet durch Dr. C G. Stein und Dr. Fcrd. 
Hörschelmaiin, neubearbeitel von Dr. J. E. Wappäus, a. o. 
Prof. d. Univ. Göllingen. 7. Aufl. 1 Band, 1—5 Liefer II Hand. 
i Liefer. gr. 8. Bis jetzt 70 Bogen. Lex. 8. Leipzig, Hinrichs, 
1863. — 4V, Bthlr. = 7 fl. 47 kr. CM. 

Die neue Bearbeitung der Geographie von Dr. Stein umfafst, so 
weit sie erschienen ist, die allgemeine Geographie (14 Bogen), die gröfsere 
Hälfte von Nordamerica (33 Bogen) und Africa (23 Bogen). Die Be- 
sehreibung von Afrioa hat Hr. Dr. J. E. G u m p r e c h t geliefert , der als 
j^cretär der geographischen Gesellschaft zu Berlin vorzugsweise in der Lage 
war, ein vortreffliches und reichhaltiges Materiale benützen zu können. 

Das Werk ist für die gebildeten Stände bestimmt , hält daher die 
Mille zwischen strengen Lehrbüchern und den wifsenscbaftlichen Sammel- 
werken von grofsem Umfange. Ohne den Gegenstand zu erschöpfen, ent- 
halt es eine hinlängliche Menge aller wifsenswerthen Erscheinungen und 



70 Stein a. Hörtchelinatm^ Uaiidb. d.Geogr. u SUt, ang v. A. SleinAauser. 

Verhältoisse und ist daher eine sehr reichhaltige Fundgrube der geogia- 
phiscben Daten für die Lehrer dieses Faches. Besitzt auch hie und da 
die Bibliothek eines Gymnasiums oder einer BeaJschule die grofse Geo- 
graphie von Roon, die Lander- und Völkerliunde von Berghaus, dessen 
mittlere Geographie und dergleichen schätzenswert he Arbeiten mehr, so 
bleibt es darum doch ebenso sehr Bedürfnis und Pflicht, neu erscheinende 
werlhvolle Werke schon deshalb zu berücksichtigen, weil die Wifsenschaft 
nicht stehen bleibt, weil insbesondere die Geographie der aufsert^uropiü- 
sehen Länder durch fortschreitende Entdeckungen bereichert wird, und 
auch die politische Gestallung besonders der kleinen Despolenreiche Asiens 
und Africa's stets werhseliide Phasen liefert. So wenig ein Atlas für eine 
ferne Zukunft ausreichen kann, und vielmehr mit einem neuesten verlauscht 
werden mufs, eben so nothwendig ist eine fortwährende Erneuerung geo- 
graphisclier Hilfsbächer, um stets auf der Höhe der Wilsenschaft zu bleiben. 
Die Hiiirichs*sche Verlagshandlung bat das Verdienst, durch die Gewinnung 
ausgezeichneter Kräfte der Stein'schen Geographie eine Erneuerung anzu- 
bahnen, welche nicht bloIJs eine Verbefserung veralteter Daten ist, ein AO' 
fügen von nöthigen Zusätzen , sondern eine Umarbeitung im Geiste 
der gegenwärtigen Anschauung und Ausbildung. Wir treffen einerseits 
genügende Übersichten, eine erklärende Rundschau über das ganze, an- 
derseits finden wir bei jedem einzelnen Lande alle Beziehungen, phy- 
sische und politische, abermal, nur weitläufiger geschildert, so dafs für 
eine t>estimmte Region das zusammengehörige nahe genug beisammen 
liegt. Die allgemeine Geographie ist in die astronomische, physisclie 
und politische abgetheilt, und in der üblichen Ordnung abgehandelt, 
Sie erscheint mehr als hinlänglich gründlich für den Zweck des Buches, 
wenn auch wenigerreich und vergleichend, als die Länderkunde von 
Berghaus, wo derselbe Stoff auf drei Bände angewachsen ist. Wo geord- 
neter Staatshaushalt sich findet, da wird natürlich von labellarischen Zu- 
sammenstellungen vielfacher Gebrauch gemacht, z. B. bei den vereinigten 
Staaten von Nordamerioa. Im allgemeinen ist der Stoff in folgende Ab- 
schnitte gegliedert : 1. Übersicht der Literatur (Bücher und Karten). 
2. Lage, Grenzen, Grofse. 3. Oberfläche. 4. Geognostische Verhältnisse. 
6 Gewäfser. 6. Klima. 7. Naturproducte. 8. Bevölkerung. 9. Verfas- 
sung, Religion, geistige Bildung. tO. Ackerbau, Gewerbe und Handel. 
11. Politische Eintheilung, Topographie. Diese Vertheilung erleidet hie 
und da Abweichungen, da unsere Kenntnisse der Landes Verhältnisse in 
manchen Beziehungen oft sehr gering sind und Zusammenziehungen gestat- 
ten. Die vorangestellte Literatur ist dem Forscher gewiss eine willkom- 
mene Zugabe und enthält so ziemlich das bemerken swertheste. Es befrem- 
det zwar, manches nicht erwähnt zu sehen z. B. unter den allgemeinen 
Kartensammlungen den Atlas von Ztegler, der in Berlin verlegt wird, unter 
den speciellen Sammlungen Oetzel und Riller's Atlas von Afrika, ein eben- 
falls in Berlin erschienes Werk, u. s. w. ) auch wäre wolgethan gewesen, 
bei Karlenwerken grörNPicn ümfaugeii nicht blor> den Titel einmal xu er- 



B. Zamöra, Prtnciuß fieUa fisica ecc, ang. v. hreit. 71 

wihneti, soadern jeno Karten einzelner Länder, welche gute und zugleich 
loiehi zugängliche Arbeiten sind, bei dienen Ländern widerholt zu flnden. 
Dieb int s. B. der Fall mit manchen Karten aus dem von der Gesellschaft 
lar Verbreitung nützlicher Kenntnisse in London herausgegebenen Atlas, 
«ktseo vorzugliche Eignung für DetaiUtudien in Suiten von Karten in 
gleichen Mafsstäben besteht. Nicht leicht wird man Tür Tripoli, Barka 
«od andere Länder , die in Atlanten sehr selten einer ausrühriicheren Dar- 
stelluDg gewürdigt werden , befsere und zugleich woirci/ere Materialien 
sieh verschaffen können, als die betreffenden Karten in dem genannten At- 
las sie bieten. Die Zeile, die ihre Anführung gekostet hätte, wäre keine 
iHinatie Raomverschwendung gewesen. Derselbe Fall tritt ein bei den 
Karten Ägyptens in den Heften des Oetxel und Rittcr'schen Atlas. Eben 
so wird Prokesch vermisst bei Nubien, obwol seine Karte des oberu Nil- 
Uufe« in Nubien auf Originalaufnahmen beruht. Desungeachtet mufs die 
AnfTihrunx der Literatur von jenen mit Dank aufgenommen werden , wel- 
eiieQ keine Wege zu Gebote sieben, zu den Namen der Quellen werke zu 
gelangen, oder gar diese geordnet anzutreffen. Die meisten Leser wer- 
den jedoch mit der umsichtigen Bearbeitung sich begnügen, und mit der 
Versicherung der Kritiker, dafs ihren Bedürfnissen im allgemeinen mehr 
als genügende Rechnung getragen worden, und dafs diese Bearbeitungen 
Dicht werth- und geistlose Compilationen sind, sondern gewifsenhaft ge- 
sichtete und geordnete Zusammenstellungen, und so weit es die wifsen- 
scbaflliche Form zuläfst, auch wesentlich erdbescbreibende Schilde- 
rungen. — Zum Sciilufse möge mir vergönnt sein, den Wunsch auszuspre- 
chen, daCs dieses brauchbare Handbuch ohne Hindernisse durch den Wech- 
sel der Mitarbeiter baldigst seinem Ende möge zugeführt werden können» 
und dafs auch in der Zukunft der Slein'sche Atlas sich zu einem eben- 
bürtigen Begleiter des Handbuches verjüngen möge. 

Wien. A nton Steinhauser. 



/. J principf e gli elementi della fisica , e$po»ti da Bern, 

Zambra^ prof. di fitt. nelV f. Ä liceo di Venezia, Mi^ 

iano, D. Fr Vellardi, i86i. 240 S. 8. 
2, Introdu%ione allo »tudio della fisica. Discorso del D, Bern, 

Zambra ^ prof. ecc. Udine, On. Tucchetio , 1846, 

107 S, 8 

1. Die ^PrincipJ e gli Elementi della Fieica^ von 
Zambra» von welchen bis jetzt der Anfang erschienen ist, scheinen ein 
gutes und nützliches Buch werden zu wollen. Es ist ein Elementarwerk 
und für den Unterricht in den Gymnasien, also für den gegenwärtigen 
Wirkungskreis des Hrn. Verfafsers, berechnet, und zeichnet sich als solches 
durch eine Irlare und scharfe Darstellung und durch Reichhaltigkeit des 
Stoffes auiF, woauvch eine erschöpfende Kenntnis der in italienischer und 
(rauzosischer Sprache erschienenen Literatur bekundet wird, welche frei- 



7« Ft\ To/ptli, Klewenti dl Algebra, aiig. v. A, Gernertk. 

lieh durch fleirsigeres Studium der deutschen nur noch gewinnen könnte. 
Die präcise Schreibari und einige in Noten vorkommende Stellen sind An- 
zeichen, dars der Hr. Verf. einer tieferen mathematischen Bildung nicht 
entbehrt, es wird sich eben in diesem Werke bei der gewählten Behand- 
Inngsweise wenig Gelegenheit darbieten, dieselbe an's Licht treten su 
lafsen; um so mehr wäre su wünschen, dafs diefs bei anderer Gelegen^ 
heit geschehe. Die bis jetzt erschienenen Abschnitte des ersten Theiles 
enthalten aufser der Kinleitung und den allgemeinen Eigenschanen der 
Körper die Lehre von der Schwerkraft, von einigen Wirkungen der Molo- 
cularkräfte und von der Wärme, in welchen Abschnitten auch die ver- 
wandten Erscheinungen abgehandelt werden, die in anderen Lehrbüchern 
eigene Gapilel bilden, z. B. bei der Schwerkraft findet man den Luftdruck, 
bei der Wärme die von der atmosphärischen Verdunstung herrührenden 
Erscheinungen, so wie die zu deren Beobachtung erforderlichen Instru* 
mente eingeschaltet. 

2. Eben so zeigt die ^^Introduzione allo studio deiia 
Flsica* j dafs der Verfafser nicht nur seinen Gegenstand vollkommen be- 
herrscht , sondern auch die ihm eigenen , fast durchweg richtigen Ansich- 
ten über den Gang, den die wahre Forschung einzuhalten hat, wenn sie 
zu verläfslichen Ergebnissen gelangen will, mit solcher Klarheit und durch 
passt^nde Beispiele erläutert milzutheilen versteht , dafs sehr zu wünschen 
ist , es mögen diese Ansichten allgemeinen Eingang finden , um manchen 
Jünger der Wifsenschaft vor Irrwegen zu bewahren, auf denen er oft Zeit 
und Kraft fruchtlos versplittert. 

Wien. Dr. K. K r e i I. 



Elenienti di Algebra ad vso dei Ginnasi svperiori. Del Dol" 
tor Francesco Toffoli^ i863^ neW J, R, Ammini- 
strazione per la vendita de fibri scolastici in Vienna. 
428 S 8. — Fase. i. 27 kr CM. Fase. 2. 20 kr. CM. 

Das vorliegende Werk ist in drei Abschnitte getheilt, welche für den 
Gebrauch der drei Classen des Obergymnasiums, in denen der mathema- 
tische Dnlerricht ertheilt wird, dienen In der Einleitung bemerkt der 
Hr. Vf., d.ifs er sich bezüglich der Anordnung des Lehrstoffes an die im 
Organisationseutwurfe der k. k. Gymnasien und Realschulen vorgezeichne- 
ten Normen und an die vom hohen k. k. iMinisterium erlafsenen Verord- 
nungen gehalten habe. Besondere Eigenlnmlichkeiten und Abweichungen 
von anderen algebraischen Lehrbüchern haben wir in dem vorliegenden 
Werke nicht gefunden; es ist aber mit Klarheit und Deutlichkeit abge- 
fafst, und entspricht somit in dieser Beziehung sehr wot den allg^oieinen 
Anforderungen, die man au jedes mathematische Werk zu mdchen berech- 
tigt ist. Aufser diesen allgemeinen Anforderungen *M'»d aber bei jedem 
Werke dieser Art noch besondere Anforderungen zu berücksichtigen, welche 



Ff. T^Hbli, EtetneM di Aigeära, aug. v. A. Gemerth. 73 

n«eh der Venebiedenbeit der angestrebten Zweck« verschieden »ind. Der 
Zweck des vorliegenden Buchen ist der, dem algebraischen unterrichte am 
ObergjriDBasiam als Grundlage zu dienen. Die daraus sich ergebende An- 
forderung besieht darin, dafs es der selbständigen Thatigkeit und dem 
eigeaen Nachdenken des Schulers einen gewissen Spielraum gönne. Die- 
ter Anforderung scheint aber das Torliegende Werk nicht vollständig zu 
Mitsprechen. Es behandelt die algebraischen Lehren und ihre Anwendun- 
gen mit einer solchen Ausführlichkeit, dafs durch das Lehrbuch bereits 
altoi vorgethan ist, und dem Schuler nichts zu leisten übrig bleibt. So 
tehaUenswerth eine solche Behandlungsweise bei Werken ist, welche auf 
das Selbstudium jener berechnet sind, die sich mit dem Gegenstände 
bekannt maeheD wollen, dabei aber auf den Unterricht eines Lehrers Ver- 
sieht leisten mufsen, so scheint sie doch in Bezug auf ein Schulbuch, 
welehen nnter der Anleitung eines Lehrers dem Unterrichte als Grundlage 
dient, mehrfache Obelstande mit sich zu fuhren. Hierher gehört zunächst, 
dab bei dem Unterrichte nach einem solchen Lehrbuche die geistige Tha- 
tigkeit der Schuler nur nach ihrer receptiven Seile hin in Anspruch ge- 
nommen wirdy wfihrend es die Aufgabe der Schule ist, die geistige Tha- 
tigkeit der Jugend sowol nach ihrer receptiven als nach ihrer productiven 
Seite hin gleichmafsig und so weit es die Fafisungskraft derselben zuläfst 
zu oben. Femer durfte sich der schwächere Schuler, wenn er ein solches 
Lehrbuch in den Händen hat, nur zu bald mit dem «Auswendiglernen* des- 
seltnen begnügen, was bekanntlich das gröfste Obel bei dem Unterrichte in 
der Mathematik ist. Derjenige, der nicht Liebe zur Mathematik hat, und 
es durften nur höchst selten Glassen vorkommen, wo dieses nicht bei eini- 
gen der Fall wäre, dürfte es bald für überflüfsig halten , dem mathemati- 
schen Unterrichte in der Schule die nöthige Aufmerksamkeit zu schenken, 
«weil ja ohnehin alles im Buche steht.* Und auch dem fähigeren Schüler 
dürfte t>ei dem Unterrichte nach einem solchen Lebrbuche der Gegen- 
stand in kurzer Zeit langweilig erscheinen, eben weil sein selbstthätiges 
Mitarbeiten nicht in Anspruch genommen wird. Man möge uns nicht rois- 
verstehen, und glaul>en, dafs wir ein Buch, in welchem die Lehrsätze und 
Aufgaben zur Ol)ersicht an einander gereiht, und eben nur so viele Andeu* 
tungen für die Beweisführung oder für die Auflösung gegeben sind, um 
die Wahrheit des alten Spruches : Brevis e$9e iabaro , abscuruM flo , er- 
kennen zu lafsen, für das Ideal eines Schulbuches halten. Ein solches 
Schulbuch wäre das andere Extrem, und die Wahrheit liegt, wie so oft, 
auch hier in der Mitte. Der Hr. Vf. des vorliegenden Werkes geht sogar 
so weit, dafs er beinahe alle Beispiele und Aufgaben, die in seinem Buche 
vorkommen, mit allen Zwischenrechnungen und Zwischenreductionen durch- 
fuhrt Wie sehr durch dieses Verfahren der Raum verschwendet wurde, 
möge in einigen Fällen nachgewiesen werden. S. 36 — 37 für 3 Additions- 
beispiele mehr als I Seite ; S. 39 ~ 40 für 3 Subtractionsbeispiele fast 
1 Seite; S. 44 — 47 für 8 Mulliplicationsbeispiele 2'/, Seite; S. 55 — 59 
für 6 Divifioiisbeispiele 2*/, Seite; S. 74 — 75 für 4 Beispiele über die 



74 ft. TaffMi, Eietnenii di Algebra^ aiig. v. i. Gemertk. 

Auflösung in Factoren 2 Seiten; S. 85 — 88 für 10 Beispiele über die 
Bruche 3 Seiten ; S. 138 — 143 für 8 Beispiele über die Quadrat - und 
GubikwurEelaussiehuiig 4 Seilen; S. 161 — 174 für 16 Beispiele, die Ad* 
Wendung der Logarithmen betreffend, 10 Vt Seite u. s. w. Hätte sich der 
Hr. Vf. damit begnügt, nur in den für Anfänger schwierigeren Fällen eio 
ausgerechnetes Beispiel zu geben, um cu zeigen, wie die Rechnung am 
passendsten gestellt werden soll, so hätte der hierdurch ersparte Baum 
mit vielen hunderten von unaufgelösten Beispielen und Aufgaben, i\ie im 
vorliegenden Werke nur sehr spärlich anzutreßen sind, ausgefüllt werden 
können, und dieses würde dem Zwecke, den das Buch anstrebt, gewiss io 
hohem Grade förderlich gewesen sein. Dieses sind im allgemeinen die 
Andeutungen, welche der Hr. Vf. bei einer zweiten Auflage dieses Werkes 
berücksichtigen sollte, um, wie es uns scheint, die Brauchbarkeit seines 
Bofhes als Schulbuch zu erhöhen. Dafs das Buch auch in seiner jelzigeo 
Gestalt Nutzen bringen wird, davon sind wir überzeugt, weil es wegen 
der Leichtigkeit, die es für das Selbstudium gewährt, ohne Zweifel von 
vielen, die das Bedürfnis haben, sich mit den Letiren der Algebra bekaimi 
zu macheu, ohne den Onterrieht eines Lehrers geniefsen zu können, mit 
Erfolg gebraucht werden, und auf diese Art zur Verbreitung nützlicher 
Kenntnisse in weiteren Kreisen beitragen wird. 

Es sei erlaubt noch einige besondere Bemerkungen über das vorlie- 
gende Werk beizufügen. Die 8. 24 aufgestellte «allgi'meine* Definition des 
Potenzierens : Formate la poten%a p, e. m*"" deiia guanütä m vuai 
füre formare delia grande%%a n un nutnero operando su m e nella 
steua gutta coUa operazione affine, che ha tervito per dedurre tm 
dadla unitä, die sich auch in manchen deutschen Lehrbüchern findet, 
hätte nach des Ref* Ansicht gänzlich wegbleiben sollen, da es mit der 
angeblichen Allgemeinheit dieser Definition eben nicht weit her ist. Aller- 
dings kann man bei dem Begriffe des Potenzierens, wie er ursprünglich 
aufgestellt wird, nämlich: Potenzieren heilst, eine Zahl so vielmal als 
Factor setzen, als eine andere Zahl Einheiten enthält, nicht lauge stehen 
bleiben, sondern dieser Begriff' mufs bald denjenigen Erweiterungen ent- 
sprechend erweitert werden, welche das Zahlengebiet in der Subtraction 
und Division durch das Hinzutreten der negativen und der gebrochenen 
Zahlen erhält; d. h. man ist geuöthigt, den Begriff des Potenzierens für 
negative und gebrochene Exponenten festzustellen. Dieses kann aber nur 
durch die Definitionsgleichungen 

I n n 

a - •" =s — und a- = , •—• 



geschehen. Mit einer allgemeinen, alle speciellen Formen umfafsenden und 
keine spätere von der früheren abhängig machenden Erklärung des Poten- 
zierens, würde, wenn sie sich auch leicht geben liefse, im wesentliche 
nichts gewonnen sein, da der Anfänger, wenn man eine solche allgemeine 
Erklärung an die Spitze stellen würde, eben so wenig mit Klarheit wifsen 



ff. ToffbU, Eleinenii di Algebra, aug. v. A, Gemerth. 75 

wurde, was PoteoziereD ist, als er sich eineo klaren Begriff von dem, wat 
die Mathematik ist, machen kann, wenn er in irgend einem mathemati- 
schen Lehrbuche auf der ersten Seite die Definition der Mathematik 
gelesen haU Die obige Definition des Potenzierens ist aber nicht ein- 

mal allgemein; denn sie schliefst Potenzen von der Form a a 

a. s. w. geradezu aus. — Die auf S. 128 — 129 gegebene Entwicke- 
lung des binomischen Lehrsatzes ermangelt eines Beweises, da aus 
einer anvollständigen Analogie auf die allgemeine Giltigkeit des in 
Rede steheadea SaUes gescbloCsen wird. — In der Lehre von den Loga- 
rithmen vermissen wir eine elementare Methode für die Berechnung des 
Brigg'schen Logarithmus einer vorgelegten beliebigen Zahl. Der Hr. Vf. 
tieschrankt sich auf einige allgemeine Worte S. 149, aus denen aber ein 
Anfänger durchaus uicht wird ersehen können, was er xu thun habe, am 
den 'Arigg'scben Logarithmus einer gegebenen Zahl zu berechnen. Eine 
solche elementare Methode und ein nach derselben gerechnetes Beispiel 
darf aber nach unserer Überzeugung in einem Lehrbuche nicht fehlen, weil 
man sonst dem Anfänger immer nur sagen könnte, dafs es den Mathema- 
tikern gelangen sei, Logarithmentafeln zu berechnen, ohne ihm über die 
Möglichkeit dieser Berechnung Aufschlug zu geben. Scblieblich glauben 
wir aoser Bedenken darüber aussprechen su müfsen, dafs es der Hr. Vf. 
uoterlaCsen hat, der Lehre von den Decimalbrüchen in seinem Buche ein 
Plätzchen zu gönnen 

Wien. A. Oeruerth. 



Dritte Abtheilung. 



Verordnungen für die österreichischen Gym- 
nasien; Statistik. 

a. Erläfsd. 

Stipeodien für Gandidaten des Lehramtes ao Gymnasien 
mit italenischer und deutscher Dnterr ich tssprache. 

Seine k. k. apostolische Majestät haben mit allerhöchster Entnchliefsung 
vom 19. Juli d. J. die Greirung von zehn Stipemlien pr. 300 fl. jährlich, 
zur Heranbildung von Lehrern für Gymnasien mit deutscher und italieui« 
scher Cnterrichlssprache allergnädigst zu genehmigen geruht. 

In Folge Eriafses des k. k. Dnterrichts-Ministeriums vom 31. Octbr. 
1853 Z. 7215 wird der Goncurs zur Verleihung dieser Stipendien unter 
nachstehenden Bedingungen ausgeschrieben. 

Die Dauer des Stipendiumsgenufses beträgt höchstens drei Jahre. 
Der Stipendist hat die Verpflichtung, die seiner Ausbildung dienlichen Vor- 
lesungen an der philosophischen Facultät der Wiener Oniversität zu hören, 
beziehungsweise je nach der getroffenen Wahl der vom provisorischen 
Gesetze über die Prüfung der Gandidaten des Gymnasiallehramtes vorge* 
zeichneten Gruppe der Unterrichtsfächer durch Theiinnhme an den Übun- 
gen im philologisch- historischen Seminar oder im physikalischen Institute 
mit anhallendem Fleifse sich für seinen künftigen Lehrberuf vorzubereiten 
und den bestehenden Anordnungen über die abzulegenden Beweise seiner 
wifsenschaftlichen Thätigkeit auf das genaueste nachzukommen. 

Überdiefs ist er verpflichtet, durch fleifsige Benützung der Vorträge 
über die deutsche und italienische Sprache und Literatur sich den schrift- 
lichen und mündlichen Gebrauch dieser Sprachen bis zu demjenigen Grade 
der Gorrectheit und Fertigkeit anzueignen , welcher erforderlich ist , um 
sich dieser Sprachen beim Onterrichte mit Sicherheit bedienen zu können. 

Bei Nichteinhaltung dieser Verpflichtungen kann ihm sein Stipendium 
lu jeder Zeit entzogen werden. D<t mit einem solchen Stipendium be- 



ErläTse. 77 

theiUe , wird einen Revers mit der Erklärung austuslellen haben , daU er 
sieb verptlifhte, seiner Zeit jede ihm au einem k. k. Gymnasium über- 
tragene Lehrerstelle anzunehmen ond sie wenigstens durch sechs Jahre tu 
versehen, im Falle der Nichterfüllung dieser mit der Stipendiums- Verleihung 
verbundenen Verpflichtungen aber das bezogene Stipendium dem Ärar 
zurück zu erstatten. Diejenigen, welche um ein solches Stipendium zu 
eoncurrieren gedenken, haben ihre an das k. k. Unterrichtsministerium 
stilisierten Gesuche bei der k. k. Statthallerei zu überreichen und diesel- 
ben mit einer vollständigen und mit den nöthigen Relegen versehenen 
Nachweisung über Alter, Religion, Stand, zurückgelegte Studien (wenig- 
stens ist das Zeugnis über die zurückgelegten früheren philosophischen 
Studien oder üiier die mit gutem Erfolge bestandene Maturitätsprüfung 
erforderlich) , ferner über etwaige bisherige Verwendung nach den zurück- 
gelegten Studien, endlich über Sprachkenntnisse zu instruieren. In letzte- 
rer Beziehung wird die Kenntnis der deutschen und italienischen Sprache 
gefordert und es haben daher die Bewerber nach den Vorschriften des Er- 
lalses vom 27. Derbr. 1849 (R. G. B. Jahrg. t850, Nr. 15) sich vorläufig 
einer Prüfung aus der deutschen oder italienischen Sprache zu unterziehen, 
je nachdem die italienische oder die deutsche Sprache ihre Mutlersprache, 
beziehungsweise diejenige ist, in welcher sie den öffentlichen Gymnasial- 
Dnterricht genofseo haben, wobei überdiefs auch die Kenntnis der illyrischen 
oder einer verwandten slaviscben Sprache wünschenswerth ist. 

Endlich haben die Gesuche die Erklärung zu enthalten, in welchen 
Doterrichlsfachem der Gandtdat sich zum Gymnasiallehramte zu qualifi- 
eiereu beabsichtige. 

30. Nov. 1853. 

Dm k. k. Ministerium für Gultus und Unterricht hat einigen Landes- 
sehulbehörden naehslehend^s eröffnet. 

Nachdem die mit h. o. ßrlafs vom 7. Juli d. J. Z. 239 eingeleitete 
Competenz um die an dem römisch-katholischen Staatsgymnasium zu H e r- 
naon Stadt erledigten Lehrerstellen, mit welchen der Gehalt von je 700 fl. 
und je 800 fl. nebst der zeillichen Zulage von 200 fl. zu jeder der Ge- 
haltsstufen verbunden ist, nicht den gewünschten Erfolg gehabt hat, so 
wird zur Besetzung dieser Lehrerstellen , und zwar hauptsächlich für das 
philologische und für das geographisch - historische Fach mit deutscher 
Onterriehtsspracbe, ein neuerlicher Goncurs eröffnet, wobei bemerkt wird, 
dafs es sieb um die Bestellung von wirklichen, hinsichtlich ihrer Lehrtie- 
fihigung approbierten, so wie hinsichtlich ihres Charakters und ihrer di- 
daktisch pädagogischen («eistungen bewahrten Lehrindivividuen handelt. 

Um durch die voraussichtlichen Versetzungen, beziehungsweise ße^ 
fördenmgen oder Ernennungen der Bewerber jeder Störung an den betref- 
fenden Gymnasien zu begegnen, wird die Verfügung in Aussicht gestellt, 
dafs die für das Hermannstädter Gymnasium seiner Zeit zu ernennenden 
Lehrer sich erst nach dem Schlufse des laufenden Schuljahres an ihren 



78 Personal- uud ^bulnotizeii. 

neuen Bestimmungsort zu begeben haben werden, wodurcb es ermöglicht 
werden soll, bei Zeiten suf diu Berufung von Crsatimannero , welche an 
den am Scblufse des Schuljahres aus dem pbilologisch-historisclieu Semi- 
nar aastre (enden Gandidaten zu finden sein werden , Bedacht zu nehmen. 
Diejenigen wirklichen Lehrer oder anstdiungsfahigen Lchramlscan- 
didaten, welche sich um eine der erledigten Stellen bewerben wollen, ha- 
ben ihre an das k. k. Cnlerriehtsministerium stilisierten, mit den erfor- 
derlichen Belegen versehenen Gesuche im Wege ihrer vorgesetzten Behörde 
längstens bis Ende März 1854 einzureieheu. 



Personal- und Schulnotizen. 

(Ernennungen und Beförderungen.) Se. k. k. aposlol. 
Majestät haben mit a. h. Enischliefsung vom 12« November I. J. den Pia- 
ristenordenspriester und bisherigen provisorischen Director des k. k. Gym- 
nasiums zu Innsbruck, l>r. Joseph Siebingcr, zum wirklichen Di- 
rector dieser Lehranstalt alfergnadigst zu ernennen geruht. 

— Se. k. k» apootol. Majestät haben mit a. h. Entsehliefsong vom 
17. November K i« den bisherigen provisorischen Director des k. k. Gym- 
nasiums zu Görz, Anton Stimpel, zum wirklichen Director dieser 
Lehranstalt allergnadigsi zu ernennen geniht. 

Der Supplent am k. k. Gymnasium zu Leitmeritz, Hr. Dr. 
Joseph Part he, ist zum wirklichen Gymnasiallehrer ernannt worden. 

— Der Religionslehrer am k. k. Gymnasium zu Znaim, Hr. Karl 
Schroidek, ist, mit Rücksicht auf die von demselben bestandene Lehr- 
amtsprüfung ans der böhmischen Sprache, zum wirklichen Gymnasiallehrer 
mit der Befähigung zum Vortrage in der erwähnten Sprache ernannt 
worden. 

— Der bisherige Supplent am k. k. Gymnasium zu Iglau, Hr. 
Med. Dr. Anton Wein er, ist zum wirklichen Gymnasiallehrer ernannt 
worden. 

— Der Supplent am t. Gymnasium zu Lemberg, Hr. Johann 
KruszyAski, ist zum wirkL Gymnasiallehrer daselbst ernannt worden 

-^ Se. k. k. apostol. Majestät haben mit a. h. Entschliefsung vom 
30. November 18^ den bisherigen Professor der Physik an der techni- 
schen Akademie Lemberg, Dr. Victor Pierre, zum ordenUichen Pro- 
fessor an der Lemberger Universität allergnädigst zu ernennen geruht. 

— Das b. Ministerium für Cnltus und Unterricht hat mit Erlafs von 
2. November l J. die vom Vorstande des Benedictinerordens, dem boch- 
wurdigen Erzabte zu Mariinsberg, für das Oedenburger Benedietiner- 
Obergymnasium verfügte Bestellung des Bm. Sebastian L e i t h g e b , Or- 
densprieslers und vormaligen Lehrers am Gymuasitim zn Prefsburg, zu 
genehmigen befunden. 



Personal- aiul Schuliioti/en. 79 

— Drr Supplent am Gymnasium eu Kaschau, Hr. EmaniiH Tyn, 
iRt zum wirklichen Gymnasiallehrer an derselben Lehranslall ernannt 
worden. 

— Se k. k. apOBtol. Majestät haben mit a. h. Entsohl iefsung vom 
21. November I. J. die bisherigen provisorischen Realschuldirectoren, Franz 
Hauke und Dr. Joseph Weiser, su wirklichen Directoren und zwar 
ersteren an der Oberrealschule am Schottenfelde und lelzteren an der 
Oberrealschuk» auf der Landstrafse in Wien allergnädigst zu ernennen 
geruht. 

(Concors Ausschreibung.) Zur Besetzung der (.ehrkanzel 
der deutschen Sprache utid Literatur am k. k. Lycealgymnasium di Sta 
Catlerina in Venedig ist von Seite der k. k. Statibalterei zu Venedig ein 
Concurs ausgeschrieben, und der Termin der Bewerbung um diese Stelle, 
welche iro Nothfalle auch provisorisch i>ese(zt werden kann, auf den 
10. Janner 1854 festgeselzt. (Amtsbl. d. Wr. Zig. vom 9. December 1853: 
Nr. 293). 

(Auszeichnung.) Se. Majestät ^er König von Bayern hat an 
seinem 42. Geburtstage (28. November 1853) einen neuen Orden gegrün- 
det, der den Nanen fährt : «Maximilians-Orden für Wifsenschaft und Kunst* 
und vorzugsweise fiir deutsche Gelehrte und Kunstler bestimmt i^t. Unter 
den 64 ernaimten Mitgliedern finden wir von Österreichern im Gebiete der 
Wifsenschaft: Se. Kxc. den k. k. Minister der Finanzen und dann für Han» 
del, Gewerbe und dfifentliche Bauten , Hrn. Andreas Ritter von Baum- 
gartner, Hm. Joseph Freiberm von Hammer- Pur gst all und Hrn. 
Dr. Ferdinand Wolf; im Gebiete der Kunst die Dichter: Anton Alexander 
Grafen von Auersperg (Anastasius Grün) , Franz Grillparzer und 
Jos. (^rist. Freihemi von Zedütz. 

(Tod esfille.) Am 23. August 18.53 starb zu Rannersdorf bei 
Schwechat der hochwurdige Hr. Edmund Hofer, Benodictinerordensprie- 
ster des Erzstiftes Martinsberg, Professor am Benedictiuer Obergymuasium 
zu Oedenburg. Geboren am 15. October 1820, zum Priester geweiht am 
20. Juli 1847, wirkte er segensreich als PreiUger zu Klein-Czell, als Bi- 
bliothekar zu Tibani und als Professor zu Päpa und Oedenburg, trotz sei- 
nes krankhaften Zustandes mit unverdrofsenem Eifer seinem Berufe sich 
widmend, daher auch allgemein geachtet, geliebt von seinen Mitbrudern, 
tief l^etrauert von seinen Schülern. Für den verewigten wurde am 15. 
October, als an seinem Geburlslage, in Gegenwart sammtlicher Lehrer und 
der Schuljugend ein feierliches Requiem abgehalten. 

— Im September 1853 starb zu Töplitz Hr. Dr. Georg Andreas 
Gabler (geb. am 30. Juli 1786 zu AltorQ, Professor der Philosophie an 
der Universität zu Berlin, Verfafser eines Lehrbuches der philosophischen 
Propadeulik. Erlangen, 1827; dann der Schrift: «Die Hegersche Philo- 
Sophie. Beitrag zu ihrer Beurtheilung und Würdigung Berlin, 1843^*, 
u. m. a. 



80 Personal- und Schulnotizen. 

— Am 14. November 1853 starb im kräftigsten Mannesalter in der 
Heilanstalt zu Winnenüen in Württemberg der Professor der Philosophie 
an der Oniversität zu Basel, Hr. Dr. Friedrich Fischer. Wir besitxen 
von ihm, nebst vielen anderen Schriften aus seinem Fache, ein « Lehrbuch 
der Logik für akademische Vorlesungen und Gymnasial vortrage. Stuttgart, 
1838*, c^cbrbuch der Psychologie für akademische Vorlesungen und Gym- 
nasialvorträge. Basel , 1838* , «Die Metaphysik vom empirischen Stand- 
ptincte dargestellt. Basel, 1847* u. m. a. Er pflegte auch Kunstgeschichte 
und die Localgeschichte der Stadt, in der er docierte. 

— Am 23 November 1853 starb zu Dessau Hr. Dr. Job. Christian 
Friedrich Schneider, herzogl. Ilofcapellmeister, Mitglied der preufs. 
Akademie der Künste (geb. am 23. Januar 1786 zu Waltersdorf in der 
Oberl^usitz) , ausgezeichnet als Componist , namentlich auf dem ernsteren 
Gebiete des Oratoriums («Das Weltgericht* 1820; «Die Todtenfeier», von 
Niemeyer; «Die Sündflut* 1824; «Das verlorene Paradies* 1825; «Chri- 
stus, der Mittler» 1828, u. m. a.). 

— Am 29. November 1853 starb zu Salzburg im 31. Jahre seines 
Lebens der k. k. Lande^hauptcassa- Assistent, Hr. Iguaz Zwanziger, als 
Belletrist bekannt Er besafs auch schöne naturhistorische Kenntnisse, 
welche er für weitere Kreise nutzbringend zu machen bestrebt war, in- 
dem er im Jahre 1850 am k. k. Josephslädter Gymnasium in Wien ud- 
entgeltliche Vorträge über Zoologie hielt (Vergl. Zeitschr. f. d. österr. 
Gymn. Jahrg. 1850. Hft. III. S. 227.) 

— Im November 1853 starb zu Luzern Hr. J. J. X. Pfyffer zu 
Neueck, in der literarischen Welt t)ekannt als Erzähler und Dichter 
(Bilder der Vorzeit und Gegenwart Aarau, 1837; Novellen und Gedichte. 
2. Ausg, Zürich, 1838; Der Wanderer in der Schweiz, 1834—1840; Bil- 
der aus dem Orient. Zürich, 1842. u. m. a.), vorzüglich durch seine 
Schilderungen von Batavia, wo er sich längere Zeit aufgehalten hatte. 



Vierte Abtheilun^. 



Miscellen. 

Literarische Notiz 
Ober neue Fragmente yon Gicero's Schrift de feto. 

Die Gavtetia nfftUale dt Venezia enthält in ihrem Blalle vom 28. 
November 1853 eine aus dem Mettaggiere di Modena enl lehnte lilerari- 
ecbe NotiZy von der wir nachstehend eine genaue Dbersetxung geben. 

^Neue Ftagmente aus dem Buche CtceroU ^De Fato* , Jüngst ent- 
deckt vom Ritter Ludw. Chrysost. Ferrucci. 

Mein eben genannter trefflicher Freund, vor etwa 35 Jahren mein 
Stadiengenofse an der Universität zu Bologna, gab mir am 18. des jungst 
verflofseoen Juni von Florenc aus folgende erfreuliche Nachricht: 

«Die göttliche Vorsehung erzeigte mir die Gnade, mich auf zwei bis 
drei Seiten eines Palimpsestes in Pergament, die zum EinUnde eiues alten 
Buches verwendet waren, den verlorenen Anfang von Cicero's Buche ^de 
Fato^ finden zu lafsen mit noch einigen anderen Fragmenten von nicht 
geringer Bedeutung. Ich schreibe Ihnen hiermit ab, so viel ich auf übel 
zugerichteten Seiten lesen, oder vielmehr erralhen konnte, für später be- 
halte ich mir vor, einige gelehrte Andeutungen über die Sleitung und 
Beschaffenheit dieser Fragmente zu machen. Für jetzt mögen Sie, um 
sowol mir als Ihnen die Freude der Entdeckung nicht zu verzögern, unter 
den ersten mit geneigtem Sinne lesen und gcnielsen, was Ihnen anbietet 
Ihr stets zugethaner L. G. Ferrucci. 

DE FATO DISPVTACIO. 
FATVM ESSE NVTVM JOVIS 0. M. PLAGITVMQVE DEORVM IMMOR- 
TALIVM, FIDES EST PHILOSOPBORVM ET VVLGI COMMVNIS. SED QVIA 
PHILOSOPUVS NEMO VEL HABERI , VEL DIGI SOLET, NISI PARVMPER 
A VVLGO DESCISCAT; ICCIRCO VISVM EST NONNVLLIS, FATI NECESSI- 
TATEM AVT ANTECESSIONE GAVSARVM NATVRALIVM QVODAMMODO 
CIRCVMSCRIBERE, AVT RATIONE VOLVNTATVM ATQVE APPETITIONVM 
VARIA. QVASI FVLMEN, E GAELO DEDVGERE. Quia pertinet ad mores, 
quos fi^og tili vocantf nos eam partem phitosophiae DE MORIBVS i^ 
petlare sotemus, etc. 

Dieses nebst einigen anderen Zeilen (wo die Variante: posstt, out 
non possit — poisit, out non possit esse — bemerkenswerth ist) 
das ist alles was auf einer Seite des ersten der Pergamentblälter ent- 
balten ist. 

Das zweite, noch etwas übler zugerichtet, zeigt auf der Vorderseite 

Z«iUchriri rar di« n»t»rr. Gjrmti««. 1834* >• H«ft. 6 



8i Misceilcn. 

iVtK! ForlsetEim^ dea Fr?iÄf"enlcs, lias um IVUcroiHus aufb^WAhrt IiaI 
iSalunL L ü., c, 12.) VlüE QViL» AÜA8 ! ACiriiOiSlLK ISTE FAVCORVM 
EST* * QVAESO; ÜVOO ElCLVSI TlUCLriSJü PLVHES AClPEi\8i:HJS 
DEUCIIS CAKVEriE, AN VIS IMMVTATAE VOLYNTATIS (QVAE PLAßA 
0EMOCRITO EST) EFI ECIT , EX £0 QVOD JIM AVHEM StJPlOMS IN- 
STILLÄVIT PONTlVSj AN ACIPEC^SEß CAPJEKDVS, ET SCJPJO, i^T TON- 
TIVS, ET COE[SATVUJ SlMVi ET EVON » \NA CONNEXIONE AB IMMV- 
TABILI AETHUMTATE COl\TINEüA:STVR ? Mlili QVlIiEAi EXPENüEMt 
ATQVE AE$nMA[\TI, QVlü QVJS(iVE iUHtiAT l'KOPBH, QVID EXP . _ . 
Liier kocniDt eine Lücke von mahr ah 20 Zeilen, die sich ebenso atif 
die Rückseite erslreckl, m deren Entfa Ich Tollende Stelle Kustammeii fand ; 

#••« » satis euat mc\: rirsa ivkiubjtvr. jd enhvi m fatjs. 

VT A\WT, EVISSET; QVAE FATA, ENMV8 I^QV^r, DEVM REX .NVTV 
PARTJTVR SVO. QVOU VEUO, ÄIVTATO NOMJiNE, EVEliTEiSIU FVISSFT • 
id ßeri detutsse fncile pitfüfyUur ex COlJAEREnTIA CAVSAltVIl, queü 
Kitrihußa Al> ÜCCASVM IMEIUTVAJQVE REDJüEHETVR, mv;F etium nä 
ipsutn \L\\lium e( everstonem PEHTIISACIA POPVLORVM ET ÖELU.**» 

Zehn Tage gpäUi bifrictüele mir uiein trefflichiT Freynd folgendes : 

(Aych der Rücken des Einbnndes von Jenem ei wahiileii Rucbe enl- 
hiell ein zweites Fragmenlp dns, wenn irh recht ergänzt habe^ wabrhafl 
itauneojiwerih isL Lesen Sie gütigst und Ibcilen Sie es den Freunden mit, 
samml tneinen her^UciiBten Grüften an alle, da ieh, wie ich Ihtsen Bcbou 
öfter erklurle^ mich für einen s^born^n Gollegen aller Estensiscliets Ge- 
leiirUn halte. Auch wenn es ihnen lieÜebC alle jene Fragmenle j^u&atnuieu 
£u vcröffenUicIien, Ibun Sii^ es tür Ermunterung ui^d zu Eliren des $lu- 
diums der armen, geringÄ^^achteten lateinischen Literatur! Qmndain eiiam 
pfviis redit in praecordia virfm! 

In dem durchbohrten uud durchlöcherten Pergamente^ das den Rücken 
des Embandes bildet r Vorderseile untere Hälfte REG {R^guliim oder Be- 
ffuiiis) **•*«****♦'• deWlOS OMms NOSTHOS * * "^ CMWim in 
rmmis, QVEM IVre AC meriJO VEL IMil^cii/em vei TÜESeum APPEL- 
Ifiöimus NOSTUVÄL IS ENIM PRO SALuie PATRIAE \-Yiura l[HFEROS 

Rückseite obere Hälfte i 

ATTIGITj IÜQVE FACINVS, QVÖÜ VIX iJmpimmSE FATI CON- 
Uperetur, SVPRt^\10 CLARlSSlMOgVE LfBERAE VOh'^^TüUi kMore 
f^^SVMWAVST, Maqm (oder Y\a) 

Als endlich der gluckbcho Enldecker dieser Fragmente, der schon 
seit Beginn vcrflofsenen Julis deren Veröffentlichung dem MmiUore Toscam 
anverlraut b,\lte, sah^ dafs man im Verlaufe von mehr alü Kwei JVIonalen 
die Sache ruhen liefSp icbrieb er mir von Lugo au» den 15, September 
folgendes : 

4 Wenn ich es früher Ihrem freien Ermefsen anheimslellle, bewurate 
Fragmente tm verbreiien oder nicUlj so bille ich Sic jelil, dieselben dem 
MesMüffffierff %^ übergeben, damit er, wenn es ihm beliebt, selbe veröfTent- 
liehe, und ^war als von mir angezeigt und aufgefunden in PalimtJ^eslen 
auf drei Pergamentblatlern, die als Einband zu einem gedruckten Ruche 
von einem gewissen Velmazio Ragnacavalli, wie ich glaube ans 
Argenta, da die Familie der Rngnacavalli von Argenla stammt. 

In 8ein(*m crsti-n Biiefe fragte mich Ferrucei um meine Meinung 
in betreff iein^r Er^nn^nngen, indem erfreimüthig gestand, dafs ihrnjenei 
m^jr etktfn ad ip&um nicht gan£ genüge, mit der Remerkung: Wenn ieh 
recht vermuthe, ist der Gedanke Cicero'g der , die Kataslrnphe Karthai^o's 
BW gleichen Tbeilen vorherbeslimmUn [JrKaehen und der Freiheit roensrh* 
lieher Handlungen zuzuschreiben, indem er jenen die fortichreilende Auf- 
lösung der karthagischen Macht, diesen die Härle der Millel» durch welche 



IfoeiUea. 



Bieter« «EidUch veruiehtal wurJ«, anrechnet.^ — Ich Itonote dAmala, 

und köuDl« auch jetzt noch nicht meine iMeiuung über die fraglichi^n lilr- 

Haaiungen darlegen, aus Martf^cl an Zeil und an eJnschta^tHid^ii Sludien ; 

al>er liiefg tcheiut mir gewiss , daf* er sich ilurcU diese gli(u<?nde Eut- 

ileckung hochverdieut gemacht um die aUclajisiscbe Literarur und dereD 

perebrer« Schon der Um$i>ind , dafs er uns jenen pMchlvoUen Eingang, 

i&r das früher versiümmelto Werk des roroischen Philosophen cr^änti, 

ImiUammt seinem echten Titel wnlerä*chcnkle, reicht bin, ihm unseren 

' vollen [lank eu sichernp um so mehr, da man biiber sogar atritt, ob es 

nur ain ßuch Cirtiro's adle Fata* gebe oder mehrere. 

Ich wiJl nur diefs hei fügen » dafs die schönen Eingangsworte Ci- 
ero'ss faium esse nuium iütfis Ü. ßL mir den ausgezeichnelen olrua* 
'lischen S|iiegel im k. Museum zu Berlin in's Gcdachlnis rufen (Gerliard, 
Elr- Spieget. Taf. CCXXXVIIJ), der Oresles darstellt, wie er iura Mutler- 
morde angetrieben wird von einer entsetzlichen Gestalt^ die in jeder II find 
eine Srhlange hält, mit deoj eigen! iiraliehen etruskischcn Namen NA0VM 
iXuUkum), der mir schon von iXaius, Natura {Bali, arcä. i842^ f/. 47) 
«bgeleitet schien, und von dem ich jetift vermuthe, er könnte dem latei- 
aiüchen Nutus entsprechen, in der üedeutung von fnium, mit Beziehung 
auf Nutus iovis Ö.M.f um so mehr, da im ctruskischen (.Ina A manchmal 
die SleHe des V vertritt ^ so wie & häniig jene des J {lami, Sa^ffia^ 
T, L^ p. U4, 267.) 

D. Colestino Cavedoni,» 

Indem wir uns beeiien, dieae ^oÜi unseren Leicni mi(£utheileit, ist 
unsere Absicht nur. Gelehrte , welche sich speciej mit den Cjcerontschen 
Schriften bescbafligen» auf dieselbe aufmerksam zu m.ichen, und den Ent- 
decker jener Zeilen zu einer vollstandigifren und ßtenaueren l'uhlicatiüa 
seine» Fundes aufzufordern. Üeuu tur Vollständigkeit der Angaben fehlt 
noch gar mduches; wir vermissen nicht nur eine Anjjabe über den Fund- 
ort, Konditrn namenlUch übtT die Art der Schrift, über den Umfang der 
eioielnen Zeilen^ über die Grofsü der angedeuteten Lücken, über die neuere 
SchriU, weiche diese Zeilen überdeckte, ferner darüber, wie weil das £U- 
ersl aniieführte Fragment den jetKt vorhandeneo Anfang dieser CiceroniBcheö 
«Sctirifl mit enthalt, mit welchen Abweichungen von einer littst immteo Aus- 
gabe des Cicero, etwa der Orellischen, ob diese, al8 schon bekannt nicht 
mit pnbUeterte ForlsetEung des ersten Fragmentes die gante erste und 
iweite S*?it« des ersten Btattcs föllt, u. a. m, Über all diesß und ähn- 
liche Dinge sind Angaben von gewifseohafter Genauigkeit erforderlich, ehe 
die hier mitj?etheillen Zeilen Gegenstand ernster Cntersuchun« werden 
können, und diefs um so mehr, da jene Zeilen in Inhalt und Form man- 
cherlei aufriillcndes haben, so dafs, bis nähere Milthednngcn Aufklarung 
gegeben haben, der Zweifel an ihrem Ciceronischen Lirsprung ß erecht fertigt 
erseheinen mufs. Auffallend ist es zunächst schon, .luf zwc^i BliiUern eines 
Einbandes gerade zwei solche ßriichstückc zu ünden, diu, wie es auch 
mit ihrer Bedeutung sonst itehen mag, jedenfalls den VVprth haben« Hieb 
ao bereits vorhandenes unmitlt^lbar anzuscbl*efsen, Diizti kommt, dafs in 
dem ersleq Fragmerde die Delinition de."* fnfum gCÄrümkle Bedpnk<?n er- 
regt, weiche weder durch die in einem spateren Fragmenle angezogene 
Stelle dc-i Ennius, noch durch die mehr als unwahrsrhcinliche Auslegung 
der Aufschrift auf dem bekannten etruskisdien Spiegel behoben werden* 
Femer klingen jme Worte, mit welchen die Schrift de ffito beginnen soll, 
einem SchoÜon iihnl icher , als dem Eingange einer philosophischen Schrift 
des Cicero; mit! tlaf«* ^ie sich mit dem jet«t bereits vorhandenen Anfange 
in einen immittelbaren Zusammenhang nicht bringen lafsen, leuchtet noch 
eutichiedener ein, wenn man nicht blof» die hier angeführten Worte, «on- 



4 



I 



84 



Miscciltiii* 



dem das gan£o jetzlgo er^te Capitel hius^untmmt In stilistischer Hinsjctit 
erregt das in claaaischer Sprache unseres Wifsetis Drchl nachweisbare fldes 
philoiaphörum ei vnlgi cammrmis im Sinne von opMo Boden ken, und 
auch das imUHnre in aurem, das sonst tn dieser Bedeuiuni; wenr^Htens 
bai Cicero nicht xu fuiden ist; in orlhographiseher ße^ieiiung die Schreib- 
weise disputacio, iccircö und n?ime(Ulich cmimxto für conexio^ da wir 
doch bei einem Palimpaesta ein hohes AUer injt Wahrscheinlichkeit voraus- 
zuselzen haben. 

Solche und ähnliche Zweifel — denn es liefsen sich dt?reo, wenn es 
ßr jetKl nützte, leicht noch mehr darlegen — können erst dann ertistUch 
disputiert und zur Entscheidung nach der einen oder andern Seite mit 
Sicherheit gebracht werden, wenn eine genauüre und vollsläudigere Publi- 
cation vorliegt, zu welcher wir tuerdurch auffordern wollten. 

Schlief^Iich noch ein Worl über die Wünsche und HaffnungCD» wel- 
che der Entdecker dieser Zeilen an ihre VerolTentlichung anknüpft. Wir Ihei- 
len mit ihm ituf das vollständigste die Freude über jeden neuen Fund auf 
dem Gebiete der alten Literatur und KuiLst^ welcher einen, wenn auch an 
sich nur unbedeutenden Beitrag dazu geben kann , das Bild einer grofsen 
Vergangenheit in aller Lebendigkeit uns äq vergegenwärtigen; wir begrei- 
fen auch^ wie der Finder selbst, in der Freude über seine Entdeckung^ 
weniger in Anschlag bringt, dafs diejenige Schrift Cieeros, tw deren Ver- 
vollständigung diese Zeilen etwas beitragen würden, nicht eben zu denen 
gehijrt» deren Ergänzung besonders lebhaft ersehnt wird. Aber dafs die Ver- 
öfTentlicUung dieser Zeilen fl,zur Ermunterung und zur Ehre des Studiums 
der armen, gering geachteten lateinischen Literatur* etwas beitragen konnte, 
dief^ läfit sich doch nicht im Ernste erwarten p VVenn sich dieselben als 
echt erweisen, do kann das Interesse für sie den engeren Kreis der Phi- 
lologen nicht uberschreitc;n, Dafs übrigens die lateinische Literatur in Ita- 
lien gering geachtet sein sollte, das kann wenigstens der ferner stehende 
aus äufseron Kennzeichen nicht erschliefsen. Umfafsende buchhäodleriache 
Unternehmungen zur Herausgabe lateinischer Schriftsleller mit und ohne 
Commentar, mit und ohne ÜbersetEun^^ wie wir deren mehrere in vorlie- 
gender Zeitsnhrifl angezeigt haben, würden nicht seu stände kommen, wenn 
sie nicht hoflTen dürften, bei einem dafür interessierten Publicum Abnahme 
£U linilen. Aber freilich , die Art, wie solche Unternehmungen aufgeführt 
werden, gab den unwiderleglichen Beweis, dafs die bedeutendsten Fort- 
schritte, welche die Philologie in mehr als einem h?ilben Jahrhunderte 
anfserhalb Italiens gemacht hat, noch oft genug übersehen werden* 
Dieser Übolsland mufs gänzlich beseitigt werden, wenn die Philologie in 
Italien die ihr zukommende wifsenschaftliche Würde erlangen äoII , an 
A^t Achtung wird es dann sicherlich nicht fehlen. 



L 



Bibliographische Übersichten. 

Übersicht der seit Mitte 1852 in Deutschland erschienenen phi 
logischen Literatur. 



lo- 



L Ausgaben der ffNecähcAen Ciassiker urtä Erkiärungisclirifien. 



ÄBich^li Penne cum »choiin Meäicek. In usum praelectiB-l 
nmn curmit A. Meineke. Bemiini, NicoluL V, Rthlr. 

Aeschifli Septem nd Tkehm ex recemione G. Hermanfti cum\ 
Mcripfurae diserepmUiü schülUsque codkis \fedicei sckoinrum in lisum \ 
tdidit F. Hi/9CkeiiuM. Elberfeidm, Friedricks. V, Klhir 



MitceUeta. 85 

Aescbylot' Werke. Oriecbiecb m. metr. Obersetzung und prü- 
fenden ood erklärenden Anmerkungen von i. A. Härtung. Leipzig, En- 
manu. Bdchn. 2 : Die Peraer. ^L Rthlr. 3. Sieben gegen Theben. V« t^thlr. 
4. Ermordung Agamemnons. y« Rtblr. 5. Der Muttormorder. '/> Rthlr. 
Mil entschiedenem Tadel gegen Inhalt und Form der Erklärung ang. 
y. Scbömann. iahn's Jahrb. 1853. LXVII, 2. S. 129 ff. 

Schömann, G. F. Über einige Stellen in Aeschylos Agamemnon, 
in d. Verband!, d. Philol. Vers, zu Göttingen (b. Vandenhoeck und 
auprechL 4. l'/, Rthlr.) 

Aicipkronis rketoris epistolae cum adnoUUiane criiica edi- 
taeab A. Meine kio. Liptiae, Teubner. l'/» Rthlr. 

Apoilonii ArgonauHca, &nendavUp n^fparatwn criticum et 
prolepomena 4uUecii R, Merkel, Sckolia veiera ex cod. Laurenttano 
edidii H, Keil, Uptiae, Teubner. Faec, I carminie recensianem ei 
apparaUtm canllnens, 2 Rtblr. 

Appiani Alexandrini Mielcria Romana ab Jmm. Rekkero re- 
cognUa, Upsiae, Tenbner {Ribl, Teubn,) Vol. ff, 27 Ngr. 
S. d. Zeitacbr. 1853. S. 568. 
Aristopbanes ausgewählte Comödien, erkl. von Tbdr. Roek. 
Loipiig, Weidmann (Sammlung). Bdchn. 2. Die Ritter. 12 Ngr. 

Näpa Quaedam fragmenta poeiarum Graecorum a C. Goell- 
linpio edüa. Jenae, ind, eekol Mb, iSSS^-Sd. (Neue Brucbäiucke 
von Aristopbanes, Eupolis, Krates. Menander und Xenopbanes aus Darem- 
berg's Vaticaniscben Schollen zu Hippokrates.) 

Landsberg, M. Über den Sokrates in den Wolken des Aristo- 
pbanes. Pbilologus VIII. S. 94—103. 

Aristoteles' vier Bucher über die Tbeile der Thiere. Griechisch 
u. deutseh und mit sacberklärenden Anmerkungen von A. v. Frantzius. 
Leipzig, Engelmann. gr. 12. iV, Rthlr. 

Bonitz, H. Über die Kategorien des Aristoteles. Wien, Brau- 
maller. (Aus den Sitzungsber. der kais. Akad. der Wifsensch.) 57 S. 8. 
Prantl, C. Über die dianoetischen Tugenden Inder nikomachischen 
Ethik des Aristoteles. München, Kaiser. 19 S. 4. 

Prantl, G. Über die Entwickelung der Aristotelischen Logik aus 
der Platonischen Philosophie. München, Franz. 83 S. 4. (Aus den Ab- 
bandlungen der k. bayer. Akad. d. Wife.) 

Überweg, Fr. Über den historischen Werlb der Schrift de Melisso 
Zenone Gorgia. Pbilologus Vlll, S. 104—12. 

Rabrii fabulae Aesopeae^ ed. F. G. Schneidewin, Uptiae, 
Teubner (R, T), 6 Ngr. 

Demosthenes ausgewählte Reden, erklärt von Ant. West er- 
mann. Leipzig, Weidmann (Sammlung.) Bdchn. 1. Olynthische Reden. 
Erste Rede gegen Philippos. Rede vom Frieden. Zweite Rede geg. Phil. 
Rede über die Angelegenheilen im Chersonesos. Dritte Rede gegen Phil. 
2. Aufl. 12 Ngr. 

Demoithenis orat, de eymmoriie 5f. {4—30 rec, ei apparatu 
crilico^ annoiaHonibue, venione laiina instruxUJ, Th.Vömel, Franc- 
furi a. M, (Osterprogramm d. Gymn.) 

Empedoclie Agrigentini flragmenla disposuii rec. adn. ffenr. 
Siein, Ronn, Marcus. 87 S. 8. 

Vgl. die eingehende Rec. von Tb. Berg k in Jahns Jahrb. 1853. 
LXVIII, 1. S. 21 ff. 

Euripides' Werke. Griech. m. metr. Übersetzung und prüfen- 



66 Miscelleo. 

den u. erklärenden Anmerkungen von J. A. Hartang. Leipzig, Engel« 
mann. Bdchn. 18: Die schutzflehenden Fraaen« 19. Die Herakliden« k 
V, Rlhlr. 

Bartsch, Dr. H. Der Charakter der Medea des Euripides, nach 
der Tragödie gleiches Namens entwickelt. Mainz, Faber'scEe Buchb. 
(Gymn Progr. des Magd. Gymn. zu Breslau). 4. Vt Rthbr. 

Kirch hoff, A. Ein Supplement zu Euripides' Bakehen. Philologus 
VIII, S. 78 — 93. 

Herodots Melpomene oder der Skythen Land. Sitten und Abwehr 
des Darius. Ein griech. Lesebuch f. Schulen, hrsg. v. Rischel. Leipzig, 
Teubner. V, Rlhlr. 

Bieroclis in aureum Ppthagoreontm Carmen cammentarhu. 
Rec. ei Uiusir. F. 6u. L Muiiachius. ßeroiini, GeeUkaar. 
17, Rlhlr. 

Hippokrates! 
Lobeck, J. FI. Beitrage zur Kenntnis des Dialekts des Hippokrates. 
Philologus VIII, S. 14 — 48. 

Homers Odyssee erklart von J. 0. Paesi. Leipzig, Weidmann 
(Sammlung). Bd. L Zweite bericht Aufl. '/• Rthlr. 

Hotner i Madie epiieme. In ueum echoiarum ed. Fr. Hack» 
egg er, Vindoöanae^ Geroid. Pore prior, liö, /«-X 8 Ngr. 
Vgl. in dieser Ztschr. 1853. 8. 137 ff. 

H m e r' s Gesänge verdeutscht von J. M i n e k wi ts. Leipzig, Engel« 
mann. Th. I. Die llias. Bd. 1. Gesang 1 — 12. — 22V, Ngr. 

Doederlein, L. Homerisches Glossarium. Erlangen, Enke. Bd. IL 
2 Rthlr. 2 Mgr. 

Forchhammer, PLW. Achill. Mit einer lith. Karte der Ebene 
von Troja. Kiel, akad. Buchh. 16 Ngr. 

F r i e d I ä n d e r , L. Die Homerische Kritik von Wolf bis Orote. Ber- 
lin, Reimer, 1853. V, Rthlr. 

G i e s e k e , Bh. Die allmaliche Entstehung der Gesänge tier llias aus 
Dnterschieden im Gebrauche der Präpositionen nachgewiesen. Göttingeu, 
Vandeuhoeck u. Ruprecht V« Rthlr. 

Diese und die vorausgehende Schrift werden nächtens ic dieser 
Zeitchr. besprochen werden. 
Koch, H. A. Cber llias S und O. Philologus VII, S. 593—605. 
Meister, F. Betrachtungen über die Odyssee. Philologus VIII, 
S. 1-13. 

Osterwald, C. W. Homerische Forschungen. Halle, Pfeffer. Th. 1. 
Hermes-Odysseus. Mythologische Erklärung der Odysseussage. 1 Rthlr. 
Anx. V. Preller, Jahrb. f. PhiL LXVIII, S. 389—304. 
Schoemann, G. F. Dietertaiio de reticentia Homeri, Grgpkiae, 
ind. ecäoi, Mb. i859S4. 

(S. Jahrb. f. Phil. LXVIII, S. 444 f) 
Stiehl e, R. Die kyklischen Nosten. Philol. VIII, S. 49—77 
TIIEPIJOT AOrOI B. Theoraiione of Hyperidee for JLycophron 
and for Euxentppue. Ed. öp ChurcMii Babington. London, 
Wiiiiams and Norgaie, 

JSditio princepe der genannton Reden , gleich den 1848 bekannt ge- 
wordenen ßruchsluckon in ägyptischen Papyrus entdeckt (von A r d e n). 
Ober die Bedeutung dieses wichtigsten aller neueren Funde auf dem 
Gebiete der griechischen Literatur Scbneidewin in GötL gel. Anz. 
1853, S. 78—80. 



Misccllen. 87 

Hffperidts oraiimes duae ex pappr^ Ardentano editae, Posi 
Ck. BoktipUmem emendatU et tckoUa adiecit F. Gu. Sckneidewin. 
Mtbiioe, Dieierick i853. */• Rlhlr. 

Bec V. A. Schaefer, Jahrb. f. Phil. LXVIII, S. 27— 3a 
Kriegssehriftsteller, griechische. Griechisch uud deutsch 
Bit kritischen und erltlärenden Anmerkungen yon H. K ö c h I y und W. 
Rüstow. Leipzig, Engelmann. Th. 1: Aeneias, von Verlheidigung 
der Städte. Ueron, vom Geschutzbau. Phiton, vom Geschützbau. 
Anhang 1: Vitrav. X, 15 sqq. 2; Quellen für die Geschütze der zweiten 
Artillerieperiode. Mit 8 Tafeln. 2V, Rthlr. 

Lucianus ab imm. Bekkero recogtUiUM, Upsiae, Brock- 
k&us. IL iomi, 6 Bthlr. 

Auf die Bedeutung einer B e k k e r' sehen Ausgabe brauchen wir nicht 
erst ausdrücklich hinzuweisen. Hr. B. sagt in der Vorrede: Mhii ha- 
bmi mUiquhu, quam ui eam Hwestigarem contfmmiionem seriemgue 
Häeüenim, qua aiüts ex alio nexut ei amnes inier se apii colliga- 
Ugue videreniur. 

Lud an i Samoiaiemie opera, Exrecogniiitme Caroii Jaeo- 
biiz. Upgiae, Teubner (B, T.) Voi. HL in 2 pari, h 9 Ngr. — Parsi: 
ms aecusaius. De paraeiio, Anacharsie. De iuctu, Rheiorum prae- 
cepior. PMlopteudes. Hlppiae s. Balneum, Bacckui, Herculee. De 
electro 8, cpcnis. Musae encomium, kdvernte indocium, Calumniae 
mn iemere eredendum. Pseudoiogisia s de apopkrade. De dotno, Ma - 
erobii. Patriae encomium. De diptadibus, Dieputatio cum Beeiodo, 
Navipium s. voia. -—Pars 2: Dialogi mereiricii. De morie peregrini, 
Fugiiivi, Saiumaiia, Crtmoeaion, Epittolae saiumaleM. Contivium s. 
Lapilkae. De Syria dea, DemoeikenU encomium. Deorum concilium. 
QßnieuM Pseudosopkieia s. so/oecisia. Pküapatrie. Ckaridemue. Nero, 
Trapopodagra. Ccypue, kpigrammata. 
S. d. Zeilschr. 1853, S. 569. 
Lucian's ausgewählte Dialogen, erklart von i. Sommerbrodt. 
Bd. 2, Leipzig, Weidmann. (Sammlung). 77« Ngr. 

Lpcurgi oratio in Leocratem. Edidit C. Sckeibe. Lipsiae, 
Tmkner (B. T.) 6 Ngr. 

S. d. Zeitschr. 1853, $. 569. 

Monnus. 
Koehler, R. Über die Dionysiaka des /Nonnus von Panopolis. 
Halle, Pfeffer. % Rtblr. 

Ptatonis diaiogi secundum Tkraeylii teiratogiae diipoiiti, ex 

recognitione C. F. Hermanni, Lips. Teubner. (B, r.) Vol. 17. 15 Ngr. 

Ptatonis opera ex recensione C, E. Ck, Sckneidert, Graece 

et IMne cum sckoliis et indicibus. Parisiis, Didot, \ot IL pars 2. 

2 Bthlr. 

Steinkart, a Proleg omena ad Piatonis Pkilebum, Naumburg, 
SteUng. 58 S. 4. (Progr. des (iymn. zu Schulpforta.) 

Sasemihl, Fr. Nachträgliche Bemerkungen über IMalons Gastmahl. 
Pbilologus VHI. S. 153—159. 

üeberweg, F. Ober die Platonische Wellseele. Rhein. Mus. IX, 
S. 37—84. 

Wlolewski, F. Zu PlaL Pkaed. p, 66 B. Münster, ind. sckoL 
kib. 1853—54. 

Ptutarcki vitae parallelae. Recognatit C Sintenis. Upsiae, 
T^ubner (A 7.) VoL II: Ttmoleon et Aemilius Paulus, Pelopfdas et 
Marcetlus, Aristides et OHo, Pkilopoemen et Flaminius, Pgrrkus et 



88 Mtscellen. 

Marius, Ufiomier et SuUa, Cimtm ei Lueuilue. 18 Ngr. — IW. ///. 
Mcioi et CraesuSy Sertor tue et Eit^ienes, Agesfinue et PampeHis, Ate- 
xander et Caetar, \% Ngr. 

Plutarch's vergleichende Lebensbeschreibungen. Griechisch und 
deutsch mit kritischen und orlitarenden Anmerkungen. Leipz. Engelmann. 
Th. I: Themistokles u. Gamillus. — 18 Ngr. 

Sintenis, C. Zur Kritik des Plutarch. Philologus VIIV S. 142— 152. 
Rhetores Graeci ex recogHtttone Leonardi SpengeL 
Upsiae, Teuimer. {B. 71) Xol L 1 Rlhlr. 

S. Zeitschr. f. d österr. Gymu. 1853, S. 569. 
Sophokles, erklärt von P. W. Schneidewin. Leipzig, Weid* 
mann (Sammlung). Bd. 5. Elektra. Vt Rthlr« 

ISotpo%Uovq Sififiaxa, Mit Einleitungen und Anmerkungen für 
Schulen herausgegeben von A. Witz sehe L Leipzig, Geuther. Bdchn. 7: 
OldCnovq inl KoXmv^. 9 Ngr. (Bdchn. 1—6, 1844—51. 1% Rthr.) 
Ehlinger^ C, 7. J)e fati apud Sopkoclem mttone, tndote^ vi. 
Part, prior. Berol. (J>ist. inaug.) 

Enger, Dr. B. Bemerkungen zum Ataq des Sophokles. Ostrowo 
(Gyronasialprog. 1851.) 31 S. 4. 

Hagemann, A. De fato Saphocleo pari, prior. Berol. (Dies, 
inaug) 

Schneidewin, F. W« Die Sago vom Oedipus. Göltingen, Dietrich. 
50 S. 4. (Aus den Abhdig. der k. Ges. der Wifsensch. zu Göttingen.) 
Schneidewin, F. W. Ober einige Stellen in Sophokles Elektra, 
in den Verhandl. d. Philol. VersammL zu Götlingen. 

Teuffel, W. Die Rollenverlheilung im Sophokleischen Oedipus auf 
Kolonos. Rhein. Mus. IV, S. 136—138. 

Wolfft G. Oedipui Tgrannus post Elmsleium denuo collata cum 
codice Laurentiano prlmo. Rhein. Mus. IX, S. 118—28. 

Strabonit Geographica ^ recognovU A, MeiHeke. Lipsiae, 
Teubtier. (B. 7.) Vol. IL 15 Ngr. Vol. IIL 21 Ngr. 
S. d. Zeitschr. 1853, S. 569. 
Strabonie. Geographica graece cum versione reflcta. Accedit 
index variantie lectfonis et tabula rerum nominumgue locupletissima. 
Curantibui C. Muellero et F. Duebnero. Farisiis, Didot. Pars 
prior. 4 Rthlr. 

Suidae lexicon graece et latine. Ad fldetn optimorum libro- 
rum exactum post Th. Gaisfordum recensuit et amiotatione critica tn- 
struxU Gf. Bernhardy. Balis et Brunsvigae^ Schwetschhe. Tomi H. 
fasc. iO. 2V, Rthlr. (Compl. 24 Rthlr.) 

Wird nächstens in dieser Zeitschr. angezeigt werden. 
Thukydides' Geschichte des peloponnesischen Krieges. Grie- 
chisch und deutsch mit kritischen und erklärenden Anmerkungen. Leipzig, 
Engelmann. 2 Bde. 3Va Rthlr. 
Xenophon. 
H u g , Arn. Cb^r das gegenseitige Verhältnis der Symposien des Xe- 
nophon und Plato. Philologus VII, S. 638—695. 

Lohmann, Rud>vDie unter Xenophons Namen überlieferte Schrift 
vom Staate der Lacedämonier und die Panathenaische Rede des Isokni- 
tes in ihrem gegenseitigen Verhältnisse dargestelU. Greifswald, Roch. 
V, Rlhlr. 

Matthiae, Const. ^istola ad Ludovicum BreUenöachium de 
critica in Xenophontis Anabast factitanda. Quedlinburg. Gymn. Progr. 
S. Mützeirs Zeitschr. VII. S. 795 ff. 



Erste Abtheilung. 



Abhandlungen« 



AndeotQQgen aber den gegenwfirtigen Stand der home- 
rischen Frage. 



Wi, 



(FortaeUang und Schlafe.) 



weDdeo uns nun zu den Anhängern einer vemiitteln* 
den Ricblung. Vermittelnd können wir die Auffalkung Faesi*« 
neoBen, welche im allgemeinen sich an die oben erwähnte von 
Weicker und die von Bernhardy (Grundriß der griechischen Li- 
teralar II, S. 90 ff.) anachlieCit. Für Faeei (Odyssee, Einleitung 
& III) ist '%>fAi7^o^ <K^in Mann von höherem und umfaGsenderem 
Dichtergeist^ , der nach lange gepflegtem Heldengesang die 
einzelnen Stücke zu einem wolgeordneten Ganzen einigte und ver* 
band, den schon ursprünglich darin liegenden Zusammenhang zur 
plannibjgen dichterischen Einheit erhob und ihnen durch seinen 
Geist und die siltliche Haltung das gleiche Gepräge aufdruckte.» 
Dergleichen Homere — denn für Hrn. F. ist oiiijQog durchaus 
ein Appellativum — soll es nun aber mehrere, jedenfalls einen 
f&r die Uias und einen für die Odyssee gegeben haben^ und jene 
■mfabeadm Dichtergeister erscheinen im weiteren Verlaufe doch 
iamer mtkr als bloCie Sammler, die sich zu den vereinigten 
Slüeken so kaiserlich verhielten, dafs sie «doch nicht alle Spuren 
des verschiedenen Ursprunges und der früheren Getrenniheit der 
Tbeäb vierwischten», noch weniger aber «unwesentliche Abweichun- 
gen des Sprachgebrauchs, kleine Unebenheiten des Verses, Ver- 
echiedenbeiten in den mythologischen Vorstellungen und den Sagen 
•elbsl, namentlich aber Misverhältnisse in der Zeitrechnung» aus- 

Z«iU«liriri far di« öst«rr Oymnaa. I8ö4 H- Haft. 7 



90 Andeutungen über d. gegenw. Stand d. horoer. Frage, ¥. G. Curtiui. 

schnitten (S. V). Und dergleichen Hisverhältnisj^e läfist denn eben 
Hr. F. im einzelnen sehr vielfach zu. Die Bedenken, welche dieser 
Ansicht entgegenstehen, sind schon früher in dieser Zeitschrift (I.Jahr- 
gang 1850. Heft 1. S. 89 IT.) hervorgehoben worden. Solche Einiger 
wären unseres Bedünkens gar keine Dichter mehr; oder was ist 
das fuj* ein Poet, der überall überlegt, ob er etwas stehen lafsen 
oder verändern soll, der durch Widersprüche nicht gehindert 
wird, und doch ein planmäfsiges Ganze schafft, der schon Zu- 
sammenhang vorfindet und doch seine ganze Stärke im Einigen 
hat. Solche Einigung wäre eine Redaction , und die können wir 
im neunten Jahrhundert v. Chr. unmöglich annehmen. Ja, wenn 
wir uns auch auf diesen Standpunct stellten, so würde es uns 
dabei noch unverwehrt bleiben mülsen, auf Grund der von Faesi 
selbst eingestandenen Widersprüche und Unebenheiten dem ver> 
schiedenen Ursprünge der einzelnen Lieder nachzuspüren. 

Ein ganz anderer Versuch der Vermittelung ist der von 
6 r 1 e , der in seiner History of Greece Vol, II (London 
1846) sehr ausführlich auf die homerische Frage eingeht. Grole 
stützt seine Theorie wesentlich auf zwei für ihn feststehende Thal* 
Sachen^ eine negative und eine positive. Die negative ist die, 
dafs Pisistratus und seine Genofsen unmöglich aus früher völlig 
getrennten Liedern ein ganzes hätten schaffen können. Er schlieffit 
daraus, dafs schon früher eine Einheit in den homerischen Ge- 
dichten hätte vorhanden sein müfsen. Dieiä Argument hat seine 
Bedeutung, trifft aber nicht die, welche es treffen soll. Freilich 
wird sich nicht leugnen lafsen, dafs vor Pisistratus ein Zusammen- 
hang zwischen den einzelnen Liedern der llias und Odyssee be- 
stand , daCs jedes dieser beiden Liederganzen schon bis zu einem 
gewissen Grade abgeschlofsen war. Unmöglich hätte ja sonst die 
cyklische Poesie die in llias und Odyssee nicht besungenen Sagen 
zu ihrem besonderen Gegenstande wählen können. Aber einen 
solchen vorpisistratischen Zusammenhang hat auch niemand ge- 
leugnet. Lachmann weist in seinen Betrachtungen widerholt 
darauf hin , wie ein Lied das andere fortsetzt , wie eins sich auf 
das andere bezieht. Und noch deutlicher ergibt sich Lachmanna 
wahre Meinung über diese allgemeine Frage aus dem was Fried- 
länder in seiner Schrift ^«die homerische Kritik von Wolf \m 
Grole» (Berlin 1853) aus L *s Briefen an Lehrs mittheilt« Dort 



Aiideiitungen übet tl« gegenw. Stand d. hom^r. Frnge, ? . C. QtrtiUM. 01 

i(S. Vü2) redet L. mit ßcstifiiTfitheit von einer ^unwitlkürlich enU 
itandenen Einheil^'i «olche Einheiten^ heifäl es f^macht nicht der 
läiizdne Poel, sondern die Süge'K Dort bezeichüct L* diejenige 
[Gattung von epi^^chen Gedichten, welcher («die Lii'der vom Zorn 
lirnd Odys.^eris Heimkehr'^ angehören, als ^.Lieder versehfedener 
Dichler^ die Fabel in einem Sinne HulTuf^send, sich beziehend 
auf einander oder atir Lieder ahnhchen ln)iaUii^\ Es^ iü un- 
begreiflich, dafs Hr. Friedfanffer, der uns selbsl in der Vorrede 
Jene nierkwürdigen Millheilun^en über Lachmann's Ansicht macht, 
im Verlaufe seiner Schrift Grotes Einwürfe ganz ruliig wid^rholt, 
indem er fortwährend gegen die Annahme <<unzu^ammenhangen- 
der Gesänge'^ (S. 14) solcher ^.Stücke, die ohne Bezug auf ein- 
ander gedichtet waren'' (S» 15) polemisiert, die Frage aufwirft 
(S, 26) wie Bin Zusammenhang entstehen konnte, wenn die ße- 
slftndtheile des Gedichtes einander ursprimglich fremd waren *^ und 
doch (S, S4) wider anerkennt, daCs auch Lachmann Beziehungen 
der Lieder auf einander annahm. Eben so wunder hch ist der 
Einwand y dem wir S. 15 begegnen: ^^wiren bis auf Pisislratus 
nur Lachmann'§ sechzehn Lieder bekannt gewesen^ dann kon^ite 
keine Zusammenrijgung die durch Jahrhunderte befestigte Gewohn- 
heit vernichten*'. Aber wo hat denn Lachmann behauptet, dafs 
alless anfi^erhajb jener Lieder erst zu Piöistratus Zeil enUtanden 
sei? Er redet immer nur von Nachahmern, vom I^tichahmerHÜl, 
und betrachtet den Fm^lratus nie als etwas anderes^ denn nJ» 
Sammler. AIj^o dieti negative Moment, auf welches Grote und 
sein Antiänger Friedtander sich stützen, trÜTt Lachmann'ii Forschung 
gar nicht, es wurde nur diejenigen IrelTen, welche den Redaclo- 
ren des Pisisiralus statt einer redigierenden eine wesenllich um* 
dichtende poetische Thätigkeit beimefsen wollten. — Das positive 
Moment aber, das Grole und b'riedtänder überall t»ervürktd»ren, 
jsl die ihrer JMeinung nach anerkannte planmälVige Einheit der 
Odyä^ee. Grole geht so weit S. 220 zu behaupten, ^^wenn e^ 
iich getro0en hätte, dafs uns die Odyssee allein erhalten wäre 
ohne die Ilias, so würde der Streit über homerische Einheit i^ich 
nie erhoben haben,*' Freilich fehlt es in Bezug auf die Odyi$see 
noch au Forschungen von der Schärfe und Umsicht, mit welcher 
Lachmann die tlias zerlegte; die ausfuhrliclisle Bearbeitung der 
Odyssee ist von Kitxsch durchaus im Sinne der plaumäfsigen 



d3 AndtiuluDgen über ä. gegetiw. Stand d. bomer. FYage^ t. f. €iirtf^i. 

Einheit vorpitommeti* Aber selbst diese Bearbeilung bat riVM 
blof^ Interpolationen, sondern auch zwischen Theifen^ die sie für 
echt halt, namt^ntlich zwischen d und o^ Incongruenzen auf- 
gedeckt, über die wir nicht so leicht hmwe^kommen werden. 
Einzelne Ttieile der Odyssee, namentlich die Nekyia (A) und da?« 
17te Buch (<p) sind bei näherer Uniersuchungf (von Lauer und 
Rhode) als keineswegs mit den anderen Theiien der Odys«et^ 
übereinstimmend erkannt; das VerbäUnis der Gütlerversammlun^ 
in ß und e mit Recht bedenklich gefunden, des Schtufses der 
Odyssee gar nicht zu gedenken, der schon von Aristareh ver- 
worfen ward. Ob sich diefs alles durch die Annahme von Inter- 
polationen in ein vorher obg:e«Ghiofsenes Gduze wird erklären 
lafe^en, mufs erst die weitere Forschung lehren. Sicherlich wird 
diese nuch vieles einzelne in ganz anderm Licht erscheinen laff^en^ 
Wii ^- B. das erste Buch der Odyssee, auch abgesehen von der 
Götterversammlung, eine Menge kritischer Schwierigkeiten darlnV 
let- Ferner zerfällt doch grrade die Odyssee in ganz verschie- 
dene Gruppen, deren Darstellung nur an einzelnen Stellen in ein- 
ander verarbeitet ist, und den ^Jlxu'ov ijToXoyog erktaren die 
Vertheidiger der Einheit selbst für eine Episode^ die eine gewisse 
Selbständigkeit hat. Und ob wir über einzelne schon langet 
nachgewiesene Widersprüche, wie Über Odysseus" blondes Haar 
im Buche v 431 und schwarzes in sr 167 so leicht hinweg* 
kommen können wie Nitzsch (S. IBB) ist auch die Frage. Mit 
einem Worte der gegenwärtige Stand der Untersuchung ist kei- 
neswegs danach angethan, die Einheil der Odyssee als eine ur- 
sprüngliche und plannrafiiige so ohne weiterei^ zuzulafsen, obwnl 
wir die grüfoere Spannung und Künstüthkt rt in der Anordnung 
der Odyssee anerkennen mufsen. Koch viel weniger aber dürfen 
wir von dieser Einheit aus uns mit Grote und Friedländer Schlülse 
auf die Binlieit der Uiade erJaubm, 

Entziehen wir aber dem Vermitiefungs versuche Grote's und 
Friedländer's jene beiden Fundanienh% so verliert er schon sehr 
an Festigkeit. Beide Gelehrlett gehen von der Ansicht aus, e^ 
müfse auch in der llia» eint^ planmäfsige Einheit herrschen; du 
aie aber für die mancherlei Widersprüche und die bedenklichen 
Hemmungen in diej<er voraus geselzlen Einheit nicht blind sind, so 
werdi^ii sie auf dir Annahme eines zwar ursprünglich vorhanüe- 



wen, aber spühT enUleltten Plmm geföhrt, Vml zwar soll der 
ursprüngliche Plan der einer Ach il Lei 8 gewesen sein, die uns 
nuch in den Gegangen I, 8, II bis 22 vorliegt; die beiden leiz- 
frn Bücher geilen Grole lur (< Anhängsel am Schweire des or- 
Hprünglichen Gedfclils^', oder wie Friedländer sich ausdrückl, für 
FarlselzuTigen dm ymprüngfichen Gedichts, ^^das aber auch niil 
dieser Fortaetznng noch eine Acdilieijis bleibt** (S, 2B). (.Aber 
die ßücher vom zweiten bis zum siebenten und d^a lehnte können 
in dem Plane eine^ solchen Gedichtes nicht gi'legen haben. Sie 
unterbrechen die Erzählung^ obne sie im geringÄten zu fordern^ 
oder ftuch nur mit ihr zu?iammenzuhängen , und durch ihre Ein- 
förrung ist das Gedicht erst zu einer IIjäs erweitert worden* 
IViese eingeschobenen Tfieile stehen jedoch den übrigen lieines- 
Wegs an poeU.-ichem Verdienste nach- Ebeniüo wenig tragen *ie 
Irgend eine Spur späterer Entstehung^ vielmehr lübi die völlige 
Cbereinstjnimung in Ton, Charakter, Behandlung und Ausdrucks- 
weise scblttfsen, daft beide Gedichte demselben Zeitalter angehö- 
ren. Wetchea von beiden das frühere war, ist itnmdglich zu 
»rmüteln.^ ^Das neunte Buch ist ein späterer Zusatz" {ß. 29). 
Itti weiteren Verlaufe werden jene Lieder, welche ^ein Gemälde des 
triijanischen Kriegs im allgemeinen bilden'^ (S, 63) häutig mit 
di*m Namen 1 1 i a s im engeren Sinne bezeichnet^ so dal^ man die 
Meinung der beiden Gelehrten kurz so ausdrücken kann, die ur- 
^prüngbche Achilleis sei mit einer ursprünglichen kleinen llias zu 
einem grofsen Gedichte zusammengeschtofsen. Die Fugen dieser 
Operation wollen aie noch im 2fen und 7ten Gesänge entdecken 
(S. 63)* Diesen im wesentlichen von Grote gefafsten Gedanken 
hut Friedländer in seiner kleinen Schrift mit viel Eifer und in 
lebendiger Darsteltung zu vertheidigen gesucht. Gegen diese An* 
sieht drängen sich uns nun aber doch sofort umtbweiäliche Be- 
denken auf. Das erste betrifft die Bezeichnung der Gesänge 
1 — 7 und 10 als (^kleine llias.'* Dafs diese Gesänge unter sich 
ein kleines ganze gebildet haben, wird von den beiden Herren 
ütierjül angenommen, aber nirgends auch nur der Versuch ge- 
macht, es zu be weiften, und in der That würde dieser Versuch 
ohne Zweifel mislingen. Eine Itias^ wenn auch eine kleine, ohne 
Achill und ohne den Zorn des Achill ist als planmäfsiges Ganze 
undenkbar Die einheitlichen behaupten mit Recht, auch in jenen 



94 Andeutungen über d. gegenw. 8taiid d. honier. Präge, v. G. CurtHu, 

Gesängen werde Achill als xürnend vorausgesetzt, gleichviel ob 
das die Zuhörer vom Dichter oder aus der Sage wurmten. Und welch 
ein Einfall eines planmäfsig schaffenden Dichters, ein abgerundeled 
Lied vom troischen Kriege mit der Aufruhrscene im zweiten 
Buche*) zu beginnen und mit dem Abenteuer des lOlen Buches 
zu schh'e&en ? Und wie steht es denn mit der Doloneia, die ja sd 
augenscheinlich ein Lied für sich ist? Es scneint^ dafs die beiden 
Herren sich diese kleine Ilias gar nicht näher ausgedacht, oder 
auch angenommen haben , wir besäfsen nur Bruchstücke davon in 
unserer grofsen Ilias. Das möchte nun aber schwer zu erweisen 
sein , und in jeder Weise bieten gerade die Bücher B bis H so 
manches einander widersprechende, unvereinbare, es ist hier so 
wenig ein bestimmter Fortschritt zu erkennen — was alles Lach- 
mann nachgewiesen hat — dafs die Behauptung, wir hätten in den 
erwähnten Büchern auch nur Bruchstücke eines besonderen kleine- 
ren Ganzen aller Wahrscheinlichkeit entbehrt. Zerfallt uns dem- 
nach jene kleine Ilias wider in Lieder, so entfallt damit das eigen- 
tümliche in jenem Vermittelungsversuche, der darauf hinauslaufen 
wird , die echte oder Urilias , die somit eine Achilleis wäre , auf 
die Bücher 11 — 22 zu beschranken , 23 und 24 für Nachdich- 
tung, die Bücher 2 — 7 und 10 aber für eingeschoben, 9 für un- 
terschoben zu erklaren. Aber so starke von einander unabhängige 
Einschiebsel in ein planmäfsig abgeschlofsenes Gedicht? Und 
ferner, Hn Fr. erkennt das eingeschobene nicht blofs als gleich 
vollendet, sondern auch als gleichzeitig an. Es würden also neben 
der Epopöe oder dem concentrierten Epos immer noch einzelne 
Lieder kleinerer Art gedichtet sein. Die ältere Sängerweise wäre 
nicht durch die neuere einheitliche verdrängt. Der Dichtergenius 
Homer hätte doch keine neue Epoche begründet, sondern nur 
einen Versuch gemacht, der nicht allgemeine Nachfolge fand; 
gleich vorzügliche Dichter sangen fort und fort einzelne Lieder. 
Denn das und keine kleine Epopöe sind die Bucher B bis H 
nebst K. Das hat doch sehr wenig Wahrscheinlichkeit, wenig- 



*) Die Traumsendung ist nach Fr. ein späterer Zusatz , um die Ilias ao 
die Acbilleis auzufügeu. Aber das Buch B verliert durch Aussdieidung 
des Traumes seinen eigeotlicbcn Charakter, der in einer gewissen 
Schalkhan ij<kci( besleM. 



I 



»tens mtirdie der in der (lAcliilleis'^ nadi^fwiesene Zusainmenhang 
nn sehr schlagender sein, um uns zu überzeugen. Aber auch 
iJ«,"« ui keineswegs der Fall, Um die Adiilleis zu blande zu 
brifigen, werden die kühnslen Versuche gewagt* Doch Buch A 
will nicht tu passen; deshalb soll der Anfang von A verändert 
mn\ auch in anderen Gesängen soll eich ^^ini mündlichen V(>r- 
Irage'* manches geändert haben. Die Verbindung z witschen dem 
lllen und 12ten Gesänge soll verloren gegangen, die ursprüng- 
liche Einleitung durch den jelzigen Anfang verdrängt sein. Inter- 
polationen werden in allen Büchern in bedeutender Anzahl an- 
genommen, und selbst das Vorhandensein kleinerer Widersprüche 
Hngeräumt, Auf diese Weise verliert die ganze Hypothese alle 
Wahrst'heinlichkeil, ^umal da den Rhapsoden auf die Iju^eslal- 
tiing der Gedichte ein bedeutender Einflufs eiNgeräuml wird. 
Denn nach FVs Annahme (S* 48) haben die Rhapsoden ^^die er- 
li-rnten Gesänge nicht mit ängstlicher Genauigkeit widerholl, son- 
dern mit bescheidener Freiheit reproduciert^\ ^,Die Oberlieferung 
hat auf Zeit und Ort der Handlung verändernd eingewirkt. Sie 
vervielfältigte die Ereignisse — und der Raum, auf dem sie sich 
anfangs bequem bewegt hatten^ ward zu eng." (.Eine That nach 
der andern fügte sich der Reihe der glorreichen Kampfe ein und 
m entstand die (nach Lachmann) unermeiJ^licUe Dauer und der 
venvorrene Thatenreichthum des Tages , der A anfangt und bis 
Z 240 wahrl'^ Man sieht, die bewunderle Einheil der sogenann- 
ten Achilleis zerrinnt hier wider ihrem Vertheidiger. 

Wenn wir also diesen Lösung« versuch für verfehlt hallen 
iriuCien, so hindert das nicht, in Friedländer s Schrift manche» als 
sehr fördernd anzuerkennen* Allein schon für die Aul'schlüfse 
aus Lachmann's Briefen müfsen wir ihm dankbar sein, und erfüllt 
das Schri flehen auch keineswegs, was der Titel sagt ^,die home- 
rische Kritik von Wolf bis Grote'^ darzustellen ^ so sind doch 
ilarin manche Puncte in ein neues Liebt gesetzt, und gegen die 
«Ireng uniluriscbe Ansicht wird vielfach sehr eindringlich gekän>pfl. 
In einigen Puncten sind wir auch genmgi^ Hrn, Fr gegen Lach- 
niann Recht zu geben , namentlich in der S. 76 gegebenen Deu- 
tung von T^avfifiaQi^oi j das wol ohne Zweifel nach Artstarch 
fSchoL A 472) den ganzen übrigen Tag hindurch bedeuten 
kann^ und ebenso in der Erklärung von O 318, wo i^u mlG^ 



j 



9(i Amleului»gi»n über (i. geg^iiw. SUnd H* homer. F\n^t\ v. <?. Curifm, 

{ftiyida) offenbar nichU anderes bedeülel, als ^^aU^* nicht ^^öo 
oft er die Aegis scliüttelle *' In Beireif solcher Etnzflheilen enl- 
hiellen aach Fr/s Aufsarze in Philoio^tiM (Jahrgang iV, Hefl 4, 
VI, H. 2 u, 4) viel Ireiriicbes. *) 

Während nun von der einen Seite die glrengsle planmafBige 
Einheit behauptet, von der anderen Versuche gemacht wercien, 
einen sehr weitächichligen oder einen stark entälellten Plaii uach- 



*) Hier iit auch der Ort, einer kleinen Schrift eu geämken, W(?tche wir 

scKoü deshalh nicht übergehen wolleu, wt-tl sie ein errreiiNch(?s Zd*i 
chün de3 unter den öäterraichlscben (>ymna^fa]l&hrern Kitnrhmtfndeiil 
wiraciiJchaflficheQ Slrebena iift. Dai dh(*}ähng6 Programm düü k. baj 
Gymnasiums iu Triest enthält in der Abliariillung des Dn, Puiiificharlj 
,L)ie Jlla^ und ihre ßfdeulung^ einen Ver^ueh, ilie homeujK'he Fragf| 
in Betreff der lliai auf eine eigentümUche Weise in lösen. Diese 
Versuch ist mit bbendigem Geiste angestellt, die Darstellung ist friictl' 
und voll Begeisterung. Doch roufs ei uns wunder nehmen , dafs der 
Vertf der doch mit den DnterF^uchungpn MIzKchV LaehiDann'Sj Lauer*a j 
bekanai ist, sich in eine so gar luTtige Vermuttuing verirrt bat, näm- 
lich In die, dafs PisiKtratus und «seine poetischen Freunde* aus def i 
Ilias eine AchiKeis gem^icbt häUen. Die Gründe, wdcbe dieser Ao* j 
siebt entgegen stehen, drängen sieh ja sofort einem jeden auf. PI* j 
sisiralüs war eben so wenig wie «seine poelischen Freuude* ein epi- 
seber Dichter. Die ünmöglichkert davon ^ t. B, die Thetislieder (Scbluli I 
von A und Z) iu Ptsistratus' 2eit tu verlegen^ wird Hr, P. bei Üeftt* | 
ren und umfalseti deren Sludieu der griecbischen LueraturgescbichttJ 
seihst leicht einsehen. Auch verweisen wir gegen diese Meinungi 
auf das vorhin (S. Bft 1. d. Jhrgs. S. 22) uberXfnophaneH Ijemerkte. Wie 
dieser eifert Qr P. gegen die homeris^che Gbtierwett, gebL aher offenbar 
viel in Wüit» wenn er einzelne Stellen der Ibade geistlos (S. 25), kfäg- 
lich (S. 30 j, ja pjemein (S, 33) findet^ Bei so verwickeKen und dcli* 
tüten Fragen mufs man sich sehr hüten, den Mund zu voll zu nehmen, 1 
Wir zweifeln nichts dafs fortgeseUle mythologische Sludieu ihm aucli 
darin manefaes in einem anderen Lichte erächeinen^ und ihn erkennen 
laf?ien werden, wie die khidliclie IVaivität dieser alten IKetiler bei atleci| 
Scbwachrn , Lnunen und Fehlern der Götter dot^h dnrtiil eine hohe 
Verehrung zu verhindun wnfste. VVidt?rspritche sind mit diesem aJun- 
lieh gefafsten lipUtjrweseu nothweudig verbuudeu- Am wenigsleii 
aher dürfen wir u n s e r n l^lafästab von gollhcben Dinji^en an die 
griechischen Mythen legen, und danach daa ausscheiden wollen, waAl 
uosereu höheren und reinereu Vorslellnngen nicht zusagt. AMe» daf 
tiiadert uns jedoch nichts ein regea Streben in dieser Ahhandlung au- 
luerkeiinen. 



zuweUen, fehU e** auch neuerding^s nicht m IJntersuchuupren, wrlrhe, 
grofi^enilieils im Anächfuf^ an LHchmanti, die äO^enannlc La-rli^r-» 
Ibeorie forUubililea , zu besliiligen, 2u trgmzm und zu berichJi- 
pn ^chen. Die bedeutenderen Leijitungen die&er dritleri Richtung 
tuif&ea wir hier in's Aug^e falisen. Wir können dabei vei?<thiidt*ne 
Seiren der Fornchunji unler^cheiden- Lachni^inn seUksl hat Jim 
wenigsten mit der äuUetm Seite «ich beÄcbäfligU Ua er Mbsi 
der AMictit war, mau dürfe nli-ht alles auf einmal thun wollen^ 
liefs er die Irndüron von Homer und seinen Gedichlen ganz bei 
mli% und griff dafür inil der ganzen Energie seines scharf ein- 
drtfigenden Geii»tes die bk dahin Yernachltir^i|r(e innere Sdle an« 
Preiüch über rral mehr und mehr das BedürTrits ein, auch die 
ütt&eren Schicksale der Gedichle neuerdings £u prüfen, und die 
lirilik der Tradilion der Kritik der Gediuhla selbsl hinzuzufügeru 
Auf das, was Lauer namenliicb nach dieser Richtung hin erätrelftte 
und Iheil weise ausführte, haben wir unsere Leser schon in der 
Anzeige «einer ^(Geschichte der hoinerii^chen Poesie*^ (Jtihrg. t85l, 
titfl II) hingewiesen* Nach Lauer hat baäonders ein anderer .Schü- 
ler LachmannV, Sen gehuscht in seinem auwführtichen Berichte 
aber Laueres Buch (Neue Jahrbücher f, Phittdügie und Piiiiagogik 
ISjS, Bd. 67, Heft 3, 4 u. 6) stich dieser Seile der Frage an- 
genommen. Der herbe und setbslgefäthge Ton dieses Aufäaties, 
d^'r »Ich bis^weilen sogar in triviule Scherze verliert « macht einen 
um ao widerlicheren Eindruck, da es der Recensenl mit der un- 
viillendelen Arbeit eines todten zu thun hat» Lachinann^ welcher 
auf Lauer viel hielt, würde das nie gebiltiget haben* Diefs darf 
unsjeduch nicht abhatten, das wm Hr. Sengebusch uns an wifsen- 
äiLhaflUchen Ergebnissen bietet^ ^k höchst bedeuiend anzuerkennen. 
Hr. S* wuterwirft die Sagen und Meinungen über Homer's Vater* 
h&nd und Lebenszeit einer sorgfältigen und scharfssinnigen Unter» 
Buchung. Er stellt besonders die Cber tiefer ung^ welche Homer mit 
der Wanderung der lonier in Verbindung bringt, In ein hilles 
Licht und weist nachdrücklich auf die bisher zu wenig beachtete 
Ansicht Aristarchs hin, der den Homer für einen Athener erklärte. 
iViimenilich aber scheint der Gedanke aufserst glücklich, den Hr, S, 
durch seine Tabelle versinnticht» Da haben wir in chronologischer 
Keiiienrolge ulle Angitbeii über Honier's Geburlszeil und Vaterlaitd 
nifben einander. Wenn wir auf die^je Wei?ie überblicken, wie tlm 






98 Aiiileuluiigiu üljer <l. gegenw. Stand d. homcr. Frage, v. G. Curiiu$, 

Altertum den Homer vom Jahre 1075 an bis zum Jahre 625 ▼. 
Chr. geboren werden lafel, und wie die Ang^abe des GeburlaoHe« 
von Athen an zu den ionischen Köstenstadten hinäber geht, bei 
diesen aber der chronologischen Reihenfolge nach den Weg von 
Norden nach Süden verfolgt, so wird es freilich sehr wahrschein- 
lich, dafs alle jene Daten nichts anderes bezeichnen, als den Zeit- 
punci, in welchem die homerische Poesie an jedem dieser Orte auf- 
kam. Man sieht, wie es mit der von Nitzsch so stark betonten 
nationalen Überlieferung bestellt ist. Hr. S. gibt un« aufserdem 
eine Menge wichtiger neuer Ansichten und Andeutungen, unter 
denen hier nur die hervorgehoben werden mag, dafs der Beweis 
des jüngeren Ursprunges der Odyssee verfehlt sei. Allerdings 
wird man vom Slandpuncle der Liedertheorie aus die Möglichkeit 
zugeben müfsen, dafs einzelne Lieder aus dem Kreise d^ Odyssee 
aller sind als einzi^Ine aus der Uias. Aber auf den Beweis, dafs 
sich dieCs wirklich so verhalte^ und auf die von Hrn. S. in Aus- 
sicht gestellte «Scala des relativen Alters der einzelnen Stücke 
beider Gedichte^ müfsen wir sehr gespannt sein. Welche Kriterien 
dabei zur Anwendung kommen sollen, ist aus jenem Aufsatze 
noch nicht ganz ersichtlich. Das allergröfste Gewicht wird darin 
überall auf die Kritik Aristarchs gelegt. 

In den auf das innere der Gedichte in dem bezeichneten 
Sinne gerichteten Untersuchungen können wir zwei Arten der 
Forschung unterscheiden. Die eine Art fahrt in Lachmann's Sinne 
fort, den einzelnen Theilen und ihrer Zusamuienfugung nachzu- 
spüren: sie beschäftigt sich wie Lachmann vorzugsweise mit der 
Analyse der Gedichte selbst, Gndet in ihnen sachliche Wider- 
sprüche oder poetische Ungleichheit und construiert darnach ein- 
zelne Lieder. Die andere Art hält sich vorzugsweise an die Form, 
nntersucht den Sprachgebrauch und den Bau der Verse, in der 
Hoffnung, von da aus zu einem möglichst objectiven Urtheil über 
das Verhältnis der einzelnen Theile zu einander zu gelangen. Die 
letztere Art hat ihren fleifsigsten Vertreter in C. A. J. Hoffmann 
in Lüneburg gefunden, dessen Quaestionen homericae in den Jah- 
ren 1842 und 1848 in Clausthal erschienen. Diese Untersuchungen 
beschäftigen sich mit den kleinen aber verwickelten Fragen nach 
den Cäsuren des homerischen Verses, nach dem Hiatus und dem 
Digamma , und behandeln sie mit einer wol nur in Deutschland 



Aotieutuirgi^n ober d. gtigtim. SUnU iJ, Isomur. Vm^ie, v, G Cnrfkts. 9\\ 

möglichen Ausdauer. Zu bedauern M^ dafa e« dem VerfnfMT im 
iiinfEr;^enderen ^pffichlichen Studien fehlt; diefs InUX ihn in Dingrn, 
^velchc nichl aiis dem ^riecliischen allein enbchiVcien werden kön- 
nen , hätifi^ irre ^ehrnj auch möchte gegen die Schlüfse, weiche 
er von solchen klernen Verschiedenheiten aus auf das verächledtMie 
Zeitalter der einzelnen Stöcke macht, sich wol manchey einwenden 
larseu- Überhaupt, so sehr man auf den eraten Blick der Meinung 
mn möchte, gerade in solchen iwar kfefnen aber scharf tu er- 
ftfi^enden, und, wie es scheint, keiner erheblichen Meinungsver- 
schiedenheit zugönglichen Dingen der sprachtichen und der metri- 
schen Regel wären otijeclive Kriterien geboten, welche ^r ^tt Ent- 
scheidung der homerischen Frage sehr wichtig werden könnten — 
ii*er in dergleichen Forschungen «ich IfeFer elntar?st, erkennt bald 
dfl2 mi^sltche derselben. Das näintich stellt sich, sollten wir inei- 
neui bei alten diesen Untersuchungen immer entschiedener heraus, 
itafs Sprache und Verabau durch beide Gedichte hindurch we^^enl- 
tieh dieselben sind, ferner dafs die homerische Sprache eine laxere 
Begel hat als dlt meisten anderen Mundarien, dafs sie im hoüh>trn 
Grade diejenige Eigenschan besitzt, dia man Flüfsigkeit oder Dehn- 
barkeit genannt hat. Bedenken wir nun auf^erdem noch, wie leicht 
durch eine winzige unwillkürliche Änderung der Rhapsoden in ein 
alte« Lied eine sprachliehe Neuerung hineingebracht werden konnte, 
wie dazu trotz der vorauszuselzenden Ehrfurcht der vortragenden 
itir das alte Lied bis auf die Fiicierung des Textes durch die Schrift 
der gröfste Anlafs sein mufsie, und wie manches auch noch zwi- 
schen Pisistratus und den Alexandrinern sich in diesen Dingen leicht 
verändern konnte, so merken wir, dafs wir uns hier auf einem 
üufsersl schlüpfrigen Boden befinden. Dergleichen üntersuchunifen 
fuhren daher selten zu wirklich überzeugenden Resullaten, nämlich 
nur dann, wenn sie mit anderweitig gefundenen Beobachtungen 
zusammentreffen, oder wenn irgend ein Stuck eine ganze Menge 
fleltaanier Erscheinungen neben einander hat. Etwas anderes ist 
es schon mit Unlersuchungen über den Wörlerschafzj der Ge- 
brauch eines später allgemein üblichen Wortes statt eines älteren 
in anderen Theiten der Gedichte herrschenden fallt schon schwerer 
irrs Gewicht, Für die genauere Erforschung der Sprache aber 
und zur llerbetschairung eines reichen Materials, das gelegentlich 
nutzbar werden kann, behalten natürlich alle suLche For^^chunguu 



1IN9 ^udijdtuiigtjü über il* gegeuw. Stand d. bomer. Pr&ge, v. €* Vurlim. 

ihre WichUgkeit. Und daher heifi^en wir deno Buch die Sebrift 
t(Die Q[Em»htLche Eubtelmn^ der Gesänge der lliaa atis Unlerschie- 
den im Gebrauchs' der Präpodiionen nachgewiesen von Bernhard 
Giseke'^ (Goüingen 1S5S) als eine fleifäige Arbeil wilJkommen« 
Freihch leistel sie nichl das^ ras der Titel verspricbt Es Tehlt 
.^ügur jede zusaiiimi^iirafsende Übersicht über die in mühsamer 
Untersuchung gewonnenen Ergebnisse; nirgends werden die bei 
den einzelnen Präpositionen gemachten Beobachtungen Eusamen^^ 
gestellt. Der Verf. bleibt eben ganz im einzelnen kleben, und 
nimmt auch auf andere Forschungen viel zu. wenig Bücksicht. 
Nach manchen Stellen möchte man glauben, er hielte unter den 
Gesingen der Ihas die früher geslejlten auch allemal für älter, 
Namentlich zeigt sich das bei dem ersten Buche, das obglHch 
doch dessen verschiedene Th«ile nicht zu verkennen sind » ihm 
überall für besonders oUertumtich giltp Ferner so einleuchtend 
derselbe den Unterschied zwischen Uomer und den späteren Epi- 
kern an den Präpositionen nachweist, so gering fügig erscheinen 
im ganzen die DIITerenzen zwischen den einzelnen Theiten der 
homerischen Gedichte. Um wenigstens ein Beispiel herauszuheben, 
findet es Hr. G. (S. 43) auffallend^ dafs in den ersten Gesängen 
der Ilias die Wendung in ^o^e^ov so selten, in den späteren 
Buchern von jd an aber sehr häufig vorkommL Das erklärt sich 
aber ganz einfach aus dem Inhalte der Bücher; in diesen war 
t?ben viel mehr Gelegenheit als in jenen vom Herausrührtm oder 
Kerausgehen aus dam Kriege zu red^n« Manche Onterseheidungea 
des Verfafsers im Gebraucbe der Präpositionen dnd willkürtich und 
seine S. SO ff, entwickelte Casu^theorie trägt ein sehr aubjectives 
Gepräge, wie er denn überhaupt zu sehr geneigt ist zu abstrahie- 
rten und zu generalisieren. Auf den Ursprung der Präpositionen 
aus Adverbien, wodurch allein ein fesler Grund für diese Unter- 
suchung zu gewinnen war, wird nirgends Rücksicht genommen. 
Demnach enthält das Buch zwar recht schätzenswerthe Studien 
über den Gehrwuch der Präpositionen, aber die Untersuchung über 
die Einheit der Ilias ist dadurch wenig geforderL 

Weit bedeutender sind die verschiedenen nach Lachmann 
angestellten Versuche, dessen Forschungen in der von ihm seihs* 
befolgten Weise fortzusetzen* Uier müfsen wir vor allem die An- 



Afidf ulrmg^Ti uIkt iL gegmm. itAnd tl homer. Friste, v. G. Ötrtfn*. 10 1 

zeigf der LHchiiianiiVhett <,Belr«rhluftgen über die üi««*^ in d«*ri 
^Bläüern für lilrrarische ITnlerhallun^'^ vom Jflhre ISiA Nr, I2ö 
bi« 129 erwähneji; eine Arl«fi(^ in df r wjr^ wte man von anderer 
SeitP vermuthel hnl, vieifeicht die Hand einee der erelen Forscher 
auf dem Gebiete der deuluclien LMerarurgeinhichte tu crki^nnen 
haben. E^ wäre sehr zu ivün^chen^ diifs diese Arbeil, weluhe bis- 
her ?iei weniger al8 sie es verdieni beachtet iwl, durch einen 
netien Abdruck der wifhenschaft liehen We[t zugßitglicber (temneht 
würde; und sollte sich der VerfaT^^er enl^chliefiseti mit RücliMcht 
auf die neueren Enl^egnungeu aeineTn dataati^en Urtheile apob*- 
geti^che Zusäl^e hJn^tr:;urQg^en, ao wurde die WiCsenschaft »ich 
davon sicher lith reichen Gewinn zu ver#ipreehen haben. In dieser 
Anzeige wird Lachmann'« Verdien»! um die üieis IrefTender bezeich- 
net alft irgendwo soiisf, DiefH genehifhi am be^limmle^len in den 
Worten (S, 507) ^^Lachmann hat zuerst die bei Wolf noch un- 
erfftlUe Porderung- des dog ^ot nov arm erfüllL Er hat in den 
einzelnen, relativ in sich abgeschlor^enen, wenn auch der Anfö- 
gyng öh verwandle an sich, d. h. durch ihre allgemein poetische 
Nilur nicht widerslrebencten Lfeder^luclien den Sitz der Poesie 
tind poeligclien Kunst nnchgevvieseii, von der man sonst vorau»- 
selzte, dafs sie nur in dem planmüfM|r entworfenen Ganzen ihren 
Siit kaben lidnne. Er hat nicht bloFs im allgemeinen behaupter, 
sondern im beHomiern und in^ einzelnen mit grör^tet AnschauUcli* 
keit nachgewiesen, dafs die Kufi^l, welche aus jenen zersIreuNn 
Sifrctien mit Absiicht und Berechnung ein Ganzes zusamnieiigeffi|:t 
hat, nicht nur nichts mit jener echten Kunst der Poesie, aus wel- 
cher die einzelnen Stöcke der Poesie hervorgegangen sind, geinein 
hat^ sondern daTs durch sie die letztere nicht selten ausdruckt ich 
getrübt, verunstaltet, unterdiückt worden isl.^' Hierin liegt un- 
ser?* Bedenkens der Kern der ganzen Fra^rß, licr von vielen an- 
dern Homerikern ungeburlieh verkannt ist* Lacbmann bat keine*«^ 
wefs jede poetische Kunsl im Homer geleugnet, er redet ja auch 
überall nicht etwa blofs vom Heldengedicht als einem Abstraetum, 
sondern von ,,Dlclitern** aN Per^iOnen, Auch für Lachmann gibt 
es eine echt homerische Einheit^ aber sie bat eben ihren Sitz 
im ein j&e Inen Liede. Diese Ein heil war eine Tur jeden Zu- 
liörer errafsbare, auch wenn, wii^ doch unleugbar oft geschah, 



102 Aiideulungen über d. gegenw. SUnU ü. homer. Frage, v. 6, CurthiM, 

dl« Rhapsoden eben nar kleinere Ganze vortrugen*;; um eie zu 
genieften, bedurfte es weder der Schreibkunca^ noch besonderer 
künstlicher Veranstallungen. Der Verf. der erwähnten Recenmon 
erkennt diesen Kernsatz Lachmann*8 als erwiesen an, bewahrt sich 
aber dabei nicht blofs im einzelnen, sondern auch im ganzen eine 
ganz selbständige Stellung Auf seine Abweichungen in Einzel- 
heiten können wir hier nicht eingehen, so lohnend es wäre* In 
der allgemeinen Auffafsung des Recensenten treten aber folgendü 
Zage als besonders charakteristisch hervor. Aus Lachmann's For- 
schungen, sagt der Recensent (S. 509), ergibt sich nicht blofs, 
dals die einzelnen Lieder sich von einander unterscheiden, sondern 
mit wenigstens gleicher Klarheit und Entschiedenheit, dab die ein- 
zelnen Lieder, sowol die der Ilias als auch jene der Nibelungen, 
von einer ihnen verquickten dem Umfange nach sehr beträcht- 
lichen Hasse sich abheben, welche sich ihrem poetischen Charak- 
ter nach als ein erkünsteltes, von frischer, kernhafter und urkräf- 
tiger Volkspoesie noch ungleich weiter als von echter Kunstdich- 
tung abUegendes Füll- und Flickwerk kundgibt. Dieser Unterschied 
zweier sehr ungleicher Hassen scheint nun dem Recensenten un- 
gemein wichtig und von Lachmann nicht vollständig genug ge- 
würdigt zu sein. Er knüpft daran eine Reihe von Schlüfsen, 
deren Hauptgedanken etwa diese sind. VolksdichMmg unterschei- 
det sich von Kunstdichtung dadurch , dals «ihr poetischer Kern 
durch unvordenkliche Überlieferung sich in wechselnden, aber den 
Kern unberührt lafsenden Darstellungsformen im strengsten Sinne 
als Schöpfung und Eigentum des Volkes, nicht der einzelnen, 
denen die jeweilige Form der Darstellung angehören möge, be- 
thätigf' (S. 510). Die Dichter hallen dabei im Grunde «kein 
anderes Verdienst, als jenen Kern rein bewahrt, und ihn auf die 
seinem Charakter angemefisenste Weise in die sprachUche, metri- 
sche u. s. w. Form, welche das Zeitalter forderte, hineingegoGsen 
zu haben.'' Hit diesem Begriffe der «mit dem materiellen Inhalte 
der Heldensage aus einem Stamme hervorgewachsenen'' Volks- 
dichtung wolle es nun nicht übereinstimmen, daCs sich die Ilias 
bei gleicher sprachlicher und rythmischer Form doch in zwei so 



*) ''E%aQxoi XI ßovXoiTv fiiQog ^ds Schol. Find, Nem. ii. 



Aniliiitiiiigeii über cf. gegen w. Stand d. hoiner. rrngc, \, G. Curlim. fOli 

irerichiedene Massen sondert Das führte auf die IJnrerscheiditn^ 
(Tutir and schfechier Dichicr, darauf ,tdafs die podi^che Sulslanz 
der guten ivirklich Am Dich lern persönlich aiigchörl'^ wett:lie 
^kunatmäfsig'^ zu Werke giengen (S. 311). Daf« djeKe Dichter 
In der Form einzelner Lieder, wie sie Laehmann nachgewiesen, 
gedichtet halten^ müfüe als ausgemacht gellen, aber in Beireff der 
|ulen Dichter falle nun der ^.noihigetide Grund^^ weg, sie ab 
ursprünglich von einander abgelrennt zu denken. Ja m würde 
sogar, freilich in einem g^uz andern Sinne als die Vejlhejdiger 
der Einheit der Wim annehmen, die Frage zulafsig sein, ob wir 
ntchl stall mehrerer Dichter einen anzunehmen hatten. Nehmen 
wir mehrere Dichter an» so nmfjijten wir uns ftöber die grotlse 
Anzahl m nahe verwandter Talente in einem doch gewiss als 
sehr beöchränkl zu denkenden Zeilraum wundern'% als sehr 
beschränkt auch nach Analogie der Nibelungen, deren echte Lie- 
der nach Lachmann innerhalb 20 Jähren (1190— 1210) ihre Ge- 
stalt gewonnen hätten; und ebeniso auffallend wäre andrerseits 
rtdss sonderbare Spiel de« Zufalls, weCcher uns von den Productio- 
nen jedes einzelnen dieser Talenle jnimer nur ein oder hin und 
wider ausnahnisweiöe je zwei Lieder, und zwar immer solche* 
die sich so leicht dazu hergeben, aus ilinon ein Ganzes zusammen- 
xufQgen, hai erhalten wollen.» (S, 513) Die Incongruenzen^ weiche 
L. zwischen einzelnen echten Lit-dern nachgewiesen hat, hält sein 
Recensent nicht für so grofa, dafs sie die Annahme eines Dich- 
ters für die lÜas unbedingt aussehtöfsen, zumal wenn wir ^in 
dem Wesen der epischen Poesie Gründe finden, die auch bei vor- 
ausgesetzter Identität des Dichters einen lockern Zusammenhang 
der einzelnen Theile, eine gröfsere Selbslöndigkeil dieser Theile 
ahs liei andern Dicbterwerken, ja vielleicht ein allmähliches £nt* 
Blehen und Zusammenwachsen größerer Werke, die darum immer 
einen mehr oder minder fragmentarischen Charakter behalten wer- 
den, aus einzelnen unabhängig von einander gedichteten Liedern^ 
als sehr denkbar, vielleicht sogar als noth wendig erseheinen 
bfsen'^ (S. 514). Indess betrachtet der Recensent diese Frage 
noch durchaus als eine offene und Lachmanns Arbeit als einen 
Anfang, als eine Grundtage weiterer Forschung. Er weist darauf 
h.n, wie zunächst die Odyssee und die Gudrun zu einer ähnlichen 



104 ABfleutongen über d. gegenw. Stand d. homer. Frage, v. G, Curtha. 

Arbrit tQflbrdtften ^^ und gniibl mck eüKf sokbsB AiüeB wiffvfa^ 
dann nochmals zu fragen adn, ob ntcM Dha und Odynaea in 
ihren echten Beatandtheilen dennoch das Werk eines und dessel- 
ben Dichters sein könnten. Sollte aber «der Zersetzongsversuch^ 
an der Odyssee scheitern, so würden wir zu dem Resultat ge- 
langen^ dab «die epische Poesie, ausgehend von einer kunslge- 
mftfsen Um- und Überdichtung alter volkstümlicher Heldenlieder 
dieselben erst im einzelnen, dann immer mehr und mehr im Zu- 
sammenhange zu dichterischen Kunstwerken verarbeitet hat, bis 
sie endlich, und wol nicht erst nach einer sehr langen Obungs- 
zeit, dazu gelangt ist, auch in gröfserem Umfange solche Werke 
zu entwerfen und in einem GuGse auszufahren«^ 

Es hat auf den ersten Blick etwas fiberraschendes, dafe der 
Recensent von einer unumwundenen Anmerkung der «Liedertheo- 
^ rie» aus zur Annahme eines Dichters gelangt Der «Kleinlieder- 
jiger'' fangt gleichsam wider seinen Willen den Homer in seine 
Netz^. Aber di« im Umrifs dargelegten SchlOfse zeigen jedenfalls 
die Möglichkeit, die Existenz des einen Homer mit dem Kern der 
Lachmann^schen Nachweisungen zu vereinigen, selbst dann, wenn 
wir unter den Prämissen jener Schlüge nicht alle in gleichem 
Hafiie wie der Recensent betonen können. Es scheint nfimlich, 
dafs die Ungleichheit der beiden in der Ilias zu unterscheidenden 
Hassen allzu stark und rücksichtslos hervorgehoben isL Nicht 
alles, was Lachmann um der Einheit der einzelnen Lieder willen 
von ihnen ausschliefst, ist deshalb schlecht und des echten Hörnerne 
unwürdig. An der Teichoi^kopie des dritten Buches tadelt L. eigent- 
lich nur die ungeschickte Anknüpfung; an sich enihfilt das Stück 
eigentümliche Schönheilen. Ebenso dürfen wir über Ladimann*s 
16tes Lied, das die Bücher 27 bis ^ umfafst, nickt so leicht hin- 
Wegeilen. Bier freilich hat L. es sehr bestimmt ansgesprodieii 
(8. 60), diese Lieder seien Vis fast alle früheren, die desw^en 
nicht um Jahrhunderte älter zu sein brauchten, zu schlecht; sie 
nehmen sich ärmlich und kühl aus gegen die edleren Theile« 
Aber gegen diefs Urtheil scheinen die Gegenbemerkungen von 
Priedländer (S. 69), von Hoffmann (IVüfung des von Laehmann 



*) Diese ist seitdem in Bezug auf die Gudrun unternommen von K. 
Mullenhof «Kudrun. Die echten Theile des Gedichts', Kiel 1845. 



ind^utuogeit über d. geg^nw. Stand d, homer. Frftge, V B, Curtim. 108 

über die letzten Gesänge der Ilias gefall len Urlheils. Programm 
des Johanneums in Lfineburg:, 1850) und von einfm gleich näber 
zu besprechenden Anliänger Lachmann^s^ Holm (Programm dea 
Lübecker Kalhyrineums, 18^3. S» 22) nichl unbegründet zu sein. 
NomenÜich Duden dch in dingen Büchern unleugbar einige der 
schönsten Gleichnisse (z. ß. 2' 164 — 175)* Wenn aber auch 
jene schrolTe Dfchotomie In zwei Massen modi (leiert und eine 
mehrfache Abstufung angenommen wprden mufs, so bleibt doch 
des Recensenlen Behauptung, dafs im Homer auch bei der Lieder- 
tbeorie form geben de Kunst zu erkennen sei jn voller GeU 
tung, wir werden in dieser Kunst immer einen bestimmlen Typus 
und die Thatigkeit wirklicher Dichter anzunehmen haben. Ja dafs 
ein Dichter diesen Typus schuf und einen Cyklus einzelner, sieh 
auf einander beziehender^ aber jedes für sich gedichteter Lieder 
ans der Sage heraus formte, mufs als principiel möglich euge- 
geben werden. 

Wesentlich auf derselben Grundlage mit dem vortrefllichen 
Kritiker in den Btälterii für literarische Unterhaltung beltndet sich 
Cauer in seiner, Berlin 1850 erschieirenen Schrift ^,über die 
Urform einiger Rhapsodien der Ilias '^ ((Nachdem?^ heifst es S. 5 
^die homerische Frage durch die ganze Fülle von Talent, Scharf- 
sinn und Gelehrsamkeit^ die seit einem halben Jahrhundert auf 
ihre Lösung verwandt ist^ sich nur mehr vt-rwickelt hat, liegt 
jetzt der einzig mögliche Fortschritt meines Erachlens auf der 
Bahn, die in planmäfsiger Weise zuerst von Lachmann hetnten 
isL'* Sehr treffend sagt der Verf. S» 10; ^Die Differenz der An- 
sichten bezieht sich oITenbar nicht auf das Vorhandensein oder 
Nichtvorhandensein einheitlicher Elemente in der Ilias, sondern 
auf die Frage^ wie ihr Vorhandensein zu erklaren ist. Auf der 
einen Seile weifs man dasselbe nicht anders zu erklären, als durch 
die Annahme einer dichtenden Persönlichkeit, auf der anderen 
Seite sucht man den Ursprung der einheillichen Elemente nicht in 
der Function des Dichters selbst, sondern anderswo, und zwar 
theils diefsseits theils jenseits derselben; jenseits: in dem einheit- 
lichen lebendigen Sagenstoffe, aus dem die Dichtungen geflofsen 
sind; diefsseits: in der ordnenden und verknüpfenden Thätigkeil 
der Diaskeuasten.'* Von den Fugen und der ursprünglichen Ver- 
schiedenheit der van den letzteren zusammengefügten, ursprünglich 



t(t6 Andeutung«!! über d. gegenw. Sland d. homer. Fragi% v* G\ Curttm 

aellisrändigen Poesien, meinl der VerF. S, II, seien noch sfhr 
deüllic:ke Spuren zu erkenrien. In diesem Sinne unterwirft er nun 
nül steter Buck^sicIU auf Hermann's und Lachmann'M Forschungen 
die ßücher A im II fier Iühs einer nochmalpg^en scharrsmnfpen 
Prüfung. Das Ergebnis ßlll in mehreren wicht rgan Puncten ^u 
Gunsten Hennanns aoi. Hr. C. findet mit Hermann im Buche A 
schon den Beginn des Liedes , dös; In U ausgeführt wird , der 
Patroktie. Ühem'nstimmung entsteht aber zwischen heiden Stücken 
nur dadurch, dafs alles, was von Machaons Verwundung und Pa- 
troktos' Absentlung durch Achill in unsrer Ilias steht, mit Her- 
mann ausgeschnitten wird, Nestor und Machaon sollen vielmehr 
aus Scheu den Kampf verlafsen, Patroklos aus hlofser Theilnahmt 
zu Nestor eilen und von ihm den Stand der Dinge erfahren. Tief 
bewogt kehrt er dann iZ 2 zu Achill zurück, dessen Fragen bei 
diesem Zusaninienhange nichts befremdliches haben. — Dem Verf. 
in die Einzelheiten seiner Untersuchungen über die zwischen A 
und n eingeschobenen Lieder zu folgen, würde uns hier zu weil 
führen. Das kühnere Verfahren Lachmann'*i In Bezug auf diese 
Gesänge hat nicht seine Bestimmung. Hn C. verntulhet, und 
diefs ist das ergenlümlichste in dieser Schritt, im Buche N die 
Zusammenlotuf^g zweier Po^seidonlieder. Das eine, das Lied vom 
offenen Auftreten des Gottes zu Gunsten der Achaer, beginnt 
ihm mit iV 10 bis 37. 

Aber nicht actitlos iaasrhrc» d«?r l^rdorschnitrtT Potjcldon 

,»,< l*ldUlicU slii^g er \imnh voi* dem ifickigen Fdsengdnrg*!, 

Das zweite y das Lied von der heimlichen Einmischung Jea 
Gottes in menschlicher Gejilalt, iV 345: 

Beide gesonderten Stiuis, die mächtigen Sbhne des Kronos 
Saauon dem lleldeiigesclilecht tJiibeil t\\ bereite» und Etend. 
V. 351s Doch die Argeier durchgiong aad ermunterte Poieidaon 
Bvimlich den grauUctieu riuten enttAuehL 

Das erste Lied soll sich nach v. 37 mil S J53 verbinden; 
Here betliort den Zeus durch ihre Bänke, um dem eben ankom- 
menden Poseidon freies Feld zu schalfen. Das zweite Poseidon- 
lied soll uns pur sehr fragmentarisch vorliegen. Dje>e Operatio- 
nen sind nun freilich auch sehr kühn. Dpn ..Ordnern** oder 
Diaskeuaslen wird eine sehr ausgedehnte bewufste Thatigkeit bei- 
gttegt, und did Veisuche, ihre umgestaltende Wirksanikell nach- 



A 



^adeutusgeri ubar cl. gegenw, Stand d, hooier. f rap, ?. ^. CuriiUi. 107 

zuweiaen, sind nfchl immer zu einem befriedigenden AbscIifuT^^e 
gefuhrt. Aber sicherlich sind kühnere Operationen gerade hier 
im JUittelpuncte der lliade nolhwendig. Denn schroffere Wider- 
sprüche als hier finden sich nirgends. Auch Hr. C, hebl der- 
gleichen noch mehrere hervor, so unler anderm die Verschiedeti- 
beit der GöllerweU in der Patrokife und in dem ersten Poseidon- 
Uede. ^tJt^ner Zeus auf dem lda'% heiCsl es S. ß5 schwach und 
tyrannisch, voll Sinnenlu.st, von Herc belhürt, zornig gegi*n sie 
auffahrend, dünn sogleich wider begöügl, und dieser andere fern- 
Hohnende, den Achill mit inbrünstigem Gebete anruft, der mit 
beiliger Wage den Menschen, Troern und Acbäern, ihre Geschicke 
zuwägt, der Ordner der Welt, allmächtig und doch voll Milde, 
was haben sie mehr als den Hamen mit einander gemein?^ 

Nicht ohne Absicht haben wir diese Erwägungen nnmillel' 
bar nach denen des Lachmann'schen Becensenten aurgeruhrt. £s 
spnngt nämlich in die Augen, wie weit beide Forscher von der 
gemeinsamen Grundlage aus, ans einander gehen* Caner hält Irot^ 
der hervorgehobenen Differenz sowot das erwähnte Poseidonlird 
als die Palroklie lur echt homerisch. Konnte nnn ein Dich- 
ter beide Lieder geformt haben? Nothigt diese DiffererjE uns nicht 
für die echt homeriechen Lieder trotz jenrs Recensenlen ver- 
schiedene Verfiifser anzunehmen? Um eine eigene Meinung tii 
diesem Puncte auszusprechen: eine unbedingte Nölhigung durfle 
darin nicht gefunden wTrden. Im Wesen der Mythologie liegt 
die Inconsequenz^ und derselbe Dichter konnte in einem Liede 
mehr die erhabene Anschauung von dem höchsten Gotte, an welche 
die edelsten Dichter der Hellenen sich biellen, hervortreten lafsen, 
in dem andern sich der ganz anlhropomorphislischen Auffafsung 
hingeben, welche von vielen der schönsten Sagen unzertrennlich 
wir. Bestand unleugbar im griechischen Glauben ein Schwanken 
von dem einen zum andern, warum sollte nicht ein Dichter zu 
verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Liedern jede 
der beiden Seiten vertreten haben, zumal ein epischer Dichter, 
der eben doch nur das überlieferte formt, aber nicht ein neues 
schafft. Solche Widersprüche also sind gegen die Einheit de« 
Gedichtes entscheidend , schwerlich gegen die Einheit des 
Dich ters. 

8* 



lOtä Andeutungen über d. gegen w, Stand d. homcr. Frage, v. C. CUrims. 

' Mit der CauerVhen Schrift verbinden wir am tiaLürtiehsferi 

das Referat von HofTniann; ^ficT g:egenwärlige S(and der Unter- 
suchungen über die Einheit der Ilias*^ in der Allgemeinen Monafs- 
schrift für Wifsenschafl und Lileralur^ April 1852. Dort näm- 
lich wird öufser Nagelsbach, Faesi nnd Lauer, besonders 
Cßuer's Buch besprochen, und zwar in einer Iheils beislrnmten- 
den, Ibeils abweichenden Weise* Wo! mit Recht bekämpft HolF- 
mann die 1\I einung Cauer's^ dafs den Dja^keuaf^ten so bedeutende 
ümgeslaltungen der Gesänge beiznmefeen wären, insorern wir 
unter diesen Ordnern absichlhche Redactoren zu verstehen hallen. 
So wesentliche Veränderungen könnten nur das AVerk von Dich- 
tern sein. Die EnLgtehung der grofsen verbundenen Massen er- 
klärt sich Hr Hoffmann dadurch^ dafs sich aus den einzelnen 
Liedern durch Hinsjudichtung selbst gröfserer Gesänge ^.kleinere 
concen Irische Kieise^^ in dem gröfseren Sagenkreise allmahticb 
gebildet hätten, ^dessen Bearbeitung das Hauplgeschäfl einer 

I Sfingergenorsenschaft war/' Schliefslich wird die VermtJlhung 
gewagt, der Name ''O^iriQog^ wenn er f,Einiger'^ bedeute, möclite 

I den Stifter der ersten oder bedeutendesten Sänger innung (der Hö- 
rnenden auf Chios) bezeichnen. Auf diese Vermuthung ist wenig 
zu geben; denn dals TOftr^^oj^* in activem Sinne von o/iot; und 
W. d^ abzuleiten sei, ist durchaus unwahrscheinlich. 

In einem ähnlichen Sinne wie von Cauer sind einzelne Theile 
der lliaa im dief^jahrigen Programme (1&53) des Kalharineums 
in Lübeck von Ad. Holm bearbeitet. Die Abhandlung, welche mit 
vielem Scharf-iinn geschrieben ist, fuhrt d^n Titel: ttd VuroH 
Lachmanni eiremptar de aHquüt itiadi& carminum tompaHtione 

, quüeritur^ und verbreitet sich über eine frof^e Anzahl von Stel- 
len aus den verschiedensten Büchern der llias. Der Verfufeier 
gibt sich als Schüler Lachrnanu's 2u erkennen^ und sucht in Lach- 

I mann^s und Hüupt's Weise durch Aufdeckung kleiner Widers^prüche 
die alten Lieder der llias aus dem jetzigen Verbände auszulösen, 
meist im Anschlufs an die Lieder Lachmann's, deren mehrere er 
noch weiter zerlegen zu niüfsen glaubt. Es ist bemerkenswert h, 

I dafs Hr, Holm wie Cauer in Betreff des Buches J sich atif die 

1 Seite Hermann's gegen Lachmann stellt. Die Schrift läfst die 

I allgemeinen Fragen ganz bei seile und verfahrt im einzelnen wol 
häufig mit einer allzugroßen jugendlichen Küf inheil. Der Aus- 



ÄHdfülnugcn über it. gogeiiw. Stnutt 4. Ijoidct. Frage, v, Ä", Ütftim. ÜB 

druck (nrefiiar (S. 21) vom Dichter, ob Gegensatz zum eom- 
ftüsttforj dl tu ördnt^r, müthle iiickl ganz pausend gevvaliU sein, 
da von einer ergetillicheti EiTmdying In der Sagenpoesie dorh 
nicht die Rede sein kann. Aach dürfte der Thäligkeit des com^ 
pmiior bei der ganzen Frage ein allzuweiter Spielraum Finge- 
rn nnit sein* VVir kommen für die homerischen Getlichle schwer- 
lich mit einem oder zwei Subjecten aus; gewiss hnben viele zu- 
^mniengewirkl, um sie zu dem zu machen, was sie sind, und 
namentlich möchte zvvigcfien dem Dichter und dem Anordner noch 
der Nach die hier seinen Plalz haben« Von der grolsen Kühn- 
heit des Verfan*ers gibt das deutlichste Beiipiel sein Verfahren im 
l'uche Z. km der B*-de des Hektor an die Andromache Z44I 
— 465 will er v. 4S3 — 439 und 447^ — 465 streichen, worun- 
ter jenes aus Heklors Mund besonders schöne iatsstat W^P 
QT &v not okmhi "Ihog fpij. Einen erheblichen Grund dazu 
rührt Hr, H. selbst nicht an. Wenn wir aber auch nicht iininer 
durch die Argumentationen des Verf/s überzeugt werden , so ist 
doch ein tüchtiges, streng wifsenschanticbes Streben nicht zu 
verkennen, das noch schöne Früclite zu tragen verspricht. Vor- 
trpfnich sind die spracblichen Bemerkungen über das Buch K^ 
das ja in jeder Beziehung eine isoljertQ Stellung einnimint. Hr. H« 
nennt es (S, 10) treffend eptftlion Mumma arte factum eJabüra' 
tnmque. Er zeigt unter anderm, {\viU das Wort onka für Waf- 
fen nur hier und an einigen anderen Sielten vorkommt, die 
sämmtlich nicht zu dem echten Stocke Lachmann'scher Lieder ge- 
hören. Wenn wir erwägen, wie geläufig für den m oft zu er- 
wähnenden Gegenstand die Namen zEv%ia und ivt^a waren , so 
werden wir nicht umhin können, den statt dessen eintretenden 
Ausdruck Znla^ zumal er die später allgemein übliche Bezeich- 
nung ist, sehr auffallend zu finden. 

Wir haben die wichtig.^ten Arbeilen überblickt *), welche in 
neuerer Zeit über die homerische Frage erschienen sind. Auf den 



*>Sehömann'9 dtsiertaiia rf« reUceHifa ßameri im Proömium lum 
Greife walder LecHorijjkatalog für das Winlvrsemester 1853/54 ist mir 
leider nur auü der Anzeige von t^engebusch In den Nt;ueii JaKr 
bikbcrti für Ptiil, u. Päd, Bd. 68. Bfl. 4< S, 435 ff. bekannt, was äcU 
uca so mehr bodauere, da nacb den dort gegchcnuu MittbeiluiigLU 



* '110 AüJeutuDgen Qbcr d. gegen w, Biand d. htymtr. FrHina, \\ G. (^rlim. 

ersten ßliclt scheinen die duriei ausgeaprachenen Anäichlen 8o sehr 
aus einander zu gehn, dafs die Entscheidung durch diesen Über- 
blick eher erschwert als erleichtert würde. Allein bald entdecken 
wir IroJsE aller Verschied enht'jt doch vieles gemeinsanie. Gemein- 
«airt wird Eunächat von »llen Forschern als Grundlage des ho- 
merischen Epos die Sage anerkannt. Der StolT der Illas gilt 
allen als ein von altersher über tierer ler, von einem oder von meh- 
reren Dich lern geformter, nicht erfundener. Ferner unterscheiden 
alle in der Illas zwischen echten und unechten Theilen, und in 
dem ürthdl über mehrere dieser letzteren, namentlich über den 
SchifTökatjilog, über die Doloneia, über Nestors lange Reden im 
Buche A^ über die Schlufspartie herrscht einigerrnafsen Cberein- 
stimtriung. Sodann stimmen die Unitarier mit den vermittelnden 
wie mit den Anhängern der Lieder iheorie auch noch in der An* 
erkennyng mancher Widerspruche überein, %. B* in dem zwischen 
Acliillä Verhalten in / und //, nur suchen sie diese auf verschie- 
dene Weise tu lösen. Mit einem Worte: es gibt gar keinen 
^ ilimmfühigen Forscher, welcher die Itias, wie sie uns vorliegt, 
^fur das Werk eines einzigen Dichters hält. Sehen wir uns nun 
weiter um^ so bemerken wir in den positiven Änsichlen bedeutende 
negative und in den negativen nicht unerhebliche positive Ele- 
mente, Negativ ist in der streng unit arischen Theorie aufser der 
Zulafsung bedeutender Interpolationen die Concession, daJs trotz 
alledem Widersprüche übrig blieben, die nur für unerheblich 
erklärt werden, ferner, dafs Homer vielleicht nur Gruppen ge- 
geben, die durch die ansgeprügten Hauptzüge verbunden waren, 
und diese altmählich gegeben habe, dafs (Nitzsch S. 255) Homer 
in der Ilias bisweilen allere Lieder aus dem Gedächtnis benutzte* 
Auch die Vermittel nn^s versuche sind nicht frei von erheblichen 
negativen Momenten. Die Einheit, welche nach Faesi's Versuch 
tibrig bleibt, ist eine üufserst lose Aneinanderreihung von TheJten, 
die eine gewisse Selbständigkeit haben, und die Grote-Friedlän- 
der'sche Theorie tafst nicht blofs bedeutende Einschiebungen, 
I Kachdichtungen und Umgestaltungen zu, sondern vermag sogar 



diese Sehnft in die hier hehandelten Fragen wesctiilich eiiigreiflt und 
da CS Äcbuiut, al-^ ob mehrere Puiitte, die ich hier aiJiüttüUtL'ii ver- 
suche ^ mit di;r «^ulTafüung de» verehrten Verrafser» igaammeii treffen. 



At)deutyiig(ni ulcr il. gegeaw. Slaad d* booii'r. Fragf , v. ff. Ctirttui. 1 U 

für dpn einen der beiden Theile, die &ich zu der jetzigen Itlas 
verbunden haben sollen, nichU als einieloe nicht organisch ver- 
eini|,'le Lieder nachzuweisen. Unigekehrl fehlt sb bei der Lieder- 
Iheorie nicht an positiven Zugesländnissen. PaiiUv M zumdisi 
4m Zugeständnis, dafs es einen bestimmten homerischen Kunst- 
iypm gibt^ dessen diiyenigen Theile der Ulm entbehren^ welche für 
Nachdichtung, für unecht, für ^(^clilechles Machwerk'^ erklärt wer- 
den. Die ÄnhängQr derselben leugnen auch keineswegs allen Zu- 
sammenhang in der IliiiJe^ was ja olTenbar unsinnig wäre^ son- 
dern erkennen Iheils ursprüngliche Beziehungen der einzelnen 
Lieder auf einander raannichfach an, theib erklären sie den Zu- 
^mmenhang aus Naclidichtung und spaterer Verknüpfung. Ja 
wir sahen, dafs stlbül die Annahme eines Homers als eines 
epochemachenden Dichters einzelner auf einander bezüglichen Lie- 
der keineswegs dieser Theorie widerspricht. 

Dieses gemeinsamen Boden» sich bewuJst zu werden, mng 
um so nöLhiger sein , weil freilich im einzelnen die Meinungen 
sehr aus emander gehen. Die Grunddiflerenz besteht in der Ant- 
wort auf die Frage » was wir eigenJlich unter dem echt homeri- 
schen 2u verstehen haben. Die beiden ersten Richtungen wollen 
das specifisch homerische gerade in das Einigen gelegt wifsen, 
die dritte erblickt es in der vollendeten Kunst der Einzeldichtung 
innerhalb der einzelnen Lieder Auf welche Seite wir uns neigen, 
tst schon hinlänglich angedeutet. Uns scheint die l'^rage eigent- 
lich durch Lacbmann entschieden. Wir sagen mit Lachmann*s 
leistvollem Recensenlen: ^^dk Poesie hat ihren Sitz im einzelnen 
Liede^ Wenn man diese Ansicht ^^unhellenisch und der nationalen 
Aöflafsung bar^^ genanni hat, so mag noch erlnnerl Wf^rden, dafs 
lue Griechen selbst für die epischen Gedichte den Plural ra ststi 
m gebrauchen pQegen, und dafs der alle Ausdruck oifiri doch 
nur ein Lied von kleinerem ümfiitige bezeichnet. Erst für die 
verschiedenen Gattungen der Melik kamen Namen im Singular auf, 
weictie eine Einheit, ein künstlerisches Ganze bedeuten: v^i/o^, 
üJtöi^Xflfta ^ dt^vQaußoi^^ d^ij^ bis endlich das Wort S^ä^ia 
die Nothwendigkeit des Mtsm pmiere^ wie Wolf es treffend be- 
zeichnet, schon durch den Namen andeuletp Auch mag hier er- 
wähnt werden, dafs das Wort Ikiu^i in übertragener Anwendung 
die Bedeutung der massenfiuften Anhiiurung, nicht die eines orga- 



113 Andeutungen über ± gc*enw. SUnd 4 homrr, Frage, v. ff. CUrfitis. 

nisch geg;liederlcn Ganzen gewann, indem man z, B. von eiuer 
'lUag Kuxmv redete. Bekennen wir uns also mil Entschiedenheit 
/*ur Liedertheorie, so hindert das keineswegs, in der Iliaa sehr 
beMirnmte Elemente der Einheit anzuerkennen* Die Ilias ist eben 
ein Cyklud einzelner vielfiich auf eiannder bezüghcher von einem 
Kunsttypus durchdrungener epischer Lieder^ welche mannichracb 
umgestaltet und spater zu^am mengereiht uns vorliegen. Collen 
wir es versuchen, die Facioren zu bezeichnen, durch welche nach 
unserer Ansicht die Ilias allmähttch zu dem ward, was sie den 
Griechen nach Pisi^lratiis war, so hätten wir etwa fünf anzuneh- 
men^ nunilich : 

1> Die Sage, die halbbewufste Überb'eferung von der 
hellenischpu Vorzeit, die nach und nach eine bestimmtere Gestalt, 
zuletzt ^W^ einzelner von den Zuhörern leicht zu umspannender 
kleiner Lieder annahm. Diese (efsellen aber tnehr durch den In- 
halt alä durch die Form, mochten jedoch einen gewissen Vorrath 
alfer epischer Formeln schon ausgebildet haben. 

2) Dk Dichter^ welche aus der ^agenmasse einzelne Sce- 
nen herausgriffen und jene allen Sagen weisen zu lebendigen von 
hoher KutLit erfüllten Liedt^rn umformten ^ aber nur tu solchen 
Liedern, welche bei tnijndlichem Vortrüge in ihrer Einheit wirklich 
fiufgefafsl werden konnten. Der Kunst dieser Dichter verdanken 
wir das Ethos der homerischen Gedichle, die Innerlichkeit, die 
Deutlichkeit der einzelnen Silunlionen, den Schmuck bald pracht- 
voll ausgeführter 5 bald kurz angedeuteter Bilder, den Fiufs der 
horiieri.¥chen Diclron, den Wolklang der Verse, Gewiss hat nicht 
ein Dichter immer nur ein Lht^^ sondern mehrere gedichtet; es 
war natürlich, vielleicht auch durch locale Verhall ni^se begünstigt, 
dafs ein solcher Dichter dxi Lieblingsthema aus der S^g^ heraus- 
griff, dal'^ er darauf mehrere seiner Lieder bezog. Denken wir 
uns, M4 n\\ solcher Dichter den zürnenden Achill sang, wie er 
uns im erslen Gesänge (bis 348) vorgeführt wird, dafs er in 
einem anderen Liede das Lied der in Achiira Abwesenheit be* 
drängten Achäer, dafs er dann PaJroklos' Absendung und Tod 
darstellte, so hätlen wir einen Stamm auf einander bezogener, 
aber unabhängig von einander gedieh leler Lieder. Wenn irgend 
einer, müfste eben ein solcher Dichter Homer gewesen sein. Die 
Varstellung eines t^ I a n s , einer ü r i l i a s würe dabei ganzticb 



AudeMluiigcti ulor «1. gegciiw. Slaud d. homer, Fra^c» v. ^, CuriiUi. 113 

fern tu halten; die künsllerische Einheit läge immer noch loi 
i'inzelnen Lieder das sich aber mit anderen zu einer Liederreihe 
oder zu einem Liedercyklus ztisammenrii^ te, — Es scheint aber, 
dafä wir in unserer lüas auch Lieder haben j welche bei gleich 
vollendetem Kunsttypus, wie 2* ß. der zweite Gesang in geinen 
echten Theilen, zu solcher Reihe n«r in einer sehr losen Be- 
£iehung stehen, 

a) Die N seh dicht er, welche indem Kunsttypus der ech- 
ten oder des echten f Melders fortsangpn. Wir dürfen bei diesen 
Nachdichtern wdI au Genotsenschaften wie die der Chiti^cheii Hu- 
meriden denken. Auch sie dichteten einzelne Lieder* Sie wähl* 
ten sich sehr natürlich vorzugsweise solche Sagenweisen, die von 
ihren gefeierten Vorgängern nicht geForml waren. So schlofsen 
mh ihre Lieder an den Stamm der echten, alteren öu. Es bil- 
dete sich, da natürlich auch jene älteren fortwährend gesungen 
wurden, ein imaier deutlicherer Zusammenhang zwischen den Lie- 
dern. Als solche NachfJichter denke ich mir z, 0, die Fortsetzer 
des ersten Liedes und den Oichler des Thelisliedes im Buche E. 
Diese Nachdichter eigneten sich irn allgemeinen den echten home- 
rischen Ton an, so dafs ihre Darstellung sich nicht wesentlich 
von jenem unlers^cheidet. Aber deslo leichler slellten sich Wider- 
sprüche zwischen ihren Liedern so wo) unter einander, als mit den 
echten Liedern ein. Denn dem Fortsetzer braucht die Situation 
im einzelnen nicht bis zu dem Grade lebendig zu sein, wie dem 
Dichter eines einzetnsn Liedes selbst. Diese Nachdichter waren 
nicht alle von gleicher VortrefTlichkeiL Es ist wahrscheinlich, 
dafs die epische Kunst im Einzelliede in dem MaFse abnahm , in 
welchem das Streben nach Ausfüllung und Ein reih ung gröfser ward. 
Zu den späteren Nachdichlern dürfte der Dichter der Teichoskopie 
im Buche P ond der der Doloneia gehören, die allerspätesten, 
die Dichter des Aihaer- und Troerkalalogs in B sein. In diesen 
Stücken sehen wir offenbar ein Erlahmen der poetischen Kraft. 
Die Periode des dichtens und nachdichtens raufste im wesentlichen 
zu Ende sein, ali^ mit dem Beginne der Olympiaden das cyklische 
Epos entstand. Damals mufs der Zusammenhang der Lieder schon 
so deutlich gewesen sein, dafs der GesammtbegrifT 'jA^^'g existierte. 
Etwas ähnliches meinte wo) auch Lauer, wenn er von dem «Bi)- 



111 ADÜeuiungen über d, gagauw. Blmtl il homer, Frage ^ v. G. Cur/ius, 

clungsprocesa'* der Ilias uotl Odyssee und voü dessen Valien durig 
redete. 

4) Die R h n ps d e u, Indofern wir unter diei^en nicht 
selbsländige Dichter, sondern Deolamataren uns vor^ustelkn haben, 
werden wir ihren Einflufs wol auf Elnzelheüen zu beschränken 
haben. Ihre Sache sind wjd hachslens einzelne Umstellungen, 
Ausschmückungea und Entstellungen. Also die allgemein aner- 
kannten Interpotalionen werden* ihre Sache sein^ z. B. die j3oiUi| 
ysgorTmv in ßj Nestor*s Geschwalz in A. Sie mochten ein- 
7,elne Lieder hinzufugen, aus der Erinnerung verwandter Sl eilen 
einzelne Verse an den unrechten Ort bringen, vielleicht auch der 
Verknüpfung wegen, wenn sie mehrere Lieder hinter einender 
vortrugen I im kleinen etwas ändern oder hinzudichten. 

5) Die Ordner. Versuche der Ordnung und Herdteilung 
einer bestimmten Iteihenfolge lagen, wenn die Schicksale der Ge- 
dichte den bezeichneten Gang nahmen, zu nahe, als dafs ein der- 
artiges Be.strehen sich nicht im einzelnen früh hatte gellend machen 
sollen. Auf eine Fixierung der Gedichte ist offenbar Solons viel 
besprochene Vorschrift gerichtet, sie sollten ^| vjtoßoX^g ge* 
sungen werden. Dennoch müfsen wir die Gedichte bis auf Pi- 
öiatratus als gelrennte iöaanaa^iva) auffafsen, und jene Ord- 
nung, welche Pisi^^tratus durch die Commission der vier ÄJanner an- 

jfitellen lief«, diese erste Redaction der bis dahin xerstrcuten 
\(6itoQ(iö^tf aÖo^sva) Lieder, war, nach aller Überlieferung, ein 
[lieduulendes Werk {opus dirittttm). Diefs machle nami'ullich 
[wider mehrfache kleine Veränderungen nolhig, vielleicht auch 
Aussacheidungen von Doppelliedern über ein Thema- Aber eine 
poetisch schöpferische Thaligkeit dürfen wir diesen Ordnern nicht 
beimefsen. Von Pisistralus an war die lliade ein Buch» und er- 
lebte ähnliche Schicksale wie andere Bücher. 

Indem ich es versucht habe in dem vorstehenden den Gang 
zu bezeichnen, welchen die allen Sagen vom zürnenden Achill ge- 
ninnmen haben mögen, bis ak zu unserer lliade wurden, entgeht 
mir natürlich nicht das hypothelischo vieler dieser Annahmen. 
Aber ich heilte es nicht für uberflüfüig, auch einmal in dieser 
Form anspruchslo^r Andeulungen eine Antwort auf die vielbe- 
sprochene Frage zu versuchen, einer Form, welche namentlich für 
angehende fünger der Wifsenschnft von Zeil zu Zeit not big wird, 



J 



Auileututigen über d. gegenw. Stand d. homtrr; Frag«, v. €^ C^ÜUM* 115 

damit ide io dem Meere widersprechender AnsichteQ sich nicht 
verlieren. Das Ziel der Wifeenschaft wird meiner Aunardung 
gach das sein, die Bedeutung jedes dkset Factoren näher zu be- 
fmmen, was natüi lieh nur auf dem Wege der strengsten Einscel- 
"fofä^chun^ geschehen kann, durch die auch sicherlich manches in 
diesen Aufstellungen noch modificitTl werden wird* Man soüle 
aber endlich aafhören, die homerische Frage auf ja und nein zu 
itfllen. Ebenso sollten sich Anfänger m der Wifsenschart sehr 
hüten, mit weilgreifenden neuen Versuchen hervorzutreten, ehe sie 
mit diesen weilschichtigen Untersuchungen von Aristarch bis Lach- 
mann sich wirklich verlraut gemacht haben. Um vorwärts zu 
kommen, wird die nächste Aufgabe eine gründliche Prüfung der 
Odyssee sein* Der Mangel dieser Arbeil bringt in die ganze 
Untersuchung noch immer viel schwanlsendes und einseitiges. Von 
sprachlichen Einzelforschungen wird desto mehr zu erwarten sein, 
ji> greifbarer die Olijecle sind, auf die sie sich richten. Also 
weniger die so teichl im mündlichen Vortrage sich verändernden 
Ding«, wie Digajnma, HiatuM, Aspiration, Partikelchen, als der 
Wörtervorralh , die Redewendungen , der Stil versprechen Ertrag 
i(i liefern. 

Endlich noch eine Warnung, die ich mir nur in dieser für 
Gymnasien be^linmiten Zeitschrift erlaube. Der Eifer für das 
fmch erkannte kann leicht manchen Gymnasiallehrer zu dem Mis- 
griff verführen, die homerij^che Frage in das Gymnasium vor die 
S(^hul','r zu zieficn. Dahin getiört aber sicherlich nicht mehr, als 
eine kurze Andeutung über den Ursprung der homerischen Ge« 
dichte. Die Schüler wird der Lehrer in diese Gedichte einzu- 
fuhren, flicht zu Urtheilen über sie zu verführen haben, welche 
ichon deswegen für jene keinen Werih haben, weil sie keine 
selbst erworbenen sein können. Konnten sich Plato und Aristole- 
Ifs an der Jlias freuen, wie sie ij^t, so können es auch ohne 
Schaden die Schüler unserer Gymna^iien. 

Prag« GeorgCurtius. 




116 Betlräge zur östorr. Gescliichto, v. i. Jäger, 

Beiträge zur österreichischen Geschichte. 

I. 

Über das Gründungsjahr der babenbergischen Ostmark, 

Als im Jahre 955 das Schwert der Deutschen auf dem 
Schlachtfelde bei Augsburg den entscheidenden Sieg über die 
Magyaren erfocht, und bald darauf das Ländchen von der Enns 
bis zur Erlaf als Ostmark des deutschen Reiches an Leopold von 
Babenberg übergeben wurde, konnte kein Sterblicher ahnen, wel- 
che Bedeutung in diesem Acte lag. Wessen Auge konnte in der 
am Zusammenflufse der beiden Erlafe gegen streifende Ungarn- 
horden erbauten Wieselburg das prophetische Vorbild jener gro&en 
Defensivmacht erblicken, die an den Gränzmarken dreier Nationea 
aus der Vereinigung derselben im Laufe der Jahrhunderte sich 
bilden und den Schutz Europa's übernehmen würde? Das gieng 
über menschliche Gesichtsweite hinaus. 

Darum kein Wunder^ daCs die Wichtigkeit dieses Actes den 
Augen der Chronisten entgieng, dafs sie es versäumten, die Zeit 
des wichtig gewordenen Momentes aufzuzeichnen, und uns mit 
der Veranlafsung, so wie mit der Art und Weise der Gründung 
der babenbergischen Ostmark bekannt zu machen. 

Seit den Tagen Konrads von Witzenburg *) bis auf Langen- 
mantel, Pflanz und Spitzer herab wurde daher die Gründung un- 
serer Ostmark in das Jahr 983 oder 984 verlegt, einmal des- 
wegen, weil der Annalist Saxo unler den Todten, die 982 das 
Schlachtfeld bei Basantello unweit Tarent deckten, auch einen 
Burchard nennt; Burchard aber auch der Graf hiefs, der vor 
Leopold von Babenberg an der Enns die bayerische Gränze hütete, 
folglich an der Identität der Personen nicht gezweifelt werden 
könne; und weil ferner ifn Jahre 984 die Erstürmung der magya- 
rischen Burg Medelik stattfand, folglich diefs das Gründungsjahr 
der babenbergischen Ostmark sein müfse, da der tapfere Leopold 
seinen Regierungsantritt nicht anders als durch eine glänzende 
Heldenthat verkünden konnte! Durch mancherlei nicht allzufeme 
liegende Bedenken liefs man sich in obiger Beweisführung nicht 
irre machen; Burchard war 982 im Kampfe umgekommen, Molk 



•) Bei Hier. Pez scriptor. rer, Austr T. /. 



ßeftrHge zur öslerr. Geschii'hle, v, A, Jäger, 



itr 



H eTSlOrmt, in dio MiHe hlne'm mufäle Leopolifb Etnennung 

Markgrafen fallen. 

Mit gleich siegreicher Logik wurmte man den Grund nach- 
zuweisen^ der den Kaiser Ollo IIL be«timmle, dem Gnifen Leo- 
pold die Oslinark zu öberlrapn. Dem Kniser war cin^s Tage« 
aof der Jagd in dem verhängnisvollen Augenblicke der Bogen 
gebrochen, wo er das gegen ihn heran^tfirzeruie Wild erlegen 
wollte; der wehrlose Kaiser gerieih in grofse Gefahr; da sprang 
ein blondlockiger Jüngling heran ^ reichie ihm seinen Bogen, das 
Wild ward erlegt, und der gerelkle Kaiser versprach dem jungen 
Hanne das erste eröffnete Reichslehen. Nun war ßnrchard m 
Uoteritfilicn gefaüen, und da trat Leopold der Babenberger mit 
dem gebrochenen Bogen vor den Kaii^er, und dieser, seines Ver- 
ßprecliena eingedenk, belehnte ihn mit der erledigten Markgraf- 
gchafl an der Enns und Donau, — gerade als hätte es im ge- 
mülhlicben Mittelalter, wo man von Politik nichts wufsle, nur 
eines, sei es lustigen, sei es traurigen, Abenteuers bedurft, utn die 
Kaiser ^u beaümmen, dem einen der Fürsten diesem, dem anderen 
jenes Reichsland als Lehen zu geben, ungefähr wie nach den 
^Charakterbildern aus der Geschichte des österreichischen Kaiser- 
staates von J* A, Pflan^s S. 93*- Kaiser Karl IV, dvn Amtmann 
eines Fleckens deshalb zum Verwalter seiner Rentkammer er- 
nannte, weil derselbe, als vortrefflicher Ökonom, ohne eines der 
Schweine zu schlachten, aus deren abgeschnittenen Obren und 
Schwänzen dem Kaiser einen geschmackvollen Morgenini bifs sinn- 
reieh zu bereiten verstanden halle. 

Wo] erhob der ehrliche P. Calles*) schon vor vielen Jah- 
ren kopfschul lelnd manches Bedenken gegen die Ricbligkeit dieser 
ErjJhlung, aber das beirrte nicht j das heranslürzende Wild, der 
verlegene Kaiser mit dem zerbrochenen Bogen, der blondlockige 
Jungling voll Geislesgegenwarl, die Überraschung am ßelehnungs- 
tage waren Züge eines ^u schönen Bildes, als dafs es in dem 



*} SfffiifiL CaHcs, Annnfn Amfrffie, a& nitimae neialii memoria 
nä liabiburgicae geniii principe^ deduciL Z Tom. Mennae tlSQ, 
M. (Tom. i conihiei res Amirine tettres sub MomauU, ac pr/ie- 
cipne Bn^enl^trg. iürpfs in Ät(sfria martAionl&i/s ffcstasi Tom. U 
res miatts meäitre mb ßriit^nlf. sNrp. duahm ad Uubsburg. gmüw 
prtncipes pesfm ) 




IVA BeiivägQ tur ötlerr. tieschichte, v, Ä. Jä^er, 



■ 



Compendiunn für Schute und Haus fehlen darfte; es handelt sich 
JR in der Geschichte zuerst nicht um Wahrheit ^ sondern um Un- 
terhatlung ? ! 

Schauen wir diesen Fabeln etwas schärfer in's Angesicht^ 
und stellen wir ihnen das Ergebnis gründlicher Forschung ge- 
genüber. 

Andreas von Meiller in seinen Regesien zur Geschichte der 
Bahenberger*) war der erste, der das wahre Gründungsjabr der 
Ost mar Ic festsl eitle. Seine Untersuchung zeigt aber, dafo es zur 
£rmitle[ung der Wahrheil mehr bedurfte, als eines zerbrochenen 
IJogens^ und eines sicheren oder unsicheren ßurchard^s; sie zeigte 
dafs man vor allem andern die deutsche Geschichte zur Zeil der 
Kaiser Otto L und 11. genau Icennen mütse, und dafs ohne deren 
gründliche Kenntnis weder die vereinzeUen Angaben der Chro- 
nisten noch die Jabrzahlen iler Urkunden einen zuverlärsigen An- 
haltspunct gewähren, Diefs erfuhr der um die österreichische Ge- 
schiclite hochverdiente ßenedicLiner des Stiftes Molk, Hieronymus 
PeZi der die Frage, in welchem Jahre Leopold von Babenberg 
die Ostmark erlangt habe> zuerst zum Gegenstände einer eigenen 
Forschung machte, aber die Lösung der Frage ohne tieferes Ein- 
gehen in die Geschichte Deutschland» blofs mit der Hilfe der 
Chronisten und Urkunden herbeiführen zu können glaubte. Er 
fand die Angaben der ältesten Jahrbücher und die Behauptungen 
der späteren österreichischen Geschichlschreiber z. B. Ebendorfer, 
Suntheim, Bonün , Arnpeckh, Cuspinian, La/Juä, Fugger, Lambe- 
cius und Schramb in so unauflösbare Widersprüche verwickelt, 
dafs er an der Entwirrung des Knolens verzweifelnd aumef: 
^Jnfinitarum quaenfionum oit»€uritatum et di/jßeuilaium »iitam 
inffre^^i $timus ^ dum de ann& aerae chrhlißnaej quo Leopo/^ 
du3 L Au9triae MarchiQUatum au»picalu$ äii^ et a qua impe- 



*) V, Meiller Andre««» Be^esten mir Ges^hictite der Markgrafen und 
Hf^r/ogu Österreichs atii dein Hauac Datieiiberg, Aus Urkunden unil 
8aalbt1cbern gesamtaeli und erJäiilcrl u. s. w VerofTeDllicbi auf KosUd 
der kais. Akadetuic der Wibetischancn. Wien 1650 bei Wilh, Brau- 
muüer. 3&8 Seilen in Quart* — Die iweite Hiilfte des Werkes erU 
halt 499 f^eilftgen nm\ Atiraerkungcn ^ in denen ResulUle des um* 
rir^eadsteu Studium» über die ^acmlich dunkle und bisher oberfläcb- 
hell iHsarlieitele Oe^eUichle der Babenberger niedergelegt find« 



Düilrigc luf dstpir. Getchichte. v. jL Mger, 



110 



ratore Bomanomm eimdem prineipatum inäcptuti fuerit^ dh- 
putare insUtuimm.'^ Nach den widersprechenden Angaben der 
von ihm anter suchten Quellen und Schriftsteller schwankt das 
Jahr der Oslmarkgröndung zwischen den Endpunclen eines vollen 
Jahrhunderts von 902 — 100^! wahrlich eine Unbeslimnilheil nnd 
eine Bodenlosig:keil, die allerdings geeignet ist, die Ani*ichl zu 
erzeugen, dafs sich auf diesem Felde kein Ausweg finden löfee; 
darum nahm auch Pe^, fast nur um aus dem verwirrungsvollen 
Labyrinthe zu kommen, .beinahe willkürhch das Jahr 935 als 
Jahr der Bern Tu ng Leopolds an* 

AU hätte Pez mit seinem mislungenen Versuche die Lust 
und Möglichkeit, auf diesem Gebiete je die Wahrheil zu ergrün- 
den , für immer und jedem benommen , kümmerte sich von der 
grolk#n Zahl oi^terreichischer Geschichtschreiber^ die seit den Ta* 
gen des gelehrten Benediciiners Compendien und voluminöse Werke 
über Äie vaterländische Geschichte lieferten, auch nicht niehr einer 
um die Untersuchung der undankbaren Frage, Gattes in seinem 
oben erwähnten Werke, Carl v, Althan*} und Schrott er**) 
letzten das Jahr 983 oder !)84 als Geburtsjahr der babenbergi- 
schen Ostmark fest, und wurden seither als solche Autoritüten 
betrachtet, dafs die aus ihnen schöpfenden Schriftsteller nicht blof» 
in Betreff des fraglichen Jahren ^ sondern überhaupt unter Ihrer 
Ägide sich der lastigen Mühe des Forachens und Denkens entho- 
ben glaubten. Gebhardi, Herchenliahn , Geusau, Reisser, Gal- 
letll, Kurz, Hnrmayr, Arneth , Pölitz, Mailath, Hafsler, Beidtel| 
Meynert^ Pritr ti. a. folgten gläubig den genannten Gewährs- 
männern. 

Die Gründe für die Annahme der Jahre 983 oder 984 als 



•) Carl V. Allhati (HgenlÜph Fröhlich) tenitmen himricnm de Leo- 
poim IHuslri , quo Umpfire AmMae Mürcftfommm adiüse em- 
iendiis esi etc. Diiseriatio etc. Wknnm iI54. 
••) ftmt Ferdinand Schröter, Versuch einer o*terr. Slaalsgpsdiichte von 
dem tJrsprunge Öslerreiclia bis ku desa(!U Erhöhung iu ein llpiEOgtum. 
Wien 177J. 8. Dcsselljen Österreich i sehe Gpiäciiiditt'. 3 Thcile. Wien 
1779. Der erste Band «lul ein Ttieil des zi\eilen ist von SchröUer, 
die Fortsetzung und der 111. Baad von Adrian Rauch. Das ganze 
Werk ßchl nur bin 1282, ireiehnet «ich aber unter den alUTen dyrch 
Grund ficlikeit aus. 



120 Beiträge zur östetr. Geschichte, v. A. Jäger. 

ak Stifkqngsjahre der babenbergischen Ostmark sind aber äuCserst 
achwach; sie beruhen zunächst auf der Voraussetzung, daft der 
zu Basantello bei Tarent gefallene Burchard eine Person mit dem 
Grafen Burchard sei, der vor Leopold von Babenberg die Ost- 
mark verwaltete, eine Voraussetzung, die aufeer der Namens-Iden- 
titat nichts für sich hat, indem aus all den Quellen, welche Otto*s II. 
Niederlage am gedachten Orte erwähnen^ die Identität der Person 
nicht zu erweisen ist. Sie beruhen ferner auf der Behauptung, 
dafs man keinen Beweis aufbringe für Leopolds Wirksamkeit in 
der Ostmark vor dem Jahre 984, wo er Molk den Ungarn ent- 
riß. Allein so wie die erste Voraussetzung nicht erwiesen wer- 
den kann, so wird die zweite Behauptung durch positive Gegen- 
beweise entkräftet, da mehrere authentische Urkunden Leopolds 
Wirken in der Ostmark vor dem Jahre 984 bezeugen. Einige 
Schriftsteller, namentlich bayerische, haben zwar den Obergang 
der Ostmark an Leopold von Babenberg in die Jahre 973 — 977 
gesetzt, und sind dadurch der Wahrheit nahe gekommen. Allein 
wie diese bayerischen Schriftsteller ihre Annahme nicht näher be- 
gründeten, so thaten es auch nicht ein par Österreicher, die 
offenbar in ihre Fufsstapfen traten. Matthias Koch, in seiner übri- 
gens sehr brauchbaren chronologischen Geschichte Österreichs*) 
S. 50 verlegt, gestützt auf Buchner's bayer. Geschichte, den Tod 
des Gränzgrafen Burchard in das Jahr 973, weifs aber die Ver- 
kettung der Ereignisse nicht weiter anzugeben, die zur Einsetzung 
Leopolds in die Marhgrafschaft innerhalb der Jahre 973 — 977 
gefuhrt haben. 

Gegen alle vorerwähnten irrigen oder unvollständigen An- 
sichten trat nun Andreas v. Meiller in der ersten Anmerkung 
zn seinen Regesten mit der Behauptung auf, dafs die Über- 
tragung der Ostmark an Leopold von Babenberg, 
wenn nicht noch im Jahre 975, sicher im Anfange 
des Jahres 97 6 stattfand, und stellte mit dieser Behaup- 



*) Chronologische Geschichte Österreichs von der Drzeit bis ziun Tode 
Kaisers Karl VI. mit den gleichzeitigen Begebenheiten. Von Matlhiat^ 
Koch. Innsbruck, Wagner, 1846. 275 Seilen iu T.rofs Quart. Beruht 
auf der Vergleichung der befseren Werke iiber die österreichische 
Oescbichle. 



BcitrSgc itir östcrr. Ge^tchictil«, v. A. Mger. 



m\ 



' 



\m% einen Zeitpunct fest, für clfi^s^n WiihrhHt nichl nur dir in 
ifiinem Werke berilhrlen Urkuarler*, J40n*iern auch die Grscliichte 
ilü« sudustlichen DeuUcblaud^ unter Kaiser Otto U. unuui£»lürälkhi} 
Beweise liefern. 

Madien wir einen Gang durch die «Dddeutgche Geschicblö 
linier den er^^len zwei Ollonen, und wir werden die Cber^etiguug 
fewinnen, dafs viel wich Ufere Grunde, afg welche eiu gebroche- 
ner Bogen zu gewahren vermochte^ i\m Kmmt Otlo H. heslimm- 
len, Im Jahre 976 den Babeuberger Leopold mit der Oslinark an 
der Enri^ und Dortau zu belehnen. 

Der Sieg bei Augsburg 955 war ein enlscheidender Wende- 
puncl nicht blofs rn der deutschen, sondern speciel in der öster- 
reichischen Geschicliie; die Kraft der Magyaren war gebrochen, 
die Furcht vor ihnen verschwunden, und vvi^h^end man bisher nur 
auf Miüel bedacht sein mufste, i^ich Ihrer Raubeinrälle zu erweh- 
ren, konnte rann jetzt daran denken^ den gtgm sie an der Donau 
und in den sieierlNchen Alpen verlorenen karolingi^chen Reiche- 
boden wfder zu gewinnen. Diirutn sehen wir, wie seil jenem Be- 
freiungssiege die deut.sehen WaH'en an der Drau, Eniis und Donau, 
dort, unterstützt vom Gebirge, früher als hier^ auf allen Punclen 
nach 0.^ten vorwärts dringen. In dem Gebiete von der Enns bia 
zur Eriaf siedeln deutsche Colonisten sich an, und am Zusammen- 
flufse der beidt-n ErlaTe erhebl sich die feste Zwieselburg als Slulz- 
puncl im Vertheidigungskanipfe gegen widerkehrende Magyaren- 
achwärme, ßurchard, ein Verwandter des bayerischen Herzogs- 
hau&ei^, teilet die Landes verÜieitligung in der keimende*ri Oslmark* 

In Bayern selbst fit*kn um die^e Zeil wichtige Veränderun- 
gen vor. Schon lange vor dem Jahre 955 hallen Kon ig Konrad L 
und nach ihm König Heinrich L Mühe gehabt^ den nach Unab- 
hängigkeit strebenden Arnulf von Bayern*) zur Anerkennung drs 
Rttictisoherbauples und zur Achtung der Rejchseiiiheil zu vennu- 
gen und wol auch zu zwingen. 



*> Arnalf nfttuilc aieb ttarch üic Gnade GoUt?g Herzog der Bayern nnti 
dc?r umtiegenden Laiuk^r, und nach koaig, und herr»clUe in den 
Gauen 4 wischen der Enni und dem Lech, ufid zwischen den Alpen 
und der l)<Miau^ ci]k gebe eä seit Ludwigs Tod, 91 L keinen koniü im 
Heieho mehr. (Hormnyr'« kleine Sctinficn. Uerjcag Luil|iu)d,) 



;C*»Uehn.ti fiiir «Jl*r nr^ri U^iriihAft, l&H *lr H^r*. 




123 Beiträge zur österr, Geieliichte, v. A. Mger. 

Gleiche Versuche des Widersirebens nölhigten Olto L fm 
J. P^H zu einer Heerfahrt nach Bayern, und nur ein vollijlandiger 
Sieg über Arnulfs Söhne, Eberhard, ÄrnulT und Hermann könnt« 
das Reichsansehen aufrecht erbaUcn» Ollo U sprach den Empörern 
das Her^oglum abj gab es ihrem Oheime ßerthold;, und nach dessen 
Tode 947 seinem eigenen Bruder Hemrich. Die zurückgesetzten 
trugen nicht geringe Schuld, dafs die Ungarn jelzt verwüstend in 
Deutächlnnd einbrachen; waren aber auch die entfernte Ursache, 
freilich ohne ihr Verdienst 1 dafs jener glänzende Sieg auf dem 
Lechrelde 955 erkämpft wurde. Heinrich^ Otto's L Bruder, starb 
zwei Monate nach der Schlacht bei Augsburg, und dessen Sohn^ 
Heinrich 11, erhielt das Herzogtum. Wie seine Vorgänger, Arnulf 
und dessen Söhne, liefs auch Heinrich sich zu demselben Unab- 
hängigkeitsstreben hinreifsen, und da er Jsugleich Ansprüche auf den 
Kaiserthron, wenigstens Gelüste darnach, gellend machen wollte, 
war Otto bald genothfgt, sein Ansehen gegen ihn mit Gewalt zu 
behaupten. Zur Zeit des Osterfestes 974 wurde Herzog Üeinrich 
am Hoflager des Kaisers zu Grona verhaftet und nach Ingelheim 
in Verwahrung gebracht *). Gegen den Fnihling des folgenden 
Jahres 975 gelang es Heinrich aus seiner Haft zu entkommen; 
er eilte nach Bayern, setzte alle seine Anhänger in Bewegung, und 
Hefa sich von dem Bischöfe Abraham von Freising zu Begensburg 
die königliehe Krone aufsetzen* Er trat mit den slavischen Für- 
sten in Buhnien und Polen, Boleslaw IL und Mjesko, deren Vor- 
gänger nur ungern vor Olto L den Nacken gebeugt hatten, in 
Verbindung, und nun entbrannte ein hartnäckiger Kampf zwischen 
dem Kaiser und dem Herzoge, der zwei bin drei Jahre dauerte; 
und hier bei Gelegenheit dieses ersten und gefahr- 



•) Heinricui, dttx Baioarimttm, ei Abraham Epfsinpitä {FrisingefuU) 
cum Bothcfniaue et MMthmie inierunt tontra impertt/orem pru 
^um com Warn . Ai imperainr ^ iaü nefamin comperlo €wuili&^ 
eonffreffat^ii t^mneg principe^ 9uat, et quid inde facerett eomiHum 
petm, Qui dederuni et cumtitum, ui mitteret ad ducem UHnri- 
cum, ßiipponem Eptscopum et Gebehardum comitem, eumque ad 
piacitum imitnret per edicium .* qui »im ditaitom ^ dea dantmie^ 
dedit se tu patesraiem imperatftria. 

LamberluM Scbmtfmiöurgemis up. Flttarium Mcripi. rer, german. 
i. p, ^/Sf ad antmm 9T4. 



ncheii Krieges^ den Ouo II nach seiner Ttironlie- 
sUlgyn^ (973) führen mufste, geschah eSy dafa 
Graf Leopold von Babenberg die Ostmark an der 
Donau erhielt. Während viele deutsche Pursten den Kaiser 
vertiefisen, um einem übermüthigen Vasallen beizustehen, hielten 
treu zum Reichijoberhaupte der Herzog Otto von Schwaben, der 
ßischof Pdgrtm von Pa^sau, und die drei Babenberger, Berlhold 
Graf im Nordgau^ Leopold Graf im Doniiugau und Poppa Bischof 
?on Würiburg. Wie Herzog Heinrich von Bayern 97 & auf einem 
grollen Reichstage zu Weimar *) aller seiner Würden und Lehen 
entielzt wurde, so sollten die treuen Anhanger des Kaisers für 
ihre Dienste reiche Belohnung erhalten. Otto Ton Schv^aben er^ 
hielt das Herzngtnm Bayern; für den Grafen Berlhold von Baben- 
berg wurde die Markgraf^chaft des Nordgaues ab Schutzwehre 
gegen die mit Heinrich verbündeten Böhmen errfthlet; die Bischöfe 
Pilgrim und Poppo slattete der Kaiser mit Privilegien und Schen- 
kungen reichlich aus**)j und dem Grafen Leopold von 
Babi'nberg übertrug er nebst der Grafschaft im Donau- 
gaue, die dieser schon be^afs, di e U s t m a r k an d e r £ n n s, die 
oßenbar jetzt, wenn Burchard noch lebte^ diesem als Verwandten 
des bayerischen Hauses^ vielleicht als Theilnehmer an der Empö- 
rung abgenommen und, wegen Verbindung Heinrich's mit den 
Ungarn, in eine treue und kräftige Hand gelegt werden mufste***), 
Darum erscheint Leopold von Dabenberg von jetzt an, und zwar 
achun in dner am %%. Juli 976 zu Regensburg ausgefertigten 



•> hnno 97 S Üiio fmperafor knhuit mtfpnum eonwenfuvt in Wehmnre. 
Eöäem anm imperfifor BokemoM vmtaüU ei concremupH. Lamb, 
V* Asehaßüiib. bei Fi^tor. L 315* 

**> llt«ehof Pjlgrjtti von Paisau erhiett vom KaLser uutar auüeni aueh die 
Enn^biifg /.urtick , die schon friilier dum Oislume gohürt hatto , aber 
von Bjj*cliof AdaJI>ert an Herzog tleinrioh t. von Bajeru zum Zweoka 
iler Granzverlht'itligung gegen die Ungarn übin'iafsen worden war. 
FJien so ertiielL er 10 kniii^l tlofö m der Nähe von Enni, Vgl, Meil- 
ttr Regest, Nr* 2. p. /. ßd annum 97 T\ 

•**J E.^ faiKl eine wirkliclic Verbindung Heinrichs, wie mit Böhmen imd 
t*t*len , 8ö au'^b mit Ungarn statt; und Hi*r«og tley«a erneuerio dio 
tUiibcinralle, 975. U\c\i. tlorvalh Getcti, d. Uni^arn. I'e^t I85t, 



124 Beiträge zur österr. Geschichte, v. A. Jäger, 

Urkunde als Markgraf von Österreich an der Seite des 
Kaisers*). 

Es steht also urkundlich fest, dafs Leopold I. in der Mitte 
des Jahres 976 iu den Besitz der österreichischen Markgrafschafl 
schon eingeführt war, und aus dem Gange der suddeutschen 
Reichsangelegenheiten ergibt sich, dafs die Übertragung der Mark 
an ihn höchst wahrscheinlich auf dem Reichstage zu Weimar 
976 y oder wie Lambert von Aschaffenburg andeutet**), im An- 
fange des Jahres 976 stattfand. 

Wird es nach dieser urkundlichen Ermittelung des wahren 
Grundungsjahres der Ostmark möglich sein, beim Unterrichte 
in der vaterländischen Geschichte, oder bei der Abfafsung von 
Lehrbüchern , ÜbersichtstabcIIen und anderen Geschichlswerken 
noch immer auf die Jahre 983 oder 984 als auf die Jahre der 
Entstehung unserer Ostmark hinzuweisen? Sollten die Ergebnisse 
der neueren Forschung nicht im stände sein, die süfse Gewohnheit 
des Vorurtheiles und der Gedankenlosigkeit zu beseitigen ? Und in 
Betreff der Yeranlalsung zur Übertragung der Ostmark an Leo- 
pold von Babenberg, werden uns da die Freunde der Fabeln noch 
immer anstatt der gründlichen Erörterung der politischen Verhält- 
nisse des südöstlichen Deutschlands unter Otto 11. die Fabel vom 
Eber und vom zerbrochenen Bogen vorführen? Aber siehe! Nach 
des Herrn von Meiller scharfsinniger Bemerkung dürfen die Ver- 
ehrer der Sagen und Symbole auf das liebliche Jagdgemälde nicht 
einmal verzichten: denn in das Bild des hcranstürmenden Ebers 
hat die sinnige Vorwelt die Empörung des Herzogs Heinrich, in 
das Bild des zerbrochenen Bogens die gefährdete Macht des Kaisers, 
und in das Bild des blondgelockten Jünglings, der dem Kaiser seinen 
Bogen reichte, die Hilfe des tapfern Babenbergers zur Bekämpfung 
des treulosen Vasallen gekleidet, und der kaiserliche Lohn der schö- 
nen That war wirklich die Belehnung mit der Ostmark. 

Wien. Albert Jäger. 



*) V. Meiller's Regesien Nr. 1 S. 1. 

*"*) Anno 976 Otto imperator pervenU ad ßqjoariam, atgue ffenricum 
Ducem exptUit, Ottonique Duci (dem Herzoge von Schwaben) 
Bajoar tarn commendavit. Lamb. v. AschafTenb. nd annum 
876. Gleichzeitig mag die Verleihung der Ostmark an Leopold stalt- 
gefunden haben. 



Zweite Abtheilung. 



Literarische Anzeigen. 

Bellen nyeMan. Irla Lichner Pdly a Pozsonyi erang, Ly- 
ceumban a classica philologidnak tandra. Mdäodik aCdol- 
go%oU kiadd», Pozsonyban 1863, 

Die Bedeutung, welche die vorliegende , magyarisch geschriebene 
Grammatik der griechischen Sprache für Ungarn hat, darf nicht gering an- 
geschlagen werden. In einem Lande, wo das eigentliche Studium der 
griechischen Sprache und Literatur allgemeinere Verbreitung und insbeson- 
dere im Schulunterrichte die wahre Stellung und Grundlage erst noch 
suchen mufs, da wollen die auf diesen Zweck gerichteten Leistungen ge- 
hörig erwogen und gewürdigt sein. Auch die Geschichte des Schulwesens 
anderer Länder weifs von den Schwierigkeiten zu berichten, die sich der 
Einfuhrung jenes Studiums in die Schule, selbst bei dem besten Willen 
einzelner zur Mitwirkung berufener Männer, entgegenstellen. Eine Haupt- 
schwierigkeit nun liegt in der Grammatik. Häußg begreift man entweder 
den wifsenschaftlichen Werth einer griecliisch( n (irammatik nicht, oder man 
betrachtet und behandelt dieselbe mit einer Art vornehmer Geringschätzung. 
Es wird der Mafsstab solcher Grammatiken angelegt, die nur zum Zwecke 
haben, den lernenden in kürzester Zeil zu Gebrauch und Verständnis 
neuerer Sprachen und ihrer Schriftwerke anzuleiten, oder im günstigeren 
Falle wird die griechische Grammatik nach Mafsgabe einer in halb mittel- 
alterlicher Weise isoliert vorgetragenen grammatica latina gemeistert. 
Wozu soviel Grammatik? hört man; man treibt griechisch, um einen 
Thukydides, Sophokles, Aeschylus und Pindar zu geniefsen. Allerdings 
Namen voll des bezauhernden Wohllauts. Aber es gibt manche Dinge, die 
ihren Zauber nur zu bald einbufsen , sowie man sich mit ihnen befafst, 
und die also sprechen , bedenken nicht , dafs in Kunst und Witsenschaft 
ein Genufs ohne Verständnis nicht geboten wird. Wenn alsdann in folge 
einer unnatürlichen Behandlung der griechischen Sprache arge Verwir- 
rung und Finsternis über einen sonst so hellen Gegenstand sich gelegt 



126 Bellen nyeMnn L ichner PäUol^ aiig. v. IC. Baidtr, 

hat, so haben die tiücbtertien Fachmänner nichts eiligeres eu thun, als 
wie Ajas bei Homer nach Licht zu rufen und rusiig weiter zu kämpfen. 
Hören wir in der Hinsicht auch die Stimme eines der scharfsinnigsten Philo- 
logen Deutschlands, des Drs. L. Spengel, Professors an der Universität 
in München. Dr. Spengel sagt in seiner Denkrede auf unseren lieben und 
ehrwürdigen Freund J. v. G. Fröhlich, Rector des alten Gymnasiums 
in München (gelesen in der öffentl. Sitzung d. k. b. Akad. d. Wifsensch- 
28. März 1849): «Als Fröhlich nach München gerufen wurde, fehlte es 
(am Gymnasium) nicht an auffallenden Einrichtungen: in der dritten Gym- 
nasiaiclasse wurden Pindars Oden und Thukydides gelesen , während 
die Schüler nicht zur Hälfte richtig decliniuren und conjugieren konn- 
ten Eine rühmliche Ausnahme machte Jos. Kopp, der, unbekümmert 

um das Treiben unter und über ihm, an seine Schüler bis dahin nie ge- 
ahnte Forderungen stellte, sie zwang, das versäumte nachzuholen, und al- 
les Gewicht auf ein genaues Erlernen der Grammatik legte; da ge- 
nügte nicht jeder beliebige Ausdruck, oder was man kurz vorher aus 
einem gedruckten Buche geholt hatte; man mufste von allem Rechen- 
Schaft geben, und erfuhr, was es wäre, auf diesem Gebiete eine 
Sache begreifen und verstehen zu lernen.'* — Also Dr. Spengel ; der Leser 
sieht, dafs damals (im zweiten Dccenuium dieses Jahrhs.) die Leute in 
Bayern aufs hohe Rofs sogenannter Wifsenschaft sich gesetzt hatten, bald 
aber, wie natürlich, aus dem Sattel gehoben waren. Männer jedoch , wie 
Fr. Thiersch, J. v. G. Fröhlich u. a. hielten wacker aus. Sie wie- 
sen die Sache wider auf ihre natürliche Bahn , und streuten unter allerlei 
ungünstigen und widerwärtigen Verhältnissen nach und nach reichlichen 
Samen zu einer echten, vom Geiste der Humanität beseelten Bildung aus. 
Mögen auch in Österreich die Schwierigkeiten , welche das Studium des 
Griechischen zum Theil findet, bald mit erfreulichem Erfolge überwunden 
sein; speciel für (Jugarn hat der Hr. Vf. des vorliegenden Buches sich 
Ansprüche auf Dank erworben, indem er zum schwierigen Werke auch 
sein Schärflein beigesteuert hat. Hr. Prof. Lichner ist, wie sich aus der 
Vorrede ergibt, bekannt mit dem, was namentlich die Deutschen auf 
dem Gebiete der griech. Grammatik geleistet haben, er hat in Leipzig 
philologische Studien gemacht, und ist begeistert für seinen Gegenstand. 
Wenn in der Vorre<le der Hr. Vf. sich dahin ausspricht, dafs der Fort- 
schritt der Wifsenscimft auf die Gestaltung des Schulunterrichtes einwirken 
müfse, so ist ihm darin vollkommen beizupflichten, aber unter der aus- 
drücklichen Bedingung, dafs nur vom wirklichen Fortschritte die Rede 
ist, nicht von Ansichten, welche durch den Reiz der Neuheit und Curio- 
sität den unkundigen täuschen, und vom sicheren Fortschritte, der 
nicht mehr Streitpuuct de- Fachmänner, sondern von den competenten 
Richtern anerkannt ist. Diesen mufs sich allerdings der Schulunterricht 
aneignen, wenn er nicht ruhmlos altern und sich verdienter Geringschätzung 
preisgeben will. Der Hr. Vf. hat übrigens in dieser Hinsicht Tacl bewie- 
sen; denn er hätte sich für seine Arbeit kein heiseres Vorbild wählen 



Beiien HpeMan Lichner PäUöl, ang. v K, Haider. 127 

lönaefi, als er gewählt hat, nämlich die griechische Schulgrammatik von 
6. Gortius^ deoD diese Grammatik, namentlich die Formenlehre, ist das 
Ergebnis der seltenen Vereinigung einer gründlichen Kenntnis der classischen 
Sprachen und eines reifen Studiums der vergleichenden Grammatik; fem 
fon dem Geklirre hochtrabender Sprachgelehrsamkeit gibt sie in schlich- 
tester, einfachster Form die sicheren, für die Schule gehörigen Ergebnisse 
der Wifseoschaft; die Gelehrsamkeit, welche dazu erforderlich war, mag der 
sacbverslaodige zwischen den Zeilen lesen. Wie nun der Hr. Vf. die Gramms- 
tik von Gurtius benützt habe, sagt uns folgende Stelle seiner Vorrede, S. V *) i 
«Der Grammatik von Curtius bin ich in ungefähr zwei Drittheile der mei- 
oigen gefolgt, und nur dort bin ich von ihm abgewichen, wo ich wurste, 
dafs auch er die Mangelhaftigkeit seines Planes oder 
seiner Ausfuhrung einsehen werde, so wie auch dort, wo die 
Rücksicht auf die magyarische Schuljugend die Abweichung entschieden 
aorieth*. Hieraus geht hervor, dafs der Hr. Vf. sich eine schwierige Auf- 
gabe gestellt hat. Wie die i.ösunjs ausgefallen, darüber wird Ref. erst 
nach sorgfältiger Prüfung des ganzen Sachverhalts ein Drtheil sich gestat 
(eu. Zur Darlegung des Sachverhaltes mögen die folgenden Bemerkungen 
dienen. 

• ^on der Einleitung ist die erste Seite gröfstentheils aus Curtius 
übersetzt Ein par scheinbar unbedeutende Änderungen, die sich der Hr. 
VC. erlaubt hat, thun der gewifsen haften Strenge, mit der im Originale 
jedes Wort erwogen ist, Eintrag. — Über die Hälfte der zweiten Seite, 
von den Worten a heilen npelp mär az^rt imgy fontossägu .... bis zu 
Ende, ist aus der trefTlich geschriebenen Einleitung zur Krüger'schen Gram- 
matik wörtlich übersetzt. Hier wäre es nicht nur angemefsen gewesen, 
wenn der Hr. Vf. seine Quelle genannt hätte, da seinen Landsleuten gewiss 
etwas daran liegen mufs, zu erfahren, woher solche treffliche Stellen ent- 
lehnt sind; es war diefs vielmehr Pflicht des Hrn. Vf. 's, da er ein sol- 
ches Verhältnis seines Buches zur Krüger'schen Grammatik in der Vor- 
rede nicht bezeichnet hat. 

In Betreff der Aussprache heifst es $. 2 , 3 , «dafs i ganz wie 
das magyarische s ausgesprochen werde'^. Rücksichtlich des Neugriechi- 
schen ist das richtig, nicht aber rücksichtlich des Altgriechischen ; dafs die 
Griechen ihr i im früheren Altertume mit einem anderen und stärkereu 
Laute aussprachen, zeigt unbestreitbar die Prosodie, da i so gut Position 
macht wie £ und ^. Bei Curtius wäre das richtige zu finden gewesen. 
— 10. liest man : «das tp ist jetzt /, aber bei den alten Hellenen ph, 
^ilocotpUt^. Das ist ein quid pro quo; Curtius gibt hierüber so viel 
als möglich Auskunft. — Anm. 3 steht über das Digamma: «in der atti- 
schen Sprache erhielt sich das Digamma in einigen Wörtern unter der 



*) Der Kürze wegen ist der ningy arische Text nur in den Fällen mit 
abgedruckt, wo es sich aubdrücklich um die gebrauchten magyari- 
schen Worte handelt. A. d. R. 



128 Hellen nyelvtnn Lichner Paltöl, .mg. v. K. Haider. 

Form VOQ v^ in anderen verschwand es*; als ob nicht auch z. B. vrfiq, 
yiffivg aufserhalb der alt. Sprache vorkäme. Gerade rücksichtlieh des 
Digamma v^ar es am wenigsten geboten , den att. Dialekt noch besonders 
hervorzuheben. 

$. 6. 1): «Die Neugriechen, so scheint es, bewahrten treu nur 
die ursprüngliche Aussprache der Cousonanten*. Dafs die Aussprache der 
griechischen Consonanten sich ohne Vergleich weniger änderte, als dit* 
der Yocale, ist ganz natürlich, und läfsl sich schon aus der geschichtlichen 
Lautentwickelung anderer Sprachen schlierseii; dars aber die Ncugriecheu 
die Aussprache der Consonanten treu (äiveh) bewahrt haben, und dafs 
im Laufe so vieler Jahrhunderte gar nichts daran geändert worden , das 
kann weder aus dem Griechischen allein, noch mit Hilfe der vergleichenden 
Sprachforschung bewiesen werden. Wenigstens unterliegt es, wie vorhin 
bemerkt, keinem Zweifel, dafs im früheren Altertume t anders gespro- 
chen wurde. Etwas vorsichtiger drückt sich Krüger aus, wenn er $. 3 
sagt: cAm getreuosten scheinen die Neugricchen rücksichtlich der Conso- 
nanten die Aussprache der alten Griechen bewahrt zu haben u. s. w. — 
Hierauf ist in diesem $. von Reuchlin und Erasmus die Rede, und zur 
Veranschaulichung der neugriech. Aussprache werden vier Verse aus der 
Hiade in's Magyarische transscribiert , z. B. jiftar epi katedi UmPron 
fao9% ieliio,,.. Das mangelhafte einer solchen Transscription fällt in 
die Augen, indem weder ein Accenl, noch die Quantität, also gerade die 
Hauptsache nicht bezeichnet ist. Die Bezeichnung der Quantität durfte 
um so weniger unterbleiben, weil die magyarischen langen Vocale von den 
kurzen durch Quantitätsaccente geschieden sind. Übrigens konnte eine 
solche Probe der neugriech. Aussprache erst nach der Accentlehre versucht 
werden, und hierzu waren keinenfalls Verse, sondern ein Stück Prosa zu 
wählen. Denn man mag zu gunsten der neugr. Aussprache vorbringen 
was man will, ein antiker Vers kann nun einmal mit ihr gerade so wenig, 
ja noch weniger rhythmisch gelesen werden, als mit der jetzigen deutschen 
Aussprache Verse aus dem mittelalterlichen Epos. Lange Sylben sind ja 
kurz, und kurze lange geworden; das Princip der Quantität ist zurück-, und 
das des Accents vorgetreten. Curtius bat nach der Ansicht des Ref. nicht 
Unrecht gehabt, die nutzlose Controverse zwischen Etacismus und Itacismus 
in seiner Lautlehre gar nicht zu berühren. 

$. 7. Der Hr. Verf. theilt die Consonanten ein 1. nach den Sprach 
Organen, II. nach ihrer Lautstärke, IH. je nachdem sie einfach oder 
zusammengesetzt sind. Die Coordination dieser drei Glieder ist logisch 
falsch, denn die ersten beiden Glieder enthalten die Eintheilungen der ein- 
fachen Consonanten, also hätte es wenigstens heifsen müfsen: die Consonan- 
ten sind entweder einfach oder zusammengesetzt; die einfachen werden 
eingetheilt entweder u. s. w. Der Hr. Vf. hätte eine Änderung seines Vor- 
bildes hier gar nicht versuchen «ollen. — Die mutae werden in demselben 
Paragraph deflniert als solche, «weiche ohne Hilfslaut seh wer auszusprechen 
sind." Es» ist aber nicht blof^ schwer, es isl iin uiö^licli ß w qp ohne Vooal 



^Uen uye/r/tm Liekner Fäiinl, «iig, ¥. #*. ffniäer, 12§ 



kr 



i u Kxuf prtcheii — Von iIpu ftquiäfs sasrl d^r llr. Vf, «i f* »^ p aiiicii 
flürpjrge Conäoöanten, falyekanytthy vyga^ Üquidtte oder väUa^aikmnk Cun- 
veräo d«r I iche ) , ße r»t' r y- sf.c i c h ii e t {jiMmt jelieme^e ) seien X q Wiihi ^e, 
fi 9 (naiales y ist voro Hrti, VT ausgeläfseri) Nascnlnule, er ein hariur 
ZJ«chl&ut' WeBD aber Jetztere Abtbeilun^, nämlich die von Curtius, die 
Mitere isl, io bätt© der Hr, Yt m hh die einzige fealhalteu »allen. Oie- 
§es Schwaiiten «wischen einer iweifuchen Terminologie isl überhaupl ein 
in dieser Gramtnftlik sehr häufig bcrvnrtrelender t'i)p|staiid. t. B, in dera- 
Mlbeu Parfigrapbv* oLipppn- oiler /"-Lnufe* (der IcUterc Ausdruct» der sich 
in fielen Gramma tilgen flitdet, gibi der fenuis eine ^an« unbegründete ^e* 
vofXQgung, und iM daher von Cndius mit ra*bl niebt gebraucht worden), 
■harte oder hauchfase* , 5* 0, l «Xfirben des halbi«ch^rfen oder dumpren 
Tane*»; fTir ajisimdieren findet man i>hn*^ erkenidmrcn Grund zur Wahl 
Terschi edener Auirt rucke rokanül^ ^asomilj mäsuh die Äu^ästofsun^ 
eines Co ns Onanien wild J. 32, 3; hifükes vngy n^rtiUis (Aus^lolisiing 
oder Sprengimg) bezeicbnel; uingekehrl wird der Nome mpirttitw, Üken- 
üt, der ¥ orber nur den ConsonaiUcn qp % ■& beigelegt war^ ^U/Ienfesek 
MmMft^ daaiaj aspimtue^j dann $. ^3 einmal aueb von den a&pirierlen 
Votalen gehr^uobt u, a, ni. Man kann darüber slreik^u, ob eine in der 
JUutterirtifAühe ausgeführte grammaiisclje Terminologie oder eine aH|?emein 
^ellcnil« tlaleiniacb^) mehr Voriuge bah«; im magyariach^n wird einmal 
durehau!« die Ausfuhrung der Terminnto^ie in der Muttersprache vorgewo- 
gen« Ul äkts der Fall* so hl es unverbrüchliches GeseU für rine Oratn- 
maUk, namenlbch eine Sebulsramtualik , für jeden gr?)nimati^chen tle§;riir 
einen Nameuj den pa»sr<ndsleUr aui^^uwählcn und an djesem durchweg 
ftisUabalteni «in r^febeueinamlersl eilen von mehreren, dn Schwanken im 
rauebe dient nicht i&ur l^rktärung, sondern bringt Verwirrung i ein soU 
oder, Pft0!/, mgyiB zwischen zwei magyarischen Terminis hat gaut 
tndere Bedeutung , als wenn etwa in einer di^utsclien Grammatik der la- 
teioisühe uml der deutsche Terminus tlurch oder verbunden aindj im 
lettteren Falte bezeLohnet er eben» dafi ein Wort die Übersetzung dea an* 
ikrn ist, im erstereUj dafs man schwankt, welcher Ausdruck passender 
mtsu In EiuracbbeLt und Mälsigung der Termitiolügie hätit; sieh der \\\\ 
^t »treng an srin Vorbild hallen solkn. Die llinKufQgung der g riech i- 
acben KunsLausürncke gebort in eine umfarsendere Grammatik, in einer 
kurzen Schulgrammatik sind sie ein unnützer Aufputz* 

5. tl. aVeränderuni^ der Stammyocale, TonweehscL» ^X^i^ kur^ea 
Vocalti der Stammwörter ^^ k, o wechseln in der grieeh. Sprache viel- 
leicht eilen so oft, als in der deutschen",.* Abgestdien von der forujel 
nicht richtigen Fafsung dieses VergUiches, wird der ve^^glcichendö Sprach^ 
forseber und der Kenner der wir^enschaft lieben d, h. hlatorischen deotichen 
Crrammatik dieselbe schwerlich gut heilken. Was ist f, o, «r in der 
gnech. Sprache i was ist h «t w, f in den vom Hrn. Vf* bei der Geh gen - 
helt jingt^riihrten Verhairormen; ««pringe, sprang« gesprungen» springen V» 



130 Hellen nyelvlan Lichner Pättöl, ang. v. K Haider, 

Die deutschen Vocale /, a, ti sind gründlich und wol uranfanglich 
geschieden, wie griech. i. a, v und arab. kesra, fatha, dhamma; das e 
in sprengen ist ferner nichts als ein während des natürlichen Verlaufes 
der deutschen Sprache durch den Umlaut getrübtes a. Im Gotb. findet 
man daher noch kein solches e^ es bricht erst später im Alth. hervor. 
Will man vergleichen, so ist man eher berechtigt, das deutsche a mit 
seinem Umlaute e den griech. Vocalen e, a, o gegenüberzustellen. Was 
nützt es nun, wenn in einer Grammatik oder überhaupt so ohne wei- 
teres Vergleiche gemacht werden, ähnlich dem obigen, worin griech. 
o,*€, a und deutsch i, a, Uy e in Parallele kommen? Ref. meint, e^ 
schade nur und verwirre; solche Vergleichung ist nicht ohne verführeri- 
schen Reiz; sie überrascht, sie blendet durch den Schein der Gelehrsam- 
keit, sie leitet ab vom gründlichen und ernsthaften Studium eines 
bestimmten Gegenstandes und verführt leicht zu einer eben so wol- 
feilen als sinnlosen Sprach mengerei. Der gewifsenhafle Forscher wird die 
Ergebnisse jener Scheingelehrsamkeit als unnützen Baliast ohne Nachsicht 
über Bord werfen. Ref. hat hierbei nicht im entferntesten den Gedanken, 
sprachvergleichende Andeutungen selbst aus einer Schulgrammatik ver- 
bannen zu wollen, sie können Nutzen bringen, wenn man vergleicht, was 
sicher, und nicht blofs dem Scheine nach, sondern in Wahrheit einander 
ähnlich ist, und wenn mau zugleich auf die neben der Ähnlichkeit vor- 
handene Verschiedenheit der sprachlichen Erscheinungen (worüber sich 
treffend Gurtius in der Vorrede S. VII ausspricht) hinweist. Übrigens hat 
sich «ines Überschreitens dieser unerläfslichen Grundsätze der Hr. Vf. nur 
selten schuldig gemacht. 

$.12, die Lautänderungen betreffend, welche beim Zusammentreffen 
von Vocalen vorkommen, ist grofsenlheils aus Curlius übersetzt, aber da- 
durch in Verwirrung gebracht, dafs der Hr. Vf. den von Gurtius selbst 
(in dieser Zeitschr. 1853. I. S. 47) berichtigten Druckfehler — $. 35 Z. 3 
gleichartigen, wo es heifsen soll ungleichartigen — nicht bemerkt und 
aufserdem in die Übersetzung aus Gurtius andere Bemerkungen (z. B. laag 
Xagy 6(f^6a o^'d'o, tpilia tpilm u. a.) beifügt, welche schon in den aus 
Gurtius gegebenen Regeln an ihrer Stelle vorkamen. Die Bemerkungen 
in A. 3 über den Accent bei der Contraclion gehören erst an spätere 
Stelle. — $. iS. «Grundregel: Die stummen Consonanlcn vertragen sich 
nur mit anderen verwandter Stufe oder verwandten Hauches, es muCs ein 
barter vor einem harten, ein weicher vor einem weichen, ein gehauchter 
vor einem gebauchten stehen.* Abgesehen von dem ungenauen Ausdruck 
«verwandt, rohoni^, wofür später richtig «gleich, hason^ gebraucht ist, 
und von dem Schwanken in der Terminologie «Stufe* oder ^Hauch', ist 
die Regel selbst, die man freilich auch in anderen Grammatiken lesen 
kann, geradezu falsch. Denn einmal kann nicht blufs, sondern es mufs 
ntpj %%y td" stehen, andererseits wird x vor t, d" vor ^9-, d vor t u. s. w. 
in a verwandelt Unmittelbar auf diese missliche Grundregel folgt dann 
unter 1 die Gorrcctur derselben nach Gurtius: «^vor stummen Zungenlauten 



Belien nyeiHun Liehner P/fUnt^ .mg, v. k\ Bulder, 



lat 



r rt 1^ können vou deu itummen Lauten der aiiüercü Organe nur Jic 
glekhülufigeti slehtüL* Weiler unten wird mm Hülege , dafs « vor B in 
y verandclt werde, oydaoi (aua ox-doog) beigebracht Dieses Beii«pio1 
flebl altordings auch in aiidi^ren Grammatiken, aber e§ gebort utchl bkr* 
Üef, Denn wie läfitt üich i^t'wcisen , dafs oä die Wurzel, und rfoog die 
IJildtingjü^ylben seien? Ana der griech. Sprache wenigst env kunn ein (Streng 
wifieiiüchafüicbüf Beweis hier uicht geführt werden; das reicht aber schon 
hin, um oySoö^ von der Steile zu enlfenien. Zu den ÄUBimhmen lur be- 
sprochenen liege] rechnet der Hr. \L auch i^yq^eipm und i%(Se£ia; mit 
Unrecht^ die Hegel sagt ja nur, welche Änderung die Cunsonanten anderer 
Ürgaue vor Zungeulaulen erleiden. 

§* 22. 6. steht, d:il^js v von einer Hquida assimiliert (Aasanüß werde. 
Dm Beispiel ^iiiazQog beweist, 4ah der Terminus Uquida hier im weiteren 
5»inne genommen ist, während der Hn Vf* sonit ichr oft nach Cuflius nur 
1 und q darunter versteht % und wenn in der Aufnahme dazu gesagt i^t, 
dafi die Präposition h Vor l, q und tf Dicht assimiliert werden^ so möf«- 
teu j«i, durch die nolhwendij^e ßexiehung der Ausnahme hut die Keget, 
auch £ und a %u den iitjuidis gerechnet sein. Die ßemerkuiig (Anm, 3) 
üt>er die Verhiudung vou ^ mit ^ und X durch ^ fiehöit nicht iu einen 
Paragraph, der überich rieben i^t «v vor au deren Coneonanten^^ und die bei 
dieser Oelegeiiheit gegebene Ahleilung der Korm ^ffA^Xömor von fii|tciXiuS( 
[«t fatsch^ vgl. Curliua $. 5K 3). — $. 24> a, b, e i^t richtig aus Curtiu« 
uherselit, in welchen Fällen die griechische Sprache vermeide^ xwei 
aufeinander folgende Syllieu mit Aspiralen tu beginnen. Jndeni er aber danu 
der tlr. Vf. von t^ürlius nbweiehend zum Übeillufse biniufügt, in welchen 
Fallen die grieeb Ische Sprache diefn geatatte und wider davon Aus- 
frahmen angibt, erschwert er gan^ unnölhig die Sache. ^ ä- 3^» «Wenn 
Stamme, die mit t oder # antangen und mit einer it9piTUtü {tcldiefsen, durch 
Formative oder Anhanges) Iben , die mit tf, % oder ^ anfangen, moditlcierl 
werden ^ alidann wirkt der aspirierte Auslaut der Wurzel, indem er dem 
ffj f, ^ entweder sich assimiliert^ oder «ich damit vereinigt^ auf dnn dte 
Wurzel anfangende t zurück und aspiriert dasselbe. Also aus dem Slammc 
tqi% der nom. '0'e^l ** Also vor allem die Frage: Warum wird zuerst % 
und ^^ und dann blofs r erwähnt? und wenn ein Stamm mit % antieng«^ 
dann könnte Ja dieser Anlaut keine Aspiration mehr bekommen. Wozu 
dient femer die Erwähnung der Aasimitation oder Consonanteneiniguog? 
Davon war früher die ttede; dadurch wjrd hier der Aufdruck imr schlep- 
pend, und die tU^gel unverständlicher gemacht. Die Anm. hierzu sagt: 
i^^f^^ij*, xB^q^vp^ai sei nur eine scheinbare Ausnahme {csük (utM%ö 
kipeiet)i warum If ist nicht gesagl^ obwol es sicli nicht von seihst versteht. 
— % 32, 3 beifst ea allgemein, <i zwischen zwei Vocalen werde aus^ 
getttof&ea Richtig Curtius; ^^ wird sehr häufig in der Mitte z wischten 
awsj Vocalen ausgeslaf^en.*' Ebenso allgemein ist gesagt, Am v wer<Le in 
den Cöai|i.trativendungen qvu^ ovi^^ ovttg ausgestoßen, damit d.i* t^ti'ius 
SU nix (eäefraff) mit o zuj^ammengezogen werde ikogy ^ . ■ öMs^epami^i^^J, 



132 Meilen meman lichner Pämi, m\%. ¥. K. Haider. 

Aber nebstdeni, dafi v so gut sieben bleiben als ausfallen kaniij darf di« 
Zusainmeniiehüng nicht ülä Zweck des Ausfalleji bezeichnet werden. — I 
3 35. Betücsere, ^Bxulji^tq =s BuchslabeiilauacL VVwt behauplel der 
Hr. Vf., dufs hauptsüchlicb die Buchslaben dei nämliciien Organi, der ^ 
DtimlicbeD Lautstärke üder Stufe mit einander wechseln {kif^ält ugyam \ 
üwn läiegü^ hanger^ü Pagg fokü beiük). Erinnern wir uns nun, dafs 
$. 7, ü allen mutis gleiche Stärke zugesprochen wird, welch ein Chaoi, 
falU diese Buchiftaben insgesamoit mit einander wechseln sollen? Da 
müfste die griech. Sprache von der IVatur wirklich im Stiche ßelafseii 
worden sein. Ferner, wenn das Wort a Laut starke {hangefäY den bc- 
leichneten Sinn hat, was heifst dann die Eintheilungj «Conss. von giei- 
cheiB Or^au, gleicher Starke oiter Stufe*? Ei konnte fast scheinen, als oh 
der \\i\ M hier von Kühner irre geleilet worden; denn J. 5 und J. 202 
der KuhnerWhen Schulgramnaatik (3. Aufl^ bemerkt man einen ähnlichen 
Fehler, der jedoch ohne Folgen geblieben ist, indc^m kühner zuerst alte 
nmtae und dann blofs tmttes , mediae , aMplratae auf die gleiche Stufe 
ateltt. Dag möge ein Beleg dafür Bein, welch grofee Sorgfalt und wetch : 
genaue Sprachkenn (nii zur Behandlung der g riech. Lautlehre erforderlich 
ist, da selbst in manchen sonst guten Büchern sich Ver^töfse finden. Diu 
vorzüglichste Leialung auf diesem Gebielef Ja, mit wenigen unwc^ient lieben { 
Ausnahmen meisterhaft ist nach des Ret Ibers^eugung dieser Abschnitt | 
der Curtin^'scheu tirammatik. Cm &o grofsere Vorsicht verlangte jede, auch | 
die geringste Abweichung davon. Übrfpcns diesen ganzen % 35 konnte 
flieh der Hr* VL ersparen für seine Seh ulgrammnlik auszuarbeiten | was 
gebort es iu diese, daf^ die Lacedamonier ^loji^ 'Jtug&h'Q^ u. a» tn, ge- 
sprochen haben? — 39. Die Definition der Krasis .^die ftüscluing, x^äffig, 
ist eine ^usammeti^iehung zweier Vocale in einen langen IVlischlaut* pas^t 
auch auf die Contraction im engeren Sinne. Durch die Überschrift des { 
<r Laut Veränderungen im Auslaute^ wird der Fehler der Definition ge- 
mindert, nicht aufgehoben. — J. 40 wird die Synizesis auf die gebun- 
dene Bede beschräükl^ es w^ar zu sagen, daf^j sie für uns nur noch im 
V4^r8ö erkennbar ist, vgl. Krögt-r J, 13, 7^ 10* — J. 4l liest maus 
^Wenn ein anderer Consonant (nämlich als v, g, ir) am Ende des Stammes 
in tö pegm) steht, so wird er in der Regel weggeworfen'*. Hier darf 
es nicht heifsen; am Ende des Stamroes, sondern; am E*ide des Worle%J 
wie in der 1. l, des § {keilen SZt^k v^ifen). Denn gleich darauf bringt 1 
der Hr< Vf- riüav st. i^öosi^t; dafür aber pafst der Ausdruck Stumm (MJl 
nicht. Dann heifsl es: g^Die 7 Laute t, d, ^ werden in diesem Falte ifti 
a vcrwandeltj n^Qt....^ Als ob sie nicht eben so gut wegfielen. €ur-j 
tius hat richtig ^ öfters," was der Hr. Vf. in der Übersetzung weggclafseBl 
haL — §. 42 zeigt in der Überachrrfl ; ^Mozgö ragg ßggelekes v, iqttl-* 
%vffx6v Pfig^ icptXnvattiitoVj d. h. bewegliches oder angehangJea v u. s» w.* 
das schon oben gerügte Schwanken in dnv maj^y arischen Trrminologit. 
bl denn übrigens ifpBl-nvatov als gramm.itischei- iermitiUB wirk lieh gfh 




Relien npeMan liehnet Päm$, m%. v, r* ffnider, 133 

bfAurhl worden? Krüger bemerkt nur J, II, 14, 1 in Parenlheae: «rieh* 
liger lqfU%v<tt6v.^ — j. 43? ^ov stt'hl vor Conjon. (und) am Ende 
dfii SdUes.* Wie ei iich im lett leren Falle mit dem Acceul von qv vtsr- 
hille, muffte weiiigsieiis in der Schrift be^eit^linrl werdtMk Zu 2) sLebi 
in einer Anöi, «a^tl bleibe bisweilen iuä&a) vor ConsJ. un verändert, 
wa^ti ifDiner (minäenk&r); darüber kann noch gesi rillen werden; der- 
artige coutrovers« Pancle werden aber in einer kleinen Schnlgr/itnoiÄlik 
fitglicher uber^nnf^en« — {, 44 enlbliU neun persr/s memorifiies für die 
wictitiReren LftnlnfTtclionen {a ßbb M%en.mhfM}i U^ö^ÜtUig ttppmUt Cü* 
piii, seä aq^ntpfff^s mtferi e(€. So gul solche ftrsm mamrktlei ge- 
meint sein mögen, ^o wenig pm'^en sie heytiut&ge noeh in eine mc-br 
wifHenscIiiiftlieb geJiallene rirainointtk hinein; sie «ind nur ein pannui 
mwutUM und stören die eruÄle lUrmonie dei Werkes. (Jm^onst siebt man 
lieh datier in der GrAmmalik v^n CurtluK nach einem refsus mttuüriaiU 
um. Übrigeni bcjtieben sieh ilre terstis memorialea (cmiekrersek) de* 
Hrn. Vf/s unter amlern nuf n^Q^^im^^ iniv^tGi^^ at^t/d*ff*ff, welche der 
Hr. Vr, dneb nicht für wiebiige UulalTuetionen (ß&d M%tmeknek) kann 
gehAitPU haben, da er sie in sdner gnn^en LautJebre nicht erwähnt, — 
$ 45 über die S y L b e n ;i h tJi c i I u n |^. Curtius bat sich mit wol 
bedachter kürze auf das nüthw'endigste beschrankt. Indem der Hr. Vf, 
glaubte ausfuhr! (eher sein tu müfsen, itt er in Jneonsequen?; und ünge- 
nAUigkeil geralhen. Er sngt luersl «dafjf am Anfange der Selben alle 
Jene Gruppen von Consunanien stehen können, die sieb am Anfänge der 
grreeh. Wörter tliiden^^ und zähll dann sorgfällig diese Gruppen auf, Di«- 
her bat er auf meinen] Siandpuncte reebL l>n es aber wdler \at\Mt «und 
kH ähnliche, obwol ei kein Wort mii diesem Anlaute güit^ auch folgende f 
vr, ^v^ fw etc," so mAcht diese dunkle kür?.e neben der Breite [cner Auf* 
räb ung einen widerwärtigen Eindrtick \ der Hr. Vf. bätle jedeufaljs etwa 
in der Weise von Mallhiä und Krüger angeben i^ollen^ was unter «abnlieh 
{hai&nlM)* tu verstehen sei, ^och weniger kann es gebilligt werden^ 
dafäi er AbtiieiJungenwie «(i-^ci, ttSsX-xpü^ als Ausnahmen anfuhrt, mit 
der Bemerkung: f*v bleibt beisfiraircn {de fiv egjfff(S manid); als ob nicht 
alli?$ das in der Regel begriffen wäre, bi dessen dieser GegenstÄud i^t 
felb^t in den gesehalstcsten grammatischen Werken noch kemeswegt im 
derjeuigeu innerlich ^uianimenbangeniten Üelianillutig gelangt , deren er 
fihig tat; widerstreitende rrineipien sollen vereinigt werden» gnr manclie 
Hegeln *ind vielmehr erfunden als erwie^sen. Doch würde die weiter« 
üiscufsiou dieses Puncles hier xu weit führen. 

Den J. 46 über die Quantität dtr Sylben mufs dt'r llr, Vf. hei 
einer neuen Ausgabe dieser tirammatik snrgfiiftig umarbeitenp Anfangs 
sagt er, die Lange und Kurie der Sylben sei im Gti^<;br^elien beinahe 

Pifirnjämm) so leicht xu erkennen, als im Magyarischen Itiebtiger njüchte 
f« sein, wenn statt m^ßdueni einfach ^nem = nicht ^ stünde. Hinmal gibt 
f» in der magyar. Schrift keine zweizeiligen Vocale, wie griechisch *, a^ n, 
Indem alle langen Vocale durch Quanlititsaccente bezeichnet werden | 



134 Bellen npeMan Lichner PAltöl, ang. v. g. Haider. 

ferner sind im Magyarischen so wenig als etwa im Arabischen besondere 
Regeln für mula cum liquida zu beachlen mid drillens ist das Magyarische 
eine lebende Sprache. Wenn daher in derselben, wie naturlich, die Quan- 
tität der Sylben mitunter schwankt, so braucht man nicht erst einem 
durch Jahrhunderte hindurch, oft in ganz verschiedener Weise sich ent- 
wickelnden Sprachgebrauche mühsam nachzuspüren, sondern man kann die 
Streitfrage in der Regel vor das Forum eines geübten Gehörs bringen. 
Übrigens brauchte der Hr. Vf auf diese Frage über die Schwierigkeit gar 
nicht einzugehen; er halte kurze und deutliche Grundregeln der griecb. 
Prosodie dem Plane einer Schulgrammatik gemäfs aufzustellen. Das ist 
aber nicht vollkommen erreicht; theils finden sich störende und die Ein- 
sicht erschwerende Tautologien in den Regeln, theils ungenaue Formatie- 
rung. Zu der letzteren gehört z. B. die Bemerkung: «Kurz ist die Sylbe, 
wenn nach e, o, a, /, v ein Vocal oder nur ein Consonant folgt.* So 
weit diese Regel wahr ist, versteht sie sich von selbst, sie wird aber 
zum tbeil durch ungenauen Ausdruck unwahr, denn es kann z. B. ein 
folgendes i mit £, o, a einen Diphthong bilden und dann ist die Sylbo 
lang. Die Bemerkung , dafs jedes oiroumflectierte a, (, v lang sei, gebort 
nicht in diesen Abschnitt. 

Das vierte Capitel ist überschrieben: ike%ä8, n^oatpdiay xovog^ 
accentus. A, A% dkezäs Jeleir^l» (Von den Aocentzeichen.) Hier bat 
der Hr. Vf. offenbar das Zeichen mit der Sache, der Betonung, verwech- 
selt, da von den Acoent zeichen schon früher die Rede war. — $. 47 1 
Q(In jedem zwei- oder mehrsylbigen Worte wird eine Sylbe mit 
gröfserem Nachdruck oder gröfsörer Tonsohärfe (nyomal^kal^ hangäUel) 
ausgesprochen als die übrigen. Diese Tonwuoht oder Schärfe {kangsuiy 
vagyis 41) wird durch den Accent bezeichnet.* Aber weder hier noch 
nachher hört man auch so etwas ausdrückliches über den Accent e i n- 
sylbiger Wörter. — 3. nEffpsterü dkezet csak egy van, a% ile$ (n^o- 
amdla o^sCay tovog o^vg, accentUS acutus) d. h. einfachen Accent gibt et 
nur einen, den Acut....* Ein schiefer Ausdruck, der auf einen Gegen- 
satz mit mehreren zusammengesetzten Aocenten schliefsen liefse. Etwas 
befser, doch auch nicht ganz deutlich Krüger $. 8, 4: «Es gibt eigentlioh 
nur einen einfachen Ton oder Accent, den Acut.* Krüger meint nämlich i 
nur einen, und zwar einfachen Ton. — 4. steht, der gravis neben dem Acut 
oder Circumflex werde jetzt nicht mehr bezeichnet , als ob er je bezeichnet 
worden wäre ; was hätte das für einen Zweck gehabt ? — 5. : «i4a 4les is 
a tompa 4ke%et egyetüiäseböl a vanka *, pl.ia — böl les% ä, 6a böl lest 
(D, d. h. aus der Vereinigung des scharfen und des dumpfen Accents entsteht 
der gewundene.* Curtius hat diese Genesis des Circumflex nicht in seine 
Grammatik aufgenommen, und wie Ref. glaubt, mit gutem Rechte. Leug- 
nen läfst sich nicht, dafs dieselbe nicht ohne einigen Scharfsinn von den 
Grammatikern gefunden worden ; ob sie aber auch richtig und der natür* 
liehen Entwickelung der griech. Sprache gemäfs sei, mufs in Zweifel ge- 
zogen werden. Keinesfalls will sie sich in eine Scbulgrammatik fügen, 



Beiien nveltim lickner Päiidl anp^ t* W. Haider. 



\m 



u»d wenn de aucb noch so scharfsinnig scheinen meg. Die mU ibr aui' 
gf«procheiie Hegel passl wol eu den tneialen Fj^Hni der Conlnction (niehl 
lu allen» iie t^rklart t. B. nicht den Circuinflex des auü /tJ contrahiertcn 
iv), aber jenseits dieser lafsl um jener Scharfblu im Stiche. Bfim wie 
Ist der Circumfle^c einer nicht durch Coutr^ction entbundenen pefwitima 
m erklären. Da helfen sich die Grnrom^liker dadurch p dafs sie iigens 
p^Xl^v uitd stf^ay^a %. B. aeien artzusehen als entstanden aus p^^kkXQt 
mid itr^ffäy^ff u, a^, so Matlh ^\\ Gr. S. 82, IL Aufl.i sr^ay^a wäre also 
fleichsam nquky^u^ Aber mit diesem * gleichsam" ist der wifsenscbaft- 
liehen Einsieht nichis gedient ; die wirkJiehe Entstehung aus den vorauf- 
geseliteit Formen laHti sich nicht be^'eisen; und hlofs vorausgesetzte For- 
men, deren einstmalige» wirkliches Lehen in der Sprache wir nicht Consta- 
Uereii könncu, haben wir kein Rechte mit Aecenten, den Exponenten wirk- 
lich In der Sprache Irbeiider Formen , %\ä bezeichnen, al^o auch nicht, 
daraas weitere Folgernngen xu machen. — f, 49. 4 steht unter den all- 
gemeineo Accentregetn ; «Wenn die letzte Sylhe betont ist, mag sie lang 
er kurx sein {akär rörid akär hüssm) so wird sie mit dem Acut 
eben (elessel tke^teük). Gibt es deim keine pertspamma? — 9. Wa« 
bedeutet ursprünglicher Äccenl (erei/etf eketef}, von dem hier die Rede 
Ist, Vorausgesetzte Stumme wie ie*jr, 7^md$v können wir, wie soeben 
bemerkt ist, nicht accentnieren , und der Accent von q^^ym^ Xifm u. a. 
darf doch eben falls nicht ursprünglich hdfsen. — 9. ä)i »Wenn irgend 
ein Wort durch Flexion so geändert ward^ dafs der urspHuigliche Aecent 
nicht mehr stehen kaim, so geht diT Acut der üHtepemtlfimü auf die 
pemUtima über (n mgeimire megy üii t. B. uv^timnog^ ^v^gmitov* 
tn diesem Beispiele allerdings; aber wie slebl's mit 7to£ti^m^ «onj^^cros? 
— 5.54. ^Während die procUifs {H6rehi0täs) ganz und gar nicht auf den 
Accent des Tolgenden Worles einwirkt, wird durch die Inclinaliön der Ac- 
cent des vorherülehenden Wortes oianchmal geändert. Denn wenn das 
vorhergeheude Wort.«..* Nach dieser Einleitung sollten nur die Fälle 
aufgezählt werden, in denen der Accent des vor der encüHca stehenden 
Wortes geäjidfrl wird. Ea w^erdcn aber auch Falle wie f^Um u*, loyoj 
Tif in gleicher Reihe aufgeführt, — J. 55. 3 s <,l>ie mciitiefie l)eh alten 
ihren Accent, wenn das vorhergeheiKle Wort auf 6 oder -^ endet, 
E 8. nflfTjJXt^ fjrOV.^ Woher diese Regel? Dem Ref. ist sie nur in Be- 
ziehung auf zweisytbige Encliticae bekannt, die auf Properi sporne na der 
l>«zei ebneten Auslaute folgen, vgl. Kruger J. 9. ß* Anm, 2 (in Parenthese) 
und Kühner J, 34, IV, Ausg. — J, 56, 1. wird unter dem Titels «Be- 
merkungen" (es^reteieiek) angeführt, dafs die Flei ionsend ungen «t, ot 
rucksichllich des Accenls als kurz anzusehen, die Optativendungen jedoch, 
und ofwot (EU hnuse) nchst otftoi und i^rot ausgenommen seien. Allein 
die letzteren zwei Formen gchÜren nicht zur Fleiion (rngoiiäs}t sondern 
linier die CftmfimHa wie mü%i^ ij^e, über deren Accent j- &3, Anm. 2 das 
nöthige hätte bemerkt werden sollen — 5» 56 » 2* wird zu der ßcmer- 
kuii§, di'ifs Ptö in der atL Decltnation für eine Sylhe genommen werde^ 



136 Hellen nyeMan Lichner Pällöl, ang. v. K. Halder. 

auch 9vasqmq als Beispiel angeführt. — $.56, 3. wird der unterschied 
der Bedeutung von ikrixq6%xovoq und jtiijr^oxTovog berührt. Weifs der 
Hr. Vf. die Form jui^r^oxrovog zu belegen? Die Paroxylooa auf ""^tovo^ 
sind zahlreich vorhandeu , als Proparoxytooon ist dem Ref. nur av^^" 
nontovoq bekannt. Als Beispiel in Grammatiken findet sich jtiijT^oxToyoff 
öfters, ein Beleg dafür ist aber dem Ref. nicht bekannt. — In der letzten 
Anm. wird anempfohlen, sowol den Accent, als die Quantität der Sylben 
zum Zwecke einer richtigen Aussprache genau zu beachten. Das ist in Ord- 
nung; allein der Hr. Vf. hätte wol gethan, wenn er hierbei das Griechische 
mehr auf das Magyarische bezogen hätte. Entweder hier oder auch schon 
früher mufste kurz auf den nicht unerheblichen Cntersehied zwischen einem 
magyar. und einem griech. Accent aufmerksam gemacht werden ; denn 
dafs mitunter Irrungen oder unklare Ansichten obwalten, ist erklärlich und 
eine Tliatsache. Die Hebung, die eine griech. Tonsylbe hat, fällt in der 
magyar. Sprache regelmäfsig auf die erste Sylbe des Wortes. Will man 
daher einem magyar. Junglinge die richtige Aussprache eines griech Wor- 
tes nach dem Accente beibringen, so mufs man ihn warnen, die ersten 
Sylben griech. Wörter, falls sie den Ton nicht haben, mit dem Hochtone 
auszusprechen. Wenigstens sprechen geborne Magyaren häufig, wie natur- 
lich, latein. Wörter, z. B. cotistanlia mit ähnlichen Tönen wie der Deut- 
sche etwa cStandhaftigkeit' «unbändiger^ u. s. w. zuerst also mit einem 
Hochtone, und dann mit zwei relativ stärkeren Tieftönen. Beim Latein, 
obwol es streng genommen nicht richtig ist, hat die Sache insaferne 
einige Entschuldigung, als der IVlagyare diese Sprache sich früher zu einer 
halb lebendigen gemacht bat, und mithin gcwissermafsen ein Recht er- 
worben hat, latein. Wörter mit heimischen Tönen zu sprechen. Im Ge* 
biete des Griechischen findet selbst dieses theilweise Recht nicht statt; der 
Lehrer darf den magyar. Jüngling z. B. nicht Xiya^tB^a , wie hemenye- 
dih aussprechen lafsen, sondern er mufs ihn anhalten, dafs er erst bei 
der zweiten Sylbe den Ton hebe, und genau Zcyoofirfd'Qe spreche, ungefähr 
mit den Tönen des deutschen Wortes «Be wunderer.^ Ferner soll der 
Magyare kurze Ton sylben ja nicht gedehnt, oder als Positionslängen aug- 
spreohen, um so weniger, weil hier eine richtige Aussprache ihm fast 
keine Mühe macht Dem Deutschen kostet das schon manche Anstrengung, 
weil in deutscher Sprache jede hochbetonte Sylbe entweder von Natur 
oder durch Position lang geworden ist. Im Magyarischen ist das nicht 
der fall, und das Princip der Quantität wirkt noch mit frischer Kraft; 
XiffOy tudö; XiyoaiLSv, tudödik etc. haben gleiche Accente und gleiches 
Syibenmafs. 

R. Hai der. 
(Fortsetzung folgt.) 



^effftri, deutschUt Übungsbuch, ang. v. C. J, 6rp9ar. 137 

Obnngrsboch zum Übersetzen aus dem Deutschen 

in 's Lateinische für Secunda; herausgegeben von Dr. Mor. 
Seyffert, Prof. am Joach. Gymn. zu Berlin. Dritte vermehrte 
Auflage. Brandenburg, Muller, 1853. XII. u. 345 S. gr. a — 
1 Rthlr. » 2 fl. CM. 

Ref. hat bereits die zweite Auflage des Übungsbuches des Hm. S. 
hl dem Märzhefle dieser Zeilschrift J. 1851, und nochmals in dem Juni- 
hefte des v. J. ihrer zweckmäfsigen Einrichtung wegen unseren Gymna- 
sien vor vielen anderen Buchern derselben Art empfehlen zu muffen ge- 
glaabt. Diers Buch liegt uns jetzt bereits in der dritten Auflage vor, iu 
der es, ohne dafs der ohnediers mäfsige Preis im mindesten erhöht wor- 
den, fast um ein Dritttheil vermehrt erscheint. Es sind nämlich noch 
vier Obersei Zungsstucke hinzugekommen, und in dem Anhange flnden 
wir statt der früheren %2 jetzt 35 Übersetzungen Ciceronischer Stellen, 
welche den besten und am meisten gelesenen Reden, pro Milane y pro 
8e$iio, de imp, Pomp,, PMl. /, //, IV, die drei letzten der Schrift de 
mmic, entnommen sind. Diese Stücke sind zu einer Retroversion be 
stimmt; und sicherlich hat eine solche, wenn sie in der Schule selbst 
Bieh vorangegangener Behandlung der bezuglichen Originale vorgenommen 
wird, Ihr gutes. Eine recht willkommene Zugabe aber ist das S. 310 — 
345 angefügte deutsche Wortregister, worin die in den Noten des Com- 
mentars besprochenen Vocabeln und Phrasen vollständig angegeben sind, 
so dafs der Schuler, wenn ihm ein schwierigeres Wort aufstofst, das etwa 
an einer anderen Stelle des Ruches behandelt ist, vermittelst dieses Re- 
gisters den Gommentar statt des deutsch • lateinischen Lexikons zu rathe 
ziehen kann. — In dem Coromentare hat Hr. S. manches berichtigt und 
vervollständigt. Dafs jedoch in einem Ruche, worin die stilistischen Re- 
merkungen zu hunderten zusammengedrängt sind, noch immer hier und 
dort eine Einzelnheit übrig bleibt, welche ein driller anders, vielleicht auch 
richtiger, zu geben weifs, findet wol jeder begreiflich. Es mögen also 
aoeh diefsmal hier einige Verbefserungsvorschläge eine Stelle finden. 
S. 60, Nr. 28 wird «beim Regiurungsaut ritte des Königs'^ (sc, eines 
Spartanischen) durch reffni ampicia übersetzt. Dieser Ausdruck ist ein 
durchaus römischer, der als solcher schon da, wo von einem griechischen 
Könige die Rede ist , vermieden werden sollte. Es konnnt hinzu , dafs 
die latein. Schriftsteller denselben in diesem Sinne nicht gebraucht hai>en. 
Erst bei den späteren findet er sich. z. B. bei Justin. XXVII ^ i. Seleucas 
mupicia reffni a parricidio coepit. In Rezug auf das Verbum auspicari 
hat schon Krebs Antib. s. v. darauf aufmerksam gemacht, daf^ erst die 
Schriftsteller der nachclassischen Zeit es in dem Sinne von anfangen 
gebrauchen. Freilich sind beide Wörter in diesem fehlerhaften Sinne bei 
dJM neueren Latinisten gleichsam eingebürgert. — S. 61, Nr. 34 ist bei den 
Worten : «es hat Menschen gegeben , d i e ihr Vaterland von Herzen lieb- 
ten, die aber jeden anderen u. s. w.» bemerkt, das aber hinter dem 

£oiUehritt TSr die n«terr. Gymn. %WA >i. Heft \Q 



las Seyffert, Dcutsch-lal. Olmogsliurh, ang. v. G. J. Crytar, 

/weilen die dürfe nicht üliersetzt H'crden; das erste qui mach« 
ntpr das Suhjecl vollständig.^ Mit der Aiislafsung des aber 
hat es seine Richtigkeit, aber die angerügte begründende Erklärung ist 
nicht deutlich genug. Es hat vermulhlich heifsen sollen, dafs, wenn von 
zwei aufeinander folgenden Relalivsälzen der erstere blofs gesetzt werde, 
um, wie hier, das Subject kenntlich zu machen, der zweite dann erst ein 
neues Attribut demselben hinzufuge, die im Deutschen üblichen Partikeln 
und, aber ausfallen, z. B C(c. off. 11, 23, 83. Eos, quo 9 ipse resN- 
tuerat (sc. Arafus) — hiermit wifsen wir von wem die Rede ist — , quo- 
rutn (ilcren G. aber) bona alii poasederaut, egere iniquissimum arbi- 
trabatuT, — S. 158, Nr. 3 macht der Hr. Vf. zu den Worten «was Homer 
und llesiod von den Göltern gesungen hatten,* die Bemerkung , sin- 
gen sei durch vatictnart zu übersetzen, und verweist zugleich auf de. 
deamic. \lh 24. Es hat jedoch schon Gernhard zu d. St. die richtige 
Erklärung beigifügt, so gebraucht Rnde sich das Wort sonf^t bei Cicero 
nie, indem er damit wie ad Aitic, VIII , ii immer den BegriflT eines 
Vorhersagens der Zukunft, oder den des fUTor taiicinanihim 
verbinde, wie pro Sest 19 taficfnari atque huanire, — S. 206, Nr. 55 
sollen die Worte «die schöne Natur geniefsen^ durch ein SuM. 
absfr. übersetzt werden. Es hätle hier noch der Zusatz gemacht werden 
miifsen, dafs, um den Sinn dieser Worte vollständig auszuprägen, zugleich 
der Gebrauch des Plurals nöthig ist, man also amoenftatibus naturae de- 
iectari zu sagen habe. — S. 212, Nr. 52 u. 53 wird uns für die Phrase 
aVirgil weifs höchst geistreiche Situationen zu erfinden* rerum conditiones 
docie invenire empfohlen. Es ist nämlich von den Idyllen Virgifs die 
Rede. Ref. verkennt es nicht , dafs es schwer ist, einem so ganz moder- 
nen Ausdruck das Lateinische anzunähern; aber der vom Hrn. Vf. vorge- 
schlagene Ausdruck weicht durch seine Dn best i mm t hei t zu sehr vom 
Deutschen ab. Bei rerum conditiones denkt doch wol niemand an Si- 
tuationen des Hirtenlebens, und selbst docttis ist nicht das 
rechte Worl für sinn- oder geistreich. Sollte nicht eine Cmschrei- 
bung wie diese, «/n rebus vUae pastoriciae tarie effingendis ingeniosissi- 
mus esfy* die Sache befser bezeichnen ? — S. 212, Nr. 59. Einfach- 
heit des Ausdrucks gibt Hr. S. durch Simplex dicendi genus, an welchen 
Ausdruck man schon durch den häuGgen Gebrauch der Wörter Simplex 
und simplicitas eben im stilistischen Sinne so gewöhnt ist, dafs es nicht 
leicht jemandem einfällt, seine Richtigkeit zu bezweifeln. Dennoch kann 
ich hie die Bemerkung nicht gut unterlafsen, dafs das Wort in diesem 
Sinne sich bei Cicero und den befseren Schriftstellern nicht nachweisen 
läfst. Sie haben dafür immerfort Adject. wie tenuis , exilis, subtilis, 
z. B. Cic, oral, 23 Lysias lenuis alque inornaluSy wo der Zusali 
des zweiten Adjectivs über den Sinn des ersten uns keinen Zweifel übrig 
läfst. Erst bei Quinlilian Gnden sich die Adj. Simplex und inaff^ctaim 
im Sinne unseres ungekünstelt. — S. 213, Nr. 16 soll der Aasdruck 
«den Vortrag durch eingestreute Episoden unterbrechen ,* durch 



Samfm ftügmeniih Hl Fr. Krm, m\^, \. G. Link^ \m 

mt' nnHi Cf€ de nrai. //, se, 3S2 gehiUIi^te ümschrt^ibuiip ptgdicn wet - 
ikii, poefitrum more m^tmdi c€iusa decHußre^ weil m hier baupisSchlidr 
*uf ficn B^^^grifT des mnare aukoiriiie; da aber von einem didaktischt^i) 
VorU'rtge dl« fti'Jt* i»l , so dürfte Wegen des GegenKalzefi der !''pii?odeii 
mit der I> ü r r b e il desselben eher an narraüoms f/elecfamfi cmi^n 
tnim'iestiie tu deiikeu sein; wenr^^slens bexeicbnel dief*» was gemein I 
I!*!, iirsiinimter als die von Um, S. vorgeschlagene Phrase, — Edel, von 
der Hpraehe gesngt, will Hr. S, ebetid. Nr. 20 durch fN^rntt über»ekl 
wir-*en » ab gj ei eh Kich weder bei Cicero noch selbst bt-j QirjidiliAo ein 
lleispiel für diesni Gt*hiauch des Warte« fimlel, C*rera druckl es »*'br 
detitlich im Srui, S8 ilurcb genitt d/certdi haud vuigtire aus; c. 0^ 
lial er d^fur exqfthÜus^ HeUl aber dann der Verdt'utliclujng wegen uoeb 
et minime vul§arU \m\t\i, \%\ derselben Bedeutung Üiidet sich emquiMi- 
(Ui auch bei Quiiildiau ai^ mehreren Sielten. — S. 21ö, Nr. 7 umschrerld 
ür. S. : Am AneaN wird daher das römische Volk verfolgt/ durch rjit^dt'Ut 
Aneas verfülgl wbd, wird das r. V. verfolgt* Ei inl von Virgil*s* Äneide 
die Rede, demnach wo] die Phrase vollslaudig m iti gplien, qvum facti 
Amenm tenari etc. — S. 249, Nr, 22 ist mmmo coiore iUmirare an- 
ge|ebeu für oelwa«( mit den lebeddigslen Farben schililein;* doch mochte 
ich diesen Ausdruck in zwiefacher Be£Lehung misbilligeu, Crnlens ist die 
Verbindiui^ ifiiisiTftre c&lon'Öus eine ganz ungewöhnliche^ indem man wol 
sagt ptngtre^ ormire caiüTiäui, aber nicht iituatrare^ dann aber \n% 
iummuM cotür völlig unverslandlich. Soll etwa niil cöfor diasselbe was 
mit kabitUM, genus oralimih (Cbarakler, Ton di^r Kedr) bezejcbnel wer- 
den, dann fällt der $ummnä c^ior mit gründe gemts ^u^iammen, wa« hier 
unmöglich gemetut »eitt sdIL Ha der deutsche und laleinlsche Tropus hier 
nicht «lisauiroentretrea — tienn wo wir sagen lebe ndige Farbe, da 
heif^t e.<i im Latdnisehen Lieht oder G Unx ^ m mochte ich die l'brase 
taudei smt» peröts $plemlidfsitmii ftiumifuwif vorschlagen. 

W letL C, J. Grysar. 



l\ Sa Uu:»ti Cristpi HiMoriamm frafimmia. Plemora^ 
rmendatiora et nm& mdine disjmsita mUque fm/imehUirfis Uin- 
itraia tdidit et indicts ticcnnttm mUeeit Fria. Atii^ius, Pro- 
fessur Erfuriemii Accedii cmlictn UHiamt et pfttimpsem Tnleiani 
e^empium tfiptdt' ttistrfpfum. <Au<^b m, d. nllg TiL : € Satinsff 
Crispi Opera quae super sunt. Ad fidem cmtkum nimm serfpiorum 
rteettsui't, cum telectts C^rtii nMs suisqiie cammeniurii* edtdtt 
et iuiiirem accuratum adietit K h\ Voi, ilL Lipsiae, B. tt. Teuh- 
fter, tma. XLIV, 42ö S. 8.) — 3 Htblr, ^ 6 fl. CAI. 

Wenn schon Salluat's kleinere I^loDOgraphien, welche uns allein voll- 
ttändig efhallen sind, mit Recht durch alle Zeiten für Meisterwerke in 
ihrpr Art gegollen haben, so bleibt uns der Verlust seines grofscn Haupt- 
werke! um m luebr zu beklagen, das vorzüglich seinen Namen £u Hqlu 

10 • 



140 Snllmti fragtnenia ed. F, kritz^ ang. v. G, Linker. 

unter ileii der gefeierUlen Geschichtschreiber erhob. In den fünf Buchern 
seiner Hinlorieu halle Sallusl zuerst versucht die Gesaminlgeschichte der 
römischen Republik innerhalb einer bestimmten Periode (v. Chr. 78 — 67) 
pragmalisch zu behandeln, nach Form und Anlage sehr verschieden von 
den trockenen aiinalistischen Aufzeichnungen oder weilläuGgen Chroniken 
der früheren römischen Historiker. Dieses Werk führte zuerst auch die 
römische Geschieht Schreibung in das Zeitalter der höchsten dem Römer- 
geist überhaupt möglichen Vollendung ein, weiches für die übrigen Zweige 
der Prosa schon längst durch Ciceros Wort und Schrift angebrocheu war; 
es war das erste künstlerisch angelegte und durchgeführte Geschichtswerk 
der Römer und ist für die Zeiten der Republik das einzige geblieben. Sein 
Verlust ist für uns um so empfindlicher, weil mit ihm zugleich ein gutes 
Stück Geschichte uns entrifsen ist; da auch Livius für diese Zeit fehlt, 
bleiben als Ersatz fast nur die lückenhaften spaten und abgeleiteten Be- 
richte der Griechen Phitarch, Appian und Dio Cassius. Auch neben Liviua 
würde uns der Besitz des Sallustisrhen Werkes ungleich werthvoUer sein, 
da es an umfafsendcm Eingehen dem Mafsstabe der Livianischen Darstel- 
lung wol gleichkam, dagegen in Betreff der zu gründe liegenden An- 
schauungen auf dns wesentlichste diffiTierle i der Freund des Cäsar, der 
sc^lbst im politischen Leben versuchte Slaalsnianu hntie hier einen durch- 
aus verschiedenen Stamlpuncl von dem rein gelehrten (ieschichlschreiber, 
der in Pompeius den letzten Hort seines Slaatsideals sah. Diefs im ein- 
zelnen auszuführen, würde hier zu weit ablenken ; nur das eine mag her- 
vorgehoben werden, wie man vor allem gerade dem Sallusl die richtigere 
Würdigung des Pompeius verdankte, die in dem Tariteischen occuUior 
noH meiior (quam SulUi) ihren ISachhall fand. 

Sallust's Werk war indessen zu weit verbreitet und zu viel gele- 
sen, um ganz spurlos zu verschwinden; neben Cicero erfuhr kein anderer 
Prosaiker eine solche Beachtung durch die römischen Grammatiker, denen 
Sallusr.s ei^ciitüiuliche Sprache schon im ersten Jahrhundert der Kiiserzeit 
Stoff zu mannigfachen Erörterungen und Streitfragen bot; selbst einen 
ausführlichen Commentator fanden die Historien (in Aemilius Asper), 
das einzi^ie römische Geschieh tswerk , von dem sich diefs nachwei8«*D 
läfst. So ist uns bei den römischen Grammatikern und Scholiasten eine 
reiche Menge oft bedeutender Citate erhalten (gegen 500), welche gegen 
die geringe Zahl der Livianischen Fragmente bedeutend genug absticht 
Dazu kommen selbst einige handschriftlich erhaltene Stücke, zunächst vier 
vollständige Reden und zwei Briefe, die wahrscheinlich schon in alter Zeit 
in einer Chrestomathie aus den Historien vereint waren; aufserdem einige 
gröfsere Bruchs! ückc aus der Geschichte des spartacisrhen Aufstandes 
ifragmenia Vuticana)^ endlich ein vor wenigen Jahren in Spanien ent- 
decktes Fragment {Paiimpsestum Toielanum), das zuerst Pertz unter 
dem Namen des Livius herausgab (lierlin 1848» 4), bis es in neuester 
Zeit unzweifelhaft dem Sallusl vimlicierl wurde. (Roth i. Rhein. Mus. 
1852, S. 433 ff. He e r w a g e n bei A'r epfs ig episi. criL ad F. Arittium, 



Satimti flrfigmetua td. K Arff^^ atig. v. ff. Lmker. 14 t 

M(fenit€t fSSl, AI« Vf^rnitUhung hMle djefs st^hou Kt5rgk .itiflgt'sprocheiv 
J.iufhr. f. Alt Vk'ih. 1848, ^r. liOi 

Piir diese grör^er^*ri Urnk war eiuc fp«te BAsig Ut-r krilik in iiiuert'r 
2ril tchon ger£ebeu, und aucli rlic KrLI^^rung (fri-ietjirn tum iK^fl in brslcr 
Wdse gerönlerl: für die H^'ifen uimI Hrrefe ha!l<?OrelJi eine «uv^'rlafaige 
CAlUtion der ^hmg tu beachlendcu VaUcaiiisditi» H». (von Tk lieytie) 
Tfföflentlicbt ; die fl^^ffm. \afieann wnrden durch Niobnhr und Ang, 
If 4 t j^«tjncti milj?ellifiU und r^tiidcii dmeh Kreyssi|; die (relTliriliKte Jtc* 
(lAiidluikg; ilas zult^tzt eiiUUrbte uimI Iroli Mfiiiei gt^riitgi^ji [loif^ngrs in 
hiüloriärher Heeiehui^x nicdl uuwieljtigf FragnierH b»t soglcicL eine gJinze 
Uieralur hervorgerurcn, in der ebeufjilltj Krt^y^^Jig'a LciüLutig di-i» ef^len 
Rang enniiruaiL 

Uai $0 klaglicher war d«r Ztistand, in welchem bisher die gror^e M^fise 
dpr äbrigeii Brucbslüi^kc »ich jiefarid. Eine San^EDJiiug deri^elben in grörst»- 
reiü MafH^tMi bnUe xuersi L C^rrio (1574 und 79) gcfieben, auch für 
dre »fvrachliche ßeharidlung manr;hes gute gdeislel, eine biiiloriscbe An- 
orrtuung. Inlerprelation und AnsbL-utuug aber fast unversuchl (r<?laf8<?n. \n 
ibe.^m 2iislatidi5 der Unordnung wurdeik sie von den folgemleu HeMUi- 
fEcln rii eiw volles JiihrhuiiderL hindurch bf^lafsen. nuf^ einzi (nt* reuculd^'f-kle 
am SehbiT^ angerUgt, mit einer solchen Sorglosigkeit, kXaU ihau t, B. dio 
ohn« Angabe de» t^uehes orhAllenen einem §gn. «cchi^ten tiurhe der 
UiütoritfU zuiuweiseu plle^te, dai$ nie exi^lierl hwi. Auch die ni^urhiM'lei 
Commentare, dir- man rdlujfiblrch in dieser Zeil jtuHanjineM!.iürk»r^ können, 
da mau nie die Frii^tnmile im 2uifamint?iiiiaiige und in einer besliiuiuien 
Reihenfolge belnchlele , keinerlei Anspruch auf VVerlb haben. AUHn 
L IJf^sius verdanJhl man einige Ire^iche Bemerkungen in seinen episiQ 
iltine gunestiones, die nocli imm^^r m wpnig bcachiet niud. Ein Jahr- 
bundert nach Carrio vers(uchle dann der Franstoso Cii. de llroHses eine 
neue Aft dof Behandlung; tn leincr mil grolsem Fleifae gearbuilelcn ; tffft 
Hoire de ia repti&Uqiie ramaine d/ms le caura du Aepfiime 9ticie 
ilPii&n t777 1 S iom. 4) unternahm er es nacb Arl der SupplciUfnk" des 
Ff^nn^heitD tu Uviu^ au^ den »otust erhaltenen Qnelleu Tur die Zeit, Welche 
Sallusr* Hiülorien behaudülten, eine mögllelisl voHsl^ind^pe Gesell ichle als 
t^riiatz di^nes Werkes zusammenr^ustellen und in dieNp an den bi-treffiiuden 
Orien die erh.dtenei* Brnchstücke eiuEutugen. l>er Plan w.^i hier olTenbar 
gnl und loblich : es wurde tum erslenroal eine sachgetnlifse Ordnung der 
Fr»gmenle vcreuchl, die in dem Fadeu des mit umfarscmt(*f GelrbrNamkeit 
ctiiHUiinengetragenen tie«ichif^hlswerkes ihren Gommentar 6nileit solllen; 
minrhen Stellen ist hier avich unzweifelhaft ihr richüger Plali angewiesen 
wordt^i^ die Aussicht auf gröfsere Erfolge aber hatte der Herausgeber «i^ih 
von vornherein dadurch abges^chnilten , dafs er mil franEÖ«r«eher Leichl^ 
ferligkeil alle Angritten der Alten ^ welche doch eine beileulf^nde ZM von 
Fragöienten bestimmten Buchern zuweisen , ganr. vernarb lä folgte und v» 
nach eigenem Gut dünken un lern ahm, einen passenden 11 ^Iz für dieselben 
tu fiudeu, wobei dann d*s Huschen nacb senil mentalen oder völlig roman- 



142 



SaltUMii pragmemn eä. F. ftrli^, ang, v. 6\ Unker, 



haften Eßacten jede besonueiie Rückiichl überwoic; ich verweise hier nur 

auf den Hotnan vom Toste des Lepidus auf SanUiiieii (v^ Chr. 77) und der 
Untreue setner Gallin Appuleia. Ja er scheut «Jcli nicht, die«ielben Worte 
des Sallu^t an drei, vier und melirereii Stellen in ganz Terschiedenera 
Sinne widerkehren tu tafsen , endlich gelbst kteineren ganx »ttgemctneD 
Cilnten, oft von 1 — 2 Worten {t B. nnimi immodicm, aiiaqm prop- 
ter, Piiuras) doch eine gan^ bestimmt o Stelle ajiitu weisen. 

Wir haben absichltich das Verfahren von tle Brosses etwas ausführ- 
licher charakttirisierl , da man in neuerer Zeil versucht hat, den grör^tra 
Theil dieses fatsehun Gutes uns als bare Münze wider aurznüsehen. Vor 
KriU haben seither die Salluät'ächen Bruchslacke tu ihrer Gesammlheil 
die einzige Behnndtung durch Gcrlaeh ^c runden, dessen erate grof^rlig 
angelegte Quartausgabe des Saltust (Basel 1824 — 31, 3 Bde.) gleich eine 
vottlKe Restitution aller Beste dea üeschichlaehreibers zu versprechen 
schien. Wie wenig Hrn. G's. Leistungen für den Gatitina und Ju|?urtlia 
bedeuteten, wie selbst dad von ihm mitgetheiKe neue kritiücbc Material 
einnn mö/tlichsst geringen Anspruch auf lljaubwürdigLeit habe, ist tängvt 
anerkannt^ und ffir diese Schriften auch dtjrch andere tre ITl ich e Leistungen, vor 
illen durch (Im. IkritK seihst» bedeutend nnchgeaiheilel worden; iür die 
Pragmeute der Historien dagegen in ihrer Gesammtheit sind G*s, ßeartiei^ 
tunken bisher die ein^^igen gebheben (2. Ausg. lS32f 3. Auj^g. 165$), ob- 
gleich gerade hier sich die Nachtafsigteit und dnkritik «les Herausgetien 
am stärksten zeigte. Die erste Ausgabe bot uns im Teit nur die alte 
Anordnung Garno'i» im Commentar, grofsentheils nur die Diehlungen des 
de Broeises mit eigenen vermehrt; aueh der Versuch einer hjstorischen 
Ordnung in der % und 3. Ausgabe murrte ganz ohne (Vtitzen bleiben , da 
er meist eben nach de Brosses, überall aber ohne Sorgfall und Genauig- 
keit angestellt war^ was für die letzte Aus^^abe um so mehr befremden 
mufs, als dem Herausgeber hier schon das IJcITbche HiirMtnilkl^ das l>ru* 
maun's Werk für iUv Geschichte dieser Zeit bietet, zur Hand sein konuie> 
Hri der so äuf^erst mangelhaften BeArbeitung dit-^er BruchstÜGke ^ar ao^ 
ilerseUs die Folge ihre fast gänzliche Vernacbläf^ignng und äuf*erst ge- 
ringe Auslieuttmg zu historischen Zwecken ; auch Drumann's Werk , wenn 
gleich mitletbar durch die Äor^faltige Verarbeilunp alles übrigen histori- 
schen Materialji fiir diese ßruehsLücke von der gröfsten Bedeutung, hat 
direct wellig (NnUen aus ihnen ziehen können; vor allem ist es einleuch- 
tend bei der ihrstfOlung des Spartacischen Sclaveukneges, welchen Nach- 
(heil hier der l^r?ühlung ürunmnn's die falsche Anordnung und Behandlung 
der fra^fm, Yaiicnnn durch Gert ach gebracht hat. 

In solchem auslände bliehen diese BruchRtQrki\ n«r dafs der unter- 
loiehnete in »einer Abhandlung de C. StiUmti Ctitpi Mfstariarum proa£mi& 
{Marburgi fSSO) eine Probe lu geben verseuchte, wie naeh seiner Ansicht 
die Fragmente /;u ordnen innl ku emendieren seien. 

üiefs gante Verhältnis ist durch die Ausgatie des Hrn. Kritz mit 
einem Schlage umgtskehrl worden: während die SaUustischen Fragmente 



J 



hmher unter üenen der romr^ehtiti Hi^torik<*r am rueisteii (lunuedeHiigein 
liilirii s\e jt-Uit bei weitem die vorEÜgtictisti? Nnuiiulung und ÜL'tlnungi 
Lrid^elit? und (rfklirtiide HvliAndiun^ eiTalin ti. Wiim man lu neuerer Zeit, 
um dem UiiwesüH sich Uäufeiider Aufgaben zu ^U^ueni « uiil Recht daraur 
f^eilrun^c^n bat, dafi eine jvth ^u•^|i^nh^, wclclje ihr Kr^eheinen recEit fertigen 
wiU, eilten bei^limmlün Ah^jchiur^ nach irgend ^Imr Seile gewahren solj, 
*o darf Hrn. K'«, Arln-it nueh nach dteaom »trengilen Maftislab ihre lie* 
rcehtigurig um io mehr geltend uiaehen. Durcti sie sind in Wahrheit 
itt« früheren Hearheiluiigeu dieser Bruchstücke, und wenn jeinitnd noch 
zweirein wollte, die (ierlach'üchen lur alk*n, durchaus üLerfliit!»Lg i^eniaeht, 
Cnd wer bedenkt , wie jene unfruc^hlbareu Vorarbeiten hier^ stnlt zu for* 
ilorn^ nur eu verwirren dienten, wje ü& gatt » die ganjte Sitmintung voii 
vorn herein neu anzustellen , und jed^ Citat lu üeni io wd l.^ ch ich t igen 
Apparate aetb.st nachtUMUchcn» kurz von Grund au« ein durchaus nc^uei 
Gi^h/Lude auhu fuhren, wo^u nur sehr Wenige Bausteine der früheren 
Xolh- und Hiirtfafbeiten tu benutzen waren, der wird diesem neuen Denk- 
mite von tirn. K.'s Fleifs und Gelehrsamkeit um m mehr die votlste An- 
erkeunuu;: Eolhn rontsen. 

In der vorausgehenden eptitüla criüca üd C, Wuestemannum wer- 
den die Eunäcbsl in Betracht kommenden Fragen naeh Zweck, Lmfaug 
und Abfdräaiig^zeii eroHertt der Plan der Ausgabe dargelegt, und der kri^ 
bschu Ajjparat der gröfseren oben bezeichneten Bruchfc^tQcke bcüiJ rochen* 
l)ar;in «chÜetat sjch ein Bericht iiber die bisherigen Leistungen der jler* 
^tii^gebcr, namentlich über Gerlach's Arbeiten, wobei es allrrdiu>^s fast nur 
fubches auTzudeckeu und verfehltes zu berichtigen galt; bei dienem un- 
ttebsauien Geschäfte ist Hr. K. mit sclionungsioser Offenheit verfahren, die 
allerdings hier durch die (iachlage aetbsl ihre votte Berechtigung Hndel. 

Die 2rihl der Fragment« war nicht bedeutend zu vermehren, obgleich 
einige selbst auü so naheliegend in Quellen wie den Scholiasten de^ Cicero 
von ijerlttch übersehen worden waren : die tiesammtzahl der JJruehstücke 
hat Äich vielmehr unter Hm, K,*s Händen auf ein geringeres reduciert. da 
es vur allem galt, so manche falsch hierher bezogene oder doppell gesetzte 
ÄJleito auszuscheiden und zurückzuweisen; in der umsteht und Besoimen- 
beit, mit welcher Hr. K. in dieser Hinsicht verfahren iüt, haben wir gleich 
ein liauptverdienst seiuer Arbeil zu suchen. Was dir^ Ordnung der einzel- 
nen Fragmente betrijTt, so sind zunächst die völlig gehattloiien durchaus 
von denen geschieden , bei denen eine einigermafaeu nichero historische 
OrdnniJg versucht weiden konnte; diese selbst finden wir wider sehr 
übersichtlich jnnirhalb eines jeden Buches in ei izelue Cfipilel giuppnwei&e 
zusfismiengestcltt, deren Inhalt die vorausgeschickte Chersicht angibt. Die 
Gründe dtaser Anordnung bietet der ausführliche Commcnlar, der an dem 
Faden der einzelnen Bruchslücke den ganzen bezüglichen Zeitraum zu be- 
leuchten und m^nclie l^iuzelpuncte fester zu bestimmen dient, ^ur bei 
der sorgfättigsten Bekanntschaft mit allen übrigen hier eiiisf;bliit:t'ndtn 
historischen [^actirichleu konnte es gelingen, selbst ^o uianeties kleine und 



144 L, Ario$to, üriando lUr^so^ ed. dal I^. G. B. Boita. 

zerstuckte und auf ziemlich verlegene Speciaiitäten bezugliche Fragment 
richtig zu erklären. Der Commentar des Hm. K. wird so dieser histori- 
schen Bed<;utung wegen für alle, welche sich genauer mit der Geschichte 
dieses Zeilraumes beschäftigen wollen, unentbehrlich sein, und namentlich 
zu Drumann's Werk in mancher Beziehung sehr willkommene Ergänzun- 
gen bieten. 

Diese sachlitshen Resultate waren vor allem bedingt von einer so 
trefiflichen sprachlichen Behandlung, wie wir sie von dem gelehrten Gram- 
matiker erwarten durften: gerade in dieser Beziehung tritt der Gegensatz 
zu der früheren Bearbeitung Gerlach's am schärfsten hervor. Nament- 
lich haben die in so mancher Beziehung schwierigen gröfseren Bruchstücke, 
bei denen auch die Erläuterung des trefflichen Fabri noch so manches 
zu wünschen übrig liefs, hier zuerst eine glückliche und eingehende Behand- 
lung gefunden. Vielleicht dafs Hrn. K.'s Ausgabe dazu beitragt , diesen 
Reden und Briefen auch Eingang in den Gymnasien zu verschaffen, für 
deren obere Classen sie nach der Ansicht des Ref. eine entsprechende und 
interessante I«ectüre abgeben würden. Es wäre zu wünschen, dafs sie bei 
keiner Schulausgabe des Sallust fehlen möchten. 

Dafs bei allen diesen Vorzügen der Ausgabe des Hrn. K^'s, die 
niemand freudiger anzuerkennen bereit ist, als der Ref., der Stoff zu Streit- 
fragen, hier und da auch wol Gelegenheit zu Ergänzungen u. s. w. nicht 
abgeschnitten ist, liegt in der Natur der Sache selbst, besonders, wo eine 
solche Reihe schwieriger Fragen zusammengedrängt erscheint, über welche 
die Untersuchung eigentlich von vorn herein erst zu beginnen hatte; in's 
einzelne hier einzugehen, verbietet der dieser Anzeige gestaltete Raum, und 
Ref. behält sich ohnehin vor, dem erwähnten Werke an einem anderen 
Orte eine ausführlichere Besprechung zu widmen. Sein Zweck war hier 
nur auf das für Geschichts- wie für Sprachforscher interessante Werk 
aufmerksam zu machen, und es in seiner Bedeutung kurz zu charakteri- 
sieren. — Die Verlagshandlung hat für treffliche Ausstattung gesorgt. Be- 
sonders bieten die sauber ausgeführten lithographischen Abdrücke der 
fragmenta Valicana (nach Mai) und des palimpsestum Toletamim (nach 
Pertz) eine sehr willkommene Zugabe. 

Wien. G u s t a V L i n k e r. 



Orlando furioso dt Lodovieo AriostOy editOy ad uso delie 
scuole^ eon note ed un indtce^ dal Dr. O, B. Bolza. 
Vienna, prenso V J. R, Amministrazione per la vendita 
dei libri acolaitiici a Sant^ Anna. 

Unter den grofsen Dichtern, welche Italien mit gerechtem Stolze sein 
nennt, steht Lad&vico Ariosto, gleich nach Dante und Petrarca, oben an. 
In didaktischer Hinsicht verdient aber der Orlando fiiriOio , auch abge- 



L. AHoMia, Oriantfü fttNmo, ed. dal ür. €. B. ß&im. 



145 



^^oU 



sehiii fon ^iücm poeliächen Wert he, dftrum eine beaonrlere AiifmerksAin- 

keit, wail er ehmi wuhrh^xU unerscluipttichen Sprjichschali enlhälL 

Ditser Vorxu^ bietet schon «ji und für sich ehwn wesentlichen 
Gfiiod, hei BnbdieiduiijiE ilvr Frage, oh nidit der fuNasa hu» ])äd»gogi- 
icli«n Rücksichten von der Beiiüliung in MitldMcbuleri etwa Auszuächliefsen 
wäre, die ^^rnfüle Vorsiabl aii7.uweDdenr Sollte demuugoachtet jemand flieh 
fegen diu BeiiütEung die^t^a Werkes erklären, so mütsle man ihm tu he- 
dftikan ircL>efif *UU ejni? solche AtJS^chUersunp ganz unlhunhch wäre, ükh 
bei der Verdiruni?, wdrhe die Italiener ihren gfüfaen Schriflstellern Kollen, 
jeder Versuch in dieser Hichliing Ali ein Act der Barbarei gellen und nur 
dtiu dienen würde, deu Furiogff noch mehr zu verbreiten. Eher IM^ 
steh d^r Antrng in Erwäi;ui»^ ziehen, die OyniniiKiflIschöler durch die vor- 
gsAd »rieben IM) LtJ^ehücher ledifilich mit den passendsten Bruchstücken aus 
decD Furinm bekannt zu mnnh^n, da» heirst, ihnen nicht nur atle Schluprrig- 
kt^ilen* ffoiidem auch die vielen rom^nharien Erzählungen vorznenthailenp 
welche «in«n tiedeulenden Thuil dea Gedtchtea auKmachen, und derrn Lectüro 
schwerlich den Zwe**ken förderlich sein iJurfte, welche die Pädngagik, ne- 
ben dem diflakli»chen Zwecke, durch die Lesebücher zu erreichen strebt ; 
aber auch diefs bedauere ich meines Theils als etw»t unerreichbares« be- 
feichoen zu müfsen. Der Stauticr^ wt'lchen die wnnderlictjen Geachichleo 
de>* Fttriom «uf die £ in bitdungj^ kraft der italienr sehen lugend ausüben, 
ist !i0 mächtif^p daü die Lectnre einEefner ßruchstilcke eine unwiderüleb- 
liche l«u.*^t, daH ganze in seinem Zu«iammenhange kennen zu lernen, erwerkl. 
und solllen sich auch einige Jünglinge mit den Bructmtltcken tu den An- 
iOtogien hegnugent so würde es immer neben ihnen eine nicht unbedeu- 
e Anzahl der aurgeweckleaien Schill er geben, welche AJiltel ßnden wur- 
nur zu früh den vollständigen Furloi0 in die Hände tu bekomoien. 
Bei der Unmöglichkei!, den Furmsa derJu^ftMid vor/JienlJiallen, und 
mit Rucküicht hwt des^ieu lirauchbarkejt für didaktisrhe Zwecke, bleibt so- 
nach der Schule nichts anderes übrig, aU die Kache ielbsl in die Hand 
zu nehmen, und eie m gut als mögt ich ihren Zwecken ans^upasien^ 

Zwei Pmicte erscheinen iiu PurtQio in p^idagogischer Buckaicbt be- 
denklich^ die vitileii »chlüpfrigen Slellen und Geschichten, welche das herr- 
liche ffcdicht verunzieren^ dann def Cmsland^ dafs der Stoff und die Fär- 
bung des ganzen überhaupt minder geeignet sind, di<} moralii^che oder in- 
telecluelle Bildung zu fördern. Das letzte würfle oft genug dem Meiater 
vorgeworfen und mufs ioitbeisoiidere von jedem woldenkenden Freunde i\m 
Schulunterrichtes bedauert werden; aber eben darum i weil dieser Mangel 
dii ganze trifft, ist demselben nicht abzuhelfen. Hafs hingegen von dem 
AtrisiM, um dessen Leetür« den Gymnasialitchülern zu ermöglichen, alles, 
was im entfernteitea die Sittlichkeit verletzt, oder auch nur gegen den 
Anatand ist, bei der Benützung tm Unterrichtazwecken sorgfältig entfernt 
werden müfse, versteht sieh von seihst; und hierin besieht die Hauptauf' 
gab« de» Herausgeher» einer eiti%i&me eatiiffoia des Orlaudo Furioso* 



1 




Uß 



Cb«r 



L ArioitOf Orinmiü fUrioso, ed. dal Dr. tf , B, B^m. 



er die Tragweitti des Wortes «Anstand "^ hnUa ich jedorb für tiothig, 
bevor ich WfUnr schreile, einig« Bemerkungerj vorausisuschiekeii. 

In der Anzeti^c über seiüe li^pi turnte dar llias s^gt Prof. Itoche^gcr 
(Pebr. Hüft Uer iiyuin. ZtscbrfU, Jfthrg, 1853, S. 139) ganz richtig, ^dafe 
im Houicir NüinrlirhkiMlen vorkomirien, die, wenigileiiä nach unseren (der 
Ueulsche«) Üe^riirmi von Jsitte und deren Forderungen, auÄtürsig erschein 
twn ^ Vorau^geHeizI, ilnh der ^iichul-ÄriosI vorzüglich für die iULieniäclien 
GyniiMsien he^tioaml ist, tiegl in jenen WorLen ^nach unseren BegriHeo* 
ein sehr nüUticber Wink in Bezug auf den ]Vla[s9tal^ dessen man sich bei 
der Beurtbeilung, ob eiitKcIne Auidrucbö im Furioso anstofsig eriicheinen, 
und als solche auszumerzen seien oder nicbt, zu bedieueii habe. Jch 
brauche wot nicht die iiiiiiide ayseinunderzusetzen, auf weicbm der dieCs- 
JlUige [Jiiierschied sw^^chea den jetzigen Abkömuiliugen der Kömer und 
den Völkern germaiiiicben Ursprunges beruht i auch 1^1 hier nicht der Ort^ 
die gulcQ und schk-ehteu Seiten der beiden Eitreme hervorzubebeu : ge- 
nug, daf« in Italien (wie jeder weifs. der Gelegenheit hatte, die dortigi^ii 
Kitten kenneu tu lerneuj iVIdnncr und züchtige Krauen, sogar in Gegenwart 
von Kindern^ obne Scheu, von Natürlichkeiten In einer Art redt'n, bei wel- 
cher deutseben Frauen^ selbst so lebten, die nicht den Bock den Gatten der 
21ege nennen, die Hjiare ^u berge stehen würden. Dafs bei dieser That- 
Sache, wonach Ausdrücke, welche in deut.^chem Sinne unansländig genannt 
werden muffen, eä keineswegs für llalicner und Franzosen sind, SleUeu» 
welche nicht im geringsten das sitUiebt Gefühl verletzen, wiewoi sie Vor- 
Stellungen erwecken, die im Deutschen als un-^chickticb gelten wurden, iu 
einer ed/zione cmtigüta irgend eine^ä italienischen Classikers Tür italieni- 
sche Gymnasien, beibehalten werden dürfen* ja oft mufaen^ wofern man 
nicht die urs^irunglifhe Form des Werkes vernichten will, ergibt sich aus 
den vorstehi^ndeu Üemerkungen von selbst. Als Beispiele mugeu folgende 
Vene dienen (C XI, SL Z).- 

Uuatido^ abbassando nef bei cm'pu ißtmäa 

la donna gli acchi f^erg^miammlt 

Si vide in diiü H pre%ioso ane/lo 

Che ffUi le i&lse ad aibracca ßruHtfUn > 
und jene (€. VI/, St. tfJ), in welchen Melissa dem verwelciilichlen Hug 
giero, um seine Liebe zu der falschon Alcina in tlafs zu verwandeln, unter 
andern sagt: 

Che ha costei^ che thai fatto regina^ 
Che mn nbhian miifultre mereirici? 
Wer dm letzte Wort (das uhrigeni zur höheren Schreibarl gehört) , als 
zu argr auslarsen wollte, murale es ehenso in folgender herrlicher Stelle 
Daaie'a thun, was doch niemand wagen würdet 

La mereirfce, che maf daW mpi^a 
Di Ceiare nan t&ne gii occht pniii. 
I>eu von mir bezeiebneten Standpunct hinsicIiUich der Ausdrucke, 
welche etwa anstöfsig erscheinen könnten, wählte mehr oder weniger auch 



ide 

li 



d 



£. ÄriifMia, üriando fkriom eä. dai ßr. Q. A Ai/s^. 



147 



GioacbicDo Avesani^ ein Prieiter au« ^i^t Qe^elffichiift Jeia, bei Miner ?ar 
mehreren Jahrzehenden erBchierienen Bt?aHjeilui>g (tes Furioso fOr die Schu- 
len; eine Cntenjehmung, dpren 2i;veckmäfstgki it sich tlurch die vielen Auf- 
lagen, die man scilher davon machte^ vollkoimnen bewährtet doch wuMe 
isr hierbei eine andere Klippe nicbl zu vermddent 

Eioein jeden, der mit ähnlichen Arbeilen bekannt lAt, muTi en ein- 
leücliten, ^^U bei dcn^elbeij die Hauptscbwiengkeii nicht io tü'hr in der 
AusAcheidung der verfänglichen Slellen, al« in der Zusararaenfügiing der 
dadurch locker gewordenen Theile des Gebäudes beatehl. Wird jene Aui- 
tcheidung von der Sitilichkeit unab weichlich geboten, äo fordert anderseil« 
die Ehrfurchip welche man dem Autor sowol aJi den Lesero schuldig iit, 
dafj man dag Meii^lerwer k , woran man hsnd zw legen gezwungen ist, 
$0 wenig als möglich durch eigenes varfliJsche ; zumal in eint-r Schutaui- 
ga^e, bei welcher sonst überdiefs die Schüler gefahr laufen m^Qrden, daa 
untergeschobene stall der üraehrift zum Muster m nehmen, Diefa ist es, 
was Aveiiani zu wenig IferückMehtjgle, Vom Wmtsche geleitul^ die durch 
AuülafsungL^n tMibtamlenen Lfickon hesiens auszufülU^n» eulUlödele er sich 
nicht, gan^e Geschichten luitl /^//jr/p/^/ r^^/ einzuschieben, welche Mch 
unter den arioMlischen sehr sonderbar ausnehmen , so zwar, dafs scilher 
zu wjderhoilen Malen im wege der Presse Klagen g'^gen diesen ÜbergnlT, 
mit dem Wnnifhe laut wurden, es möge jemand eine neue voräichliger 
behandelte edtziane casifffnifi des Furioao veröffenllichen, 

ß» gezieml mir nicht, der Art und Weise^ wie ich bei dieser srhwi^- 
rigen Afbeil zu Werke gieng. gegenüber der Arbeit Avesani's, das Wort 
£u führen; doch sei es mir vergönnt, auf den Umstand aufnierkaam zu. 
tmcheo, dals man in der vorliegenden Ausgabe des Furioso nicht vier auf 
einander folgende Verse von mir Ünden wird, und dafs setbsl die hie und 
da etngeiicb;dteteo VtTSC, welche sich im ganzen hochslens auf ein par 
Dutzend l>elanfen dürften, gröfslentheils aua Ariostischen Materialien Eusam- 
ineQgeieUt sind. 

Auch über den allfalligen Werlh der von mir mit besonderer Hin- 
ficht auf die Schulzwecke, jedem Gesänge beigegebenen Anmerkungen, steht 
mir kein Urtbeil zu; wol aliiT ilaif ich i>emerken, dafs meine Auagabe des 
Orlando Purioso vollkommen jener eutsprichl, welche von AHost selbst im 
1 i&33 besorgt wurde, während die meisten (namentlich die von Avesani) 
durch die aos^enannten Verberserungen Ruscelli^a und anderer, verunstaltet 
sind. iJafs ich die beliebten Ar^omenii vor jedem Gesänge, welche später 
von fremder Hnnd gedichtet wurden, nicht aufgenommen habe, hat ebenralla 
seinen Grund darin, dafa ich dje Urschrift so rein es nur möglich war, geben 
wollte i an ihre Stelle und zur grÖf'ieren Bequemlichkeit dea Lesers wurde 
tu Ende der Dichtung ein Sacbregisler beigefügt. 

Sollte sich mein Versuch des Beifalls d«r Kenner erfreuen» so werd« 
irh deraselben in der nächsten Zeit als Seitenstück dazu eine Auswahl aua 
Bociccio'a Decamerotie Eum ti«brauche der Schulen folgen lafsen. 

W i e u. Dr h Ü. Ö o I * t. 



14S Becker^ Haudkarte v. Niederösterreich, aiig. v fr. Simonp. 



Ilandkarte von Niederästerreich für Schulen, her- 
ausgegeben \Qu M. A, liec lieft ^^ ^* ischulralh, nach tlen Auj^tnlieii 
de»! k. k. Rfllhes A. S t « i it h ^ u s ß r, gezeichnet und Ülho^rapliierl 
von Fr.ifiE ^^imii^, Zelchnun^^ihtMinten irn k, k. mit. geogr, hiüliLuto^ 
(Ifi Coraojirsiou bei Jos. Bürmann Am Graben in Wien. — 3 ß, CM, 

Wenn »choti das Sltidiuro der Geo^rnphie ioi allgememrti setneo 
hau pl sächlich fiten SlüUpuitci in guten Landk/irtcn flndet, so isl tiiak bei 
der speridleren lleiiuareikunde in j»oeb vit;! höherem Grade der Falb hi 
demselben VerhälLnis al^ bei der Jelrteren das geographische Hetail in den 
Kreh der Retracblungen ge/.ogen wird, wachst auch das Bedürriii^^ nach 
ausgedehnteren, veranicUiU^Iichtüidi^n Hiir^^nuUebh Obn« genaue und luog- 
lichil aMgeinein versländliche^ bildliche Üarälelbmg aller roumlichi'n Vcr- 
bällni)(sef vor alUm aber d«r Hodenplastik Ist eine wifsenscbaft* 
lieb i^ich entwickelnde Vaterland.skennUiis gar nicht denkbar, A\h die 
EigenUimJLcbkeiten iui Natur- und ^kiischeidf^hen , welche jeder etniehieii 
Landücbaft gegen uher ihren Unigebun^en ein bestinnutes chiirakteriiiiisrbea 
Geprägt» geben, wurzeln am Bnde in den Gestaltungen des Bodens, ivicse 
aiDd ea, welche alle specielleren Erscheinungen dei; Klimans, Menge und 
Jticbtung der Walseradcrn, FüJle oder Armuth dt*r Vegetation, Zugiiti^lich- 
lieit oder Ver»'chtolsenheit der Miikernlächat2a , die grötsere oder geringere 
Ausdehnbarkeit nieuschlicher ^iiederlafHungen, die Leichtigkeit odvr Schwie- 
rigkeit des Verkehrs, und somit alle äuf-jeren Momente der Culturrnl^ieke- 
lung beiltmoien. Ea wird nicht selten geradezu unmöglich, die Quelte 
und den innern Zusammenhang der einzelnen , aufserÜcb scheinbar «ich 
oft widersprechenden geographischen Tbalsacheu ^aufzullndeu , wenn nicht 
in der genauen Erforschung der Bodenpl^stik der SchliifaeJ hieri^u ge- 
aycbt wird. 

Unter den Elementen der bisher namenlltch Im Unierrichte viel eu 
wenig beachteten Terrainsdaratelfung hat jenes der absoluten und re 
I a t i V e n ti o d e n h ö h e die grofste Wichtigkeit . Me versch ieden hohe 
Lage eiiuelner Pnncte einer Gegend bringt in den physischen VerhäUnisaen 
derüetben eine Mannigfaltigkeit hervor, wie sie anderwärts nur &n den 
gegenüberliegenden Grenzen ganzer Zonen zu ßnden isL Denken wir aur 
an die rebeu bedeckten Bergt er rassen und Hugelge lande des Wiener Beckeot 
und entgegen an die baumlosen GfiiH triften der HoctiplaleanH der Raiatpe, 
Schneealpe, des Schwabengebirges; ein Höhenunterschied von kaum 
5000 Pufs drängt die Vegelationsbilder des arktii^cheu und des gemafsigteti 
Klima'» mit allen entsprechenden Zwischenstufen der PHanzenenlwickelung 
in den Baura von wenigeu Meilen üusaramen. Wenn man berrirksichtigt, 
dafs bei den Isothermen unter ^onst gleichen Verhättnrsäen der Lage eint 
ahsolulo Höhend ifTerenz um 50 Klarter durehschnittlich dem Unterschied 
?on einem gaoien ßredegrad entspricht, ^o wird man die Wichtigkeit der 
Kenntnis der Höhen verbältuisse gewi&s nicht mehr zu gering anschlagen* 
Um dai eben angedeutete durch ein Beispiel aus der Plahe Wiens anschiu* 



d 



\\th lü milchen» nsöj^ea die tw(ji allgemein bokannten, m glekher Breit« 
Ijfffrgeheu und nur uro 9 Meden von cirmiulor enifernteii Puncl<^ Wiener- 
MeusUdl (S52') und %innk Zell (2946') angeführt werden. l>ie Hohen- 
djITeretiK (20740 dieier bLMden Orte isl, un^er Afleiniiier ßrrtjek»ichtigi*iig 
der ijlfemeine» Ge^elze der Wärmt^vertheilung in EuropA, einero Breite. 
uoterii^titf«} von nahe 7^ gJeichEui$erz<?n, ^as in Bei lehn rig ^uT LuR^ärme 
so viel iagen will , duh MaHit-Zell mil \\\ [Si^ustiidl verglichen «ine um 
so \*\e\ nieiirigere tniltlert* Jahrestemperatur haWu niAg, aN Wenn eit f«lwii 
ia den O^^gfiidtn» dei» Wriiern- oder VVeiler-Sccsi gt<lt?gen wäre. Und in 
der tliat titideti wir in ik'T düsteren Waldnatur des erstgenannlen Orleti 
«uch «rhon voiltilHwIig kUü iiürdiü^he klinia Skjiridm«^ im» abgenpiegeU. 
ZMtfich^ k\iHc von noch viel grotsereti llüheit - und soniH auch Jahres^ 
wirfoe Üiffereniten iwijichen gjin^ nahe £ueiii4nder gcJegenenen OMen linden 
wir in Tirols wo z B. tiet Bozen (9ÜÜ') CypreaseiJ, Feigen und die 0|}niUie 
All ilnUscIies KVima maUnfu ^ in den hena^^ldiaHeo 3000 — 40DO' hoch ge 
legtHtU Eahlreii^heii Orl^tch^ifleo «ier tietreidebau seine obere Grenze ßndet, 
und cfidtirh in den höohsLen Alpendörfern tlurgl» Pend und Jlinlerkirch 
{5800' — 60000 ^^ Öt£thn]er Üebirg^lorkeä Wie^engründe und winzige 
KarloITeirelder eitizig und aHain die Sorge der ßodenwidhftühaft bilden. 
Weuu bni so dilfereuten VegeUlionsersrhriiiutigen und den sie bedingeudcn 
groCien Warmt^unler^cbieden ilii* Höbe de.<i Ortes auch nirhl drn rin^tigen 
Factor bitdel, so bleibi er doch jeder£eit der eri^te, und üherdit'Ts sind 
aJle uJirigejl in dieser Be7,iebung LIiidlurs ub&nden Elemente ebenralli wi- 
der niiF in dem Boden prulH ko suchet!. 

Für das ausgedehnte Gebiet des osterrekhisehen KaiserftUates , io 
dem mehr als ü&wei Orittlbede Getdrgstand »ind , mn^^i^n bei gpogra- 
phi^chei) Bi'tracb Longen jeder Art die VerbäMnisse der TerrainsgeslaUuug 
den Ausgang<iponct bilden, und ein rruehlbringender tJnterricht in der Hei- 
mat^kuude wiid geradt^zu unmri^lich, %tnn nicht auf eine genaue Mennl- 
niüoahmt! der Boden ptapilik Bedach l genommen, und zugleich die umfas> 
lendMe BenüUung aller jeuer Hilfsmittel ermöglicht wird, welche Über- 
tichil ich k eit der Hoden plastik in einem höheren ürade tu geben vermögen. 

So erfreu lieh ei ist, dafa in den Lehranslalten des Kaiserj$taatea der 
Sinn für ICenntnisnahme des Valerlandes immer mehr angeregt und genährt 
wtrd. «o muf« anih^rüettM bedauert werden, ihh es bin jel2t fast durchaua 
nucb ao solchen veranschaulichenden Hilf^miUdu febltp welcbo £ur Onter* 
iliitiung eines gnlndlichen Studiums der Hei mata künde geeignet wären. 
Ea kann hier füglich nicht von dem in vieler Beziehung besten BdfsmiLtel 
für den lopographiiichcn ünlerricbl, von den plastischen DarsleMüngcn die 
ß«de sein, da diese in demjenigiMt Vcrhalini«, in welchem sie eiojEig und 
allein ri ch ti ge Begriffe der Teirainsbildung tu geben vcrmö^fen» für 
Öriterreicb uoch gar nicht vorhanden sind, sondern nur von Nolclien 8 p e- 
eial karten, welche dem wifseoschaftlicben Bedürfnisse geoügond ent- 
sprechen, U*e Special- und Gener.ilkarten deü k* k. GeneralstaUes, welche 
bisher die einxige brauchbare Unterlage für dai geographische DtitaUtlu- 



H 




Becker, Hm^d karte v. Kii^derosterreid^ an^;. 



liium zn bietea fveigtiet sind« könncD uttgeAclitet ihrer Trefftichkeit die- 
se« Beilurfnis uichl erfüllen. EiDmal nämlich hi, gonjäfü deo) Zwecke. 
für den ditf^e Karlen gearbtiilet sUid, die Ti^rrainKfichnung mit den 
ProvinsialgJ'C-'n^^ii voJJi^tandjg abgeichiutteti ^ dadurch wird aber die 
Obersiebt der Gebirgsbildiingen » da die Grenzen grofsenlbeits über Ge- 
birgskäraiin3 und Waf verscheiden laufen, fasl uiicnöglich geuaachU Ober- 
ditjfü ifil der Preis «o hoch geslelllj dafs die^e Karten einen wesenlbchen 
Einflufs auf das Studium der meisten Lehrei Hehw^rJich eHangen können» 
£s muTä daher jede Krjschciuung , welche dem aiiigesproc heuen Bedürf- 
ntsst? wenu auch nur für einen beschränkten Theü unseres grofsen Vater- 
tande» begegnet, m\[ Freude begrüfi^l weiden und um ao willkommener 
«ein, je vielseitiger sie das wifsenschanbche fuleresse zu fordern geeignet 
Ist. ßas leUlere ist nun im hohen Grade bt-i der im TitH beäteichneten 
Karle der Falk In denselben ist mit seltener l]insicb( und Fachkenntnis 
auf alle Verhältnisse; Bedacht gcnomtnen, deren Äufnahrae zum verständ- 
lichen ÜiJde eineä so vielKe^laltigen Gebietes wie IViederäslerreich und des- 
sen Umgebungen erf^udL-rlich ist* [>ie Karte in dem Mafsstabe von ^f^^» 
(gleich der üeneralkarlc des k. k. G. Q. M. Stabes) gehalten, enthält auf 
einer Ftiche von 660 □ Zoll eben so viel Österreich. Q^ltnlen Terrain in 
gleichmäfsiger Ausführung, titso nicht blof^ Niederösl erreich wie der 
Titel he^gt, sondern auch noch über 3(H) Q M. der anstofscnden Provin- 
t c n hl ä h ren , Oberö ü t e rre ich. S le te r ma rk und Ungarn. Die Heg ren z u ogeti 
der Karle bilden gegen K u. S. die Parallelen von Hudweis und Leoben, 
gegen 0, u. W. die Meridiane von Prefsburg und Linz. Vor allem ist in 
denselben iIib treffUrhii Darstellung der Hodenplastik, auf deren Wichtigkeit 
oben huigt<wreseu wurde, hervorzuhebeni die Plateau-, Hucken- und 
Kammbitdutigi^in, die Gipreifüroien und Abdaehungsverbällnisse^ werdeD 
dnreh die Zeichnung moglicbsi kennhar gemacht, selbst das Verhältnis der 
Hube ist , wenigstens annähernd , durch die Stärke des Tones angedeutet. 
Was in lelstterer Hinsicht durch die Zeichnung allein immer nur uuvolJ- 
kominen dnr»lelH)ar, isL hier durch eine grofüe Anzahl von absoluten 
llf>h(tnan^'djrn sowol von Ht^r^gipfeln als auch fitädlen und anderen Orten 
ergänzt worden, eine Ergänzung» welche naih der hervorgehobenen ^Vich- 
ligkeil der HohetiVL^rhäilnisse den wiisenscliarilichen \\erlli des Hlatles be- 
deutend steigert. Mehrere hundert in der Karte zerMrente tlÖbentahlen, 
verbunden mit der ausgeieichnelen Terrainsdarsleltung machen es dem 
denkendere Heschauer möglich, sich ein klares Rild ^vh ganzen Hodenreliefs 
des dargestellten GeUitJtes tu entwerfHi. Was die sfinstigeo topographn 
Ächi-n Verhaltui^se betritfl^ so ist kein nennenswert her Ort oder Punct un- 
benannt gebhehen, die Bevölkerung der Orte ist annähernd durch ver- 
schiedene i^chrift ersichtlich gt-uiachl; versetiieden punctjerte Linien geben 
ilie Landes-» Kreis- und lit- z irksge rieh legren zeii an; da--* Wjifdareal ist mil 
tiesonderer Zeicliunng angeJpuleL i)admch, dafs das Teriain und die 
tlahenzahlen der Hcrggipfel braun» das Wafsernelz und die zugehörigen 
Hezuichimngeu blau, die Heig- und Ortsnamen, Slratsen , Wege, dann die 



L K Sekmttrda, r.runilz. iL Xoola^ e ang. v M, // Sc/tmfdf. 151 

Hüherizahlen der Orte scliwarz gedruckt »tndt gt*ninnl die Ktitie auf^er* 
ofileutlich au Klarlieil und Ll|jersiclitljclik*'iL Überdiers fDuf^en nofh SdiÖn- 
hHl uml KUrUtnl der ZHehnuiig xmd Schiiti^ wie auch die Heinhi-it des 
Drucken iolicnd aiveikaiml wt^nten» so dflfs die Karte nieht iMtr iUnn wjfsen- 
ichArtlirKeii Hedüfffiig^e vollkommen enlspiLftitt sondern auch, ^jin liei einer 
tSchul karte* oieJit hoch genug angeschlagen worden kann, nlte äiilbetiseh«!! 
Anfo rd erii n gen I »r f r i ed ■ g t , 

IVtögi« daü E^rt^elicinen dieses w^rlh vollen Werkes recht bald ähnliche 
Schöpfungen für den pliMchcn Zweck htrvoiruf*?» ; die schöue Steieraiark 
mit Karntc-n, fl»(! kü^leidand mit seinen Inseln^ das herrsche Tirol, dann 
SÄluburg mit OlierO'ilerri'rch würden nicht nur einen sehr lehr reichen, son- 
di-m noch einen i^ehr d^nkhnren und allgemein lutercftHüntt'n Slojf bielen* 

Wien, Fr. S j m a n y. 



1^ 



1. Gr ti n (1 z ü 1^ e il e r Z o o 1 o gf j e. Zum Gebrauche «n den k. k, 

Obergymnasien^ ^oi> Ludwig K, $ c h rn a r d a , Hr. der Phjt., Med, lu 
Chtr^ o, ö. l'rofe.'^.'ior an der Univers^itäl zu Prag. l. TheiL ^ysle* 
m a l i A c h e Zoologie. Mit AhinMun^'en. Wien , karJ Gerold u, 
Sohn, 1S53. Vlll u, M)2 S, — 1 fl. 4 kr, CM. 

Anf&n^sgrünHe ili?r Minero lugie. Von Franz Ley- 
doH, Hr. der Mediein tind k. k. o. 6 Prof. der Mineralogie und 
Geognri>«ie um pol>l. Institute ^n Wien und Ad'df M ar ha ttsche k, 
Prof, der ?i*ilnrge,*rhii'hte an der k. k. Oberrcalschule Laniij^triifse niid 
SnppL t*im polyl. liiütiluhf in Wien. Mit 9 KpfrtJlu. Ebend. , 1853. 
XXVn ti. 320 S. — 3 fl, CM* 

L Di« Anforderungen, die man an ein Sehulhneh ilelJt, »ind twei- 
fAther Arl, didaklisrhe und i^irs**ns(th!»flliche. Die leteleren gehen tiielit 
w«?iL Sie beschranken sich m zrefulieh allein auf flicJirigkeil und Priici- 
sion der Angaben über jenen Tlieil deit SlofTes. den der Lehr^tweck auf^u* 
nehmen vorschreibt, Schwierige CapiteJ, dunkle Parlien, eben auflaüchende^ 
noch nicht vofiknmmen bestätigte und geJiügend ausgebeutete Eiddeektm- 
gen nirif«rn unherücksichtigt l>1ethen, oder, wo man sie nicht gan£ aufser 
acht lafiien kAnn^ höchstens in ihren llauptpuncten angedeutet werden. 
t)ie Ausw^dd aus der Mas^e des gegebenen wird noch 7um theit von 
wirsenschafltichen Bücksichlen geleilet, indem man am Obergymnasium 
verbucht, dem Schüler, so weit e^ möglich ist, ein Uesammlbild der Katur 
vor die Augeit zu i^lelton. Da ein wesentlicher Zweck dea nalurgesehichlL 
Unterrichte^ am Gymnasium die Aunlntilung des sinnlichen £rkenntni»;ver- 
mögens ist, wodurch der Schiller Ansehnnungen nt Beobaehtuhgen ver- 
Hnigcn und aus diesen dann Schlürfe ziehi^n lernl, so mufs hierauf überall 
Bedacht gi^nommen und dem dc^^crititiven Theil sein gebiihnuder Kaum 
gegünnl werden. In dieser Rit^blung mufi das Buch die Rolle des Lehrera 
tu Hause vertreten. Die Melhodu lunts auch noch am Obt-^gymnasium 
*iri«che »ein, und vooi besondern tum allgeaici- 




152 L. h\ ScAmtmfff, (iiirud?, *l- Zoologip, um. v, M, B. Schmidt 

\\m gehen, oder dieses wenigstena immer tiiimiltelbar durch jepet erklären 
und erharten, wenn dieser Weg 4uch nichl so airenge ciiiKehaUeti werden 
mufs, als ara Lliilergyranasiuro. Eine deutliche und fafsliclie, dem Aller 
und der FÄiMingskraft der St-hüter entsprechende Erklärung und eine be- 
lebte und andchende Oarstelluug der Gegena lande und Erschein ungea ist 
unerLüTslich. Diese so] Jen tügieich dem Schüler so viel al^ oiögHcb lur 
eigent-ti ßetrachtung und Beobachtung in Hüiurü oder £um Wenigsten im 
Hilde tu^än^Hch sein, daher auch Abbildungen Im Buche selbst böch«l 
wüuJichenüwerth, ja fast unentbehrlich sind, und dieses nicht igu viel des- 
serk enthnllen solif was man nicht auf eine oder die indere Arl dem «Schü- 
ler vur die Augen bringen kann. VVenn ich diese allgemein anerkannlea 
und bekannten Wahrheiten hier am Eingange eines Berichteü widerbole^ 
»0 geschiGhl diefs nur^ um genau dei» Slandpunct zu bezeichueu. von 
welchem auti ich daa torliegende Buch glaube beurlhcilvn t%\ Holten* 

Was nun zunäch^i die Forderung der Richtigkeit der Angaben he- 
trilTt, so pllegL diese bei Beurthtiltmgen von Scbnlbücheru selhstverat and lieh 
gewöhnlich kaum zmt spräche gebracht zu werden, da diese in di-r ßegeJ, 
und mit Hecht sich anerkannten wifiseiiscliartlichen Werken an&chlierüeii, 
unil e» eben keine besondere Schwierigkeit macht, über die bekanntrjiten 
N«ilurwesen und Hrti^cbeiimiigen die Angaben hierauü mit Treue ZQ über- 
liefern. Der Hr, Vert hat sich nun allerdings einigen der besten fland^ 
büchtT aikgeschlofseu f aber es dabei nicht ganz zu vermeiden gewufst^ 
manchen Irrtum %\\ begehen. Sogleich in der Einleitung Ui die Veidaoung 
und die Circulation, slrttt in ihren allgememNlen Dmrifsen, io dargestelll, n ie 
sie den htihereu Thieren altein zukommt, und von den Thieren mit äufserein 
Skelet ^rsagt, die Haut sei «t stellenweise" hornartig verdickt, 3. 47 kehrt 
die auch in der geogr Verbr. d. Th. \\\. S, 602 vorkommende falsche 
Angabe wider, dafs in d<'r Ostsee die Seesterne gänzlich fehlen und 
S. 6t ist die geringste tirorae der Strudelwürmer mit ^ wenigen Linit?n^ 
statt mit einigen Zehnteln angegeben, kMicht « manchmal J* (S, 91), sondern 
Kumeiat hat das Auge di*r GaaierQ|HKlen ein Seliluch, nicht «oianühmal^, 
sondern faat immer hat es wenigstens eine Linse, Bei den Cephalopoden 
heifsl es S. 100 udie Männchen haben oft eine abweichende Gestalt^ was 
so aussieht t als oh man alle oder so liemlich alte Mäuncheu kennte» und 
VOD diesen ein grofser Theil sehr von den Weihctien diiTerierte. Indea^^en 
ist nur ein Theil der Männchen bisher bekannt und diese sind den Weib- 
chen gleich, nur das von Atgonauta Argo, der aogeiu OctapuB Caremte, 
wenn es sich nämlich erat mit voller Sicherheit als solche:^ zu Argimauiu 
herau^ielll, weicht bedeutend durch den AJan^el der Schale, der sogen. 
Segel u. s w. ab. Üie für einen Gymnasiasten übrigen!« ziemlich unwich^ 
tige Äriemia mHna von Alontpelljer ist nicht mit der in der krimm 
ideotiach ij$. 115)» ohschon es der ilr. Vf, auch in aeiner Gi-ogr. d. Th, L 
S. 53 sagt. Unrichtig ist S. 125 die Angabe» dafs nur cirea 200 s|»ec. 
Mjriapodrü bekannt aind; mau kennt an Julusarlen allem circa 150, Po- 
lydesmuji 50, Scolopeudra an 100 u. s. w. ^kapseln" für ihre Eier ma- 



L. M. Sckmaräa, öruudz. Ü. 7i)Ql(?gie, mg v. M. M. Schmidt. 133 



chen die Spinnen nicbt (R 12S), sondern Cocon»^ und die ßlatUaute 

kingen unter den Insecten nicht Laitan* leliendige Junge zur Welt (S. l40), 
m wie das Ende etnei Sntjgrusiet« (S. t4t) ja nicht immer zu inuem 
feinen TaslorgÄU ausgebildet ist. Auf S. 142 ^tentbalt der obere Theil 
des Oi>erschtjntel8 der Inserten 2 kleine Theile €&xa und TrocMnier* 
und der Fufs Irägt ei» für allemal ^twm Krallen.» Man sollte gkiibeii, 
der Hr, Vf, habe sich nie ein par Inseclenfurse angesehen. Weiter liest 
man daselbst I «die ersleren (die oberen Flügel) ^ind manebmat hornig 
TC f dickt (Oberiliigel der Käfer) oder miteinander veitt-aehsen," Also kom- 
men häutige Oberflügel auch verwachsen vor. Von Tonen der Inscc- 
len «durch Zusamiuenziehungen des Brüstst lickes» ist bisher nichts be- 
kannt; wie aie adorch Reibung des Rückens an den Flii^efn» hervorge- 
bracht werden, ist aus der Phrase gar nicht ersieh Llicli,. Die so häutige 
Tonproduction durch Reiben des Proihorai am MifSOlhoraXf des n Ursels in 
einer Rinne auf dem Prostenium u< ^, w« i^t nicht erwahtit. I^jcht awe- 
Dtgc* Insecten aaufser die gesellsi^hafllieh lebenden*, sondern viele ver* 
fertigen sieh allerhand Hülsen und Wohnungen, und Gallen entsteben nicht 
durch «Graben* der Ini^eclen im «Mark der Pflanzen oder au der Ober- 
fläche einzelner Organe*, wie wir S. 143 lesen* sondern so, ^ie es der ■ 
Vf. seibat S* 172 angibt. Dafs Gurtnus mfirfnus ein Seebewohner sei 
(da*, und auch Gcogr, d* Th, f, S, 61) ist unrichtige der Käme ist frai- 
bcb vertu hreri seh. CoctUi saugen sich S> 146 «mit dem Rüssel an die 
Oberfläche der i'tlaniten fest* -— also beilanfig so, wie der Blutegel mit 
seinem Saugnapfe^ und von den liemtpieren leben einige «aufj^ also kei- 
nes ioi Wafsen dafs dje europäiftche f^orphumpkGru (Coccus) püimica 
auch in Amerika vorkömmt (S. 147), ßnde ich nirgends hetegl. Auch 
Acheiut mir fast» dafs der Coccm cerffims, der auf Ceimir%(8 ceriftnts 
das chineaisehe Wachs Fe-ia (uieht ^Fi lac^) hervorbringen soll, nichts 
anderes aein wird, a)a die besonders auf StUUnt^iu ssbifern vorkommende 
FUüa nigricornis F. «Gallerj* eraeufit CUermtM a&ieili und /arMt auf 
den ßialtern nnserer NAdelbolzer (S* l48), so wk auch die KolhwanEcn 
nicht abeifsen' (S* 150), was keine Wanze thun kann, sondern steeben. 
Von dem ^ was bei den Fäeberflüglern S, 15B über die Verbältnisse ihres 
Fluges gesagt wird, ist grade daa Gegenlheil wahr. Die geroeine Fleisch* 
Aiege {SarcnphG§a carnnriä) ist nichl gans^ und gar agrauweifji,^ son- 
dern weifskich mit schwarz gewürreUem Hinlerleibe und glänzend getb- 
behem Kopfe» heilst auch nirgend igraue Fleiscbfliege,* und die Ver- 
walterin der Hirschen ist keine OrtatiSj wie wir S. 161 lesen, sondern 
eine Ttffpeia, der Heer wurm auch keine Ceraiopogonlarve {S. 163), son* 
dem die eines wahrscheinlich neuen Genus bei Sciara, Schwerlich hat 
jemand beobachtet, dafs * Wespen und Hornissen' oder gar «Libellrn* 
«Haupen und Puppen btf nagen od'-r aussaugen/ wie S, 16& zu le- 
*en ijii, so wie »u eil Carpnatpsa pmimmma nur in Äpffln und tiirnen, 
nicht aber in den Fruchten aller um^ercr Obstbäume vorkömmt, wie 

£«j|iEhr. rar AI* ji«i«rr, fij*tii)«ij#4i. liS^* U. litt. l 1 



I 



tili L. h\ ScJirmträüt Ürundi. d. Zoülogift, ang. v. M. ff. SckmidL 



S. f66 angegeben wird. Bau mr roden sind wo! nicht alle ütomeira Rati^ 
pen gleich gf färbt (S. 167), sondern niclirpre gl(^idicn ganz und gar kJciüen 
Biumiwciglein , vk*lo bnben verscbiedenen Pflanzenllieiien ähnfrf^he od^r 
ganz dilTerente P^rbe. Die Beicbreibung, wie dio Puppen der Edelfaller 
aufgehäijgl siml {H. 171) gibl UHiit^n Begriff von der Sache, und das Ord- 
nnngsiientizeiebt'ti der UlftntHüpieren (da^.) «^das Brujitsliick hat eine harle 
Horiidt*cU* bal , lo wie es dort slehl , keine rechte Bedeutung. S. 172 
legen die Scbfu|ifwe^peiT ihre liier auch in die a^'^*^^*^!'" anderer Insepten 
(nhne Zwei^'l eine Verwechsetung mit den Chrusiäen u. aO und S, t7S 
leben diti Uroeerden nvm tnnern der Gesträuclie,* Weicher denn? Dm 
St: a {(den [ScoUkkn) sollen S. 174 io ihrer Lebensweise einen Übergang 
von den Schlupfwespen üu den eigt^nllichen Wespen, also £U Vespa^ bil- 
den {\\ die Sphegiden nur in sandigen (siegenden vorkomoien. Die Ödo* 
nomie der gemeinen Honigbiene ist S, 17r) f. verworren und mit Irrtnniern 
lieschrieben. Da Bitragt-n" miter audrji: ,,die Bienen den INeklar mit der 
Zunge ein*, die Zeilen stellen (S. 175, Z. l8 v, o.) tfSenkrechl* , Tier 
Zellen apäler alter «werdeu senkrecht stehende Wach sta fein (Waben) ge- 
baut , darauf werden etwas schief nach aufwärts Zellen tnge- 
tegl"; S. 176 nisten die Bienen gelegentlich auch «unter der Krde'. Waa 
von der Fütterung der Köuigslarveu gesagt wird^ ist unverslandlich aus- 
gedrückt. Im OrdnungscharaLler der Iväfer S. tT9 lieat man f^IVlitlel^ und 
flinterbrust unter sich und mit dem Hinlerleibe Kusammenhangend.* 
fiegredtichermafsen hangen an den Tnsecten alle Leibest heile zusammen, 
da 810 doch nicht jed«r für sich eilst iereo können ; es soll htit^^n «ver- 
wacbsen." Auch fehlt dann immer noch das eigentliche Kennzeichen 
^ Vorderbrust frei " Dort steht auch, dafs die Pirppenhülle der Küfer ^nie 
aus Gespinnt! en* besiehe, trotzdem lesen wir wider auf S. 18t dafs die 
Clitcuäonfden äiltgemein (was wider unrichtig ist) ^eine fffdie aus feiner 
Seide spinnen"? liine Angabe üt>er die Verbreitung der Safer ist ge- 
stellt, dafi! der Leser durchan«! gbiuben mufs^ sie seien nur in Südamerita, 
nicht aber in anderen Tropenlandern zaiilreicher als in Europa, wo ihre 
Zahl übrigens etwas gering angegeben ist Auch sonst sollten numerische 
Angaben über die Species einzelner Familien, wo solche vorkommen, ge- 
nauer sein; k. B. nicht 70 (S. 179)^ sondern über 100 Sp. europäiÄche 
CffCCinetMen kennt man, Apian frumeniarium Ihut unseren Vorrälhen 
von Getreide nicht den geringsten Schaden, indem es eher verhungert, als 
dasselbe berührt; es lebt auf Rumextinm, S. 182 ist die Beschreibung 
des Unterkiefers der Metasomftta aus van der üoevens lateinischer Diagnose 
falsch übersetzt. Ciitopidü (S. 186) stellen sich beim Ijeruhreti wie todt. 
und nicht allü SHpMden überhaupt, sondern nur die yerraphoren „ver- 
scharren* Afis. Was «am Ende dnrcliloeherte" FnhEer bei den E^dr&- 
phiiinen sein sollen, w*eifs ich nicht, kenne solche überhaupt nicht. Die 
Diagnose iht Carubicina S, 187 ist nicht zu verstehen. Die Larven der 
CkindeUden «stürEen* »ich nicht auf ihre Reute (das >, sondern lauem 
im Oegcntheil ruhig in ibrcti Sandlocberu, bis sie ihnen in die Kitfer 



L ä' Schmafäü^ GrunJz. il. Zoolügie, mg, v. M. iL SckmidL 15$ 



Fennt Was St 190 von der Schwimmbtase ge«4gt wLrii, ist zwar nicht 
falsch, wird aber jo dieser Falsung wahrsdiejnlich bei jedem Leser faliiehe 
ftegriffe Ober ihre FuticUouen erzeugen. Dia Hearhreibung von der Wirbel- 
iaule der eirifachsieu Fischforoi de* Amph(o3^UM (S. 1D2) sdieint aus der 
[ vis verstandenen Bescbretbung der Wjrbtiiiäijle von Petmm^zaH oJer von 
\i^imaera en blanden. In der Diagnose der Clause HepiHia S. 312 heiM 
im vom Heraen «1 oder 2 Vorkamoiern» , bei der weilereü ßc^chreibung 
Iderselben wird S, 213 schtecUtweg nur von «2 Vork aromern' gesp rochen i 
Das ierzlere allein ist richtig« doch gehürl dazu, dafs sie manchmal un- 
?ollstäntlig gelbeill sind, ti. 2 15 sollen alle ßepUljen eine Stimme ba- 
rfccru Wenn es S. 221 heifsl , dafa der Kifs unserer einheiroiiichen Gift- 
^icldangen ^ nicht absoint todllich* i«t, so mtifa jcdermaivn i^lauhen , er lei 
ea gewöhnlich , was zum Glück nicht wahr iit. Das AJährehen von den 
in üählen oder im Schlamme überwinternden Scbwallien halle der Hr* Vf. 
auf 5. 240 nichl berück^iehligen sollen. Auf S. 242 hören wir» dafs die 
€&ipmbtd€n *weit nach vorne gerückte Beine" haben. Bekanutermafsen 
stehen sie bei allen Schwimmvögeln mehr oder weniger wpil hinten. (Jn- 
ricblig ist es auch, dats die MegapOtUi ihre Eier i^einfacb in den Sand 
verscharren^ und durch eiSonuenwitrme^ ausbrüten lafnen (S, 249). Sie 
«charren vielmehr niil slaunenswerlher Kraft und AI übe meist im dickslen 
Schallen einen grofBcn lu weilen 15' hohen iliige) aus abgefallenem Laulje, 
GrsiwurEffln und Erdreieh zusammen, in welchem ilic Eier in liefe Höb- 
ren hineingelegt und hauptsächlich durch die von der Zeräet7.ung erzeugte 
Warnas aiisgchrütet werden, Din Angaben über die Verbreitung unseres 
Anerhahnes, so wie di^s Birk- und H^)i(<Lhuhnes sind eben so wenig richtig. 
0er erste solt nur «auf den hohen Gebirgen niilleleuropas/ die letzteren 
.im nördlichen Europa'' wohnen, wäluend der erste doch vom Nordcap 
lifid dem polaren Sibirien an bis Nordttalicn und dem nördlichen Tbeit von 
Frankreich überall in allen grötseren Wäldern, auch in der Ebene (wie in 
Rkifstandi im nordi>äl liehen Deutscbhtnd) vorkommt^ und die letxleren mit 
ibm fast ganz dieselben Wohnsitze haben. Bei den Paradies vögeln flndct 
man die ie1ts«mo Angabe, dafs bei ihnen, als ihr Ijckannter seltsamer Auf- 
putx «einzelne Schwungfedern ungewöhntich entwickelt sind.^ Dafs als 
die hauflgslen fringiliiden S. 255 der Gimpel , der Kreuzschnabel (der 
irhon €0 ipS0 aUen gröfsere ^adelwaUlungen euthehrenden Gegenden 
fehlt) und der Kernbeifser aufgeführt worden, der gemeine Finke (der 
überhaupt gar nicht genannt ist) der — allerdings nur durchziehende — 
Quaker, der Hhnlling u, a, nicht aufgezählt sind, zeigt wenig Auf- 
merksamkeit auf unsere Vögelwell. Pen Siraufskuckuck {CüCcystei ßittn- 
äariusi al"* einen bei uns wie den gemeinen Kuckuck heimischen Vogel 
S, 259 amsuführen, ist eben so wenig zu rechtfertigen, als wenn man den 
Flamingo ats deutschen Vogel aufzahlen wollte, weil man einmal einig» 
verflogene am (\heitie sah. Als Kennzeichen der Classe der Säuget hiere 
wird angeführt» dafs sie *4 Füfae*^ besit/eiu Somit hat d^r Affe und iler 



tSÜ L K. Schmaräii^ Grundz. d, Zoologie, nug. v- M, ff, Sthmtäi. 



Walfisch vier Fiifse! Dem Stachelschwein fehlim die Schlufselljeiiii? 
nicht S. 2g5, sondern ^ie sind nur tmvollständrg. 

2u Ünriclitigkciten der io eben be^^ichBelen Art kommen noch 
manche AusUfsüngen lur ein SchnlLuch wichtiger und intereManter An- 
gehen, denen »o viele andere unwichtige, für den Schüler unveraländhche 
und iiitirfesselose hätten VMi machen köiuicn. So sollt**, um nur einige 
beiiipietiiWfifu zu erwäbneOf hei MtfÜiUS eänifs angeführt «ein, dafs nie 
bat nm und ander wärU bauüg gespeist wird» bei den Schneeken, wm 
TGchU und was links gewunden heifst* Bei den Paguriden isl de* Na- 
rnengebers der Familie^ des inleressanle« Einsiedler- und Bernhardstreb,?e« 
{Fagurti* Bernhardm)^ mil keiner Sylbe gt^daeht, und die Ordnung der 
Ößftionida^ denen unsere so gemeinen Weber knechte (Mahd er) angehören 
nur annierkungswetsü abgelbati. Bei Mygaie avtciifarfa ist vergef&en 
nnzugeben, dafs die Abbildung verkleinert Inl. Bei den Mucken sollte ge- 
sagt sein , dafs sie in dm Polarlamtero eine eben aoictie Landplage sind, 
wie in den Tropen und die Siebwespen ((Yadronfäa) ^ nicht „Silberwes- 
pen* wie sie mit einem wahrscheinJieh aus Vogt's zoolog. Briefen ent- 
standenen Veraehen genannt werden ^ verdienten wol eine etwas genauere 
und richtigere Darstellung ihrer anziehenden Lebensweise. Unter den 
tobüdlichen Fischen mSräen doch wol die Haie, unter den Kur Speise 
iftenenden lleplilien die Schlangen, unter ihrem ^ul7i^n die Vertilgung von 
läRtigen Insecten genannt werden. Dafs die Schildttröten das Schild paild 
liererUi ist wo] gesagt, nicht aber was es sei, no wie man auch die ost in- 
dische Salangane, aber nicht unsere gemeine Mauerschwalbe (C^pitefm 
aptiJr) Qndet. Der ganz allgemein gebrauchliche, wert älteste sy,«lcmat. 
Naroc der tteidelerche ist A. arbnrea Linni (S. X eä^ Xü, p, 2S7^ Nr, J), 
nicht das verschollene, dubiöse Synonym Ä, nemorüsa Gmel Völlig un- 
gebräuchliche Namen gehören in Itcin Schulbuch. Bei den Sgltien müfsen 
die drei geraein slen Grasmücken S. cinerea, airrttca und Aarfensii 
genannt sein. (Iider den Tastorganen der Saugethiere darf die Nase nicht 
unerwähnt bl*fibenf beim Rennihier nicht, dafs es auch auTsef Europa 
wohnt und das Weibchen ebenfalls Geweihe tiiigt. Bei den Fault hierrn 
genügt es nicht, zu sagen, dafs die Haare lang, sondern anch^ dafs sie 
dürr sind u. a, m, — Die N o m e n c 1 a t u r leidet an grofaer Gngleichtiei t und 
Regelwidrigkeit. Die Endungen df?r Familiennaraen auf idea, ida^ &d€S^ 
ina, acea od. ea sind ohne alle Rücksicht auf den Oraprung des Namens 
angehängt. So heirst es ßfyiilacea, Fhaiüäücea^ Mactracea etc. 
also lateinische Gudungen an griechischen W'örtern, und wider VoMfäß, 
Aseliiäa, Mmcidü etc. also umgekehrt griechische Endungen an latei- 
nischen Wörtern. Das Geschlechl der l-'^amdie steht oft mit dem der Ord- 
nung im Wiilerspriiche; u. B* Örd. Ossäres {maec.^ (Laufviigel) 4 Ta- 
uiilic luepia {neutr:) u. a. m. t)te Genera «ind bald sehr gespalten, 
bald auch nicht, oft in derselben Fnmilie. So ist x. ß. bi-i den Tefr&eni^ 
den S. 249 tetran ingnpus als UigopuM nfpimiM von Tefrnn getrennt 
in dco üiehstcn Zeilen dagegen die Wachtel mit dem Repjihuhu unter 



L K, Sckifmrdtt, Qmmit, ü. Zoologie, mg. v. M ß. SvHmtdL 157 

Ptrdix vemnigK Wo tJcr Umfang rlAS Vorkuuiineii «iiucr KigeUMch^ift mlür 
britcbemung durcb alJgeoieine Worte «niiinchtiia], häiiüg u, a.* Iieteichnet 
worden I ist bäutig vjne uftpasseade Wahl des Ausdruck* getroffen* I»af» 
überhaupl auf die Ausdrucks wHst« wenig Soigfalt verwendet Ut , mögen 
ejnige BeUptele belegen, die %\t\\ leicht mehren Uer^eu, S. 15S kie^t man 
tDa« Weibchen dringt tn die tiaut . ^ . , und lelzl dort ihre Brut ak 
Grotse EntKÖndungen aiud die Folgen, wenn sie nicht bei Zeiten entfernt 
werden." — S* 178 asie selbst (lUe AmeiserO und diö Haufen..*, die 
durch die entbaUt^nde AiUfisensäure wirksam sind.** — S, 221 «liie 
Mittel Bollen entweder die Beförderung des Giftes »n den Kreislauf ver- 
hüten p wohin die Anwendung von Schröpfköpfen . « . oder da^ Ätzen.. ^ 
und das unterbinden gehören, fst das Entfernen des Giftes u, ». w.» — 
S. 2%6 liebst tnau «Sio (die Chamälconä) näbren Ftcb von [nseclen, die sie 
mit dem klebrigen Ende ihrer langen Zunge erfafsen und mil nngebeurer 
^hneiJigkeit bervorschnellen können," Also können nie die InsecLen vor- 
tcbnelleiit S. 268: «Die Zahl der wandernden Tbiere ist in dieser Claise 
\icl geringer als in der vorigen* Bi geschieht beim Eintritt der Ratte 
u. s. w* Wus geschieht da? S. 273: adie Kamele können tangc hungern 
und uoeh langer den Durst entbehren.* Daneheu begegnet man 
auch noch orthogra(>hiscben Verstöfseo, wie «das Weinbandl» statt VYcin- 
hubtiel f Weinhähnchen) « stets ,der Hacken, hackig , hackenfBrmig» etatt 
tUken, hakig ü. s. w,, »die Ringein' (Plur, ¥. Klingel), mehrfach ^Sehnur- 
baare, 8cbnurbart^ sl.Scbnurrhaareu.fi. w. meiüt debpliscb^ at. elliptisch, 
iniLner ^schwüJig* st, sebwietig , dann adie Uogcn*^ (Fischeier) st der 
Hogeßf die «Doggs" st. Docks. In der InterpuLicUon erschwert die fast 
Ausichliefabche Anwendung des Komma das Verslandnis in hohem Grade. 
In der Orthographie der lateinischen und griechiichen Namen ßndet man 
besonders bei dem y u. f. th m, t ^ e^ ne u* oe bäulig Lmrichligkeitin. 
Itef, glaubte auf diese Fehler hinweisen zu müfsen» weil in Betreff gram- 
matis^cher und stiligt jacher Correctheit aus naheliegenden Gründen gerade 
an ein Schulbuch die strengsten Forderungen gestellt werden müfsen. 
Was nnn den d ida k t ischen Standpunct betrifft, so acheint diesen 
der Hr. Vf, wenig beriickiiichiigt zu haben. Das Burh i^t gmr. nach dim 
lluider von Vogt*s zoologischen Briefen abgefafsL l>iese sind nun zwar 
ein jtehr tijcbtige^ und brauchbares Handbuch, trotz ihres Popularität ver- 
sprechenden Titels aber, troti ihres Biefsenden Stiles, ihre^ Mangels an 
gelehrtem Apparate nicbli auf der WeU weniger, als eine populäre Zoo- 
logie. Die Grundzuge des Hrn. Vf/s, die mau bei ihrer häufigen BeniiUung 
von Vogt's Werk fast als einen Auszug daraus ansprechen kann, sind ihm 
in lei£terer llückiicbt voltkommen gleich zu stellen. Von einer Auswahl^ 
hei der das Thier^plem einerseits nach IVlö^ürbkeit repräsentiert wird, 
Anderseits überall die durch ihre Verbal Inisie zur K\\ur und lenm Alen- 
fichen wichtigsten uud dabei für den Unterricht zu^änghchen Tbiere her- 
ausgebahen sind, ist keine Rede, denn es tfit überhaupt eine Auswahl 
nicht getroffen, gondern im engen Anscblurs an Vogt (unter einiger Mit- 



benulzung vou vati der Moeven , WifgmaMn urul Leunia) eine Familie ftei 
gaasen Reiches nach der andern mit verh-illDismärsif? ^f-nngt^m Utiterschied 
ü) der AuMrnhrHehk^it aufgeführt, mag si« uun hifusorien umfafsen, dla 
der geulile Mikroskopiker in seltenen Fällen itn Sehfelde Süines lustru- 
menloj; erblickl, otk-r sallsafne Wfirnier, dio in tOOO MeiJen enirernteo 
Ble«ren in den Tang wal dem hausen und der \V'ift*enschafi seihsl ivoeh 
nicht mehr gehoteti hahen» als lÜe äufsere Erscheinung ^ oder ein par sel- 
tend Fische oder Ht^pUlien, die manches gröfsere Mui^eum kaum aufzuwei- 
ten hat. Manchmal sind solche Familien nur genanni, oder dem IVamen in 
eine Tür alle Zwecke beJenlungsJo^e Notif heigi^rui^t. Leider ist üe((halb 
aolchen Familiünp welehe die wichligsten nm\ intcresaanleHten Glieder ent- 
halten, selten mehr Ranm gegönnt , »tri zur [Vennung einiger Genera ^ tu* 
weilen einiger Specfes und zu einigen meist sparsamen Angaben über ihre 
Ökonomie^ ihren Schaden mid NuUen u, s, w, nolhig ist. Nirgenda ist 
auch nur ein Gent/s oder eine Speciei beschrieben, überall nur mit 
meist mangelhafter Knrste die FamiNendiaf?nnse gegeht'n und bei den GJ^i- 
ien die anatomische BeschrHlfung mit üherOülsiger Auaführijchkeit voran- 
geschickt. IVlit blotsen AllgemeJnheiteD ohne einon Bei^riff von den Beson* 
derheiten ist dem Schüler wol nicht geholfen. Schwerlich wtrd irf^end 
wer, am wenigsten ein Knabo eine Vorntellung von den Fringiftiden oder 
Oeiiriäen (oder vollends von den 9 Familien der Rotnt^fria oder der Ord* 
nung der Fiectngnalhen) gewinnen, wenn man ihm nicht einige linken- 
arten oder eine Bremse zeigt und beschreHiL Oder erwartet der Hr. 
¥f. , der Enabe werde aus dem Onlcrgymoasium die icharfen und klaren 
Bilder von mindestens IDOO Thierformcn mitbringen, die ihm nüthig sind, 
um nur einigermafien von den Diagnosen der 474 Familien (zahlreiche 
Abtheilungen und Gruppen ungerechnet) Jn 124 Ordnungen und 27 
Classen proflliaren zu können. Diese Erwartung dnrfle wol nio erfüllt 
werden. Die Diagnosen ^ji»d noch dazu ganz in wirsenHchaftiicher Haltung 
abgefafst, wie sie eben die obengenannten Werke haben, und auf eioe 
fafüliche Erklärung und verstandijcho Darstellung ist nicht Bedacht ge- 
nommen. Die vöiNg unentbehrlichen ficschreibungen d^^r Genera und 
Species müfste beim Gebrauch dieses Buches der Lehrer selbst entwerfen. 
Allein, wenn er sio nicht dicliert, was durchaus unüuläfüig ist, «o fohlen 
sie dem Schüler zu hause, wenn er, einer natürlichen und eifrig lu tmh- 
renden Neigung folgend, ein gefundenes Thier in seinem ßuohe aufKuctien^ 
es bestimmen will. Der wichtige /weck, die Sinne m wecken, die ße- 
obachlung ku schärfen, wird dadurch nicht im entferntes! en erreicht, dafs 
toan dem Schüler Abstractionen vorlegt von concreten Fallen, die ihm 
fremd sind und bl(?ibcn, Eine Familie kann mnn nicht an^vchauen, be- 
tasten u. s. w*, denn diese ist ein Hegriff, wol abtir ein Thier, denn diefs 
ist ein Ding. Vom Betrachten auch nur eines Thierea aus jeder dieser 
Uniahl von Familien ist aber schon deshalb keine Hede, weil daru manches 
Iniverailätamuseum nicht genügen wurde* Auch ein anderer, wenn gleich 
minder wichtiger Zweck, die i^ennlnia einer gewisaen Zahl der beüeut- 



L. K. Schmarda^ Giuodz. d. Zoolofsii-, aiig. v. U. U. Schmidt, lad 

MiDSteii Tbiere wird «o durchaus nicht erreicht. Mau ist also auf 
Worte 9 die ohne Aoscbauuiig dem Schüler Ledeulungslon bleiben, und 
einige Abbildungen beschränkt. — In diesen gegen die didaktische 
Haltung und Methode des vorliegenden Buches erhobenen Einwendungen 
darf ich voraussetzen, mich mit den erfahrensten Lehrern der Naturge- 
scliichte im Einklänge zu ßnden. Es sind zwar einige ähnlich abgefafsle 
populäre oder richtiger sich für populär ausgebenden Naturgeschichten er- 
schienen und haben Verbreitung gefunden, allein diese sind allermeist für 
erwaehseue zur i)eliebigen Benützung bestimmt. Wer darauf gestützt, 
dieee Weise für tauglich erkläreu wollte, den mufs wenigstens der Om- 
stand zweifelhaft machen, dafs dann Bücher für erwachsene und selbst 
für Fachmänner sich einzig und »Hein im Umfange von solchen für die 
Schule unterscheiden. So ist dann auch das vorliegende Buch, wie schon 
oben erwähnt, von Vogt s zoolog. Briefen in Auswahl und Behandlung des 
Stoffes gar nicht, und von van der tloevens vortrefflichem für Zoologen 
von Beruf bestimmten Handb. d. Zoologie nur dadurch unterschieden, 
dafs es die Beschreibung der Genera nicht mit aufnimmt, und kürzer ist. 
Die im Buche gegebenen Abbildungen sind, was ihre Ausführung angeht, 
recht lobenswerth, aber es wallet bei ihnen ein anderer Übelstand ob. 
BäuGg stellen sie ein exotisches oder zwar einheimisches, aber seltenes 
Tbier vor, und da ist dann entweder die Familie in Bild und Text nur 
durch ein solches repräsentiert oder der Text nennt eine häufige und hei- 
mische Art und die Abbildung stellt eine andere fremde oder wenig ver- 
breitete dar. — Ein Begisler fehlt. 

Was die Ausstattung des Buches betrifft, so verdient die Verlags- 
bandlung alle Anerkennung. Druck und Papier sind ausgezeichnet, das 
letztere sehr zweckgemäfs Schreibpapier. Besonders gut sind durch sorg- 
fälligen Druck und magere Schwarze die ilolzsclioitte geratben. Ich habe, 
in einem Scbulbuche besonders, noch selten so reine Abdrücke gesehen. 
Au einer genauen Revision, besonders in Beziehung auf richtige Schrei- 
bung der Namen, hat es offenbar gefehlt; damit nicht etwa derlei Fehler 
sich in einer weiteren Auflage fortpflanzen, will ich, mit Übergehung der 
oben schon berührten orlhograpbischcn Ungonauiükeiten, die auffälligeren 
Verseben bezeichnen. Seile 28, Zeile 8 von oben und öfters lies: läuft 
statt Jauft*, S. 32, Z. 3 v. o. Malediven und Lakediven sL Maladiven 
und Lakadiven. S. 34, Z. 10 v. o. Oligactinia sl. Obligactinla, S. 38, 
Z. 2 von unten Tintinnua sl. Tintinus, Z. 12 v. u. Epistylii sl. Episti- 
USy S. 40, Z. 3 V. u Seriolaria st. Serialaria ^ S. 43, Z. 3 v. u. 
Doppelquallen st. —quälen , S. 45 , Z. 18 v. o. Cydippe st. Cidippe, 
S. 49, Z. 14 V. u. und öfters Hautskelel sL — scelet (der Hr. Vf. wech- 
selt mit beiden Schreibarien), S. 51 , Z. 17 v. o. Oolith st. Olith, 
S. 60, Z. 6 V. o. Slrongylus sL Strongilua, S. 83, Z. 12 v. u. Manaar- 
strafse sL Manarstrafse , S. 85, Z. 12 v. o. Cytheraea st. Cytäerea, 
S. 92, Z. 1 ▼. o. Landgasteropoden st Landgaslerodeo , S. 94, Z. 9 v. o. 
ApHtsida St. AplUida, S. 119, Z. 15 v. u. Mysida sL Misida, S. 123, 



160 L K, Schfnarda, Gnindz. d. Zoologie, aiig. v. M. H. StkmUU. 

Z. 2 V a. Chitin st. Chitioe, S. 126, Z. 15 v. u. TuphlogUna st. Ttpktogi^ 
S. 135, Z. 4 V. o. Tegeneria st. TegenartOy S. 139, Z. 15 v. o. feinen st 
feine, S. 147, Z. 8 v. o mamUfern st. matUfcra, 1. 12 Scbell-Lack st. 
Schel Lack, Z. 16 Pe-la st. Pe-lac, S. 148, Z. 5 v. u. Fuigorida sl. Fat- 
gurida. Z. 17 ▼. u. ScM%oneura st. CM%oneura, S. 158, Z. 3 v. u. deren 
St. dessen, S. 161, Z. 11 v. u. vermileo st vermieto^ S. 162, Z. 12 v. o. 
Bombylida st. Bombilida, Z. 14 der st von, Z. 18 TipuUda st. FuUda^ 
S. 163, Z. 5 V. o. Cecidomyia st Cecidomia, S. 167, Z. 2 v. o. .Ao^r« 
St. Potya^ Z. 14 Ennomoa st. Eunomoa, Z. 16 Ampkidaais st Amphidaaga^ 
Z. 12 V. u. A'jf/Ina St. A///Jta, S. 169, Z. 15 v. o. einen st ein, S. 174, Z. 9 
V. 0. Cratfronida^ Siebwespen st. Orabonida, Silberwespen, S. 182, Z. 1 
V. 0. Bacchua st bachua, S. 187, Z. 10 v.o. Scariiida si. Scarüttda, S. 198, 
Z. 6 V. u. Sterlet st Störlot, S. 199, Z. 4 v. u. Holaptychida st BoUh 
pttchida, S. 200, Z. 3 v. u. Bippocampua st. Bgppocampua, S. 201, Z. 1 
V 0. Flectognatka st. Pectogn., S. 204, Z. 16 v. o. eticraaicholua st «ii- 
crasafcä.^ S. 205, Z. 6 v. o. Symbrancktda st. Sgnönmcä., S. 207, Z. 12 
V. u. Bippogloaaua st BgpogL, S. 210, Z. 5 v. o. Pelamya st Pelamia, 
S. 21 1, Z. 1 V. 0. der st die, Z. 3 cefaio st cievolo, S. 218, Z. 3 v. o. JST^jio- 
cJMon st Bypochton^ S. 223 , Z. 17 v. o. Dryophida st. DryophUa^ die 
Paginierung 228, 229 st 128> 129, S. 228, Z. 3 v. u. Oceans st Ocean, 
S. 239, Z. 4 V. 0. PhaBthon st. Phaethon^ S. 243, Z. 10 v. o. Albatros 
St. Albatrofs, S. 245, Z. 12 v. u. Ascalopax st Aacoiopax, S. 248, 
Z. 8 Flügel- und st Fluge! und, S. 249 , Z. 21 v. o. nyctAemerua st 
nyctäemeroa, S. 250, Z. 6 v. o. A/ector st aliecior, Z. 7 Crypiurida 
st Cripturida, Z. 16 5///«/^ st 5/«//^, S. 256, Z. 9 v. o. polygloUua 
St. polyglotuaj S. 259, Z. 13 v. o. 5 Bündel borsten förmiger st 5 bun- 
delborstenförmigen , S. 261, Z. 2 v. u. Gypaetua st Gipaütua. S. 262, 
Z. 2 V. u. Gypogeranua st Gyppoger,, S. 263, Z. 7 v. o. Baitaitua st. 
Baiiaetuay Z. 9 haliaätaa st haliaetua, S. 267, Z. 3 v. u. Hand- und 
st Hand und, S. 270, Z. 13 v. u. Narwale st Marvalle, S. 271, Z. 3 
V. o. Strenia st Sirena^ Z. 11 Baiicore st Balicorae^ S. 274, Z. 9 v. o. 
Vicogne st Vicougne, S. 276, Z. 15 v. u. kirgisische st kirkisische, 
S. 277» Z. 10 V. 0. grunntena st gruniena, S. 278, Z. 9 v. o. Burcheilii st 
Burcheiit, S. 279, Z. 12 v. o. Choerapotamua st Chaeropot^ S. 289, Z. 2 
V. u. on/rn st onca^ S. 290, Z. 16 v. o. örunnea st örunea, S. 293» Z. 11 
V. o. nackt Die st. nackt, die. 

(Der Scblufs folgt im nächsten Uefle.) 



Dritte Ahtheilung. 



Verordnungen für die österreichischen Gym- 
nasien; Statistik. 

a. Elrläfse. 

Erlafs des b. Ministeriums für Cultus und Unterricht, be- 
treffend den Besacb evangelischer Gymnasien von seite 
katholischer Schuler* 

10. Decemher 1853. 
Die der Genehmigung der Regierung vorbehaltenen Fälle der Aus- 
nahme von der mit hierortigem ErUfse vom 6. Mai d. J. Z. 1782 repu- 
blicierten Verordnungen in Betreff des Besuches evangelischer Gymnasien 
von Seite katholischer Schuler sind nur unter den Bedingungen zuläfsig: 

1) wenn in derselben Stadt, welche das Domicil der betreffenden Schu- 
ler und ihrer Eltern ist, ein evangelisches, aber kein katholisches 
Gymnasium besteht; 

2) wenn die Vermögensumstande den betreffenden Eltern nicht gestal- 
ten, ihre Söhne an entfernten katholischen Gymnasien studieren zu 
lalsen; 

3) wenn für den katholischen Religionsunterricht und die gottesdienst- 
lichen Obungen der katholischen Schüler die beruhigendste Vorsorge 
getroffen ist« worüber jeder Zeil die ÄuCserung des bischöflichen 
Ordinariates einzuholen ist. 

Demgemäfs sind nur in Fällen, wo die Überzeugung, dafs diese Be- 
dingungen vorhanden sind, gewonnen wurde, die mit den erforderlichen 
Belegen instruierten Gesuche gutachtlich anher zur Entscheidung vorzu- 
legen, in entgegengesetzten Fällen aber sogleich von der k. k. Schulbehörde 
abweislieh zu erledigen. 

Von dieser Verordnung ist auch den Diöcesanbiscböfen Mittheiluug 
zu machen. 

Erlafs des h. Mlnisteri ums für Cultus und Unterricht, 
betreffend das Aufsichtsrecht der bischöfl. Ordinariate 

über den Onterricht an katholischen Gymnasien. 

16. Jänner 1854. 

In folge allerhÖchHter Entschliersung vom 2. April 1822 hat die 
unmilteibare Aufsicht der bischöflichen Ordinariate über den Religion«* 



162 Erläfsc. 

uuterricht ;in kalholischen Gymnasien geiiauerü BestirorounKeu erhallen. 
Voa der Vollziehung dieser Anordnungen, welche noch imiuer in Kraft be- 
steben, scheint es hie und da abgekommen zu sein. 

Es ist mein unausgesetztes, durch widerholte Erinnerungen bekräf- 
tigtes Bestreben, dafs die grundsätzliche Forderung des Orgaiiisationsent- 
wurfes, wornach religiöser Sinn und Geist den gesaromten Orgauismus der 
Gymnasien durchdringen soll, immer mehr erkannt und in Wahrheit er- 
füllt, dafs daher auch der Religionsunterricht das wichtigste, alles durch- 
dringende Element der Erziehung werde, womit die Thatigkeit aller Lebrer 
in Einklang zu bringen, eine vorzugliche Pflicht des Directors ist. 

Um zu diesem Ziele zu gelangen, ist es angezeigt, dafs die von den 
Religionslehrern über den Religionsunterricht abzufafsenden Jahresberichte 
sich nicht, wie es gemachten Wahrnehmungen zu folge mehrseitig der 
Fall ist, blofs auf trockene Angaben oder Notizen, welche ohnehin durch 
die gedruckten Jahresprogramroe zur öfTentlichen Kenntnis gelangen, be- 
schränken, sondern dafs in ihnen nach den Andeutungen, welche in dem 
Organisationsentwnrfe $. 1 12 und S. 203 u. f. in Betreff der übrigen Lehr 
gegenstände enthalten sind, alle bei diesem unterrichte und der religiösen 
Bildung der Jugend sich gellend machenden Hindernisse oder fordernden 
Einflüsse mit Offenheit und Gewifsenhaftigkeit dargelegt werden. Dieser 
Hauptbericht der Katecheten, welchem der Director bei der Einbegleitung 
au das Ordinariat die etwa zur genaueren Aufklärung geeigneten Bemer- 
kungen beizufügen hat, wird einen um so tieferen Gehalt gewinnen, je 
weniger die Katecheten es im Laufe des Schuljahres unterlafsen haben, in 
den regelraäfsigen Monatconferenzen oder nach Umständen in vertraulicher 
Rucksprache mit dem für das Gedeihen der Anstalt verantwortlichen Di- 
rector ihre Wahrnehmungen und Wünsche in betreff des sittlich-religiösen 
Zustandes der Anstalt offen darzulegen und in gemeinschaftlicher Thatigkeit 
die Förderung einer wahrhaft christlichen Bildung zu ermöglichen. 

Das vorgesteckte Ziel der Christianisierung des gesammlen Gymna- 
sialunlerrichtes ist aber nicht nur von dem Religionsunterrichte, sondern 
nicht minder von dem Geiste, in welchem der Unterricht in allen Fächern 
ertheilt wird, abhängig, weshalb auch durch die eingangs erwähnte Ver- 
ordnung der gesammte Unterricht der Aufsicht der Bischöfe unterstellt 
worden isL Diese Aufsicht kann jeder Bischof entweder persönlich oder 
nach Omständen durch einen von ihm aufgestellten Comraissär üben. Einem 
solchen Commissäre wird es demnach frei stehen, bei dem Unterrichte 
ohne Unterschied des Gegenstandes zu hospitieren und den Prüfungen bei- 
zuwohnen. Ebenso wird ihm der Director bereitwilligst jede gewünschte 
Aofkl&rang zu ertheilen, und Einsicht in die an das Gymnasium herabge- 
'i^Bgtan ErliCM zu gewähren haben, damit derselbe zum behufe seiner 
unmittelbtr zu erstattenden Berichte, von allem, was auf 
I religiöfen Zustand des Gymnasiums bezug haben kann , völl- 
ig wlarriefatel sei. Zur Vermeidung jeder unnötigen , und die un- 

htm Wirkfinkeit der Directoren beeinträchtigenden Vermehrung von 



Femoiinh tiiiü NrhulnotijEen* 



im 



^•hreibgesehanen wirti ji?4och jeder schrifüirh^? Verkehr iwjsfheti ihiipti 
ynil den bitehöflicheü Commissdrer» gjin«.lich fu veriaeiilin, und wertJen 
«iJe von diesen js^e^unsohleij Aufklärungen utid MiUhl^jJul^g«ll iUueu aus- 
ictiliefslicFi auf kurzem Wege tu 4*rtheileri sein. 



Periiooal- und Scliuliiotizefu 

(Ernennungen, Beföriierungen und Auszeichnun- 
gen. > Se^ k. k, npasftol. MajrslüL hnbcn mil a. h, Rnlschlif^fNung vom 
18, jHiiner L J. d^m Miiiistcnftlr/ilhe ijo Ministerium für Cullu* und Ln- 
Itrricht. AMdreR!f Meschutar, den Titel eines Bischofei von 8ardrcA und 
dem MiiiiHlerialratHe eben dieses MhiisleriumJi ^ Amtreüs GoMmayr, die 
Tilular Ablci rfe /'fferr in der VessEprimer l»iüceae, leiden isit Wftchsicbl 
der Tiixenj allergnadignt tu verleibeo peruht. 

— Sc, k. k. apoitoL Majestät bab(«n mit a. h* l^nlsctllietiung vom 
5Ö. d. M. di« Resif^rvation des Prälaien d^»« t*rftmoii»1 rsli-nsersUflei in Jmseo 
lur Kenntnis zu nelimen und den Director des üynin^siumB zu Kosenau, 
Joneph üepasKVf zum Coadjutor mit dem Bcehle der E^ricUrolfce in der 
Frslatur de» St i fiel und den damit vereinigten Hropsieien aJJergnädigsi *u 
ernennen i^cruht, 

— Her Wettpriesler und Supplent ana l(. k. tJymnssium tu La i dach, 
Hr. Bta«iu« Kosen n, iat zum wifklicben ü) mnsjiialtelirer an dieser Lelir- 
aostall ernannt worden, 

— Se, k. k, apostoL Majestät ttaben mal a, li. HnlschUeniung >oin 
7- Sept. I.. J. den etiemaligen Professor der Krakauer Universität , Dr. An- 
ton Süafeüki^ als autserordenUichen l^iofessnr der classisehen Pbilotiigio 
in der Universität su tnnsbruck o. f^. wider sntu^ilellen gernhl. 

— Der Suppjent am k/k.Gymuasiunj zu jglau, llr, Kart Weruer, 
ist tum wirkltclien Gymnasialletirer emaunl worden* 

— Se k. k. aposloi* Msjej^tät haLien mit i« li, Eolgchliefsung vom 
IL Deeember 1853 den lleligionsletirer am Troppauer Gymnasium, 
Dr Joseph Hanel, rum ordenllicben l^roft^ssor der Morallheologle au der 
GlmütKer Gniversiläl sKergnfidi^^t tu ernennen i^eruUU 

— Der Suppient am katholischen Gymnasium zu T esc heu, tir, 
Jobann I^lrhal« ist Kum wirklichen Gymuasinllchrer au deri^elbcn Lehr- 
anstalt ernannt worden. 

— Der Suppleiil am akademischen Gyranngium eu Lcmbcrg, Hr, 
Nikolaus HnidVj ist mm wirklichen Gymnasiallehrer am Gymuafiium m 
Giernowitz ernannt worden. 

— Per Suppirut am k. k. Gymnasium zu Czcrnowili, Hr, VVen- 
t«) Re«J, tst £üm wirklichca Gymnasialh^hrer an dieser Letiranslall er- 
DinnL 

— Der Supplenl am kathotisctien Gymnasium tu 1*« u l s c h s u , 
Hr, Atois Jeblicka, ist zum wirkliclien Gymnasiallehrer an derseU>en 
tjehranstalt ern^ntit worden. 



161 Personal- und Schulnoti/en. 

— Der Supplent am k. k. Gymnasium su Kaschau, Hr. Dr. Her- 
mann Tausch, ist zum wirklichen Gymnasiallehrer an derselben Lehr- 
anstalt ernannt worden. 

— Der Supplent am k. k. Gymnasium zu Iglau, Hr. Thomas 
Hohenwärler, ist zum wirklichen Gymnasiallehrer am k. k. Gymna- 
sium zu Kaschau ernannt worden. 

— Der Supplent am k. k. Gymnasium zu Agram, Hr. Matthias 
N e s i d , ist zum wirklichen Gymnasiallehrer an der dortigen Lehranstalt 
ernannt worden. 

— Se. k. k. apostoL Majestät haben mit a. h. Entschliersung vom 
23. Novemb. 1853 den Schulrath und provisorischen Inspector der Volks- 
und Realschulen in Böhmen, Joseph Wen zig, zum wirklichen Director 
der k. k. böhmischen Realschule in Prag a g. zu ernennen geruht. 

— Der Supplent an der Prager Böhmischen Oberrealsehule , Hr. 
Joseph Erben, ist zum wirklichen Lehrer an dieser Anstalt ernannt worden. 



(Auszeichnung.) Der berühmte Orientalist, Hr. Hofralh Joseph 
Freiherr von Hammer-Purgstall, Verfafser der Geschichte der Os- 
mauen, und Begründer der orientalischen Literatur in Österreich, hat von 
Sr. k. k. Majestät in allergnädigster Würdigung seiner Verdienste, das 
Gommandeurkreuz des Leopoldensorden erhalten* Desgleichen ist dem 
k k. Rathe Vincenz , Edlem v. Rosenzweig, in Anerkennung seiner 
verdienstlichen Leistungen als vormaliger Professor der morgenländischen 
Sprachen an der k. k. orientalischen Akademie sowol, als im Gebiete der 
Literatur der Orden der eisernen Krone Hl. Classe verlieben worden. 

— Se. k. k. apostol. Majestät haben das von dem wirklichen Gym- 
nasiallehrer am Gymnasium zu Marburg, Rarl Heller, verfafste und über- 
reichte Werk: «Reisen in Mexiko* mit allergnädigstem Wohlgefallen 
entgegenzunehmen und demselben die goldene Medaille für Kunst und 
Wifsenschaft zusenden zu lafsen geruht. 

— Se. k. k. apostol. Majestät haben das von dem wirk. Gymnasial- 
lehrer zu Marburg, Dr. R. G. Puff, verfafste cTaschenbuch für Ge- 
schichte und Landeskunde der Steiermark* wolgefällig ent- 
gegenzunehmen geruht. 

— Dem Professor der Geschichte am königl. bayer. Lyceum tu 
Aschaffenburg, Hrn. F. J. A. Schneidawind (vgL Ztschrft. f. d. öst« 
Gymn. Jahrg. 1852. Hft. IV. S. 334) , ist von Sr. k. k. apostol. Majestät 
der Orden der eisernen Krone 111. Ciasse verlieben worden. 

— Dem vaterländischen Dichter, Hrn. Regierungsrathe J. L. Dein- 
hardstein, ist von Sr. k. k. apostol. Majestät allergnädigst gestattet 
worden, das ihm von Sr. Majestät dem Könige vpn Bayern verliehene 
Ritterkreuz des Verdienstordens vom heiligen Michael annehmen und tra- 
gen zu dürfen. 

— Se. kais. Hoheit der durchlauchtigste Erzherzog Ferdinand Max 



Personal' uihI Schulnotijceti. 



1« 



hab«n dem Dr. S. FL Mosenlhal für die Widmmig der von ihm heraus- 
gegebenen Samintuiig : aMüaeutn aus den dcutschea IilchlungeD 
dsterr. Lyriker und E^piker der frühesten bis stur neue* 
»ten Zeit" eine prachtvolle Busertnattej idÜ der hoehflen NameuäehifTre 
in Briltantcti lUfitellen lafsen. (Loculbl. d. Wr. Zrg, v. 31. Dechr. 1B53. 

m. 312.) 

(öntertlülznng cinea Gymnasiunas.) Hr. Frani T a r i , 
Domherr an der MetropoHUnkirche ku KaSocsa hat am jüngst ver- 
flof^enen Geh urlsfeste St, k. k. apostoL Mcije^läl (IS. August IS&3) den 
Fonds des Gyrauaaiums tu Kalo«^sa mit 2000 fl. CM. vermehrt. 

( E r t e d i g u n g e ri, ) Zur Widediesetzung einer am P r a g e r Alt- 
»lad ter Gymnasium erledigrt^n GymnasialkhrersleNe wird (unterm j, Dec 
1853) der Concors auf 6 Wochen mit dem BeiaaUe iiusge^chriehen, dafs ea 
sich bei die^r Lehrerslelle s^unächst um die Vertretung dea hohmisfheri 
und deutschen .SpraehfJiches hamielL Die Competenleii haben vor ;dleui 
die bei vorMchriftsmäfsijOjer PrüTung aus den genannten Lehrgegenstaü- 
den von der k. k. Gymnasial Prürungs^Commifsion erhaltene Aporobation 
itaehmweisen , und ihre gehörig in>*druierten Gesuche bei der k k. Landes- 
üehuJbeharLb für Böhmen einzubringen^ (Amtsbl. 2ur Wr. Ztg* v, 31* 
Decbr. 1&53. iNr, 312.) 

— Mit Beginne des 2, Semesters 1. Schuljahres kommt die Lehr- 
kaniel der Chemie an der k. k. Oberreafschule zu Lins in Erledigung, 
Competenten um die^e Stelle , (welche nölhigenralls vorlänllg auch von 
einem Supplenten mit der Substitut ionsgebiiUr versehi^n werden könnte) 
haben ihre gehörig instruierten Gesuche bis 16. Februar d, 1« bei der 
Laodesschulbeborde Linz eu iiberreichen. (S, Amt^ihL lur Wr- Ztg» ?, 28. 
Jänner L J, Nr. 24,) 

— An der k* k. tJnterrcalsehule eu Troppau ist die Stalle eines 
Lehrers für Geometrie nebst Zeichnen und Baukunst ^u beselzei». fiie ge- 
hörig instruierten Gesur^he sind bis eiim 20. hlärz L L bei der k. k. 
sehtes, lAndessehu&behörde einzubringen (Amt«bL Kur Wr. Ztg> v* 5, Februar 
L J. Nr. 31.) 

— Ein von Johann Georg von Slein^ gewes. Sladlrathe in Wien, 
gestiftetes Convictsslippudiiim im j&hihchon Betra^ze \on 170 fl- C^L, d.is 
während der g.iniun Studienzeit dauert, jedoch mit der VerpHichlung, die 
Studien m Wien «urüekiulegen, ist vom 1* Scmesler des Sebuijahres 
185^4 an tu verleihen. Zu dem Genufse desselben sind Euvorderst Söhne 
dirr Wiener Magisirntsfäthe , der Magistratslieamlen und emeril. Bürger 
berufen* Die Bewerber hal>en ihre gehörig instruierten Gesuche bis Ende 
ianyer I8ä4 bei der k. k, n, ö. Slalthallerei einzureichen (AmlsbL zur 
Wr< Zig. vom 3. Jänner L J. Nr 2.) 

— Im gräflich Löwenburg' sehen Convict in Wien sind 2 freiherrl. 
V. K i elmannse gg'sche Stiftun^^plätze erledigl , doren Genuf» bis zur 
V'olit<nduiig der ß. Gymnasifdclasse dflutrl. Anspruch darauf bsbrn vor/ugs- 
«-«iftf Verwandte des Stifters, in deren f^rmangelung niittelto«e, bi^sondt-rs 



I6(t 



fersoual - und SchtrlnotiKen, 



aus Weatphalen gebürtige, Waiaen, nach errekhiera 6. und Tor über- 
schrillenein 14. L«b<;nsj,ihre. Die gehörig instruierten Gesuche sind bii 
15. Febr. I. J. iler k. k. n. ö. SUtthaLterei zu überreichen. (S, AnitsbL lur 
Wr, Zig, w. 18 Mnner I, J. Nr* 15 ) 

— Von den, Kiut Erlafses dei h. k, k. ftllnisteriums Tur Cultui und 
Onlerrieht vom 19* l>ec. 1853. Z. ""'Atot *"» f^^" J"^""). Kinkunfl^n der 
Alhänas B a H a '^jchüii Stiftung f^ebttdeten Sliriung.^|i1.it9Een sind 3 mit dem 
jährL Stipendium von 60 fl. CM* auch für GymnaÄialsebüler, Tvelebe dem 
gf. n. u. Rilus angehöreii, eur Bewerbung ausgeschrieben* ($* Aiolablatt 
Eur \Vr. Zig* Samsiag, v. 38. Jänner l. J. IVr* 24*) 

— Em Tür die gAnxe Slndienzeit dauerndes Chris Ban'sehes Sti- 
pendium im Betrage von jätiHrcben 200 fl. CM. , bei dem Übertritle in 
die höberen FacuUätsiludien, wenn die Fondsmiltet Ausreichen, auf 300 II. 
erhobt wird, ist £u besetzen. Es ist gestirtet für soiehe» weiche entweder 
kathoK ConTertil«n sind, oder ?on proteist. FJlern unmiUelbnr abslammen 
und lintboilken sind, oder balholiKcb und in proteit. Ländern geboren 
worden aind. Die gehörig instruierten Gesuche sind bis 15* April L J* 
bei der k* k. Landesscbullichörde Lim zu öberreichen (Amlabl* zur Wr. 
Ztg. T. 9. Febr* 1. L Nr. 34.). 

tTodesfäHe*) Am 20. April 1S53 starb m PeLenburg, Br* Ferd* 
Andrejevitsch von Oettinger, durch historische Arbeiten (Lebensbe- 
BChreibnug der Zeilgenofsen Kalharina's IL), geschichtliche Bomane, Über- 
setzung von Kotze bue*&chen Lustspielen u. s* w. bekannt. 

— Am 23* Aprii 1853 starb eu Naumburg an der Saate der k. 
preufs* geh* Regieritngsratb , Hr. K* PeL Lepsius, durch verdienstvolle 
Arboiten im Fache der sächsischen Gewehr cbie uud durch Schriften über 
deutsche Archäologie des ftfiltelalters, Biiukunst u. s* w* rnbmhch bekannt 

— Im April 1853 starb zu ßrsunscbweig der deutsche Hotnauschrifl* 
«teuer Aug. Leib rock, als Inhaber einer Leihbibliothek, im 70. Lebensjahre. 

— Am 1. M.-ii 18^3 starb zu Idstein im tierzoglum Nassau der 
hfri» Oberschulrath, Dr. Fr* T. Friedemann (geb. zu Slotpen im RÖ- 
nigrtich Sachsen am 31. März J793) als Philologe Pädagog und iliatoriker 
bekannt Namentlich haben seine sParänesen für studierende Junglinge* 
4 ßde, 1827-28, 2* Auß* 1837 fT., «Deutsche Scbulredeu* 1829 u, m, a* 
im ßereicbe der Schute nAcbhatligen Nullen gi/stifleL 

— An> 2. Mai d J. starb zu Leipzig der geschätzte Naturbisloriker, 
Prof. Dr. Chf* Fr. Schwägricheu (geb. lu leipiig im J. 1776)* Senior 
der medic. Facuttat daselbst. Das Lehrgebiei be^titzt von ihm einen .Leit 
faden zum Vortrage der allgem* NaI Urgeschichte.'* 2 Thte* 1803* Nament- 
lich hat er über die Moose wertb volles theils geschrieben, theils edierL 

— Am 1t>* September 1853 starb auf drin Sihlufse Uttfishausen im 
CaDton Tburgau der deutsche Novetltsl, Ur. Lduard v. Hiitow. 

— Im October 1853 starb zu Paris Elr. August Stint-Uilaire, 
Mitglied der Akademie aus der botanischen Abtheilung, 

— Am 30* November 18ö5 starb su P-^via Itr* Dr. (iiusef pe Mo- 
r e 1 1 i , eniunt. Piorcssor der Botaujk an der Luiveri^Uäl zu Pavia* 



Persona!* um! Kchut nötigen. 



m 



— Am Ö Deeember 1853 sUrh llr, I^r FraiiK (JÖIIer, gew. Pro- 
fessor am kftlhoL GymnaBiura ^u Co In (g(*b, ru Bnmlierg in drn neiinii* 
^er i.ihren), bt.'katiiit durch soine kriljschen Aui^g^beii des Tbuc^dlctes, 
Plaulys u. a.^ so wk durch seine griechiarhe Dielrianhe Cbf^rseUung der 
römbcheii Elegien GoeUie*» und ciuieloer Bruchilucke aun den vorzugüch* 
ilea deuUfshetj Okhteni. 

— Am 10. (Jecember 1853 «tarb zu Mailand Hr.]Tommaso Grosii 
(geh, 1791 ?.ii Mflilaud), eiiier der nuSjuie^teif^hiieUten neueren Üicdter IIa- 
betis» Vtrfafser dr» Drama'« „Maria VKscouli*, von (tlldf«^onilA" , «Ülricc» 
und Lidn*, des Ht'hlengt,'iliehteft i ^IMe Lombarden im L Krt'UKätuge" , dei 
RüiuaNeii .«MAria Vtf^canli" u. m* a. 

— Ami 16* Decbr t853 slarb tu Hannover der It. hannovr, Sohul- 
ralh. Hr. Dr. il. F. iiro tiefend (jteb. lu München am 9. Juni 177rj)^ 
auspetejehiiet durrb srine For^^chun^eu über Pa^iigraphier Keilschrift, uin- 
briiiclie oud o^krsfh*? Spraehe » m* wre iiber die Geographie von Ali Italien^ 
Pur die Schute bat er dureh seine Umarbeilung von Weuck'i lateinischer 
Spmehlehre und seine «tAtirangsgrunde der deutschen Prosodie« 1815' ver- 
djenaUicheü^ gfleii^let. 

— Am 2, Janner f. i, starb ^u Breslau der gelu Archjvralh, Ffr. Dr, 
GüsL Adolf Haraid iiitenitel (geb. am 21. Mar?. 1792 zu ZerbaU* ^^oL 
der itesehichte jeu Breslau, der Ver/. der f refflieben a Geschichte Deutsch- 
tands unter den rrankiscben lAisern".. 2 Bde. Leipzig, 1837 — 28, der 
«GeiehJcbte Preufsens» 1, Ud. J830^ des Leitfadens ^rfrundiirs und Lile- 
r«tur zu Vorlesungen über deutsche Staats- uud Rechlsgeschichie*. fire&lttip 
tS32 u. m. werihvoller hlsjori^icher Quellenschriflen. 

— Am 5. Jänner 1854 starb zu Breslau der in der literarischen Welt 
durch sein «Leben Leibnit/enii^ und .veine literar-hi^t. Studien zu Lefsing*« 
^ebrifteu rühmlich bekannte Profei^tior an der dortigen Universität, Hr. Dr. 
Gottischatk Eduard Guhrauur (geb. am 13p Mai 1809 lu Boganowo im 
Grofsber^ogtunit! Posen). 

— Am 6. Jänner 1854 starb ku Gotl Ingen der geheime Jnstizrath, 
Traf. Dr, Chrisloph Wilhelm M i l js ch t rl i ch (geb. am 21). Seplbr. 17Ö0 
zu Wfifüeusee in Thurin^t ii) , t^in aun^iKeictmelef ki'imer drr claj^siscben 
Literalur« wie seine ^LecHontn in aifulinm et Propertium» (Göltingen, 
1786), »*'ine Ausgalie ile^ Homerisctien ^HymnyM in Cererem^ (Leipzig, 
n87) lind vor allem sein Comroeniar t\M Horai (Leipzig, 1800 — 1801. 
2 Rd^.) bezeugen. Selb«t in späleren Jahren noch gab er durch i^eine 
kTilischen ?irichlesen zu Theokril und HoraE lieweiae seiner ungeÄChwäch- 
len Thiligkeil, 

— Am 31, Janner 1- J. starb zu Turin der bekannte itatianische 
Dichter, Graf Silvio PelHoo tii" J- 1789 lu Saluzzo in Piemoni gebo- 
ren K tJ<5«' Verf. des Trauerspiilea nFrmueMCa da RfmM'^ und anderer 
draraaUseher Werke, so wie der Grschichle seiner eigenen Haft, unter 
dem Tilet: uLe mh prtgfoni*. Pariu, 1833 Sein© gesammi^Jten Werke 
^r&cbitiueu zuerst zu Padua, 1831» in 2 Bauden. 




Vierte Abtheilun^. 



Miscellen. 

Bemerkungen w der Btaiiiiischen ÜbersiclU über die öeterr. Gymnaeimi 

GlassificalioD, Schulgeld. 

Die in dem ^vorjährigen letzten Hefte der Gymnasialzeitscbrift mitge* 
theilte statistische Übersicht über die öst. Gymnasien am Schlufse des Schul- 
jahres 1853 bietet Stoff zu vielfachen Betrachtungen, auf welche die Ver- 
gleichung der Zahlen führt, und die der Zahlenangabe vorausgeschickten 
Bemerkungen hinleiten. Es möge gestattet sein, zwei Rubriken herauazu^ 
heben: die Classification und das Schulgeld, und zwar aus denn 
S. X, 4 angedeuteten Grunde unter Beschränkung auf die Gymnasien der 
deutsch-slawischen Erblande. 

Das Gesammlergebnis der Classification wird an dem ange^ 
führten Orte nach den Verhältniszahlen in Bezug auf Reife und Unreife der 
Schuler für die höheren Classen kurz besprochen, und die Ziffer für die Ooreife 
der öffentlichen Schüler auf 207« gestellt, unter der Voraussetzung, dafs 
von den 67« der ohne Zeugnis gebliebenen die Hälfte durch Widerholung 
der Prüfung die Versetzung möge erwirkt haben. Die Voraussetzung ist 
hoch , und man kann nicht umhin , eine Ermäfsigung der Ziffer zu wün- 
schen, wenn man die einzelnen Zahlen betrachtet. Es wird jedoch zu 
unterscheiden sein zwischen den kleineren und den gröfseren Zahlen. Dafs 
zwei oder drei nicht classificierte Schüler zu Widerholung der Prüfung 
zugelafsen werden, und dieselbe mit Erfolg bestehen, kann, wenn es ge- 
schieht, ganz in der Ordnung geschehen; und eben so wenig wird es auf- 
fallen, wenn dicfs von sechs bis zehn einigen, etwa dem dritten Tbeile, 
nach Umstanden auch der Hälfte gelingt ; so dafs rücksichtlich der kleine- 
ren Zahlen die obige Voraussetzung auf nichts sonderlich abnormes zurück- 
wiese. Je höher aber die Ziffer der nicht classlQcierten Schüler steigt, 
desto niedriger wird im Verhältnisse zu dieser Ziffer die Zahl derjenigen 
sich stellen , deren Reife in der widerholten Prüfung wirklich sich erwei* 
sen sollte. Die Gesammtzahl der Schüler eines Gymnasiums kommt hier» 
bei gar nicht in betracht ; denn es bleibt immer die Frage : wie viele voo 
einer bestimmten Zahl solcher Schüler, welche das erforderliche in zehn 
Monaten nicht vollständig zu leisten vermochten, binnen sechs Wochen 
das noch mangelnde nachzuholen im stände sein werden; und diefs wird 
sich, alle Rücksichten erwogen, immer nur von wenigen erwarten lalsen, 
wie es anderseits natürlich ist, dafs mit der steigenden Gesammtzahl der 
Schüler auch die Zahl der zur Versetzung unreifen im allgemeinen zu stei- 
gen pflegt Wenn daher die Zahl der nicht classifieierten Schüler an man- 
chen Gymnasien bis 30, 40, 50, 60, 80 und 96 betrug, so darf man, ab- 



ht IS Collen* 



im 



geteheti von dem Vcrhattniase dieser Ziffern «u dsr gerammten Schukriahl 
lVi> V, t V,, V», ja ««ibat V* der GeaamioUabl uiU Auüsdiluf» der 8. 
Cla«geX wol aDüehmeti, man werde ntcbl der Hälfte dersellen die Wjder- 
holung der Prüfung bewilligt habeo, schon deswegen nicht, weil all/.u 
leichle WilirährigkeH hierin als Vorschub Tür SflUPiseli^Uil nicht ohne 
Folgen bleibt i und weuu dn Theil, etwa '4 li« Vi*» die tlewilit^ung er- 
hielt, so verslebL e« sieb von selbj^l, dafn danu diu Verseizuüg ejdl von 
dim Er^ehnis^e der Prüfung abhicn^, 

Uafi die für BcurtlKnlung der Reife voigescbnebene Strenge auch 
Emi den Widerholungsprüfungeu und selbst iscboo riicksicbtlich der Zu* 
lafsung lu denselben ajigemem Werde eiugebalteö werdfii, sollte^ Kumsl 
nach den Errabrmigen aui^ friiheri^n 2eiLeu her, bei den ganz geäudertu^o 
gegen waH igen ViThaltniä^en ^ar nicht zu bezweifeln sein EliemaU Däm- 
lirh war Wklerbolung der Prüfung zwar nicht gesttillet; nbt^r für jene 
Scbuler, welche mnn von der ötfi^iitlrrhen PrüTung ft^rn lu halten iirsachd 
littt«r fand vor derselben (nn vielen Orten nach derselben) eine deshalb 
iogenannte Vorprüfung (iSachprüfung) »Utl. Die an sich auf gulen Giün- 
den beruhende Einrichtung führte »iluiaUlich dahin, dafs in den goilrucLtrn 
CJaisenver^eiebnisj^eu unltT 6Q bis 80 Schülern ort kaum 2 udcr 3 ntif 
eftter zweiten Foilg^ngicIaKHC gefunden wuriten , während an der olfeiii* 
liehe» Prüfung kaum iIIhm' 3ü Uh 40 » nicht hellen kanm über ÜO U eil 
genoroiuen hallen, l>ie Fotgen dienet britcheinung lur da^ innere f^clul- 
Wesen konnten und niuTsLen damals verdcckl bk'jbcn, ueÜ die Thäligkeit 
der Schule haupl sachlich ntir nach dm ÖITen{üchen Prüfungen beurlbi'ilL 
wurde, und dieser MfirMSlab der Reurlheilung auch für die oberste (ö.) 
Classe des (jymnasiums galt; deito gn-lier traten sie frcitlcb in den phi- 
losophischen Studien hervor. Heutiulage aber sind die Fordet ungen an 
da^ G^tpuasluoi sü bciüefsen, dafs jcile Cla^e ihre Jahresau Tgabe voll 
ilandig löfien» demnach dir Schüler reif für den tnlerrichl in iler höheren 
i (Ilasse enllafüen muh^ wenn nicht iliese hinter ihrer Aufgabe und das 
Oymnasiuni hinter seinem Ziele zurückbleiben goll Durch Verseixtmg 
mehrerer unreifen Schüler wurde demnach die Schide nur sich *eU>8t eine 
Bürde aufladen , deren schUppeiKles Gewicht ihren Fori gang heoimün 
mut^e; durch Nachsicht mtl einzelnen unreifen *S eh Cd ein «her haue sie 
vifen dieselben nur ihrem dcälo gewisseren Verderben überlieferl. 

Eine Verkennong des Zweckes t\er VVn!erhohjng«prrifuDgen in der 

mit den ehemaligen Vorprüfungen erlebten Weise sollte auch deshalb um 

•o weniger zu besorgen sein, weil der Org. FI, im 5. 73, 7 dieselben nur 

ftUinalimsweiie gestattet, und unter Bedingungen, welche nicht mh 

f verslanden werden kiinnen. ^ach diej^n Bedingungen ist die ffe willigung 

tu Widefhotnng der Prüfung bei entschiedener Reife aus allen übrigi'n 

i GegenstÜnden auf einen eiiuigen Gegenstand zu beschränken , in so fern 

lili© Leistungen in demselben nur bi« äu einem gewissen Grade ungenügend 

[waren, demnach weder auf mehrere Gegenslände noch auf Fälle gröfserer 

Und binnen sechs Wochen nicht ersetzbarer Mängel in einem Gegenstände 

auszudehnen. Die Bewilligung zu erlheilen, wird ferner dem Lehrkörper 

frei gestellt, nicht als ob er willkürlich zn handeln hätte, sondern weil 

er die Zullfsigkeit der Prürnnjf mit Bücksicht auf Disciplin und riallung 

jdef ganzen Schule, gerüde wie bei Anträgen auf Hispens vom Erlernen 

[des Griechischen im Untcrgyuniasium , wol zu erwägen haL Uenn es 

[lomien Omstämle (z. B, üntleifs, geringe Theilnahme für einen GoRenslümn 

Lilie Erlheiinng der ftewiUiguni? geraih-zu verhieten* Und da über die Cnn- 

llerenzvrrhandlnng ein Prolocoll aufzunt'^imen i»U so roiifsen die Nwuien 

[der Schüler, denen dip Widerhnlung der iVürung erlaubt wird, in dem 

Froloc.olle angefuhrl weiilen; wur.nrs folgt, dafs nach ge^iehlofmuT Con- 

^«»ii^clirirt rar 4ir i'mvrr Q^m». iHäi» II. Htfu | ;£ 



no 



Miflcellen* 



fereiiK, in der doch alle ScbüJer genau bcurthcill «erden murüen, oder 
gar nach den Ferien eine Bewilligung von dem Lelirkorper nicht nsehr 
erlheilt werden kann, linilUch isl die wiilerholle Prüfung vor Bc^iUfi des 
neuen Schuljahr«^» abzuhjillefi, und nach günstigem AushU derselben d^e 
Verdetsuug des ärhüLers nicht ohne wejleres, sondern »uf Bernthung in 
einer abermMigt^n Conreren'^ vorxunuhmen. 

(lewl^s wüto 08 wjclilig, über dieses ZahJenverhällnift iu der oächsleu 
StaLisli^cben Ü^ier^JehL sicheren Aurs^cUlufs tu crtifilltn, und es fiollk «ol 
auch iiichl-^ pni^t'^ensU^heii; dci^n da dvm U-hrkoiper am Scblufse ik» 
Scliuljabres die Zahl der £ur W iderhojuitp der Prüfung beslimmien ^cbüler 
berciLs bekannt si^in mufs, so köinde v» keine Sehwierigkeit faaben, Vit- 
iiis^&lKUA tVwsG 'IM sogleich von der Zabt der unverseUbaren Schüler ohne 
iSougniäicIaise für die Übersicht in der GymnaäiaUeiUchrifl zu unterscheid 
den p wenn schon nicht auch da» Resultat der wuleihoUen Pnlfungrn am 
Anfange dis Sebuljahref^t wo dasselbe dem Lehrkörper cbenfaUa bekannt 
läl, angi-zeigt werden kaiuu 

D'irfle man alle Sehüler ohne ^(«ugnisclasse zu den nicht verseUlen 
slhlen, so würde mit diesen und deti in die 2, und 3. Clause verfaheiieu 
die Zahl der unreifen Schüler au den einzelnen Gymnasien */» bin V| t an 
einigen nur */,„ bis V,^ von der Gesammlzahl der Schüler mit Ausscbluf» 
der 8. Clasae belrageu. Aulseniem weist von zwei Gymnasien mit einer 
geringen Schüler^ahL das cnte Vi,* das andere gar keinen unreifen auSi. 

Diefii von den öffentlichen Schülern^ denn in die VcrbältnisKe der 
Privatisten einzugeben, gibt es kaum irgend Hichere Anbaltspuncte. Die 
ohiiö Zeug ni sc lasse? sind wol für ungeprüft tu nehmen. 

Von den reifen öffentlichen Schülern umfafst die Vorzuggclasse % 
bis Vti die erste Cla.^se scldechlbin demnach '/t bis Vi^ l>ie Ursache des 
f'ntersehiedea der Zitier an den veri^cbiedeuen Gymnafiten kann in der ge 
lingcren oder gröf^eren Leistungsfähigkeit der Schüler, aber auch in der 
verschiedeuen Auffafsung der ßcslimraung über die vorzugliche Reife S, 189 
des Or^an. E. gelegen haben, 

JDber das Schulgeld wird S. XII gesprochen , und die ZM der 
¥011 dieser Leistung befreiten Schüler in den deuläcb - slawischen Erb- 
enden auf nahejtu ein Drill el der gesammlen SebülcrÄahl berechneL Die 
clnielnen Gymnasien belraflilel» steigt dieses Verhällnis!^ von V^ bis ■ '/^^ 
der Gesammtz^hlf und wechselt nicht nur innerhalb der einielnen liron- 
lande r (i. B, in Böhmen von V« bis V,), sondern auch in einer uud der* 
selben Stadt (Prag V^ und '/, , Wien Vj, V^ > V,, '/,,)- Als einzelne 
Ausnahmen erscheinen die Gymnasien zu Werau mjl V,„ und zu Juden- 
bnrg mit V^^, dann die Gyinnatiien zu Bozen und Trient, die knnen be- 
freiten zählen, und jenes zu Hall, wo (vielleicht nach einer besonderen 
Bestimmung für dieses Gymnasium) alle 63 Schüler befreit sind. Dafs an 
vier Gymnasien (Krems» BoKen, Roveredo, Hall) auch Privat islen die Zah- 
lung^berieinng geniefsen^ mufs wol ebetifaBs auf besonderen Bestimmungeii 
beruhen, da das Gesetz Privaltslen von dieser VVolthat ausschliefst. 

Onenbar hat die Verschiedenheil des Ausmafses der Befreiung in 
örtlieben und individuellen Verhaltnissen ihren Grund , wobei auch di^ 
gegen w^artig herrschende Theuerung aller Lebensarlikel gewviss mit in an- 
sehtag zu bringen isL Man darf sich indessen nichl verhehlen , dafs das 
Kehulgeldgeselz n^ieh keineswegs jene richlige Würdigung bei den Schil- 
lern und ihren Kllern gefunden hif, ohne welche der Zweck de.ssetben 
r-iu sich uutl in Bezug auf die m«r;jtisehe Wirkung des Gesetzes unerreich- 
liar bleibl. Ich sehe hierbei vofi den Zahlen ganz ab , und bemerke nur, 
dafs die Zeit tou anderlhafb Jahren viel zu kurz ist, um sich zu t/inschen^ 
die alteinirewnrj^eJtfn Ansichten, ^nmal ila e» um Geld sieh handeir, sfijin 
berisiU ausgerottet; und dnfs <j^ der srngfältigsten Aufiuerksamkeil erst 




»liiTiiliJirh iinrh inhimi gölirigmi kniiii, die riülitigu Überzeugung £ur Üel- 

Es kauD aber so wo) bei den Anträgeu auf Befreiung aJs bei der 
Kutacheiüurig über dieselbe mancboit ab unbedeutend iibti sehen werden, 
WÄ9 für den Zweck sehr wichlig ist| und «jolche Verseben sind uuver* 
lueidlich, wenn mm\ in der Befreiung nichts weiter erblictl, ctjs die En- 
tartung der Zahlung. Lcirhl mag dann für Fäjie , in denen die Erbebung 
der Wahrheit schnfierig isl (und solche gibt es iiicbL weni^e)^ der A^usweg 
iü dem Gedanke« sieh darbieten: «es beireffe ja nur 8 (12) iluldeii, und 
der Stallt werde durch diesen jährliclif^n Verlust rijelit ärmer werden." 

Eine der Redingungen r,nr l^rlanpung der ßefruitiiip isl, dafs der 
Schüler In ßeiiehunp auf Fleifs, Aufmerknamtcit und Sitlen d^a beate 
leugnis aufwei^e^ Soll dieser Bedin^un^ streng nach dem Wort ausdrucke 
entiproehf n werden^ so wird die Z.dil dt'r befreileu keine sehr hob« Ziffer 
«rreichen; denn z.H. ein eifriger Fteifs gäbe auf Befreiung keinen Anspruch, 
sondern nur ein sjebr eifriger, Weini aber schon diese strenge [Inier- 
Scheidung nicht geraadit wird, so isl wenigstens sö viel klar, dafs di^ 
feeringste Ehltikel in Beiuß, auf das Verhalten {z. ß. ziemticb anhaltend) 
moü der Erlangung der WtillHat ausschliefsr. 

Die »chwierigüte Aitfg?ibe ist die Erforschung der Vt^rmogensumslände 

der Schuler und Ihrer Ellern oder aonsligen Erhalter, Hier galt e« vor 

alleiu, dahin tu wirken, dafs an die Stelle der früheren gewöhnlieh nur 

alUemein gehaltenen Mittel losigkeitSÄCUgniss© voilständige Zeugnisse nljer 

die wirklichen Vertoögcn^ Verhältnisse träten. Die alte (icwohiilieit zeigte 

sich auch in diesem Puocte sehr zähe, und die Anordnung, dafs jedes 

derartige Zeugnis eine nneh Erfordernis geseUlich tieLhinbigle pjacb Weisung 

v1e»i Vermogenszust arides nach Cnpitat<iwer1b und jährlichem Einkommen 

l'tnl halten mufs, wird rmr dadurch allmählirh auÄnahmsloi Krafl gewinnen^ 

►dafs unvollständige Vermögenszeugnisse jncht berüeksichUget werden* 

[ Der Lehrkörper prüfl die iVachweiisnngen unter Vergleichung mit 

hieinen eigenen Wahrnehmungen über die Verf1äl1^is^e und Erhalt ungi^mitUvl 

der Biltsldler; in dem Ergebnisse dieser Prüfung snwol als der Benrthei* 

lung des Verhallens und der Leislnngpn findet jeder Lehrer nach »einer 

Olherzeugung Gründe fijr oder gegen den Antrag; für diese iudividuclle 

J kufi tu begründende ÜherKeugung besteht die iVnlocollsruhrik ^Meinuii' 

fen der einzelnen Slimmführ enden*" In dem tabrllarischen Protocolle wird 
ei jedem Schüler rugleich der etwaige (knufs eines Slipcndiirms oder 
Irint^r sonstigen tlnlerslülznng, und in dem Berichte die Zahl der bereits 
[ befreiten Schüler der Lehranstalt ersichllieh gemacht. 
I Di© Erledigung der Gesuche er.'sl reckt sich in Fällen der Abwetsnug 

►nicht nur auf die Angabe der Trsachen , stondern auch auf weitere Wci* 
[tmigen, welche für den raorrilischen Zweck nolhwendig erscheinen und 
unter Voraussetzung dieser [Volhweiidigkeit niemnlft fM nnlerlafsnn sind. 

Wird diefs alles mit der sorg1ällrg?4lüvi Genauigkeit eingehalten , so 
werden sich noch immer Schwierigkeiten genug Unden, welche zu beson- 
derer und unermildeter Wachsamkeit auirordern^ 

Troppau. Ä. Wilhelm. 



Lilerafische rfotizen. 

Über die neuere mythologiücbe Literatur gibl in den 
N. Jahrb. f* Phil. u. P;ülag. LXVHl, 4. S, 378 ff. der gm-hritzte Fnrsrlier 
auf diesem Gebiete, Dr, L, Prolior ciue inlcressaule tjbcrs^icht , welche 

12 ♦ 



m 



MiscHlen. 



zum Iht'il Uie^ültien S>cljrifU*ii iielrUlt, üie iti ilie«c-r Zlsf^^lir. 1^53, S 808 ff, 
aügv£i*^L wurden, — j, l>ns «I/muJöt/cA der Heligim mtä IKyihoißgie 
der Griechen und Römer mu //. 1^. Stoil, 2, Aufl* 1B53,'* dusüfii t^rste 
184!^ i?rüchii^iieht< Aullage .-vuch in ila^ ttäuli^ehe und engtische üherst^Ut 
[Ist, wird als ein pidklisjcheji Buch ßelobL Kur2 uml bündig» auf das nller- 
liioUiweiii!ig'*<e sich hcschratiki-nil, UüIh* der Vf. doch immer noch ein lebeudi- 
I geü und rüLchliviUUi^s itild m geben ^ewuTnl ; üu.souder» »ei die Anordnung 
tu loben; diij AuHWiihl der illii^trk-rejideu tliUler ^ird ^U gt^i>ehicki um! die 
I Ausführung der Kupfer als ftchl ^ul aucfkatinL Fiir eine folgende Autlage 
vird besonders der Wunsr^h auMgc^-sprodu^n, dafs der Vf. sich nicht so unb^ 
liliu^t der Mülier'iJcheii Scbuk% als deren Zöglini? man ihn erkeniie, ansrhbes- 
fsiti mochte. — 2* JHusirierUi Tmckenitärief^uch der Mythologie mn 
\ Johannes MinckwH^, 1852, 679 S. Iß.** Die Vorrede s| »reche (t^blicLe 
(Vor^üt£e aus, aber lUe Au^fuhrun^ slinime d.imit wenig überejn, und d^s 
[öanKö mache gar sehr den Eindruck der FabrikarheiL Der Vr scheine 
[ «ich begnügt £u haben , den in den gangbarslen Üandbüchcrn gegebcnf^u 
[Ijloff mit einiger Rhelonk su nberarbeilen , wobei die Sagen oft durch 
|«ind gi9vvb>ie Breite der SrEahlung »ehr geüUei^ babtin; manche Stellten 
[leigeti, dftC» sich der Vf. mit der MytholoE^ie nur auf »«'hr obernacbliche 
'Weise eiß^elafsen habe* — 3^ ^Die Iteligißn der Heitenen u s. w. ron 
W. Fr. Rineh \, Theil. 185S. 368 S. 8.» Der Kec. erkrnnl an, iNfs der 
Vf., indem er es n nicht eigenl lieh auf eine Mythologie, sondern vieJiuehr auf 
eine Art von bcidniacber tkUgionslehro nach tbeologiAchen und chrkllicb 
[dogmati riehen Gi'ifichtäpuiicU-n abgesehen'^, einen würdigen Standpunct 
[bei seiner Arbetl eui genommen, und ein© ehren werlhe Absicht durch die- 
Uelbti verfolgt habe; aber die Ausfrdirung entspreche der Absieht nirbt. 
[Der gröfale Theil der Mythen aei auf eine wundef liehe Weise verxerrl^ 
l^er Vf. bewege sich bei diesen tjidersuchungen mit dem auffallendsten 
lüngCMchick, und verfalle bei allem ßeiniihen , den Inhalt der Mythen i^u 
I vergeistigen f in eint-n ^o derben PragmaliNmus und Kuhemerismitfi, dafs 
[itwas ähnliches in gesenwarliaer Zeil nicht leicht vorkommen möchte. 
IVon der Willkür des l^lymoloj^isierens werden einige auttalleitde f^roben 
[gegeben. - 4 ^Sifsiem der griechiichm MyiMogiä von J. Ft. lauen 
[1853. 446 S. 8.* {AU 2. Bind von Lauer's literarischem [Vachlftfae erschie- 
(neu.) „Der früh verslorbene Gelehrte, aus dessen iVachl.ifs diese Mylho 
logie herausgegeben hi , war dem Publicum schon durch seine Qumstin- 
nes amnerteae (Berlin 184*1) und die Geschichte der homerischen Poesie 
(!851), den erslen von Th. Beccard und IVI. Ilerl^ herausgegebenen Theil 
I leines iXachlafses, aut vorlheilhaUe Weise bekannt geworden. Auch dieaei' 
iweite Band enlbält sehr viel des vorzuglichen, obgleich zu wiinschen ge- 
Iwcseu wäre, dafs die lli-daclion in eine geschick*ere oder weniger ruck- 
[irchtsvolU IJanil gekommen wäre, denn es halte immerhin manches uiige- 
[druckt bleiben können und das Buch im ganzen würde dadurch nur ge- 
kommen haben. Aber auch so bleüit es ein scheinen Denkmal der utn- 
Ifafseoden wifsenschaft liehen Bildung uml des fernen Sumes und Geiides 
idea verslorbenen, der eine liesondero Vorliebe gerade fnr das uiylhologi* 
fiche Studium gefafst und dasselbe sowol auf dem Hebiele iles deutschen 
als auf dem des grii^chischen Allrrtiims lange und (leifMig geübt hatte. 
Seine Ab»jicht war, Kich gan^ der [^rforschnjig der griechischen Mythologie 
hiu/ngeben und dieso durch eine Reihe von niibTsuehungen, welche Iheifs 
die ^lytholonie selbst, Iheils eine griechische Ethik, endlieh eine Heligions- 
ge^fhichle des Altertums bis zum Untergänge des Heiden luras umfafscn 
aollleu, nach allen Seiten hin zu culUviereu, Das vorbegendo ist troti 
seiner fragmentarischen Gestalt eine so vorzügliche Probe des Gcistet iinil 
der [Erfahrung« womit der Vf. seine Aufgabe erfafsl halte, düfs sein früher 
Tod IUI be^oydureR Interesse der Mythologie nicht genug tu beduuorn ii^.* 



Mi«eelh*ti, 



rrs 



I Hit dieser Anrrkeimuüf^ ^Irht es inclil im Wiitirspnirhf'« Aah ikr Hi*c im 
Iveitpfeu VerUuk ^cnwr Anzeige auf m -in che Mangel tlesj VVi*ikif(i Uiiiwetjit. 
I Heben lit'tfcndf n , anregendiir Bemt-rknngtMi üuitt! niHi in;*ii»^lie,H noch un- 
Iffetf«, uud vvimerv- dai m , dalii der Vt Cl,is Uiu'li in dje^t^r Ge^UH noi^h 
jtliHit für die Oiftruthchkril tü^dergi^tichrit^lKn habe. Es w^rde daher fiir 

tkn kiindi^Hi utuI itclvoii in der Sache« p'lnUlHen vtm nichl gmngi'iii 
t«rM» sein, kuiine aber lueUl Tür deu JilUe tue inen GidiMiteh und dii 
Anleitung dt?r mikuiidi^^ti empfolden wunit'u. — 5. ^tiomeri$che for^ 
m-hungen fütt h\ W. öiierwalä. Srsier fheil: Ilerfnei-i/dffsjieus. Mg* 
iAoiagiicäe Erklärung der üt/ffSiemmf^e. 1S53. 160 S, t*.* .um leb* 
hall eoififiind« iitr» utid icesrhuebi'ne^^ Buch » das aber noch ^ehr den EiiK 
dryck üet jugendlichen wachte l^ler Hec, erkennt deu in diesem Buche 
^Duachien Ven^ueh, die yi^prüiigJiche Ver^^andl»chdft germauUcher utKi 
grkchi^her Sa^e nachzuweisen^ ids einen durchaus wünscheiK'twerthen an^ 
und weUi auf eingebe geistreiche vimi nnspr^'Chende Gedanken hin, welche 
«ich IQ dem Umh^ linden; aber sugleich rü^t er mH aller Entschiedenheit 
die kühne i£u verficht lichkeil der willkürlichslen Omhinalion, welche die 
le^iue AUh.nidlun^ rharak i erisiert, — 6, a Schill, mm F. W. ForcfikamtHer^ 
MU ehmr äuris vm Ttwa. 1S53. 64 »S. 8** UtT Uec. sclzl dii* Korcb- 
h.'uuiU4 t'sch:^ Weise mylholo^btdvf Deutung, ihre verdji'n$tlirhi<u Moment« 
wie ihre ni;if8l«>!i(> tind hartnackige Einseitigkeit, im a|lfemt*iuen aU h^ 
ktnni voraus, untl gibt einen An^^zn^ vt>ii der in der obigen Abliaurllnns 
oiiHler^elei^ten phy>tikalischeti UeuLuiK der Aclulh^u^^Hgu. Wenn üirh Kee, 
geisen di«' AiiHicIil des Vr/s, dafs «das Bpos nieht Höh scheinbare l>e> 
«chichtser^ählüMi!, solidem zugleich wirkliche Xaltirbc^rhreibun^ sei, und 
di^ vi>ll3ilHii l!f:o BrklärHD^ ^t% Ivpos <^ich sowol auf den einen bdiatt at« 
4en andern einUfsen müfse, in welchem Niniu* d^nn '»ueh der Vf. die g/in/e 
ÜMf %U eine Art van Scblamm- oder Llberächwemmungdgedicht (von tktfq} 
crklafe' auf das besLimmteite verwahrl , fiö utiterliif»! er doch nicht den 
Keichlum an geistreichen Bemerkungen allgemeinefer Art hervarzuh**beiv 
den die Scbrifl enlbälL HeiKindcrs durch die schmien NMtHrbew-hreihnn;Ken 
imü die belehrenden Krörternniien über die ßcsch^lTeiiheit der IropniMien 
Eljene, wertle n^ jeden anregen und beleb rtti, auch wenn er in den Haupl^ 
rr«uUateii mit dem Vf. nicht übereinstimmen könne. 

Die ueuerdinfrs von H o c h e g g e r , H o ff m a n n , fi r y s a r heraus- 
feifebenen Aiw wählen aus H o m e r » V i r g i I , tl or a H u § haben in dnn 
W» Jahrb f. PhiL u. Päd. LXVIÜ, 5. S 514—537 eine k\u.t\sL^ er- 
Tahren, w*dchc um der eingehenden und ruhigen Behandlung dea Ge^e»- 
slftndcs willen sehr dankenswirth isL Der fteeensent» Hr. Prof. Diel^cb, 
benpricht J^nnlchst » unter ReEiehung anf die vom Prof. Hochegger fiber 
»eine An^wahf geRrbenen Erläuterungen (in dieser Xl^chr. \%hX S, 137 tt.) 
mr Widerlegung der dort dargelegten Grunde die trage, nb die ola>^M* 
•eben ^ichrinen unverkürzt in den üchulgebrauch ^^\ nehmen ^x%vj\ oder 
pidit , und gibt dabei zugleich einige Ikmerkungen über eimcelnei in der 
Hoehegger'arhen AiNwihl; in hpircff des lloffmann'schen Ansing« ^n^ der 
Äneii eri>rlert er einzelne Punele äowoI in Hinsicht der Auswahl nU der 
Te»(e*kriiik; über d"-n Grynar'sche ßtlectm au» Horaliu« verweist er nach 
kur*em allgemeinem Ttlheil auf eine nächstens lu erwartende ehigebenile 
Heurtheilunii^ Wir gehen unsern f«eReni ans der allgemeinen ErÖHerung 
über dit* vorher beÄeichnele Frijfe ehien kurzen Auszug. Prof. Uorhegiier 
halte in der oben erwlibnlcn .ScIbsUnzeigc i^einer Auswahl U'jtumlers drei 
tlesif'M'^puneie bezeichnet» welche ihn bei der Bearbeitung grteiiel: der 
Crafan^ de*i Werke», dpr sich in der Schiillectnre nichl wol hewältii^eii bifne^ 
mache eine solche AuxwaUl wilnscbenswerlh «dit- mit Beibehnlinng de« ^uiii 
Verjiiii 11*1 ni SSO den üaiizen Werkes Mcseid liehen ila> uime^icnltiebe ansiM'heidit, 
und ohne sich auf bioli^ h4tÄ0nderjj hervorragende Cpi sotten zu bosdiriinkeOp 



174 



llL8C«l1eil. 



d«i]i ■Schüler fite f^miauf^^k; l^uisidil in den Gati^ Jur Üaiipthaltuiig diM ^rofi- 

urtigen Ucüictile« gewähre.^ (8. l38>; hier/.u war huijcugefugt , dAh 
^däj^ogjäche Grüiiitt! naauche Mdlt;iif als uikäerüCD äitLJicUeu GrUieiJe oilt^r 
Uefühle widtrsprecbeiicl , von der JugenJbclüre atrs/uschliefseu geböten; 
e&dlich dür;« die kritii^ciiej) Uuti^räuchuitgerL ül>er den Ursprung der homeri* 
ichen üedichle die dntfernunis mancher tiiiigeren oder kürzeren, den Zusam- 
meahang mehr uti (er brechen den äh fordernden Stelle emprohlen. Go^en den 
er8Un (irand wendet dt;r Hr. Hec. ein, er hereclilige nicja dni^u, 6vn 5ehü- 
lern blofo eine Auswnhl in die (irunüe m gt-heit, obgleich lUiin fiich^cb nüi 
dea vollständigen leiten nur eine Au*^wAiil lese 0enn erstens mühe der 
Lehrer die Möglichkeit freier Auis wähl haben; iw ei Lena aolle dem Schüler 
die ^jöglichkeil nicht beikotnmen werden, daa ganze le^en eu können ; drit- 
Una, wenn es ^ewj:^ als wun^eheii^werth betrachtet werden müfse, dar» dio 
claäsisctke Lecliire fler tiymnjititaUeit noch tn das spätere (lesehäft^leben des 
gereif tPD Mriimes hinein wirke und gt-Jegentlich in geistiger Lrhotiing und 
iirfrischtiiig wider erneuert werdu^ so werde eine Anregung hierzu dadurch 
bedeutend vemiindert^ wenn man von der fichuie her eben, nur Ausatiige 
kenne und in den Händen bat je. Wenn hierauf der Hr. Rec. gegen den 
bedanken, ein episches Gedicht wie die Hias anszugsweiae so lu g«hea^ 
d4s doch die tlinsicht in den Gang der llaupthandlung erhallen bleibe, 
den unsweifethan rii^hligen Grnnd ein wendet, die Knnt$l des Qiehler« leige 
«ich JA ,noeh viel mehr in der Art und VVei:»e wie die Handlung belebt 
und in he wegungs volle Scenen gebracht werde, also auch benortders in den 
eiijgeAochtenen Ueden, in den Bihlern und Gleichnissen, welche zur Versinu* 
tichung hinJ^ugerijgt werden, in den lüpisoden u. ü, w. ;* so benimmt er 
dieser allgemeinen Erörterung im Grunde doch wider ihre Beziehung auf 
den vorliej^ende« Fall; denn er erkennt selbst am ^Freilich trifft das ge* 
sagte die Herren Herausgeber nicht vollständig, da sie ja immer noch Weben- 
werk genug, ja ganxe längere Partien unverkürzt und unverändert gelafii^eii 
haben, und gegen da» Verfahren^ einmal eine längere E[>isDde oder Partie m 
überschlagen, d&s ja auch bei uns geübt wird, nichts erheblicheü) einzu- 
wenden sein durfte.* — Was den zweiten Grund betrilTl , ,(die Pflicht der 
Sittticlikeit, schädliches und anslofijigea von den Schülern fem £U hal- 
ten* (S, 5t8)i so erkennt der Hr^ Kec. diese Pff^cht vollkommen an, 
erhebt abftr gegen das einffe^chl^gone Verfahren Einwendungen, liinmal 
sei es weder möglich nof-h riilhtich dcshiilb jede rein natürliche Erwäh- 
nung der auf geiichlechiliche Verhältnisse be?!tjgliehen Dinge %u enl fernem 
Ferner aber «behüte nicht das vor der Sünde , dal^ man ihre Nennung 
vermeide, sondern dafs man sie strafe und als gerichtet zeige." «!$telleu 
wir nun." sagt der Hr. Itec. ^der Fntfernung das Verfahren entgegen, 
welches bei uns von einsichtsvollen Schulmännern geübt worden ist und 
geiilil wird. Mm nbergeht Stellen, welche an^itofsi^ sind, iiidem man 
nicht zu falschen Gründen greift, sondern entweder ausdrücklich oder 
stillschweigend unverketmbar sie als solche bezeichnet, deren Überfettung 
oder Berührung die Srham verbiete, oder man übersetzt minder anstöfst- 
ges «chuell , ohne dabei zu verw^eilen. Wird der dadurch dem i^chüler 
eichtlieh anlge^entretende keusche sillliHie Brust des Lehrers nicht eine 
bef^^ere Wirkung haben, als die Vers t eckung des anstöfsigen, d^s dann all 
von andern genofHene und nur ihnen verbotene süfae Frucht die Lust der 
Jueend weckt und reizt? u. s. w.* (S. 52<>) — Öesen den dritten von 
Hrn Hochegger erwähnten Gestcht^punet, der den Ergebnissen der homc- 
rhchen ECrttik entlehnt ist, manhl der Hr. Ftec. drei Gründe geltend: ,den 
Zweck der homerischen Leciüre^ das geistige Vermögen der Schüler, und 
die lleschaffenheit der von der neueren Kritik nachgewiesenen Hinzudicb- 
tuugen, Erweiterungen und Füllstücke. ^ (S, 523) Solle der Schüler durch 
di0 Homerlectüre «in den griechischen Volksgeist «tugefülirt werdet, soilo 



Mise eilen« 



m 



er daraaA empfinJen von tlem Eindrueke, ilen sie auf die Griechen gmibtp 
»0 müfse er sie lesen, wie \md wa» sie i^ewesen sind." Von den lirün- 
den, durch welebe die oeuere Krilik die heinerraehen Gedichte in eiiixelne 
Lieder aiifgelöit, könne der Schüler noch nichls begreiren. Auch «ei dai 
durch diese Üntik als Hinzudichtung und Krweilerun^ nacbgewiasene 
grofsentbejls von solchem WerUie , dafü es den jugeudlicheu Leser in sei- 
ner Freude^ an dem herrlichen Gunztin nicbl etore und nicht zu sthrtu 
brauche. Uhrigensi habe fJochegger die Ausscheid ungen Lachmann's nicht 
mit Consequeiiz durch^ieführt . sondern Lacbmamrselnf Gründe haben ihm 
nur xur Leitung und HeehUeHigung für einzeiiieä gedienL — Am Schiufsa 
seiner Auj;(.<i|£t; nagl der Hr. Hva «Micken wir auf unsere ganze Au^^ein- 
anderäelxung noch einmal zurück, so verbergen wir un^ nicht, d^h die 
eioiehicn Argumente für »ich ein geringeres Gewiehl haben, sie führen 
at»er auf ein IVrncip hin, das jedenfalls volle üeachinnM vcrdk-rv) n. s. w.* 
Allerdings wäre es» nicht sehwer^ manchen Linwenifungen de^^ Hrn. Hee. 
andere vuu gleichem tiewichte entgt^genzuHleLlen' V\a8 z. H. ürr HfrauM- 
g*.4fen 4le« Aui*/ugL^» aus der llias ni betreff der Kritik der homerischen 
laicht ungen bfnii^rkl hat* n^l ja nicht üo gemeint, ah oh er die 5*chfjler 
irt il lese Kritik euiführi-ii wölk- , son<lcrn er, der Heran sg eher ^ hat hei 
Auaführuiig derjenigen Zwecke, welche die Auswahl zunächst hestimmten» 
die Ivrgebni^ae der krilik mU benulzt ; daf» er diefs Ihun mulate* nicht 
viel weniger, al» wenn jemand behufs der SchuUectüre erne auiiugsweis« 
Hearbetlung des» iMbelungenliedes veranstaltet, iätst sich schwerlich in 
Zweifel liehen, so wenig es amlerBcils der Zweck der Bearheitung ge- 
slitlet^ die Ergebnisse der Kritik ubenll mm IVbfse der Auswahl für die 
SchüHectiirt! lu miichen, Üie Mittel, durch welche der Hr. Hec. dem Vor- 
kommen wirklich anstörsigcr Stellen in der Sehuneclüre ihren »cbädlichen 
Einflufs ticnehmen zu können hofft, sind dem Herausgeber jenes Ansstuges, 
wie »ich aus dessen Erörterung ergibt, nicht unbekannt gewesen, aber 
die Sicherheit derselben ist ihm anders erschienen. Ebenso wenig weiden 
anderseits den HerauAgebern dieser Auswahlen die Gefahren verborgen ge- 
weien »ci , auf welche, wie der Hr. Uec. S, 520 anführt, von anderer 
Seite und in Beziehung auf etwas anders geartete Ausgaben in dieser 
Eeitschr. (1853. S, 1G4) hingewiesen isL tJafs Gefahren und Schwierig- 
keiten bei jeder der beiden Verf^hrungswcisen sich finden, hei der Be- 
nützung der unverkürzten Teite für die Rchnlleclüre oder von Auswahlen^ 
wird niemand verkennen ; es tritt diifs auch in tlt-r vorliegenden Anzeige 
deutlich hervor, welche lugleieh in ihrer ausführlichen, ruhigen Erörle* 
run§ des Gegenstandes den Beweis üibt , dafs sich schwerlich über dieso 
viel disGUtierte Frage ein neuer Grund geltend machen, ein neues Ge- 
wicht auf die eine oder andere Wagsch;\Ie legen lalsl. losofpfn würde es 
uiinütK sein, das mehr oder weniger, das fiir und wider nochmals in frage 
EU stellen, da für die (lymna^ien« um welche es sieh hier handelt, ein 
wesentlicher Kactor hinzutritt. Ein Hljck in die slalisli^chen TahetleUf 
welche i. 6. im 12. Hefte des vorigen Jahrgangrs dieser Zeitiichr gegeben 
sind, zeigt, dafs bei weitem die IVJehrj^ahl der Schüler der rÖmii^ch katho- 
Hschen Kirche, die Mehrzahl der Lehrer dem gcisl liehen Stande angehört. 
Diese Umstände sind es, durch weiche, wie einerseits eine möglichst 
umfangreiche Beschäftigung mit den SchriftsLetlern des elastischen Alter- 
tums gesichert, ho anderseits für mehrere Schrifliteller desselben die 
Benütiunj; einer didaktisch besonnenen Auswahl gefordert wird. Der Ver- 
such au'^h die in Rede stehenden Autoren unverkürzt zur Schnllectüre m 
verwenden, hat die Überzeugung von dem Btsslchen der angedeuteten 
fNolhwendigkeit auf das bestimmteste erweckt. Unter dieser Voraussei ^urig 
wüfdf dah*'r die sehr erwünschte Kritik der vorliegenden Auswahlen di^ 
N 1 h w e d i g k e i t eines Aus watilens als ein unla ugbares Factum hin- 



176 Jliseellefi. 

iiwelMiMi and Milden lahlreieheo anderen in gleieiier RicIiloDg gemaelrten 
Versuchen za mmsn haben, in wiefern die mit einer Answabi onvemeid- 
lich verbundenen Übelstände mehr oder weniger als in anderen Arbeiten 
dieser Art Termiedeu sind. 

In den N. Jahrb. f.^Pbil. a. Päd. LXVill, 6. S. 586—599 gibt 
Dr. Fr. Suse mihi eine Übersicht über neueste P 1 a t o n lileraiur. ^FSm- 
toriM PhUo$ophie im Abriß ihrer ffeneiUcken EtUwicifeiung , um C. 
Beck, 1952. 270 S. 8.* Das Buch entspreche den Erwartungen nicht» 
SU welchen der Titel berechtige $ es biete nur eine Inhaltsangabe srauBt- 
lieber Dialogen nach einander, und handle dann den Zweck sämmtlicher 
Dialoge in einem besonderen Abschnitte dergestalt ab, dafs die Ansichten 
der bisherigen Erklärer meist mit deren eignen Worten angeführt werden. 
Dabei seien nicht einmal die Inhaltsangaben geschickt. Der Rec. kritisiert 
bei dieser Gelegenheit die von H. Schmidt in der Mützeirschen Gym. 
Ztsohr. 1852. S. 513 ff. gegebene Auseinandersetzung über den platoni* 
sehen Phädon. — Von der dritten Auflage (1852) der Stall bäum 'sehe« 
Ausgabe des Symposion bespricht der Rec. die Einleitung, und sucht 
nachzuweisen, dafe die Stallbaum'sche Darstellung nicht ausreiche, um die 
Bedeutung der fünf ersten, der Sokratischen vorausgehenden Reden dieses 
Dialoges zu erklären. Die neuerdings erschienene, gegen Schleiermaoher 
gerichtete Monographie Stall baum's über den platonischen Phädrus «M 
artie dialecUcoe in Fhaedro Piaioni» doctrina et usm. 1853. 32 8. 4.» 
halte sich in einem wichtigen Puncto zu sehr an eine einzelne ungenaue 
Äuberung Schleiermacher's und gehe daher insofern neben dem eigent- 
lioben Sehwerpuncle der Schleiermacher'sohen Ansicht vorbei. — «/Mie 
pimtaniscäe Sprachpkiioeophie , dargetfeiit von J, Dense hie, 1852. 83 8. 
4^* rechnet der Rec* zu dem bedeutendsten, was je über Piaton gesohrie-^ 
ben worden ist, und gibt mit einigen Gegenbemerkungen über einielne 
Puoete einen Überblick über den Inhalt dieser Monographie. 



Berichtigungen. 
Heft I. S. II. Z. 12 V. u. statt In lies Ja, — S. 12. Z. 6 v. u. st Alt- 

horoer I. Allhomer. — S. 18. Z. 15 v. u. st. Graece 1. Greece, — 

S. 19. Z. 11 V. 0. St. nur 1. nun. — S. 22. Z. 18 v. o. ist nach 

iiuva9vg ein Komma zu setzen. 
Heft II. S. 102. Z. 14 v. o. st. ihnen 1. mit ihnen. — S. 10t. Anm. st 

povXoiw I. povXoito. — S. 104. Z. 14 v. o. st. Anmerkung I. 

Anerhennnng. — S. 106. Z. 19 v. o. st Bestimmung I. iS^/stimmung. 

— S. 110. Z. 14 V. u. st blieben 1. bleiben. ^ S. 112* Z. 6 v. a« 

St. Lied I. Leid. 



Erste Abtheilung. 



Abhandlutigeiu 

Zur Frage über Wahl uüd BcKacKiluDg der AtifgabtMi für 
döuttche AufsatEe, insbesondere im bergy monaium. 

^Der tn der öst. Gymn. Ztschr. öfter und jüngst im IL Hefte 
des Jahrganges 1853, S, So7— 867 besprochene Geg^nsland läßii 
nach beiden Rücksichten^ auf die es zur Erzielung eines sicheren 
rfolges ankonnmt, noch manche bet^ondere Frage zu, über weiche 
zu verständigen für die Schule von Nufien sein kann. 
Was zuerst die Wahl der Aufgaben betrifft, ist meines 
Erachlens die Schwiengkeit nicht sowol in der Beschränkung als 
vietmehr in der Ausdehnung des Kreises zu surhen, aus welchem 
dieselben genommen werden können i weil 6w Menge und Mannig- 
faltigkeit der möglichen Aufgaben aus den einzelnen Fächern eben 
auch die Möglichkeit mannigfaltiger HisgrilTe einschliefst. Es ist 
darum, und überhaupt, von der gruf^ten Wichtigkeit, da& man 
erkenne, welche Aufgaben ungeeignet seien; ja in dieser Erkennt- 
nis liegt die ganze Frage über die richtige Wahl von selbst be- 
antwortet. 

Welche Aufgaben, und warum sie ungeeignet seien, lehrt 
theits im allgemeinen Iheils selb«! im besonderen der Organisa- 
tionsentwurf. Die in demselben gegebenen Bestimmungen und An- 
deutungen über die schriftlichen Aufsätze, in ihrem Zusammen- 
hange und nach ihrem Geiste gewürdigt, reichen für jeden be 
sonderen Fall aus, und in der Beziehung auf dieselben wird dir 
ßeurtheilung des einzelnen slels ihre Begründung oder ihre Be- 
richtigung Gnden« 




ITH 



Übt!» 



Vüf^^tlw*!! für jli'uNrht' AufsärÄr, v. A, WÜheim 

Über moratii^iiTende Auf^ülKe iiiifJ [>neli«<€he CcMnposrrionpQ 
hat an dem erwabnttjn Orle Hr* Prof. Ainaiul B»iiujg:srlpn rlna 
wahre bemerkU Ich führe einfge andere Arien mögh'cher Mis- 
grJlTe an, 

Dk Aufgaben sollen nicht und zwar sowol m cf(*n uuler- 
sten Cla*»sen^ noch weniger aber im Obergymnasium vorzug^ 
weise odrr gar ausaschh'dsilich auf ein einziges Fach sich be- 
schränken« Eine gänzlfche Verkenriung des Zweckes der schrifl- 
hchen Arbeiten aber würde es verrathen, wollte der Lehrer diejt;el- 
ben zu Übungen (ur irgrnd ein anderes Fach nii.'ibrauchen« Ver- 
schieden kann t, B. %w f-esthichdiche AufjEfabe sich gesifillen, 
jf nachdem sie von dem Geschichlölehnr uder von dem Sprach- 
lehrer grslellt wird. 

Alö ungeeignet latseri sich ferner jene Aufgaben bezeichnen, 
welcbe den Schuler in die Lage bringen, fremde Gedanken wjder- 
zugeben; demnach alle, welche eu wörilicher Benutzung eines 
Lesebuches oder eines Scfirifts'letlers oder tu einfacher Reproduc* 
lion des gelernlen Anlafs geben. Hier hindern eelbsl im glück* 
lichslen Falle und bei dem bej^len Slreben unausweichliche Be^ 
miniscen7.en die freie Geilankenenfwickeiung; gewöhnlich aber 
bieten die Arbeilen nichts als miltelmäMge und durch das Slreb*-n 
nach Eigentümlichkell oder auch schlechtweg nach Änderung des 
ferlig vorgefundenen verd^^rbene Copien des Originales. Der Feh- 
ler knnn in dem Slolfe der Aufgabe oder in der Fafeiung dersel- 
ben liegen. 

Ähnliches gilt von jenen Aufgaben, welche die Kennlnis ge* 
wif^er Schrin*?leller und ein lieferen Eingehen in die Wt-rke der* 
selben voraussetzen, wenn sie vor dir Lesung dieser SchrifUsleller 
gegeben werden. Zu solchen Aufgabeu verleitet leichl einseitige 
Rücksicht auf die Geschichte. 

Zwei verschiedene Aufgaben zu stellen und den iJchulern 
die Wahl der einen oder der anderen frei zu lafsen, kann unter 
Umständen, aulser den im Organisationsent würfe angeführten Gnin- 
den auch mit Rücksicht auf die grafsere oder geringere Leistungs- 
fähigkeit der Schüler zweckmäßig erscheinen; aber diese FVeiheil 
auf mehrere oder eine Menge von Aufgaben auszudehnen, würde, 
abgesehen von der Unmöglichkeit der Besprechung, nichl zu bil 
ligen sein. Vorausgesetzt, dafs der Lehrer hierbei lÜp nolhwin 



% 



ClM^r Aur^alxjn für (t^ulüeh^ AiifsäUis v. A. WHhetm 



vs 



%e Mi'hr^eitifrlieil, m wie die Angeiiipri^euhejl der Aufgaben im 
ullp:efiieiaen ^tets im Auge behielte^ und die Schuler nicht durch 
Zweifel aufgehalten und zenslreul, auch jederzeit glücklich wähl- 
ten: müfsle doch die Gewöhnung an Wählerei lu Ablehnung des- 
gen^ was mehr An»*irengung kostet, Bedenken erwecken. Der 
Schüler aoU auch ^ppfen seine augenblickliche Slimniung arbeiten 
lernen; und er kmm es, wenn nur die Forderung seinen Kraf* 
ten enl^prichL 

Wenn aber verlangt wird, dafs der Jüngling die Stimmung 
d«i Augenülickefs überwinde und auch unler un^ünj^tigen ünmlän- 
deii sieb zur Gei^t^sisainmlung kräftige, so darf ihm doch nicht 
tutremülhel werden, dafs er sich in eine der Natur der Jugend 
widerslreitendo La^^e vernetze* Eine solche NÖthigung würde 
äuf^er mißlungener Arbeit tu allmählichi^m Anlernen von Bruch- 
stücken fremder Eigenlümlichkeit fuhren und einen störenden Bin- 
^uU auf die Charaklerentwickelung üben. Ungeeignet sind daher 
alle Aufgaben, welche aufeer dem Kreise der Brkenntni» stnvol al» 
der Gefühle der Jugend liegen. Zur er»k*ren Gattung gehören 
Beurtheilungen ohne zureichend^! wirkliche tCenntnis des Gegen- 
standes, zur letEter«?n gewisse Briefe. 

Ungeeignet sind tndlich jene Aufgaben, weiche nichts weiter 
als Formübung bezwecken; demnach alle Aufgaben über Schul- 
leclinnen oder Gegenstände . die beim Unterriehle voltständig be- 
handelt keinen weiteren Stoff für ^schriftliche Bearbeitung darbie- 
ten, und zu deren gründlicher Aneignung kurre niündliche Wider* 
bolung genügt. Jede Aufgabe soll ihrem Inhalte nach werth sein, 
daf* S^eil und Mühe auf ihre Bearbeitung verwendet werde. 

Geeignete Aufgat>en an .^ich sind darum nicht ohne weiteres 
zur Bearbeitung für die Schüler geeignet ^ dieik müfsen sie erst 
durch die Behandlung werden. t>rei ßücksichlen 6ind hier 
unabweichlicli feälzuhaUenH. 

Vor allem ist das Thema geiiau %\i begrenzen, dann aber 
volbländige Durchführung «Ireng zu verlangen^ und dadurch, um 
mit der Forderung zugleich die Begründung auszyi^prechen , der 
sonst unvermeidlichen Gewöhnung an Einseitigktit und Oberlläch- 
keit bei weiten ernstlich vorzutieugen. 

Das genau bcgrünAte Thema ist itt kürzester Faf»*ung , mit 



liO 



über Aufgalion für ^k-ülsrliu hitshi/t\ \. J Uf/Mm, 



Vermeidung jedea öberflür«ipen W'orles^ hrsliitimt umi deullieh 
&uszudrOcken, zur Verhulun^ unrichtig:tT AutT^iVunir. 

Das drillt* ist die Bespref^hurig des ^enmi bp^^renzlcn und 
beMimml gernfjälen Thema. Hierüber gibt der OrnraniMlionsenlvitirr 
S. 137 Andeutungen, die keines Zu^alzeJit bedürFen, und es niufs 
nur auf den S. 134 ausgesprochenen Zweok dieser Übungen hin- 
gewiesen und vor dem Fehler gewarnt werden, daf» man nield 
den Hauplz weck in die Aurfinduiig dej SlolTes a^ize und nackte 
Themala ohne Besprechung den Sebnhrn zu willkürlJLher Behand- 
lung überlafse. Am h wo der SiviV ab bekanni vomuszusetzen 
ist, wird wenig^lens Begrenzung triil Andeuhmg der Hauplpüncle 
tiichl leicht übergangen werden können; daSEU kommt^ dafs die 
Begrenzung den Schülern nicht immer von selbst ernleuchiel , oQ 
Ruch nur scheinbar in dem Au^^drucke liegJ, demnach genauer zu 
geben isL Bei der Aufgabe z, B. ^^ Cicero aU Redner^* müfseii 
die Schüler (der achten Classe) nicht nur über die Absonderung 
des Philosophen, des Shial^mannes, des Bürgers und des Menschen 
Cicero t sondern auch über die Hauplpuncle der Aufgabe selbst 
belehrt werden. 

Es versieht sich übrigens von selbst, dafs die Besprechung 
der Aufgaben und Aufsitze nach S, 137 des Organi^ation^entwurfr** 
bündig und Ireflend sein niuls; die Erinnerung an diese Forderung 
scheint indessen aus dem Grunde nicht uberflürsig zu sein, weil 
gerade bei solchen Besprechungen die strenge Forderung, dat** 
nicht eine Minute Schulzeit ohne Gewinn für die Schuler zu ver- 
lieren ist, leicht übersehen werden kann. Ob von dieser Bespre- 
chung viel Zeit für einen anderen Theil des Unlerrichles sich er 
übrigen lafse, niüfsen Verhüll niüi^e enischeiden ; die etwa erübrigle 
Zeit auf mündliche Durchführung neuer Themata zu verwenden, 
kann in der obersten Classe» wenn der Bildungszustand der Schü- 
ler es zutär^t, sich als nützliche f'bung empfehlen, nur n\uU dabei 
eben so streng wie bei den sclinfllidien Cbungen auf eine tadel- 
lose Form gehalten werden. 

In der Unangemefsenheit der Anfgube, und öfter noch in 
der Unlerlarsung der richtigen Behandlung derselben nach den 
drei Rücksichten ist die Ursache zu suchen, wenn der Aufsalz 
mistingt; und kommen Fülle vor, dafs Schüler nach vorher enl- 



j 



Vbt*t Aurg^kn tüj tkuUclii^ Aufi^Ui, v, l. HilMm 



tSI 



worfteijer Disposirion doch eine von derj^elben Rhwek'hmide ArlH'it 
[liefern, $o wml dkU auf dieselbe Ursache xtirück. 

Zur richtigen Behandlung der Au^aben ge\mrl auch die 
[Würdigung der gelieferten Arbeilen odtT die Correclur. Wi« 
[diese beschnfTen sein müföe, braucbl einem Lebrar, der von Eifer' 
für ä^einen Beruf durchdrungen ist, nicht erist geeagl xu werden, 
und würde keiner weiteren Erörterurjg bedürfen, wenn nicht in 
deo Bestimmungen des Organi^alionsenlwurfes hierüber Anlafs dazu 
sich finden liefse, f<Der Lehrer, heifst es S. 133 in der Insiruc* 
liou für das Unlergymnasium, hat die Fehler gegen Grammatik, 
Orthographie, InterpuncÜon und, unterschieden davon, die Ver- 
slöGie gegen die Angemefsenheit den Ausdruckes, der Anordnung 
u, dgl zu bezeichnen- Die Fehler gegen Gnrtumalik, Oilbogra- 
phk und Interpurtclion müfsen von den Schülern bis 2ur Abgabe 
des nächiten Aufsatzes häuslich corrigierf sein, ao dais bei der 
Correctur des folgenden Aufsatzes der Lehrer deJi vorhergehenden 
in dieser Beziehung revidierl*^ Für das Qbergymnasium «^^'l**'^ 
(nach S. 138) über die üufsere Form dieser Correctur im allge- 
meinen die für das Untergymnasitifii ausgesprochenen Bestimmun* 
gtiiy nur treten andere Gesichtspuncte der BeurtheiJung in den 
Vordergrund u. s. U Wenn hierbei der ürfolg der Correctur viel * 
weniger im einzelnen und sogleich bemerklich ist^ als in den 
früheren Jahren, ao darf diefs den Lehrer in seiner mühevollen 
Arbeit nicht irre machen u, a. f.^ 

Au*» den angeführten Slellen konnte man folgern, die Cor- 
rectur besiehe darin, dafa der Lehrer I) nlle Fehler bezeichnen, 
2) Verbefserung der Fehler gegt*n Grammatik, Orthographie und ' 
Interpuiiütion von den *Srbülern fortlern, 3) von dieser geschehe* • 
nen Verbef^erung durch Revision des Aufsatzes sich überzeuge,^ i 
etwa urilerlrtfsene Verhefserung nachzutragen streng verlange und 
von der Leii^lung sfch nochmals überzeuge. 

Nur die dritte Forderung ist unbedingt und ausnahmslos 
richtig; die erste bedarf einer näheren Erklärung; dafs die zweite 
iu ihrer engen Beschränkuna: keine Beziehung auf tlas Obergym- 
nasium leidet, ist schon um der Bemerkung im Organisationsent- 
wurfe zu entnehmen, dafs im Obergymnasium andere Gesichts- 
puncte der Beurlheilung in den Vordergrund treten. Und was 
halten detni die Schüler zu verhef!=i*rn^ ^venn die Pflicht der Ver- 



W über Aufjenli*?*! Tilr iltul^Htf \uf?ffil/j", v. A, WHheim. 

befseniiig auf sotclie Fehler be«c!irrmkl bliebe, welche fm Ober- 
gymnasium ^ar nichl melir vorkomnjpn i^oKenl Kann doch diest; 
Beschränkung seibat nicht für dag üntergyjtmasium auireicben, 
und wenn sie im Org. EnLw» altgemein ausgesprochen wird, 
ISO iät zu bedenken, dafs dadurch eben nur der allgemeine Um- 
fang der Correctur mit betmiderer RuckKichl auf die untersten 
Ciassen bezeicbnel, nfch! abt-r eine für jede Classe unfiber- 
fichrrHibar geltende VorythriH mil Aufhet»uiiß: drs Cntrrschfi'dew 
der verschiedenen Stufen pegebi*n wurde* Warum aolKe jitchl 
Ä, B, schon m den unti?rslen Classen zuweiieji die Verla uschung 
eines Ausdruckes» weilerhiii eines Bindewortes und dergl. mit 
einem schicklicheren von den Schülern erwartet werden können, 
wenn doch der Unterricht Fortschritt, nicht Stillstand beabsich- 
tigt? und diels verlangt in der That der Organi-sationsentwurf 
im §p 5t, 2 mit den Worten: ^^Von den Schülern ist dann zu 
verlangen, dafö sie diejenigen Fehkr, deren E t k e n n t n i s von 
ihnen erwartet werden kann, sobtdd »ie nur als Fehler 
bestimmt bezeichnet sind, z. B, grammatische, orlhographische 
u. dgl., selbst berichtigen/^ Auf diese Stelle weist auch die In- 
struction S. 134 zurück j sie wird demnach für die Verbefserung 
in der Art malsgebend sein, diifs die Forderungen an dw Schüler 
mit fortschreitender Kenntnis von Stufe zu Kluft* gesteigert wer- 
den, Sollttj diefs noch einem Zweifel unlcrtiegen, so findel der- 
selbe seine unzweideutige Erledigung S* 158 in dpn Worten: 
^auf grammatische Eichtigkeit mufs (im Obergymnasium) schun 
im ellgemeinen gerechnet werden, dagegen werden nunmehr Klar- 
heit der Gedanken und ihres Zusammenhanges, Correctheit tznd 
Gewandtheit dt*s Ausdruckes die Forderungen, welche in aH- 
mählich steigender Strenge an die Aufsätze der Schuler 
zu stellen sind;'' denn nur «.über die aufsere Form der 
Correctur'^ sollen die für das Urdergynmasinm ausgesprochenen 
Beslimniungen auch für das Obergynmiisinm im allgemeinen gelten. 
Was sollte auch eine Bezeichnung ohne Vorbefserung ^ Ge* 
^elzt, der Schüler lese den zurückerhaltenen Aufsatz ooch einmal 
mit Beachtung der bezeichneten Stellen, so kann ihm diefs wenig 
nützen, wenn er nicht an die Stelle des fehlerhaften nach Zutäng- 
lichkeit seiner Kräfte besserem zu setzen versucht. Und wie, wenn 
er ntir ilie bezeichneten Stellen tdine Beachtung des Zusaitimen 



Ä 



über AufgaUeii für deutsche \uMit\i, v. A. Wiihetm. 

hangen aitaieht; wenn er vielleiclil nicht einmat d\^h ihut^ sontiern 
«Ich auf dm wenigen durch besondere Zeichen zur Verbefaerung 
bestimmten Einzefheilen I>e*ich rankt? Ware dann die ubrfge ße- 
ieichnung nfcht gänzlich überüül^igl Oder welchen Zwt^ck hüMe 
sie doclif Denn auch für die altgemeine Correctur^ die übrigens 
nicht alle tvahrgf'nommenen Einzelheiten unifdr»en kann^ wäre sie 
Dichl errorderlich. 

Wrnn demnach in den schrifllithen Arbeiten der Schüler 
ilieselbt*n Puhler in verschiedenen Ge.^tulten und Verstöße gegen 
^ofl besprochene Rücksichten immer widerki^hren , und der lang- 
'itme ErFolg Huch den hescfieidensten Erwartungen nicht ent- 
spricht: so leg^ man nicht den Schülern dieis zur Last^ sondern 
jinan tadle sich seihst^ dHfs nmn an die Schüler die ihren Krälten 
tntsprechenden Pnrderungen zu .^lellen unterluC'^en hat. 

Es erübrigt die Frage, worin die Bezeichnung des verfehl- 
ten zu be'^rehcii habe. In btot^^t^m Anstreichen desselben? Dtinn 
Ware als<» unter der mühevollen Arbeit des Lehrers nichts weiter 
zu veri<tehen als lesen, anstreichen und widerüberblicken ; und 
da es »uf einige zwecklose Striche mehr oder weniger nicht an- 
knmnil ^ m wäre es wahrlich nicht zn wundern , wenn all müh- 
lich mit den Strichen g^^Kp^rt und endlich aufiser dem Anstreichen 
von Fehlern gegen Grammatik^ Orthographie und Inierpunction 
nur ein Schlursurlheil angesetzt würde; so dafs selbst der Zwei- 
fei übrig bleiben könnte, ob denn der Aursatz auch wirkhch 
gelesen worden seil 

Aber, kann man einwenden, nicht einfache Striche, sondern 
eigene Zeichen llör jede Art von Fehlern sind anzuwenden. Gegen 
diese Art von Correctur, die auch in der österr. Gymnasial Zeit- 
achrift*) an einem Orte vorgeschlftgen wurde und sofort auf be- 
gründeten Widerspruch atiefs^ läfst sich kurz bemerken: dafs 
eigene Zeichen Hur jede Art von Fehlem, wenn auch allerdings 
keinfswegü für Zeichen der Unlust zur Correctur anzui?ehen, eben 
so wenig werth sind wie Striche, wenn sie nur gemacht werden, 
um von den Schülern ange^^ehen, oder vielmehr nicht angesehen 
SU werden. 

Offen bar nmfs die Correctur ihrem Zwecke ent-^iirechen, 



•) ia>!, \ ll.'n. H. 757, 77 ^, 77(1. 



w 



fiktr Aufgaben für deulache AuhMia^ v. A. Wiihelm. 



yfmn dieser kein anderer ist als die Fehler in der Ari zu be- 
zeichnen, da& deren VerbeDserung den Schülern je nach der ün- 
terrlchtsalure möglicb sei, so wird für gewisse Fälle bloftes Un- 
terslreichen genügen, für die ineisien aber ausdrückliche Bezeich- 
nung durch Worle, nicht seilen mt( Andeutung der Verbeisening 
nothwendig sein. 

Wie weit die wirkhche Verberserung reichen soll, kann 
nicht zweifelhan sein* Da Bezeichnung dea verfehlten ohne Ver- 
betberung Ewecklos sein wurde, so folgt von selbst; dafs nichts 
unverbefäert bleiben darf, die geringere oder gröfsere Strenge dtr 
Beurtheiiung jedoch sich nach der Unterrkhtsstufe richtet» Mit 
Büeksicht auf diese immer enger zu beschrankende Ausnahme 
von absoluter Strenge kann es für die Correctur im Obergymna- 
mum kein anderes Ziel geben als; Herstellung des Autäalze» h\% 
zur Tadetlosigkett in allen Beziehungen; demnach Verbefserung 
und nach Umständen Umarbeitung alles verfehlten. In der Begd 
wird die Verber^erung nach den bestimmt gegebenen Andeutungen 
von den Schülern, in einzelnen Pätlen aber zum Theil^ bei kür- 
lerem Umfange des verfehlten auch gan;& von dem Lehrer selbst 
vorzunehmen sein* 

Es ist klar, daß* hierdurch dh von Hrn. Prof, Baumgarten 
HU dem obbelobten Orte S* 867 mit Recht m sehr hervorgeho- 
bene Unmjtldbarkeit und Individualität der jugendlichen Verfarj^er, 
die durchaus und lebendig aus den Aufsätzen sprechen müf^e, 
nicht nur nicht zurückgedrängt oder gar unterdrückt, sondern 
gerade durch das genaue Eingehen auf die Gedankenrichtung und 
Darslallungsweise des Jünglings und durch die derselben so sorg- 
fältig zugewendete Nachhilfe ungemein gefordert wird. 

Noch wäre beizufügen^ dafs die genau geHÜrdrgten Auf- 
sätze den Schülern in möglichst kurzer Frist, längstens drei Tage 
nach Ablieferung zur VerheCserung zurückzustellen sind, weil 
Aufschub nicht nur einerseits den 4Sühü(ern die für den neuen 
Aufsatz erforderliche Zeit entzieht, anderseits dem Lehrer die 
Muhe d^r Correctur vergrofsert^ sondern auch den Schein erweckt, 
als ob auf diesen Theü des Unterrichtes überhaupt wenig Gewicht 
gelegt würde. 

Das ist die Arbeit, die den Namen einer mühevollen ver- 
dient. Welchen Erfolg sie haben niüfse, kann keine Frage sein; 



d 



Verwendung der Karte beim geogr. Unterr., von E, v. Sydow, 185 

nur dieiä sei bemerkt, dafs auch der Einflufs, den die Pflicht der 
Verbe&ening auf die Thätigkeit der Schüler üben muCB, hoch an- 
zuschlagen ist gegen die Gieichgiltigkeit, die unausbleibh'ch ein- 
tritt, wenn die Schüler sich dieser Arbeit überhoben wifsen. 

Die Worte des Organisationsentwurfes, da£^ der langsame 
Erfolg in der mühevollen Arbeit nicht irre machen soll, wird sich 
der Lehrer auch dann noch oft zum Tröste und zur Ermuthigung 
zurufen mülsen ; aber er möge nur getrost fortarbeiten, der reich- 
liche Lohn für seine Bemühungen wird nicht ausbleiben. Anfangs 
wird er mit unsäglichen Schwiengkeiten zu kämpfen haben; doch 
diese werden von Monat zu Monat sich mindern, und allmählich, 
vielleicht eher als er zu hoffen wagte, wird er sich dahin gelangt 
sehen, dafe ihm die Aufsätze seiner Schüler wenig oder keine 
Mühe, dagegen aber viel Freude machen; während Striche und 
Zeichen Verdrud^ bis zur letzten Aufgabe zur folge haben. 

An Beispielen des eben erwähnten Erfolges^ erstrebt und 
erzielt durch muthige Ausdauer in der geschilderten, mühevollen 
Arbeit, fehlte es auch vor der Reorganisierung unserer Gymnasien 
nicht; hoffentlich werden solche Beispiele heutzutage schon viel 
häufiger sein und bald, wenn sie es nicht schon sind, allgemein 
werden. 

Troppau. A. Wilhelm. 



Einige Worte über den Werth und die Verwendung der 
Karte beim geographischen Dnterrieb te. ''^) 

Die Zeit ist kostbar, ich gehe daher sogleich zur Sache, 
d. h. zu der mir verstalteten Besprechung des Werthes und 
der Verwendung der Karte beim geographischen 
Unterrichte, denn unter diesem Titel war ich so frei meine 
Mittheilungen anzumelden. 



*) Diese Worte sind am 1. October 1847 in der Versammlung der 
Lehrer deutscher Real- und höherer Bürgerschulen zu Gotha ge- 
sprochen, aber, so viel uns bekannt ist, nur als Manuscript gedruckt 
worden. Wir sind dem hochverdienten Hrn. Vf. zu lebhaftem Dank» 
verpflichtet, dafs er uns gestaltet hat, seinen Vortrag in dieser Zeit- 
schrift zu veröfifentlichen. Anm d. Red. 



PÜ(J Vt'rwei^dung der Karte beim gcogr. linlf it^ vim £. r. i^iftftnt. 

Die K^rte iat ein nolhwendige^ linieret ufzungsuiittel deä geo«^ 
fri^phi»cheri LfiiterrirUtes — warum, da» i«l i^inracli, dafl isl he- 
hannL Der Werlh der Karte wird noch vielfach verkannt^ man 
traut ibr das nicht ztx^ was man mit ihr erreichen kann^ iium 
verwendet sie häufig noch ganz falsch und unl erdrückt durch sie 
die Zwecke der Schule eher, wie sie zu lördernl Das klingt hart 
und ich erkenne die Nothwendigkeit, meine Vorwürfe zu recht- 
fertigen und wie gerade ich mich berufen fühle, solche aufzustel- 
len« Es hat nämlich selten ein Lehrer die Gelegenheit »ich un- 
mittelbar von (fem voliiJländigeü and nachhaltigen Erfolge seiner 
üestrehungcn 5£U überzeugen ; ich a^elhsl hin lange Lehrer gewesen, 
hin es noch, und trotzdem ich gewif^eiihafl nach Selbstcontrolle 
ätrehtü; 80 habe ich mich doch nie ganz von Selbsttäuschungen 
frei mftchen gekonnt. Nun prüfe ich seil einer Reihe von Jahren 
alljährlich über 300 junge Leute, und ih habe ich volle Gelegeti- 
hejt, die Rei^ultate der verschiedensten Unterrichts* 
weisen kennen zu lernen. Bei unseren Prüfungsentscheidiingcn 
steht neben der Gerecht i^>keit die Milde, denn wir haben über 
eine gewichtige Schick ssalsfrage zu eidschekden; aber, meine Her- 
ren, so sehr ich auch bemüht bin, die Wilde vorwalten zu lafsen, 
m «ehr ich auch geneigt bin , njich in den Forderungen herab- 
stimmen zu laCken auf ein itothwendige:« Minimum — auch die- 
sem Minimum wird selten entsprochen. 

Das isl gewiss recht übet, und frage ich mich; woran liegt 
das? so ist die Antwort einfach die: da fs die Geographie 
tneistentheils noch eine aus dem Buche gelernte 
ist, mit Hintansetzung der Karte — und das kann aichU 
gutes, nichts ganzes geben 1 

Im Wesen der Geographie hegt es, dafs die Karle das be- 
lehrende Wort unteri^lülze, und in der allgemeinen Tendenz des 
Unterrichtes liegt es, dafs auch die Karle dazu diene, des Schü- 
lers Auirufsungsvermdgen zu »chärfen, seine Definilionsgabe zu 
üben und geistige Regsamkeit zu wecken! Das Wie will ich in 
einigen Puncten berühren. 

Das erste Erfordernis isl, dafs man eine Karte verstehe, 
dafs man »\e lesen kann, wenn man sie mit Nutzen ge- 
hrauchen will Sie werden sagen ^(das versteht «ich von s«lbst*% 
ich sage das auch; aber doch^ meine Herren, trotz der Einfach- 



Vcrwetidunfz <lt>r Kjirle beim geogjr, üiiterr , von £* l?. s^tfow. 187 

heit dieser Anforderung: finrien wir sie aeiten erfüllt Ich ver- 
sichere Ihnen, dflfs ich viele Beispiele kenne, nach dentn einem 
Schüler viple Jahre geographischer ITnterricht ertheilt wurde, und 
er viele Jahre einen Atlas in der Hand haue» und ihm die Wand- 
karle vor Augen hieng, und er doch nichl wufsle, was er ge- 
«ohrn hatte ; die Zeicheusprache des Kartenbildes blieb ihm eine 
unenlzilTerLe Hiero^lyphenschrifl* Das ist unverantwortlich, und 
doch — Hand aufs Herz — noch alltäglich Finden wir diesen Wi- 
derspruch in der S( hnle vor* Dem inufs gesteuert werden, und zwar 
so fnih wie mö^^ich, also bei der H ei mats künde. Die 
Heimatskunde bildet jedenfatls die erste geogra- 
phische Lehrsurei sie mag nun, wie es ßein mufs^ der 
BealschuEe vorausgehen oder, wenn es zur Nachholung unver- 
tneidlich ist, ihrer untersten Classe zufallen. Schauet die Helttiat 
mit den Kindern an, lehrt das Kind sich in der Heimat orientie- 
ren, versinnlicht das aufgefafste, das gesehene und begriflene 
durch Modell und Karlenbild , und das Veriftandnis der Karle ist 
mit Leichtigkeit schon im zarten Kindesalter zu bewerki^telligen. 
Ich kann hier nicht näher eingehen auf alle die zu Gebote siehen- 
den Mittet, welche sich darbieten, um das schnelle Verständnis 
der Karte zu erteichtern; dafs aber keines zu scheuen ist, uiu 
den Zweck zu erreichen, das steht fest, denn ohne ßeslegung 
die^r ersten Klippe wäre jeder fernere Gebrauch der Karte wider- 
sinnig. Kann der 8cfiuler eine Karle lesen, dann ist's eine Lust, 
mit ihm Geographie zu treiben, und ich Itenne wenig Disziplinen, 
die sich dankbarerer Resultate zu erfreuen hätten, wenn methodisch 
weiter gebaut und das angeregte nicfit wider untergraben wird. 

Beim Gebrauche der Karte zum ferneren erweiterten tJnl er- 
richte will ich den der Wandkarte und Handkarte unter- 
scheiden. 

Mit der Wandkarte vergeht man e» gar häufig: man 
verfallt immer nt»ch in den Fehler und trägt fbrmitch vor, man 
demonstriert viel zu viel uud benutzt die Karte blofs als einen 
wege weisenden Commenlar. Das ist falsch ^ da wird der Schüler 
nicht aufgefordert zu sehen, wahrzunehmen und geistig thutig zu 
sein, man raubt ihm den Stolz und die Freude selbst aufzufm- 
den und zu entdecken. Der Lehrer mu^ sich von den Schülern 
die Karle vorlesen uud erklären lafsen (denn das Über- 



1138 VtTWenilang titii" KaHu lieiin gt'Ogr. ütilerr , von fi. p %//<?r 

setzen dur Zeichen in Worte gimg ja voraus) er mur« iiiethodLsch 
fragen, damit richllg abgelesen und dtßnierl werde, er miif* 
etwaige Misver^^läitdnme zu gröndlichen Befiehl ig untren talscInT 
Auffafsun^en benulzerit und mufs die ßelelirungen einstreuen, wel- 
che das ßitd nicht unmittelbar ausd rucken kann, aber natürliih 
«teta in enger V*^rknüpfuug mit demselben- Die Wandkarle soll 
keine Namen haben^ wenigstens nicht so hervorstechende^ dafs sie 
vom Schuler gelesen werden können und dafs sie i\ia Deutlichkeit 
de« Bildes beeinträchtigen , denn gerade dann wird der Schüler 
genothtgi, den deutlieh sprechenden Zeichen einen Sinn unlerzute- 
gen und dem ßcli einbar todlen Bilde durch seine geistig erregle 
Ansprache Leben einzuhauchen. Der Schuler soll von einer Wand 
karte nicht Namen ablesen, vielmehr BegnlTe entwickeln, die Eigen - 
tömlichkeiten erkennen und den Kreis seiner Anschauungen durch 
allmähliche Enllaltung der geistigen Kräfte erweitern lernen 1 In 
solcher Auwendung ist die Karte kein mechanisches Hilfsmittel 
mehr und auch sie wird die höheren Zwecke der Schule fordern 
helfen, aber freilich auf Kosten einer gewissen NamenfQlle und 
Zahlenmenge. Das schadet aber auch nicblSj denn die Namen 
und Zahlen an und für §ich sind nur Nebensache. Wir können 
sie nicht ganz entbehren, aber es ist nicht genug zu beachtende 
'pnicht; sie auf ein MlninMjm zu beschränken, und zu 
deren Aneignung mufs auch widerum der Sehüler selbst Ihalig 
sein durch den richtigen Gebrauch der Eland karte und nicht 
durch das Lesen i>n Buche; das braucht er in der Lehrstunde 
nie, ßontfern nur zu Hause zum nachschlagen. 

Die Handkarle bekommt der Schüler entweder als e\m fer- 
tige in die Hand oder er macht sie selbst Dieäe Selbsterzeu- 
gung ist etwas sehr schönes, etwas, das nicht genug empfohlen 
werden kann und auch emj^folden worden ist von dem Führer 
der Wifsenschaft , von Karl R i 1 1 e r ; aber wahrlieh nicht in 
einer Weise, wie es nur zu häufig noch geschieh U Es ist selten 
mit dem guten Hallie eines Meisters gröfserer Misbrauch gelrieben 
worden, wie in den» bezüglichen Gebiete. Ritter hat wahrlich 
nicht gewollt, dafs der arme Schüler zur Copiermaschine herab* 
gewürdigt werde^ dufs er an den Winterabenden seine Augen mit 
dum mechanischen Durchpausen einer Karte verderbe, dafs der 
Lehrer sage I ,,heu* über acht Tagi' bringt ihr mir dfefs oder jenes 



j 



' Vn'wcudung (ItT Karlt' imm ßi*ogr. tJutcrr., von M f ^^tlrnt. I8!l 

Land sauber g«^zeichriei^^ und sich nichl darum kümrupfl, w i e er 
die Aüfgube löst, und dafs dtrjem>e Schüler da« Lob Nr. 1 er- 
hulle, der die meiölen und hübäicJi eitlen Karlen gezeichnet, gieich- 
riel, ob er wiliiej was er gezeichnet l — Erlafsen Sie mir di> 

fAnf^ähliiriQf der Kaclirheile dieses mechanischen Getriebes, aber 

^glauben Sie mir, daß* ich bei denjenigen Schülern, iVxt schöne 
Earten in Menge gefertigt hatten, aber bei denen der Strich nicht 
der Ausdruck eines geistigen Eigentumes war, steis am wenigsten 
erbauliches gefunden habe, h't^ zejchnemle Lehrmethode Ist nur 
liiinn fruclitbrtngend und verdient den Nnmen einer Methode, 
renn unter Augen und Anleitung dea Lehrers der Schüler ein 
ndeabitd allmählich zusamniensel^t, wenn jeder Strich, den er 
Zeichnet, ein verbildlichter Gedanke, wenn das Bild, das er ent- 
wirft, da5 Resullat seiner Auw-hauung ii*t! 

Es würde zu weit führen, wollte ich mich jetzt auf die 

nähere Ausführung dieser Methode einlafsen^ es i*5t darüber schon 

monches gesprochen und geschrieben worden, viel praktiechey, 

aber auch recht viel unprakli^ches, in der ölTenthchen Schute un- 

ifuhrbares. — E§ sind die Methoden von Agren, Canstein, 

[app unti Holl vielen bekannt, und ihr gutes hat auch schon 

^vielfach frisches Leben in den geographischen Unterricht gebrachh 
ganz kann ich mich jedoch keiner der genannlen Lehrweisen an- 
ichliefsen, und ich werde nicht ermangeln, auch meine Ansichten 
fiber diesen wichtigen Gegenstand dereinst der öffentlichen Prü- 
fofig zti übergeben. Vorläufig halte ich in dem Beispiele, welches 

|iich meinem Gradnetz- Atlas*) zugetheilt habe, einiges bezügliche 
angedeulet, erlaube mir daher hierauf zu verweisen. Trotzdem 
die Seltistenlwürfe der Schüler nur aus ganz rohen Umrifeen zu 
bestehen brauchen, so vetschliefse ich meine Augen doch keines- 

r Wegs gegen die Menge von Schwierigkeilen, welche auf vielen 
Anstallen der Anwendung der zeichnenden Methode enlgegentrefeti 
und am Ende sogar gebieten, die fertige Handkarfe schon da zur 
hand zu nehmen, wo sie eigentlich noch nicht hinpaast, wenn die 



*) E V. Sydow'ai Gtadnelt' A lUs Sochszebn Cradnetio über 
alte Jhmh der Brde, nebst Muslertilatt tind ßemerkunßcti über den 
Gebraucti der GradnetKi? mit beispielsweiat^r Beziehung auf die Karle 
der hriliÄchen Inseln. Gotha, 1847, J. Perthes. 18 Sgr. tvßl Zeit- 
*r*hrifl r d. österr, Gymn. \%b% tlfL VHt, R, fi44 O 



lüfl Vorwi*nilüug Jer KaHü huin» ««*ogr. lintrrr . von ^. r Sifffmt. 

Lehrälufen deä gan:£en geographröchen Unterricliteü iiielhodiäch in- 
einandergreifen. 

Die Btjfjaiidlung der Hand karte, welche in bereite* voll- 
j^tändi^ ausgeführter Form dem Schüler vorliegl, rnufs durch die- 
selben Gesiehtspuncte geleitet werden, wie diejenigre der Wai>d- 
karte, nur tritt hier noch die Vervoll^landigung der Nonienclalur 
hinzu. Auch diese soll der Lehrer nicht demoriälr leren d aufdrin- 
gen, der Schuler mag de sich selbst von der Karle entnehmen und 
dergestalt genötfiigt sein, sie enge mit den Begriffen zu verschuiel- 
Ken, welche durch die Zeichnung sich ihm aufdrängeti. Ich komme 
wfder darauf zurück, dafs sich von der Karle unendlich viel ab- 
lesen latstj wenn mm nur richtig sehen und über das gesehene 
denken kann. Die Benutzung des Buches i«^t vielfältig eine 
sehr schädliche Verweil läufiguiig der Sache. Wozu brauchen 
denn im Buche die aufsersten PHrallelen und Meridinne eines Lan- 
des, wozu die Namen der Vorgebirge, Flüftäe, Gebirge u. s, w. 
angeführt, wozu gar die geometrische Gestaltung des Landes, der 
Verlauf der Grenzen und dergleichen be*«prochen zu sein? Das alles 
liest man ja unmiltelbar auf der Karte und gewiss in einer befse- 
ren geographischen Ordnung, als wie sie je dnrch den Typensatz 
eines Buches ausgedrückt werden kann. An die Zahl einer Grad- 
linie knüpfen sich die verschiedensten Phasen der Erleuchtungs- 
und Erwärmungsverhältntsse, an die Betrachtung der geometrischen 
Gestaltung und Grad^Vbstände die vielseitigsten Beziehungen der 
abzuschäizenden Räumlichkeiten, der Gliederungs- und Gangbar- 
keils- Verhaltnisse; ein Blick auf die Fülle oder Artnuth des Flul^- 
netzes, auf die Richtungen, Entwicketimgs« und Mündungsformen 
der Flüfte» auf die Zahl, Ausdehnungs- und Lagen- Verhältnisse 
von Seen und Morästen gewährt eine unendliche Reihe von 
SchluFsen auf die eigentliche Landesnattir und ihren getneterischen 
Einflnfs auf den Menschen, und ein Blick auf die Wohnplätze und 
Canale stellt den Menschen selbst auf den NaturschauptatE und 
gibt Rechenschafl von seiner naturgesetzfichen Unterwürügkeit auf 
der einen, von seiner geistigen Herrschaft auf der anderen Seite. 
Von gleichem Werthe ist die Anschauung des Bildes der Boden* 
plastik, die Verlheilung von hoch und tief, der Charakter der 
Erhebungen, ihre Formen und Hohen ^ alles trägt zur Vermilte- 



Verweriilong dtr k,iH<» b*im ^eo^r Citrerr , v^n E. P. S0fnt. löl 

Img liei, die N»1ur in ihrem Leben und ihrer Beziehung zum 
Meo.sc!)en zu betrachten. I>och genup: der Anführungen; ich sajre 
also nochntaiii: man kann g»r vief von einer Karte ab- 
lesen, es knnn eine unendliche Gedaiikenreihe durch das ein- 
fache Zeichen er^chlof^t^n und um 80 mehr also auch das einfadi 
räumlieh vorhandene auf einer Karte gesehen werden. Den Schü- 
ler richtig sehen und lesen, begreifen, «chlitifsen und Am aufge- 
fafste verständlich ausdrücken lehren, das ist des Lehrers Hau[>t- 
pllichl, und das wird er nicht erreichen können, wenn er i!je 
Karle nicht als ein Mittel S£ur Erweckting geistiger Thütigktit 
henulzl. 

So wie die Karle der Hatiptanhaltepunct beim Sammeln de^ 
Wifsenß?*to!res ist^ »o auch bei der Repetilion. liier tritt die 
Wandkarte wider in volle Gellung, sie kann gar nicht entbehrt 
werden« Ein anderes Millel zu gründlichsler Widerhotung bietet 
«ich dar: in Anwendung von Flufsi- und Gradnetzen* Prä 
Ausrülien iolcher Netze mit demjenigen, was bei ihnen zur Ver* 
vollste ndigung des Landesbtides noch fehlt, fuhrt den Schüler von 
neuem darauf hin, seiner Phnnla^ie die gegenseitigen Ltgenver- 
hUtiiis^e vorzuführen, und widerum ist es die hierbei anzuspre- 
chende Selbstthatigkeil, welche ein günstiges Resultat fordern hilft. 
Ob dem Schüler Grad- oder Flufsnetze zur Ausfüllung vorzu- 
legen sind, das kommt lediglich auf die Umstände an, Vorzug»* 
wei^e auf die zu solchen ArbeiteTi disponible Zeit und auf di^n 
der betrefTenden LehrstuTe entsprechenden Ausbildungsgrad^ immer 
aber sind die derartigen Obungen dem mechanischen Nachzeichnen 
der Karte vorzuziehen. Dem Schüler selbst gewahrt die Ausfül- 
lung der Netze die gründlichste Widerholung, und wenn der 
Lehrer sie 2ur Anfertigung kartographischer Extemporalia anwen- 
det, so findet er in ihnen das sicherste Mittel^ In nmglichst kur- 
zer Zeit gleichzeitig eine grof^e Schülerzahl auf das sorgfältigsle 
zu prüfen; und das ist eine derjenigen Lehrer pflichten^ die man 
nicht gewifsenhaft genug ausüben kann, weil man sich dadurch 
vor jeder Selbsttäuschung über den Wifsensstand des Schülers 
bewahrt, und die eigene Unterricht&weise am besten beurlheilen 
lernt. Näher auf den Gebrauch der Netze einzugehen, verbietet 
der Augenblick, ich verweise daher auch hierfür vorläufig auf 



im VftwoHLlunp ifcr iiJirlc Mm g^0|tr Cnrerr,, rm S. r SffdfHf 

das, wa« ich in meinem jilng:sr er.'^chienenen hyflrngTaphi80ht*u*) 
imd dem bereits envähnten Gmdnetz-Allas angisdeutel habe. 

Die erste Forderung an den Schüler war: die Karle 
V er s l e ti e n zu l er n e n » eine zweite : das verätandem* 
wider^eben zu können, und ist das durch richtige Anlei- 
tung und wechselseitige Thätigkeit erreicht, alsdann kann da** 
wichtige Ziel nicht ausbleiben ; dafs der Schüler auch , wie man 
KU sagen pflegt, die Karte im Kopfe hat. Steht das Karlen- 
bild nicht bfofs vor seinem mechanischen Auge, sondern hat er 
es auch, je nach seiner AulTarsungsrahigkeit , geistig durchdrun- 
gen^ ohdann kaim man ihn mit gulem Gewifsen die Schubtube 
Yerlafsen sehen; nimmer aber, ich widerhde es, wird er zu die- 
sem Ziele gelangen können, wenn er sich nicht mit eigener un- 
miUelbarer Thäligkeit m dem Aufbau seines Wiü^ens belheilrgte. 
Tragt der Lehrer dem Schüler die ßaumaterialien selbst alle her- 
bei und fügt sie allein zum kunstgerechten Ganzen, läfst er sich 
nicht vom Schüler tüchtig helfen, stellt er ihn nicht an, auf daft 
er selbst mit Lust und Liebe, mit alF seinen Kräften arbeilet und 
milbauet, so wird der Schüler das Gebäude vielleicht anstaunen, 
er wird sich aber nicht darin zurecht Qnden können, er bleibt ein 
fremder in ihm, es ist ihm nicht In Herz und Sinn gewachsen! 

Hiermit wäre ich am Ende meiner Mittheilungen, in so weit 
mir es die fesigesetzte Zeit gestattet, dieselben auszudehnen, doch 
eine Bemerkung, meine Herren, ertauben Sie mir noch. Ich habe 
immer von der Verwendung der Karte gesprochen, atier ver- 
gefsen zu erwähnen, dafs ich die einer richtig entworfenen 
Karte damit meine, denn von einer falschen Karte kann man 
nichls richtiges lesen, Üme Bemerkung erscheint recht öber- 
flüfsig; sie ist es aber nicht, wenn ich mir einen Lehrer denke, 
der den besten Willen hat, mit guter Methode an sein Werk zu 
gehen , dem es aber an eigenem llrlheile über die BeschafTenheii 
der Karte fehlt j sie ist es nicht, wenn ich einfach ausspreche, 
dafs es noch sehr viele Karten gibt, die falsch sind und den 



•) E. V. Sydow's! Bydro graphischer Alias. 27 Flafsnelt« 
über alle Tlieile der Erde, nebst MüsterblatI und Auwcisiitig lu 
deren Äweckmäfsiger Augfullung. Gottia, 1847, J. l^rthe«. 1 Tlilr, 
4Sgr* (vgl. Ztichrf*. r. d. ikicrr. Gynm, 1852. Hn. Vllf. S.04r>(r.) 



J 



Verweiidung der Kart« beim ^«ogr. Cnlerr, vnn M. V. B^dtm^ 



vorgezeicKnelen W€g der Karienbt^nulzung wenig oder gwi" nuhl 
rniter^lüUen könneiL Eä ist alno vor alkm nolhweiidi^f dal^ tkr 
Lehrer den Stoff m bi^herr^che, däfe er selbst ein richtiges Kar- 
tenurlheiL bei^ilzt, damtl er mcb nicht läuschen laf^e durch äufji^ere 
Reizmitlel auf Kosten des inneren Werthe.« und durch Rixenssio- 
ocD und Anpreisungen derer, die haiidwerkMuäüsig alle*'-, aba 
auch Karlen^ receaderen, gleichviel ob me etwa» davon veralehen 
oder nicht. 

In der Karte »oll da# Natur bild möghchät ireu widergege* 
ben sein, wir können abo auch diejenigen Karten nicht brauchen, 
wo di« Gebirge wie vielfach verschlungene Eingeweide erKchei- 
üen , oder wo das Abbild der Erhabenheilen »u^iehl, wie dje 
Krypta Uisationafly che einer gefrorenen Fenälerwcheibe, gar nichl zu 
gedenken der veralteten maulwurf^htigelartigen DHr^lelfungen; wir 
können aber auch eine Karle nicht gebrauchen^ die nichJ eine 
lüelhodfsiche Anordnung deö Stoffes verralh und die nicht gleu-h* 
sHIig durch ihre Einrichtung der prskli.H'hen Anwendung in d*^r 
Schule entspricht. Alles bei einer Schutharte verernigen: ^\^ cha- 
ruktcri^^iische Generalisierung und Heducierung des zusammeit^f'^el^- 
ten Naturbildes mit der inelhodii^chen Anordnung det^ InhpiMe»^« 
gewisse Reichhaltigkett und sireitge Genfluigkeit des zu ^ebendi-n 
mii einfacher DbersichlHchkeil und mögttcFiJ^l praktischer Gebrauclks- 
cinrichtung« endlich schöne und ge^ichmuckvotle Auf^Hlattun^ mit 
wolfeilem Preise — das alles zu vereinen ist schwer^ ja e* i^t von 
zu vielen Umständen abhängig, als daf^ nicht in den meisten Fal 
len das eine oder andere noch unerfüllt bleiben muffte, i^l man 
demnach noch vielfnllig genöthigj^ Iki der Schulkarlenkrilik eine 

lgewi.^e Milde anzuwenden, ^o ge^chuhe da.s tiur nicht auf KoKlttii 
der metbodfschen Anordnung und pädapogi^chen Einrichtung und 
vor allem, meine Herren, laL^e mHU sich niclit durch Äufüerlirh- 

'keiten bestechen^ die bei llüchligem Hlicke anziehen, bei näherer 
Prüfung aber hinler der glänzenden Hülle nicht den Kern zeigen, 
sor den es der Schule ankommen niuf<«. 

(ch habe schon lanfre die Idee gehabt, mein Scherlleln zur 
Leitung einer auf Wahrheit bpgründeten Karlenkrilik beizutragen, 
riNse Rücksichten haben mich aber bij^hcr von der Au^rührung 
abgehalten, und ich beschrajike mich für jHzt darauf^ diese Krdik 



ZüiHchr, lllr di# n*ierr. GymiirtiJPH 1054 Hl Ult. 



14 



194 Beitrag lur Entwlckolung e. Elementarthoorie der Fliehkraft^ ?. A. Mar Nu. 

miUelbar aua^uüben durch das Streben nach Vervollkommnung 
meiner der Schule gewidmed^n Arbeilpii, wie das viellekhl dum 
der Emriclilung meines so eben erschienenen Schul- Alias*) her- 
vorgehen dörrie. 

Von den Wandkarten bis ku dem Sc hui- Alias hat mich das- 
«elb^ Feuer, dieselbe Liebe für die Sache beseHL und wenn mich 
die freundliche TheilnuUme und der belehrende ßalh der Schule 
auch Ferner so uuter^lülzt^ wie er mich bisher erfreut, wahrhaft 
erquickt und für menschliches Lln^remach taiisiendfaeh enlschiidigt 
hat, dann, meine Herren, werde ich auch weilerhin, mit GoUm 
lieistand air meine Kräfle der ^Schule weihen — und gewiss, ich 
wirke so auch gemafe meinem Stande, denn ich hange fcsl an 
der Überzeugung, dafs diejt*nipen Früchte, welche die Schule durch 
Sie. meine Herren, erzieht, tter^^er im stände sind segnungsvollen 
Frieden aufrecht zu erhalten « als es lausenden von Soldaten und 
Xananen je möglieb isti 

Berlin. E, v. Sydow. 



Beitrag zur Etit Wickelung einer Elementartheorie der 

PMebkraft» für Schul- und Lehrbücher in Obergy amasien 

und Oberrealschule II, 

In fast allen Lchrhüchern wird die Theorie der Fliehkraft niieh de' 
alten Betrachlungsweise Huygeirs dmchgeführt , die den malcneltt'u l^unci 
am biegtinmen Fad«n sieb umschwingen Jäfsl; so lichtig die weilerrn 
Schlufsfolgermi^en ifind , «o ist für jilngere Schüler die ütierlragung der 
Schlüfse von dem Kpecjcllcn Fall der Schleuder auf den aH^eiüejnPD der 
Centralkräfle sebwierig , und gewiss hüt je^ler Lehrer die Erfahrung ge- 
macht, daf^ die Theorie der Fliehkraft selbst in dei» oberen Schulen zu 
den am weivigsl verstandenen l*aragr^phL"u der Efemf<ular - Nalurlehre ge- 
hört. In den naehfolgendfjn Zeilen hat>e leb versucht, die Theorie der 
Fliehkraft auf einem allgemeineren Wege ^u entwickeln, wodurch die Ein- 
sicht in die EnLnlehurig und Wirkungsweise dieser seeundiirea Kraft ge- 
wite klarer wird, als auf dem bisher verfolgten und veralteten Wege« 

Die FliehkrafL 
a) Bei einer krummlinigen Bewegung wird die Richtung 
jeden Augenblick verändert, und das Bestreben des beweglichen. 



*) E» V, S y d o w ' s : S c h u I - A 1 1 a s. 36 Karlen und ein Vorwort* 
Gotha, J. Perthes. iV« Thir. (vgt. Zl^chrn. L d, öeterr. Gytnn. 
1850. rV. m* B. im t und 1853. Hfl. ItL S. 214 H.) 



^lm§ Eor Efilvielteliitfg e. 






writi^erFliehkrtift, f. A Mn^. BS 



nach de? feweilipfejK tiem lietreirpriflen Bßhnpuncte (^nli'jprecht'ntlpn 
Tflügente rorlstusiichrejtpu, erknlel mil der weck^elinLen Lngc der 
Tangenlen selb.^l eine Rjchiung^verBriderungr, die nichi nhne Hfick' 
Wirkung bleiben kamu b» rindet nämllcK^ theoreti.>üch betrachli^t, 
eine Kraflezerlegung siM, wobei nach Cm^tänden die shlenkeride 
Kröfl ganz oder zum Iheil dazu verwendet wird, den Wid* rstand, 
welchen das bewepfliche vermöge seiner Tragheil der Ablenkimg 
enlge^enstellt, aufsuheben. Dieser Widersland IhM mh neiüriich 
ftia selbständige Kratl betrachten, und da i^r der ablenkenden Kraft 
eiiigregenwirkl und das bewegliche gleichsam von der einzuschla- 
genden krummlinigen Bahn zu entfernen «ucht, an hat man ihn 
Fliehkraft oder Schwungkraft genannt; nach dieser vorausgeM hick- 
im Erklärung wird es uns al^o erlaubt srin, die KüehkrarL kurz- 
weg als diejenige, aus der Trägheit hervorgehende Kraft zu be- 
zeichnen^ welche sich bei einer krummlinigen Bewegung der Ab- 
lenkung des beweglichen entgegenf^telH. 

b) Um eine ErnMicht in den erwähnten Vorgang zu bekom- 
men , mufj^en wir *^lm kur^e ßeirftchinng vorausschicken. E$ 

m Fig, t A ein malerietler Punct, 
der von den Kräften AB und AC 
nach rien genannten Richtungen in Be- 
wegung gesetzt werde; wir wifisjen, 
dai^ wir die rf^wulUerende «lurch Ver- 
gleich ung des Kräfte-Paralh'logrammes 
ABCD erhalten, und daf^ nun 4m be 
wegliche die Diagonale AD zu durch- 
laufca fiat. Vergleichen wir die GfOlsv 
den Weges AD mit den Wegen, welche das bewegliche durch |re- 
trennten Einllülk der ComjMinenlcn durchwandern niüfste, namlit h 
AB und AC = BD, so linden wir^ daf^ er, al.^ dl*» dritte Ureteck- 
seiJe, immer kleiner i^t, ^h die Summe der beiden anderen; e& 
IM u\m beim Erfolge ein Theil der eflectiven (wirklich thatigen) 
Kräfte verloren gegangen, und zwar fladurch, daf^ jede der ur- 
sprünglichen Componentt^n dm bewegliche von der Bahn des an- 
deren abzulenken hat. Wir können uns leicht davon und selbst 
von der Gröfse des genannicn Verlustes fiherzeugen. Zirht man 
die Linie xy senkrecht auf die AÜ, so zwar, dafs sie durch den 

14 • 





1 9 H Bett ra g z u r Ent w I c ke luüg e . El emen la rth eor j e d er PI k hk raft« v * i * MtirÜH* 

Füllet A geht, und ffilll man die Linien BE und CF senkrecht auf 
die xy; ferner die Linien BG un*i CH senkrecht auf die AD^ so 
hut man zwei Parallelogramme AEBG und AFCH, in denen die 
beiden urMprüngliehen Componenten AB und AC die entsprecben- 
den Diagonalen bilden; man kann dabtr .««latt dieser beiden Kräfte, 
kdie ihnen äquivalenten Kräfte AE, AG, AF und AH subsliluieren» 
'Die Krafie AE und AF sind aber einander gleich und entgegen- 
gesetzt, sie werden sich alio gegenseitig aufheben und sind fnr 
-den weiti^ren Erftilg verloren, während das bewegliche durch die 
f Summe der zwei übrigen Kräfle AG + AH ^ AI) naeh der ge- 
meinsamen Richtung AD bingelrieben wird. Um die zulelzt ge- 
mac-hien Aiif^sprucbe als allgemein giltig anzuerkennen, haben wir 
noch zu beweisen, dafs i) AE =^ AF und 2) AE -1- AH = AD 
ist, was, um die Scblufsfolge nicht zu unierbrechen ^ bis hierher 
verschoben wurde. In der vorstehenden Figur ist BG ^ AE, 
denn sie bilden gegenüber stehende Bechtecksseiten; ferner ist das 
Dreieck BGÜ congruent mit dem Dreiecke Al^X, weil beide die 
ParatlelogrammseJIen BD und AC nebst den anliegenden, aus 
parallelen Schenkeln gebildeten Winkt?! stückweise gleich haben; 
ef* ist daher BG = AF und mitliin auch AE = AF. Was die 
Richtigkeit der zweiten Gleichung anbelangt, so ist laut Zeichnung 
AG + GD ^ AD; — aus der früher bewiesenen Congruenz der 
Dreiecke BGD und AFC folgt aber auch , dafs GD = FC = AR 
isl^ daher dieser letzte Werth in die obige Gleichung subsliluiert, 
ats Resultat die iti Frage geslellie Gleichung AG -h AH^AD gibt 
c) Wir erkennen aus der eben entwickelten Belrachtung 
folgende Tliatsaehen: Wenn zwei Krafie AB und AC unter ir- 
geud einem Winkel auf ein bewegliches wirken, so wird dasselbe 
nach der Diagonale des Krä Hepar allelogrammes (AD) nicht mt|j 
dem ganzen Eindulse der beiden Kräfte fortgetrieben , sondern es" 
wird von jeder Kraft nur eine Theilcomponente (beziehungsweise 
AG und AH) dazu verwendet, während die andere Theilcompo- 
nenle (beziehungsweise AE oder AF) das bewegliche senkrecht 
von der neuen Bahn (At>) zu entfernen, also der Ablenkung 
zu wider.Hlehen sucht; dieser Widerstand der einen Kraft wird 
aber durch die gleich grofse Theilcomponente der anderen Kraft^ 
die das entgegengesetzte Bestreben äulkert, aufgehoben und die 





6e ilrag zu r En tw 1 ek el u ng e. Eteme u U r t h eor i e d er F L I et) k rafl, V . A. Itor/fVi . I Ü 7 

Bewegung in der Diegonale findet, wpnn gleic* mit Verlust m 
efectiver Kraft ^ durch die zusammenwirkenden Theflcoinpnrienlen 
AU und AD wirklich sMt. 

Das, yitm wir so eben gefia^t haben ^ gilt bei monienfanf^n 
Kränen für den Anfang der Beweffiing? i«l diese einmal eingrlei- 
lel und also das Wirkungiimoment der momentanen Krälte ver- 
flofsen, so wird die Bewegung, in sofern nkthi neue Einflüfse 
dazu kommen, unnbänderhch nur nach dem Gesetze der Tni^liefl 
fortdauern; da aber die ursprünglichen Kräfte i»e[bst verschwunden 
sind , so kann von dem nur für den Anfang: gellenden Raisonne- 
ment weiter keine Rede sein. Nitihl sn bei i!Onlinuierlich, nach 
demselben Gesetze wirkenden Kräften^ da bleiben ja die Knifie 
während der ganzen Dauer der besebleuniglen Bewe;;ung wirk- 
sam, und somit hat dm im vorhergehenden diiri'hnfi*fiih( te Schliifi*- 
foIjg:e bezüglith des Widerslandes gegen die Ablenkung in jedem 
Augenblicke der Bewegung volle Geltung. 

Um nun speciel auf unsere Fliehkraft zurückzukommen, ha- 
ben wir zu bedenken, dafs bei einer krummlinigen Bewegung im- 
mer wenigstens eine Krafl eine continuierlieh wirkende ist, dafs 
also auch gewiss die Reaction gegen die Ablenkung nicht fehlen 
kann, — Wir erinnern uns, dafs wir bei Aufsuchung der Bewe- 
gung?*geselze für krummlinige Bewegungen gezwungen sind^ die- 
selben auf geradh'ni^p Bewej^ungen zu reducieren, indem wir ent- 
weder die conlinuierliche Krnfl nach unendlich kl^-inen ZeiUheiU 
chen = T stofs weise wirksam denken, oder indem wir uns diese 
Zeiltheilchen so klein vorstellen, dnfs ein Bahn.stück^ welches von 
dem bewegliehen während derselben zurückgelegt wird, als ge* 
rade ang^enommen, also gleichsam mit der Sehne des Bogens ver- 
wechselt werden kann. Unter dieser Bedingimg stellt uns aber 
Fig, i ebenfalls ein Bild dm Vorganges bei einer krummlinigen 
oder für nnNeren nächsten Zweck, bei einer Centralbewegung vor 
Augen. AC ist die Centralkraft für die Zeil t^ AB di*^jenige 
Kraft, mit welcher das bewegliche im Puncle A angelangt nach der 
Tangente bis B fortschreiten will, endlich AD ein Stück der Bahn, 
welches für das Illomenr t als gerade angenommen wird, es gellen 
nomil wie früher die nandichen Schlüsse für die Zeilen r ^ r' 
^ t'* u. s, w. . . . . oder mit anderen Worten: sie gellen für 



11^ Rtiilrag ^uf EnlwickcJimg e. E lernen lad heorie ihr Fltehkrafl, f , Ä. Mmiti 



ein vürseh windend klfine^ r, zu^'lt^iüh für jeden Puncl 4er kruiii- 
imw Bühu; imintT wird diie TheiliH^in^ionenle AE, der in folg*» 
der TrHg:lieil geradlinig forbtreltenden KraO Aß, »ich der Ablen- 
kung wiilt^r^etzen, und sie iituf^i durch dfe Ceütralkrafl selhe^l ndcr 
eine Thcilcüiiipoiieule derselben öu(gehuben werdcji. Die bezrich- 
nete Krafl AE rientil man nun umierer Oefiuitian enkprechend, 
die Fliehkraft, 

Wir sehen, dafw, sobald die Cenlrtükraft plotzhch zu wirken 
aufhüfU die Flit'hkrnt^ AE^ nicht niehr aufgehoben , alj^ogJetch zur 
Wirki^auikeit gelangen und äch mit ihrer Ursprung Lrchen TtieiU 
couiponente AG zusanmien reizen uiuf«» ivu sich dann als re.^u liie- 
rende wider die volle krall Aß ergibt , Juil der da*i beweghciie 
nach der Tangenle des Puncles A forlfliegl; eine Thalsathe, durch 
welche in der Kalur die Wirkung der Fliehkraft zur Er.'^chei- 
nung kommt. 

d) Wa.s da» Verhaltnil* der Theilconiponenlen AE ^ AF 
anbelangt^ m ist AF^^AC egg ß^^hC ain a d. h. der Ablenkungs- 
Widerstand ist tur eine und dreselLe ablenkende KraH AC, ah* 
hangig vom Sinus des Winkels a, ilen dif^e KraH mit der 
hauplre4juliii?renden AO einschljerst. Wird bei einer heslinmiten 
Combinntion der lirafie dieser Winkel nahezu ein rechter, ao 
wird Min a nahe gleich 1 , und AF nahe gleich AC d* h. e« ii^l 
unier diesen Umslanden die Gränze. weldier j^icli der Ahtenkungä- 
Widerstand nähert, der ablenkenden Kraft selt>sl gleich. 

e) Diej^e vorherp^ehende ßelracbtung führt uns auch zur" 
ßestiinniung der Flielikruti bei eiiu^r Cenlralbewegurig im Kreise, 
Es^ei (Fig. *2) A!N ein Stück einer Kreisbahn uitd AB(D, das 

Kräfte- Parallebigramm, in dem die krumme 
Diagonale AC unter ßegehung eines de»t<> 
geringeren Fehlers^ mit der gleichnamigen 
Sehne ÄC verwechselt werden kann, je 
kleiner wir da*. ßogensJück .«selbst ^ d. h 
je kleiner wir uns die Zeil der ßewegungSt 
dauer=T denken; lalWn wir diese Imuh 
mehr abnehmen^ so «erhalten wir als Bahnslückr die Bogen od« 
Sihneii AHj AK u, s. w. und der Winkel DMU DAK u. s. w» 
nähert sich immer nu-hr einenj rechten, bis er lür ein uirendliiih 




'4 




Beitrag cur Entwickelang e. ElemeDtartbeorie der Fliehkraft, ▼. A, Mariin, 199 

kleines t und ein unendlich kleines Bahnsluck wirklich in einen 
rechten Winkel übergeht, daher der Ablenkung«- Widerstand oder 
die Fliehkraft im Kreise nach dem früher gesagten, der 
Cenlnpetalkraft AD gleich gesetzt werden kann, und es hat die 

Formel^ die für die Centripetalkrafl im Kreise gilt, p &» ~^^ 
auch für die Fliehkraft im Kreise ihre Geltung. 

Wien. A. H a r t i n. 



Zweite Abtheilun^. 



Literarische Anzeigten. 

Hiilen nyeirtan. Irfa Lichner Pdly a Pozsofiyt erang. Ly- 
reumban a clansica philologidnak tandra. Mdsodik dtdol- 
gozott kiaddn, Pozsonyban i86S. 

(Fortsetzung der Anzeige im II. Hft. 8. 125 ff.) 

Im $.57 ul>er die Kedet heile sind aurser der Gberschwanglichen 
Terminologie logische Verstörse und öngenauigkeilen zu rügen. Die Zahl- 
wörter werden den Nennwörtern beigerechnet und zugleich bemerkt, dafs 
sich unter ihnen auch Beiwörter und Adverbien finden , was einander 
widerspricht; dafs die Zeitwörter sich durch die Flexion nach Person, 
Zahl, Zeit, Art und Geschlecht vom Nomen unterscheiden ist 
wenigstens ungenau ausgedruckt ; in welchem Sinne die Interjectionen 
Verhältniswörter {piS9onyii4) genannt sein sollen, ist nicht zu verstehen. 
— Logisch ungenau ist es ebenfalls, wenn $. 58 als bei der Declination 
SU beachtend coordiniert werden: der Stamm, dessen Charakterbuchstabc 
Uellembefü) und die Endung; denn der Charakterbuchstabe ist ja ein 
Theil des .Stammes. AU Charakter wird hier der eine Endbuch.stabe des 
Stainm'vs bezeichnet , dagegen wird derselbe Name z. B. $. 100 auf die 
beiden Endbuchstaben ausgedehnt. — In der allgemeinen Gescblechtsregel 
$. 61 , a) hätte der Hr. Vf. wol gethan, unter den Masculinis die Namen 
männlicher Thiere mit Curlius wegxulafsen, da unter ihnen mehrere epi- 
coena sind. Übrigens steht die hier erwähnte Regel , dafs die Namen 
männlicher Thiere Masculina seien, in Widerspruch mit der Angabe $. 64 : 
«Die Thiernamen haben in der Regel nur ein grammatisches Geschlecht 
zur Bezeichnung der zwei n.iturlichen Geschlechter.' Diese letztere Regel 
ist falsch, vgl. Krüger $. 'i1, 2, 1. Für inUoivov gebraucht der Hr. Vf. als 
magyarischen Terminus h6%, wendet aber denselben z. B. $. 92, Anm. 2 
für das genus commune statt kdzdg an, ein Beleg, welche Vorsicht bei 
Sulistituierung einer nationalen Terminologie erforderlich ist. — $. 65, 2 
«Die (*onsonanten - oder gemischte oder zweite Hauptdecliuation , deren 
Stämme gröfserntheils (nagyobbreszint) auf einen Consonanten, auf einen 



ftetim mmtm LHhner Mmt, m^, v. fC. ffaid^r. anj 



wf^jcheii VcnjaJ und auf eine« Doppellaiit ausgehen.* Sollte Meh «fTSfafm- 
thi'ijt,'^ wie en wol lH;ab?tirht]f!t ist, nur auf den consonanlkrti«'Ti Ausgang 
b«zktien, 1*0 murrte »irh der Vf, Anders ausdrucken, — Nicht blora in 
einigen Fallen (n^meiu eseiekben) $, 55, A. % iehmilEt in der vo^a- 
ÜMchen HaiiptdecKiratJon der VocaL der Endung mit dem Cbaraklervocale 
suHaitimen^ isondern für den attiaeheu Dialekt, nm deu es ileh hier f unaclist 
handelt^ iar diefs ßegel. — J. 66 in der Überaichl der Decliniitionsaui- 
^äiig«^ hat der l\\\ Vf. ttt-i iler consjioriantLHthen iX) Dedinatjnn die Anga- 
lM«n von Curtlus und von Knl^er unter einander fEemischt, ohne zjx be- 
denken, dafs diese von verHf^hiedent'U Gesirbtspüncten au8f etien . nämlich 
Krüger vom [Vominativ, Curtiua vom Stamme. In eine GramEDatik^ 
wi-lche wie die von Curlin« nichts magaEinartif«^» mehr bat, «ondern nach 
einem streuten Plane durrb^eführt ist, lafsen sieh nicht leicbthin Bausteine 
aus «nderen Gebäuden einfügen. ^ Verwirrend für di^n Schüler iat in 
demselben J die Zuaammen^fclfun^ der Ausj^ange für den Sinp. der 1. ÜecL, 
da man nicht stiebt, ku welcher tVominativendunf; die Endungen der an- 
deren Gasua pEt-hören. 

%. 68 bemerkt der Hr. Vf. ^der bestimmte Artikel der deutschen 
Sprtebe ist fast der nämlichen Art (Natur) wie der der griechischenp* 
Ob jn dieser magyar. geschriebenen Grammatik der deutschen Artikel im 
vergleielien wnr , alatl nnr an den inagyar. äu erinnern » ist wenigsten*! 
tweifelbafti wollte al>er der Hr. Vf. einmal vergleichen, so müfste m rö- 
nau geschehen, und gesagt werden, daft der deutsche Artikel, ao weit in 
der Formenlehre von defr^en Art oder Natur die Rede sein kann, gati« 
d«^rfl^lbe ifft, wie der griechiscbe; ja diese lllelchartiglceit gilt auch von 
dem Artikel anderer Sprachen. Her Artikel der rom, Spracbeii , dann der 
magyar., der arab. und hf'bräi^ich. Z. B» ist nichts anderes als ein abge- 
schwächtes pron* d^momfr. In der griecb. , der ileutschen und den 
roman. SprAcben laf^t »ich die ailmahlicbe Entwickelung dea Artikels 
aus dem pron> demmiitr, gesehichllich nachweisen ; denn im Homer 
ahnlri-b wie im Goth. beginnt die Abschwaehung de» pron, erjüt m d^h 
der Artikel auf eine geringere Anzahl von Fallen eingeschränkt wird und 
noch keinen festen^ völlig geregellen Stand in di^r Sprache hat; trnd der 
Artikel der romanischen Sprache hat im tatcim^cben {itie) seine Prono- 
fiirnalbedentung noch ungeschwacht Im magyari*^ehen aber Hiebt der Ar* 
tikel, «o viel Ref. hat erfahren können, in dm ältesten Seh rifl werken 
aehon fest Die Entwictelmig, welche dersellje von den ersten Zeilen 
der magyar. Literatur an durchgemacht bat* wird vielleicht mir darin be- 
«tchpD, dafs früher dai » in iro (eig* Bjen^r*) vor Consonanten nicht 
nothwendrg unterdrückt od"r assrmititrt werden mufste, was jedoch allmäh- 
lich, wi»^ bckrtinit, Kur ^'olh wendigkell geworden ist. Vom arab. Artikel 
ät^ und vom hr-br. hu{i) \'n,Ui »^icb ebenralt» eine ähnliche Entwickelung^ 
u-ip bein» dculNcheUt rotnan. und griech« geschichtlich nicbi mehr 
niich weiten* UerBelbe alehl in den ältealen uns rrhaltenen SchriH werken 
der genannten Sprachen bereit» fertig da. Aber son,il ist der Artikel in 




titsr einen Sprarho was er in \\m anderen ist : er bt pr&n. demomir., das 

entweder m hisl, oder vorhi^ilor. Xeil die sseigund© Kraft verloren hat, 
und 2U1» prokliUKchen BcdH heile geworden i«t- War hier eine eDlfernt 
liegende Vergleiclmng in ungenauer Weiso hcrbeigeiogeni jfo hätte dagegeu 
f. 71, J. 82, J. 96 bej den PecUnatiotien die iiaheliegeude und wiehere 
Verglöichuug mit dem Lateinischen, welche CMrlius anrtetilet, nicht weg- 
gehifseii werden sollen. — Bei den VVörlcrn der i-UeclInatioii, i^ eiche lur 
tlhun^ inigegehen ttind^ fehlt öfters, ao wie auch son^t in ahidicben Fälleo 
die für den Schüler uueiUbehrticLie BezeicbDong der Quantität. 

Bei einem anfmerk^amen Durchlesen des ganxeit die Declinatioo be* 
trelTcuden Abschnitte:! bemerkt man leicht, üafs fast eine jede wenngjt-ich 
scheitibar kleine Ahweichuiig von dem glQckÜch gawäbtten Führer den 
Bru. vr. zu Fehlern gebracht bat. Davon einige Heis^iela Nach des 
Hm. Vr/n Angabe f. 91 ho 11 in der conaonanlisch^n Declination der Stamm 
ejkauuL Werden p indem man vom geil »ftlff. die Endung og weglaDie. 
Curlius setzt richtig hinzu ^iw. allgemeinen.* Bei den tiefichtecht »regeln 
Für dieselbe Deelination behalt Curtius folgerichtig den Stamm im Auge; 
indem der Hr. Vf. dagegen die Nominal iveuduiigen zu gründe legt, iat 
S» 92 so übel gerathen, dafs er bei einer zweiten Auflage ganz umgearbei- 
tet werden ranfs, ein lUlli, dar auch für J. 125 — J. 12B gegeben werden 
mufs. Der Hr. Vf. tät^t 9» ^3, 1 den Ac^cent bei ?,wei- und mehrsilbigen 
Wörtern dieser DecUnütion so lauge auf der Tonsylbe des twm. tins. 
bleiben, als es die Quantität der lilndnng geatatte^ müfste also ^to^Tj^orroff 
accontuiereui Curtius erwähnt vorsieht ig aufser der Quantität der Endung 
iiuch den Zuwachs. In j. ^3 ^ ä ist in den Entlehnungen aua QurtiuB 
eine nicht einmal haltbare Bemerkung aus Krüger 5- 17, 12 eingemischi. 
S. 04 gibt der tlr. Vf. die Übersicht über die Ausgänge der zweiten 
Hauptdeclination nach Curtius mit ein par theils unnöthigen, theils un- 
passenden Änderungen in den Beispielen i so weit die Überschrift voq 
der bei Curtlus abweicht, i^t «ie unvolbLändigi denn es werden ja nicht 
blofiä «idio Nominativcndungen und die Stämme^f t^ondern auch die Genitive, 
angegeben. Die Erörterungen f. 98 # A. 1 u- 2 über die Stämme auf tf, 
-&, ai'T, ivz sind durch Abweichungen van Cur t ins in eine verworrene 
Folge gebracht. J. 99, A. 2 sagt der Hr. Vt ^AtiqU^v und UoffMiämif^ 
deren Stäoime ihreu Nominativen gleich sind, verkürzen im VocaUv ihre 
Vooate und sieben den Aeeent zurück : ^Änokloifj UQüeiSov, In 'JfUf^i^- 
wop und in mehreren zusammengesetzten Wörtern wird der Accent 
ebenso (^frUe) zurückgezogen." Der letztere Satz heifst bei Curtiust 
«Nur der Aöcent wird zurückgezogen in mehreren zusammeogesetilen 
Wörtern s 'Ay&pkBuvov , 'AeißTüy^nov ^^ und weist darauf hin, dafa hier 
keine Verkürj^^ung des Stammes emirill, und setzt aufser Zweifel, dafs 
auch 'Jytifii^vafif ein compüsiium ist. — j. 102 ^iden Nominativ bUdet 
nur vtlq mit ^, die männlichen und weiblichen mit ^." Die Bemerkung 
wird erst Terständlich aus Cnrtiust ^Deu now^ sing, bildet der einzig« 
Stimm auf l SXq sigmatjsch, die männlichen und Wfiblicbeu Stämme auf 



ffeiien m^irtm Lichntr PAliM, ang, t I^. äaider, 20a 



r. 



f ftUe ohn<» £** — $■ tl>2p 2 ^nur der eitmylbrge Slamm n^ v^rliu]g«rl 
d^ii Vocitl deji ^omjnat]va.^ Der Vocal den ^omillAtivä \ni lAj»g, ^ann 
aU^ flicht t^rst verläufteiL wt'nlijji, Cufllu«: «Nur der rinsylbi^e Sianim 
vvf llehiiL dujt t$: fa nv^. **^ j. lü halte der Hr, Vf. seu deu Wörtern 
sfi'^ , tii6ms iljü bei Curtius i^ieh niidt^odeii Hemerkunfzen Tiber den kc- 
c«id des #c^r. lii|^- uad ülier dji' DeehuaUon des Plural lUDhl au^lafäßD 
ioltetii dAU er dagegen ^. 110 ;&u der bei Curtius au»8elilieMH*h ange- 
fuhrleu Form IJ^gtnliä nucU TlBt^inl^^ und Ili^titXqv Eufügt, Ul uuge- 
börlg. Ukno Poroieu s^iiid tlieila sc?llen^ ilidN poetiiich, und nlchtii bringt 
gröbere Verwirrung in einr GrAuiiualik, aamentlich in eine Scb utgra 101114- 
lik , al« die buiUe Vt^riniseh^istg aller möglichen DiateLle uud Enlwkhe- 
iuii^{>eriCHlen der Sprache; n^icb den V^rdiensteUf welche sich namentlich 
artiger uoi lirenge Scheidung erworben hfll^ sallie ein sofches Verfahren 
yitimiglich sein* IhtJ alphfibHi^ehe Vpr/eichnis der ÜnregtlmaUigkeiten d*r 
bc^cliniittou ist durch Entfernuitg vnn dem Vorbilde der Curiiu^'ichüU Or. 
ütierladeo gewordeo, j, j5S isl h{» Beispiel für die Kegel , dafs die 
O'Hlämsae ?or deui Pürmativ der Adverbien «og ihr o ;ih werfen; xaXo^ 
mtl^g a[i|;egcUtfii. Curtiuit wähU dagen rieht (g tpilog, tpücagj denn nur 
in Kälten die»''r Arl , n i f h t m ileni vam Uriip Vf. angefübrien , ist au« 
d«iii Acet:nte der Wegfall m erkennen. 

Diese Bei Hp tele werden hinlänglich reigenj welche AufgJibe es isl, 
die GeseUu der griechischen Formen lehre genau uud streng abKufafsrn, 
Qjii! dafti mau es reiUiahäl xu erwtigen bat« ehe man von einer «0 über- 
eu Abfafaung, wie sie In der Curtiua'schen t»r sich findet, auch nur 
ftth«iubar unbedeutenrlem abweicht In ähu lieber \Veiae hat der Ur. 
VC in den eiue gmi uiniothige VVtderhöKiag enthalleaden % 130 — l^fi 
bei Eailehnuog aus Krüger's tirammatik (dertrn Verdienst ubrigcni* viel 
mehr tn der Syntax aN in der Koro] eu lehre liegte einmal durch Weg lafsung 
eineä «regelmafäi^'^, ein anderem mal durch IHuzufugung eine« «meiitetii* 
Kciiler in das eutlchnto hineingebracht 

Von ander weil igen ^ nicht gerade unter den obigea Gesiditsjiunct 
tallendüu Unrichtigkeiten und Mängeln in <lum bezt^ichnetei^ Abj^chnitle einige 
Beispiele, f. 73, I wird tu dtr Bemerkung« dafi^ die Cndung et und hl^ der 
I. DecL rein nel, wenn ein Vocal oder ^ voran*igehe, auf 5. 12 verwiesen, 
in welchem man eben nur lie^t, däla «in Vocal rein isl, wemi ein VocaJ 
vorausgeht j «weil aieh dann kein Conaonant jn seinen Laut eiurmicbi." 
J* 78 werden je u der Regel, daf» Jude EIndung pci (der 1. Decl.) kurz u% 
wemt die vorausgL-hetide Sylbe ein langem v oder einen Diphthong mit 
AuMnahme von at> hal>e , als belegende fieiqjielü niigi'fiihrl s BaclXtta^ 
»v^oia. — Düfa nur «wenige* Wörter auf og der 3* Üeel weiblicheu Ge 
lehteclilei seien (j. 79), ist nicht wahr; aueh hält« in drestit Hinsieht 
f. 80 inchl blofi^ von maunltcbeii und weiblichcu Sub.>ilanLi\en ijSHt^ttk} 
»oodern eben !»o gut virie vier Zeilen fiüb«r von öub^vurnliveu niid Adjectiven 
imiiiek H^cek) die Rede ^qui sollen. Bei der Contriction von %^mtQq^ 
{cLlaiog j. So ist über deu Acccnt oichta bemerkt, sondern nur in Betreif 




tili 



Helien nuemtm Lichn^r Fättot, m%, v. A. Bnider, 



von %av^tiv Ktoct^ot^v* — ÜJo Rexeichiumg des v itf^tl%. rst j. 96 und öftert 
unteHafBen. -^ tliiler den li« merk untren über wetPh-vocaliHche Stämme (auf 
t und v) 9. 107 [ie^l man, da£i %^C%^m m Tf^;{i; cofitrahierl wird, h\% ob 
der Stamm t^i^i oder ^^tz^ wäre, während doch der tir. Vf. mll Curtiu« 
für t^^io^ u. a. einen anr q ausl^iut enden Stamai annimml. — Dariü o^tlotf 
nur im nom. und /irr. gt^braurhlich aei^ Ul nie hl richlig; sonst würde 
mati itocT* oqpflog SA^en dürfen. Krü^er's Angaho nnderiieila . o^«Xi»e 
komme nur ab !>Jom. und Su bjeelsaccusativ vor, stheinl %\% eng, in einer 
Slelle wie Stipk. PAtL t3S4: lifug ^ Utgiiäaig oiptlog ij 's' /^ol 
TÄ^f iit ogjfioff gewii*s ni«ht ersl durch nininfugung eines dvad tu er- 
klären* aonderu directes Ot^ject. — §. 140 ^ 4 fuhrt der Hr, \t tu ^0*0, 
dovg all {Neutrum /ttdvo^ov an. Die steltene und nicht unheslriltene Form 
liehortu in eine Schuif^rammattk ebensowenig, als die Bemerkung §. lAt, 
A. 2 über da^ Vorkofotnen von ytollög u, a. bei den ton fern in eine 
Grammatik des nt tischen Dialekts. Soltle übrigens der tlr. Vt den Aeeent 
fiovoiov belegen können? Wenn nicht etwa fLO^o^ovv wie nai^ia^oi^ow 
all gewöhnliche Form vor7.u^itfhen hi^ so weisei^ bestimm tu Analogien 
auf die Accentualion fiovSSov seL — Tie^euötH^r der frJiher gerügten Häu- 
fung TOQ grammatischen Kunslausd rücken *eigt sich j, 156 der Mangel, 
dafs die einzelnen Clasaeik der Pronomina u u r mit magyarifehen Namea 
bezeichnet sind. 

S* 156 lieNt mal) lfio£p, (lov eniffm, tfov^^tieäf ßtpm^ — 
Si^^k etc. Die An, wie in manchen mapyar. (Jrammatikeri das Oenilivvef' 
hältnis beedchnel wird , kann Ref. iticbt hilligen. l>ie magyar. Sprache 
hat keine Gt-nilivfor m , ho wenig als die h'^ulige deutsche Sprache einen 
Vocativ oder die griech. Sprache einen Ablativ durch eine eigcni^ Form 
bezeichnet . Im Magyarischen Bndet nun eint- üm^^chreibung statt, die Ahn- 
Uchkeit hat mit der türkischen Genitivlie^eichnungf und mit Ausdrucken 
der deutschen VolkRtprache , wit «dem Vater »ein Haus, dem Herrn sein 
Uiener» u. m, w, , magyarisch «3 ttiyä mik &ä%'it, in ür-mtk 3t%oi^ä* 
Ja,.. r»as Suffix nt/k di'^nl tat Be;:eiphnung des l>aliv, und wird Ulhtüg 
wegen des WoMauts, so wie au^ anderen Gründen, auch auF^elaffiiHi j — 
Ä und ifi sirkd Proaominalsutfiie; denn das prm. ponseSJifriiiii wird im 
Mtgyari^cheo wit im Semilischen durch Suflke am Kndo itcr Snkit.jntive 
und Präpositionen, im Magyarischen virlmchr Po^lpusitionei*^ ausgedrückt. 
allein Rerr** ist al^io magyarisch ür-am, «dein Ikrr'^ üraä^ «seiir Herr* 
fir a €(€,, und Ferg hedern wir die«e I-'onnen logisch» so ist ür der regte* 
rende und das Suffii der regierte Theii der t'orm, od**r mit anderrn Wor- 
ten, das SufliiE vertritt die Stelle eines GenilivK. Soll aber %. B. auf die 
Fragi*: «WtsKen rwl das Mef<rr fwcm gehört das Mefser)? Kf€ a keif 
geantwortet werden, so heirst es: „ftz üri 0/rtfJ = (es ist) d?is des 
Herrn* u. s. w. Hier hat sich nnn da* logische Verhältnis in iofern um 
gekehrt, als jetet das l^etonte SuPßi i der 3. Person der regierende und 
das mM Ur (l«r regierte Thei) der jtusammengenetxten Poroi ist, und 
mithin letEleres die ^itüllc eines penif. einnimmt Die absolut stebeuden 



ert I 



BtUen ntftfrffm lickner Fäitöi^ ang. v. S. Saider, 



2m 



% 



pTüumninat fransüa, It mien, ie Hm^ ie »ien eic, Inuien m&gyM* as 
et^^m (frn)^ u tieä, a^ tfr^, * .^ worin demnach der zweite Pronominal- 
sUmiD den regierenden , und der erste den re|;ierten Casus repräsentiert* 
Auch katin noch b«igefilgt werden, dat» der Bla|cyare daa deuUche «icb 
selbst, dit selbst, er selbst^ u, 9. w. ausdruckt durch; mtignm {map- 
[Saroejtfwj), rnngüit, ma§a, emphalificht en rnngimt i0i-\}v\\]nMig-imi)f ten 
nmgiiä^ *fn magu elc.^ und «omil das deutsche ^oiein— , dein — , sein Eige- 
nes durch: maffonte^ nmgade , magäe etc, tiiit^nllich : das \m\ mir—, 
dir — , Jhm selbal). Solche con>p<inierte Fonnen nun wie nrä (das des 
Herrn) enifem, magmm.... können begreiflicher Weise selbst widfr in 
alle Verhall nisse und hfide rmmeri zu stehen tommeti, z. B, diU, ufenaH, 
occ. fif^t, n&m, pL Ür^L . . — So viel lur nolhwendtgsien Verständigung 
derjenigen Leiser dei" Gym, Ztschr>, die sirb niU dem Magv^nscben nicht 
besehiaigl haben. Sehen wir zunächst, wie von einigen magyar. Gram* 
mall kern der Genitiv anderer Sprachen ausgedruckt wird, Hitui h\ 
(ein PJame, den man nichl ohne Hochachtung nennen soll) sagt in »einer 
EltitQrftfio grmmmiiira Hungarfca, Festini 180$, pag. 204: ^GenfttPi 
casus ßnmttirum est e ei je, (psum persmae ieriiae , prm&men stn- 
piime 3 Ptf/ jS = a, iiie^ kpc um ttwnii nunqnam mitiabiii et ctim 
falm-e recfproci sum , mn, suum. Quo ßt, nt in tingun nastrn ei 
ipse genitlrm, xictitJ nmmn gtfCHfque per casui (nfi^ctutur^ Man wird 
freiücb nicht begreifen, wie ein Genitiv, ilev im Nomin., Dat oder Accus, 
itebt, zu denken sei. Gleichwol nimmt Hdtai die eoniposita hole pfscis 
ipi, kiii^-e) für den Genit. , indem er beisetzt ± »an piscis nude, Kä 
ptscis $uum titiquid. Ref. hält es nber für seine Pflirhl jm erwähnen, 
J^s Rerai nur in dem Pnncte und m der unabl»rsigen Aluhi? dfiti ^la^ya* 
riäch«* mit den semitischen Sprachen in einen unnalürbchen Znsanjmtiih.ing 
lu bringen, auf Irrwegen gewandelt ist^ während er sonst um die Färde- 
rtiQg und grammal ikaliscbe Pesistellung der magyar. Sprache die enli^chie^ 
drnslea Verdienste sich erworben hat. — S%epeii Imre ^ ein für die alt- 
griech. Sprache begi-isl^rler und im Diensle derselben mit Erfofg thaliger 
(Gymnasiallehrer in Pest, übersetzt in seinem etetni hellen npettitm, 
\ Sudan tM2^ itov mit enptm, aow mit tied, /ftarJto« mit enmägmnä. . ^ 
■ — Remite, nemet rtpeMan^ BecMhen tSSi, gibt den deutschen Genitiv 
^ (und er steht hier n»rht allein) »^des Menschen** schlechtweg durch efn- 
^nek^ ah ob es ein Dativ wäre. Den Genitiv des pfüH. persfm. lafst 
er unü hersetzt. ^ Der Hr. Vf. roagyarisiert den Genitiv des* pron. ahnlich 
wie Prof. S^pesi^ und f. 77 ^ A. 1 gibt er die Genitive Ximv vimv und 
Xt*if mit cMiosi fittföknak und chlosi mknek, wie Dative — Dafs 
dergleichen Magyarisiirungen jedoch unth unlieb sind, w ird der Leser schon 
aua des Hef. einleitenden liemerkungen entnehmen können Man kann 
wol Ä. B. die Frage steilem Wessen ist dieses Ruch? t{vo^ htlv glvxti 
4 ^i§l^^\ i^ie e% a kSngp? und anlworlen; Das meinige, tj ipov oder 
^ Jf«}, ie mieUf a% enpem u. dgl Aber solche grammalische Aitalyseii 
^ rechirerligen die fragliche üms^brcibung keineswegs, am wenit*s*tn m 



2<Mi UeUm npeman Lichner HtUM, «ug. v, K. Haider, 



einar altgriechischen OrämmAtik, iJit nie uiut oftniD^r da» Gepräge vulgarer 
Sprach mdiJterei ^w sieh tragi-n dsrf. SoU ein griech,, lalein oder deut- 
scher Genitiv wider gegeben werden, so kfinn e^ nur auf dem von der 
Natur der magyai'. Sprache aelbst gezeigte» Wege geschehet), toö Ümno- 
%üv e. B. wäre, iDiofern es von einem snäslfifU. aUhai^gt, fm furmik — a 

ija\ e {Je}i iU Wöbet der Gedankenstrich die Stelle dei regieretKlen 

nnmen bezeirhnel; insofern Buüuoxov von einer PraposÜion, einem f«-*,, 
mf/ect* oA^t üdrerb. abhängt, mufste eine tn^i^yar. Pnstposition tu h\\U 
genomtnen werden, a% ürioi { — Mi^ —näi u. s, w.). Der Geniliv ^Fffxo- 

TOtp wäre also anzu zeigten ; urmik *- a (iVi) , ü ije); ai oder uriiH 

(— M/, — uäi^^^J Die^e BezeichnuDg f^ndo auch ihre Anwetidung ^luf 
d&n Genitiv in der Construclion des Comparaliv, z. B, weiser als der Leh- 
rer, itoipwtf^og toit dtÖÄffitaiov, öäksetfd ü fmiiirnnl inäl oder nil =^ 
bei)* Zugleich weist Ref. darauf hin, dafs im Magyarischen let^leif Cun- 
Btruction der se mittscheu ähnlich \%% ^ arabisch £. B. dcUkamu min (voii, 
aus), di-fnudafTitL Beim pr&H, kdmmi es nhermals darauf au, ob di-r 
Oenitiv von einem miMtmt, oder voji einem verb, u* s* w. ahhRogt Im 
ersteren Falle muta er durch die PfOiioininalsunke umsohricheo werden; 
h Ss^notqq ^oü, (jo©,,,, ist «^ iirmnj — ad...., im andere» F«llr 
dient wider die magyar, Poi;tp4Diition , ah ^^01^, fMetii^ tkälmn...^ Wie 
Rt'f, die Sache aufkCttt, roufs nun siehen: 

ffftf^oroii = ürnnk — a, e ^s ai, et. . . p. üriöi ( — Ml, —nM ) 

/iov r ifioo " — a//i, —em ä$ — aif/ij Hm. . . p. iSfem, ntiMim 

u. s. w, Ks versieht sieh von Jtdbsl, dar« ilic vorgehe hl ?igeii(*n tnisehrei» 
bungen den umschriebenen tieiuliv nicht erschöpfen^ so wenig ein lalein, 
Genitiv einem gn^th. GmüL, oder gar eiu arab. Accus, eineai deutschen 
Accus, n. 8. w völlig gleichkommt. Rs genügt, der Wahrheit nur mö^- 
Uchüt u.ihe fM kommen. In einer griectiiüchen in magyar, Sprache jEe- 
sehriebenen üramnialik wurde übrigens Ret d*'n Genitiv lieber lateinisch 
ausdrücken, und demnach Seq^otov durch äomini und fiov durch mei 
(meuM) aniteigeo. 

5* 1 (iO. Ii» der Bemerk nng . dafa von den pran, refi€3^. des ptur. 
beide Pronomina he^oiidefi* {kiii(m\ deeliiiH/rt w^erden* wird neben i^fi'CÖr 
avjmv etc, auch ohne weiteres huvxmv sn^eführL — 5- 1Ö7 Tooo^d« und 
toßovxo^ werden in der atlischeii Pr<isa nicht uur lieber {tuUäöH^ sou* 
dem bis auf ein par bestimmte FOimeln ausschlierslich gebraucht.— 
J. 170* Diganima, Stigma, K.ippa sind nicht, im üulerschieile von den 
übrigen^ fremde, sondern veraltete Buclistaben. Die Angabe fiher den Ge- 
bfanch von H, X, M aln XahUeirhen war iu einer Schnl^ramniatik nicht 
nolbig; soHte ele aber einmal gebmchi werden* »o war kein Grund 
ji und H Äusiuschliersen, — ft t9.^ daEs di<} Zahlwörter von 5— 199 in- 
declinahel seien^ ist aus Curtius 5. 222 übersetit; hier wäre ein gcnauoritr 
Ausdruct ÄU empfchleu gewesen, da ja in Zahlen wie 3t, 32 u. B. w. ein 
Theil declinabcl ist. — 5. 179. Was soll die desuliorisch« Frage: ^v- 
Qt&nt^ fiv^tm fiit^tdifBis menuyi (wie viele) ¥ — J. 183 ^v^^s X^i^^^^j 



I 



^ikn f^ehft&n Ifchner P^mt, ang. v. It. Haider. WT 



^das übrigens der Br vr. ^«^^en seinen Gebr?^uch lücht ülierneur, iül keJD 

[piraenUc's Beispiel fOr den Gebraurh ri*T Zsthlworlfr bui Co^e^:tivbtfnennan* 

gen (I. ß. furÄöff x*^^öf)i «1* ^v^iog kein bestimnite!^ Zahlwort isl; 

und für die A c e cti I ämlrrnnp , welche Wi dieser Bedeiilnng eiülntl, ist 

das Beispiel 1*^ ntvla tivgl« nirht bezeiehnend ^ewHhlti 

. 185 werden Verbj*i formen wie Ivta^ fltmrt aiif Bf*oliiieh!ung der 

Jl^rsoti in^ raagyar. uberseUl, Ivm okM, At^öß nkhütim, Übrippos 

|wifd mfserhftib de» eigenllichen Bereiches der Conjugatiou die 1, Pernon 

^ing, der griechischen Zeiten immer durch die .1. Person Sing, ^tf ent- 

|iprechfUilen magyAr. uberÄcUt, t. B. }. 200 #rtfl> ^tf^i^ (d. h. er läffil) 

(i. A. m. Innerhalb des mügynr. m\h%\ h:it es meinen Grund, in ahti- 

eher Weise von der 3, Fers. Siivp- auifugehen, wie im grieebischen von 

«r 1* PeM. Sing,, aber es ist begreiflieh , dafs dkfa för iberaetsun- 

Fgen keine Anwendung erleideL 

5. 19ß, 5 ist gesagt: a Andere nennen die «eU wachen Zeiten ento, 
starken ä weile Zeilen, wns tVihx bequem, aber niehl l^ezeichnend» 
»icbi Hchiig ist {de nemJe/iemtS, mm f^m).* — Dnf« die Benprsnung 
)imporii prima und secuMa «kein Stuck Sache mitgibt ^^ wji^ Curtius in 
Vorr. S, V sagt, diis ist vollkooiiiieii wahr, und tnan k<^nn wol bcgrei- 
^ warum Cnrlius sich nach einem bedeutsameren Ausdrucke umgesehen 
lt. Auch J. Grimm sagt (S. 99. I. ThL 3. Ausg d. Gr. 1840), nachdem 
«Ich gegen unnölhigf , einseilig nur einen natioTvalen Stand- 
lU O c t suchende Terminofo^ien ausgesprochen : «Nur einer ßezeiehnuog 
rarhte ich möi^licbsl auszuwetchcn, der, die hU\% sählrn will, t;latt tu 
enenuen.^ Ob aber Cnrtiuf aneh einen rieh I igen Ausdruck gefunden 
(habe, mut ob v^ uherhnupl mofslrcb sei, einen Tiel b^fseren zu Bnden, 
iIr tem/mra prfma und ^emnda^ das ist eine andere Frage; Kef, tur 
eine Person glaubt es nicht, und sleUt das eine wie das ander© in Ab- 
ede. Üftfs die ßeieichnung «starke und scb wache Conjugalion* wie die 
a&ie Terminologie von L Grimm .'iiirjserj^l scharf und gelungen ist, gilt 
Mtf den Sachversi and igen als ausgemacht Sie greift so tief in daa We- 
der deulscben Conju^alion ein, wie man ÄbnHcbe» nicht leicht von 
ijnera lerminus wird behaupten können. Aber auch nur auf die deutsche 
onjugaticm lalst »ich der Ausdruek unbedingt anwenden; in den anderen 
adogerman. Sprachen , und vorzüglich in der griech, » treten so n;imbarte 
«cbränkungen ein, dafs es mehr als bedenklich scheint» diesen Ausdruck 
einer griech. Schulgrammatik ku gebrauchen. £a isl wahr^ der tjnter- 
chied zwischen starker und schwacher Conjugalion findet sich in den 
eraehicdenen ludogerman- Sprachen mehr oder weniger; J, Grimm bat 
selbst in seiner Grflmmalik (S, 1054 ff. L Thl. 2, Ausg.) und IheiJ- 
vets« I. Thl. 3. Auüg, (am Ende unter « Ablaut') klar und t reifend nach- 
l^wit^itcn. Besonders auJTaUend und älndieh sind die drei Ahteitung^TOcale 
gothischen scliwacben Conjugation i, ö, rt/, der Jalein. t^ it, e und 
griech. f, o, u. s€t daf* gotb. S0Jii = pmta {sot i-fi), rti§in^ ^ fe^n 
fiiffin <hiOf (i^a = Pif^f^ i.iib-üia); latein. üudto^ mm {am a el doce&i 




^m HHim nffeiriiTH Lichner PtWH »ng. v. ^ Haider. 

gfiech, nodm^ iiovlim^ ttfMxm als «ch wache Zcrtw5rter «ieh entsprechen. 
Wenn man ulso in «iuer g riech- (jraiDmatik von starken und sehwAChm 
Zeitwfirteni redeu wdUe, lo halte mau nach der Anaichl des R*f. 
noch das gröfsle Rocht hierzu b^i den mittelst Bf Oj et abgeleiteten terbU 
C&niractis. Denn» wie gesagt» die Ähnlichkeit bc/ üblich der Abh'ituNtfs- 
vocaie ist unverkennbar, und dazu kointul, dafs die«*»iben iui (Irisch, ähn- 
lich wie im Goth. mil den FIcitonsvocalen vergeh litfen werden, Uen 
günstigsten Fall nun angeuommen, dat» es im Bereiche der griech. Spra- 
che aufser den genannten Zeilwörlern keine anderen gäbe, die ebt-nfflU«, 
wenn auch ferner, aur die gothi^he ächwacbe Conju^alion sich heziehcn 
liefsen, m könnte Ref. es dnch nicht üher sich gewinnen, den kunstaus- 
druek verb. conir^ mit dem anderen „iitark und seh wach "^ eu verlauscheji 
und diesen überhaupt zu gel»rauehen. Penn bei aller Ähnlichkeil ist duch 
wider eine sehr grofse Versebiedenheit. Einmal hal im Guthiächen die 
schwache Conjugaliou, abgesehen von den wenigen praeter iifi-priteseniiina, 
durchweg andere Endungen für das praeL und für das pari, praeL^ aU 
die starke Conjugation | das ist bei ihn Verb, conir. der f^riecti. Sprache 
itn Verhältnis eu den übrigen nicht der FalK Ferner ist nicht zu über- 
sehen, dafü die Reduplikation sieb uimiillelbar aus dem Wort^ttamme ent- 
Wickel tf dafs sie nicht blofs eine äuliNorMch angehängte ^^ylbe iziti wie 
etwa das Augment, in sofern es nicht die Heduplication verlrilL Diese 
Standbafligkeit läfst sich in den jüngeren german. Sprachen auch dadurch 
auf d»is iit-!jtiinuileste nachweisen, daf^ hier die Heduplication nicht npur- 
los vcrÄchwand^ oder etwa nur eine iicb wachere Nachwirkung luruckliefs 
sondern »ich zugteich an diu Würzet aiiklammerl , und sogar den Vocal 
derselben diphthongisieru Goih. Aui/ktlä (\on hiUdan ^ priscere) ist 
mittelhochd. AieU, neuhochd. ^ hielt ^, Eh möchte au» obigecn jiich er- 
geben , dafs die fnr den günsltgaten Fall als schwach ausgewählten 
grieeh, Zeitwörter mit den Abl^itungsvocalen f, o, t£ tu anderen als stark 
angenommenen wjtj fpu^m^ T^f^cn \u s. w* ducli ii^ einem ganz anderen 
Verhültnit^u titebeit , als die 2iilwörter der goth. schwachen Conjugalion 
EU denen der starken. Mit anderen Worten, die Kluft ist im G riech, bei 
weitem nicht to j;rofs als im Gotb. ; denn die in frage stehenden Perb* 
contr^ nähern s»ch den anderen wider durch Gemeinsehafl der Endungen, 
und mehr noch durch völtigc Gleicbheil der Hedupttcalion, Und man 
wolle jft nicht ViTgefsen , dafs die geuannle AfTection des Verbal Stammes 
auch ein weseni liebes IVIerkmal starker Conjugation ist. Von den vielen 
Beschränkungen des Unterschiedes zwischen !«larkcT und schwacber Conju- 
gation rücktfichllicb der griecb. ^Sprache möge noch diese bemerkl wer- 
den, dafs der goth. Abiaul di« WoriHtäninie weil starker, als der griecli* 
ergreift. Im Griech. haben wir nebst der Vocaldehnnng und lliphthongi- 
eierung nur den Wechsel zwischen e^ o, «, was» etwas ganz anderes ist, als 
wenn i, a, ü mit einander wechseilen j hingegen m goth. Zeitwörtern wie Ml- 
$Hm (helfen)^ haiß, huipmis, klimmt der Ablaut sogar alle drei Grund lönu iler 
Voi^aUealii .m. Oüerii^upt jsl tm Goth. die silarke Conjugation so he^iiuiml 



iieiltn mei^im Liekner PMm »ng- v. #. Sattler. 2m 

gpsrhieden vdn der schwachen, IledupUc^tion utid Ablaut smd AO gfNeU- 
mrtn*i|; ihirchgeführt, ihh dieser Cnlerschied und die«e GeselzmSrsigkeil 
sidi unmtItelbAr und leichl wahrnehmen VdhL Im Griech. h^il die Sarhe 
fchon Schwitfrigkeilen; die Unterschiede sind mehr oder weniger ausge- 
glichen, die beiderseitigen Formen spielen mannigfach in einander über, 
und wenn der geübtere Sprachkenner die analogen Ersehe Juirngen tu fln- 
deo, tu beitehoji und ku diulen weiDt, so fol^t bicraus noch keineswegs 
die Nolwendigkeil odtir auch nur die JMülz! ichkeil einer gemeinsamen Ter- 
Diinologiu. — Ei könnle auf dirse Erörtern ngen eingewendet werden : 
Gurtiu^ iagt ja nichts von slarktT und ach wacher Conjngatinn^ von starkem 
und schwacheu) ^eilworle, er macht nur den rnlersehied Äwisrben 
den sogen, temp. prinUs und steumlis, (ii:rade iiieiilurcli scheinl t% 
dem Ref. um so leichler zu erwei^jen, d-ifs e% nicht ratlm,im sei, den Aus- 
druck , stark und aebwaeh^ auf diesen Fall %n tihertragcn, und AOgar in 
eine Schul grammalik einiuführen. Curlius hemerkl lur Rechlferligung 
dea neuen (ermfum in der Vorrede seiner Grammatik: aüars solcbe For- 
men stark genannt werden ^ welelie melir aus der inneren Triebliraft der 
Wunel eutspnefsen, solehc schwach, welche ausschliefslicb durch 
äufseri if! h hin i ü t retende S y I hen gebildet werden, wird 
sicherlich auch de;m Schüler leicht begreiflich zu machen aetn, seumal ja 
die Vergleichung mit der Doppelbildung dea deutschen i^o^cn. hnperf. 
(nehme nahm, wie tqinm-, irgaT^op^ hege hegte, wie Xfyta^ I^Afl«) so 
nahe liegt» — Ist es nun rieh I ig, dafs die iemporn prima a u s s cli t i e Fb- 
lich durch äufse flieh hinzutretendeSylben gebildet werden? 
denn diese Worte von Curtius müfsen unabänderlich fesigeballen 
werden. Bei näherer l*rnfung dürfte sich das Opgenlherl he raussl eilen. 
Formen wie: ^tpr^iftt^ ^%tu^tij i^^fi, l\^til(a^ fyri^a f;ehi>ren niich Curlius 
dem achwachen Aorist au Ref. gesteh t^ ilafs diese Ansicht etwas für sich 
hat; man kann dai fttL nuf m in Belrachtnng liehen, und sagen, das un- 
lerdrückte ff Kahe wie dort die circumlleclierle Lange der Kndung^ so 
hier die länge des Stammvocales bewirkt; auch wird sich wol sonst der 
eine oder andere Zweifel, der sieh erhebt, wider beseitigen lafscn. Aber 
wie steht ea mit dem langen Slamtnvocale? An diesem Tindet Ref. we- 
BJgitcna einigen Anstofs, Der Vocal der Wurzel ist nun einmal lang, und 
damit ist diepe Wurzel so gründlieh umgestallei worden, als der gricch. 
Ablaut seinerseits eine Wurzel umzugestalten vermag. Man sieht t. R. 
den Wortstamm ^ccv bei der Form ^'tpjivci unleugbar in hedeutsame Mit- 
leidenschaft gezogen i er Infsl die Endung nicht allein äufserlich an sich 
herantreten, sondern er hilft selbst recht grundlich mit für Bildung der 
VerbalforiD. Warum er das thue, ob mL^hr durch eigenen Trieb oder in 
Folge des EinQufses der Endung, die Beantwortung dieser Frage dürfte 
für die Annahme oder Abweisung eines Cnlerschiedes zwischen starker 
und schwacher Aorislform noch nicht mafsgebend sein ^ um so weniger, 
als immer noch genug, und eben nicht ungesrundcle Redenken rnruck- 
htiehen. Wie vorhält es sich ferner mit den von Curtiuji schwach ge- 




210 



HeUefh Pifefmtn LUhner IVtim, ang. v. Jl Mnider, 



hmUmm rcrfectfomeu wfc l^ffrofiita, iip^aQ%t£ u, i. w.? Bei dieaen glaubt 
RüL ebenfalls leigrn zu können» tlafs sie nicht schwach genannt werden 
dürfen, d* h. dafs sie tiirhi «ausöc hlie fs lieh durch aufserlich 
hinjEu treten de Sylben gebildet werdeo.» Denn al!r SUtinme 
muhtiw ja ot&Xj ip^fQ u. a w. niiecnoramen werden, und dafs diese durch 
den Ablaut umgeslallet sind, also ebenfalls ein IMerkmrtl starker Conjugatlon 
an sich tragen, ist von selbst kUr. Dagegen lielse sich rreUich ein wen- 
den^ dnfs eigenllich nicht otfX, 9*«^*, *, sondern c%ttXj tp&ctg die Wurzel 
tn ihrer ursprünglichen und reinsten Form darstelle; dafs bei so 
Vitien griech. Zeitwdrlerii itie reine Wurzel nicht im prites., BOndern in 
einem iemp. prmL^ bau[ilsäehlich dem 2. aor. anm Vorschein komme. 
Auch im üotk ist ja dieses der Fall» und es ist eine dem vergleichenden 
Spfüdiforacher gewiss wjrhlipe Erscheinung, dafs in golh. Zeitw orten» 
wie steigun (steigenl, biudun (bielen) ebenfalls das priteL und nicht das 
prms, die reine und uri^priinglidie Wurzel darbietet, von »teiff-ftn t. ß. 
siiff und von tiudati hud. Aliein wenn Gtal e. ß. die reine Wuntel 
ist, wie eatwiekelt sich aus dieser der erste Aor. ^atftltx^ Diese Form soll 
schwach sein; aber wenn von tft«! ausgegangen wird, dann ist sie in 
iiofern stark, nU jrLxl die Fiulung nichl hh.ifs äufserHch herangetreten^ 
?iomiern die Wurici gleichfalis durch den Ablaut cf in e umgestaltet wor- 
den iiU Ähnliches gilt^ nämlich Umgestaltung der Wurzel dnrch dtin 
griecb. Ablaut bei Aor. Formen inltvvtx (nlv) iMip^v (Xtft)^ ijtihQ-jjt 
int&) eic. Man wird in Beiug auf ifititr&^ijv nicht gellend machen kön^ 
neu, dafs das e im V^rbaUtamme sich so 2u sagen verhärtet habe; denn 
jtttSTog^ int&ov ^ itPt&o^tjv sind ja geläufige Formen^ Wenn vollends 
Formen wie iaipayriv jind iecpaiQ-itv neben einander vorkommen , warum 
soll man die eine stark und die andere schwach nennen? In beiden enl- 
wickelt die Wurzel gleich vieU oder wenn man ^ill, gleich wenig Trieb- 
kraft, und auf die Endungen allein darf man sich auch nicht berufen; et 
müfi^te denn nur sein, dafs man die eine Form als ein comp, im Gegen- 
satz zur anderen annehmen wollte. Letzteres wird aber aus bekannten 
(iründen ganz und gar nicht angehen. So Schwindel denn die ftlÖgltch- 
kett, bei dem Namen stark und schwach den wesentlichen Dnlersehied der 
Bedeutungen fest zu hallen, und es ist Eu Ijesorgen, diese Namen, in den 
Sohülgebrauch gebracht, werden ebenso zu blofseo Worten herabsinken, 
als die Bezeichnung dnrch blosse Zahlung. 

Wenn Heft im obigen die Bedenken darlegte, welche im vorliegenden 
Fall^ der Anwendung der Pjamen stark und schwach, d. h. der durch sie be- 
zeichneten Vergleichung mit einem beslimroten Ünlerschierle in der deut- 
schen örammatik entgegen zu slübcn scheinen , so braucht er wol nach 
dem gaiiien Inlmlte dieser Anzeige nicht erst gegen das M es Verständnis 
fich zu verwahren, als wolle er hiermit den Werth der Sprach vergleicbung 
für die richtige Eni Wickelung der Formenlehre einer einzelnen Sprache, 
aperiell der griechischen, ir^oiid in Zweifel ziehen* So verderblich das 
Herumtappen einer wirken Polyglonik iül , so b^^deulcud und tief eingrei- 



NtiV 81 ml die Ergebiiiitie ehmr mt\\ sie bereu QrtiiiridSIren finget HTten 
Sprachvergleichung- Di« Formenlehre der CuHius'scheTv Gfamiuatik ist 
ein ichlAgeniter fleweif d^rür; dmn das pkovolle utid duLehsicNlige, kurc 
ilAAJf>n)gi% nafi iüesa Formen lehrs vor dc^n mei^^lcn amlcrm Ai<^£t«jchnel, 
tiiiij auch ftJr die Seh nie nach dar AnsicIU des Ref. vof rügt ich brauchbar 
m^cht, dAi mufs nicht nur auf Eechnung einer grundHchca Kenntnis der 
gricch. Sprache» sondern wenrgslens in gleichem Mafse auf Keclinnng Hiies 
genau^ri und plantuäfiig vergleichend«» Studium* Äudfr<*r Sptacluni ge- 
letit werden. 

Pc ft t, h. Hader, 

(ftehture im ui«h$ten Hefte.) 



Lateinische Spraciifehrei zunächsl tur Gyinrittsif n hi^Hrtm- 
Iti von Dr. Ferd, Schulli, Direclor des Gymnasiums it« IJrauna- 
berg. Zweite verh. Ku%^. Paderhonv 1853, i»chÖtiiugh. S. VIII u. 
689 8. — 17* RlWr* ^ 2 n. 30 kr. CM, 

Vorliegend« Sprachtciire ist der Hauptsache nach vni> dem Ref, hereils 
itt dieser üymn, Zeitichr. f Jahrg. 1B52. Hfl. H. S. 135 fTj h^sprochen und 
ihrer Brauchbarkeit wegen gehörig empfohlen worden. Wie sich crwarien 
li>#fo, lial der Hr. Vf. es in di^^ser neuen Auflage nicht an RcrichUgun^en 
und Zusit/en fehlen laf^en , «o dafs wir im ganzen da» früher über dief» 
Ruch au^ge^proehene ürlheil nur zu widerholen haben. Üocb gtaube ich 
mibesondere auf folgende Puncte aufmerksam machen £ü mufäen* In der 
Vorrede S. l\ ff. erklärt »ich Hr. Seh. nartidrnckllrh gegen dieSystematisierung 
derSynlAX nach der neueren Sat^ieltre* Bei Fragen dteirr Art 'mi gerade das 
tlrlheil von solchen Klännern, die wie heknnnllich Hr. Seh. sich im Cnter- 
richte nk tüchtig bewahrt halben» vor jedem anderen ttSwjnnement iu beacb- 
len. Ref, wenigstens iit mit dem hier gesagten unbedingt einverstanden. — 
S. 2b2*—%99 isl die Partiketlehre diefsmal mit besonderer AuffühHichkeil 
befaindelt Die Präpositionen und Conj. , diese nicht nur bei der Exegese 
dir SehriltsIeJler , sondern noch mehr in den stdigtisehen Übungen höchst 
wi^'hligen Redet heile sind gteichsnm ^u einer kurzgefnrsten Synonymik 
verarbeitet, eine Vervollständigung des Ructies » wc?lche mnn nur hÖrh«t 
Witt kommen heifsen kann* Ki nie Ines möchte wol einer genaueren Re.Htim- 
mung bedürfen, wie wenn es >S. 25S heifst ^ßer stehe seltener (im Ver- 
gleich mit der Bezeichnung der Art und Weise), doch häuüg genug in 
der Bedeutung wegen^ ohne dafü im tnindesteu angegeben v^ird, worin 
der QrnndbegritT des so gebrauchten Wortes besieht, und wodurch es sich 
ron »einen Synonymen propUr und cama unterscheidet» — S. 3ö4, Anm. 2 
kommt der [Interschied »wischen per und dem abL inätr. zur Sprache, 
und es wird darüber so entschieden: dbei Sachen werde zum Aufdruck 
de« Miltetfl höch^it neltcn iüt gebraucht i wo es atier so gebraucht f eheine, 






Ih 




n 



412 F. örAn/n^ Laleiih SprachleNre, 2. Auig*, aiig. v. C J. f>ry$ifr. 



[yttm^ihxw fs Tielmebr tJie Art uml Weise* Piefe i«l *li* liei komm liehe 
Ei'kinrurtg der Ürammaliker; nUer man reicht mil rlcrj!«ll>en nicht aus. 
Wti; soll iimii Stellen wie tticse bei Lir, f, 5. tpsi pt^r fniermfssitH 
nes has fnferpailaque spem nmirnm ienlii^rem fiicfmus. td- 
MXVIf 4L Qttmn securtttUem mffgna pftrs mnicürmn ei ma per erra- 
rem (offnibar hier s, v. a, enare, dadurch, dafs sie selbst irrlcnl mit 
aMsentitudü fmietmUi mlt^r iganit ü 1*1 ich© Aus*! ruck sformen nie &ii- 
quem per fite ras cerilmtm filtere, per imidias ftiterficere u, 
V* n. tmcU dieser Regel iSeuknV libt-nso wenig scheint uns dt« Erklarur^g 
TU genügen^ welche S. 366, Anm. f> fiber den ÜTilerschied des <i*/(f//. wörf/ 
und der VtUp. per gegeben wird, Es soH tiümMeb per sieh melir auf dit? 
71 u Tb er e Arl und VVci^e der ftlaikdlung beziehen, bo dafs per tudifm 
et iocmn %. v. a. QHUBi imhmda ei ioamda sei; aber da tnöchie ich 
frajri^n, oh ich detin per ifiim^ per ironitim aiiquid dicere ^ auch durch 
quasi trmcendo et iramce die endo auflösen soll? Et ist vielmehr dt- 
niit ^ai>x umgt;keUrt, Mau \ei^ltticlie nur einmal diese beiden SÜtze: 
Atme rem tum mmum taetiia (mit Verdrufs) mtdtnt und haec eeräa per 
taedium [im Vardr.) emi$i: vou denen jeoer doch wol andeutet, daf» 
der Verdrur^ mich von atif^^^u durch das Hörcni etner unangenehmen Sache 
befahrl; dieser, dnf** die WoHe i\i\% dem mir in wohnenden Ver- 
drufse entspringen. Oder es ntHffep so kulet die weitere Erktärung dea 
per , wenn die Sittlichkeit der llandluug in hetracht komme , djcsen 
vorzugsweise nach der schlechten St-ile hin; demnach sei per fidem 
falitre s. v. a. perüdia /: , und etwas panz arideres als cum ßde. Aber 
hier scheint llr« Seh. von eiuem geinz willkürlichen Oasichtitpuncte atisiu^ 
gehen; denn das rooral i jiche kom»nt beim <icbraunhe dieser Präpositionen 
w^f nicht in Belmoht, indem ich auT der einen fseite ebenso gut sette cum 
flde aiiquem faitere utui cum summa rurpitudine wirere, als auf der an- 
ilereij per summum deüecus ritam mm tief e und widerum (v. Satt, €at, 
20, ^> iwnm emart per virtutem praesiai: Die weitere Erörterung 
Ober diese höchst feine iNüancierung des Ausdrucks mufs ich eitlem ande* 
reu Plat?,e voriH?halten* — S. 412 vermisst man ein» etwas ausführlichere 
und genauere Angabe übet {Leu Gebrauch dei hiBtorischen Inriniiivs. Da* 
durch d:ifs der llr Vf. die versehitdencu Falle, in denen derselbe lur An- 
wendung kommen kann, die z, B. Kruger in seiner latein. Grammatik 
^. rid6 ber^r auseinander gehalten^ in seiner Deßnition gleichsam vermengt, 
tritt die aufgestellte Sprachregel nicht mit der gehörigen Deutlichkeit her- 
vor. Auch sind Fragen, wie t. B. wodurch »ich dassrlhe einerseits vocn 
historischen Präsens ^ und anderseits \on dem Imperfectum unl erscheidet, 
obgleich diese sehr natie hegen, nicht beantwortet. « 8. 419 ßndel »ich 
die ilurchftus unhaltbare Angabc , dafs nach einem eigentlichen Per- 
fectum Abtichtisätte, iudirectft Fragesutze und ReUtiviäli« 
fast nur durch das Imperf. und Plusquamp. ausgedruckt würden, Das 
piusqumnp. ist aber in einer solchen Verbindung ganz fehlerhaft, und 
kommt nur in wenigen Beispielen vor, wogegen dem gewöhnlicheu Sprach* 



F. SrkäfiHt Lf\iüm, SpraclileKr«, 2. kuHg., ötig. v. C. J. Grumt. Ül^ 

grhtduche ^emäf^ hier moislen^ ein Ewette^ Perfeclum einirlü ; daä im- 
piff^ hiogi^gt^n bE %A\x ^ewöhttlicU sL dfs Prasinis« nber auch dit^üea an 
|tiiug getelzt wonletL So Of. de erat, /> A, £lf hßc iempus ömm pm/ 
tamniatiuH obitci mus (is ßuclibu», QUi per n&s a commnni pesfe 
depulsit in nosmet ipms re^fuftdftrtutf (es tfflrflc »irht rcdumiurtrmU 
\mh^i\:) €lc. Ph(L ß> i, yema hi$ mnis ^iginii refp, fitit kaUU^ 
quf fwn bellum eodem tempore mihi quoque indixer tl, II ml uun 
aueh r/r* ud Quinr. fr. I^ i, 2. Ea aurem adhibiia est doctritm, 
quae rei rllioslsstmam naluram excoiere possil (könnte freilich 
aöch possel lieifseu). — S. 423. Wir können es nur billigei»,, wenn Ca|k 55, 
bevor die Lehre ?ora Gebrauche dtjr modt im einielueo vorgenommeu 
wird, vorher im nllgf^meinen die GnmdbegrifTe feaigpslelll werden; doch 
hätte diefä in einer Weise geschehen mufsen , dafs die Ein^^eHalle, so viH 
wie möglich^ sieh unler die vorausge^ichLcklc allgemeine ItegrifTjfbestimfDung 
«ubsumieren lafsen. in bcKirg nun auf das, was «her die Bedeülung des 
Gonjuüctiyfl gesagt wird, dürfle schwerlich jemand sich mit der ßestim- 
mung des Hrn. Seh, einverstanden erklären «ca bezeichne derselbe steti 
ein Wollen , während der hnf icaliv ein Erkenne n andeute, * Diefs 
ist einer von den videii unglücklichen Einfällen^ welche una HrWeifsen^ 
born in seiner latein. Syntax auf^eUscht hat. W'ie soll man denn den 
Conjuncfiv in der tndi reden Frage, in der örafia GbHqna, In Uulativaafr.en 
oaeh mulli, panef oder rnirn, nulius, guis est gut u. ü, w erkJäreu? Wir 
werden %'ie( leichter aushelfen, wenn wir den Indicsitiv ah den Modu^ 
bctrachlen, womit wir das ausgesagte alsf elwas wirklfch vorhiindf- 
oea, den Conjunctiv als den, womit wir dasselbe als ein hiofs ge- 
dachtes hii^slellmi. Dieser Rubrik werden wir die naeisten Djtijunctive 
unterordnen können; obgleich ich mM leugne, dafs elnzctues , wie j,, H. 
der Conjunetiv im T o I g e s a U e odor der neben dem enusrilt?n guum siel* 
Dicht rügen will und als sprarhlii-he Abnormität Let rächtet werdt^n uiur«^. 
— S, S18 wird nnler Nr. 3 behaupte!, es sei die Conjunclion qmd aneh 
diUfi au/Ji wenden, awenn der Dafs-t^atz erklärend den Gedanken angehe, 
den man unter einem vorhergehenden Demonstrativ verstan<lcü wifsen 
wolle* IMe rieispiele » durch welche diefs he wiesen werden soH , passen 
alle nh-hl ; deint der Sr)lz mif gumi ist^ wie %. B* in Clc. erat, l, S. Hoc 
un& praestamtis rel maxime ferlSy quüfl exprimere dhendtt $enta 
pßSMmnus, als ein begründender nicht so sehr zu dem Demon^ilrAtiv, 
wie tu dem lliiuptverb prneslmnui zm ziehen. Dagegen ist in allen den 
Källen, worin ich angebe, wie ich etwas gedacht wifsen will, mag uun 
kac, idf iilud oder auch ein anderes Nomen vorangehen ^ ut d?iti allein 
£uläf»ige, u R* Cic. ad Quint. fr. f, /, /. Hoc est eplstokie proprlmn^ 
ui ii, ml Qfiem striöiiur . * . . , eertmr fiat Cic. pro SesL (9 Quid 
er&i (bedeutete) bis rincere? Ifl ftrafeeto, ui cum amentfsstmo 
ttiäuno plebis q/fnm devertmsem, fum conmHbns ceterisque eins tUto- 
fibm decertarem. Cic, legg ///, / Videiis igltur mfiglsiraim haue 
este ptm, ui praeiii praescribttique elc. — Die ik t>*5 angühiugio 



2H f. SchuHt, Luteiii, Sprachlelire, 3. Äufi|?., mg. v* A. Wiihelm, 



Übersicht der UQmticIitjn Uteralurge^chichto hüüe, da iie doch nichts 
wciLer al^ i^iii^ \ÄQ[%ii r^oni^^ncblur i^l, titid bei dem eugen ihr eitige- 
läumlen PUUe (H Sdten) aucli uiGhU andere! «ein kano, i^ads fugljcb 
weg y ei bei 1 kÖunetu 

W i e 11. C. i. Gry SAT. 

*) Die erate Ausgabe dieser Sprachlehre, aucb im Organ iäaiionsent- 
würfe S. 110 als emprehleuswt^rth Tür Lehrer bezeichi^el« erführ in der 
Ösierr. Gymn, Zeitschr. 1852 (S. 135 flf.) eioe günftlige ßisuriheilufig von 
Bm^ Praf, ürysar , der die^eLbe (S. l4l) uusereo höheren LehrcinstAlieii 
recht angelegcüllich zvl empfehleu kein Bedenken trug. Der zweiten Au»- 
gabo hui der Hn VL durch mehrfache Verbef^rungen , namenlJich durch 
sichere FedtstelJung mancher Angaben und genauere Falsnng mancher syn- 
taktischen Regeln eine grofsere Vollendung zu geben sich bestrebt, wodurch 
das Buch für seiucn Zweck in eben dem Uhim brauchbarer geworden ist. 
Darf demnach die Empfehlung, welche der ersten Ausgabe tu Iheil wurde, 
dieser zweiten verberserten um so uiibedeuklic^bcr zuerkauul werden, aa 
ist nur beälimmt beizufügen» dafs dieselbe für die oberen Classen unserer 
Gymnasien als Lehrbuch und ;&ugk ich als Nachschlagebuch Tür die Schil- 
ler recht wot geeignet erscheint» 

Es fragt sich aber vor allem, ob denn eine lateinische Grammatik 
als Lehrbuch für das Obergymnusium wirklich Bedürfnis sei? Wurde doch 
bereits mehr denn ein Buch für unsere Gymnasien als Bedürfnis beteich- 
Uüti und wäre es möglich gewesen, allen in dieser Kichlung laut gewor- 
denen Wunscheu sofort zu entsprechenp so sähe der Oymnasialschüler sei- 
nen literarischen Apparat bis heute um ein namhafles vermehrt, Wenn 
aber gegen die von verschiedenen Seiten her vorgeschlagenen Lehr- und 
Handbücher für Allcrtiiraer, Mythologie, Stilistik, Ästhetik vorerst mehr 
oder weniger erhebliches ei nnj wenden sieb fand, so leiden diese Einwen- 
dtiDgen durchaus keinen Bezug auf die Präge über die Grammalik. Denn 
hier f;ilt es nicht, einen Gegenstand in das Gymnasialstudium neu hinein- 
zutragen oder ungehörig über die Grenze demselben auszudehnen, sondern 
einen Hauplgegenstand des Gymu^siums in dem von dem Zwecke gefor* 
derten Umfaiigo vollslandig zu geben i und die Gefahr einer Verriickiing 
des Gymnasial planes oder auch cur einar überm Ifsigeu Vermehrung der 
Aufgabe für die Schüler kann daher um so weniger eintreten, je mehr 
gerade durch die VollslÜndigkeit der Grammatik die Erreichung des Zieles 
im Latein gesichert und die Erwerbung einer ausreichenden hennlnis dt^n 
Schülern oiehl nur ermogUeht, sondern auch erleichtert werden muls. 



*) Bald nach dem Einlaugen der obigen Recension wurde uns von einem 
anderen geschuUien jVlltarbeHer die nachfolgende Anzeige zugescndeL 
Von dem Zusammen trefTen und der (Jberetnslimmung in den weaeut- 
lieben Putte kn der Beurlheiliing Liu^ichrtchÜgt, wollte derselbe ^eine 
Anzeige zurückziehen, geblattete jedoch, dafs der nUgemeine das di- 
daktiicbe MorkuI belrtirende AbscbniU abgedruckt werde. 

Antn. d. Bed. 



F Seäum, Latein- Sprachlehre, 2. Ausg., ang. v. A, WmeHn, " 2U 

[Wenü ferner die Gfunde, welche für die friglichcn Lehrbücher nugeföbrt 
[werden, nach dem M^im der besuch ratiktereo Forderungen in den genann- 
llen LehrgegenMänden minder dringend erscheinen, ao fallen sie dagegen 
[bei der Frage über die Grammalit ura so schwerer ini GewichL Der 
cbtller soll in dem Gymnasium eine sichere und im weseutlichen voN- 
iländige Kenntnis der Grammatik erlangen. Damit er diels erreiche , ist 
tweierlei nolh wendige er muTs im Dnlergymna^ium das für diese Stnfe 
forgeschriebene ganxe von grammalischer Kenntnis voUitlndig und fertig 
mh aneignen, uud dieses gm\m im Ohergymnasium aUmählich vervoll- 
släodigen, Tüchlige üurchübung — und insbesondere bann auf die 
Wichligkeil ausgicbrijur mündlicher Übungen bei der ilrengstcn Zeit- 
beniiliung mit ateler lleschafligung aller Schuler nicht oft und nachdiück- 
lieh genug hingewiesen werden — tüchtige und fertige t)urchübung dei 
grammatischen StoJTe^ alijo ist die Bauptaufgabe für das Untergymuasium^ 
und nicht etwa blofs für die erste und zweite Classe; denn das erworbene 
würde wider verloren gehen, wenn nicht in der drillten und vierten für 
feste Bewahrung "lesselben gesorgt würde. Cliuiig und tbung kult?t daher 
auch für die drille und vierte Ciasso das Gebot: Übung so viel uur die 
Zeit erlaubt; und die Zelt erlaubt viel» wenn man sie zu benulsen 
nicht säumt. 

Man würde sich jedoch sehr irrc?n, wollte roHin meinen, biermit alles 
getban zu haben; die 2eit würde dann nicht au»bleilic!it, wo mau die un- 
tFrkraHjchc Erfahrung machen würde p dafji die mühevolle Cbung dennoch 
keine bleibende Kenntnis zm sichern vermochte. Übung ist nämlich nur 
der eine Tliei) der Aufgabe, freilich der wichtigste; der andere, als zwei- 
ler Theil dartim keineswegs unwichtig und durchaus nicht zu verab«äuiiien, 
beifii ßhidung oder wenn mnn lieber will, Zusamm enfafsu ug des 
eingeübten grammatischen Stoffes. Deshalb wird verlangt, dafs der Jichü- 
ler sich ein ganzes von grammatischer Kenntnis aneigne. Es versteht sieh 
übngenSf dafs die Znsammenfafsung nicht bis zum Schlufse eines Seme- 
sters oder gar eines Schuljahres zu verschieben ist , sondern von dem 
ersten Anltfse angefajigcn stufei^weise fortschreiten mufs. Sobald eine 
Begel eingeübt ist, mufs der Schüler wifsen und überblicken» was 
er gelernt hat; mit jeder Erweiterung des eingeübten LehrsloSfes mufs 
auch sein Überblick über das erworbene Gebiet sich erweitern , bis er 
endlich am Schlufse des vierjährigen Curses dahin gelangt ist, data er dl« 
ganze durchgem&chle Grammatik nach ihrer Gliederung klar überschaut 
und jeden vorkommenden Einzelfall, Regel oder ßei^piel, sogleich an seiner 
Stelle in das ganze einzureihen weifs. Wird die Zusammenfafsung verab- 
säumt, so verJ^chwimini die Masse des gelernten, und mehr und mehr ent- 
zieht sich einzelnes dem Gedächtnisse; die Folge ist dann, dafs der Schü- 
ler oft und immer hüußger ratblos schwebt, und je mehr er den (loden 
verliert» auch das Vertrauen in seine li rufte und die Lust zum Gegenstände 
aufgibt- Es läfst -ich hieraus erkennen, dafs El e menla rb ücber, 
welche den granvraalisclien Stoff nach Lectionen und ÜhuugSÄufgaben »er- 



31 ti f. Jtr^A^, Lnt^iii. Spracbtishre, 2. Ausfj., ktig. v. i. IVUMm. 



itilckett ohuG Itucksiclil auf uberatclitlichf Aoordnung geben, lo bequcto 
^ie für düa Gebraucli des Augeubtickes eingertchlet sein mögtin, dennoch 
ijur b.iuptsächUch der i'inen Hülft«? der Aufgabe dienen, die Brrilllung der 
anderen aber niehls weniger als fördern; und was vollends von einer 
völligen Verbindung der Formenlehre mit der Synlai für die Schule z^^ 
erwarten äein wQrde, beantwottei Mich seibat. ^^M 

Übung und Z u s ri m ni e n fa fs u n g des gelernten aXsio heifsen dit 
Thätigkeiten, welche dem UiiLerrichle im lJnlergyiiina£tum auf alten Stufen 
nis gleich unabweisliclTü Aufgabe obliegen; und in vorher versehuldeler 
(Jnzulänf^liclikcii der einen oder iler anderen ist demnach die örj^ache £U 
Seuchen p WL-nn frütier oder ipäter, nicht nur im OhergymuasiniD, sondern 
auch in whi im euer für einer Classe de^ (Jutergyiunasiums dem Unterrichte 
der Krrolg nicht entspricht« 

Nur wenn das üutergyiünaaiuni seine Pflicht vollkommen erfüllt hat, 
ist ein sicher gedeihliches FortMchreilen im Obergymna^ium zu erwarten. 
Dann dürflo es auch wol mi^glich sein, die gramraalische Kenntnis der 
Schüler durch blofs mundliche llelebiung mit Beziehung auf da^ im Onter- 
gymnasium gebrauchte Lthrbuch an^cuiefstn zti vervullsi and igen. Dabei 
wird sich jedoch nicht verhüten lafsen, dafs nicht manche Bemerkung wi* 
der vergefjsen werde; und herücksichtigei man die ungldcli© Leiülungt*- 
fähigkeit der einzelneu Schüler und da^^ innerhalb der allgemeinen Grettxe 
dennoch verschiedene Mafs ihrer Ekenntni$, »o sieht man sich dahin ge- 
drängt, die ^otb wendigkeit einer eigenen Grammatik für das Obergymiua- 
sium anerkennen zu müftieu. 

Diese iXoth wendigkeit wird wol auch schwerlich von jemand in 
ZweiM gezogen; aber ea erhebt sich bier eine andere Fra^Cp die Frage 
uätülich, wie denn der Gebrauch einer Granimalik als eines Lehrbuches 
im Obergymnasium ohne Vermehrung der Slunden^ahl Tür daü Latein mog- 
lieh sein sollte, da der allgemeine Lectionsplan keine besondere Stunde 
für die Grammatik bestimmt, von der für die lieciüre bemef*eoen Zeit 
aber nichts abgebrochen worden kann? Die Verlegenbeit ist jedoch nur 
eine scheinbare. £s ist nämlich durchaus nicht nntliwemli^i der Gramma- 
tik eigene CiiterrichtssLunden tu widmen; ja dit^ls uiufi^le sogar Zeitver- 
lust genannt werden. Denn fürs erste handelt es sich nictit um ein den 
Schülern erst beizuhnngeodes Ganze von grammatischer Kenntnis durch 
Bjjuufügung von Haupttbeiten, deren ßehandhuig einen geordnet fortlau- 
fenden Ltoterrichl erfordern wurde, sondern um Vervollständigung eiues 
bereits von den Scliiilern erworbenen Ganzen, d'\& nich ganz gut und aus- 
giebig durch gulegenhettliche Uetehrnng erreichen täfst, weil es im all- 
gemeinen nicht darauf ankommt » ob diese oder jene Bemerkung früher 
oder später milgetheilt wird, und Gelegenheit zu gram malischen Bemer- 
kungen bei den grammatisch stilistischen Übungen sowol als bei der tec- 
lüre so häufig sich darbietet, dafs nicht zu befürchten sieht, es werd* 
diese Art des Unterrichtes irgend merkbare Lucken in der Kenntnis der 
Schiijer ntiriß lafaen, Konnlen ferner diese Anlafse tm ^ranimal i sehen 



Wiaam 




Ormtoni tceife di Ä T Cicerone^ aogei. v. ff. linker. 211 

inerkun^eii aticU dann nicht über^atigeii wenk'n, wtsim flurserdrm du fort* 
Imireniler L'riterricht in dt^r Grammatik statt lande, so wäre die Verwendung 
eigeuer Lebralundeii für ilie Oramroalik wol iSeilverlu^t zu neDucn, \Va» 
aher von ehtem abgf?stiitdc*rieu ^rammatf sehen tni errichte erw artet wird» 
Lcimi ein Ldir- und \'nthsrhlag*fliticU in den Händi'n der SchuJuf untur 
Ldtun^ dej^ Lehrers leint en, und 35 war mit Gewinn nichl nur an Zeit, son- 
dern vieJleictit, ja gewj**^ auch rm firfolg. Zeil wird ^ewonneri, weil In 
sehr vielen Pälleu tu gar nicht nolhif^ 'ts\. die in Ermangelung eine* Lehr- 
buch es un vermeid lieht ausfilhrliehe brilärnng %u geben, sondern eine ganx 
kurEü Bemerknug unter Kinwcisutig auf i\en j, der Grammatik, oft dio 
hlor^e Nennung dt-s $. genügt, den die Schuler, ^ei ei auch Im Bneh« 
itetien der gelegenen oder behandelten Stelle, anmerken * um ^^i hause 
iiachiulescn und in der uleh^len oder einer Tolgendeti Stuiule tiber dm 
nieligelesene Hechenschan zu gehen. An Erfolg wird gewonnen, w4mI ditt 
Miüler dureh dh^ naebl^^en unmerkÜeh mehr an aurmerk^saraeres und an- 
g«^trengterea ^iachdenken ge^^öhnl und durch die Wahrnehmung der fei- 
neren önterschfedu in den .sprachlich ausgedrückten Beziehungen der Be- 
^HfTc und Tjedanken von selbst «u lieferem Eindringen in die Eigen tum- 
tictikeiten der Spr/i<^he immer mehr gereizt w*erden. 

tiem gej.eigten Eledilrfuisiie wird die vorliegende lateinische Spraeh- 
lehre ganz gut t-iU sprechen. Sie enthÜJl nicht nur den grammatischen 
StrilT in gewün»ichler Volhtandifikeit ^ unch ErforderniR mit genauer Nach- 
Weisung des richtigen und gründlicher Erktärung der Spracherscheninngen, 
sondern bietet auch vorzüglichen Kehiiiern an gDhnrigcn Orten AnlaTs zu 
weiter alrebender Tbfitigkeil, ohne hierbei di^i von der Huck sieht auf die 
Schule geljoteno Grenze zu überschreiten. Üie Dars^tt^llung iüt in Bezug 
auf Anordnung nicht nur nach vorhergepaneenem Gehrauche der kleinen 
lateinischen S(>rach lehre von demselben Verfaräer, sondern aucti an und fii«' 
«ich leicht uberschaulich, 

Troppau. A. Wilhelm. 




Orazioni sceite di M, T. Cicerone (in diß»a dt Ä. L. Ar- 
ehia^ in difem di T. A~ Miione, a fatore della ietfffe 
Manilia^ ii. »tiffa l^ffffe agraria) con note italiane de^ 
Dr. G iu gepp *i Marimo n ti, Miluno ^ Gnacrhij fS54. 
135 S. kL 8. 

11ie!üe Auji^abe soll den Anfang einer ganeen Sammlung lateimacher 
ClassiktT mit kurzen ilulienischen Anmerkui^gfii zum Schulgehrauche bil- 
den iBfbiiofeca ectmomicu di classici hifmi ron noie iiaümw od usü 
deiin (fiatenlit per cum de' profeisori M Gabba, C. Muffui, G. 
Murimonüf, F. MolineiH, ff, Pieei, G. Rata, A. Zoncaäu^ 
äA*. r, G, Quesia. Prima serie: Cicero, Cmmr, Com, Nepo» , ffo- 
rfiiias, Uvim^ opidim, S4äti9iiu9, Tmiim Mrgiiiuay Der flau m- 




218 OriniuHi seelte di i/. T, Cicerone, äuge«, v. G. Unker, 

«cheiat paisend und LabensweHhr und wir könneii da» värliegeude ü.'iiid- 
chen weurgsteuB relMiv für voiltindetef erbläreo, alü dlo frilber beäsproche- 
nen Texlausgabeii des Hm. QuesU im gleichen Verlage. Ähiihche grobe 
VersLurse Gadeti wtr hier nichl, ebenso wenig Jicgt eiii blofser Nachdruck 
einer anderen Ausgabe vor. ^Le fwie apff&sie'^, sagt Hr. M. in der Vor- 
rede: ^mm? queite ehe gindicmufm twce^sarie al §iovmi€ per patere 
da Be inteiiäere f Autor e e mettersi tu saUu via di seftiire queite bei- 
tevie che facflf/^nte pmsuno per iut inmveriUe.^ Gröfstenthejh be- 
^Ghrärvkeii mn sich darauf, die noUiigstcii sachlichen und bitilorisdieQ £r* 
Läulerun^en z\i lieben i wfihreuiL nur bier und da wo] auch die Schütihcit 
oder di<j apecuiiare energia* eiuer Periode ganz Im aljgemeiuen bemerkt 
wird; eigenUich gramtn^ti^chti und äliti»tiscbe Fragen werdeu wie bi>i den 
meisten ähnliehen iUlieniscUt'ii Ausgaben iiichl heruhrL ^Quänto ni fesio 
atbkim procurato di aUeuerci atla le^ione migiiore.^ Die nähere Be- 
trachtung de* hier eingehAllenea kriüschen Veifahirena lehrt uns IndeÄSen 
sofort die Hauptmängel der Ausgabe kennen« Die Erlogt ichkeit abweichen- 
der Ansichten über die le%imie migiiore auch bei , t?iner Schulausgabe 
werden wir nicht in Abrede älcllcn, dagegen bedaueru wir das hier he- 
obaehtcle Verfahreo in jedem Falle aU durchaus ungenügend bezeichoeu 
EU mürsen* Wie bei den früher besprocbenea italieinüchen Ausgaben sehen 
wir auch Um. IH. sieb gegen die neuere, nicht blors dent^cbe, Forschung 
gan^ verschlieräen, so dars selbst wichlige gerade in Italien gemachte 
Funde ihm unbekannt gebSieben sind. Von einer kriÜsche« ßebaudlung 
des Ciceroni^^ehen Textes iit erat seit OreJli^s erster Gesammlausgabe 
die ßede; Hr* M. dagegen ist offenbar nicht über Em est! und Schüll 
hiaansgekoutmen, geschweige data wir die bedeutenden neueren Leiatungen 
von Madwig^ Halm und Klotz von ihm berücksichtigt fänden. Wir 
beguügen uns, diefs Urtbcil EunÜcbsl durch ßeleuchluug der ersten Capitel 
aus der Hede pro Miione näher zu tiegründen, bei welchen die getügten 
ÜbelMünde am grellsten hervor treten. Zugleich wird diefs Anlafs bieten^ 
iuch auf die bierEU gegebenen Anmerkungen genauer eru^ugehen. 

Caf>, i. (»ehen wir im Texte die unmögiiche Lesart; A'am itla 
praesiäia — mn tifft^ruHf itimen araimi aliquid beibehalten, dagegen in 
der Auraerkuttg die richtige Erklärung fwn düutw tuUmiü sicure^^ ntt 
aramre, nl% ob non oder nee iila pmeiiäia, wie es der Sinn verlangt, 
dort wirklich stände. Wozu sott weiter hei «o knappem Mafsstabe und 
m sehr populärer Fafüung der Anmerkungen hier die kritische Bemerkung 
über die schlechtere Schreibung (Ernesti's) notis a^erunt Imnen 
Aorroris aliquid diimco? Daf^ endUeh diese allerdings wol fälschlich in 
den Text aufgenooimeneu Worte nicht in ^(a congeUurale entstanden 
sind, sondern auf wirklichen Glossen verschiedener Herausgeber beruben^ 
hatte Hr. M, schon au^ ürelli's Ausgabe ersehen können. — ^ Zu c. 3 iu^ 
VitietUar m esse refuinnda lesen wir die ebenso oichtssageude Bewer 
kung aicufii codki hanno mihi tidenfur^ Übrigens hat hier gerade 
Halm wider hergeätüilt videniur eu miiii esse refulumia, -^ Cap. % 



Ormioni scetie di M. T. ricerone, aogei, v, G. Unher. 21^ 



glaubt Hr, M. ilie dem Sinne und der hn^ Beglaubigung n«\ch verwerf- 
liche Seh reib uug fwu soium huftuma für #i49/i soium dirina durtb — die 
LberseUung voii G u e r o u H ätüUen zti konneii, — Cnp« 4 in. üiud dJ€ 
Worte ^puiUciiiam cum eriperet -^ litermU* gelingt j dittio Ui Aber du 
fnigpitde p^f/9 uupo^^end. (Elüeiiäti Wi^rden p, 5 die WW. fii/iv« ^nM — 
CümiUuemium jmtmse auftgelafüenO — Cap. 5 erkeuul ür, M, eui rieb- 
lig ati, wie das Selifnäliworl den amhmius trt&mms dt^n Muuatius Plancus 
b?£ü(chnef auf dussen Aiiilirien dai Volk den Leichoam de:» Oodms auf 
deu Subseltieß der Cyrie verbrannle, Woxu äbet weiter der übekuge- 
liracltic JSehKr-fshiii, welcher bjer zugleich eim Anspielung auf eineu Fabiu§ 
Ambustui suchen Willi? Auf wtdcheo? ^ Die iuiernwriuiie coniiünes (oder 
wie Hr M. schreibt conciones] bezeichnen doch nicht tod Ige bore ut* Reden, 
ormioni moHe nuscendo, seuza tßetfa di soria. Die richtige ErkJArung 
j(ibt hier schon Asconius : nan ßriug deaiUermU (fri&im( piedisl guam 
ßamffm eins incemiU fugad sunt e coniiem, — Dem Schluräsatxe des Ca- 
pUcU hai Mad w ii^'s Ivrilik ?ine gan^s verÄnderli^ GetUit gegeben. — 
Cap. 6 schreibt Hr. M. mit den älteren Ausgaben ut paiei aiall der hi. 
bi?glaubigteü jurj »tischen Formel paret — Di« BeÄeichnuügen Urtio^ gmjria 
kifiide eic. »ind doch wol nicht hlofs in ßetug auf die f>(a Appia ge* 
hräiichljch, wie Hr. M, xu c. 7, Anm» 4 will, ^^ Die Angaben über di« 
Tod tun j£ des M. Papiriu» aind auji Asc^uiuss Aiiruerkuug »ecolich unklai- 
zusainmengczo^eii. — Über c. 9 Coiimam novam comcriöebai hätte 11 r, 
U* sich bei Moramsen die röm* Trihus S, 14 rattis ei holen können, was 
Halm nicht übersehen bat« 

Die grö fiten Nac biheile der Vernadiläfsigung aller neueren und ge- 
rade der jlalientichen Forächung zeigen ätrb Cap, 12 €2^t, wo Hr. ^\. den 
scheu von Garaloni aus sonstigen Citaleii ermittelten Sals An hüim 
etc. , der seil P e y r o n mit Itecht vor et 4i$ßesU eingeichoben worden 
hl, nicht kennt Ebenso iat ihm dann weiter die bedeutende Ergänzung, 
wetche Feyron lür cap» 13 au» einem Turiner Palimpse^t gegeben^ gäux- 
lieh unbekannt gebNeben, £ugfeicb die in den Hsn. hier befindliche Lüekti 
nicht einmal angedeutet worden. Mit dem /uitammenkilten soleber Stücke 
&wiicheTi deneu die nothwendigen .Mittelglieder fehlen, mag aber am we- 
nigsten bei einer Ausgabe für Sehüler gedient sein, welche doch vor allem 
erhalten werden sollten, deu Gedaukengang einer solchen Eunstrede genau 
zu verfolgen. 

Kleiiiuro Abweichungen vom begkubigten Texte, die sich bi^ hier- 

|4ht noch in Menge tlnden, wollen wir gar nicht erwähnen, auch nicht 

ttwa mit iciupu löser diplomatischer Genauigkeit verlangen, Hr. M, bälte 

7 domui tmse seh reiben sollen , wa^i K 1 o 1 2 mit Recht in deo Teit 

iufgemimmen hat u. d>^L 

tirdten wir an der hier betrachteten Partie in cofUimw ohne spruiig- 
6i IbM'au^gitiiren nur veceinzeller Puncle die Mangel uameullieh im 
kr i tischen V\*t fahren des Herausgebers nachitu weisen gesucht, so können 
Wir nicht umbtn» noch auf cjuu Schatiensette dm Commentars aufmerksam 



220 örmitmi tcetie äi M, r Viceroue, anguse. v. G. Unker. 

zu macheu. Die Rede pro lege MantHa (warum nicUt de imperfo Gnei 
Pmnpei?) isl offöiibar i%\ liiescr Beziehung am dürftigsten bedacht wonlt-», 
uud vielleiclit mag diefs Bewurslsein deu Hrn. Herausgeber ädlis^t besitmtui 
haben, daa par voa Reden, welcUes hier als dai IcUte erscheint » iiaeh^u- 
filclleu, während eü der Zeitfolge nach d^s erate hätte sein soUen. 

Wir wollen hier die Anmerkungen de^ Hrn. M. st?lbsl zu einigen 
Stellen lorttheilen^ wo es ihnen abgesehen von ihrer DiirrUgkeit auch mVlit 
geltjni^en isl, ^►edeülenffe Fehler ku vermeiden. Cap. 4 lesen wiri {Mif/irh 
daiei} — usque in iiisßtififnm legaim Eehaimiis misit ad eos ditcfs *j 
qulbmeum tum äellmn gerebttmus ui , qnitm dimbm in ioris *) dii - 
iunctissimts maximeque dfr^erals, mw com/ Im, a bitUs hosiium rapiis 
beilum terra fnarfque ffereretnr, vis tfmfpiii*) cünteumne disfricii*) 
de (mißer io dimfcareUa. Hif-r wird uns zuerst das unmögliche Eihainnis 
ohne Anstand aber auch ohne erklirrende Antuerkung geboten, die hier 
allerdings schwer halten dürfle. Dagegen erhalten wir tollende Erläute- 
rungen! 1» Biitei, Sermrfo, Perpenna e M. Antonio. (Manius, nicht Mar- 
cus Antonius , den wir nur als Theilnehn^er an der Ermordung des 8er* 
torius liennen, wsr hiiU' neben diesem und Perperna als Hauptantührer gar 
nieht m nennen), 2* Loeis. Asia e Spagna. 3* Antipitt n\i$ia e 
Spagna, (Welcher SchnJer hätte dieser Anmerkung oilcr gf*r deren Wider- 
bölung bedurft?) 4. ßfsf rieft. Atiri legg&m distracif [Cut bmm?\ Gleich 
darauf soll Sertorius von Perperna «nd Anlonius verrathen worden 
«ein I aber Perperna begieng den ÄFord nur, um «einerseits an Serlorius" 
SleMe d.iä Commando gegen Fompeins 7,u übernehmen. — Cap, 10 beifst 
es von Po tn peius: Quis tgttur hoc homiue scienffor iniqunm nut fttU 
iiut esse debuit? qui e tttda ') atque ptieritfae dii€ipiina\ b^lfo ttm^ 
xitm ') ß/f/tte ncerrimts tiostibus *) » ad putris *) exercifum atque in 
militiüe dtsctpttnmn profeclfts est? qtif extremn puerttid mttes fuit 
Mummi imperatarts*)? tneunte adoleseentia maximi tpse exerrttm 
imperdtffr \)? Anmerkungen; /. Ludo. Scmtn. 2. Fuerittae disci- 
ptina. Bette lettere. 3. ßetto maxtmo, La guerrn rtpite €onir& SfMa, 
4. Acerrtmis twsfibus. dnna, Cm-bone, Ser/orfü. S. Pnrris. €neo Fom- 
peo Strtt&one. . . ctte tenne nettn guerru viumtnü feser etta in itaitu e 
Im ei$ß it ffitwtnetto ßgiimto Gneo Pompea. Diefs alle^ ist Iheils lrivi*il 
theils faljich : hier ist offenbar von dem ersten Feldzuge des Pompeius im 
llundesgenofsenkrieg a. Chr. 89 die Uedc. Per K^mpf d. J, 87 wird erst 
im folgenilen bezeichne l, wo unter dem mtnmus imperator etten nur 
Wider Pompeius Straho ku verslebpn ist, Hr. M. dagegen erklar! j 0. /m- 
peratoris. L Silia, che condueea dalt' Asia tn Hat in Pesercitü rtnci- 
tore. llem wideraprichl gleich das folgende. Dazu wurde Cicero in die- 
*Br Rede, die durchweg die schneidensfe Tnvective gegen die SVobilität is»!, 
am wenigsten den Sulla «Is mmmus impertd&r beißet ebnet haben. Rndlich 
erfahren wir zu ?. Imperator. .. Pompeo, . . essere stnto dn Sitt^ me 
äestfnü satutato tmperaiore e tostü mnnäaio fiella Vetttberia. Aber die 
Sendung des Pompeius nach Spanien erfolgte «r:*! tw^t!i Jiihre nach Sidia*« 




Zu Vifgil, von £, HQßmmu. 221 

Tod. ^ Im rolft^ntlcEi werd<*n Pomp^ius* bi»h«rige krirgu AurgeE^Nl, ci- 
pHe, iiftiamum^ frnmalphmm^ hkpmiiense^ mixtum ex cfrUaMna at- 
^m e^ betiieosissfmis naiimiihUM, Die MliemiMS fwtfones trkliri Hr, 
iL €ermani e GaW, In Spanien? — Cap. II ie$fis esi Guiiiti Äübni 
wir [\n\, M- gegen flotomäon opponic?ren, um aelhxt fine gaiiz unmög- 
lich« Erklärung vatüuh ringen; Cap. 12 impeciunU ßraeiore sclut-ibt er 
»li^mselbeu eine gnnz aus der Luft gegriffene Vefmulhung rulüg nach, — 
i»«)s Ali er des Po m peius bei seineoi erilen Triumphe über Afma ^irü 
11, 4 «u 24 Jähren, c. 21, 8 £u t5 und einige Zeiten weiter Anm. II 
tu 25 J.ihren he^timnit. Ebetulnselbat Guden wir zur Erlangung der Qmislur 
^Ar das 37, Jahr aM geseUlieh angegeben, endli4?h die Formel iegiölu 
iüirf fUircU rIaÄ Iftteinische ftispemure erklÄrt, wa« nicht nur tiieht pot- 
gnrntenie hi^ wie Hr, M, nieinl, sondern vielmehr wol nie in die.«jer Be* 
dcntiing hegegnf?t. 

Kfanches ortliographiJ^ehe mtir^ auch auffallen, so slels quangmifth 
mmqntd^ peruimmen (Schreibungen wie cüneio u, dgl. wollen wir hier 
nicht urgieren); Wortlrennungen wie quodmn nwäo, Fubtifi ne Ctmtio 
neben rttpnblitüi Inletpunctionen wie p. MiL 5 nulla vis unqmtm esi 
in ii&era eit^ila/e Busceptn inter ehes, H&u contra remput^ticmn. De 
imp. Cn. Pomp. t6 Miihrldnfe» nonm^ ad iundem €h. Pompeium, ie&a- 
ium usque (n Hfspaniam mixit? 

Diese Proben roÖ|jen genügen , unser ürlheil zu reebiferligen , wor- 
naeb wir der vorliegenden Aui^gahe nur etwa einen reJaliven Vorjcug vor 
ileneti des Hrn, Que&U zugestehen konnten. 

Wien. G u 8 t a V L i n k e r. 



Zu V i r g I U 

Ein ?uiaU, den rch m meinem Referate über Hrn* Ladewig'a Virgil- 
ausgrtbe (s. Jahrg. IV, fift, XI dieser feilsch r. S, 871 ff.; hinJcuKufügen be- 
nbfiichtigte, kam leider zu spat. La möge mir daher nachträgjieh gestattet 
sein , über Aen. Xtl^ 2SS eine Bemerkung mitzutlieilen^ die zugleich die 
Teitänderung rcchirerligen mag, welche ich in der zweiten Aufgabe der 
^m\ mir besorgten Virgil-Epilome (A7/, Z4S) vorf^enommm habe. 

Im Zusammen bange lautet die Stelle: Dlripuere nrns; U totü /Irr- 
öida caeiü TempestaM telomm, tic ferrem ingruii imt^er; craieras- 
gae focöigue ferunl Fti$U tpie IM tum Puiioiai referens tn- 
ftcitf foedere äiüos. Alle Herausgeber haben nach Servius* Vorgang 
feruni ^ auferufU erklärt, jedoch mit dem Unterschiede, dafs die einen 
mifertmi für diripfnni, die anderen für mportmU nahmen. Der fetz leren 
Ansicht ist Hr. Ladewig beigetreten, iadein er Subject %\\ ferunt die 
Opferdieaer leio läfst, «welche die aum Opfer erforderficheti und ihrer Hut 
anvertrauten heiligen Geriiihsetiaften in die Stadt zurückbrachten.^ Ab- 
gcMben nun davoni daf* ferff in der Bedeutung a^&rittre immer etwas 



I 



i 



232 



Zu Virgil, von E i/^ßfimm. 



bedcnklirh iat, KumaL wenn (1«r Ziianmmpnhflng nieht eine geeignete Ver- 

milleJuiig dieses Beg;rifr(*s bielel, so wuTs ferner die rrgonjung eines *a 
speciellen Snbjectes wie merm^tm minlstri unl>erechUgt erscheinen, da 
man auf den ersten Btink in feruni nur dassctLe Subjcot vermuthen k«nn, 
iiu das man im diripuere zu denken hnt, nnmiich fcdie streitenden Hau- 
fen." Dn/.u käme noch die weiUre tncouvenienz, düfs raan nichl btofs 
auf Seilen dt;? Lnliner, sondern aufl^ auf Steilen der Troer solche ^forl* 
schaffende» Opferdiener anÄunehtiien hatie, da ja auch die tetileren (Tfl- 
ierfi und fm:t gestellt halten, {ef^ t^ ft7 ff',) Es i^t femer nicht recht 
klar, wie man die fiffi^ die doch sicher eni sprechend den pramineis nris 
(f , ifU f. : In metiioque ßcoa et dis cümmunibus /irtfs Gritmlnefis [pffru- 
bant].) auf und aus dem Rasen construiert, und wol überhaupt nur 
einfach Brandstätten waren, habe forttragen können. Und wotlle man 
auch wirktich trotz der cttierien Stelle, wo nur von dem purare, nicht 
Ton «ineoi Horheischaffen der föCi die tlede ist^ anm-hmi^n, dafs aueh an» 
der Stadt fO€i^ Hohtpfannen, seien geholt worden, so ist widerum 
»nicht recht einzusehen, wie man beider plötzlich entstandenen Verwirrung 
to viel Beachtung habe so unbedeutenden, jeder religiösen Weihe eitlbeh- 
renden Dingen wie den craferes und ßei widmen können» Üafs Latiuus 
die Golterhilder aus dem Kampfgewühte su retten sucht ^ ist ihm heilige 
^icht; hingegen die FortsctiafTung von Mi^^chgefafsen und Rohtpfannen 
ist in einem Moment, wo man die Alläre niederreifsl^ kleinlich and hiichst 
unwatirscheinhch. Das folgende FtigU ipse Latfnui kann man sehr wol 
«rklären, ohne dafs man an andere Fliehende %n denken braucht; das 
Fliehen des Latinus wird der blitid<^n Rampfwuih der uhrigen entgegen- 
gestellt {P. 282; Sic omnes mnor umts hühei. decermre ferro). Aber 
auch selbst dann, wenn mit ipse der fliehende Latinus zu anderen 
Fliehenden in Gegensatz gestellt wurde ^ so nöthigt doch sieher nichl^ 
unter diesen die inerter um mfnisiri cruterm focmque ferentes zu di^nken* 

Somit bleibt nur übrig, f e r u n t =^ diripiuni zu nehmen. Da aber 
auch diese Erklärung mancherlei Bedenken gegen sich hat , so vermuthe 
ich, dafs feruni überhaupt der Stelle fremd, und dafür teruni lu setwn 
■ei. Dits man auf den I^Jiscbgefäfiien und Feueriilätten herumtritt, 
malt atcher die Verwirrung des plötzlich entbrennenden Kampfes befser, 
als dafs man sie fortiichaEfL Den Abschreiber konnte leicht die Ähnlich- 
keit von T und F tauschen, und diefa um so eher» als ihm der /"-Klang 
durch das voranstehende fncüg und daa nachfolgende Fugli im Obre 
sein mufste« 

Ich benütxe diese Gelegenheit, um zugleich ein Versehen in der Er- 
örterung von A€H. X, tSQ (a. a. 0. S. 890) wider gut tu machon. Die 
corrupte Vulgale: Aon ego te, Uffuratn dutior ßriisiime MIß, Ttan* 
Herim^ Cingra et puucts cnmitate Cupavo^ läfat sich, wenn mau 
Cingra oder was aonst die Mms. geben, aua einem ursprünglichen L^ocat- 
namon entstanden denkt, auch ohne die Annahm« der Nachsicllung der 
Präposition e, ex erklären, aus der etwa et hätte werden können. 



t 




Zu Vtr^ii, vo» ^. mßmmn 2t3 



Sehricrti Viriril etwa, Atif Gntnd der L«iarl hd S^rvhi« Cnnnre »!, Ct- 
»i^rfl, K, f/i, f? €timer/i pmtcia cmnUaie Otpntn, fTgl. jl^i. ;r, /^,5r 
h0s permtmi Surptdouis amtn, £f Cimm ei Themm$, Lp ein comi- 
fantur nh nitm^ uml war an die SleÜe des localrn Ablativs ein Wort 
ciHrvletu das für iler» [Samen eioes Begleiters dea Cupavo gellen konnte, 
so war die aaturliche Folffe, dafs e« durch «/ dem nachfolgenden püuc^» 
foordmrort wurde. — Noch emtachcr wäre vielleicht der Ausweg, zu 
selireil>en ndfner^ paueis c, C, , nur liofte sich dann schwer dns Ent- 
stehen ^ller A^t «eltüämen VArianten erklären, Welche die llandschnften an 
dieter Stelle zeigen. 

BeBfiglich des folgenden Verfc«^ 188: Crimen nmar resfrum, f&r- 
maeque imignt paiermte^ prltlärle ich mich gi-^en Hm. L^idfw,^*» An- 
nahme, dafs Virgil nur diMi H^iJhvpr^? Formfte insi0i^ pnfernae geschrie- 
ben habe, dm anderem hingegen späterer Zni^atz sei» S^lbenCall und Mangel 
der Cäiur weiten dtn vcrmeintfichen fKilbver» durchaus dem Schlufse, 
niebt iher der ersten Hälfte eines Heiameter« tu. Dn vollständige Vene 
^jfiht ea in der AeneiM penugf betrachtet man sie aber genauer, so üJier- 
leugt man sieh leicht, dafs «ie durchaus keine Eufiilligcn Verj^brurhst Ticke, 
fondern in Be^ug auf ihren Ausgang einem bcslimtnien Gesetie unter wor* 
Ten sind. Diesem tiesetE aber besteht in der Vermeidung eines Ausganges, 
welcher dem HexamelerschlitFse congruent wäre* Dai Eade des voran* 
gehenden Hexameters und das des Halbverse» atnd sich tu nahe gerückt, 
um nicht hei unmltlelharer Wider kehr dcrielben Irochäiachen Kaialeiiis 
höchst unangenehm zu wirken. |)ahcr schlierst die überwiegende Zahl 
der Virgiiianischen llalhverse mit der Arsiü, die übrigen mit einem 
■I ata lek tischen [laktylus, und nur ein eineiger^ dsa kurxe Bruchitück 
Am, V, 65S% ffaäc eßffä.^ te'igi Irochaische Kalaleiiit, doch wird hier 
da* Unangenehme durch die Anw^endung des Spondeus im ersten Fnfsc he- 
tmbcn. Oiefs war efi, was m^ch gegen Hrn» L/s trochaisch endenden Halb- 
vers; Fürmae imigne pattmae stimmen liefa. Aber auch die voran- 
ttehenden Worte Crimen amor resfnitnf so viel Schwierigkeil sie auch 
der Erklärung bieten mögen, dürfen nicht als unecht verworfen werden» 
Für einen i^pateren Einachuh ttind sie viel im dunkel und abgcHrsen i wie 
ihnen aber beitukommen sei» isl schwer eu lagen* Vorausgeht £ — CT«- 
piwo^ Ci^ts ü/erftiae surgunt de verlfee ptnnaet an diese Schwanen- 
federn scheinen die Worte Crimen nmor tesimm Anrede zu sein , denn 
die bisher versuchten Erklärungen; crimen, AmüT, restmm (sc. AmürU 
et Vener is), so wie i crimen amor resirttm, Cpgni ei Fhaei/imiiis , sind 
unhaltbar, und nicht minder enibthren jeder Wahrscheinlichkeit die Con- 
jeclureni curmen amor teslrum (WakeÖeld), crimen amore äatum 
(Jahn), und crintäut ornnmenium (Feerlkamp). Die Erklärung 
von crimen amor pestmm , uro hier mein bei der früheren flesprechung 
iurückgehallcnes tJrtbeil nachzutragen , mufs von der Betrachtung des 
II weiten Theil» des Verses, fnrm4ieqm inii§ne paternüe ausgehen» in- 




4» 



In \tm\, von E. Ihfrmmn, 



iSffne ftiB Apposition m dem \Grnti%ohmdtn pemme ?ii nehnren , v^r- 
bif'ie^ die Aiiknüpfmig tlurcl* gue. Ehtmo wpniji knt\i\ mnn fmigne M* 
TAI fiennae lihi/u^dilierl \im\ als MH-SubjecL zu mrguni bei rächten, dt-nn 
wetch anÜL-res Abieiclien der välerlichen Ge^tali aufser den Federn liällf* 
{;ich vom Helmkammc des Cupnvo erhebeo können? Drir^us folgt, d^ifs 
mil que nicht der durch einen parenlhetischfu Einschuh uiiterhrocheiie 
Refali^üalz cnius de tertfce snrffitni forlaeführl %ird, sondern dafs dfls, 
woran Que unknüiifi, nur die Worle crimen amor vesirum sein könnrn. 
Sind sieb nun aber dte^e beiden Theile coordniiert, ^o iBÜNen sie ^Ipi- 
chen logischen Zweck haben. Der Zweek <!es fonnae imiifue paiernne 
itn HiidiUckc auf ifiis vorausgehende . Mm'fnffe mtrffimi, . pennae ^ebpint 
der zu sein , den ciÄentümlichen Hehnschmuek f\i motivieren. Es fragt 
sich somit nur, ob auch crimen am&r vesirum v\\ derselben Art motivie- 
rend gedacht werden könne. Wir werden djefa bejahen können, wenn wir 
crimen nicht in der Bedeutung von ^Verbrechen*, sondern in bekannter 
Weise als Synonyoiüm von caum auffafsen, und wenn wir femer in 
Pestrum die pennae angeredel denken. Je nachdera wir aber dieses 
teslrum als Pron. poa,i. anstehen , und eg sonach mil crmen verbinden, 
oder als Genitiv Pturat , so d^r^ es (als ffeiiii. oia/} von amor abhängt^ 
ergibt sich die Möglichkeit einer doppellen Erklärung. In dem erstrren 
FaIIc nämlich ist der Sinn: ^euore Verantafsung ist die Liebe und 
das Kemif.eichen der väterJichen Gestalt,* also die Figur der IJendiadys, 
aialt: «euere Veranlarsung ist die Liebe uum KennKeirhen der vätertiehen 
Gestalt.' („Cupavo führt auch Federn naf seinem Helme, weil er euch ats 
Symbol des Vaters Cygnus lieht,*) In dem zweiten Falle, wo te$tmm 
von am&r abhängt, blejhl der Sinn im allgemeinen derselbe, nur geslaltel 
sich die grammatische Erklärung etwas verschieden; »Veranlafsung lAt iHe 
Liehe zn euch, und da<i Kennzeichen der valerlichcn Gestalt.* Hiei 
nämlich halte hei jogischer Genauigkeit da« durch que dem amnr rcstnim 
coordinierte und als Prädikat tn crimen belogene, eigentlich Apposition 
von restrum werden, also in den Genitiv treten sollen: ^Verantarsung ist 
die Liebe zu euch, dem Sinnbilde u. s, w.*' Der Grund für die Wahl 
der minder genauen Conslruction dürfle beidemal in der unmöglich keil 
liegen, von dem substanti vierten insigne den Genitiv z\x braucheu, und 
wenn statt dessen »ich hätte ein passendes Snhstauliv finden l^fsen, in 
der Schwerfälligkeit, welche die Abhängigkeit eines ücnitivs vom anderen 
hat. (Man denke sich t, B.: Crimen amor t^e$trum stpai ßrrnue jm- 
ernae J\ 

G f a t z- G m a n u e 1 EI o f f m i n 11. 



/ hellreint EiUiv. ^u (l«utsch. Aufsätzen u. ßeJen, nnc. v. A, Bnumgaftm. 225 

Erilwürr«" zu deutschen Auf^nfzen und Reden nebst fincr Ein- 
leitung, enlhaUend das Wlrhli^^sle aus dt^r Sljli*tik und Bliclöiik für 
GymnMiei), SemiiiÄrient ReaLidiiilcn titul z\xm ^elbi^luntfrrjfhip. \oti 
Joseph Kchrein, Professor am ber^oglich iNa^s-iiu sehen Gjniii.isidm 
EU Jladamrir u. n. w. Paderborn^ Ferd. Schgtiiügb, JS54 \\\\w. 233 S. 
gr. 8. — V, Rthlr. = 1 fl. 20 kr. CM. 

DeuUcbe Aufgabensammlungen, man mag nun vollslandige Aufsatze 
oder blofse Gerippe von AufsaUen vor sieh haben, einer Kritik unlor wer- 
fen ^ iit unter ^llcn (Imatnrtdcn etwan i^chwierige.t. Be^nders kann dim* 
jrnigen, weicher die Geheimnisse der Schule nicht kennl, das lad^Jn ofL 
bieinlich und gesucht erscheinen, weii ein solcher nichl wejfs, wie durch 
eine kleine Wendung derselbe riegcnstand dem Schüler klarer, fafslicher, 
teh möchte ^agenj greifbarer wird« Dcntiacb aind Bücher dieser Art eu 
wichtige Erscheinungen, a1» dafs die Kritik davon völligen Umgang nehmen 
üurfle; sie können auch nur dann wefientlichen Nutzen sliflen, wenn der 
Lehrer, der von ihnen Gebrauch machen soll, sich auf den rechten Puncl 
EU stellen weifs^ wo Licht und Schatten gehörig bervoitrittt t» wäre 
nämlich ein grofser Irrtum, eu glauben, dafs derlei Sammlungen der Lc^h- 
rer der eigenen Thatigkeit überhöben und durchaus, unbedingt, 
benulEt werden konnten, besonders wenn ein JVnme von so gutem Klang, 
wie der dea Um* Prof, 's Kehrein, an der Spitze derselben sIehL Gewiis, 
solche Sammtungen tiaben nicht geringe Ähnlichkeit mit Herbarien, welche 
trotE ihres unbestriltenen Nutsens, selbst wenn WohnplatE, Standort und 
Blütezeit u, s. v>\ bemerkt sind, das Sludinra der lebendigen Kaltir, das 
aeibsl sammeln und selbst bestimmen nicht zu eri^elEen vermögen. Wen- 
den wir uns nach diesen vortäuElf^en Bemerkungen« die mir des erwahnens 
nicht ganE unwerlh schienen, £u den ^ Hot würfen^ selbst. 

Geht man von dem an sich gewiss richtigen Grundsatse aus ife In- 
dividueller das Thema, desto sicherer der Erfolgt, so macht srhon der Titel 
den Wunsch rei^e, ür. Kehrein möchte sich sein Feld schärfer und enger 
abgegrenzt haben; sein Buch halte dadurch , wenn auch nicht einen wei- 
teren Leserkreis, doch gröTseren innt-ren Werth gewonnen. Die Ziele der 
Gymnasien, Seminnrien und Bealschulen Hegen meines Erachtrns doch 
etwas lu weit aus einander, als tlafs auch nur die Mehrzahl der Aufgaben 
auf sammtliehe drei Gebiete anwendbar sein dürfte; zu verlangen aber, 
dafs jeder selbst die Sonderung vornehme, legte eine neue, oft schwierige 
Arbeit auf, deren Gelingen erst nicht immer sieher wäre. Die brauctibar* 
tteii Bücher sind nicht diejenigen, welche die meisten Leser haben, sondern 
die, welche den Bedürfnissen such nur weniger Leser am meisten entspre- 
ehea — Was den Inhalt seihst im aKgcmeinen betrifTt, umfafal das Buch 
nach einer 44 Seiten starken Einlcituvig in die Stilt^ilik und Bhelorik 112 Ent- 
würfe, worauf in einer iweiten Abltieitung ^ciiie Anzahl von Spruchwörtern» 
lum Thetl mit erklärenden Andentungen, Denkspriichen und nackten The- 
men folgt, wozu ilann der Schüler den Stoff selbst auffinden und anordnen 
nnifs.* Wenn, wie man aus diesen Worten des Hrn. Kehrein fast folgern 

S>ltt*bHfl faf AI* aftt«ri-. Gy vtiA^ivn 1JA4. 11t H*>rt, j ^ 



2!Ü> J, Kekrein, tilulw. m Jfulsch. AiiMlaseti u. Retlerj. ang. v, A, Saumgarim. 

mochte, die l^nt würfe der ersten ^blheiJung die BestiiDniiii»g bälleii , den 
.Schülern n u r siir w c 1 1 e r c n A u « f ü h r u n g in die Hand gegeben xu 
werden, könnle Referent sich htermrt eben so wenig einverstanden crkJären, 
aU dumit, wenn man die ScbiUcr cin^fg tur AuTfindung des SUrfes 
und Äur DisponKion desselben Terhallen woUle. Die Erörterung 
dieser Fia^i^ läufl am linde doch eiiiLual darauf tiiiiauK^ ob bei den Auf- 
ftllsen aus der Mutlersprachc^ das Worl oder der Gedanke vorliegen soll, 
eine Frage , die, scharr genommen ^ fatst keiner Antwort bednrf. Gedanke 
und Wort lafsen sieh bei ccesunder AulTafsung YOn einander nicht trenneo, 
sie stehlen in nothwendij^cm Zusammenhange wie Leib und 8te(e; der Ge- 
danke wirkt auf das Wort und dria Wort auf den Gedanken , sie rufen 
sich wie iJnreh eine Art ZauJ>er gegenseitig hervor, und wie oÜ ein tJe- 
danke tausend Worte aufbietet^ so ruft gebieterisch auch nicht seilen ein 
Wort eine Schar ton Gedanken inü Feld, iur£| m jedetxi der beiden 
Fälle wurde nur eine e 1 n s e U i p e Bildung erzreit werden ^ die , weil 
iiie nicht den ganzen Menschen berücksichtigte^ auch nur halbe IVlen- 
sehen bilden könnte; die richtige, naturgetDüfse Mulluidp \%i diejenige» 
welche beideg in sich verein igt ^ so wie der gute und verslandige Mcnseb 
Wort und Gedanken fereinigt. Möge diese kleine ßigression eugleich als 
ein Votum über die maDcherorts als Aufgaben so belieblef} UiBpositiooen 
gellen. ^ 

tu Bezug auf difs Wahl des Stoffes eu den Entwürfen spricht airh 
der Hr* Verf. in der Vorrede selber dahin aus^ er habe «die ethische 
Seite, das Verhütturs des T^lenRchen ku Goit, seinen 1^1 ituiens eben, tur Na- 
tur u. s. w., überhaupt da^ Christen lum mit seinen Lehren, PHichten und 
Belohnungen mehr lieriirksichligt, als diefs in den raeislen anderen Büchern 
der Art der Fall sei/ J)iesL*m Stand pnn cte geuiafs hrhand^^ln «nch wirk* 
lieh fast mehr als die Hälfte der Eni würfe Themen religiösen und mora- 
lischen Inhalts, und sind, wie es in den literarischen Nach Weisungen aus- 
drücklich angegeben ist, nicht seilen förmliche Predigtskizzen, prote- 
fttaiilischen, zumeist aber katholischen l^redigtw*erken von Praseke, Wurj, 
Sailer, fliigl^perger^ Förster, Zarbl u. m. a. entoomraen. So sehr nun Bef. 
mit iler llberzeugung des Hrn. Kehrein ü bereinst irouil , dafs eine rrcblige 
Auffafsung der göttlichen, menschlichen und nalürlichen Dinge hei der Er- 
ziehung besonders wichtig sei, und dafs diese wider eine enlschteden 
chrislliche werden müfHc: eben so wenig kann er die Folgerungen alle 
schwefgend binnebmen, welche schon hin und wider, in Anwendung dieses 
GrundaalKcs auf das Gebiet des ünterrichles , gemacht worden sind oder 
noch etwa gemacht werden können. Zu lange hat die Methode des Ün* 
lerrichles das er^ieheinle Moment desselben vernachläfsigt , einseitig auf- 
iu klaren und wider aufzuklaren versucht. Sollen wir aber, kaum dafs 
wir jenes Irrtums kis geworden sind, uns von neuem in den entgegenge- 
setzlen Slürzcu? Sollen wir immer und ewng, in nn fruchtbarer, aufreiben* 
der Wirksamkeil, utis zwischen Gegensalz und Gegensatz herumtreiben und 
UDseres ganzen Wesens nie hftrmoniscb froh werden? Djefs thälen wir 



J.äeMrHHj liotw, £u düulscb. AnMtri^rt lu Wmit^n^ mm. v. ^, Baumgarien. 527 

*b«r, wenn wir du eniehenilf^ Moinunt des LliiU'rrichle« flUßjielilicrülirli 
obenanstcllcn uud das geislbddtMide nur m scheuer Lntfcrriung, wie einen 
geduldeten Diener, nachfolgen tieffier». Öheidierä i»t t^s , xtrm mildo^len 
ausgedrückt f g«*wat.;t , an^irnf htoen « daTs solche Tliemen in llini^irjjt 4uf 
chrtit liehe Iberzeugung nnd mor-ilische Geiiwriung das erreichen werden, 
ww lie nach einer gewiss gut gemein ten^ aber scltiefen Vorausset Eung er- 
reichen tollen- Den Bogen iru straff und eu labge anspannen , MX » wie 
schon ein Spruch wort sagl, die Wirkung, dafa er — bricht. Je ^m^waII- 
SAtucr und nflcr alles, auch das amprüngltch fernere^ heHietgp7<wuiigen 
wird^ um d»rect auf den Schüler relfgiiis und moralisch zu wirken, dt*sto 
mehr wird ihm diese Art der Behandlung und damit dir 8ache sellifit 
vereidet. Wie Jäfst sieh ferner annehmen, dafs diese f^ntwürfe, au^ Wer 
k«n von Meistern der Homdetik entlehnt, welche mancher ein halbes Leben 
im SJieiiite der christlichen WifBenscbafl leblen» von heranreifenden Jüng- 
lingen, von Gymiiagiaslen , auch nur 2 weck markig sollten ausgeführt 
werden? Würde die Zahl solcher Themen weniger begabte, aber leicht- 
sinnige Jünglinge nicht daiu ViMführen, sich ReligionsbüchtT und Predigl- 
werke zu verachafTen , um der Arbeit des eigDiien Nachdenkens, il^v 
»chwefjileo aller Schülerarbeiten , wenigstens für mehrere Pälle, enthoben 
£u sein? Oder wer will mir die Möglichkeil in Abrede stellen, dafs der 
(iymnasrast, da schan seibat öflers Predigten ausgearbeitet hat, die Reli- 
^onsvorträgc in Schule und Kirche einer Kritik nnleriiehe oder gar be- 
kritele, eht-n weil er auch schon solche AufsälEe gemacht hat? Und 
geicbahe auch diefs nicht, was aber kaum au^^bleiben konnte, weifs Gott, 
nach tikeinem innersten Gefühle, es gehl so doch der Zauber verloren, der 
ans dem Worte Gottes und von der Lippe des Predigers lont. Da lobte 
ich mir noch eher die Obung, w^clebe «onÄt an einigen österreichischen Gym- 
nasien staltfand, dafs die StudieiX'ndeu die soiul- und festlä^bcben Rihor- 
ten aus dem Gedächtnis nachzuarheilen und dem iteligionsl ehrer einzurei- 
chen hatten. Von anderer Seite belraehlet, hiefse es doch auch einem 
Gymnasi asten somlerhare« anmnthen (25 *)^ über die flindernisse ^^\ schrei» 
ben, welche die irdischen Sorgen, Lüste und Ueiehlumer den Wirkungen 
det göttlichen Worte« enlgegensiellen. Irdische Sorgen Y Der glürküehe» 
sie sind ihm mei><t noch unhi^kannt ; mögen auch die Erdenlüste ihm recht 
lange es bteibenf lir besitzt auch viel £u wenig Lebenserrabrunir* um 
von den einschlägigen Gefahren des neichtums spreeht-n 7w können. Auch 
käme es mir wenigstens widerlich vor, weim ein Gymnasialsehiiler in dem 
Eingänge eines Aufeatica (1) über d^n Llnglauben der tt\\ wehklagte, und 
unbedenklich pflege ich solche Stellen tu streichen, leb wurde den Schü^ 
ler niemals auffordern, aus einander ru setzen, wie (UO) auch EUern und 
Lehrer der Schule die gebührende Achtung Eotlen können und sollen; ich 
habe es nicht gern, wenn dHÄ t^i klüger sein will als die Henne, tTnna 
lurlich erschieiie os mir, wäre er im stände, einen an sich Ireflfjichen Auf- 



*} Die Wahlen geben die Folge der Entwirf e an. 



16 



•>Ä J. k€hre*nu Kiilw. m vXmHth. hnlmimw u. Rede«, m\%. v. A, BaumgHrien. 

nni^ iiher lias Thi-rifii £U HchreiUen ^tlie Zeiten imd bÖse, weil wrr bö» 
4*ind; die Zeilen werden ljefsei\ m'ivii wir betser werden* (66). Als eine 
\rt Wunder erschiene es tnir, wenn er, über die chrisüichö Freiheit luedi- 
tierend, rou selli^L ku dem Arbeilaentwurr kätn« adie chrislUebe Freiheit 
ist die Freiheit von ilen Fef^eln des VV^ihnes, di« Freiheit von den Fenseln 
der Solide, i\\v Preiheii von dtMi Fcfjseln der Welt, die Freilieil von den 
Fi-ritfin deiä Todes.* (65) Fnd soicber Tbemen kommen unter der rrtten 
Maine der Enlwnrfe mehrere vor. 

Andero Aufg-iben, welche tviM m^M die eben angedeulele Hiebt ung 
einschlagen, ^ind doch lu abstracl gefflfst oder 2u Abslract geliallen^ and 
können^ d-i sie der eoncrelen Grundlage entbehren, den Schider nicht lu- 
ruielii^nd Anregen , und benehmen ihm so die Letchtigl^eit de» gelingen». 
Ich nenne nur t3) l^nRor Herc iil grctf^^er, a^H dar^f eü ^ich mit der Erde 
iH'gnügcn k&nne*). (29) Von der Selbsterkennlni*« (37) Her hohe, %\\U 
liehe Werth der Arbeitiamkeit» (49) ^ Der Gute liebl das Licht* (69) nVon 
den Übeln in der W-elt" u. s. w., eine Lese, welche sich teieht vertueh- 
ren liefse. 

Man erlaube mir nun, in Bezug auf das vorAUSgegungene ^ etwai 
über die Methode £U sagen, welcfae ich in dieser Beziehung als die zweck- 
mafsigsle erprobt habe. Der Lehrer lafse lieber moriliaehe Silie 
begründen, als eiiaig und allein Folgerungen daraus cieben, 
WAi unvermeidlich nach und nach an ein flacheii, teeres Moratisieren ge- 
wöhnt, wenn anders nicht die gesunde Naiur des Schülers dieser gefähr- 
lichen Einwirkung widersteht oder die krankhaftenf weil gewaltsam aufge- 
drungenen, StolTe, sei ea dann wie immer, aussondert. Alte Ffliehtühung 
gehl ja doch ^on der Überzeugung aus. Er gebe ferner den moratischen 
Themen, gegen moralisierende mufs ich mich nocNmala verwahren, eino 
conerete undp so oH es sein kann, lugleicb eine a I Igemei n mensch- 
lieh e 6 r u n d 1 a g e^. Er knüpfe den SaU, von dessen Durchführung er 
sieh einen heilsamen EinHufa auf die Willensricbtung seiner Schüler ver- 
Äpricht, an einen von den Schülern selbst erlebten Vorfatl, oder was h.iuflger 
der fall sein wird, an eiu Lesestuck an, benutze in letiterer flinsicht beson* 
dera auch die Profanleclüre, nnd die Aufsätze der Schüler werdtn nicht nur 
frischer und uumitteibarer, sondern auch innerlich wahrer und aufrieb* 
t i ge r sein i zugteicb haben diese über das Wesen und dte Art einer Tugend 
oder eines Fehlers, einer rooraliHchr^n Wahrheit oder eines moralischen Irr- 
tums, über den Kinftufs einer Glaubens Wahrheit auf die SilEen nachgedacht, 
haben sich überzeugt, dafs die £i fahrungen und Ütierzeugungen der l>esten 
und edelsten Geialer trotz mancher wesentlicher Irrtümer und FeblgrifTe in 
vielem doch auch auf das hinauslaufen, was das Christentum lehrt, und in 
«einen Lehren erst ihre volle ßenchtisuug ynd Ergänzung, ihren endgilli- 
gen Abseht uffi finden. Ich will das gesagte an einigen der in frage stellen 
den Entwürfe nach^uueisen versuchen und dabei zugleich die an unseren 



•) flier isl auch ilie Construction des Satzes undeuisclu Anm, d Red. 



/ Ktkrtin, Enlw. zu deuUcb. AufsaUeu u. Reden, m%. v. A. BamHuartea. 2^9 

ö^l^rreichiüi^lteri Gy^nauaäitin t^tugeftitiHen Le«ehücher im Auge haljeii. Der 
6. Enlwurf stellt i\m Thema auf: «Wie gut ps iil^ Mh «s dem Slerb- 
liphen verargt iai, jn die Zulcunfl zu ]>]JcheiL* Köitnle mau nicht dJeaeJbe 
Aufgabe weU concri^tf^r io stellen, dar^^ man dfn Schüler an der ^age vou 
Kassaudra oder an Schiller's gleichnamigem Gedichte darthun (icf^ep wie 
eehon die Alten, die von dem Lichio i\t% Ctrriätentuma nicht erleuchtet 
waren, die Richtigkeil dieses Satzes erkannleu? l>aK Thema (0) ^\H\' Ge- 
wirm am Grahe unserer Frülierklarlen» würde am besten an einen wirk- 
lichen Todesfall t. B. dnes der Schüler des Gymnasiums, angeknüpft* 
(14) «Dir götl liehe Beruf des Menschen auf Erden, für Gott sireilen und 
mit Goll siegen* geslatua UQgeKwnn^^ei* die Anlehnung an Herder'« <j Fremd- 
linge. * Üe^sethen l^ichlcrs ^Polykarp** gibt i'ine «iehere Grundfeate r.ur 
AufTuhning des Aufsatzes (17) «l^'er mich vor den Menschen bekennen 
wird I den will auch ich vor meinem Vater im Himmel bekennen.^ An- 
atatl zu fragen (18) «Wotu haben wir Gotlestiauser und öffentlichen Got- 
teitdlenst t'^ wendete ich lieber das Tht^ma so «Warum ist jedes Gottes 
haui? ein Valerhaus?* Stall des Theroaa (23) «ües Ostermorwens Segen* 
würde ich die christliche Bedeutung der Ostergebrnuche in Kirche und 
Han^ entwickeln t^ifseiL (35) Das Thema nOer Sieg über aich seJbst der 
herriichtjte Sie^" brat'hle ich mit der Person des Königs Thoaa in Göthe's 
Ijdngente in VfrlHiTihnig, Aus demselWu Grunde kann ich Am Thema (54) 
aÜber den !^elhslruhm^ nur biltigeu, weil ihm eine Stelle aus 2, liorinlh. 
11, f9 f«, 112, 1 f.^ gidchsam als ünlerhau dient, erkläre mich aber mit 
Aufgabe 47 ^^Das erhabene Gefühl der Menschen wurde** weniger einver- 
standen « weil diiraita, so wie der Enlwurf vorliegt, nur moralisierende 
KolgpruMgen geKOgeu werden. Stall den ^Schüler (til) «vouder Vater- 
land^hebti'' ius blaue hinein reden eu l^ifseii, setite ich meiuo Fragen soi 
«Warum ist dir dein Vaterland so lieb, wie wirkst auch du al? wahrer 
Treund deines Vnlürlandes?* Das Thema (64) uHohe Rerufsfreudigkett 
durch würdige llerufsansichl* wendete ich auf Klopstock und sein Ver- 
liälUits zur Messiade an; das Materiale Üe fetten mir die Biographie de« 
l>ichters und mehrere Oden desselben im 1. und 2. Bande des Mqiart'- 
Mchen Lesebuchs. Das Thema (46) »Dafs Vorzüge des Geistes ohne sitt- 
liche Oeiianung keinen Wertb haben^ entwickelte aich mir aus dem Grtheil 
über Hippias' Charakter im Agalhon von Wieiand. Zu den Thema len (80» 
8!) «Über iLie rreund.schaft», <rWie mufs ein wahrer Freund besrhatfen 
sein" bieten sich behufs der Ausführung David uud Jonathan, Moroa und 
üebuuutius gleichsam von selbst an. 

Auch diefs erscheint bei deutsehen Arbeit »entwürfen für Schule 
unumgängbch nothwendtg , die Disposition recht scharf zu 
treffen, damit sich die Gliederung des lebeodigen Aufsatzes wie mit 
Nötbwendigkeit fest und sicher herstelle und auch mitten im Kusirömcn 
lon Worten, woraus aich oft wider neue Gedanken erieugeu, aufrecht 
und Halt gebend dastehe. Man halte nun lu dieser unabweisliehtn 
Forderung den Kniwurf 2, wo ei von deoi «t^lauben an Llnskrh- 



23(» J* Kehreifh Rmw* zu dculscl). Aur^äliteti u. Reden, m^t. v* A, S^titmffnrttiL 



Lirhkeit in ftt*inen liehUollei] Berühr iiügspurtct«n mW dem LeNii*^ Hf^iDd: 

1) aKr erfüllt UM mil hüb«iij öofiihle« und hefähigt uns retht ej^jenu 
lieh erst zu jedem Preudenf^'enut^e. 2) Et IröKlet uti» in Schmerz, Leiden 
utni Unglück. Z) Er wirkt segensreich eia auf die Aumil>un|i uusercs ße- 
rufes, iö wie auf unser ganzes Verhalt nis zu iir»seren Mil menschen, 4) Er 
sieht !□ Inriiger Verbindung mit unserer g<.'LsUf^en und siUlicheii ßdilunj^^^ 
Entwurf 98 handelt den iNulsten dei Studiums der Nalurgüsebichte abt 
I) Es oüfsert einen wichliKca Eiuflula auf den Menschen aeihst und Ewar: 
A) hinsichtlieh seines Körpers, B) hiniichtlich meines Geistes; C) es wirkt 
unwürdigen und schHdJichen Zustünden entgegen s ü) der ünwifienheit, 
b) dem Aberglauben, c} dein Unglauben u, i. w, 2) Es äuf^ert einen 
wolthatigeu t^intlufs auf das Leben u, %, w. Führen nicht diese und ähn- 
liche Dispositionen (z. B* 102) den Schüler zu einer Verschwomiueuheil 
im bei' und unterordnen, den wicht igiten Ot>eratLOnen des denkens, dafi 
er sich lebensiang mit einem bequemen, müfsitfen Aufjfählen der Gründe 
zufrieden j^eben wird, sl^tt daf^i er (felbj^tlhati^ nach Art uud Eeweiakrart 
jedem Grund seine Stelle anzuweisen strebt 1 

Endlich laf^t sich auch nicht ahläugnen^ daft der Schüfer mit deafo 
grüfserer Sicherheit arbeitet^ je ausdrucksvoller und eindrinplicKer der Titel 
Huf den Inhalt und das Ziel der ßan^on Arbeit deutet. Trotz, der voraua- 
ge^angenen Ue^preebung des Tbcmas bleibt doch der Titel, he^onderfl für 
schwächere oder Itatlerhaft^vre Schüler^ der Leilatern^ dessen Strahl sie 
vor verderbliehen Irrfahrteu warnt und wider in die rechte Strömung 
Kurückieilet, Hüben ja schnn m.mnhe Lehrer, um das Interesse des Schill 
lers gleichsam von vorne hinein gefangen tu nehmen, zu paradoxen Titeln 
-renilhen! Titel, wie (33) «Selbstbeherrschung* (55) «Über die Werth* 
aehtung fremder Veritiensle^ u, %. w, geben gar so leicht zur Abirrung 
AnUfs, aus der sich dann der weniger begabte Schüler nicht mehr zurechl 
zu Gnden weifs. 

Übrigens linden sich auch unter den bereits besproeheneo Ent- 
würfen einzelne » welche nach der Art des Stoffes und nach der Weise 
der Behandlung .^ich für Gymnasialschüler eignen , Iheib darum ^ weil 
sich die religiö^fe und niorali^che Tendenz in ihnen nicht so breit macbt^ 
sieh nicht so hervordrängt, theils darum, weil sie es mehr mit der Eiu- 
iiicht in d-iB Wesen der lidigioii und Moral als mit dem sogen au ntcö 
Moralifieren zu thun haben, endlich auch ^ weil sie von jener zu ab- 
slraclen AufTafsunp ferne bleiben, in der sich alles stersetzt und \er- 
flüchlj^t. Solche Thcmate sind r (10) «Vom Weltgerichte im Herzen» iu 
der Geschicble^ und in der l^wigkeit^ (42) «Gerittges ist die Wiege de^ 
GrofKeii»^ (44) «Wer ist eiik Gebildetei ?" (48) «Ein gerader Mann" (56) 
rt Woher kommt ei, dafs die Verdiensie grofser Männer oft erst nach ihrem 
Tode erkannt werden?» (68) «Uic Kunst, im Lehen viel auszurichten 
(nachzuweiseii an Marcus 1, 32—39)* u. s. w» 

Aufser diesen Entwürfen, welche vorzüglich das ethische Moment 
her ückfiicbt igen, timfalst die erste Abiheilung des Buches auch andere^ 



/ ^eÄrHüy Eiktw. t\i deutgeh. AufaaUen u. BcJett, ang, v. J. Biiumgarim* t!^l 

WL*lrhe „b«^ondere SeiU^i des lugeiidlebeng, einzelne Lelir^eg«»iilaiHlo und 
iichriftwerkü aus dem Iirei*6 dea itudiereiiden Jünglings lüstrcITeii p wo Im 
^htt aui der claisischcin WeU uod ibreii Schrifülelleri) fiur fiue kleine 
kxuM von Aufgaheu gewälill isl^ weil ü# hier dar^iuf aiikoinmL, welch« 
Schrillen und in welcher Weise ilieseLben geteaon und erklärl worden 
sind.* Mil freudig'' r Anerkennung begrulal hier Ref., wenn er einzehie 
f-lulwurk auatiimmL deoeii die früher gerügten Mängel ankleUen» den Wvvk. 
Verf. auf einem Keldi* ita« der Thätigk«ii des Lehrers ergicbigi>r Johnt, 
4lf die Haide durrer AbslracLioti oder mageren MoraJisierens* Hier ÄChü|>ft 
d«f Ur^ Verf. mit emsiger Hatid auit dem Lehen des Jüuglingj} und dem 
Kreise «einer önlerriehtsJächer : was der jun^e Milisl gehürl und gesehvn, 
was er selhit erlebt und erfahren * wa^ er gelerni und doch dem Lc^brer 
mehr oder weniger nur nacbgeiagt hal, darüber aoLl er sich, das erlebte 
und gelernte in freier Form aui mch dartili^lJend , klar und hell bewufat, 
darüber soll er, durch da« Mittel der Aufsüt^e aus der JVIultc-rsp räche, erst 
r^cht eigentlich Herr und Meister werden. So bejzegnen einem hier Be- 
schreibungen und J^ebitdcrnngen von gewöhnlichen bVscbeiuungon au« der 
Naiur und der Henfiebenweit» (138). Üaa Oewitler, angeknüplt an das 
«Gewitter^ von ülolberg uiul die aFruhlingsfder" von KJopslock (139) 
,Di*j Weinleiie am Itheiii" (141) aÜer Chri»! markt,'' Parallelen, welche eu- 
gleich zur Kl weckung der tMiantaüie dienen, indem siie dej selben jsd man- 
che Züge an Bild und Gegeuhjld zu ergänzen übrig iafsen"* (145) „hie 
Zeiten und Lebensalter^ (146) «Vergleiehiing des menschlichen Lcbeos mil 
einem Flufj^e^ (147) «Das Lehen eine Heise.'* Mache niemand gegen diese 
Thcmi^n den tvinwurf, dafs sie alUugewühnlich, alltägUch seien i versländ« 
der Lehrer der Mulle r»ipracbe nur, aus dem vergefsenen Schacht des all- 
t«gt»€hen noch reichere Ausheute zu tage tu fördern , der Gewinn davon 
«füre fär Schule und Lehen gleich grofs. Die Väter würden ihren Sahnen 
niehl so oft Anekdoten und Schnurren erzählen , iu denen eine dem Lehen 
fri^md gewordene knlhederwcisheli die Poinlu bildet, und welche vod der 
Idee der Schule den zarten ilufl milabstreifeu helfen. 

Der Lfeschreibenden und scliildernden Gattung folgen Abhandlungei] 
leicht fafblicheu Inhal te% worüber auch der Schüler sich bereits ein selb* 
itaudig«« tJrlheü hat bilden können: (99) H^'ber den Nutzen des Holzes" 
1100) «Ober die Eiseuhahucn (dafür und dagcgeji)" (104) «Über das Le- 
*eü* (10^) «Loh der Bchöuen Wif^enschaflen* ilD) tfühcr den VVerlh der 
1j6*chichle* (148) «Lob der Ctebirgsrei^en^ (149) ^VortheiJe dtrr Fufs- 
r«jseü* (150) «Man lebt nur emmal in der Welt" Was ßef. gegen 
euiige der hierher gehörigen linl würfe einzuwendiHi hat» besehrankt sjch 
grbfätentheiU auf die Uemerkun^ , dafs der Lehrm- nicht im sehr auf !S a> 
I u r b e t r ^ c h 1 u n g im engeren Sinne dringen möge, gehe nun diese 
i'om moralischen oder enger reli^iüsen oder auch vom phitosophischen 
iitandpancte aus. Bei fn&chrr, lebendiger bvobachlung der Natur und 
unter der Vorauiisetxung eines frommen tiemülhes perlt Jene von Kalbst« 
wie der Thau an den Blättern, atiü d*;r Schilderung hei vor^ hat aber auch 



!^2 J.äektem, £ii(w,Ku d^ulnoh, AufisiiU^ü u. Redmi^ mg.v, A. Buumffftrfen. 

nur so, n(s freier Ergufe eioer erregteren Secle^ meines BedHuk^ns^ Wahr- 
heit und Wer Ih i dieser hingegea , einer philosophiseben Betrachtung der 
Natur, iüt der Sinu dea Gymnasiasteti meist noch nicht erfiehtofsen, viel- 
Jeicfit hatte auch eine gewaltsame Anforderung der Art dif Wirkung, dafs 
Gocthe'ä Wort auf ihn Anwendung fände ^^So geht es Dir, Zerghedrer 
Deiner Freudeu!'^ Demnach dÜLften Tliemen, wie es die folgenden aind^ 
dem Bmlürfuiste der Jugend wenigei' zusagen t (132) nüas Schone in der 
Natur* (133) aDer Nalurgenufs sebliefst das Heri auf den Eindrucl^en 
der Anmuthj der Ordnung ^ der Liehe, der Freude'» (135) «Fruhjings- 
gedauken; wo alles anbelel, wil! ich nicht schweigen, wo alles frohlock t, 
will ich nicht klageiu ^'o alles liebt, will ich nichl hafsen , wo alles für 
den Schöpfer sich regl, will ich nicht laslig »vm.^ (13()> i^OeT Frühling 
1) ein Lebeiigcher der ganzen Natur, 2) ein Kreudenspender aller leben- 
digen« 31 eiu Herold üoltes den Vernünftigen, 4) ein Betaltar frommer 
Seelen^ 5) Üein Bild, o Jugend» 6) Euer Vertrauen, wirkende Märmer, 7) 
Dein Glaube, o graues Haupt» u, s, w» 

Die aus dem Kreise der verschiedcnea Ünterrlchtsracher gewählten 
Themen halten sich, ob wo! bin und widtr auch ein anderes FacJi z, H» 
(97) a^Üher die Bedingungen der Sinneswahrnehmungen^ berührt wird, 
mit Recht scumeist an die Geschichte und an die deutscht Literatur. Ref* 
k;mi} den einschl^igen Schilderungen und Charakttiiiitiken (karl d. Grofäe. 
Klopstoct, Frieürich Leopold Gnif zu tSlolherg, die Apostel tm 3. Gesango 
der Alessiade, verglichen mit ihrem Charakter in der h. SchrifL Charakter 
Hermanns in GöUies IJermann und Dorothea, (Parallelen) Griechen tand ist 
das Deutschland dei Altertums) , Abhandlungen (Haben die Deutschen 
wirklich Gründe auf ihren Namen stolz zu sein? Die griechischen HHlional- 
epiele, besonders die olympisclica. Aus WiIJJ für Ursachen die Römer gc* 
gen ihre Bürger weniger undankbar waren als die Alhcnienser. Über di« 
Macht und Heldengriäfse der Homer nach der Schlacht bei Canna» Ver- 
ichwörung des Calilina. Verhallen Gisars ^egen dit» Ponipefanerp ther 
den [S(uUcn drr KreuKJiüge) und Lobreden (Kparainondas. Heinrich IL der 
Finkler, Friedrich IL, Konig von tVeufsen), was Stoff und Ausführung 
betrifft, seine Bdligung nicht versagen und findet es iehr ciitsprechend, 
dafs mehrere der ange^cogenen Themen die Leetüre aus dem betrelTendeo 
Clasaiker der Alten unmittelbar Yoraussetxen. Besonders iniirncti? erscheint 
ihm der Entwurf 133, wo die Rede Cicero's aPür den Milo^ tu acht be- 
sonderen, gelungenen Themen benulil wird. Auch damit ki Ref. ein ver- 
standen, durch Aufgaben, wie (125) «Lobrede auf ßoiüfacius, den Aposlel 
der De u Ischen* auf den chrj st liehen und kirchlichen Sinn der Jugend tu 
wirken. Wenn lieh Uet dennoch gegen einiges aussprechen würde, so 
beLrufo dicfs nicht so sehr wesentliches als Eufätliges, iE. B. die gesuchte, 
manierierte Gliederung fn dem Entwürfe 128 «Trauerrede auf M^ria The- 
resia: Maria Theresia hat die Tugenden des weihlichen Geschlechtes durch 
ihren lUulh erhoben i Maria Theresia hat ihre männlichen ÜnteniehiBungeü 
diirrb die Tugendt-n des weiblichen Geschlechtes verschönerL^ Uei solchen 



J, hekrtfm BtHiw, EU (leuiüidn Aur^Uen u. Reden, tug. v.i. Buumgfiricn. t3l^ 

üitpiMtl tonen uIuLb er immer eiueü freudiger« gcdeuk^n, d^r iralE seiner 

u«iurücheii Eiertuliamkeil durch eiue ühujictia GJJedtruag daliiit gürietU, 
^hh er uiebl imr £u titockeii anikng, aoudern aeinL*u Yodrag gewalUaiQ 
ai»brech«n iBuT^te. 

Aiicli mit deu Enitf^ethiMlleii Ghrieu erklirl sicli Ref. ein verstanden ; 
be«onder$ gelurigeti durch eine eben m einr&clie ata wirksame Au&rüh- 
rung «ftieinen ihoi die Chrien t54 und ibb «Staler Impi^w böhli den 
Stein» und «Das Werk lobl den Meialer," Übrigena halt er es für Qber- 
flur^jg , dieset^ und äbnliciien Aurääl^en dea Namen aCbiien' cu geben 
oder gar ein eigenes Arbeit sverfabreu dafür vorzusehlagcn. 

In üt*zug auf diu naebfolgendim Entwürfe 159—172, wovon mcb* 
rer« &ua Schitlei's Teil gtMtouiuien »iind , andere steh an kleinere iyriscbe 
oder lyrii»ch epische Ciedichle uni^erer deutsctieu CiassiLer auschtieDEen^ 
bemerkt Ref., besottdei^ mit Re£ug auf die erateren z. ß. fttiO) ^Wns Ui 
der Zweck des lynscb^n Anfangs?" ^Wie Uifj^cn ^ich dif VV'iiierNprüctie 
iu Te N 's C h a ra k te r e r k la i*t! i j ? *, da fs \ \\ m eine e n t »prec be ud e Lös u i ig soic b e r 
KiTAgeii lon Seile der Alebr/abt dt^r ^cbükr nur dann als wabrsebeinljcb 
voikommt, wenn bei \ui^Uägebender Leelüre diij Erklärung die bierber 
beKÜglirben Mfinieiile bereit» stiirker beloiii hat, no dufs es die Scbüler 
nur aiebr mit dem anordnen ^ mit VertbeiJung \an Liebt und Scballeii 
und mit der Üar^ilellnug im euf^eren Sinne zu Ibun haben* Als Uujiter 
einer ejüfacben und anregenden Arbeit erscheint dem lUL (166) »Der 
Singer*, ifine SchiEderung nach Sehilter's «Graf lou Ualiütnirg' , Goelht*'« 
.Sanger*, ühland's «Des Sängers Fluch**; !) Zeit des Minuegesangc«, 2) 
Ort dt^^Ht^liien, 3) Äur^cres Ersebeint^n des Sangeis, 4) Inhalt de» Gesanges, 
5) Lohn den Sänger^j. Dasselbe (Jrtheil fallt er über (17(>) «Salns y (io- 
me£*, eine Br^ahbrng nach rbamisSOf wobei sich Ref. überhaupt darauf 
aufmerksam zu machen erlaubt, dafs zu epischen Aufsätzen epli^ehe oder 
epi*ch'lyri*ehe Ged^^bte sehr verwendbar seien. 

Ref. ist nun mit seiner Llurrhjiicht bis zur Eweiten Abtheüung ge- 
langt, welche eine bunte Reihe von Sprüchwörtern, DenUprüclieu und 
nüfkten Themen vorführt Er kann und will sich hierüber kfiiEer Tarsen 
ufkd mit einer kurzen Angabe der SloiTe und dessen begnügen, was ihm 
besonders aufüeb Auch Hr. Üchrcin hat olTcnbar da<] Hauptgewicht seiner 
Arl*eit auf die Entwürfe gelegt. Die Spruch Wörter m\A aus ^Sailer'* Weis- 
heit auf der Gafse", aus Goethe, aus ^jKÖrle'a deutschen Spruch Wörtern» u, 
*, w,; die Denksprüebe aus Klopslnck, Herder, Goethe, Schilier, iean t>aüt, 
Aückert , aus den Werken der h, Kirchenvater Augustinus, Cbryaoslomua, 
AmbrosiuRi die nackten Tbenien beschliefseo die Sammlung. Durchmustert 
nun Hef. das eiotelne, so würde er lu Themen, wie (183) „Mit Leili, 
Blut und Gut sitzt man in det tCmiserü Reich, mit Glauti und Gewirsen in 
Gottes Heich» , zu deren durchdringendem Verständnis sich der Schüler 
ku'iatlich in eine moralische Collision versetzen müfale , niemals seine Zu- 
sltuiniung geben. (230) ^Aus klopstoek: Jede Sprache ist gteicbaam ein 
Ikhäilnis der eigensten ßegrilTe eiinw Volke»*' scheint ihm den geistigen 



234 / Kehrein, Eotw, kü ileutsch. Aufsätzen u. Heden, ang. v. A. Brtmngarien. 

FoQilrt (lE>r meisten Oynan&sU^ten £u übersteigeQ. Zu [£^33) AU» Herder 
«Die ^anze Schöpfung igt ein Gewebe, das die Maclit aua ilero NJchls 
hervorzog, die Weiäheil einschlug, und dem die Liebe ihre tauÄeivd- 
geslalMgen, siön- und liebreichen Figuren einwebte* kann er nicht ura- 
hiii, £U benierken, dafa ausetnanderged<?hnt (Jas Gleichnis »eine ^nmuth 
und die leichte Naliirlichkeil einhüfsef und obue Gleichnis die Arbeit cinfadi 
tu einem Huligiori^uräatz fiicb gestalte , dessen Grenzen nicht abKuseben 
wären. Tliema 277 «iDer irdische Roichlum wird befser m\i Demut b be- 
^Eaeti als mit Stolz verlarnen^ , ein eben so schöner als tief gedaebler 
Spruch des h. Augustin, durfte sonder Zweifel über der Sphäre de« 
jugenillichen Geistea schweben. Ebeu so wenig zu einem Thema piissend 
erfjcbciut mir die Auflief ung desselben Heiligen ^ (289) «(Die Ästronomeo 
futlen in Stolx und Eloehmutb ab vom Lichte Gottes^ sie sehen das Ab- 
nehmen der Sonne so tnnge voraus und sehen ihren eigenen Fall tu der 
Gegenwart nicht." Mag es auch sein, dafs die Wifsenschaft oft aufbläht 
und von Gott ablenkt , die wahre VVifsenscbaft führt doch slels zu ihm, 
dem Urgründe alles Seins und aller Erkenntnis, zurück, und ich halte es 
für fiebtos geK^n die VVifsenschaft, einen strafenden Spruch, zu dem der 
Heilige guten Grund gehabt haben mag, Jünglingen in den halbreifen 
Mund £u legen. Zu 2D0 «Hrinnerung und üoETnung, die Angelpuncle deii 
menschlichen Lebens* bemerke ich, dafs bei analogen Themen der Schü- 
ler immer leichter arbeite, wenn das Bild mehrere klare; und deutliche 
Merkmale enthalt, an ik-nen nich tieziehnngen auf den tiegensland nach- 
weisen laf^sen. Tliema 30.) aÜher Belebung und Erhöhung des reinen In- 
tereaaes für Wahrheit^ dürfte einem Gymnasiasten, wie der Held Achdles 
den Trojanern, unnahbar Rein. 

Ref. sehlii?fsl seine llesprechung, bei der er vorzüglich darauf sein 
Augenmerk richtete, wie der Lehrer das zur Auswahl geliofeni; ÄUlefial 
benützen, für seine Bednrfnisic tu recht machen und hin und wider auch i?in* 
meines auf Grund seiner Erfahrungen verbefsern könne, mit dem Emhirlheil*'. 
dafi dem Werke des Hrn. K,, obwol es nur eine Sammel arbeit und von 
keinem neuen Gedanken gelragen ist , sein VVcrth nicht abzusprechen sei. 
Doch möge der Leiircr, der davon Gidirauch machen will ^ das \Vort sieb 
lebendig vor Augen halten ^Der Buchstabe tödtet, der Geiat macht leben- 
dig f* am häutlgftten analoge StolTe aus dorn Leben uimI der Leelure d?r 
Jugend dassu aufllnden , und nie der VVahrheit vergefsen , je individudkr 
das Thema ist ^ je mehr aus dem Boden der Schule liervorgewachNeii, 
(sill lieben Gehalt seUen wir vorneherein durchwegs voraus >. desto mehr 
strömt es ein und aus, desto sicherer erreicht er an den .Schulern eine 
innerlich freie und zugleich innerlich notbwendige Gedankt^nproduction, 
volle, ganite Wahrheit in dessen ersten Geistesarbeiten. 

Die Einleitung in die Stilistik und Hhelorik hat vor anderen abth- 
liehen Arbeiten nichts vorauH, und bewegt sieh durchaus auf altgewohntiiu 
Hoden; es \Mti sich von ihr kurz sagen s der Lehrer mufs diefs alles und 
noch mehr wifsen, der Schüler hrauchi *nit dem alle auf theoretischem 



F. LeiffMl II. i. Mh€ hülst' Hek^ Mineralogie, nuf^. v. M, ä. Si'hmidL 233 

We^e gar nicht bekannt tu werden, und Jen«, welche foriwdhrcnd rvacb 

ein^r Stitislik ad er lUietorilt Verlangen Ira^en, mögen elo Worl Hamanns, 

dieses gioraen LJenkers, in Erwägung ziehen; «Wer ilandwerktregcln von 

.sieh wirft, isl darum nicht nackend oder üIoTä,» Dio 53- i^ t i<Jj l?, 

'IB, 19 einefu Schulter 2um aUlen Gebrauche in die Hand geben, hiefae 

doch die Schüler Euin Mcchanisinuä förmlich abrichten. Dagegen hat die 

Methode, welche Hr. k. hei den Übungen im disponieren anwendet 

B, 17^31, den vollen ßeiraJt deft ReL Derselbe weirpi nämlich aus 

I iigener Krfahrung, mit welcher Tbeilnahroe die Schüler dem Lehrer fol- 

' gen , wenn er durch passendt» Winke Jen StolT auffinden , durch Hinwei- 

miDg auf verwandte* und cntgegengesetEteg dcnselbeii Leben und tieslalt 

gewinnen läf^t^ und wenn er endJieh aus dem noch wirr über einander 

geftchi cht eleu Material das ti ernste des Auf&aUes mit den Schtllern «elbsl 

aufhaut* 

K r e m s m n II fl t e r. A m a n d B a u nj g a r t e t>. 



L Gnindzügt' cNr Zoolop:ie* von L, K. Schmarda. 
2. AnTang^jEtründe der MinerRJogie, von F, LeydolL 
und A. Machat^chek. 

(FortseUiing und Schiufa von Hft, U. S. 151 — 160.) 

2. tm Vorwort isl gesagt, da» Buch «olle als Leilfadi^n för den 
mineralogischen Unterricht für die «florcr* des Torbereit enden Jahrganges 
an |>olytechnJschen Initilulen und für jene des 3. Jahrganges an Olirr- 
realsrhulen dienen. Diese doppelte Bestimmung dürfte aich acbwerlich 
einem einzigen Buche geben lafaen. Die Schüler de» vorbereitenden Jatir- 
ganges besitseen eine sehr verschiedene, Eum guten Theile aber selir geringe 
Vorbildung, die im Durchschnitt bedeutend h inier jener der Schüler der 
oberen Reatschulclassen iurückstehU Vieles ^ was diesen leicht und voll- 
kommen verständlich ist, if«t jenen g.-injshch unerreiehhnr. Ein Buch, da» 
beiden dienen ^tollte, müfste daher sirh so weit bernbstimmen, um ikn 
ersleren 7.u^ängticb zu Nein; dabei aber würde x*ü unter der Fafsungskraft 
und dem Bedürfnisse der Ober real. schul er zurückbleiben^ und diefs soll ejs 
eben so wenig in einem höhern Mafae thun, als darüber hinausgehm. 
Daf^ es diefs «iber in Bexuf auf iien Vorbereitungsjalirgang thiit , davüu 
überzeugt sich der Leser auf jeder Seite de^iselben. Als ein be^onilcrs 
an ITä Milien Beispiel will ich nur die Irigono metrischen Formeln hervorho- 
ben , die hei der graphischen Dar^teUung der Krystalte vorkommen, und 
auf ihn Umfang von 3S0 Seiten aufmerksam machen. Ich betracble das 
Buch daher in dieser Anzeige nur mit HtnbUek auf die Oberrealsebule. 
Auch hier ist die Vorbildung in gewissen Biehtungen noch nicht bedeutend 
und dürfte jener der ObergyranasiasEten in manchem nachsleher* , daher 
tuaiiuigfaltige pädagoginohe ftückaiehteci ouw^lton müfiien und narneoliioh 



236 F, Letfdüii u. A. MuchuiMchtK Mineralogie, aiig. v. M. B. StHmiät 

bei tlt^r ap^cieJltin Bestinimung di««er LehraiisUlten der Lehriwr^i nufs 
sJreugste im Auge beh^Uett werden mufs. Was hior gelehrt wird , n»)I 
übernH bald zur praklitehen Auweuduug g<^br.iGbt werden, daher audi 
dnraur berechnet au in. Die Herren Verff. über babeti sieh, wie sie auch 
r selbst in der Vorrede antudeuten ficheitien^ der !NalurgeKehieble des lUrnf^rül 
■rei^h» von Mobs in alli^tn, in Anordniitig und Behandlung de» SlofTe^, lo 
wie zum llicil in der Aijsdrut^bawelse aufs gennueate artgeachlofiien ^ mit 
, dem eitizigen LFuter^jChii-de^ drtfh der Ümrang im phygicgraphij>:chen Theil 
I bedf lUend geringer und ihr Stil cünciser ist, ola bei ibrem Vorbilde« Es 
' in^ig rlie.^es enge An^chrniegen in Methode und Vortrrtg An das Hauptwi^rk 
iloa ausgeseichnelen Minerrikigeu um so verdieuBtItcbrr sein, ak sie in ihm 
de i Schöpfer der Urilurhhtoriachen ^Jelhode anerkennen , und wird in der 
Abhandlung über die üeoden, die sie S, 125 ihren Lesern versprechen, 
gewisi wiükorotnen gebeiHien werden, allein hier i^t e;^, glaube icb, iitebt 
am Orle. Ihe tecbniseheu LehraniitaUen bringen ihren Schülern iiiebl 
M'ifsen^chaflen bei, sondorn wi« Zippe (Geslein- und Bodehkuiide, K. VIO 
sehr lichtig sagt, <xWir8erkj!!charilir'hii Kenntnisse von uiaterieben Uingen n\%\ 
dmien Kte ihr Lebensberuf in Bi^rührung l>ringt>^^ sie sollen nicbl Leute 
erzieben ^ die ein Mineral (oder irgend dnen IVaturkorper) einer rein wia- 
^leüsehaftlicbeu Betrachtung um dieser selbst willen unterziehen, Bondi'm 
solche, die einen Tlidl der häutl^eu und niitxb.iren IVliucr-ditM! keuneu und 
in» Stande §ind die übrigen mit teidljchcr Siehi'iheii zu erkennen uml 
dnnaeb KU v*^r wenden. Kin grolscr Theil Ihrer Xisglinge wird aus vielen 
üründea cu einer solchen rein wirs^nsehaftliehen Besehäfllgung durch 
keine Bemühung gebracht werden können. Zur Erreichung de* el>en er* 
örterten Zwecken nber scheint der Weg, den das liueli vorieiebnet » wenn 
er überhaupt Kan^bar ist, weder der sicherste noch der kür/eÄte, denn er 
führt eigenllich auf ein t\t\ los, w^cJches nach meiner Aus ich! niehl das* 
des natursesehichllicbcu Unterrichts an Healscbulen isL Bine cirea lOU 
Seiten umfafsende, genau und streng wifj^enscbaftlicb n^cb JVlob^ entwickelte 
und stilisirti' Krystalto^rapbie dürfte woT (au Modellen) als eine gute 
tJhnng der maMiuniatischeu Phanlanie dteneu , wenn M aber (bei einem 
gegebmu'n Umfang des Unterrichts) d4?.u dienen soll, zur Krkenntuis der 
einzelnen, für den Schüler dereinst wichtigen Miueraiien cu verhelfen, »n 
dürfte sie ihm diese Hilfe grofstentheilB versagen. Gesetzt auch, er batn» 
deu kryslallographi^cben Abschnitt gau£ und mit Verstiiudnb unter bäuß- 
gern Besebauen von Modelleu durcbgemacbt, no ist es von da lum Erkeu^ 
neu der meisten natürlicbt:n Kry stalle noch weit. Die oft uneotbehrlichen 
Mefsungen sind schwierig anzustellen und bedürfen kostbarer Instruiueiile. 
die unter buuderten der Schüler riicht einem je in die Haude kommen. 
mehrere Lichlerscbeinucgen, die lu ihrer Beobaehtuitg ebenfalls Inütrumentn 
und nicht geringe physikalische Kenntnisse und Ferligkeitun verlangi^n^ 
werden oft ^auch unzugänglich sein, so wlo gleichralls die Erforschung des 
Äpecifi^jchen Gewichtes. Alle diese Kennzeichen der Mineralien wenlen, so 
wünsebetisw^crlh eine Kcnninin der wjehtig^nen und fafsllchereo auch ist. 



F. Lt^ilült w, k. Machittsrhek, Minernloi^k-, m%.\. Mf* ff. Sekmiäi. 23" 

dpm £uküiiflJgon Teclinobf^en häufig nicbL tlie gowütischU'it Pitti^le Wi- 
tten. Dagegen sind andere KeTin^eichen , oder lefser i^esngt, andere Vur- 
haltni^e an den Mineralien fi1r den vorliegenden Zweck niclit nur sehr 
^lilUlieh, sondern auch nölhig. Ich mdne die cheiiiischeiK Weil IVJoh« m 
•einer ^lalürg(?achichte des Älineralreich<s, ciiieni alrcng wifaemeh^^ftlichni 
EVantlbufhe für M in« ra lagen, diese als iiiclil nalurhiäLorbcli eiilärtitnd 
datier anMchlie»9l (die Herren Verff* widmen ^. 150 dicsir Angelej^enheit noch 
«mige Polemik), ito haben auch die Verf« alles Chemische ausgeschlofsen, 
eine Forme! am Knde der Beschreibung jedes Minerafs in der Pliysiogra 
pKie anspenommen. Allein Mohs selbst niuimt 1. , S. 415 für dieses Ve<^ 
f:i)ireii jenen Fall aus, wo ea »ich um eine technische Kenntnis hniidell 
und «nlerläfsl in seinem ^weilen» von Prof, Zippe bearbuHelen Theile nicht, 
Ciherall da» ühemjsehe Verhalten der Mineralien auf trockenem und ^nl 
nassem Wege anzugeben, ein Beweis , dafs «owol er all «ein Mitarbeiter 
sie auch bin ihren Zwecken für eine immerhin recht brauchhare BiMhilfe lur 
[ fiest immuner der Alineralien anerkennen^ wenn sie ihnen auch in wifsenschafl- 
lieber Beziehung keinen Werlh und kerne Dedeutung lugestehen* Nebenbei 
habe ich noch keinen Mobsianer gesehen, der nicht ein Löthrohr utid auch 
< i^esagt» einige Ftäichehen Reagenlien besefien, und nicht selten eben so ange- 
wendet halle, wie es alle Mineralogen der ganien Welt und wol auch die 
Herren VerC thun. £jt int aber nicht einzusehen, warum man niehl Schüler 
einer techni sehen Anstali ausdrücklich anleiten sollte, dasjenige zu speciellen» 
von ihnen xu erreichenden Zwecken tu thun, was ihre Lehrer ohne diese 
Zwecke aus anderen Gründen vornehmen, VViu schon olwn erwahntp gehl 
es in den technischen LeUranstilten darauf hinaus, die erworbenen Kennt* 
ciisae zur soforiigen Anwendung im Leben geeignet zu machen, wobei 
man sich attenling!» von handwerksmafsiger Abrichlerei ferti hallen mnfs. 
Bei der technischen Verwendung der Mineralien sind es vor allem ihre 
^ehemisehen Eigenscharten, d. h, ihre Bestand llieile und ihr Verhallen gt'gen 
' andere StolTe und Einftüfüe (wie bei Gewinnung von Metallen, Sahen. 
Säureo u^ s. w,), dann zunächst die Aggregation und Harle tliei (lAulen 
m s* W.) und eodlifh das Verhalten ge^en das Licht und die ll.'irte (bei 
Udelsteinen), die in tietracht komaien. Eine wenn auch nicht gen^me und 
l^olbllndige, so doch ungefähre oihI leicht xu erreichende Kenntnis der 
' neitandlbeile eines Minerals ist daher oft das ersle und einzige, was den 
Techniker inleressirt, der sich oft wenig darum kümmern wird, wie und 
wo es in was iromer für einem Spleme einzureihen isl , wenn er nur 
lieinen Namen und damit in seinem Bticlie noch einige nulEbare Angaben 
darüber finilet. IIa« ist nun freilich niclil wif.'*eu8chaftlich» aber zunächst 
^wockgemaf^i, und ein Technologe ^ der soforl 7.u sagen wifaen wird , dafs 
I. B. dieser oder jener Kalkslein thonhallig und deshalb vielleicht fMV 
Bereitung eines hydrauhj^ctii n Mculels geeignet ist, wird \s illkouim(.<ner 
sein, als einer, dt^r aus VVirsenscbaftlichkrit widerwillig und vcraehlungs- 
voll Ldlhrohr und Gläschen bei Seite scbiebl , und Njch begnügt , ihn ais 
l';4rietät des trhomiioed riechen Kalk Italoids an^u^precheu und sich und an- 



deren keine weiteren AuäkunHe t\x ge)>cn^ weil er ietbsl )mim weil«r ge- 
suchl und sieb roll dt^o retti naturhisti^riscti^n Kennzeichati begnüg hat — 
wenn ^ie ihn uümlicli richtig eur Erkennung geführt haben. VVeito man 
einwenden will, dafs derarlige Untertucbungen irre führen kaniun, i^b iia- 
turhiäloriBche unwKseuscharUieh, aU chemische un^^enügend seien, äUch 
immer nur roh und unsicher bleiben miifslen, so isl diefst aJlerding» mc\\i 
üngegründeL Aber es Vihi sich darauf erwidern , dafs einerseits selhM 
Mohsianer diese Dntcrauehungeu 2ur KrkiMiuung tu üiJfe nehmen, und dafs 
die Auffindung rein nalurhisloriscber i^enuEeJchen wegen def dabei UB«nl- 
bebrlichen grofsen GefichickJichkeiL und Apparat«, die beide dem Teehnjker 
iehr selleti xu gebole stehen werden, ehenfaU^ hüulig nur roh, ungenli- 
gend und läuachend aui^faüen werden, ja oft gar nicht angestellt werde» 
bmitien, Auderseitü bringt ei» Löthrolirver^uch oder einige Hoacliouen 
mit wenigen Mittehi und geringen chemischen üenntDiisen doch leicM so 
weit, tini wenigt$leni das Dasein gewisser chmni^cher Bestandtheile ku 
ermitteln y den untersuchenden, natürlich unter Zuziehung der ihm tu- 
gänf^lichen nnturhi^toriMchen Kennxcicheu, zur Kenntnis des Mineral» tu 
führen und ihn su unterrichten, ob ejne genauere, den hetreUendei] Fajcli* 
snännern tu übertragende Dnlersuchung wünschenswerth sei oder oi«hL 
Sicherlich bringt man es mit dem Löthrohr schneller zu einer immerhin 
recht brauchbaren Fertigkeit, als mit dem Goniometer und dem Kecheu- 
>itift. Welche Schwierigkeiten es da gibt, wifsen die Herren VeiC güwi«i* 
am besten. Wegen des Interesses, das die chemische ZueammcnielKunir der 
Mineralien für Technologen^ Okonoioen und Forstleute hat, war« es auch 
wdI entS|>rechender gewesen, statt der chemischen Foru^eln die Bestand- 
theile* wie diefs auch Mobs? gelhan, mit (Samen und Procenteii anscugehcn ; 
denn die [^leni^e eines Beslatidlbeiles ist es, die für (iraktische Zwi^rki' 
wichtig ist, und die Schüler, für die das Buch hesümml ist, sind nicht im 
atande sich Atome in Frocente umzurechnen» erfahren also wenig durch 
diese Formeln, leb mörhle uhei-ticiupt auf die Gerahr der Verketierung 
hin die Behauptung aufstellen, daf* für Lebrhücber an technischen Schu- 
len ein rein chemii^cheii oder gemischtes System der Mineralogie geeigne- 
ter wäre, alii das Rlohs'sche, wobei ich mich feierlich dagegen verwahre, 
als wollte ich damit einen Angriff auf dasselbe überhauf>t machen. Diesen 
öherlafse ich den Mineralogen von Beruf. Jedenfalli aber mufs ich wider- 
holen, dafs ich eine stete Berücksichtigung der chemischen Seite der ^tt- 
neralogie nicht hlofs für nützlich , sondern für unentbehrlich halte. Der 
ihganisationsentwurf weist ührigene ^. 4d» S. 248 darauf ausdrücklich 
hin, indem es heifst, man solle in der Oberrealschule uMiu eralog le 
mit Rücksicht auf chemische Zusammensetzung" lehren, 
Bieser deutliche Fingerzeig hatte von den Herren VertT. nicht nnheachtel hlei- 
heit sollen. In Folge ihres strengen Mohsiauismus haben diueielben auch die 
unglücklichen «Krüppel und Leichen*, die amorphen Mineralien und Zer- 
sutKnn^sproducte, mit sehr wenigen Ausnahmen, die Mohs seilest macht, 
weggelafsen. Mögen dieic verslofsenen auch kein Interesse für die Wis- 



A 



F. UffMi u. k. Mai%at9ekek, Mioertlogie, an^ ▼. M. B. SekmUU. 9» 

senschaft babea — Mohs bat sfe wenigstens als Anhang aufgenomnen — 
so bähen sie wegen ihrer Verwendung für die Praxis oft ein unendlich 
grödseres, als gar manche wahre Mnstermineralien. So hatten denn also 
Dinge, wie Bol, Gelberde , Grunerde, Silberschwärse , Kupferschwarze, 
Rahmeisenstein, Roth eisenstein, Meerschaum, Tripel, um* 
her, Walkererde, Wetzschiefer, Bimsstein, Thon, Lehm u. s. w. Dicht weg- 
gelafsen oder blofs nebenbei erwähnt, sondern besonders und ausführlich 
beschrieben werden sollen. Dagegen hätten mehrere nur mineralogisch 
interessante Spsthe, Kiese, Erze u. s. w. wegbleiben können, wie dann 
auch unter den Gesteinen mehrere, wie Topasfels, Eklogit , llyperstheufels 
u. dg}, entbehrlich sind. Mit den so wichtigen Angaben über die technische 
Verwendung von Mineralien und Gesteinen sind die Herren Verif. sehr kurz 
und sparsam, indem sie nicht mehr und nichts anderes geben, als Mobs 
resp. Zippe im 11. Theile der Naturgeschiebte des Mineral reiche. Das ist 
IBr Technologen wenig« Zippe's Gestein- ond Bodenkunde, v« Leonhard's 
Naturgeschichte des Steinreichs, können in dieser und anderen Beaiehun- 
gen als Muster dienen. 

Si^t man von der so eben besprochenen Frage ab, ob die hier 
ausschliefslich festgehaltene Methode für diejenige Art von Schulen 
angemefsen ist, denen dieses Buch zu dienen bestimmt ist, so wird man 
übrigens von demselben nur günstiges sagen können. Selbst im einzelnen 
werden sich Versehen (wie z. B. eines S. 105) nicht leicht darin finden. 
Der Stil ist correct und fliefsend, man möchte ihn aber einfacher und po- 
pulärer wünschen. Auf einige Versehen und Dngleicbheiten in der Ortho- 
graphie mache ich behufs emer folgenden Auflage aufmerksam. Die HH. 
Verff. schreiben durchweg Gonyometer statt Goniometer, Roggenslein st. 
Rogenstein (kömmt von Rogen — Fischeier, nicht von Roggen — Secaie 
cereaie), Pensilvanien st. Pennsilvanien, Saphyr si. Sapphir (von canipn- 
Qog), empyrisch st. empirisch, Trillinge st. Drillinge, Montmilch st. Mond- 
milch, Phisalit St. Physalit, Aragonit, Aragooien statt Arragonit, Arrago- 
nien, dann bald Stalaktit bald Stalaglit, Lomoiu't und Laumonit, Dysthen 
und Disthen, athmosphärisch und atmosphärisch, hackig und hakig, Gneus 
in der Physiographie und Gneils in der Gesteinslebro. Von einzeln vor- 
kommenden störenden Schreib- und Druckfehlern sind mir aufgefallen: 
S. 139, Z. 12 V. u. dostilirt st. destilliert, S. 175, Z. 3 v. u. Vauquelenit 
St. Vauquelinit, S. 182, Z. 4 v. o. Scbabasit st. Gbabasit, S. 188, Z. 20 
V. o. Ouix St. Onyx, S. 201, Z. 15 v. o. Zinober st. Zinnober, S. 212, 
Z. 8 V. o. gemein st. ungemein, Z. 12 v. u. fehlt «in' vor Steiermark, 
S. 217, Z. 13 v. u. Miemo in Syrmien, wo wol ein Komma fehlt, da 
MIeroo in Toscana liegt, S. 234, Z. 15 v. o. vollkommen gemeiner Perl- 
mutterglanz 8t. vollkommener gemeiner Perlmutterglanz, S. 245, Z. 13 
V. 0. Ruöfn balais st. Rubis baiaiM, S. 255, Z. 4 v. u. Posediilz st. Pod- 
sedlilz, S. 268. Z. 13 v. u. Bräune st. Braunau, S. 278, Z. 21 v. o. Re- 
gelus St. Regulus. «Am Lande* st. auf dem Lande, S. XXX, ist ein in die 
Schrift gedrungener österreichischer Provincialismus. Der Hauptfundort 




240 /. ff. Bilt, Griiridrifs rior Bolanik für Sebu1«n, ang. f. £^^r, 

für Laumonlt in Ocsler reich ist die Gitlglikk - Silberzecbe Liinic bei 
tiram^ nicht Knclidb^d bei Pra^, wo sein Vorkommen sehr sparsam 
sehr tiaansehniieh tsL — Die AussUltung iet TorlrcfTlich, da» Pnpier 
beim ?orig«n Buche SchreibpApleri die Tafel o »ind recht eayher 
itochen. 

Lemberg. M. H. Schmidt 



I 



Pfi- 
und 



wie 

4 



Grtiiidrirs der Botanfk für Schulen, von Dr 1 G. BilL 
Mil jahirdchen Bolisrhriillen. 8, 310 S. Wien, Gefold und Sohn, 
1854, — 1 n. S kr» CM* Ausgabe auf weifj^etn Veünfrapier 2 tl, CW, 

Bei der grofsen Menge von Büchern, welche den Zweck haben« all 
Lettraden tum Unterrichte der Pflatisenkunde an Schulen lu dienen ^ sind 
es doch nur sehr wenige, welche ihres (Imf^n^es, so wie ihrer Cinnehlung 
wegen als Lehrbucher lum Gehr^iucbe auf ܻlerreir-hiachen Obergymnasien 
und Oberreal schulen emjifohtrn zu werden ferd jenen* 

Von dieser Überzeugunf^ ausfgehend, bat der Hr. Verf. diese» Buches^ 
als bewahrter Schulmann io wie als InchÜgcr Botaniker, bei Verfafnüng , 
dteaes Grundrifses var^ugtich die B^dürfuisse der reifi^ren lugend ins Auft« 
gefarst, und damit iiieht nur einen für das praktrsthe Leben höchst pas- 
senden AbachniU der botanischen Kenntniss^e, sondern zugleich eine gründ- 
liche Basis für die weiteren Studien, namentlich für die FachBtudicD an 
der Universität »a ensielen gesucht. 

Jeder mit dieser Wifst-nschaft vortraule wird lugeb^n, daf?i tum 
Vorunlerriible für höhere Lehr;instaUeu gewifse Theile der Bolaiiik ganz 
besonders erlernt werden mnfsen, wenn man darin mit Sicherheit weilere 
ForLsehrilte macheu will Hierher gehört vor allen die sogenannte kenn- 
teicbenlehrc , wttich« man in ihrer genetischen Behamllimg OrganugiAphie 
nennt, und die Syslemaltk, das ist der grorse weile Bahmrn, in den ütan 
die MaiviuchfailtgkeU der vegetahdischen Bildungen gtbracti* hat. 

Die Jugend soll zuerst erkennen und üulerscheiden, auch wo) das rich- 
tig erkannte Äusommenstcllen Itfrnen, bevor sie aich von dieser eben so er- 
spriefslichen al« angenehmen Gymnastik des* (ieisles zu den liöhereu Problv- 
men des vegelabili sehen Lebens cm|!orsrhwingen kann. 

Für diese Operationen finden wir das vort legende Buch sehr passend 
eingerichtet. Es macht mit den verschiedenen Formen der PBanzenorgane 
und mit ihrer Bezeichiiung nicht hfofs durch dürre Worte hekaniU, |on- 
dern lügt zur Erläuterung Beispiete und Abbildungen tiiniu. Es könnte 
nur die Frage entstehen, ob hierin für die Bedürfnisse der Jugend nicht 
zu viel geboten, und mehr dem Fachmaime als jenen Beclmung getragen 
Wertlo. Wenn mau jedoch bedenkt, dafs es eben die Hauptaufgabe des 
lernenden ist , die Finzebiheilen in \[ef ISalur selbst mitzusuct»en und tu 
vergleichen, so kann ein %n wetttg durch unbefriedigte Wif^ensliegierde 
eher nachtheilig wirken^ als ein zu viel, wa>i der ohnehin übersehlägt, der 
nicht Sinn für diese Studien hat* 



y. G. Bin, (2runürif8 der Botanik für Schulen, ang. v. Otiger. 241 

Pur sehr zweckmafsig erachteten wir es, mit diesen in losen Begriffen 
spielenden Vorubuugen der Organographie und «Systematik der reiferen 
Jugend zugleich etwas fertiges, d i. einen Überblick des gesammten Pflan- 
lenreicbes mit besonderer Auswahl der Nutzpflanzen u. s. w. zu geben. 
Der Verfafser hat diefs in der Pbysiographie gethan, welche zwei Dritttbeile 
des Baches erfüllt, und so recht dazu bestimmt ist, mit der Mannichfaltig- 
keit der Pflanzenerscheinungen vertraut tu werden und zugleich ein Muster 
der gewöhnlichen botanischen Studien vor Augen zu haben. 

Es wird wol keinem Lehrer, der dieses Buch zum Leitfaden seines 
Unterrichtes wählt, beifallen, Sachen, wie sie hier ausgeführt sind, von 
seinen Schülern auswendig recitieren zu lafsen) er wird vielmehr gerade 
diesen Theil dem Privatstadium jedes einzelnen uberlafsen oder, wenn die 
Zeit es erlaubt, an einer oder der anderen Pflanze vor den Augen des 
Schulers derlei Analysen vornehmen. Dagegen wird oixl mafs er nicht 
versäumen, das ABC Att wiÜBenschaftlichen Botanik, die Rennzeichenlehre 
mit möglichst steter Hinweisung auf die Natur den Schülern gut einzuprä- 
gen. Sind dieselben einmal darin versiert, so wird ihnen die Pbysiographie 
von selbst einen Reiz gewähren, und sie zur näheren Bekanntschaft auf- 
fordern. 

Zur Charakteristik des vorliegenden Grundrifses der Botanik möge 
nur noch dienen, dafs die beigefugten in den Text eingedruckten Holz- 
schnitte» häufig Originalzeichniingen , deren Zahl nahe an tausend steigt, 
zo den besten gehören, die man in der Literatur bis jetzt besitzt, und 
dab das Papier selbst der sehr billig im Preise gehaltenen Schulausgabe 
diesen wahrhaft künstlerisch ausgeführten Beigaben ganz entsprechend ist. 
Eben so kann von dem Drucke, so wie von der typographischen Gorrect- 
heit nur lobenswerthes bemerkt werden. 

Wien. Fr. On ger. 



ZmtlHchttti fAr di« nsterr. Gymn. |8S4. IH Hft. |7 



Dritte Abtheilung. 



Verordnungen för die österreichischen Gym- 
nasien; Statistik. 

a. Erlafse. 

Erlafs des h. Ministeriums für Cultus und Onterricht, 
Misbrauehe bei den Maturitätsprüfungen betreffend 

10. Juli 1853. 

Es ist zu meiner Kenntnis gelangt, dafs in manchen Gymnasien den 
Abiturienten die Zeir zwischen dem Abschlufse der schriftlichen und dem 
Beginne der mündlichen Maturitätsprüfung, wo letztere noch vor dea 
Herhütferien abgehalten wird, mit Aufhebung aller Unterrichtsstunden 
gänzlich freigegeben wird, angeblich aus dem Grunde, um den Prüflingen 
Zeit zur Vorbereitung für die Prüfung zu gönnen. 

Diese Obung mufs als eine ganz willkürliche und als ein Misbrauch 
gerügt werden, welcher, wo er stattfindet, nicht nur durch keine Bezie- 
hung zur Zweckmäßigkeit sich entschuldigen läfst, sondern von vielen 
Nachtheilen in didaktischer und pädagogischer Hinsicht begleitet ist. Diese 
Nachtheile liegen so nahe, dafs es befremden mufs, sie von den Lehrkör- 
pern, welche eine solche misbräuchliche Gepflogenheil sich zu schulden 
kommen lafsen, nicht selbst erkannt zu sehen. Eben so mufs es befrem- 
den, daraus, dafs hier und da eine Vorbereit ungsfrisl zur Maturitätspiüfung 
eingeräumt zu werden pflegt, zu entnehmen, dafs es manchen Lehrkörpern 
selbst noch an der richtigen Auffafsung des Wesens dieser Prüfungen und 
an der richtigen Behandlung derselben zu gebrechen scheint, indem es 
hiebei weniger auf die Erprobung der dem Gedächtnisse eingeprägten po- 
sitiven Kenntnisse, als auf die Prüfung der graduellen geistigen Reife, 
worauf im Erlafse vom 1. Februar 1853, Z. 1373« ausdrücklich und wi- 
derholt hingewiesen wurde und wozu eine besondere Vorbereitimg durch 
einige Wochen weder einen Vorschub zu leisten vermag, noch überhaupt 
nöthig ist, ankommen soll. Die k. k. Schulbehörde wird beauftragt, sol- 



Erläfse. 24g 

chen Misbräachen mit alJem Ernst« zu steuern und die Gymnasien, an 
welchen sich solche Fälle ergeben haben und noch ergeben, sogleich an- 
her namhaft zii machen. 

An manchen Gymnasien femer werden die mündlichen Maturitals- 
prufungen sogleich nach Abschlufs der scbrifllichen , daher einige Wochen 
vor dem Schlufse des Schuljahres, abgehalten. Gegen eine solche Obang 
labt sich nach der Natur dieser Prüfungen und besonders in Fällen, wo 
die beschränkte Zeit des inspicierenden Schulrathes oder andere praktische 
Rueksiehteo eine Anticipierung der Prüfungen rechtfertigen, nichts ein- 
wenden; jedoch ist nach Abschlufs dieser Prüfungen der Unterricht in 
Absiebt auf Ergaazong der positiven Kenntnisse der Schüler bis tum fest- 
gesetzten Ende des Schuljahres fortzuselsen , und sind aus pädagogischen 
Rücksichten die Zeugnisse den Abiturienten erst nach Schlufs des Schul- 
jahres anssuferügen. 

Erlafs des h. Ministeriums für Cultus und Dnlerricht, 
die Änderung in der Vertheilung und Reihenfolge des na- 
turwifsenschaf tlichen Lehrstoffes am Obergymnasium 

bctre f f en d. 

9. Jänner 1854. 

Im Nachhange zu dem h. o. Erlafse vom 18. Juli 1853, Z. 7172, 
betreffend die Änderung in der Vertheilung und Reihenfolge des natur- 
wifsenschaf tlichen Lehrstoffes am Obergymnasium , wird nach den einge- 
langten übereinstimmenden Gutachten über eine zweckmäfsigere Reihenfolge 
der naturgeschichtlicben Dnlerrichtspartien auch am Cntergymnasium fol- 
gender Lehrplan angeordnet. 

I. CUsse, 1. Semester: Säugethiere. 

„ 2. „ Zoologie der Crustaceen , Insecten etc. 

IL „ 1. ,, Vögel, Amphibien, Fische. 

„ 2. „ Botanik. 

Mit der Durchführung dieser Modification ist in der ersten Classe 
im laufenden, in der zweiten Classe vom nächsten Schuljahre zu beginnen. 

Dadurch, dafs die Behandlung der Entomologie in eine Zeit verlegt 
wird , wo die Objecte des Unterrichtes zum theile durch die Natur selbst 
zur unmittelbaren Anschauung dargeboten werden, soll der betreffende 
Doterricht, bei welchem es sich nicht so sehr um eine systematische Dar- 
itellung, als vielmehr um die Mittheilung der Kenntnis der naturwifsen- 
schafllichen Gegenstände auf dem Wege der Anschauung handelt, erleich- 
tert und gefordert werden. 

Erlafs des h. Ministerin ms für Cultus und Onterricht, 

die Verwendung von Lehrern öffentlicher Gymnasien 

oder Realschulen an Privatlehranstalten betreffend. 

5. Februar 1854. 
Es ist zur Kenntnis gekommen» dafs mitunter Inhaber von Privat- 
lehranslallen den Onterricht jrener ScKükr, welche an öfifept|tch^ Gymna- 

I7* 



244 



ErlAlse. 



sten oder llc^afschulen geprüft werden sollet?, von offentlicbef^ Lehrern m 
dienen MiÜelschulen unil zwar von daiijenigen lesorgen tafsen, bei wclcheii 
die Schüler am Ende des Semesters oder Jahrescurses die öffmUlirhe Prä- 
Tung ahKutegen haben. 

Da durch die a. li. Enlschfiersung vom 16. Juli 1835 [Veb^iibeschif- 
ligungerip in welchen lo folge n. b. Entschlief ?4ung vom 37. Februar 1844 
auch die KrUitilung von Prival-Colerrirhl beirriffen ist, den ^^la^tsbeamten 
uihI Stnuljsdienenj nur noter den Bedingungen gesittet werden dürfen, 
1) data sie nach ihrer Be^ohafTenheit und ihrer Beziehung auf djo Stel- 
lung des Beamten die Vorausäel£ung einer Befangenheit in der Ausübung 
seines Amtes nicht begründen , 2) dafs sie dem An«itande und der äufseren 
Ehre des Hanges, in dem der Beamte steht , nieht widerstreiten; S) dafs 
sie ilie Zeit des Beamten nicht auf Kosten der genauen Erfüllung seines 
Berufes in Anspruch nehmen, so werden hiermit diese Anordnungen, in so 
weit darunter die Ertheilung des ?riv*'*tunterrjchleg durch Lehrer der öf- 
fentlichen (iymnasief) oder Heatscbulen , sei es an Privatlehrinstlluten oder 
in Pamitieu, begriBfen ist, in Erinneruivg gel/Mclit , und wird eu dem Be- 
hnfe, \hh dte Erfüllung dieser Bediügung*!n genau überwaebl werde, fol- 
gendes angeordnet. 

Alle h'ivatlehran!*lallen, an welchen Unterricht in den Gegenständen 
der Oymoasien oder Realschuten ertheilt wird, sind zu verbalten, in Ge- 
mifsheit der kais. Verordnung vom 27. Juin tB50, f. 12 (R. G. B. Dfr. 309), 
die von ihnen aufgenommenen Lehrer mit Beginn eines jeden Schufj.ihrei 
namhaft zu machen , ao w ie jeden im Laufe de;« Schuljahres vorgenomme- 
nen Lehrer werhsel der k. k. Sehulljehnide aniuä&ei^en. Von diesen Anga- 
hen sind erfor<lerliehen Falls die Vorsteher der betreffenden CöfTenl liehen) 
Mitlel»^ehuten in Kenntnis tu setzen. 

Die Direcloren der ofTeotlichen Gymnasien oder Realschulen sind 
ferner zn verbal len^ den tiezügbchen Verbal (pissen besondere Aufmerksam- 
keit tu widmen und in ihrem Wjrkungskri:ise zur tljnt anhält ung solcher 
Beschäfligungen der Lehrer, welche den erwähnten Bedingungen wider* 
siretten , und der damit verbundenen üozukbmmlichkeilen beizutragen* 
Insbesondere sind sie dafür verantwortlich, dafs^ wenn Privatschüler, wet* 
che von dem Lehrer einer öffentlichen Anstalt unterrichte! werden, an 
derselben Anstalt, welcher dieser Lehrer angehört, ihre Prüfungen abfegen, 
der helreirende Lehrer an der Prüfung und Glassißcation dieser Schüler 
aieh nicht betheitige. Vorkommende ÜtiertreLungsfülie werden anzuzeigen 
und nach ilm a. h, l^e^timmungen vom 16. Juti 1S35 zu behandeln sein. 



E r 1 a fs des h. M i n t ü i o r i u m s für G u 1 1 u s und n t e r r 1 c b t, 

die gese Uli che u Bedin g u ngtt n bei Einführung vou Lehr- 

biiehern betreffentt. 

17. Februar 1854. 
Widerhotte Wahrnehmungen haben beransgeKtelU, dafs das Verbot, 
indere l^ehrbucber als di# vom Unter richlaministeri um empfohlenen oder 



d 



Crläfse. U9 

gestaUeleo, an Gymnasien und Realschulen zu gebrauchen, nicht mil der 
gehörigen Sorgfalt und Strenge beachtet , und dafs von einzelneu Lehrern 
bei der Einfuhrung und bei dem Wechsel der Schulbucher oft init einer 
Willkur vorgegangen werde , welche arge Obelslände zur folge haben 
mufs. Den Directoren und Lehrern der Mittelschulen ist daher die Anord- 
nung, dafs die wirkliche Einfuhrung eines neuen Schulbuches jedesmal an 
die Genehmigung des Onterrichlsministeriums gebunden, und wie sich be- 
der Motivierung der Anträge hierbei zu benehmen ist, in Erinnerung zu 
bringen. Dm aber jedem Misbrauohe in dieser Beziehung kräftigst begeg- 
nen zu können, finde ich, bevor die zur Revision und Sichtung der in 
Gebraoch stehenden Schulbücher getroffenen Einleitungen, deren Ergeb- 
nisse seiner Zeit bekannt gegeben werden, zum Absohlufse gelangen« fol- 
gendes anzuordnen! 

1. Am Schlufse eines jeden Schuljahres ist in jeder Gymnasial- und 
Realschulciasso von dem Director ein Verzeichnis der in der nächst höhe- 
ren Classe zu gebrauchenden approbierten Lehrbucher kundzumachen und 
anzuschlagen. Dieses Verzeichnis, welches in der bisher vorgeschriebenen 
Weise dem am Schlufse des Schuljahres an die Schulbehörde einzusenden- 
den Lectionsplane beizuschliefsen , und in welchem das Decrct ersichtlich 
zu machen ist, mit welchem die Ermächtigung zum Schutgebrauche eines 
Buches gegeben wurde, ist nach Eröffnung des nächsten Schuljahres in 
den betreffenden Classen zu republicieren , wobei sich zu oberzeugen ist, 
ob die Schuler mit den gehörigen Buchern versehen seien. 

2. Bucher, welche nicht zu den eigentlichen Schulbüchern geboren, 
sondern als HilfsbQcher für Lehrer oder zur Anschaffung für die Bibliothek 
der Lehranstalt empfohlen wurden, sind eben so aus dem erwähnten Ver- 
zeichnisse auszuschliefsen , als zu deren Anschaffung die Schuler unter 
keinem Verwände verhalten werden dürfen. 

3. Der Omstand, dafs in den Programmen einzelner Gymnasien oder 
Realschulen Schulbucher namhaft gemacht werden, deren Gebrauch auf 
einer speciellen nur für eine Lehranstalt gütigen Ermächtigung des Dn- 
terrichtsministeriums beruht, berechtigt keineswegs andere Lehrkörper, 
sofort auch solche Bucher in Gebrauch zu setzen. 

Noch weniger darf ein Buch blofs deshalb , weil es auf seinem 
Schilde den Namen aSchulbuch, zum Gebrauche an Gymnasien oder Real- 
schulen* fuhrt , wenn es nicht die a u sd r u c k 1 i c h e Approbation des 
Duterrichtsminisleriums erhalten hat , in den betreffenden Schulen in ge- 
brauch gesetzt werden. 

4. Ein mit Approbation einmal eingeführtes Buch darf mit einem 
anderen in keinem Falle im Laufe des Schuljahres und überhaupt nicht 
bei denjenigen Schulern, mit welchen an diesem Buche der Unterricht nicht 
geschlofsen wurde, umgetauscht werden, damit diese Schüler nicht in die 
Lage kommen, an einem Buche den Unterricht zu beginnen und die Fort- 
setzungen desselben Onterrichtes an einem anderen Buche von ein und 
derselben Lehraufgabe zu versuchen, diejenigen Fälle ausgenommen! in 



ua 



Kflät'si«. 



welcheü das üaterHchttmmiättiriuni selbst dn solches Buch unbedingt 
autaer Gebrauch zu scUeii anordnen sollte. 

Für die genaue Befolgung dieser Anordnungen haben die Inspeclo- 
ren tu wachen und stnd die Direcioren mit dem BeiSÄrie veranlworllich 
KU machen , dafs wenn in Zukunfl ein nicht caipMilenes oder nicht ge- 
stattelcs Buch in Anwendung gefundtm werden sollle, dasselbe den Scbu 
lern «bgenommeö, und d^r Oirtclor und der Lehrer» welche dieies Unfugei 
schuldig aind» wrhaUcn werden wurden , auf ilire Rosten die Schüler mit 
dem gestalteten oder empfolileneu Buche zu versehen* 

Krllfsodea h. IVI inisteri ums fiJr Cultusund Dnterrichl 

m €iDielae Schulbehörde», 

(Fortfiet£ung von HfL IV des 4. Jahrganges XLIX,) 

U 16. l-ebruar 1853, 

Die Anwendung des 5* 113 des Organisationsentwurfes set«l voraus, 
dafs der Lehr tör per aus ordeultiehen Lehrern in der errorderliebcn Au2ahl 
bestehe, und die demselben zugewiesenen Hilfslehrer in der vom Organi- 
sationsentwurfe $. 91/^ und von dem Prüfungsgesetze f. 19 vorgeteiuh- 
neten Eigeui^chaft rungicren* 

Von solchen lliirslehrern , auf welche die Gymnasien erst künfltg 
werden rechnen können^ sind die gcgenwÄrtigeu Sup|»Ienlen «u unterschei- 
den, welche, wie ehemals, so auch jetzt, die normalmrifäige voUe Stunden- 
zahl des Schulunterrichtes und daher auch alle Pjliohlen und Rechte 
eines ordentlichen Lehrers in didaktischer und disci|iiinärer Be-ziehung 
ybernebinen. Es liegt diese Deutung in der Natur der Sache, uud kann 
eben so wenig bezweifelt werden» als für sie die allgemeine gegenwärtige 
wie ehemaUi^e Übung spricht. 

Wenn bei einer solchen Berechtigung der Supplenten Misbrauche 
besorgt oder seihst nachgewiesen werden, so soll, was sich wol von sdt>st 
versteht, nicht übersehen werden, dafs ein Mi^br^iueh das Wesen einer 
Sfiche oder die ihr zu Grunde liegende Absicht a;i sich nicht verdächtigen 
kann, vielmehr es zur Aufgabe der vorgeaelzlen Behörde gcbürt, vorkom- 
mende Mtfsbruuche unaufgefordert abzu^lellen, Zunäctist ist der Gymna- 
sialdirector dafür verantwortlich, dafs die Conferenzen ihrer Beslimmung 
vollkomman entsprechen, und er hat das Hecht, solchen Beschlüfsen, die 
ihm mit den Interessen des tlnterrlchtes und der Discipliu als un verein- 
barlich erscheinen, die Kraft in so lange zu ent ziehen , als er darüber 
nicht die dngeboJte höhere Weisung erhalten hat, 

LI. 30, Jänner 18M, 

BueL<!ichtlieh der Verpflichlung der Gymnasiulschüler zur Erlernung 

der Landessprachen und zur Ablegung der Prüfung aus denselben sind 

folgende Gnindi^ätie fm Auge zu liehaMen. 

Unbedingt ohlt^at ist das Sludium iler tlnterrichts- ferner der deul- 

mh&ü sprach«, wo diese nicht schon die Unterrichtssprache isL 



Erläfse. 247 

Das Studium einer zweiten oder dritten Landetsprache ist nur für 
jene Schuler obligat, deren Muttersprache sie ist. 

Hiernach ergibt sieb der Beseheid auf den Bericht dahin , dafs Pri- 
vatschuler italienischer Zunge zur.Ableguug der Prüfung aus der slayischen 
Sprache nicht su verpflichten sind. Hingegen kann bei diesen Schülern 
eine Dispens von dem Studium der deutschen Sprache und von der Ab- 
tegung der Prüfung aus derselben nicht gestattet werden. 

Der Dmstand, ob an dem Wohnorte der Privatschnler Lehrer fClr 
ein Obljgatfach vorhanden seien, darf die Entscheidungen der Behörden 
nicht bestimmen, indem sonst folgerecht Pnvatschuler auch von anderen 
obligaten Lehrfächern, als den fraglichen Sprachen, wenn sie die dazu be- 
fähigten Privatlehrer nicht finden, dispensiert werden mufslen, und indem 
überhaupt kein Grund vorhanden ist, das Privatstudium, das nur unter 
sehr gunstigen Verhaltnissen einen befriedigenden Erfolg erwarten läfst, 
ZQ begünstigen. 

LH. 5. Februar 1854. 

In Oemäbheit des Organisationsentwurfes $. 6t und der Verordnung 
vom t8. October 1850 (R. G. Bl. Nr. 445) ist Schülern, welche, hausüchen 
Unterricht genofsen haben, der Eintritt in höhere Gymnasialclassen unter 
der Bedingung einer Aufnahmsprüfung ohne Nachweisung der Zeugnisse 
über die früheren Semester gestattet. 

Das Wesen und der Zweck einer solchen Ausnahmsprüfung bringt 
es mit sich, dafs bei derselben die ausreichende Vorbildung des Exami- 
oandea in sämmtlichen Gegenstanden mit gewifsenhafter Strenge erprobt, 
und daher auch auf den Lehrstoff der vorangehenden Classen da zurück- 
gegangen werde, wo derselbe, wie zum Iheile bei den Naturwifsenschaf- 
ten , mit jenem der höheren Classe nicht im streng inneren Zusammen- 
hange steht , während in den übrigen Gegenständen , wenn das Ergebnis 
der Prüfung z. B. aus der 3. Classe ein erfolgreiches Fortschreiten in der 
4. Classe mit Sicherheit erwarten läfst, auch di^enigen Vorkenntnisse von 
dem Schüler als erworben zu betrachten sind, ohne welche er sonst den 
bei der Aufnahmsprüfung dargelegten Grad seiner Bildung nicht hätte er- 
reichen können. 

Wenn hierauf dieser Schüler die 4. Classe als öffentlicher Schüler 
mit gutem Erfolge absolviert hat, so hat er sich auch diejenige Bildung 
eigen gemacht, welche das Untergymnasiuni zu gewähren hat, und es liegt 
iu der Natur der Sache , dafs ein gutes Zeugnis aus der 4. Gymnasial- 
classe als eine Bestätigung darüber anzusehen ist, dafs der betreffende 
Schüler das üntergymnasium absolviert hat, wodurch die Nachweisung der 
Zeugnisse über den früheren Semester zu dem behufe des Übertrittes in 
andere, das Gymnasialstudium voraussetzende Berufspflichten entbehrlich 
wird. In diesem Sinne wird die Schulbehörde und werden die Directoren 
in vorkommenden Zweifeln oder Anstünden sich die uölhige Belehrung der 
betreffenden angelegen sein lalsen. 



3ia 



Personal- und Schul II QtiiEen. 

Personal- und Schulnotizei!. 



,,.| (ErDennuDgetir ßefördeTua§fda und Ausceiefinun- 

gtnO Se, k. k. apoijloi Majestät haben mit a. h. Bntschtiersuiig vom 
25. Februar f. J* dun SLalthattereirälh der vprtnfili^fn urigartschot] SI»1U 
balttiret , Jghniin U a d a ra l's y , für die K a ^ c h a u e r , den Uezirkshaupt- 
EDaun iii Böhmen , Felis l{ o i a e f , für die I* r e f a I> u r g e r> den Ministe- 
rtalsecrelar im ftliniüteriiiin des CuUiis und Unierridites, Joseph Tan dl er, 
für die Ofeaer^ den ernten Co milaUconi missiisEu Tyrnitu, Rudolf Stellar 
für die Ödenburger und den IVIiui^teria1cpucJ|ni$leii iui MuHäterinm de« 
Culluä uDd L'uteriichlei», Emiinuel Ci^7A%, iür die G ro Ts wa rd e i ne r 
^lallhjdterei'ALitliedunff £u Statthaltereirälheu mit der Beätimtauiig für d^ 
UnlerrJcbUreferat a. g. z\i ernennen gerulit* 

— Der Miuiäler für Cultus und tJnlerricht hat eine hei diesefn Ministe* 
num erlediji^tij Minislerial-Concipistenstelle dem Concepisadjuncten diese» 
Minister! ums, Hrn. Dr Withdm CarabelJi Edlem von Lunkassprie 
verhühcHi 

— Se k, k. apostoU Majestät haherv mit a. h. l^ntschtiefmng vom 
6. Februar I. J. den iiymnasialproreHäor zu Padun^ INotnle t^aolo l^erei^ 
s^um aurserordenttk-hen Professor der italieniachen Sprache und Literatur 
an der Hochschule zu Grali a, g. tu eniemien geruht. 

— t>cr bisherige Supplenl aiu k. k, Gyrouasiuui zu Neuhaua, Hr, 
Dr, Eduard ScUohl, ist lum wirklichen Gymnasiallehrer ernannt worden- 

— Sg, L k. apoatoL MajesIaL haben mit a. h. tvnlschliefsuug vom 
6, Mar^ 1. J, die erledigte DireCtorsstt^He am kalho], Gymnasium lu Prefs- 
bürg dem Director des Troppauer Gymnasiums, Priester des Augustiner^ 
Ordens, Dr- Anlonui A 1 1 , a. g. zu verleihen geruht. 

— Se. k. k, apoatol Äfajestäl haben mit a, h- Entsehlli»fsung vom 
15. Feljr, L J, die t^ehrkaiizel der fSal Urgeschichte am *lnndisch-lt.*cbnischen 
(nstitnre eu Prag dem Professor der Zoolojrie an der üniversitäL in Grati, 
Dr Franz N i c k e r I , a. g. zu verleihen geruht. 

— Der Pension, k. k. GymnfiaiaMehrer» derzeit Cuslos der Scherschnik*- 
aohen Bibliothek und des Museums zu Tescben , Ür. Karl Schwarz, ist 
von Seite der k, k. Central com raifiion zur Erforschung und Erhall ung der 
Haudenk male ira Ht* k. osterr, Kaiserslaate zum Conservalor fnr de« ehe- 
maligen Teschener Kreis ernannl worden. 

— Unter den Öslerr, Gelehrten, welche in den Golehrten-Ausschufs des 
germanischen Natinnal* Museums zu Nürnberg ernannt w^or- 
den iiiid, finden wir auch die nachstehenden Herren, welche die Zeitschrift für 
die oalorf. Gymnasien zu ihtm bisherigen Mitarbeitern tählt, als Verireler 
der beigeselzten Fächer genannt: Bergmann, Jos., k. k. Italh und Cus*los 
in Wiens für Medaillenkunde; Feil, Jos,, k. k, Mimsteri.iiconcipistco in 
Wien: Usterr* Goschichlskunde; Glax, Heinrich, k, k. Professor an der 
lunabrucker Cnivrv^itäl: ÖsLerr. Geschichte, Kuur<l- und Literuturgeschichiei 



^ 



Pereoual- und Schulnotizen. 219 

Höfler, Dr. Constanlin, k. k. Professor an der Prager Oniversität: Deut- 
sche Geschichte; Karaj an, Theodor y., Vicepräsidenten der kais. Akade- 
mie der Wibenschaflen in Wien: Österr. Literaturgeschichte und Alter- 
tumskunde. 

— Se. k. k. apostol. Majestät haben mit 4. h. Entschliersung Yom 
2. Februar I. J. dem Stiftspriester, P. Gregor Haslberger, Director des 
Gymnasiums zu Kremsmiinster, in Anerkennung seiner vieljahrigen er- 
spriefslichen Wirksamkeit im Schulfache das goldene Verdienstkreuz mit 
der Krone zu verleihen geruht. 

— Se. k. k. apostol. Majestät haben dem Sectionsrathe beim k. k. 
Ministerium des Cultns und Dnterrichtes, Ludwig Ritter ?. Heu f 1er, fQr 
das Prachtwerk: «Eine Probe der kryptogamischen Flora 
des Arpasch thales in den siebenburgischen Karpathen,* 
das erste mit Benutzung der Erfindung des Naturselbstdruckes aus den 
Pressen der k. k. Hof- und Slaatsdruckerei hervorgegangene, die grofse 
goldene Gelehrtenmedaille a. g. zu verleihen geruht. 

— Se. k. k. apostol. Majestät haben dem Official des k. k. Ministe- 
riums für Cultus und Unterricht, Dr. S. H. Mosenthal, für das über- 
reichte Exemplar seines Werkes: «Museum der österreichischen 
Lyriker und Epiker* einen werthvollen ßrillaniring zustellen zu 
lafsen geruht (Nichtamtlicher Theil der Ost. Kais. Wiener Ztg. vom 28. 
Pebr. I. J. Nr. 50). 

(Erledigungen.) Für das k. k. Obergymnasium zu Salzburg 
ist mit Genehmigung des h. Ministeriums für Cultus und Unterricht vom 
30. Jänner I. J. Zahl 1036^ ein [Nebenlehrer für die italienische Sprache 
zu bestellen, der zugleich an der k. k. Dnterrealschule alldort Unterricht 
zu erlheilen hat. Der Termin der Gesuchsvorlage ist der 20. März 1. J. 
(Amtsbl. z. Wr. Ztg. vom 23. Febr. I. J. Nr. 46). 

— Laut h. Erlafses des h. Ministeriums für Cultus und Unterricht 
vom 13. Dec. 1853. Z. i^^^Vttn, kommt die Stelle des technischen resp. 
Zeichiiungslehrers an der k. k. Dnterrealschule zu Villach (mit einem 
Gehalte von 350 fl. CM.) deßnitiv zu besetzen. Mit derselben ist das Lehr- 
fach der Naturlehre und Naturgeschichte verbunden, Unterrichtssprache die 
deutsche. Die gehöri;;^ instruierten Gesuche sind bis Ende April an die 
k. k. Landes<)chuU)ehörde für Kärnten abzugeben. (Amtsbl. zur Wr. Ztg. 
V. 1. März 1854. Nr. 51). 

— An der mit der k. k. Norroalhauptschule bei St. Anna in Wien 
verbundenen Unterrealschule mit 3 Jahrgängen ist die Stelle eines gram- 
matischen Lehrers (600 fl. CM. Gehalt und 60 fl. CM. Quartiergeldbeitrag) 
erledigt. Die gehörig instruierten Gesuche sind bis längstens Ende März 
d. J. beim furslerzbisehöfl. Consistorium zu überreichen. (Amtsbl. zur Wr* 
Ztg. vom 4. März 1854. Nr. 54). 

— Vom 2. Semester des Studienjahres 1853/54 an sind in Erledigung 
gekommen a) ein von Johanna Theresia Teninger in Wien gestiftetes 
Convicts - Handstipeudium von jährl. 150 fl. GM. für die ganze Dauer der 



290 Personal- uud Schulnotizen. 

Studien (mit Ausschlur« der juridischen und medicinisehen) ; ö) ein St. 
Josephiscties Convicts-Handstipendium, gestiftet von der durclilaucblig- 
sten Frau Erzliercogio von Österreich, Maria Magdalena, im jährl. 
Betrage von 210 n. CM. für die Dauer der Gymnasialsludien und dann der 
Theologie. Die gehörig instruierten Gesuche sind bis Ende April d. J. bei 
der k. k. n. Ö. Statthai lerei zu überreichen. (Amlsbl. zur Wr. Ztg. vom 
21. Februar 1954. Nr. 44). 

— In folge der von Sr. k. k. apostol. Majestät a. g. genehmigten Re- 
gulierung der V i r g i I i a n i sehen Stiftung in Salzburg wird nebst 5 
Stipendien für dürftige Jünglinge aus dem Uenogtume Salzburg, welche 
die 8 Qymnasialclassea bereits absolviert haben und sich den juridischen 
Studien widmen» auch 1 Stipendium mit jährl. 200 fl. CM. für arme 
Satiburger Jünglinge, welche uud so lange sie am k. k. Gymnasium zu 
Salzburg studieren errichtet. Die Bewerber um das Gymnasialslipendium» 
unter denen l>ei sonst gleicher Befähigung Jünglingen von adeliger Geburt 
ein Yortug'treeht zusieht , haben ihre gehörig documentierten Gesuche bei 
dem lloehwürdigsteu Herrn Fürsterzbisehofe in Salzburg längstens bis Ende 
Märi 1S54 au überreichen. (Amtsblatt zur Wr. Ztg. vom 7. März 1854. 
^^ 5t>l 

(Todesfälle.) Am 4. Juni 1853 starb zu Eigeltingen im Grofs- 
iMTi^tuoie Baden der peus. Professor Wilh. Wi ttmer, vormals am Gym 
na^nw in Ra^ntatt angestellt, Verf. der Schriften : «Methode des reinen u. 
an^Ws He«^nenH mit und ohne Ziffern* 1820, «Deutsche Sprachlehre* 
lS:i7. «Kechnungsaufgaben* 4. Aufl. 1832, «Raumlehre» 1836, «Band- 
bueh 4e« Rechnens mit uud ohne Ziffern* 2 Thie. 1838. 

— Von K. tVtober 1853 starb zu Erlangen der kön. ba]^. GHieim- 
WlK l>rw Olurt^tian Karl Barth (geb. zu Baireutb im J. 1775). Verfafser 
YW ^lVutwhUud*rrge»ebichte». Hof, 1818—20; 2. Aufl. 3 Bde. 1840- 
IS4^l «it^r die Druiden der Kelten*, Erlangen, 1826; «Die altleutsche 
Heli^iv^n''. 4 Bde. Lei|Mig, 1S35. 

Am 14. Novbr. 1S53 starb zu Berlin Prof. Dr. AogiKl Zeune 
(gelv« am U. Mai 1778 zu Willenberg), Director a. D. und Gründer der 
dM'tineu lUiudenanslalt, verdient um die Widerbelebung des Studiums der 
alldeulMohen Sprache und Literatur («Der ISibelungen iVoth und Klage*, 
Berlin IHM ; 2. Aufl., 1836 u. a.). wie um die wifsenschaftliche Behand- 
lung der Geographie («Gea, Versuch einer wifsenschaftlichen Erdbeschrei- 
bung», Berlin 1S08; 3. Ausg. 1830). 

— Am C). I>ecbr. 1853 starb zu Wien der jubil. Vicepräsident des 
k« k« n. ö. Appt« llations- und Griminal-Obergerichtes, Hr. Dr. Karl Jos. Frei- 
herr von Pratobe Vera- Wiesborn (geb. zu Bielitz in österr. Schle- 
«ien am 17. Febr. 1769), Commandeur des k. k. Leopoldsordens, ein in 
der juridischon LiloraUir Österreichs berühmter Mann. 

— Au) 23. Jänner I. J. starb zu Wien der k. k. Hofschauspieler, 
Hr, Maximilian Korn (geb. zu Wien am 12. Oclober 1782), derselb«, an 
^1 als angehenden Künstler, der vaterländische Dichter. Heinr. Jos. von 



Personal- und Schulnolizeii. 251 

Co II in, seine bekannte didaktische Epistel «Ober die Schauspielkunst* 
(8. dessen Werke 4. Bd.) gerichtet bat, ein durch die Wahrheit und den 
Adel seines Spieles im Trauer-, wie im Lustspiele gleich ausgezeich- 
neter Mime. 

— Am 29. Jännor 1. J. starb zu Venedig im 38. Lebensjahre, Ur. 
Abbate Dr. Franz Carrara, Professor am k. k. Gymnasium zu Sta. Cat- 
terina, durch mehrfache schriftstellerische Arbeiten auf dem Gebiete der 
Archäologie, die er auch durch Leitung der Ausgrabungen in Spalato, sei- 
nem Geburtsorte, zu fördern bestrebt war, so wie durch die Herausgabe 
der für die *Scfaule bestimmten ^AiUofOffia* (Seziane /.), vortheilhaft 
bekannt. 

— Am 19. Februar 1. J. starb im ßenedictiner-Ordensstifte Michel* 
heuern, Hr. P, Michael Filz (geb. am 12. April 1777 zu Passau), Prior 
des genannten Stiftes, fürsterzbisch. geisll. Rath, corr Mitglied der kais. 
Akademie der Wifsenschaften in Wien, wirkl. Mitglied der Akademie der 
Wifsenschaften in München, emerit. Professor der Weltgeschichte und Phi- 
lologie am k. k. Lyceum lu Salzburg, bekannt durch seine Abhandlung 
über das wahre Zeitalter des heiL Rupert und durch seine Chronik des 
Benedictincr-Stiftes Michelbeuern. 

— Am 21. Februar 1. J. starb zu Tübingen der pens. Lehrer der 
Technologie an der dortigen Universität, Hr. Job. Heinr. Moriz Poppe 
(geb. am 16. Jänner 1776 zu Göllingcn), der bekannte Verfafser einiger 
brauchbarer Bficher über Technologie und Physik («Hindbuch der Techno- 
logie' 4 Abthil. Heidelberg 1806 — 10, «Technolog. Lehrbuch» Stuttgart 
1819, «Handbuch der Experimentalphysik» 2. Aufl. Hannover 1826, «Der 
phys. Jugendfreund» 8 Bde. Frankfurt 1811 — 16 u. s. w.) und zahlreicher 
populärer Schriften über Mechanik, Gewerbslehre, Baukunst und verwandte 
Fächer. 



Vierte Abtheilun^. 



Miscellen. 

über ferUge tbenetaungen al$ Bilf$miM der Pr^paraiUm. 

Die Verbreitung, welche gedrackle Übersetzungen griechischer und 
lateinischer Schulclassiker hier und dort noch iüimer unter der studieren- 
den Jugend finden, ist eine Erscheinung, die von dem Forlgange des das- 
sischen Studiums an manchen unserer Gymnasien kein günstiges Zeugnis 
gibt. Man murste erwarten, daHi bei allmählich festerer RegrQndung der 
neuen Organisation die befsere Erkenntnis von seihst den verderblichen 
Bequemlichkcitsbeheir verdrängen werde; da diefs bisher nicht geschehen 
ist, so scheint es, als ob das befsere noch nicht allentbalben tief genug 
eingedrungen sei, um dem Obel den Boden abzugewinnen. 

Gedruckte und von Classe zu Ciasse überlieferte geschriebene Oeber- 
setzungen waren schon zur Zeit unseres vorigen Gymnasialsystems als von 
arbeitsscheuen Schülern gesuchte Artikel verrufen, die den Benutzer in 
den Augen seiner Mitschüler nicht sonderlich achtbar machten ; sollten sie 
heutzutage sogar zu Ehren gelangen, vielleicht als erkanntes Bediirfnis und 
als nothwendiges Mittel zum Zwecke? Diefs wäre von seile der Schule 
ein trauriges Bekenntnis der eigenen grofsen Schuld, und der durch diefs 
Mittel angestrebte Zweck weitab gelegen von dem Gymnasialzwecke. 
Schon in der vorigen Zeit pflegte man dem Misbrauche fertiger Ober- 
setzungen entgegen zu wirken, und wenn auch gegen mittelmäfsige und 
schlechte Schüler selbst thatsächliche Überführung von der Nutzlosigkeit 
derselben wenig oder nichts vermochte, so verschmähten doch die befse- 
ren, was sie als schädlich und unwürdig erkannten; heutzutage sollte 
man der Unsitte gicichgiltig zusehen oder ihr nicht mit weit entschiede- 
nerem Erfolge zu begegnen in der Lage seinf 

Zunächst weist diese Unsitte auf fehlerhafte Behandlung der Prä- 
paration hin. Denn etwa einzelne zum studieren unberufene Schüler aus- 
genommen, ist es nicht denkbar, dafs fertige Übersetzungen gesucht 
würden, wenn nicht -durch dieselben den an die Präparation gestellten 
Forderungen entsprochen werden könnte. Wie niedrig aber wären solche 
Forderungen und wie zweckwidrig! Gesetzt, es handle sich nur um die 
Oberselzung: wie genügsam müfsle der Lehrer sein, den eine gedruckte, 
wenn auch von dem Schüler verstandene Übersetzung befriedigte; und 
wie sehr wäre er hinter der Forderung ziirür.k, die der Organ i salions- 
entwurf in dieser Beziehung an ihn stellt! Wo bliebe endlich der bildende 
Einflufs der Präparation auf die Schüler, der Gewinn an Arbeitslust , Gei« 
stesgewandtheit , Sprachkenntnis , gründlichem Verständnis — mit v\\\*^ 



Miscellffk 233 

Worte : der Fortschritt? Kann daher Benutzung fertiger Übersetiungen 
auch Ihätige Schuler nur um die dankbarste, Streben und Kräfte immer 
mehr belebende Arbeit und um die besten, die eigentlichen Fruchte ihrer 
Bemühungen bringen: was soll man Yon jenen sagen, welche sich begnü- 
gen, die Übersetzung oberflächlich einzulernen ? Ond zu dieser Oberfläch- 
lichkeit fuhrt der gerügte Misbrauch niehr oder weniger in allen Fällen. 
Welche Schule aber wollte und könute mit solchem Einlernen sich befrie- 
diget finden? 

Es kann überhaupt leicht geschehen, dafs eine Schule, wenn sie 
nicht wol auf der Hut ist, in Mechanismus verfällt. Gewisse Erscheinun- 
gen und Thätigkeiten , welche regelmäi'siic widerkehren , können , mufsen 
sogar, wenn nicht stets mit eindringendem Blicke Bedeutung und Zweck 
erfafst und festgehalten wird, durch Einförmigkeit ermüdende Gewohnheit 
werden, die am äufserliehen haftet: Mechanismus und Schlendrian ist dann 
fertig. So kann die Lebrerconfereni, so die Präparation, so die Correctnr 
der schriftlichen Arbeiten, so der gesammte Dnterricht, so die erziehende 
Thätigkeit in Äufserlichkeit ausarten, die den Geist der Schule lÖdtet. 

Die Präparation kann nicht ohne weiteres «von da bis da' gefor- 
dert, sie mufs geleitet werden. Für den ersten Anfang ist es unerläfs- 
lich, dafs der Lehrer ein Stück mit einigen Schülernvon verschiedener 
Leistungsfähigkeit als Probe der Präparation durchgehe, um sie und mit 
ihnen alle übrigen zu belehren, wie sie zu hause es zu machen haben. 
Diefs wird einmal, und wenn die nach der Probe aufgegebene Präparation 
mehreren oder auch nur einzelnen Schülern mislingt, zum zweiten, viel- 
leicht auch zu mehreren Malen geschehen müfsen. Es versteht sich, dafs 
der Lehrer anfangs sogleich die geschriebene Präparalion jedes Schülers 
durchsehen, und diefs auch weiterhin Öfters thun mufs, um zu lenken, zu 
berichtigen, zu helfen. Eben so versteht sich, dafs er jedes zur PrSpara- 
tion aufgegebene Stück mit seinen etwaigen Schwierigkeiten genau kennen, 
auf dieselben nölhigenfalls aufmerksam machen, und nicht an alle Schüler 
ohne Unterschied fsleich strenge Forderungen stellen mufs. Wird diese 
Leitung nicht genau und gewifsenhaft eingehallen, dann ist es kein Wun* 
der, wenn die Schüler gleich anfangs und auf immer die Lust verlieren, 
wegen Überbürdung klagen und zu fertigen Übersetzungen greifen. Die 
Präparation ist ein Theil des Unterrichtes, und einer der wichtigsten, weil 
unmittelbar auf Belebung der Selbst thätigkeit der Schüler gerichtet; das 
soll man nie vergefsen. Es bleibt daher auch für die Präparation «uner- 
läfsliche Forderung an (Ue Schüfe, dafs sie, was für die Anleitung des 
Schülers zu seinen eigenen häuslichen Arbeiten erforderlich ist, alles selbst 
in ihren Lehrstunden leiste.' Org. Entw. S. 100. 

Oben wurde gesagt, dafs der Gebrauch fertiger Übersetzungen zu- 
nächst auf fehlerhafte Behandlung der Präparation hinweise; andere Ge- 
brechen, auf die er hinweisl, wurden aus diesem Anlafse mitberuhrt; noch 
andere lafsen sich denken. Nur eines möge hinzuzufügen gestattet sein; 
was würde man dazu sagen, wenn gedruckte lateinische Übersetzungen 
von Süpfle's, Weber's, Seyff'ert's Übungsaufgaben vorhanden wären und von 
den Schülern zur Präparation benutzt würden? 

Sollte man nun fragen, durch welche Mittel die Schule den durch 
Gelegenheit begünstigten Misbrauch hintanhallen könne, so wäre darauf 
zu antworten: vor allem durch die Wirkung des Unterrichtes, der ja 
durchaus so beschaff'en sein soll , dafs er nicht durch das nächste beste 
Ruch ersetzbar sei, und gerade in dem besprochenen Falle, wenn er näm- 
lich Dnterricht zu heifsen verdient, gar nicht anders beschaffen sein kann. 
Besondere Mittel werden für besondere Fälle sich darbieten , ohne das 
genannte allgemeine Mittel aber stets wirkungslos bleiben. Ein zweites 



254 Mi8ce)l«n. 

;illgeineln68 Mittel d^rf, als von selbst durch die Wirkung richtiger Kr- 
Ziehung vorhanden, nicht erst gesucht, sondern für den Zweck und über- 
haupt 2ur Belebung der Selbslthatigkeil der Schuler nur benutzt werden : 
das ßewafstsein der eigeoeD Würde der Schuler und die darauf beruhende 
Selbstachtung. 

T r p p .1 u. A. W i I h e I m. 



Onterstutiung der Gy m n asien von Seite der Gemeinden 
und Privaten. 

(Fortsetzung von Heft IV des Jahrganges 1853. S. 349.) 

IX. Übersichtliche Darstellung der seit Einsetzung der Schulhehörde bis 

zum Schlufse des Jahres 1853 für die Gymnasien A. C. und H. C iai 

Pest-Ofener Districle bewirkten finanziellen Aufbefserungen. *) 

Kit *"'^''''" 

1. öffentliches Gymnasium H. C. zu . , ^^' _ . 

Nagy Koros. ": J^*!' Ji Jj- 

Von der Stadt- und Kirchen-Gemeinde 93.703 2t 

(Von der Stadtgemeinde zur Besoldung der Lehrer 3095 18 

<Von der Superinteodenz „ n n m i200 — .^ 

l Von der Kirchengemeindo n « r» « 500 — 95.900 — 

Naturalleistungen, Hol« u. dgl. 416 — 8 320 — 

Zusammen 5211 18 197.9t3 21 
2. Öffentliches Untergymnasium H. C. 

zu Höd-Mezö-Väsärhely. 

Pur Lehrmittel von der Kirchengemeinde 365 35 

Ausbefserung des Gebäudes von der Kirchengemeinde 314 12 

Zur Erhaltung der Lehranstalt r» n » ^BO? — 

Von der städtischen Commune inoo — - 20000 - 

Naturalleistungen von Seite der Gemeinde 501 -- 10.020 — 

Zusammen 1501 — 37«506 47 
3. Achtclassiges Privatgymnasium 
H. C. in Miskolcz. 
Von der Kirchengemeinde: 

Zur Vermehrung der Lehrmittel 216 28 4327 40 

Pur Stipendien 156 — 3120 — 

Gesammeltes Stiflungscapital 2797 48. 

Aushilfe aus der Kirchencasse 565 24 11.308 — 

ObersiedelungakoRten für Lehrer 30 — 600 — 

^Verschiedene Natural- und Nebenleistungen 1344 — 26.880 — 
Stiftungscapital für den Gebalt von 2 Lehrern 

k 500 fl. 1000 — 20.000 — 

Zusammen 5311 52 69.033 28 



*) Die Red. verdankt diese Nachrichten einer Mittbeilung des k. k. prov. 
Schulinspectors Hrn. Drs. J. Mikuläs. — Zur Erklärung der Tabelle 
diene die Bemerkung : um die sichergestellten jährlichen Lei- 
stungen mit den ein für allemal als Capital dargebrachten Beträgen 
in eine Summe zusammenfafsen zu können, sind jene Jahresleistungen 
auch (zu 57o) a1^ Capital dargeMelll. Sämrotltche hier aufgeführten 



Miftcellen. 2S5 

Jahrliche .„ r.«:,.i 
Leistung An UpiUI 

ü. ^kr. fl^ kr. 

4. Achtclassiges Privatgymnasium 

H. C zu Kecs kernet. 
Von der Localkirchengemeinde : 
Zur Besoldung der Lehrer und für Stipendien 28.349 — 

Zur Vennehrung der Lehrmittel 1259 57 

Jährliehe Leistung zur Hebung der Anstalt 2700 54.000 — 

Von der Witwe Szänlö 250 — 5000 — 

Zusammen 2950 — 88.608 57 

5. Vierclassiges Pri yatgymnasium 

A. C in M i s k o I c z. 
Für die Buchersammlung von der Local K. 6. 10.000 — 

Zur Dotierung der Lehrer » » „ 4500 — 

Alumneum für Studierende y, n „ 500 — 

Zusammen 15.000 — 

6. Vierclassiges Privatgymnasium 

H. C. in kis GjszAllas. 
Von der Localkirchengemeinde: 
In den J. 1852 u. 1853 ein für allemal 720 •— 

Jährliche Leistungen für die Anstalt im allgemeinen 1800 — 36.000 — 

Zusammen 1800 — 36.720 — 
6. Oymnasiallehranstalt H. C. zu 
Karczag-DjszäiUs (jüngst eingegangen.) 
Jährliche Leistung der Local-Kirchengenieinde 100 — 2000 — 

8. Oymnasiallehranstalt H. C zu 

MezJ-Tür. — — — .— 

9. Gymnasiallehranstalt H. C. zu 

Kun-Szent-MiklÖR. 
Zur Anschafifung von Schulbüchern gab die Kirchen- 

gemeinde 20 — 

10. Vierclassiges Pri va tgym nasium 

H. G. zu Kis-Kun-Halas. 
Stiflung von Seile der städtischen Commune aus 

dem Ertrage der Pusten Päka und M^ges 3100 — 62.000 — 

11. Progymnasium A. €. zu Aszöd. 
Zum Ankauf eines Hauses und zur Besoldung eines 

Lehrers gab Baron Hermann Podmanitzky 545 — 

12. Vierclassiges Pri vatgymnasium 
A. G. in Pest. 
Glosius-Artner'sche Stiftung im Betrage von min* 

destens 30.000 — 

Oesammtsumme der Aufbefserungen für evang. 
Gymnasien A. G. und H. C. im Pest- Ofener 
Disthcte bis zum Schlufse des Jahres 1853 17.974 10 539. 357 33. 



Gymnasien sind bereits im Genufse des Ertrages der namhaft ge- 
machten Fonds , ausgenommen Ris-Kun-Halas, für das aber die 
betr. Sliftungsurkunde bereits ausgefertigt ist, und Pest, für das 
daher der Betrag der testamentarischen Stiftung nur nach ungefiihrer 
Schätzung angegeben ist. 



SiTC 



BiliUographisebe Oberiichle«. 



A. üliersichl der st<il 1855 m DeulschlTind eracbicnetien philologi- 
schen LitciMtiir, 

//. husffäbm der laieintschen Clmsiker und Erklärnnpsschrfften. 

A fn tn i rt 11 ti s W i\ r c c j Ihi u s , Honiisrhe GoM-liickl** , üUers^lKt von 
G* nüt'!KeU\ iiilchn, 2 — 5, (Pi ubaiki^r^ rörai&cht% iu hl-uiiv Llll^rs<'l^*|li|£^li 
hejAüsg. V, C. Ol. V. OsJaiider u. ti. Schwab. Bilchiu 173. 1B1. )b2. 
Ib4.) ÄituUgart, MeUler. h 3*/* (Nf?r. 

Hudetnann ku Ammian- 33. 6. iii l^JütKeirs Zeitachr. f. d« Gymna- 
sial w. I&53. S. 427, 
Müller^ CA., De Ammimm Marceilim, Poaen (Gymn* Progn) 4. 

Anthotogiti iatina, 

Mammsen, Th-, Zur lateinischen Anthologie» mll Nachtrag von 
L Aschhach. Rhein. Müs, IX, 2% -304. 

Riischi, Fr., hmJiologiae ärtimie corotiarium epigraphicum, 
Bonn. (Ind. (ecL msL issa.y 

Apicins Cöeliui^ De opsonUs et cond/menf/s* Proh(*n einer 
neuen TexJgeslaUung und VJhenHzuuii von Chr. TU. SvUmh und E. !■'* 
WusLeraaiin, Archiv r Uhilol. M. XIX, S. aOU—:^2N 

AftU, L, Fragmenfu. Post Bßt^fi almrum^ue nrrm rnrsui coi- 
legii disposi^it emendavU Fr. ß. (rumer. Ilmt/isterfi, Cf/ppenraiä. 
Fan h V, llthlr, 

Caesar tSt C. Juiit, C&mmeniarii. Recenmlt et iilimtr. C E. 
Chr. Schneider, Fürs IL Fase. 2, commeniarior. de hello üntücü 
lib. VI coniinem. Hulfs, /Mr. mphamir. 1B ^Kr. {Pars /. Lih. l—tV, 
i84Q. iVj Klhlrv Pars //. fas€. i. Lib. K iB4^. V* R^'dr.) 

Es ist sehr erfreuhch, durch das Erscheinen dieses Hefte» über die 
ForlseUung dieser höchst verdienst tichen Aus|£iihe Sicherheit eu erhallen. 
Caesaris, C. Julii, CümmentarU de heiio Gailico. Mit An- 
merkungen, e, vollstniid. Wörterlmehe u. e. geogrnph Hegisler f. Schiller 
d. mittl. Classen d. Gyumaäien von Fr W» l^in^&peter, 4^ verm^ Aiifl^ 
Mil e. lith. u. üluni. Karte. BieJereld, Velhagen u. Klasing, 1854, Vi I^^hlr« 
— — Erklärt von F, Kraner Mil e- Karle von Kiepert, Laip- 
lig, Weidm* (Sanimlung.) % Rlhlr. 

Caesar is, c. Juiti, Cammeniariarum de Mio ciPÜt Hhri HI. 
Für den Schulgebrauch erklärt und mit Verweisungen auf die Grammat 
von PuUche u. Zumpt verseben von Gnst.Queck. Jena, Mauke. t6 Ngr. 
Wird Dachs lens in dieser Zeitschrift besprochen. 

Cassiodorus, Mugn. Auretius. 
Trasstf, Lud., tu Cassfodori tariamm lecifmum tibrm sex 
priores symMae crilicae. Parisiis, Trosi^ 7» lUhlr. 

Caiultui. Tibuilus. Propertius. {Rec. Mar, Raupt). 

Ups., ffirtel 16. X **'^It"M in en^l. Einband m. Gofdschn, 1% Rthtr. 

Von deraelben ßedeulung fnr die Kritik wie die von dem Heraiisp^eber 

in gleicher Ausstattung besorgte und früher angereigle Ausgabe des 

HoraÄ. S. Zeitachr. f, d, ö«L Gymn, 1853, S. 432. 

Ciceronii, M. Tuitii, Stripra qnae manserunt amnia. Be- 
eogfwvU Reinh. ^£at%. Ups, Teuhner (B. T.) Partis tlf. val f. 
18 Ngr. 

Daraus einietn : Op. Ar. i§f EpimifiT. ad famiUftres liä. /- /K 
5 Ngr. — Nr. $0 F^ftr ad fftm. lit. V— Vlii 5 EVgr. — Nr. $f 



MJscelleD. 



tl7 



EpiiL ad fmn. Hb. ij—X/l fj \srr. — Ah 22 EpUt tM ptm m. 
Xllt — XVi. fi 'S^w - yt\ 23 Epistütm nd Quimtim f^tt/rem, Q. Ci 
ceronis tfs pciitinne eamnktius ml M. frafrem Über, eitmkm rentttt 
qufiUim äe siff/ti^ X//, emsdem ui ßrtttr eufffnimmn de umarti f&mi 
fiwum 3V4 ^^^* 

öraifmes uhciae IIA. Memguom Reinh, Kigi%. Ltpw., 

Teubmr iß, T^ 15 ^gr. 

Über die neu pfschiöii^n^^ti Bande der TeutinerScIicn Sammlung wifd 
das nächste iJeft einen ein gehende reu BericUl bhugeru 

Cicero^ M, T u I U u jj. Ausgt^wfthlte Rerlen. C« k\eifi von C* HAlm, 
Lcipz.; Wpifiraann (JäamiD(ung). Bd, 3 Reden gegen L, Ser^* Gatitinft, für 
P, Corn. Sulla uitd für den Dichter Anhia«, 2. Aidl 12 IVgr. — Bd, 4 
Rede für PuLL Seslius, iO Ngr. — Bd. 5 Beden für T. Ann. Mdo, für 
Q. Ligarius und für den E^önig Deiotarus. 2. AuJt. 10 Ngr. 

S. Zeitschr f. ösL Gymn. 185J, S 430. Bd. 3 rec. Tis eher, Zeit- 
schrift f. AlL Wirs. 1853. iNr, 59 — 60^ 

Ciceronis, M. TuiUh OrmiuneM seierifie XVJ, €(timnarii$ 
pro nppendlct adäitae sunt Caemris et dUoüig upud Saiimtium ora- 
iiaaeM, Für den Üchnt§ebrauch mit EinteUuugeu versehtn von C, F< 
Siipfla. 2, uingearb. Auü Karlsruhe, Groos, 22 iSgr, 

CiceronJs, M, TttlUi^ Pro S. Hoscin Amerim nndio. Edfdii 
\\\ tf, Grofsrau. Qiteddnturgi, Franke. 12 Ngr. 

Lohende Ani. von fiotbmanQ, Zeltschr. l d. GyninnRiiiiw. 1853. 
S. 789 -9t. 

ClceroniB^ M, Tuilti, Tusenianantm fi/spfdttftomtm (fhri V. 
Reco ff natu ei ejtplanavft Raph. Kueft n e r. Jemie, Frmmmmn. Ed. iV 
aucUor €i tmetidaiiür. l*/^ Rlhlr. 

Ctcero'j auserle»eoe Heden, In neuer wortgetreuer Ül>crset3tunf 
und durch Einlei lunf^en und Anmerkungen erläuterl, 2. AoÖ. Breslau 
Max, IS53, 3 Bde. k 5 Ngr. 

Bd. L [>je Rede l d. S. ftoseiua v. Ameria u, dio 4 Reden gegen 
t, QiltUna. — Bd. It, Die Reden f, d. Üicbier Archias. f. d. Manüischen 
tie^etÄVor&chlag, f. d. Q. Ligarius, f. d. König DeioUrns, f. d. M. Marcel- 
Jus, — Bd, in. D. Rede l d. L Murena \u l d. L Ann. Müo, 

Dio (Jherietrung ist m sehr irwortgefreu* und die Anmerkungen so 
dürftig, dafs mit ihrer Vcraffenliichung offenljar auf die ß^uemlichkeit 
und Arb(*itssclieu von Schülern sppcülierl ist 

Hagen, E., Be Cicermh CaiifhifiHfs ad Pirum ampiUäim Fr, 
Aug. GöUholäum, Kmigsb. (Festprogramm.) 

Mermann» C Pr,, Beiträge *ur Kritik von Gicero'B Luculi ua. PhitoL 
Vri, 466. 

ff eine. 0. De acercnfs nticHfanU dhpninUmtibm^ üaim, iMi. 
iDUn. fnattg.} 

Mermnnfit €. F., ßlspufntfo de camtt SerpUiana apttd Cie. Farn. 
yiU, 8 cum mmfiaa erUiea in .¥. Caeiii episiaia^ lui Cieeronem 
ihtffHff/ie (Ind. »ehol. ae$t t&5S) 

h'ai/Mer, öbMervaiimies criiieae in primnm Ciceroui9 übrum de 
reßfubkca. Furt. IL Sagan. (Gymn. Progr ) 

Ütier neue Fragmente von Cicero's Schrift de foiQ, Zeil^ohr» U d. 
Ost» Gytnn. 1854, S. 82—84, — M. Herti in Gerhard'a archäolog, An- 
zeiger 1653. Pir. 55. F* W. Schneide wio in GÖtting* 0. Anac. 1653 
Nr. 102 f. (Ober die beiden ietilef^n Abhandlungen wird nachatena 
berichlet werden) 

üarneiii Nepoti» f^ifne exteifeniium irnpera/f^nim tfumd 
wziaid, cum PÜa Cättfm'a er Atticl ei frugfnemi9. Ad praesnmiiufn 



2^ 



Miscellen. 



(ibTQrum iecmtm aecurale reteami/ C ii, \V€is€. Aaru täUia $lert&i. 

Cor nein Nspoiii ^iiue exe. /mper. Mit eincjn VVöHerbuchc 
tun) Schufgebiauche herausgegeben tou [l. M Hor^ljg. Slo]p, Fritsch, 
7, Bthlr. — Das Wörleibuch allein = V» Klhlr. 

Billerbeck, Jul.» Vollsländife'es Wörterbuch lu lien Lebensbesehrei- 
buügeu des CoraeUus Nepos, aufs neue durcligescbeu und vt*rbeiaerl von 
G, GL Crüsiufi. Hannover, Uabii. 2. verb. Aufl. V, Rllilr. 

Eichertt 0*, vollständiges VVorlerbucb mm Cornelius Kepos^ Bres- 
lau, KeriK 3» verb* Aufl. 8 ^|?r, 

Rolb, C. L Der codex Für cemiM dts AtmUius Probu». Rheio. 
Mii«. N. F. VIIJ, S. 629—639. 

Cornifici Rhemrkorum ad C. Berennium mri IV Hecemud 
tt interpreiatus est C l. Aas/ser. Lißi., Teut^fL, iS54 sV, Rlblr, 
Enufus, 
lüwicki, Jos^ De frauäe F. Meruim Efinianarum mimt/iam 
edtiofii. Boimae {Diss. imu^.) 
Furius ßiäaeuiiiSj^ M, 
Rührmund, De M, ß^trfo ßihaeulo. ^eilscbr. t d. Gymnasiajw* 
1853. S. 6ri8— Ö62, 

Üeliil, Auii, Koc/ium AUtcatum UM XV €t recögnimne 
Martini H€r£%. Ups., Teufyuer (ß. T.) YoL L LW. l-XDl 12 ^Ngr. 
üoratius FlaccuSj Q. , Sämmltiebe Werke, Th. I. Oden und 
fipoden, r. d. Scbulgebraueh erklärt von C. W. Nauck. Leipzigs Teubner, 
1Ö54, 18 Ngr* (Th. 2 Satiieu und EpiMeln erkl. v. G, T. A. irügcr 
erschien schon Trüber. S. Zt?ilüchr. f. ost. Gymn. 1855. S. 433.) 

Horaiii Fiat ei, Q, amnina sefecia. Edidit argne inler- 
pretutiom in umm scholamm üccommodaUt instr. C /. Grj^Mar, 
Vindolfonae^ Geroki. Vol, I. V, RtUlr. 

H o r a t i ui F I a c c u s » Q,, Werke, im Versmafs der Urfchrift über- 
toUt und mii Einleitung und Aumerk. begleitet von Gust, Lu d^' ig. 
Bdchn. 1—2. (Auch u. d. Tit.; DicbUr, röiuische, in öeuen metr. Über- 
•eUungen. Herauig, v. C. fN. v. Qsiander und G. Schwab, ßdchn. 
51—520 Stuttgart, Metzler. 16, ä \ Hlhlr. 

Hora^ über die Dichtkunst oder sein Grief an die Piionen überi. 
io gereimlem Versmafs u. erkl. v. A. Arnold. Erfurl, Villarel. V, Ribif. 
Gmreke, H, H, Q. Uoraüi Fiacci curmimm mri / coliatis gcnp- 
lori&us Gruecis UiusiraH specimen. Uaiie. (Gymn.^Progr/J 

Maehty, J, A. Horazens Brief an die IHiOnen, (ÜberseL*t), Archiv 
f. Philot. XIX, y. 436-440. 

M Unding, üie sittticheu und religröscn Ansichten des II o ras m ihrer 
Bedeutung für unsere 2eit* Rotlweil. (Gymii Frogr/) 

DoederJoin, Ludw,, Sch^rfletn ?^uin Verstanduii des floratius, Er- 
langen. (Gymn. Progr.) 4. V. flih'r. 

EtleDdtj Kleina Beitrage lur Erklärung das Borai. BiflebeB. (Gymn. 
Progr.) 

Funkhäoel, Zu Horai. Zeitschr f. d. GyniRiisialw, 1853» S, 85, 
396. hm, 648, 919, 023, 

Jacob, F. Hora£ und seine Freunde. BerHn, HerU. Bd. 2, 28 CVgf. 
km. V* Grysar, 2citsrlir. f. ösU Gyiun. I!i53. S. 802—808. 

Kärcber, E., Horaz. Lfrg. 3. Wa* n\ iu der 8. Ode d. 4. Buche! 
acht u. was nichl I und wie ist non iin priäem v. 254 der Arg poeL 
tu verstehen? Nebst ktjrzerer Üe<4preobuug einiger anderen Stellen lOl 
Vorworte. Karlsruhe, Braun. V^ Rthir, 



Miacellen. 299 

Müller» L M., Quomodo Haratiui lyrica poesi ad cammodum 
avium suorwn usus sil. Glogau. (Gymn. Progr.) 4. 

Obbarius, S., Über e. besond. Gebrauch d. Eigennamen bei Boras. 
Philol. VII, 484. 
Obbarius, Zu Horaz. Zeitschr. 1 d. Gymnasialw. 1853. S. 506. 
Rein lu Horaz. ZeiUchr. f. d. Gymuasiaiw. 1858. S. 299. 

Juvenalis. 
Schmidt^ Am., De locis aliquot, Jutenalis expHcandis. Halae. 
(IHss. inaug.) 

Livi, T,y Ab urbe cmuHta liörl. Erklärt von W. WeiTsenborn. 
Leipzig, Weidmann. (Sammlung.) Bd. 1 : Buch 1—2. Vg Rthlr. 

Für die Trefflichkeit bürgt der Name des Herausgebers. — Wird 
demnächst in dieser Zeitschrift besprochen werden. 

Litii, r. Historiarum libri F— X Mit erkL Anmerkungen von 
6. Chr. C r u s i u 8. Poriges, von Gust. M ü h 1 m an n. Hannover , Hahn. 
Hft IX. Lib. X. V, Rlhlr. 

Im ganzen lob. Anz. von K 1 i x , Zlschr. f. d. Gymnasial w. 1853. S. 76 ff. 

Liti, T., Ab urbe condita librorum CXLll periüchae, Julii 

Obseguenlis ab anno urbis conditae DY prodigiorutn liber. Et- 

censuil et emendavit Otto Jahn, Ups., Breithopf u. BdrteL 24 Ngr. 

Erste kritische Ausgabe der periochae mit Zugrundlegnng der ältesten 

Oberlieferungen im Cod, Na%ariimus zu Heidelberg. Der Werlh der 

Ausgabe wird durch die Beigabe einer epistula Theod. Mommsenii 

über die prodigia publica der Römer noch erhöht. 

L i V i u 8 , T. , Römische Geschichte übersetzt von C F. K 1 a i b e r. 
Auch u. d. Tit. : Classiker des Altertums. Eine Auswahl d. bedeutendsten 
Schriftsteller d. Griechen u Römer in neubearb. Übersetzungen. Lief. 4. 
8. 12. Stuttgart, Metzler. ä 4 Ngr. 

Kindscher, Zu Livius. Zeitschr. f. d. Gymnasialw. 1853. S. 655. 
Madvig, J. Nie, Disputatio de Livii libri XLIII initio e codice 
Vindobonensi emendando. Hauniae. {Ind. lect.) 4. 

\Vel%, E. y Adnotationes criiicae in quosdam locos lAvianos. 
Leobschiitz, (Gymn. Progr.) 

Commentationes criiicae de quibusdam locis Livianis. Ebend. 

(Gymn. Progr.) 

Lucreti Cari, 7., De rerum natura libri sex. Cor. Lach- 
mann us recensuit et emendavit Berolini, Beimer. Editio altera. 
IV, Rthlr. 

Unveränderter Abdruck» zeugt von der erfreulichen Verbreitung dieses 
letzten und gröfsten Denkmales von Lachmann's Scharfsinn und Ge* 
lebrsamkeit 
Hermann, C. F. Zu Lucrelius. Phiiol. VIII. 180. 
Lot%e, Bm., Quaestiones Lncretianae. Philol. VII. 696 ff. 
Pur mann, Hg. Zu Lucrelius. Philol. VN. 733 ff. 
MartialiSy M, Valerii, Epigrammaton libri. Ex recensione 
sua denuo recogniia edidit F. G. Schneidewin. Lipsiae, Teubner. 
{B. T.) 12 Ngr. 

S. Zeitschr. f. öst. Gymn. 1853. S. 571. 
Obsequens, Jul. s. Lio. periochae ed, Jahn. 
Ovidtus Naso, P., Metamorphosen. Erklärt von Mor. Haupt. 
Leipzig, Weidmann. (Sammlung). Bd. 1. 16 Ngr. 
Wird nächstens in dieser Zeitschrift besprochen. 
Ovidianae Eclogae. Herausgeg. u. erläutert von M. Isler. 
Hamburg, Perthes. 12. 27 Ngr. 



200 Miscellen. 

OvtdiUi Naio, P.j Metamorphones. Aaswahl für Scbuleu mit 
erläut. ÄDmerkungen und einl^m mythol. geogr. Register yersehen von J. 
Siebeiis. Leibtig, Tedbber. Hfl. 1. ßueh I — IX. 12 Ngr. Hfl. 2. 
Bach X — XV. V, Rlhlr. 

Kindscher. Za Ovid. Zeitschr. f. d. Ojrninasialw. 1853. S. 656. 
Linder, c. W,, (tuae^tiones ODidkmae: üp^Mae iHotmiae, 
Sanuon). % Rthlr, 

Suohier, Kritisches za Ovids Metamorphosen nebst Proben einer 
Übersetzung des Werkes. Hanau. 4. (Gymn. Progr.) 

Wölffl, Obersetsangsprobe aas Ovid. {Tri$t. /, 9), Archiv f. Phil. 
XIX. S. 308—310. 
Paeupiui, M. 
Fleckeiseu, A., im Philologus VU, 383 ffl 

Fenint Flaecui^ L 
HSckermann, Ad., Zur Kritik und Erklärung der V. Satire des 
Persius. (Arohiv f. PhUol. XIX. S. 149—155.) 

Phaedrus' ausgewählte Fabeln. Erklärt von F. E. Rase big. 
Leipzig, WeidoMinn. (Sammlung.) 6 Ngr. 

Plauti, Z M^e€i, Comoediae. Ex recen$ia»e ei cwn appa- 
rafu critico Prid, Ritickelii. Aecedunt prolegomena de ratianibus 
critieis fframmaticie, prosodiacie tneiricis emendaUonii Plautimte. 
&berfeldae, Frtderichs. Tom III Feream, Mercatorem, Foenuium, Ru- 
dentem complectens, Fan I Ferea, l Rtlilr. (/ — ///, / = 9 Rihlr. 

ScMarum in Uium recentuU Fiid. Riiecheiius. Ibid. 

Tm. IIL faec. /. Ferm. V. Rthl. 

(Schlafs im nächsten Hefte.) 



Berichtigungen. 

Heft I. S. 33, Z. 13 V. 0. statt in Exile lies in Gpyle. 
Heft n. S. 139, Z. 18 ▼. o. st. venari I. vexari. 



Erste Abtheilun^. 



Abhandlnn^eiK 

Ovidiana 

mit besonderer Rucksicht auf «Die Met amorp hosen des P. Oyi- 

dius Naso, erklärt von Moria Haapt. Erster Band. 185^* 

Jjie belebte Natur, die Thierwelt mit ihrer Hannicbraltigkeit 
in Geatalt, Bildung und Begabung hat von jeher dem mensch- 
lichen Geiste reichen Stoff zu sinnvoller Vergleichung und bild- 
neriacher Thätigkeit gegeben. Die Poesie der Kindheit, das Mär* 
eben und die Sage, lebt im vertrautesten Verkehre mit der 
noch naherstehenden Natur, mit ihren wirkh'cben und geschaffenen 
Wundern. Will der Rhapsode, der Sänger der Helden, die 
Tugenden und Thaten derselben recht anschaulich machen, da ist 
es die Wuth des Ebers und die Unwiderstehlichkeit der Löwen, 
da die Hurtigkeit des Bosses und der Flug des Adlers, das Eigen- 
tdmliche der ungebändigten freien Geschöpfe Himmels und der 
Erde, ist es, was er zum Vergleiche auswählt. Parabel und 
Allegorie hüllt den ernsteren tieferen Sinn in ein schmuckes 
Bild der Natur. Die Fabel, bald mehr didaktisch, bald ironi- 
schen Tones, kleidet ihre Lehren faCslich in das AlUagagewand 
der thierischen Erscheinungen; sie erweitert sich bis zum Cha- 
rakter des Epos und hält z. B. im deutschen oder mittelalterlichen 
Reinhart mit wirksamem Schlaglichte das unruhige, thörichte un4 
lächerliche Treiben Her Menschenkinder uns wie in einem Spiegel 
entgegen, indem der Thierstaat und. die Besonderheiten seiner 
Glieder die menschliche Gesellschaft und ihre Gewohnheiten ver- 
treten. 

Z«it5chr. ffir <lte ötterr. Gymnasien. IS54. tV. Hft. 19 



362 öeidium, von 17. M. Thöums. ^ 

{,K$ ist nicbt blofs, 8agi J. Grimm in der - trefllkhen Em- 
leilung zum ^Remhart Fuchs^ Cap. 1 , die BU&ere Hensehähn- 
lichkeil der Thiere, der Gfanz ihrer Augren ^ die Fülle und Schön- 
heit ihrer Giiedmafäe, was uns anzieht ^ auch die Wahrnehmung 
ihrer mannichfaUen Triebe^ Kunslvennögen, ßegehrungen, Leiden- 
achaflen und Schmerzen zwingt in ihrem Innern dn Anatogun 
von Seele anzuerkennen , das bei allem Abstände von der Seele 
des Menschen ihn in ein so empfindbares Verhältnis zu jenen 
bringt, dab ohne gewaltsamen Sprung Eigenscharten des mensch* 
liehen GemQIhs auf das Thier^ und thieri^che Äufsertingen auf 

den Menschen übertragen werden dürfen Die früheren Zustände 

menachlicher Gesellschaft halten aber das Band fester gewunden. 
KWm athmete noch ein viel frischeres sinnliches Naturgefuhl, ..,* 
Blieben nun in der Wirklichkeit immer Schranken gesteckt ond 
Grenzen abgezeichnet^ so überschritt und verschmolz sie doch die 
ganze Unschuld der phanlasievollen Vorzeit allenthalben» Wie ein 
Kind, jene Kluft des Abslandes wenig fohlend, ITiicre beinahe für 
seines gleichen ansiebt und al» solche behandelt; so hUi auch 
das Altertum ihren Unterschied von den Menschen ganz anders 
als die spKere Zeit. Sagen und Mythologien glauben Verwand- 
lungen der Menschen in Thierej der Threre in Menschen^ und 
hierauf gebaut ist die wunderbare Annahme der Seelenwanderung»'* 
Liegt in diesen Gebilden der Phantasie an sich schon ein 
eigner RefZj und dient die Welt der Märchen und Fabeln vor- 
züglich zur Lust und zur Belehrung der spiefend-lernenden Jugend^ 
eine Kurzweile, welche ihr freilich beim trostlosen AbscblifTe grörse- 
rer Städte ganz benommen ist und durch die lobenswerthen Samm- 
lungen in Buchern kaum halbwegs ersetzt wird; denn es fehlt ja 
nicht blofs die liebliche Scenerie der Umgebung, sondern vor 
allem die belebende, schmuck^ame und oft erfinderische Bede der 
kleinen Erzähler: so empfiehlt sich schon in dieser Hinsicht 
V i d ' s Buch der Verwandtungen in ausgezeichneter Weise 
für unsere Gymnasien. 

Es ist aber zugleich allgemein anerkannt, dals nicht allein 
der Inhal! der Metamorphosen für jung und alt ein höehsl an- 
ziehender und lehrreicher ist, sondern dafs die Form dieser 
wundervollen Dichtung, der leichte schwunghafte Vers, der geist- 
volle Ton der Erzählung^ der muntere anmuthige Wechsel von 



ÖpiMma, von ff, Jf. Thmnm. 



\ 



I 



Bild und Sprache diese Lieder 2u wirklkhen Mejaterge^gngen 
erhebt. 

Wenn vi diu» überhaupt Für den begabtesfen Dichter La- 
Uurns gehalten wird, — an Tiefe und Erhabenheit «jleht Lucrelius 
voran, — m sind die Metainorpho&en gewiss das eräte und voll- 
ständigste romantische Epo» der alleren Zeit; es wird gestat- 
tet sein^ diesen spiiteren Namen höher hinauf zu verwenden, da 
ja gerade die Romantiker des Mittelelters den Diihter von Suimo 
zum Vorbilde genommen haben. VgL G. 6ernhardy Crund- 
rih der röm. Literatur. 2, Bearb. S, 444, desst^n Charakterialik 
Ovid'a auch sonst sehr lesenswerth erscheint 

Eben wegen ihres unterhaltenden Reizes und ihrer SchonheU 
wurden Ovid^a Gedichte, und unter diesen die Metamorphosen von 
den Spateren so gut wie von den Zeitgenotsen mit Vorliebe ga- 
lesen; deshalb waren sie aber euch den Interpolationen der g^ 
lehrten Italiener vielfach ausgesetzt, welche bei ihnT ßetesenheit 
und bei ihreni feinen Gesch mache überhaupt d^^n taleinischen Dich- 
tern manchen Zierrat angehängt haben, der gar vi«*lfn Kunstrich- 
tern gefälliger vorkommt als die Einfachheit naliirlicber Dichtung. 

Wie die Kritik und Interpretation der lateinischen Dichter 
im Vergleiche des beharrlichen Studiums und des glücklichen Ta- 
lentes, das Am Griechen sich weihte, lange weit zurückstand und 
noch zurücksteht, ao war auch dia Durchbefserung der ovidiam- 
»chen Texte auf Grund ursprünglicher Forschung und diplomati- 
scher Studien lange ein ^^ftium dtsiderium^i ein Glück» dafs ein 
Kritikar wie Nicolaus Beinaiua schon vor swei Jahrhunderten 
mit kühnem Wurfe die Spre« vom Waiden zu sondern angerangeii 
hatte. Eine kritische Gesammtausgabe der Dichtungen Ovid s kön- 
nen wir wol von R, Merket erwarten, dessen Apparat zu den 
,,Trisfia'* (Berlin 1857) und zu den ,^Fa«li^' (Berlin 1841) 
allen Anforderungen genüge leiet^L Eine ordentliche Schul- und 
Handausgabe hat aber bis jetzt gefehlt ^ wenn auch spätere Com- 
mentare, wie jene zu den Metamorphosen von E. C. Chr. Bach 
manches schätzbare geboten, wenn auch in Chrestomathien*) eio- 



*) Eben tu dtes«n Tagen ist dioee Literatur mit cfner neuen Eracliei- 
diiüf ber4»LCherl WDrtl&n* « F. ßtMH ^mmts Meiaftwrphoie$. Aus- 

wütil für SchukiL Mit erJäul<;niden Anmerkungen und einem my- 

tö • 



364 



Oßiäiium, von 0, M, Tkoma*. 



feine Episiiden eine besotidere und üfl erfolgreiche Behandiung 
erruhren haben, so entbehrte doch das ganze der sehicklichen 
Ausstattung und Äbrundung. 

So wird denn die Uearbeitiing des ganzen Dichtwerkes der 
Metamorphosen, welche diesen Auf£>atz veranlaß, vielen er- 
wüngcht kommen. Sie \b\ votikommeu ün der Zeil, sie hi nolh- 
wendig. Der Name des Herausgebern bürgt zugleich für eine 
Arbeit, welche einerseits die zweckmaf^ig^^te Ausbeute der tateinj- 
sehen Sprach wirsenschafl für den besonderen Zweck^ und hinuider 
eine Sacherklärung erwarten läfst, die aus einer Fülle ausge- 
suchter antiquariseher Kenntnisse das schöne und nützliche im 
rechten Älafse bietet. 

Dieeer erste Band begreift die sieben Bücher der Melft'* 
morphosen. Dem Teilte gehl nach dem Plane dieser rasch au- 
wachsenden Sammlung griechischer und lateinischer Sehriflstell(*r 
(von M. Haupt und H. Sauppe) eine Einleitung vorher, welche 
theils die biographischen Notizen über Ovid kurz und zu- 
gleich gut zusammenstellt, theils die Dichtungen und den 
Dichter aus dem allgemeinen Standpuncte seiner Zeit und nach 
seinem individuellen Wesen gar schon und im Tone wahrhafter 
Anschauung würdigt. 

Wir heben hier nur jene Stelle heraus ^ wo der Ursprung 
des Glaubens an Verwandlungen aus dem psychologiscben Leben 
der Menschheit entwickelt und in seinen Hauptrichtungeu geziich- 
net wird, <,W^enn wir^ heifsl es S» X, von dem Scheitel, dem 
Bücken, dem Fufse eines Berges reden, so meinen wir nur eine 
Vergleichung, und selbst für dipÄe ist das Gefühl durch den lan- 
gen Gebrauch der bildlichen Ausdrücke geschwächt; in der ju- 
gendtichen Einbildungskraft der allen Zeiten steigerte sich die An- 
schauung zu wirklicher Belebung und ein hoher Berg ward zu 
einem Riesen, der den Himmel stützt, belebt oder als erstarrter 
Riese gedacht. 



Ihologisch-geographJBchen Register versehet» von Dr. Johannes Sie- 
belis, GyDinasJanehrer \n HildhurgK^usen. Erstes Ikft, Such 1— IX 
und die Einleitung enlhaJlend. Leipzig, B. G. Tenbuer, 1853, — 
ViftUeicht bietel sich GdegcDbeit auf ^mm Arl>eU des verslänüigen 
SebuJmanuei im Laufe unserer Üialribe sutückKukommeo. 



OphUitmh v^iii G. äf, raff mm. 



m& 



Da* nieriiidieiiHhriJiche, dm man an Tliierpu wahreiahm, liefe 
sie der lebendi^i^n Fhatilasie leicht alt; verwanifelte Menschen er-» 
scheinen. 

Dazu kam das* ßälh^el des Todejs und die innere Sehnsucht 
nach einer Fortdauer über den Tod hinaus; nmn gerieth auf den 
Gedanken, dafs die Seele des Menschen tnit dem entschwindenden 
Leben in andere Wesen übergehCp 

Und die Macht der Gottheit, die, nie selbst g:eseheo, sich in 
tausendfältigen Erscheinungen ofTenbart und dk Menschen and dia 
Natur zu Trägern ihres Willens tnachl, ward in sinnlicher Leben- 
digkeit als eine vielgeMalttge aiifgefarst, man [ieß» die Goiter io 
mannirhfachen Formen und Verwandlungen er^ieinen. 

Wie man endlich von den Göttern die Macht, i^ich selbst 
und andere zu verwandeln, unzertrennlich dachte, so legte man 
diL^<^elbe Macht den Zuubereni ^ auch äUester Vorstellung Dienern 
und Vertrauten geKeimni^volter Gottheiten, bei. 

Aus dem Zusammenwirken dieser Vorstellungen sind bei allen 
Völkern die Sauren vnn Verwandlungen hervorgegangen" u. a* w. 

Wir hätten demnach Tunf Hauptarten von Vtr Wandlungen 
als Producte poetischer oder phantanlischer Thätigkeit; die Per- 
sonification (Prosopoiiöie), die Metamorphose oder 
Heleroiose, die Metempsychoae, den Anthropomor- 
p h i s m u s , die Magie. 

Zu diesen möchten noch neben der etymologisieren*- 
den Hermeneutik als spätere Factoren Symbolik und 
Mystik gerechnet werden; denn auch die Zeiten gelehrter ßil- 
dang und feinen Geschmacks gefallen sich beim Sinken der Le- 
benssonne in wunderlicher Deutung und abenteuerlicher Eründung t 
es reden die Tische und getsterhafles Leben dringt aus abgestor- 
benem H0I2, 

Was werden wir nun von einem Commeutar zu den Ovidt^ 
sehen Metamorphosen verhngen? Derselbe wird erstlich jene 
sprachlichen Erörterungen enthalten, welche sowol den eigen- 
tümlichen Gei^^t des Dichtern, das individuelle Gepräge seines Aus- 
druckes hervcirheben als auch dessen schöpferische Kraft in der 
Ausbildung seiner Muttersprache bezeugen. Daneben wird das 
besondere in der poetischen Diclion eben so gut zu beriicksichli- 
gen sein^ als die historische Entvvickelung des ganzen römischen 




266 



aptäkim, voa G. M. Thmmm. 



gprachscfiatze», der gerade in dem Zeitalter, von dem m sich 
faandeEt, jenen Bildungagan^ durrhlaufen batte^ dessen Ausdruck 
eben die Sprache der damaligen gebildeten Geselfschaft ist, was 
bei Cicero im BruhiK e. XLVi^ 170^ i7i urbanUate quadum 
quüBi CQlorata oratio und arhanitatiM cqIqt genannt wird. 
»V Beim Dichter wird dieser Nachweis vorzüglich auf den Ver- 
gleich und den Einflu£i der griechischen Urbilder hinfuhren, welche 
den modernen Romem wol hauptsächlich durch die Alexandriner 
vermittelt worden sind. Denn dafs die ganze römische Bildung 
zur Zeil des Augustua eynkretischer Natur war, dafs Gedankt 
und Bild^ Darstellung und Vortrag, namentlich in der Poesie, 
Nachahmung oder Erneuerung griechischer Muster in kräftiger 
Widergeburt römischen Geistes sind, das gilt heule als ausge- 
machte Thalsache. Vgl. G. Bernhardy in d. angef. Werke, 
S. 240, 241 mit den Noten 191, 192, S* 345, 246. 

Zu diesen grammatischen Erklärungen werden sich fer- 
ner metrische und rhythmische Bemerkungen geselEen 
müfsen. Drittens wird ein sachlicher Commentsr Personen 
und Ort der Handlung lebhaft zu beleuchten haben, damit, wie 
die Metamorphosen selbst eine anmuihige und treffliche Einrührung 
bieten in den grofsen Kreis der Mythologie der alten Welt» m 
auch dem Leser das einzelne im klaren Lichte unzweideutig ent- 
gegentrete. Aufserdem wird der sachliche Commentar tbeits die 
Quellen aufschliefsen, aus denen Ovid den SlolT seiner Fabeln ge- 
Bchöpfl^ theils zeigen wie der Dichter in ungebundener Freiheit 
die losen Theile der bunten S^gt entweder leichthin verwebt, oder 
kühn zu neuen Mythen und neuen Scenen umgeschaffen hat. 

Sehen wir nun im kurzen wie die vorliegende Ausgabe die- 
sen Ansprüchen geniigt. 

Die sprachlichen Bemerkungen zeichnen sich so wol was 
einzelne Worte und den Zusammenhang der Satze betriin, als 
rückjjijchtfich der oben als noth wendig aurgeslellten Vergleichung 
durch Bündigkeit und Scharre und durch feine Auswahl analoger 
Stellen aus. Eine besondere Vorliebe zeigt Ovid für die Wider- 
holang und zwar nicht allein für die Anaphora einzelner 
Worte, sondern für ^it Widerkehr ganzer Zeilen oder 
Halb Zeilen. Diefj* kann nun, wie der Herausgeber (If&9SJ 
bemerkt, entweder allgemeine epische Weist seifli «o ä» 




ßPiditma, voi^ G, M. TAauifU 



mi 



dieser Stelle das Gebot des Orakels an Deucalton und Pyrrba 

eiveiüie cupui cinctaMgm resoiPite peUeM^ 
ossoQUe posi terffum magnae iäcttüe parmtU 
und die AusFuhruit^: 

diictdunt peiüuique capui tunicaique rtciußunt^ 

ei tUMMos lapid€$ sua posi vesiigia mittufU^ 

Ein weiteres ßeij^piVI liierrtlr bietet i\% mS »qq. 
mepe wuas HU fanm eü dixisse 9omr€§ : 
^Süimaci, v€i iuculum rei piciuB sume pknreira»^ 
et iua cum durii tenalibui oiia misce,* 
nee iaculum 9umit nee piciüM Uta pkaretruM, 
nee Mua cum dura venaiitui äiin mtseei 

Vgl, mit dem Herausgeber auch zu IF, STSy 4f€: 

^tpte precor Mcrpens in iongum p^^rrigar alpum.* 
dfxlt^ ei ui serpemä im iougam ienditur aipum* 

Firner JF, &ö6 sqq. 

iiia manui ta f&rie tetenderm in mariM undü9. 
mxea facta manus in eß$dem imrrigit undaM: 
Auius Ui arreptum ianiubtH reriice crinem, 
durnfas mbdo digiioi in er ine widerts. 

Oder der Dichter will durch die Widerholung derselben Worte 
^GieichheU des Ereigriiis8e8 oder Gedankena auä^ 
drücken,'^ so der Herttusgeher zu J, df^: 

Juppiier Ui iiquidi* siagnare p&iudibm ordern 

ei iupere$$e f^idei de iot moda miittus unumf 

eiiuperesie pidei de i&i mado miiidue unam — 

ftOder in negativen Sätzen daa nickt vorhandeRsein tider niehtge- 
schehen hervorheben,'* wie %. B. /^ 6Sn. 

iiia etiam stippiex Arga cum br^cckiu ^eiiei 
iendere, nmt habuU quae äraccAia ienderei ärgn, 
h versclüedeiiarliger aber der Grund zu eolchen Widerhulungen 
sein kann» um so mehr gebührt es auch jede Stelle für sich 
m bi^trachten. Reim Anrufe, bei der Bitte liegt in der Wider- 
htdung das dringende oder inständige* So in dtr Bitte der He- 
iiaden ii, mO; 

aparce^ preüor^ naUef* quaecumque est $aucin^ einmfUi 
^parce, precor ^ imsirum iucerntnr in aräore c&rpUB ► • 

iam^Mä PuIe'' — cor lex in per du fUi^isaitmi tenit. 



2m 



ö^iitkmn. V4>u G M, TAümtfu. 



Vgl, mch I, 4&Ü. 481. 

iiiepe paier diwii tiffettenm mfhi flau, deäes* 
iaepe pnier dimii ^dehes mihi^ nata^ nep&ies.'' 
So beim Schmerzensrüfe der Thlsbo IV^ 142 »q. 

^Pprnme, ciamnvU^ quis ie mihi casus udemU 
Pyrame^ fespmute^ tua iß carnsima J%Me 
mmfnait ewaudi mtitusgue attoUe imentes^ 
So fleht Cadmus IV ^ 583; 

^aceede^ a coniunx^ accede^ mUerrima^^ 
und bald dagegen Haritionia &91^ 692: 

itüadme, mane, teque infEiix hfs exue münstrhf 
Cadme^ quid hoc'^ 

So hört Arethusa erschreckt im ßade zwiefach den Ruf V\ 699^ 
eoa : 

quo pFüperas^ Arethum? suii Älphms üb nndiiy 
quo properuB?^ Herum rauco mihi dixerai ore — 
und bald darauf r. €2&: 

et bis ato AreiAusa^ mcmit, Jb Arethusa!* 
So hobnt Niobe noch im Unglücke slolzen Sinnes 17» SBü sq. 
9pascer€ cnsdeiis mstro Latana dolüte^ 
pascere^^ nit, ^saiia que meo lua pectora luctu / 
corque femm safUi" dtxit. aper fmiera »epiem 
efferar, exsulta rictr ixque inimica trinmphn, 
cur antem Pictrix? miserm mihi piurn supermrU 
quam tibi feitet -* post toi qumjue funer a Pinc&^^ 
und schreit dann laut vor Schmerz, als ihr nur noch eine Tocb- 
ler übrig ist i6. 298 »q. 

ultima restaML quam tüt& corpore nutter 
tota veste tegen» ^nntim minimamque reiinquei 
de muttis mfnimam posco'' clamaüii ^et unam.^ 
duinque rogat, pro qua rogat occfdit. 
Zwei Stellen von ausgezeichneter Schönheit und Wahrheit, 

Wenn es /, BQ4, aoä heilet: 

fliitoi tehitmnda ieonei, 
unda vehii tigres — 
60 verdnnlicht die Widerkehr derselben Worte das ßild der allee 
verschtingenden Flut* Vgt, auch Siebelis zu dieser Stelle* 
Ebenderselbe bemerkt treffend zu //l, S9^ 6a ^ wo Cadmus den 
Mühlstein gegen den Drachen schleudert: 

dextraque motartm 
smiuiit et magnum magno cofiamine misit — 



(Mikma, von G. M. Tköwmi. M9 

^solche Verbindungeo macheo selbst dem Gehöre die Macht des 
Gegenstandes fühlbar«*^ 

Wie aus einem Gemälde tritt es uns entgegen in Ily 28 
Yerque novum staöat cinctum floraUe caronüy 
Btabat iiuda Aeslas ei spicea serta gerebai, 
Btabat et AtUumnus calcatis sordidus uvi»^ 
et glaciaHe Htems canoi hirsuta capiiloi. 

Häufig sind ferner diese Widerholungen , wie der Herausgeber 
/I, 429, Uy 704 bemerkt, mehr Spiel der Gedanken, und 
setzen wir gleich hinzu der Worte. So eben an letzter Stelle: 

or senior,. poügMom merces genUnata ^eub iiiis 

montibus^ inguit ^eruni^: et erani sub montibu» iiii». 

risit JUUnHiades ei ^me mihi perfide prodis? 

me mihi Prodis?^ tut — 

Vgl. VUy 446—447. F//, 666, Mehrfach widerholt sich die- 
ses Spiel ganz geschickt beim Mythus des Narcissus lll^ 4i6 : 

äumque sitim sedare cupit, suis altera crevit. 
417: spem eine corpore amaty corpus putat esse guod umbra est. 
424. 45Si eunctaque miraiur quibus est mirabiifj ipse. 
se cupit inpruäens et gui probat ipse probatur. 
43S: tecum discedet si tu discedere possis. 
440: et piacet et Video: sed guod videogue pla.c eigne etc. 

Vgl. VHf 810 sqq. Mehr Tiefe des Gefühls liegt in den ruh- 
renden Worten der Thisbe IV, iö2, iM: 

guigne a me morte reveili 
heu sola poterasy poteris nee morte reveili. 

Onomatopoetisch klingt es IVy 314: 

mollibus aut foiiis out mollibus incubal herbis, 

wo die folgenden Verse gleich wider den Parallelismus bieten: 
saepe legit flores, et tunc guogue forte legebaty 
cum puerum vidity visumque Optovit habere, 
nee tarnen ante adiii, etsi properabat adire. 

Mit Nachdruck rühmt Calliope F, B4i sqq. 

prima Ceres unco glaebam dimovit aratrOy 
prima dedit fruges alimentague mitia terriSy 
prima dedit leges — 

Schreckbar und grauenvoll klingt VI, 430: 

Eumenides tenuere faces de funere raptas 

Eumenides stravere torum 

hac ave coniuncti Progne TereusquCy parentes 
hac ave sunt facti. 



Den steigenden Affect beE^ichnei F, Bü& gq.: 

tu mperos ipsumque Jarem, tu numina pnnti 
wicm tJbmoM ipiumqut regU qui numina ponti — 

oder r, 678 Mq,t 



una fui, nee me MiuätosiUB altern mitu» 
legii nee p&suU iiuä(aiiU9 altera coMMet, 

und V^ €06^ eoe: 

u£ fugere aceipiirem pennn trepidanie eoium^ae^ 
ui mtel aecipiler trepidas urguere coium&ai. 
Vgl noch m^ 663. 664. VUf im, 7Ü7, 
Das Mitgefühl verdoppelt aicli, wenn wir lesen Vl^ 973: 
heu qumtium haec Niobe Niate äislMai ad ilia — 
Wir spuren gleichsam die Wahrheit des Zu^tandes, wenn Are- 
thusa sagt V^ 68^: 

aestus eral magnumque Uihor gemtnaeeral aegtum. 
Ein besonderes Wider^piel Üegl darin, wenn die gtekhlautenden 
Worte durch Jingere Räume gelrennt sind^ wie /J/, /47 — 163: 
lina madeni, comHes^ ferrumque enwre ferarum, . , .< , 
giitite opus praesem nodüsaque iollUe lina — 
oder gar wenn die Bedeutung des näititiclien Wortes dazu wech- 
selt^ wie /, 763 — 766: 

iuperäum 

non tum tnnchiäea tnatriqm alt . . 

et tulii ud Ctpmetmi Epnpkt eauptcia matrem. 
Auch diese Eigenheit des Dichters ist unserem Heruu^el)er nicht 
entgangen^ vgl. die Bemerkung zu Ul^ 66 sqq. 

ul neijms (ntratii leiattique corp&re pidU 
Hcioremque sttpra spaiio^t corporis hüsiem 
triitia soHffttfnea larnbenlem rulnera lin§uü 
^aut ulior vtstrae, fläiseimi eorpara^ morl^ 
am cotmij mquU, ero.^ — 
' und Zu ii^ 8iL Wenn wir uns zu diesen kurzen Andeutungen 
des Herausgebern einen gröfseren Abschweif gestattet haben, m 
geschah es um an einem Beispiele zu zeigen ^ wie der Lehrer 
soJche zu erweitern und Fruchtbar zu machen bat. 

In BelrefT dessen, was Ovid in Bildung neuer Worle ge- 
Ihan hat, verweisen wir auf die Noten zu /, /ö und /, f23 über 
adjectivische Formen aut Mi^r^ wie dubitahilin^ innabilis, 
auf //, 696 über die Subs(anliva auf — men^ wie revaeamen, 
ttuf/K, 667 ut}er solche auf ^tm^ wie errututf nurratuwi 



Otidiam^ voü G. M. Thmmn. 



271 



tttf Fl, 3ß — r^tequi «aßtworlen'' j auf Fli, SM — tu- 
«firrti« als Adjeclfv. Sprachgeschlcbllich intereäsant i^ind unter 
andern «iie Nofen zu /F, 7^6 über canspec£ut als Adjecliv 
mit der Bed^ylung «tSehenswertb , anschauenswürdlg ,^ 2u Vit, 
723 über das polentiale Gerundivam, £U F, /2^ über Aau^ 
Tire mil dem Begriffe ftdurcbbohren,** gleichsam ^^in die Tiefe 
des Leibes dringen'^; zu Viij 62^ über deffenerare mit einem 
Objecte ^etwas durch Entartung enläteJIen, an sieh ausarten lafsen;'' 
zu ttiy »i8 über diffus um ^erheiterl*>j (wia reia^are 
animum^ was verglichen wird, gebraucht der poelisierende Cur- 
tius auch laxare. /, 16 rälh der Arzt Fhilippus dem Könige 
^ia^a pauiigper animum^^^) Zu tV^ 2Bi ober aäamaM 
^.Stahl and Eisen,^ Zu I^ USB über man^n von einem alten 
manu» «tgut.^^ Zu Jf^ BS2 über detinere c^zubringeo f '' zu 
Vly $ü ^Jallere^> i^anbemerkt, wirkungslos machen.'' Auch 
wegen der Schreibweise mancher Wörter sowol in Bücksicht ihres 
Ursprungs und nach handschriniicher Beglaubigung als aus me- 
trischen Gründen fehlt es nicht an belehrenden Winken; z. E, 
IV ^ €04 über Moiacium statt ioiatium nach Analogie von men- 
dacium^ F, 45/ über »ieliio oder steiio; l^ 4S& über cd 
in der Zusammensetzung, als eonubium (vgl. Vi^ 428)^ co^ 
nectere^ co-niti^ co^nicere. Wie man längst reiiu-- 
tity reppulHy repperie schreibt, wo die Sylbe re lang ge-^ 
braucht ist, so schreibt der Herausgeber nach alter Weise auch 
reccidal Ff, 212* Die Schreibweise gut^reiia (II, a4t, 
S74. IVy i34 und anderwärt«), giaeäa (/, 42S, F, 841, Vi^ 
220 u. aOi Mueta (f, 7SB) u. dgl verlangt eben das consd- 
quente Festhalten am überlieferten. 

Unter den Bemerkungen | welche die Prosodie und die Me- 
trik berühren, erwähnen wir I, i/4 über die Verlängerung einer 
kurzen Endsylbe durch den rhythmischen Accent 
mdiii urgentea prolea 

' Desgleichen zu I^ im 

' f(mn(qu€ sutprique ei mofUtcalise iiitani — 

und 1/, 24f 

Mpgdouiusque Melm et nsenarim Eurmm 
im Vergleiche mit III^ 184 

PUMbui este miet out purpureae aurorae^ 
ein Vera, der zugleich wegen des Hiatus im fünften spondeischen 



27ä 



O^idimm, von 6. M. Thomm 



Fufse beriterkbar isL 8owal darüber ata über den analogen Fail 
11^ 244 

et ceier fsmefwn tum PAefftaeo Er^m&füho 
hal der Herausgeber da.s Ge^elz angeführt, da» üc\i der Dichter 
für diese Freiheiten geslellt haL 

Über hypernietrische Verse m}\t die Noie zu fF, i/ 

mrttQue dnnt, Bacchutfiqm wcant Bromimuqtie Lpaeumqm 

ignigenamque — 
Bei W, B6f 

.**.,, titam dederiiis in unäa 
errahren wir, dafs diese Längen im faiur. e^acL und FerfyeL 
Vonj. i ^ i^ P^^r, m ursprünglich kt aU in der zweiten Person 
Bin^ularUy wie JT, S%0 

ßrsfiaa aadieris uiiqumt aeriamüte cttnm* 
V/, 4Bg fi/q. 

ad mimdam Pracnes, et agit mta mtü mö iiia,.*. 

, , , . . Progmn ita teile ßrebat 

Warum die veränderte .Schreibart 1 Vgl. den Herausgeber zu die- 
aer Stelle. Über nihTt «iehe zu VU^ $44. 

Eine Reihe von Bemerkungen gilt nun dem poetischen Sprach- 
gebrauche, wie der häußgen Anwendung des Pluralis, z. B, 1, 
3BT umbrae^ I^ §85 «omni und ähnliches. Man kann hier- 
über wol, wie auch Siebeiis X^ 9 gelhan bat, gewisse Ctassen 
aufstetlen f unter die dieser Gebrauch z:usammenrälU , allein ^^der 
leise Unterschied der Vorstellung,'* wie der Herausgeber richtig 
bemerkt, verlrinsTt doch für jeden Fall eine eigene Be^ründun^. 
Dazu l)efürderl ein solches Cliissilicieren bei der Jugend gerne die 
Trögheil im Denken. So glaube ich z. B., dafs /^ €58 

(U tibi ego i&mirm thiiiamm tmdmque pnrndam 
der Pluralis thalami (eigentlich mehr Dualis) durch das fol- 
gende taeda in Form und Begriff bedingt ist: dazu ist der Plur. 
bei diesem Worte dem Ovid fast gewöhnlich, vgl, nur Kfl, fm* 
80L 856. 

Zum richligen Verständnisse der Salzverbindung durch das 
Gefüge der Partikeln erwähnen wir beispielsweise, was über ut — 
sie als concessive ParUkel i^ ^ß9 gesagt ist; vgl auch /ff, i88, 
ferner über sed — enim idXXi yaQ) zu /, 536 und Ff, £59, 
vgl, /llj 26i (fuid enimf; ai in pathetischem Ausrufe /F, 654; 
in anderer Weise tlj 566, In der, wie mir acheint, alten Bedeu- 



Orkümm, vm C M. Tkmna^. 



tm 



tang von «da wo'* hat der Herausireber ut zumckpeföhrl f, i5 

utfjue aeiher, ietltti U/ie ef ponitis et air, 
'wo rrüher Hi> ^\m^t quaque aefher platz gegrifleii hälfe. Er- 
klärungen, wie über den Gebrauch des Nominarlv in den Redens- 
arien ^^n&men haberts^ nomen facere^^ %u I, fe9. Über den Infi- 
niliv nach ^iptitfnare^^ ^Juctarf^ zu f, 685, V/, 556, über den 
Indicativ der hislorischen Tempora in Hauplsälzen niil hypolheli- 
ecbeai Ausdrucke zu f, 6^9, über ßedeweben, wie F, 6W ; 
$»frf ot/A/ ^k/ii" f«i///«' mUeme fuU? anne quoä ft^nae est 
zu Vily 682 und andere mehr werden vielen ak Anhalt raüüneller 
InterpretaÜon erwüu&chl «ein. 

Anlangend den sachlichen Commenlar bat der Herausgeber 
jedem neuen Mythus, da wo gleichsam eine neue Fabel im grof^en 
künstlerischen Gewebe eingeschlofäen isl^ eine bald kleinere bald 
grö&ere Einleitung vorausgeschickt^ je nachdem die Sage selbat 
einfacher oder buntge^laltig überliefert ist und je nachdem der 
Dichter dieselbe treu früherer Tradition oder nach eigener Willkür 
behandelt hat. Der Leser erhält dadurch einen sicheren Weg- 
weiser so fQr die Metamorphosen , als für die alle Mythologie 
überhaupt. Eine besondere und sehr dankenswerlhe Zugabe sind 
hierbei die Hinweisungen auf gleichartige oder ähnliche Vorstel- 
lungen in dar nordischen und altdeutschen Mythologie. 
Die grol^artigen Erfolge, welche die vaterländische Altertumskunde 
durch bekannte Namen errungen hat — die Verdienste des Heraus- 
gebers als Cermanist bedürfen hier keines weiteren Lobes — j mögen 
jetzt auch durch die Schule endlich zum Gemeingut aller Gebil- 
deten gemacht werden! Man vergleiche in dieser Hinsicht die No- 
ten zu f, 5 — 2ü (die Sagen über das vorwellüche ChaosJ, zu 
Ij iüß (die Eiche aU Baum des Juppiler und Donar), zu /, 23B 
Warum die Wolfe «die grauen*' beiföen, tupi cani, noXiol Iv- 
Iffo^), zu J, 2^3 (über die Siiiflut^ denn m oder höch^ilens 
|$intflut würde bekanntlich nach der Etymologie zu schreiben 
(iein) zu i, 5ä* (über die Enlsfehung des steinernen Gej^chlecbts 
jer Menschen, von dem der Dichter fq sinnig sagt 4i4j 4iä: ^ 
inäe ßenuM durum sttmui euperiemque lü^orum^ 
€i dacumenta tiarnui qua MimuM origine rnüi — 

llind die nordische Sage vom Kiesen Yiurr, aus de^en Knochen 
üiti Vrineu enl^l* ben.\ Wie *Ue |:ernjamH:hc Mythologie ; so fuulet 



97% 



Optdimia, von €, M. mamai. 



auch die orlent&lidcfie ihren rechten PlatB, z. B. IV ^ 491 
(die Sage von einer Najade, welche die landenden in Fische ver*] 
wandeil), F, B20 (die Vermischung des ägyptischen Typhon null 
dem griechischen Typhoeus) und die folgenden Verae 82S — B^f* 
Dafs natörlich die griechische Mylhenwelt vorzugsweise in Ver*| 
gleich gezogen tsl, und zwar sowol zur Ertclärung der Personen,! 
als des inneren Zusammenhanges der Sagen selbst, kann nach dem 
gesagten als selbst verstand lieh vorau§geselzl werden, Aach für 
die Deulting der Mythen sind zahlreiche Winke gegeben : dieselbe 
ist wie wir oben angeführt haben wol hauptsächlich eine doppelte. 
Es Hegt in diesen Gebilden der Phantasie entweder die allegorisch- 1 
symbolische Auffafsung einer Naturerscheinung, bald mild und 
freundlich, bald erhaben und schreck voft, oder das Wort geh dem 
Spiele der künstlichen Deutung Anlafs zu neuer Verpuppung ver- 
lorener unverständlicher BegrifTe, i^Videmus retmmm pauNaiim 
in viygtenorum Mecrefa Ülam mpientum doetrinam^ Pitiatam re^ 
Ugiönum perturbuUone^ corrupiam inscitia interptelum^ öh»eu^ 
raiam lemtate amoeniora Mectantium , adeo ui eam n^ HÜ 
quidem intMigerent qui hereditariam a priarihu» pae^n eofen* 
fe#j quum ingenii excetlentia omnes praeMinquerent^ tanta iHo» 
o^lMone merseruntj ut ipsi Mint primi auctorm omniB enidWo- 
uiB habiti?^ Oodöfredi Hermanni Öpuscula tfoL 11, p. 17 i. 

Physikalische Mythen findet der Herausgeber fF, M7i\ 
&qq. in der Sage von der Nymphe Salmacis; F, •?4ö sqq* im 
Mytiius des Typhoeusj K» 39i (vgl, 563 »qq.) im Raube der 
Proserpina u. s. w. Eine etymologische Deutung ergibt sich, 
wie bei Natnen ///, 3iT Bacchus — BdK%o^ , '^I&nxo^ , J, tS& 
Lycaon — AiJxog, ///, 346 Narcissus — vaQ%i6m^j tmQXÜv^ F, 
a9i Proserpina ~ proMerpere^ IV^ 438 Dis (dwegj — IJXovtmP 
(srAöürog), Vily 9 Miq^Bm <^ weise Frau^*, so bei den daran 
geknüpften Fabeln, Die Verwandlung des Cadmus und der Har- 
monm in Schlangen ist bei Apollodor em Kommen zu den Enche- 
leern {i'ytikv^ — ^X^s)? vgl zu tV^ 663. Einfach ist die Lösnng 
bei rein sinnlicher Anschauung, wenn die Berge als Riesen erschei- 
nen, wie Atlas (vgl. tV, 604) und ähnliches der Art. 

Endhch verdienen noch besondere Aufmerksamkeit jene Be- 
ziehungen, welche den Übergang griechischer Mythen auf altitali- 
fiche Gatter beleuchten ^ vgl. namentlich die Note zu 17/, 4M über 



Of^i^Umn, von Q, M. Tknmm. 



2T5 



Liber — die 8iibini»che Loebasins — und Bacchtta^ 2U IF, ^41 
über Leucoiheai und PaEimon und Matuta und Fortumnui^, zu V/f, 
f4i über JuvHita und Hebe 

Zum Schlurfe fr^cheinl es billfg, wenig^lens über einife Stel- 
Ifn anser «igenes Urlheil »bjEugeben. 

ftif//fi# aä^c mumlQ praebebat tumlna TiUm^ 
nee n(Wü crescenda reparabui cornua Päoebf* 
nee circumfusQ pendeöal in aere Teiius 
ponderibuM Hbraia snitj tiec bracchiü Iou^q 
marfffne terrarum p&rrexerai AmpAiirUe* 

Der Herausgeber enlkleidet hier die Tellus ihrer Persönliehkeit 
und schreibt teil um. Allerdings scheinen die Ausdrücke^ welche 
der Dichter hier gebrauch ^ wenifrer bezeichnend, als bei den übri- 
gen Namen: allein schon das ganze Gepräge der Stelle verlangt 
hier die Durohrührung der Pro^^opopoie ; die Tellua darf hier so 
wenfg fehfen als in einem Gemälde^ das uns diefs Bild widergäbe, 
i Es entstünde eine Lücke, die dem Gefühle wehe thäte. Dann aber 
[finde ich in den AUributen durchaus nichts, was dem Wesen einer 
persanlichen Erde widerspräche« Ist ja doch ihr eigentliches 
Sein, natitenlHcb in der Vorstellung der Alteui das der Ruhe, des 
I ewiggleichen , Ja des leidens und dutdens. So schwebt sie als 
die M^tma muler^^ nach ewigem Gesetze ruhig in der Laü^ durch 
eigene Krafl getragen und gebalten« Ich finde diese Varsieltung 
hochpoetisch. Der Ausdruck i^panäcri^m mrata mi3^> im nicht 
kühner, als wenn es in der herrlichen Stelle > wo Tellus beim 
Brande des Wellalls durch Fbaethon den Juppiter anfleht^ wn ihr 
bei&t (fi^ »M Mgqd 

mugnüque tremore 
amniu cantuliens pauiium subMedit et infra 
quam MQttt e$$e fuii — 

|wöbei man doch zunächst an eine Veränderung der natürlichen 
Erde denkt. Und geht nicht auch bei der Amphilrlte Person 
und Wirklichkeit im Bilde des Dichters zusammen? 

qtimqtte diu sieier/mi fn mmsfibuM aUi§ 
ßiwUbm iffmiis insuUutere cmirme. 

[Hit Recht bemerkt der Herausgeber, dais hier inäuiture m 
der sinnlichen Bedeutung^ nicbt in der überlragenen „des Ver- 



midima, von o. JA TAoma*. 



höhnens"^ gesellt eei. Diefs letztere geGel den meiilen Erklärtrn, 
Die Wahrheit der nächstliegenden Bedeutung wird um so äugen- 
fölliger, wenn wir den Gegensalz von ^^gteierant^^ hervorheben- 
^tDie Bäume festgewurzelt vorher auf hohenfi Gebirge, lanzen 
jetzt auf unbekannten Fluten-» Es ist im Gegenlheil das seh wan- 
kende, unsichere und unstäte, was sich im Worte ausmalt^ die 
Gefahr der ersten SchifTTahrt will der Dichter hier ebenso dar- 
stellen als vorher, wenn er sagt: 

pela dadani tfentis nee aähuc &ene mnperai iilnt 

nmita. 
/, Bf^. ßfB: 

parva mara eU uias pedibits virgamque pütentt 
s&mntfermn mmp$i$m mimt teffumengne cüpiHii, 

Ich möchte hier den Infin. ^^mmpsi^^e'^ durchaus nicht aorijülisch 
nehmen , sondern halte die zweite Erktarung des Herausgehers 
^es dauert nicht lange und er hat genonunen" für die allein hier 
slatihafte. 

11, 75 mahnt Phoebus den Phaethon: ' 

fifige diitm currns, quid ages? poterime roiatts 
üöPius ire p&lis^ ne it ciius anferai nxts? 

^ne ^= ita ut non^* so Hr Haupt. Das giftuhe ich nicht. 
Entweder mufs ^ne^^ durch prägnantere Fafsung des vorausgehen- 
den Satises gerechtfertigt werden, wie etwa ^.pmerime rotatis 
^polU übriam tendem prohibere ». eat^ere^ ne etc. Oiler^ was mir 
mehr zusagt, die Satze sind anders zu trennen, und zwar so: 

quid nges? poferime rotttffs 
o&Pim ire poUs ? m te cUus uuferat u£i$ f 

Ich meine, dieik gibt der Vorsleliung des abmahnenden Erzeu- 
igers gegenüber dem Sohne mehr Wärme. Die zweite Frage 
kommt dem Ausdrucke gleich: ^twn poterU &briust ire püU»\^^ 
der ängstliche Vater liommt der Antwort in ganz natüriicher 
[Weise zuvor. Ebenso gleich in den folgenden Versen: 
fbrsHan ef lucos iUie urbesque deürum 
eoHcfpias nnimo delubraque diün donis 
esse ? — per imläim Her est fortmsque ferarum. — 
In der meisterhaften Schilderung der ^Jnvidia'' ii^ Tßa m/q, 
scheinen mir noch einige Andeutungen nicht überflörsig. Warum 
ist die Wohnung im tiefsten Thale verborgen — domm e»i imh 
in raUihuM abdUa^ warum sonnenlos; — §öiß i^nrentt — wnriitn 



I 



n 



Oetdiana, von G, M. Tkama», 277 

jedem Hauche des Windes verschlofsen -^ n(m ulli perria penio^ 
warum trübselig, todt und kalt, ohne Feuer, voll von Grauen — 
irisiis ei ignani plenissima frigoris et quae igne varet $empery 
caligitie ßemper ahundsti weil die M i 8 g u n s t in der tief- 
sten Seele haust und stets im dunkeln schleicht, 
weil kein anderes Gefühl neben ihr die Brust 
durchzieht, weil der Neid jede reine Freude aus- 
schliefst, jeden Funken von Liebe erstickt und im 
dumpfen Sinnen sich abgrämt. Warum steht sie ver- 
droben auf vom Boden und geht tragen Schrittes einher — mut^ 
git humo pigre pastuque ineedit inerti? weil die Misgunst 
sich selbst gram, langsam dasGift sammelt und das- 
selbe dann tropfenweise über den gehafsten Glück- 
lichen ausspritzt. So zeichnet der Dichter mit getreuem 
Pinsel die furchtbare Plage der Menschheit, naöäv (isyiöripf 
xAv €V avd-QoinoiS voöiov C^uripid. fragm. Inoj XT.)* Der 
Vers T90 

ied tidet ingraiot Madescügue videndo 

succesaus hominum, 

darf durch kein Unterscheidungszeichen nach ^^videndo^^ zer- 
schnitten werden. In den Worten liegt das gemeine Wort: <<der 
Neid schaut ihm aus den Augen.^ 

Jil, 63: 

Bacchus enim fuerat — 
da das Plusquamperfect ganz bequem in einer Bedeutung genom- 
men werden kann, so stimme ich nicht dafür, es imperfectisch zu 
fafsen. Eine Frage ist es, ob nicht das nämliche von den ange- 
führten Stellen Trist. S^ ii^ 26 und Ep. ex Ponto 8^ 3^ 87 
bewiesen werden kann. Es ist immer gut, der Form ihr Recht 
zu lafsen, vgl. den Herausgeber zu IV, 672. 
Ili, 668: 

nee enim praesentior iUo 

est deus 
Die Note zu ^.praesefis deus'^ als dem «gegenwärtig wirksamen 
Gott'' ist ganz richtig. Ursprünglich ist aber ^praesens deus^* 
gewiss <<der leibhaftige Gott»\ Wie hier dieser Doppelsinn her- 
vordringt, so unter andern bei Curtius ///, ^6: nee anidius 
ipsum regem quam Phiiippum intwbatur exercitus: pro se 

Z«tt»chr»rt für di« A«terr. Gymii iH')4. IV. H«fl 20 



2in 



Oritikma, von ^. M. Thrnnm. 



qui^ifue de^tram eitm ampie^i grate» d^bebani t^etut pra0*\ 
genii dea, 

IV ^ ite $qq. heifsl ea vom könsMichen Nelxe des Hephaealus 
schmiedet i 

exiemptft gracHes ex ftere cafma» 

retiuque et (aqueoSt qttm iuminti falfere pnssenit 
elimai — tmti iilud apus ienuisUma vincfim 
stumina, non summo gune pendet urnnea tigno — 
u(qu€ le^es iactus momenlague parva sequaniur 
efßcU — 

L'Wfe der Sie und 4le dies**r Verse dem Vorgange bei Homer 
Wdygs* VUl, 2S0. 28i eRbprechen, so ist der 61e nur die Er- 
klärung von BSJ. 282 

ni^i ystg doloBi^t^ tftvttTttt 

•im XEVHP napta dolor* igt hier versinnlicht durch die Kunst 
des Gekettes, da« beim leichlesten Berühren, bei der kleinsten Be- 
weguii£^ nachgjlu, d. h. üich schlteri*t — Hamina Mequuniur 
fariug mameniaque part>aj u e. motus minimas. 
fF, 484: 

LucitiS Cümitaiur euniem 
et Pßvar ei Terror, irepidoque imnnia vuUä, 

Diefs erinnert an Homer's Hiade /F, 4S9^ 44ü: 

UnzweifidhaH iüt auch die Nachahrnui^^ bei /Vj S20 »qq, 

puer fy digntssfme credi 
esse deuSf seu tu denn es^ pütes esse Otpida^ 
StP€ ei mtfrfüifs, qul ie ffenuere beati^ 
ei fritter feiix, ei forUmfUa profecfo 
st qua iibi sorer esi ei qtme dedU libera mUrim \ 
Med iaifffe cnucfis fmigsque pofeiitfor itla 
si qua iibi iponm est, si quam d/ffnabere taeda — 

und Odyssre VI^ iäO i^qq. 

ii fiiv tig -Ö-fCig **jflt, toi otfQü-ifQv ivQVV Ijfat*«»^, 

tl 3i ti^ hct p^oTifiv, xol iwl z&Qvl vai^taovmVt 

TQi^fid^af^Bg 3^ %aaiyvfiTOi * 

og Hg ff* iiSvotm ßgUag Qt%6v3^ aytcyjitm* 



Beiträge zur Ö8terr. Ge>chirlite^ v. A. Jäger. 279 

Za V, 6i»y 613: 

per tarnen et campos, per operto» ttrbore montez, 
saxa Quoque et nipes et qua via nulla cticurri 

bemerkt Hr. Haupt: ^^dem et sollte ein zweites et entsprechen; 
die lebhafle Erzählung springt von dieser Form der Rede anako- 
iuthiscb ab.^^ Ich finde hierin keine Anakoiulhie; an campog 
schliefst sich in rascher Folge das nächste in drei Gliedern ao 
— per monte», »axa quoque et rupes^ und dann reiht sich dem 
ersten et entsprechend gleichsam als Gegensatz an ^^et qua via 
nutla,^^ Man wird also nach rupe* der Deutlichkeit wegen intelr- 
pungieren. 
Was liegt IV^ 803 in dem Worte 

diriguitque tnalis ? 

Das Compositum wird ausdrücken: Niobe erstarrt vor Schmerz; 
die Erstarrung greift von innen heraus und läuft mit einem mal 
über den ganzen Körper auseinander. VlI^ iiö steht das 
schwächere: deriguere metu Minyae, 

Möge denn diese handsame und gediegene Ausgabe der Me- 
tamorphosen recht vielen Anlafs geben, eine gewiss unvergefsene 
Jugendlectüre zu erneuern, zu widerholen. Was die Minyeide 
Alcithoe rühmt, das verkündet der Genius des Dichters auch fQr- 
der jedem empfänglichen Gemüthe : 

diUcique Ofäfnos naviiate tenebo. 

München. Georg Martin Thomas. 



Beitrage zur österreichischen Geschichte. 

n. 

Ober die Privilegien der Babenberger. 

S. /. Allgemeines, 

Wir mögen die gelehrtesten Werke oder das nächste beate 
Handbuch über österreichische Geschichte aufschlagen, in jenen 
wie in diesem begegnen wir der stereotyp widerkehrenden Be- 
hauptung, dab die Markgrafen und Herzoge von Österreich aus 
dem Hause der Babenberger von den deutschen Königen und Kai- 
sern Privilegien erlangt haben, die ihnen gröfsere Vorrechte ein- 

20 • 



ssn 



Bfiträm* 3Ktir ofll<*rr. Üe^^rhirhN, v. A, M^n, 



fHuiiiieTi^ ab irgi'tiü m\ Hnüerer Heichfirür^^l der dtiitiiiljff^ü Zint 

Solche Privilegien erTiielJeii der MurkQTör Ernst im J. 105g 

vom Kaiser Heinricli IV., der eriüte Herzoi^ Heinrich Jasoiiiirgoil 

vom Kaiser Friedrich 1. 1156, der Herro^ Leopold der Glorreiche 

f^'voin Könige Heinrich VIL U28, und der Herzog Friedrich der 

Slreilbare 1245 vom Kniser Friedricli 11. 

Und in der Thul ^ falkn wir den Inhalt dieser Privilegien 
äuch nor flüchtig in's Auge, so erblicken wir In ihnen Hechle 
und Vorzüge» die den Babenbergern eine sfaalsrechl liehe Slellunir, 
dem Kaiser und Reiche gegenfiber, anwie^^en^ deren sich im Laufe 
d(fä eilüen» zwntrien und dreizehnten J^hrhund^Tts keiner der übri- 
gen Reichsfursden , nicht einmal die Besilzer der groD^en Herz(>g- 
r-lümer ndvr die Träger der Er/Jmter erfrenlen, ja *m drren theif- 
Weiser Erw^^rliung diese erst inj vierzehnten Jahrhunderte durch 
die goldene Bulle Karlü IV. gelanp:ten. 

N»ch Am Beslimmungen gedachler Privilegien wären der 
IMarkgrar Ernsl und dessen Nachfolger schon Im X 1058 zu den 
fgehermMen Ruthen der rönri^chen Könige und Kaiser ernannt 
pworden, ohne deren Wifsen keine wichtige ReichsangefegenhHl 
unternommen od(^r verhandelt werden durfte» Ihnen wären at?* 
iten ersten und Jreueslen Fürsten des heil, römischen Reiches die 
zwei ßiätümer Salzburg und Lorch mit allen dazu gehörigen Gü- 
ilern in der Art nberlaf^en worden, daf;? sie als deren Vogte und 
Herren sich ihrer Macht mittel zur Führung jener Kriege bedienrn 
knnnlen , die sie an der äusserst en Granxe der Christenheit für 
^\mt täglich SEU bestehen hallen. 8ie wären schon um die Mitte 
des 12. Jahrhunderts durch Kaiser Friedlich K in eine so bevor- 
zugte Sonder?-lel(ung ver^^etzt w^orüen, dufs es nur von ihrem pu- 
ten Willen abhieng, ob und wie well sie noch mit dein Reiche in 
Verbindung stehen und innerhalb ihres Territoriums Reichsgesetxe 
«nd die Kuiser|:ewall anerkennen wollten. Die babenbergischen 
•^Forsten hätten schon 1156 «iie volle fit^frelnng von Reichs.<<leuern, 
von der Rekhsgencht^barlieit und von der Pflicht, auf Reichs- 
tasren xu erscheinen, erlangt; me hätten #chon in dfesem Jahre 
solche Souverainitnisrerhte über ihr Land erhalten, dafs weder 
dem KjiiMer noch irgend einer anderen Macht \\h Befugnis »u~ 
stand, sie darin «u beschränken. Ihr Land wäre ferner aun dem 



BiMirä^ti iiir Q^ierr. GeschicbUs v, J. Mfier. 



seil 



Lehensverbäiide des deutschen Reiclies in der Arf au»geschiedeii 
worden, dafe deo Babenbergern für den Paff ihres Aussterl>fiiÄ 
das unbeschränkte Verfügungsreclit über dasselbe zustand, Geliel 
es jedoch diesen Fürsten mit dem Reiche in Verbindung zy IHei- 
ben und auf Reichs- und Hoflap^en 2u erscheinen, m sodten sie 
am katserljchfo Hoflager einen Rang einnehmen, der dem kur* 
fürslUchfU gleichkäme. Wollten Si6 Rerchj*tehen durch wäs immer 
für einen Verlrag mit geisl liehen und weltik-hen Fiirstni an »ich 
bringen , »o soKte ihnen hierin weder der Kaiser noch das Reich 
etn Hindernis in den Weg legen können i sie dolllen unbeschränkle 
Freiheit haben. 

Solche aufserordentliche Vorrechte aollen die Brtbenberger 
nach dem Inhalte der Privilegiuni^briefe schon im frühtrn Millel» 
alter erlangt haben, ehe noch irgend ein anderer Reichs^ffiiMl nur 
von ferne mit einem ähnlichen Vorzüge bedacht worden war. 
Niemand wagte einen Zweifel gegen die Richtigkeit der ^ache zu 
erheben; es lagen ja die Orfginaldocumente vor, eine mehrhun- 
dertjährige Anerkennung sprach für sie, und für das Buf-Äerordeni- 
hche, für das abnorme, für den Widerspruch mit der Geschichie 
fand man im Begriffe eines Privilegiums Erklärung und Rechtfer- 
tigung» Ver.^uchle es jemand Bedenken zu aulsern* m wurden 
ihm diese mit derben Phrasen aus dem Kopfe gi^iagl*), und 
wollte das Licht der Krilik endlich dennoch seine Strahicii auch 
in dieses Dunkel fallen latsen, so gab es ManntT, die elwas ^uten 
zu thnn glaublen, wenn sie Thor und Fen,%Ier sperrtm, un» ihne*n 
den Eingang zu wehren **J. Man fQrchlcle nümjjch nichl nur dm 
älteste österreichische Staatsrecht, das man künstlich genug auf 
den Privilegien aufgebaut halle, in Keinen Grundvt'^ten xu er- 
schüttern, sondern auch unsen-m Palrinli^nrns einen istol^ zu ver- 
setzen, wenn man an den Privilegien rütteln wollte, Es läfst 
mh nicht läugnen, es liegt in den Privilegien etwas für unser 
patriotisches Gefjihl schmeichelhaftes. Wir können uns die Aus- 



*> Vgl. 1. B* Gundliag, der meinte, difjmiigön» itte an der tuHuheil 
der ürkufld*r> Emeifellen, oiufston Kleb durch *u vjplen 1\^ii;ik ik*« 
6eruoh*inneM beraubt haheii. SdiröUer, ösl. Oe^iph. 11 Md. S, 53* 
* * ) H o f m a y r in s ü i r »e m Sl rv ü« ü ha r lUt* tu- h 1 1 1 im t d vs Fr Iffrrir in n. 
maius ^&$m MorrU's AbtihndUuvg im 25. bände iiw Müimm. ßitlea 
\L Abtheilung. ' 



28? 



Beilrägo lar öslerr. Geschichte, v. A. Mffef. 



zwhnmg^ welche sie für jene Fürsten enlhBlleri, die den Grund- 
stein 7,uni Aufbaue der österreichischen Monarchie legften, nur bus 
der Annahme erklaren, dafs die Verdienste der Baheitlier^er um 
Kaiser und Reich nicht geringer als die in den Privilegieu ihiu^n 
zuerkannten Be[ohnung:en gewesen sein mufi^len. Wer theill nun 
aber nicht gerne den Ruhm seines Volkes, und vi^er ist nicht stotz 
auf die Auszeichnung^ der Forsten seines Vaterlandes? Wen müfste 
es nicht schmerzlich berühren, wenn auB dem Lorbeerkränze, der 
ihr Andenken verherrlicht, einige der schönsten Blätler wegge- 
nommen würden? 

Allein so wie man bei dieser Furcht übersieht, dafs das 
älteste üsterreichiache Staatsrecht nach dem Zeugnisse der Ge- 
schichte nicht auf den Privilegien beruhte, dafs unsere Fürsten 
nicht vor dem 15* Jahrhunderte nach den Grundsätzen dieser 
Privilegien handelten, folr^lich die Slaatsrechlslehrer sich nur selbst 
täuschten und die Geschichte unendlich verwirrten, wenn sie das 
von ihnen auf den Freihoitsbrii*fen auf^ebflule, für die spatere 
Zeit voltgiltige, österreichische LStaütsrechl auf die ersten 
Jahrhunderte unserer Vaterland sgeschichte übertrugen : eben 
so täuscht man sich selbst^ wenn man glaubt, unser Patriotismus 
erleide einen Slofa, wenn man ihm Motive entzieht, die erfunden 
sind. Unser Patriüli.Hmus bedarf keiner Erfindungen zu seiner 
Kräßigung; unsere Geschichte bietet des wahrhaft grofsen und 
erhebenden genug; man lafse nur die herrlichen Muster der KrafI 
und Treue *j der Iflu^rheit und des Rechtssinnes, der die bahen- 
bergischen wie d\ts h^ib-^burgischen Fürsten au.^zeichnete, vor den 
Augen der Jugend erscheinen, und man wird nicht nölhig haben, 
seine Znllucht zur Täuschung zu nehmen. 

Für die öüiterreichi^che Geschichtsforschung ist es 
unter den angedeuteten Verhältnissen zu einer u nah weist ichen Aur- 
gabe geworden, die Frage, ob jene Privilegien in den Jahren, auf 
welche die Urkunden lauten, wirklich existiert haben, zu einer 
sicheren Entscheidung zu bringen. Die eiiidringeudrn Arbeiten 
gründlicher Forscher haben besonders in den let/Jen Jahren dahin 
geführt, dafs die Frage wenigstens insoweit, als sie die Aulfafsung 
der staatjirechilichen Verhältnisse in jener Periode unseres Vater - 
tandes iK'lnßlt, als abgeschtofsen betrachtet werden darf. Diese 
gesicherten Ergebni*isp der Geschichtsforschung dürfen dem 



Unterrichte in der Geschiebte namentlich dem Unterrichlr »ii 
onseren Gymnafsjen nicht vort'nlhallen werden. E« kann dem 
Lehrer diT Geschichte in kefnem Falle glfichg:ilri|>^ seir», üb er 
der Jugendf der er ein Bild der Vergangeiiheil gcfjuili-n wiil, wah- 
res oder ob er falsches darjitelU , ob h i « t o r U ti h m ö g f i r h e s 
d. h* mit der Gescliichle und den stHaiijreclUlirhen Yrrhällru^Mii 
der belrrlTenden Zeil übereinafimmendes , oder hi.s ton.'tch un- 
möf liebe« d. h, der Ge^^chicble und den gleichzeilr^i*n Retbt«- 
Ytrhrtlini^spn widersprechende»» Bei der va te rl an di bc h en Gc^- 
schichte gewinn! diese Pflicht sIrenger historischer Gcwif!jenh«f*ig- 
keil noch eine besondere Bedeutung» Wenn die Verliffiing- nnd 
das Einleben in die Geschichte des Vatertandes ein weseniliches 
Mittel ist, wodurch schon in dem Gemülhe der Jugend die 
Liel»e zum Vaterlande geweckt und genälirt wird^ «o ist es drm- 
gend nothwendig, jegliches unwahre oder unsichere aus dem Bilde 
enlternt zu hallen. 

In die.Hem Sinne den Letirern der Geschichte an unseren 
Gymnasien die sicheren Ergebnisse der neueren, in mehre- 
ren Monographien zerstreuten Untersuchungen zugänglicher zu 
machen, ist die Absiebt der nachfolgenden Darstellung. 

g. 2, me LUeratur. 

Die Echtheit der babenbergiscben Privilegien wurde hi^ in 
das 19. Jahrhundert heiBuT theiU unbestritten vornuj^geselzl, Ihi^iU 
gegen leise auftauchende Zweifel mulbig verthf id igt. Erst «eil 
dein Jahre 1827 erhob sich ernster Streit ober die Frage der Echt- 
heit, und seit zwei Jahren sind wir, wenn auch nicht tmw vollen 
Abschlufse der Streitfrage, doch tu einer klaren Einsicht in den 
Gegenstand gelangt. 

Die Originaben der vier babenbergischen Freiheitshriefe be- 
finden sich im k. k. geheimen Haus-, Hof- und Stnalsarchive äu 
Wien; Abdrücke davon in verschiedenen Werken. So die Urkunde 
YOm J, 1058 in Seh rotte r*s Abhandlungen über das 5f*terrei- 
chische StaaNrechl. l Od, Beilage Nr. 15—17. S. 133. 

Die Urkunde vom J. 1156 in den Monum, Boich 2S. Bd. 
H. Äblheilung in» Anhange j dann in Perz" Münum, Oerm. tV, 99. 

Der Freiheilabrief vom J. 1828 in Scbrotter's Abb, I. 147. 
Nr. 19; in ßauch'B Österr. Gesch. (1. Bd. 203. \>m DocuimrU 



^4 Beitrage tur osterr. üesehichle, v, A. Jäger. 

vom J. 1245 ebenfalls in Sohroiter's Abb. L IM. Nr. 20, und 
in Raucb'a Ö^terr. Gesch. IL 502, 

In neuester Zeit lieferle Dr. WjJb. Watteiibach einen den 
Originaldrkijrnlen enlnomnierien djpUmiulisch gelreiu-n Abdruck aller 
babenbergischen Privilegien im 8. Bande des Archiven für Kunde 
der Österreich, Geaübichlsquellenj herausgegeben von der zur Pflege 
vaterländischer Geschichte aufgestelilen Comnussion der kaia. Aka- 
demie der Wifi^enschaflen in Wien 1852 von S. 108— 11 Ö. Wtu) 
tenbach 8 Abdruck hat rien Vorzug der Genauigkeit und der über- 
sichtlichen Zusammenstellung aller zur Frage gehörigen Doeumente« 

An der Spi(ze aller Ireugläubigen Verehrer und Vertheidiger 
der Echtheit dteser Privilegiums Urkunden steht Franz Ferd. Schrot* | 
ter in steinen Abhandlungen aus dem öslerreichischen Staatsrechte 
5 Theile, Wien 1762; in seinem Veriäuche einer österreichischen 
Slaalsgegchichle von dem Ursprünge Österretchg bis nach dessen 
Erhebung in ein Herzogtum. Wien 1771, 8; und in seiner nur 
zur Hälfle von ihm voltendeten (von Adrian Rauch fortgesetsten) 
Österreichij^chen Geschichte. 3 Theile. Wien 1779. 

Ihm folgte Gustermann in eeiaem Versuche eines voll*. 
ständigen österreichischen Staatsrechtes, Erster ThetI, Wien 1793, 
und dann die ganze Menge von Verfafsern gröfi^erer Werke, 
Handbücher oder Compendien über österreichische Geschichte. Selbst 
Karl Friedr. Eichhorn in seiner deutschen Staats- und Hechts- 
geschichtet Zweiter TheiL 4* Auf], Göltingen 183&. S 127—135. 
%. 238 glaubt au die Echtheit, obwol ihm die Sache mit den 
Rechtssuslanden des Beiches nirgends zusammenstimmen WJIL 

Leise Zvr ei fei j freilich nur gegen die Urkunde vom J* 1058» 
und gingen diese nicht einmal in ihrem ganzen Umfange, sondern 
nur gegen einzelne Theile derselben, erhohen in allerer Zeit 
Petrarca in einer Erwiderung auf Kaiser Karrs IV. Anfrage, 
Aeneas Sylvius in seinem Leben Fried rieh's 111« Guspinien und 
Lambecius*), Die Urkunde vom J. 1156 wurde das erstemal 
angefochten im J. 1654 in einem Streite des Stiftes Bamberg mit 
der österreichischen Regierung wegen der bischöflichen öesilzungen 
in Kärnthen, Senken berg in seinen Gedanken von dem jeder- 
zeit lebhaften Gebrauche des uralten deutschen bürgerlichen und 



"> 8r>hrot4er, Ö«t Ücsch I. 214. 



Beiträge lur öslern tit'schirhl*?, v, A* Mffer. 



2ai 



StaalSTtcbtes, Wien I77S trug ebenfalEä Bedenken ^ sie als echl 
anzuerkennen^ \ith »ber seine Zweifel fahren, nachdem er dia 
OriginalürkLiide eingesehen *), Philipp Lamhacher in {meinem 
österreichischen Interregnum u» s, w j mil Urkunden erwiesen und 
aufgerührt. Wien i77a, 4; noch mehr in seiner Ahhandlungi 
Demannfratio iurtM »eu UtuU^ quo impfralor RutlolphuB iia^9-* 
bürg, ums e$i ^ cum.,, ditione» uu»triaeas ab OUarare rege 
BohemimB im^ieria ^indicaret Lipmte^ ^fSA, 4. läugnel zwar 
nirgendji die Echlhell dta Friedencianischen Privitegiums, bielet 
aber seinen wahrlich nicht geringen Scharfsinn auf^ um als Juriül, 
der dm Gewicht der historischen und rechtlichen Gegengründe 
mblt, noch einen erträglichen Auitweg zu Unden* 

U neuerer Zeit war vielleicht Karl H. L- PÖlitz einer der 
eraten, der gerechte Bedenken gegen die Echlheil der babi^nbergi- 
sehen Freiheitsbriefe mit ßestinimlheil aussprach. Siehe seine Ge- 
echichte des Österreich iächen Kaiser^taales. Leipzig J8]7. S* 
S, 30 und 37. 

Lebhafter Streit über die Echtheit dieser Urkunden entstand 
«eit dem J. 1827* Die Anregung hierzu gieng von dem hoch- 
verdienten bayerischen Geschieh lü^forgcher Konrad llannert aus. 
Ohne eigentlich Streit zu suchen, stellte er, blof« seiner t berzeu- 
gung folgend, im t. Buche S. 172 seiner Geschichte von Bayern 
dh Behauptung hin^ die Urkunde de» Privilegiums vom J. tJ56 
aelf wie sie sich dermalen im k. k* Slaalsarchive in Wien befitide, 
nicht mehr das ursprünglich ausgeferiigle Original, sondern eine 
1437 durch den Bischof Leonhard von Passau auägefertigte Um- 
arbeitung. Da es aber diesem Bischöfe an hinreichender Kenntnis 
des früheren Zeitalters mangelte, seien SIellen hineingekommen^ 
die mit der Gc-^chichte in Widerspruch stehen. Gegen diese Be- 
hauptung Mannert's trat üormayr in die Schranken, und schrieb 
1127 in dem 37. Bande der Wiener Jahrbücher der Literatur 
fbei Gelegenheit einer weitläufigen Besprechung von Raomer's Ge- 
I schichte der Hoherrstaufen eine Vertheidigung der Echtheit des 
Yorhandenen Original. Hormayr glaubte ein für allemal ein 
[etstes Wort über den Gegenstand gesprochen zu haben**). Allein 



•> Schrotler, Öai. GeÄch. II, 63. 
**> Jihfbücbtif üer Liltirdlür «^7. Bd. 1S27, Wien. S. J244— 253. 



2m 



Beiträsie mr osterr. Geachichte, v* A. Mgtr. 



scKon <lrei Jahre .späler erhob sich eine viel g^ewaKigere Slimme 
gegen die Eehlheit dieses Privik^iumSp Ab die königliche Aka- 
demie der \Vir>ien>ifhiirien in München di^n Lunsdurfiyfchen Codex 
der Pas^aiier -Urkiin<Jen *) zur Herausgabe in den MomimeHüM 
Bmcin^ XXVIII. Bande vorhereilen liefs, entsland zwischen dea 
Ewei mit der Heraussähe betrauten gelehrten Mitgliedern der kö- 
fiiglichen x\kütleinie Streit über die Krage, ob das Privilegiurit , 
vom J. 1156 und dess^en ßeslöligung von 1245 in derjenigen 
Form aufgenornmen werden soll«*, in der es sich m Lonsdorfl* 
sehen ('odex l)efand , oder mich dem Originale des k. k, Staats- 
arohives in Wien. Heide Urkunden weichen .*iehr von einander 
ab; die Lonädorri>;ehe ist nicht nur kurzer, sondern auch dciiv 
Inhalle nach &o bedeutend verschieden von dem viel längeren 
Originale des k. k. Archive.% daf^ jene nicht als ein Auszug die- 
ser Iel55leren belrachtel werden kann. Frhr. v. Hormayr, einer 
der £wei Gelehrten , verlangte %V\t AnTnahme des ^gonaniiten , 
Miijun^ indem er nur das in Wien befindliche Exemplar für die 
allein echte Original -Urkunde erliiarle und verlheidigte; Joseph 
Moritz, der andere der beiden Gelehrten^ hingegen verfocht (fjft 
Behauptung, dars nur die kürzere Urkunde des Lon&dorfli>chen 
Codeic, das sogenannte ^^pt^Mleffium mlnuit^^ den echten Wi^rtlaut 
der ursprünglichen Urkun'le enthalte. Hormayrs Abhandlung, 
ganz dieselbe, welche er schon im 37, Bande der Wiener Jahr- 
bücher der Literalur geliefert, wurde in dum H. Theile des 28» 
Bandes der Monum. Buica von S. 357 — 369 m'tgelheilf, Mn- 
ritz's Abhandlung findet sich aU Anhang in demselben Theile und 
Bande der Momnmnia; sie führt den Titel; ^^Commmtarim 
dipiomaUeö - vritkni» miper duplex prhnlegium AitMriacutft 
Ffidericf /. et H. imperatorum, utrttm^ne öremuM et fanffmn, 
Münarhii iS^t. 4. 76 S,'* Moritz vertheidigte seine ßehaup*^ 
tung mit so vielen und gewichlvollen Gründen, dafs in dem 
J 350^52 von Jos* Chinel un-1 Dr. Watfenbach wider auf- 
genommenen Streite bezüglich der Krage über die Echtheit oder 



*) 0er Coden erhielt den Skmm von dem Bischöfe Otto von LonÄ- 

dorf, i1«r von 1254 bja t2ö5 üea biscliöfiif^hci» Slulil von Vm^an 
einih-ihin, und Uta Ürliundenaamflituüg veraimliilli^t hRlIc. 



Bei(ri»;e mr dstcrr. üeacliichle, \. A. Jäger, 



281 



ünechtheit des primUgium maiu» kaum ein neuer Gmad vor- 
gebracht wurde. 

[m JiifFrtJ 1850 wurde die Prfvifi^g-iiimsfrpge mit nn anrterea 
Cfhiel hinüber gespiell, oder vit^lttn^hr es drängle sich nolhwrndig 
rine weilere Prwge auf. Nachdem »eil dem Erscheiuen dir ÄIü- 
ntx*fchen Abhandlung die Echtheit des Mains wo[ von keiniMn 
Vernunfligen mehr verfochlen werden konnte», fragle es «ich um 
die Zeil des EnUlehens den IjjsIrt für echt gehallenea ori- 
ginales und um die jModve dfr Fälschung, 

Der um die Geschichte Deul^chlands hochverdiente Fari*cher 
J. Friedrich Böhmer stellte 1849 in seinem bei Colta in StulU 
garl herausgegebentm ^«Regesten dm Kaiserreiches" (unter Philipp, 
Oüo IV,, Frieilfiih 11, Hfinrich VIL und Konrad IV. von II 98 
bis 1254J S. 199, Nr, 1086 die Behauptung hin, düfs die Fäl^ 
ÄChung des pnriieffiurn maiun und einiger anderer Urkunden un- 
ter Herzog Rudolf IV, von ü>ilerreich im J. 1358 oder 1359 
entstanden sei. Böhmer war zwar nicht der erste, der die>e Be- 
fichuldigung Ruclolfä aussprach: schon fünf Jahre vor ihm halte 
Ltchnowsky in seiner Geschichte des Hausei;^ Habsburg das»eihtt 
gethan, nur nicht mit jener Zuversicht und Schärfe, mit welcher 
Böhmer dem Herzoge Rudolf IV. die Urhebersciiaft zuschrieb. 

Ge^en Böhmer trat im folgenden Jahre L 850 der Vicedirector 
des geheimen Haus-, Hof- und Slaalsarchives in Wien, der Re- 
gferungsralh Jos Chmel, eine nuf dem Gebiete der ö"^terreichi- 
sehen Gesehichtsf«»rschung nicht geringere Autorität, als Böhuirr 
auf dem Gebiete der deutschen Geschichlsforschungj mit der ihm 
eigenen ßescheiJenhert auf, und stellte unter dem fast schüchter- 
nen Titel einer ^^Hypolhese'* der Behauptung Böhmers die mit 
gewichtigen Gründen ünterstülzte Frage entgegen , ob der Ur- 
sprung der Fälschung nicht wahrscheinlicher und mit grölkerem 
Rechte in der Kanzlei des böhuiischen Königs Przemisl Otlokarll. 
gesucht werden müfse *)• 

Nun erhob sich Dr. Watten bach in Berlin, ein JlitjLhed 
der Perlz*schen Schule, der einige Jahre in den österreichiMchen 
Archiven und Bibliotheken sich umgesehen und die sehr verdienst- 



*) Eiae Hypothese. Srtzungalicriehle der philoi, histor* Cinn^ der 
liia. 4cftdeitite d, Wifi^enseh. V. Rd. S, 806—816* Wi^o, t850* 



2m Beilragc zur öiferr. Ü©iphichle. v, vi. Jäffer^ 

tiohf Aufgabe der älte«tten öslermchischen Chroniken in dvm 
XL Bande der Monumenta Germaniae hhtorica oder im tX, Bde« 
der Scriptores besorgt hat. Im VJIL Bande des Archive« Tör 
Kunde ü^terreicbischer Geschieh laquellen cheraU!Jgeg:eben von der 
bi8lor< Cnrninii^Nion der kais. Akademie der Wirsenschaflen in Wien 
1852^ S. 77— -119) lieferte er unter dem Tiiel: ^^Die östcrrei- { 
chi^chen Freiheitsbriefe, Prüfung ihrer Echtheit und Forschung^en 
über ihre Efitslehung'% eine au^fuhHiche Abhandlung, Mit vieJer 
Zuversicht nennl er Chmeis Hypothese <tgan2 un wahrschein- 
lieh", und machl sich zur Aufgabe, nichl ohne anerkennuogs* 
werthen Aufwand von Gelehrsatnlceit und Scharfsinn, ßöbmer'a 
Behauptung zu verlheidigen , und den Beweis herzustellen, daft 
die Fälschung an keinem anderen Orte und zu keiner anderen Zeit, 
als nur in Herzog Rudolfs IV. Kanzlei ge.*it;hehen sei. Wie schon 
der Ton der Wallen bach'schen Abhandlung einen AnHug jener 
Zuversicht verrälh, welche jugendlichen Kraflen eigen su sein pflegt, 
so sind auch die Gründe der Abhandlung nicht immer überzeu- 
gend, theilweise auf unhatlbare Voraussetzungen und auf Über- 
treibungen gestützt^ z. B. die meisten Beweise, welche von Ru- 
dolfs Charakter hergenommen wurden. Es mufs erst erwiesen 
werden^ ob Rudolfs Charakter wirklich so beschaffen war, wie 
Or. Waltenbach ihn darstellt; ob keine anderen als die von 
ihm vorausgesetzten Motive die Handlungen dieses Fürsten be- 
stimmten. 

Durch Wattentmch's Abhandlung wurde nun der Regierungs- 
rath Cbmel genöthigt, «eine Hypothese in Schutz zu nehmen und 
fester zu begründen. Wir erhielten sofort seinen ^^ Versuch einer 
Begründung meiner Hypothese über den Ursprung des prtmlepium 
maius von 1156'^ (im Vtit. Iknde der Sitz. Berichte der phrlos. 
histon Classe der kais. Akademie A\ Wifsenech. in Wien 1S52. 
S. 4S5 — 481) eine mit dem an Chmel gewöhnlichen Reichtume 
von ijuellenkenntnis und Gründlichkeit durchgeführte Abhhandlung. 
Wie WaLlenbach den Ursprung der Fälschung nur in der KanzZei 
Rudolfs JV, sucht^ 80 verweist Chmel denselben nur in die Kanzlei 
Oilokars. Ala Resultat des Kampfes zwischen diesen beiden Ge- 
lehrten ergab sich, dals nicht allein das Privilegium maiu9 vom 
i. 1156 unecht sei, sondern daTii die Verunechtung sich nach 



I Beiträge iirr ÖRl**rr Ufjsrhii'hre, v. A. Mffer, 28» 

einem «ehr conj^equent durchgeführten Plane auch auf dia Urkun- 
den von dt^n Jahrfn 1050^ 1228 und 1245 au^iredehnt habe* 

Föst unwürdige behandeff wurde die Slreilfra^^e z\vü<rohen 
Chniel und Watlenbach in einem Artikel der Nurner 42 des hie- 
rariöchen CenLralblaUe» für Deuisthfand (Leipzig 1852, 16. OcL). 
Der finmarsende Artikel halte gar kein anderes Verdienst njs thh 
er Chrnel Anlafs geh, seinen ^^ Versuch zur Begründung der Hy- 
pothese*^ durch eine neu» Im IX Bande der .Süz, Berichte der 
philos, hisL Chis^e der km* Akademie Wien 1853. S, 616 — ^642 
mit^etheiite AbhanrUuJig 7.m m\\¥v^\nlMn, 

Seil diej$< ni letzten Worle ChmeO ruht der Sireil über die 
babenbergi^chen Privilegien. Nach einer Seite hin kann er auch 
ab QiK'^gekämpn betracbtel werden; denn an dem einen Ergebni«i.^e 
aller «i^il 1827 vorgenommenen ünterssut^hungen, welches darin 
besteht, daf^ i^owol da^ Privile|rium mmuB vom J. Ji56 ali 
««ch die übrigen babenbergkcben Frei bei titbriefe eine Verunecb- 
tung erfiüen haben^ wird wol njeniand m**fir zweifeln können; 
unentschieden hingegen ist die Frage geblirb^n, wann liii; Fäl- 
echung geschah? Vieltejcbl wurde sie wal nur deswegen nicht 
enUchieden, weil Watlenbach und Cliniel zu «ehr an den Extre- 
men feiilhielten. 

Diese Frage kann aber auch ohne den geringsten Nach I heil 
der Geschichte unerledigt bleiben; denn nicht von der Frage, ob 
die Fäbchung zur Zeit Ottokar's oder Rudolfa IV, geschah, hängt 
die Entscheidung ab, welches die slaatisrecblliche Stellung der Bä- 
ben berger zu Kaiser und Reich gewesen, sondern von der Frage, 
ob die bestrittenen Privilegjums-Urkunden von 1058, ILSe, 1228 
lind 1245 in iliesen Jahren wirklich vorhanden waren, odi-r nicht? 
Von der Bejahung oder Verneinung dieser Frage hürigt es ab» 
ob die Geschichte der Babenberger so oder anders Hufgefarat 
werden niuG^; ob Österreich damals eine mil allen Reichst« rliöll- 
nissen im Widerspruche stehende 8ondrrsleflung einnahjn, nder ob 
es mit dem deutschen Reiche ala dessen östliche Mark in einer 
lebendigen und harmonischen Verbindung stand 1 

Also nur um die Gescbichle der Bubenberger handelt es 
sich; nur um die Frage, ob die Privilegiumsbriefe, deren Ursprung 
man bisher zu dem Datum hin ansetzte, das sie an der Sirrne 
tragen, wirklich aus dieser Zeit herrühren, folglich ob %k auf 



2M Beitrage lüt öslen. Geschichte, v. A, Jäger, 

die Gestaltung der staatsrechtlichen Verhältnisse des Landes Öster- 
reich unter den babenbergischen Fürsten einen Einflufs übten oder 
nicht t Um die spätere Zeit fragt es sich gar nicht; denn wenn 
sie auch schon unter Ottokar, vielleicht in den siebenziger Jahren 
des 13. Jahrhunderts, entstanden, so erlangten sie doch bis in 
die Mitte des 15 Jahrhunderts eben so wenig eine anerkannte 
staatsrechtliche Gellung, als überhaupt von ihnen, mit Ausnahme 
einiger Versuche Rudolfs IV. ein öiri>*nllicher Gebrauch gemacht 
wurde. Erst Kaiser Friedrich IV. erhob sie 1453 zu dieser Gel- 
tung; und von jetzt an bildeten sie, vom deutschen Reiche an- 
erkannt, eine der Grundlagen des österreichischen Staatsrechtes. 
Die Verhältnisse der neueren und neuesten Zeit berührten sie aber 
gar nicht mehr, wie diefs auch einer der eifrigsten Vertheidiger 
ihrer Echtheit, Hormayr, anerkannte, und mit folgenden Worten 
aussprach: «<Die Frage über die Echtheit der Privilegien hatte 
eigentlich niemals ein haarscharfes und wahres politisches 
Interesse, verlor aber selbes vollends und wurde rein histo- 
risch und blofse Antiquität, seit die pragmalische Sanc- 
tton, seit der Fufsner-, Aachner- und Teschnerfrieden Bayerns 
und Österreichs Verhältnis auseinandergesetzt haben, als seit Auf- 
lösung des Reichsverbandes von Österreichs Pacißcation mit den 
Kurfürsten und von semem Condirectorium im Furstenrathe keine 
Rede, seit vollends durch die Verträge von Paris und Wien 
eine ganz neue Weltordnung eingeführt und befestigt ist.'^*) 
Wien. Albert Jäger. 



*) Chmel in deo Sitz. Bericht. Bd. V. S. 813. 



Zweite A b t h e i I u ii »:• 



Literarische Anzeigen. 

Beilen nyelvtan. Irla Lichner Pal, a Pozsonyi eranp. £y- 
eeumban a classica philologidnak tandra. Mdsodik diäoi^ 
gozott kiadn». Pozsonyban 1863, 

(Schlufs der Anzeige im III. Hfl. S. 200 ff.) 

Nach diesem Excurse über die Nnmen «stark und schwach* rar 
Bezeichnung der Tempusbildungen griechischer Verha kehren wir zurück 
SU Bemerkungen über einzelne Onrichtigkeilen in dem vorliegenden Buche. 

$. 188, 5 beim Perfectslamme halte auch das Fiit. 3 erwähnt wer- 
den sollen. — $. 189 ( im Optativ ist nicht «Bindevocal', sondern, wiö 
Curlius richtig angibt, Charakter. — $.192 die früher gerügte Beget Ober 
die Entstehung des Circumflex passt nicht zur Erklärung der Accentuation 
von iatditog u. a. — J. 193, 1 wird behauptet, dafs in zusammenge- 
setzten Zeitwörtern der Ton nie über die Sylbe hinausrücke, auf welcher 
das erste Wort ihn vor Zusammenziehung habe, also inodog und nicht 
Snodog, Die Regel, welche auch in anderen Grammatiken, z. B. von Cur- 
tius und Kuhner vorkomme, ist gleichwol nicht richtig; es wird ja Ttd- 
(faaxe, iidtaaxSf nicht nagdaxe, natdaxe betont. Will man einen Grund 
für die Stellung des Accenles in den Formen inodog , iniöxsg u. a. an- 
geben , so mufs er nicht in dem Accente der Präposition , sondern in der 
ursprünglichen Endung jener Imperative &i gesucht werden; diese Endung 
hat sich zu g abgeschliffen, aber der Accent ist auf seiner Stelle geblie- 
ben, gleichwie man ofioim^ijvai, ri^ivai u. a. sich^'rlich aus keinem an- 
deren Grunde betont, als weil die vollen Formen ofioimd'iifisvai j xid^- 
liBvai u. a. lauten. Hiernach ist es auch zu beur theilen, wenn in doppel* 
ter Zusammensetzung z. B. awitidog und nicht avvsudog gesprochen wird. 
Weiter (3) sagt der Hr. Vf. mit anderen Grammatikern, dafs der Accent 
nicht über das Augment oder die Beduplication hinausrücke. Allein für 
die Beduplication im engeren Sinne bedarf es keiner Regel, einfach darum, 
weil man gar nie in den Fall kommt, eine solche anzuwenden. Im wei- 
teren Sinne hingegen wäre die Regel sogar unrichiig, da §tgnnn§ und 



äö2 Helien n^eMfm Lithn^r Pätm^ anp. v> h\ fiatder^ 



Dicht ifffWff« u< a. «u betonen ist — % 194^ 12 wird iuf 133 verwfe 
sen; aber die Acccnte von ^n6So^^ anril^ov, awi-A^og b<?slimmeii sich 
nach aniifr*»n Regelri, als i\w dvr Innieralhe äntiitt^ nttgsX&f^ von denen 
dort die Eede ist, — Nach $. 198 hoN da» mtgmenium temp. dariQ be- 
stehen, dafs der kurze Voc^I des Verbalsiainmes durch dasu^llie vtrL^ngerl 
werde. » wodurch lUn Worl um eine mora {Mngmertnnf idü (artammfiiy 
anwachse. Abt^r wenn ßt, ev^ ot in iji ijv^ o» verwaudcH, odt*r von IXji, 
f^TF u. a. itln^QVj $lnctoit gebiklel wird, lo leevvjniit tlns Wort dadurch 
keintti neuen ZeiitheiL — i, 203, 4 aipirifti, xet&^u»^ ijti&taßai ^ äf*- 
^tivw^ti haben nich^ wie der Ur. Vr behauplet» bald ein einlacheSf |j;i]d 
t^in doppeltes Augment | sondern nehmen das An^ment entweder vor oder 
nach der l^rÄposition an* — J. 20S ist der Trrmiuns «schwach*, f, 210, 
225 der Tt'rniruiis aCharakter» unrichtig und im Widers^jructie mit der 
aoüitl iti diesem Buche vorausgeseUlen Bedeutung augewendet. -^ $* 213, 
5 wird ohne Eiuschränkung angeg<?beOj dais ihr Vocal * von iSlammi^n, 
die auf X, #i, V, ^ auslau Icn (i, ^, v, g JeitemÜ f tMimg%4 igcH) \m 
2, Aor. in of verwandelt w^rde. Das ist aber bek-inntlich in Bt^^uÄ auf 
tweisylbii^e Slamme wie myytl unwahr, — 5' 242. 3 das piu^qunmp. 
^%7i%Q$iv soll ein mi§m. MpUab. (s%ötaga$ eMtfig) halieitf — {, 24&, 
i^nm, 2 ist neben niyt^tyiUj nimgifiai auch ^tc^aj'xa, fti^avftai ein 
Beispiel dafiir, dafa die auf v auslautei^den Slämnif, welche im perf. oct 
da» V abwerfen, dasselbe ebenfalls^ im psrf. fneä. u- pttss^ nicht dulden 1 
— j. 252 wird in einem Alhemxuge ausgesprochen, daf»; die Endungen 
ohne BindeYOcal {kifhang neikäf) an den starken (2.) Passivstamm 
treten , und dafi im Coiijunct. UogkH6ban) das e drs^elben mit dem 
ßindevoeal {ß käthmiggiti) zua.immer#ge£Ogen werde I Gurtiu» sagt 
hier ühne Widcr?;pruch «mit den Vocalen des CoiJJunct." Etnas andere« 
ist e«, dals jener Vocal im COfifunci. aon pUfS., ebenso wie im €üf{juncL 
prttes. und mr. tl der verba auf fit allerding» einigei Bedenken erregU 
Wach der Ausiihl des Tief, haben ti^^iL&Vy iidtiäoij ^Sftai u. «. f. Binde- j 
voeale, ähnlieh wie die Formen der engten Conjngalion , i. B. ufiä^tp^l 
^üimai {v) u* a. Wenn aJsn die Crarnroatiker behaupten, dafs in der] 
2. Coujug. die Endungen an die Präsens- urd Aorisfstamme ohn0] 
Bindevocal gehangt werden, so dürfte das nicht in aller Sirenge Wßhf\ 
sein. Auch in der Grammatik von Curtius §. 302 findet sich in detn ' 
Puncte noch ein Wider^ipruch* H, L. Ahrena in sei Der für die wifsen^ 
Schaft) iche Forschung t»edeülsamen, aber für <lie Schule nicht empfehieiis- | 
wertheu Formenlehre des hom. u. att, Dialekts (vgl üymn. Z^ilscbr. 1853. 
S. 263) nimmt für die fraglieheti Furmen der 2. Conjug. einen Modus- 
Toeal an, keinen BindevoraL AlieitJ es scheint beinahe, als ob er hierliei 
ober einen ohne Fug gemachten ünlerscliied zwischen starker und schwa- 
cher Flexion dur^hgeführl^ als die sprachlichen Erscheinungen unbefange- 
nen Blickes beobachtet habe, 

$* 262 — 264 wird in einem auffallenden OegeniatEe zu den «ontt | 
illerwärts übersetzten oder heu Hüten Büeliem von f.nrtius und Krüger ein 



Belien nyetvtan Lichner PäiMi, aiig. v. K. Haider. 293 

sogenanntes vollständiges Paradigma (telj^i rago%iui miniä) «n 
%6nta aufgestellt. Der Hr. Vf. mufsle doch wifsen, dafs ein so willkür- 
liches Verfahren mit der griech. Sprache heutzutage von allen Sachver- 
standigen roisbilligt wird, und dafs es nicht zu entschuldigen ist, wenn 
man Schuler Formen, wie monco, %on6(ievog, %oq)d^aoifirjv u. s. w. nadi 
einander herleiern läfst. Würde es ein verständiger Magyare billigen, 
wenn er in einer magyar. Grammatik neben tag (er schlägt) und vdgatih 
(er wird geschlagen) als Analo^on eines Mediums auch q.vägiH, er 
schlägt sich^ aufgestellt sähe? Das unbestrittene Recht, welches jede 
lebende Sprache geltend machen wurde, willkürliche Phantasieformen von 
sich abzuwehren, mufs auch bei der todten Sprache gewifsenhaft respec- 
tiert werden. Kruger hat in genauer Befolgung dieses auch von ihm 
S. 127 ausgesprochenen Grundsatzes diejenigen Formen, die er (natürlich 
nicht zum Zwecke eines vollständigen Paradigma) blofs nach der 
Analogie zu bilden genöthigt war, sorgfaltig in Klammem gebracht. Dafs 
diefs von Curtius bei i&idcnv , i^riv, iScuv.,. nicht geschehen, scheint 
ein blofses Versehen zu sein, das der Hr. Vf. in seiner Grammatik S. 106 
hätte berichtigen sollen. Übrigens hat die Aufstellung eines vollsländigeu 
Paradigma noch zu einem anderen und zwar sehr argen Misgriff verleitet. 
Formen, wie ningaxcij rizgitpa rechnet der Hr. Vf. andeiwärls mit Cur- 
tius zum starken perf.; im vollständigen Paradigma hingegen ist %i%oq>tt 
als schwaches praet. (gyenge mult) bezeichnet. Ferner zieht er sonst 
das «, dasselbe nicht als Bindevocal betrachtend, zum ersten Aoriststamroe, 
und theilt demnach 5* 223 wie Curtius ab : i-lvaa , i-Xvaa-fisv u. a. ; 
aber im «vollslSngcn Paradigma' sehen wir i-Tiotp-a, i-norff-a-fiBv abge- 
theilt. — S. 106 werden im Paradigma der veröa auf (it, die Formen ti- 
4^H%€Cj 9matD j iatiq^m u. a. gerade so angefri2t, als ob sie zum starken 
(2.1 Aoriststamme gehörten. — S. 109 steht ^fit und zgifo mit falschem 
Accente. — Zu den Verzeichnissen von S. 115 bis S 121 folgende Bemer- 
kungen: nsxQifiauaij igofiai sollten als zweifelhafte Formen nicht vor- 
iLommön , und iiBvx^rjv als seltene Form bezeichnet sein. Wider Oebur 
ausgelafsen sind : rifiagti^d'riv, tjv^tJ^tjv, tXda^rjv, iyvdad'riv, itQ(6d"qVj 
iva{fj)X(6^riVj iiied^od'riv, ifficpTjv und ifflcpd'rjv, iSsT^d-riv, rjSiad"riVj 
hvTtriv , igid'rjv, coqp^i^r, inod'riv, rjvsyyia, iffi^d-Tjv. Den unregel- 
mäfsigen Zeitwörtern der 5 Cl. (nach CurliuS), deren Präsensstamm durch 
av sich erweitert, wird auch das poet. rBvx(o angehängt. inccvQsa^cci 
hat unrichtigen Accent. An verkehrten Stellen stehen avsßicaaaiiriv (als 
ob fiit.) , ^yvcoa^ai (als ob zu ^gdanoo gehörig) , %a&edoviiai, (als ob 
perf.). Bei ft^yw/nt und (lnt(o sollte die Quantität des Stammvocals be- 
zeichnet , endlich nicht iXsvd' , sondern iXvd" als Verbalslamm angegeben 
sein — J. 293 wird rücksichllich der Zeitwörter, bei denen ein schwan- 
ken zwischen der irUr. und irans. Bedeutung stattfindet, wie bei tarrniij 
behauptet, dafs wenn nur eine einzige Perfeclform vorkomme, diese ge- 
wohnlich (rendszerinf) intrans. sei. Welche Ausnahmen gibt es 
denn? höchstens SidvAa, das jedoch sehr selten intrans. Bedeutung hai 

ZsiUehrift fttr di« öiterr. GymoA«. 1854. IV. H«ft. 21 



I 

I 



Sfl 



JfHi*'fi Hff^/rfttn Liehner PffimU -inj?, v. h fhttifer. 






(a. Krüger S» löO). Es war an dem voiv Curlius gel irau elvi tvii AustJiLrl^e 
nichlfl /u änd<?ni. -- }. 295 in den Jilph; 1j. Veizeiehnis «uurtf gel hipT fei- 
ger Zeil Wörter^ {reutlhagyö (geknek.,. 8orü%ain) lial \\tx Jlr. Vi 
,4afl tnil ebensoviel JlüUe als Gf schick von Krüger niigeferligte Verieirh- 
nia fast ilnrcUgch^jnds heiiüUt^ ohne, wie Ref. Ärhon frulier rugle, «t'i- 
ties Gewahrmanncs nnl einer Sylbe £U pedenkeiu Wie un.«*tallliafl \\u* 
VerSntlerunpen sind* welche tler llr, Vf. vivri^ei-onimen hal, mo^rn cinn^e 
Beispiele steigen t ij^a bei Knif^er riebt i]^ als seilen, bei ilrn. LirKner «I» 
[i|M)eU Forro; i5**^ t^^< Kruger »la iweifi^lljaft, bei Liehner Ah selten oder 
tpaterE Lei Krfifier als gewolmliehe alU Formen ivaip^aoftai ^ iwmpiffm, 
bei Lirbner alviata, tthlcopi&t (?) — bei L. , nicbl bei Kr., ^pjjcJÄt (?) 
als spalere otler selleiie Form — Krüger bejEeiehuet d»is Meil vou fiff^Gi 
&ls dji8 des IntereMse (^Imbe mir**), L. sehreibl nur k&iip {med } — 
Bei L.f ttichl bei Kr* intxiitt^ als gewöhnliche alL Form. — ^Ui^^tc 
bei Kr, als hom. Form in Klamtnern, bei L. gewöhnliche all. Form — 
avukü&i hei Kr. drara. poel. , bei L allg. poeL Form. — S. 1X5 wird 
i%^m als drara, poet. umi S. 12B als poel. bezeichneU — i}pvij^jaVij# 
bi^i K^ poel. u. spatere Form^ bei L. gew, att, ; ferner sieht noeh uqyio- 
^^i ts%. {depone/is pasi.) was nieht richtig ist, falb -^QPJiü^fijjv = 
^^vi)^*, — ^^jTÄlist bei kr. unaltisch, hei L* seh. od. spat F. — 
^Qjttty'^v hei Kr. sjiäL F., hei L gew. all. — neben fi4Xtotifit}p Aleht 
«jüil/tf'&j^v , so dafs man nicht weifs, oh die letztere Form aneb med. 
oder ob paS3. Dedeulunß bal. — atpv^ioj t'(pv<?K, ij^tWjwi^r hei L, 
gew. att F. — pof^^w hi^i L. gew. all. F, — jSfßi'erff^ar bei Kr. meisl 
poMS., bei L. ^11**. u. /r/r/ij, — ßito&noiiat bei Kr. in Klammern, bei I.. 
^ew. alt. F. — ytt^vcfao.ucft bei L. wie ein fuf, mit ^r^., sbilt mil med. 
Bedeutung. — Bei SiSgciiJTAm sagt L nicht, daf» e» nur in comp. |;e- 
brauch lieh «ei, ^ dv© und S4vGi bei L, nach ihrer trans. u, itUruns. 
Bedeutung nicht geschieden. — (fxro (bin ähnlirli) bei Kr. in Klammern, 
bei L gew. aü. F. und dann d-^Qg mit falücliem Acoent. — Ungenau 
hX L, bei tÜQfm und Bf^yw^i — l^vw^i^t bei Kr, poct, > bej U gew, 
,U. Form. 

Das Vertetchnis der unregelmafsigcn Verba gibt dem Ref, nocb eu 
Ewei allgemeinen ßemeilnngen Anlafa, welche nicht nur die vorliegeude 
Grammatik hetrelTen. Wenn man dasselbe eben ala Verzeichnis der u n- 
regelmäfsigen Verba übLrsehreibt, so sollle der blofsc Gebrauch der 
medialen Form des />£/., z. B. bei üitiinam^ GnovSa^m u, a. niehf hinreichen, 
ein Verlium in dan^i-lbe aufzunehmen ; und wenn man Verha wie d%Qoa- 
O^Ätj ßl^Tttta, Y9^W^i SmgiQft^m, ijyfo^«* u^ a* in., den unregelinafsigen 
eiugereihl sieht, welche Verba »ollt-n ileim für rcgelmäfsrR gellen? — Der 
der lal. Grammatik enlJehnle Terminua: retAn depoueuHn führt bei der 
m«nnigfalltgei» Mischung aciiver, passiver, medialer Flexion, dm wir in 
dem ganzen Bereiche der grieeh, Literatur kennen lernen, tu mancherlei 
Schwierigkeilen, ohne irgend einen nachweisbaren NulEeo iii bieten. Nach 
Curttus Erklärung hierüber $. 482: ^Die Deponeniia veitheilen i^ich unter 




Hellen nyefrtan Lichner PAltöl, an?, v /r. Haider. 295 

die verschiedenen Arten des Medium und untersclieiden sich von den an- 
geführten Verben nur dadurch , dafs ihnen kein Acliviim zur Seite steht* 
mufste man z. B. in den Formen des Stammes Iqx mediale Bedeutung 
suchen. Solche Versuche sind aber da, wo ein Activum zur Vergleichung 
nicht vorliegt, um so mislicher, da schon in manchen Fallen des Neben- 
einanderbeslchens activer und medialer Formen (z. B. olm und oloiiai 
bei Homer) eine bestimmte ünterscheidunfc der Bedeutung nicht ausrühr- 
bar scheint. Hält man hierbei genau auf die Bestimmung «dafs ihnen 
kein Activum zur Seite stehe/ so solllen die auch bei Curtius beispiels- 
weise angeführten tpoßiofiai und avocßtmaaad-ai, ihnen nicht beigezahlt 
werden, und findet man gar in Grammatiken und Wörterbüchern ngi- 
futfutij diofutty loidoQBOiiai, inavQloTLOiiai, Fsro/xat, anaXXaxxoyLtu u. a. 
m. als Deponentia bezeichnet, so erkennt man leicht die grofse Unbestimmt- 
heit, in welcher dieser Terminus in die griechische Grammatik übertragen 
ist, und die Nolhwendigkeit, entweder ihn strenger zu beschränken, oder 
— ihn aufzugeben. 

Die Wortbildungslehre ist beinahe ganz aus Curtius über- 
setzt ; es ist daher an derselben nur weniges auszusetzen. Fuglicher 
weggeblieben wäre die von Curtius abweichende Fafsung des Einganges. 
Dann heifst es $. 297 , Anm. 2 , dafs die vocalisch auslautenden Stämme 
diesen Vocal dehnen, als noiB^ nolrjfia . , . . ; Curtius sagt richtiger: «sie 
dehnen gerne den Vocal.' — $. 308 Der Hr. Vf. : «xo-g tritt meist mit 
einem Bindevocal an den Stamm,* Curtius besser: adurch den Binde- 
vocal i.* Der Hr. Vf.: «Es bildet von Substantiven (/SneveköSl) " • - 
Adjective: ßaaiXiXog , . , ^^ Curtius richtiger: «von Nominalstämmen.* — 
$. 311 ist nizvondiintrig an unpassender Stelle eingeschoben; es gehörte 
xum folgenden, wie Ix^otpayoq, — $. 316, 3 wird den Beispielen von 
Curtius noch notx^onxovoq , naxf^oiixovog angehängt Ref. hat aber das 
fnyfparoxytonon in dem gleichen Verdachte einer unberechtigten Analogie, 
wie oben firjxQOtLxovog. 

Die Lehre vom homerischen Dialekte, welche der Hr. Vf. 
selbständiger als die anderen Theile des Buches behandelt hat, beginnt 
mit einer kurzen Erklärung des Hexameters. Da stehen nun eine Menge 
magyar. und griech. Kunstausdrucke, aber der wichtigste nl^ansxffog* 
fehlt dennoch. Oder mufs ein magyar. Jüngling diesen Namen des Verses 
nicht eher kennen als die anderen: äosi vers, haimärel4 lengedl pers, 
kalos, iiQai%og axC%og. Auch sollte der tertninus ^caesura öucollca* 
nicht fehlen. Gegen die Definition der Cäsur als eines Einschnittes in die 
Mitte des Versfufses, ohne den Worlschlufs am Ende desselben mitzu- 
begreifen, hätten die Bemerkungen G. Hermann's £pll. doctr, nutr. p. 21 
{ed. H) beachtet werden sollen. Was später $. 320, 2. Anm. 1 an ganz un- 
geeigneter Stelle über rmU, cum liqu. behauptet wird, könnte etwa zu $. 317 
angemerkt sein. Nur darf es nicht schlechtweg heifsen, dafs mut. cum 
ilqu, bei Homer Position bewirke ; in der Allgemeinheit gilt diefs von yLvv^ 
mit p hingegen bleibt die Sylbe oft und mit X hie und da kurz. — Die An- 

21 ♦ 



2m\ 



.Ifeilm meMtfU LUhner Vämh f*i»|£- v. h ÜnUhr. 



gäbe, ilafs der 5. Pufs lies l|*^x. «elU^i ein SpoiMleüa soi {rUkäu iffsttt} 
Pill ^ül filr Virgil; Oviil u ». Jiiloi ti isr-ho IHflifiT^ aber niclil für Mmurr 
-rirhlig, und eiillinJt iine lingenauifikcK, die iu einem Schulbuclie auf diiK 
ii renkst p viTirieden werden mQrsle* 

Rlvlirere Formen, iMt- w oder der bomer. Spniche angdior1er>, doch tu 
dtreii Krl-'(utiiun|ü; ilifiitu, miilÄkii wrj; bleiben ah'. Säfio^^ ^läv^ vr}vg {evM 
bei späL Kpp.) va^s (^ttog, v^t.,..), ij^'p, ngieaatv ^ tGßtaVt xotfOfe», 
irfvTT^Moatot u. a. ^ Der Afitibrfiuch griecliiscder Ktinst ausdrücke isl hier 
mit neuem iVaelidrueke ta ladein* Man liest! ^it^fta MttniBovtti^^ nata 
etivai^iüiv iJäJ^tHijv, JtOf(jOfy(nyj5 ^^^oJlfKij^ ovyxojf^ ßotcortxfj , ffj^^ff 
7|3pxfto*' u, ä. Wozu säolchen PHller in eine ^hechisehe Schül^ratnmatik f 
f. M^ wird auf die Vocaldehnun^pn wie ftw-off, v^fi^^ u. a,, dagegen 5.331, 
Annh 2 auf die Formen i^lo l sollte als tribffichys wie liei Rrü^er fingt* - 
klammer! seitiX 0^0, fo eui und dursi'lbe ierminm n^i^^if^tg'latvi%^^ an- 
gewandt, -- $. 32(\ 3, Anm. 3 nli!in Plummer Consonant wird manchnm) 
dem folpiMiden a.ssinnlierl ,,ÄOtfa^;" ea Bollle werugsl^jns wie bei CmHn^ 
hetr»en «dem nnchfoliksciiilen g>^ Anm, 3 ^Fin mil Jlj ^, v, tf anfangeodes 
Wiirl iferlaiigerl die vor ihm stillende knrze» vocaliseli anglautende f^ylbe. . ,* 
Das geschieht regelmä/sig nur in der Afsia, in der Thesis ist es sehr Rel- 
len. — 5, 3*i I stehen als der c o * o n a n l i s e h e n lledtnation anf^ehörig 
aueh die Beispiele Tjtpi pir^iptf iüiagotpi, itqct^giJTpt piqtpu — j, 323, 2 
ilehl, dflfs tea im gen. sittg. i^thcL meist Uö^tnffire} nur einfiSyHie 
bilde; allein hier findet die Synizesia ohne Aujsnahine statt. — f. 325, 3 
»nie Elldung des düi. pinr, {S. tieci.),.. isl für die vocaliscli auslÄU- 
lenden Stamme fffft;* aber TtoXhaai^ aoTt^j^maGi^ tiiivißüi n. &.f — 
}. 326 werden 'Jtiijg , KvS^fdnodov ., ni^oatänov {'^MSttg. . .) der Hetenj- 
kltsie beigezählt^ wiihrenU üben §. 125 Sh^gotr nrhfis. als melaplastisehe 
Form slehL Umgekehrt steht hii?r oxQg als metaplasiische, und obm 
0)t6tQ^ Ah heleroklilUch* — J, 330 beifst es von mehreren antfperöien^ 
und uConjuncfionen^ itls tthi^ Iv^üd^ ^ tTviy^u {isl prttep,}^ 6tpp& u» n., 
STB seien specielt {ßt^äliag} homer., oh^chon sie niehls weniger als der 
lindp — S, 331 sieben unter den abweiehemlen (el/erS) Formen das 
perM^ pr^n. auch vt^ und a^nj^ als ob diese Formen blofs bei Hotn. und 
nicht auch bei den Attibern vorkämen, — J. 333, 1 „Oie Persona Isumte 
für acL sing, ^i, o^ä, m (v) finden sich nirhl nur tiei üeföh auf |tn, 
sondern auch bei den übrigen im to^/,, im opL seltener,..» Diese drei 
, findungen werden hier ohne allen Fug jEUS-iminenf^eslelH, Die Endung fit 
Mndet sich im opL der verö. auf oi nicht seltener (ßg&eHen) als im 
Ic^, , Bouderii als die gewöhnlich© Portn bei weitem öfter; die Endung 
l^&u ist allerdings seltener, denn 7tgotpvyotc&c£, %Xtx£ma&tt, ßdloia^a 
Ucheineu die einzigen der Art zu sein, die Fndung ff* (p) aljer findet sich 
|iin üpi. gar nicht, wenn man nieht dm angezweifello Form na^txip&ui^iH 
Ol K 34Ö) dafür gelten läfsl, 1) Steht für dis Endung imq dtk^pitisqn, 
*iff- ^) gehört lu den Endungen der Nebenzeilen so, iv, ao auch noch 
ffl- — Nach 5, 334 sollen die Bindevocale des con^, ij und m nur in der 



f mUen melütim L ichner FMoi, ang, v. A'. äaiäer. 2?I7 

ßenutmm ißigti&m s2o/ag^m) verkürzt werden, tenea wir dentt nicht 
II. i 87 otpQix qj^iofifa-^ff? 2) «Jede Zusamaienätiehuftg ist ^erdehnbar 
Ü^itüHlitUo)! tnUu...^ gan« falsrh; wenn eine Form nicht coiilrahiert 
1 mril, m jsl daü keine Zerdt?linun^ {n^ronm) me Lei o^om; fcmtr kaiui 
li«.kftniilLrh die Zusammen 3^ iehiing nicht überAtt aucb nntei bleiben; Ja ^e^eii 
dni^tVy Ik^i^ip^ ^yttysetv u.a. »Inirel scbon das JVIclrum. 4) 9UK In* 
I firiiliväurüxe Bind: uv^ p&if fiivaij fiiv mit einem «cbarf (') betonten 
I ItindevoeaL' l^rslena passi diu Augnbe de*i Accents ntcbl zu Formen wie 
I ipogijvmi^ Ewcitens mnd in avüß ^fifvoct ^ yvta^ivatj t^&vdftBvat u a. 
I 1/, OD, a nicht Binde -^ soaderu ÖUimmvocale. — J. 3.56, 1 «Ihe nicbt 
5iugmenÜerleo einsylbigen Wörter mit langem Vocal sind perispmntnQ^ 
ausgenommen xfi* vis ^^^ einige Parlicipien,» Was hat denn dht Aug- 
ment mit den letztgenannten Formen eu schafTen ? — {, ^^^7» ^ aKarfo}, 
vatxfoa, Iguto, tavujai tiiteteii das sj^mal. Ful. nnd den aoT, mit e u* i/,„* 
Was bejfsl das? Diese Zeitwörter sind nicht die einzigen, die üew knrjteti 
Vocat behalten. — J. 337 » 7 ^^iur xix^Tna ist ein aipirierles i^tfi// 
I Homer hat die Aspiration nirgend», da In xizQtiia uM'fxiz^ot^u die Aapi--, 

ratinn stammhaft, und nicht ein Mittet zur IVnvpusbildung isl. 

I J. -IfiS wird für Formen wie nk^to^ ^Q'^^^ ftiintto u, *. w, der friiher 

I tiiiil mm Thejle jetzt noch gangbare Ausdruck »yncopierter Aorist pe- 

I braucbt* Altein schon Fr. Thifcücb hat gan^ ricbttg erkannt , daf» die 

I Endungen in diesem Aor, nicht anders al^ im per f. und pltisqu. ffoss.y 

I A, b. von jeher ohne Bindevocal an den ^tamm gefügt waren* Das 

I Wort ir^jrncof^e™ passl also nicht- Gleich den genannten Formen möchte 

man folgericblig mit IJuitniaim auch die dcK 2^ aar, act. ^ßtiv y iivif^ 

ja sogar tC&initf d'^dcopt u. s. w. samt und sonders als «yncoptert anoeh- 

men. Dahin führt wenigstens die Bemerkung Hnttmann's in seiner kl«ine- 

reü Gr. (13r Ausg. §. tOö« Anm. 6); «Da die Grammatik von der längeren 

Form« als dar gewöhnlichen , auszugeben pflt^gt, so erscheint die kürzere 

i\h Syncope von jeuer," Atjer in dieser Allgemeinheit angewandt, iwengt 

der Sati sprachliche [Erscheinungen offenbar in das Joch einer Theorie. 

Iss kommt zunächst nicht darauf an, wovon rfie Grammatik ausgehe, 

•omtern die Frage ist, ob das, wovon die Grammatik ausgeht, in der 

[wirktichen Entwicketung der Sprache begründe und nachweisbar scL 

[in uriserem Falte nun ist ein solcher Naehwetn unmögtich. Wir können 

[die «ri«ch, Sprache in ein hohes Altertum zurück verfolgen, wir finden da 

tiiibesondere die Verbalendungen und die Art ihrer Fugung an den Stamm 

I leineswegs in einem Zuslaiide der Verwitterung; aber wir sehen nicht, 

dafs der Bindelaut frülier zahlreicher, und in der Sprache auch nur die 

I geringste Neigung denseiben auszustofsen gr-wesen sei. tm GegeutbeiJ, 

I gerade sehr allertüinlicbe Formen, wie von d^C, -iJ^*, olöa u. s. v¥., die 

laleo Grammatiker noch am meistert tm Schtüfsen auf einen vor^üücbiebtticben 

[j^ustand der Sprache berechtigen, ermangeln dos BindeJautes« VVie die Saetien 

t liegen, müfi^an £wei Bildungsweisen, eine mit Biadelaut, diu andere ohne 

denselben neben einander angenommen werden^ ohne dats miu geivaltsam , 



2!)S IMteti uy^itlün Litauer f'äUflt^ nn^* v. A. iltttfier 



iliti öine aus der andtsreH 2U erkilin-ß und herzukjten versuch^u ihtrt 
Buttinanii vergleicIU lur Hrlauterung seineP Auaicht die deutachen Fcti^nipn 
«lebest, lobet p* utrbeii lebsL, leLL» Em unglücklicher Vergleich, schall 
darum, weil er sich mit abgeschliffenen Formen befafsi. Im GoiIk 
aber gilt ei kdn entweder oder, soitdern sieht einfnch: lidetir, tibaith. 
Vergleicht oiAn das Deutsche lüehL bloT^t äbetllAchlich, dünn laulel der 
Vergleich nichts weniger als ^äuKÜg filr die ßfiech. Syiicope, Auch in 
diesem Puncte halte der Ur Vf. wo! gelhaii, sk-h t-iunich an Curtlus nch- 
lige Ansieht tn hallen. 

S- 341 wird ein Verzpichnis von hom, Verbiirormen aufpcstdU. 
Wenn darin einerseila Müht? und guter Wille des tlrn. Vf/s t\i löbeu inl, 
so muH anderseits die Kritik dooh zugleich atif mehrer«: Mängel aufmerk- 
Mm machen. Vor allem ist das Verzeichnis nicht vorisläiidig genug. 
Ganz übergangen sind t, D* die Slämme: uu^ aÜ, a^x» axf, aXa^ «Äiw, 
ijjlf» ^fiftßf ÄVflfiP, mvSa, yvojf Öaivv^ ^fjfj Sj\ öi ; vom Sl,imme ä$i 
ftollle elw.i vorkommen: ät^Btiaj ÖB^ctüd-at, tdäfiefv ^ äeCaag ^ deiüetf^ 
dsüf^tuctj diiSta^ ^sii'turtf iiidi^fiff iSiidttrav^ 6t{äi&if Ssi3£jasv, inSto- 
tüg u»s.w. I vom Stamme tp^t'. <p^iyg{7)j fp&£<foprai ii)^ tp^iset^ tp^taat^ 
tp^ina t ( r ) (cof^. ) , (p&tofif C^a ( tßftj. ) , ^<p dir o , ^&ititifog ^ tp& le^ijt t , 
^(p^ttatf f(p'&t'&*v, ajroqp'&/jU.fjf(t) {opf,}^ &tp&tTOg* In BcIrflT cKt beban- 
delten Zeitwörter halle der Hr. Vf. sich utn nu^hr, und um Korrnen 
sämmt lieber Temporalslammc bemühen sirUen. Sn vermisset man t. U, 
iura Stamme äy£iQ die Fm. v^yeiga, cty^gd'ijt ^y^Q^tif^ ttyr^yi^ctto; zum 
St, p t£ liw Fin. ßi^cff 1 ^tjcroTTo, ßf^ijxEt^ ßijaBnxi ^ ^ß^-* ß^-t ß^"*^-» P^^^i 
PjjfffTO, ßi^fifvm^ ifißißuGdv ^ zum St, ßaX ßäl§ ^ ßultCv ^ ß^ßl'qxHf 
ßtßXritit^ P^pii^atat^ ßliq^evag {ß&ßoli^iisvog ^ pißol^aTtf)^ ßtil^To, ßa* 
AfjTCft; jum SL in ivv^fte^ ivtnovt^g^ iv^T^oiat^ ivtaniiv , ^vittftHj 
ip{0not^ hi^nji, $vtanB (fmp.)f zum Si. 1^ ig im, i^iet^ ^^lotTfft u. », 
\\\ , if^tlofLBv , igiotßi j ipiovxa j igioj^at , igii&^ctt , rjgtto j /^f (F^cei, 
ii^toitt&ctj ^gotxQ, ffi^m, fC^eai^ ft^co^f^tn, f^po|if ra> « ^i^optQ fund 
^^♦l^^nlT. von igiiiv und ii^t&ta)i jtnm 81. ji«0" imntv^to, i^t%tvaii^^ 
%v^Bt ntuv&iaaii zum St. fx FJofiofi , rxd^ijv, fKro, fxjuivos ; zum Kl- 
xcfl Xfxlijöro, HfxAjjffOJ^rctJ ; zum S( xf^cr ^ijrix^jj^roft^ ni^&ifim (xt^- 
ycj, x^flvij, Jx/pi'csf); tut}} SL x t of xfafifj^ctt, xtra^fvog, ittta^fv; zum 
SL tf X I d ffx^dfvÄTÄt j ia%iSv€iyxo (imi^vctto ^ xt'dFaTcfi)| £ijm Sl. ffcö 
aamet f ^u^xj^ott y actm^jjvat ^ zum Sl. T^^n hgaitfVj xpci^ö^tj^oi, 
rpcf^^^vort , «rflÄ^pof-a-* To) , (t^omfoy, frpajrtoyfft) ; zum SU qi^ CC 
^^ijv^ tp0'dv^ 'P*'ä]7i tp^&lqv \%. s. w., ip'0'?j(yoj'rat. Diese tJcispiele sol- 
len nicht erschbpfeml sein, sie zeigen nur, welchen Weg man eiwa bei 
Anfertiauiig einüij solchen Verzeichnisses einzuschlagen hat. Namentlich 
gehlelei es das ehrwürdige Alter, so wie die Eigentümlichkeit der hom, 
Sprache, keine Form aufzunehmen, die in jener wunderbaren Dichtung 
dea beüenischen Volkes nicht wirklicti vorkommt. Dagegpn sind in 
un'^erem Buche zahlreiche Verälöfsei ^ßlfiv, ß^vx^oftoit^ ßpoS«*, antxv* 
fern, *«», diin^v^ i^Qfim {inä^ pmes.) ^ ^ax/ro , ^OÄfOT , ^igv^v. 



Hellen nyelvlan Lichner Pältöl, mg. v. AT. Haider, 29U 

xixrida , jilvvfiai , nlxfju^i' y 'HQBiiaaa) , agsudi , Xofco , otofiat , natiofiaij 
fntrjv (V. 9crif<r(rfi)> , (Ffvoi, r^aTr^co , T^OTcico, ivs^xd-qv , ivT^vBtyfiat^ 
Xotio II- a. Hl. wini man im Hom«*r vergeblich sunhen. — üiirichlig heifsen 
Nebenformen atvviiai von atgitOj nfgoim, inQi^d'rjv, iyiQrjadfirjv von ««- 
Qccvvviiij fiifißlsrai von fi£Act,3 agiiriv von OQVvfii, — Falsche Über- 
setzungen: firjudofiai bog, meheg d.i. brüllt (schreit), mäckert. als ob das 
griech. Wort zunächst «brüllen* bedeutele; ufinvvvd'Tj feleszmdU A.\. kam 
zu sieh, zum Bewufstsein; das griech. rerö. hat die sinnliche Bedeutung 
des Ausschnaufens, Erholens, an ^sz, Sinn, Verstand darf man nicht 
denken, wie etwa bei rnnwiiivog; idaxo} 9Zöl, redet, diefs bede*jteo 
iV\t Formen von Xaaxoi erst bei den Tragikern, bei Homer aber «(tönen, 
knirschen , bellen , schreien* — Sidivxtov als blofse Var. zu ^eo»- 
tmv {Od. fi 64) mufsle wegbleiben. — Oafs AaJ:ofiat , vdofiai , nila 
nur im praes, und impf., (lidat nur im prfies. und ful, vorkommen, 
sollte angemerkt sein. Endlich waren, um Raum zu gewinnen und das 
Verzeichnis übersichtlicher zu machen, so woitlauHge Run:4tausdrricke wie 
erS9 halär%atlan {2. aor,)y gyenge hatärmllan (/. aor,), mellekidom 
(Nobcnf.), f^lmull (impf,), höUöi melUhtdom (poet. Nebenf.), s%ented6 
erteltn^ (mit pon. Bed.) (heils auszulafsen, theils abzukürzen. 

Nachdem Ref. bei der Foiinenlehre genau ins einzelne eingegangen 
ist, wird es genügen, für die Syntax übersichtlicher blofs die Gesichts- 
pancte zu bezeichnen > welche die vorliegende Schrift der Beurlheilung 
bietet. Die Syntax von Curtius hat zwar nicht gleich hohe Ansprüche 
auf das Lob selbständiger Forschung, wie die Formenlehre; dafür hat sie 
andere eigentümliche Vorzüge, welche ihr für den Schulgebrauch beson- 
deren Werth geben. Curtius hat es verstanden, aus dem weiten Gebiete 
griechischer Wortfügung gerade so viel auszuwählen , als der Gymnasial- 
schiller für den Kreis seiner Leclüre genau wifsen mufs, dieses sorgsam 
ausgewählte Mnfs in übersichllirhe Ordnung zu bringen, es präcis und 
verständlich auszudrücken, u\h\ durch wenige, aber treffend gewählte, ge- 
nau übersetzte Beispiele zu er'nulern. Eigentlich zu berichtigen, wird 
sich in dieser Syntax nicht viel finden (Ref. erinnert z. B. daran, dafs 
$. 383 und $. 579 vom Substantive die Rede ist, wo allgemeiner das 
Nomen genannt sein sollte, dnfs $. 488 die Verse Od, a HO — 1i2 nach 
der Lesart ngotld-sv , xol 8h angeführt, aber nach der Vossischen, die 
Lesart nQOtld'svto ISh voraussetzenden Übersetzung verdeutscht sind, 
dafs J. 591 in dem Xenophontischen Salze dniaxBiv mit «betrügen*, statt 
mit «kein Zutrauen haben» übersetzt, dafs 5- 625 die Stelle der Jlia$ A 
490 durch Umstellung der Satzglieder zu frei behandelt, dafs $. 420 durch 
ein Versehen interest mea alicutus angeführt ist); dergleichen hat der 
Hr. Verf., mit Ausnahme des zuletzt angeführten Falles, nicht be- 
richtigt. Im übrigen finden sich nach jedem der oben bezeichneten Mo- 
mente, welche den Werth der Curlius'schen Grammatik bestimmen, in der 
vorliegenden Übersetzung Abweichungen der Art, dafs sie die Brauch- 
birkeit des Buches sehr beeiuträchtigeu. Curtius hat sich auf das unent- 



;jO« llelien npeMan Lichner Fämi^ «n^. v, fC. Haider. ^ 

Ivehrliehe Wafa beschrankl, aber vom tlit^acm kann luaii ohue dem Ciilrr^ 
ridilfl lu scb.idcn, auch uichls melir we^ilafstri; in der vorUc|teml*^a Üi>er- 
stiUuiig aber kann raaii ktjincn AbscbuiU l?sen, obiie aolclie We^ilfirsuiii^en^ 
zu iii^{Jeü| wdcbe Tür das auf dem GymnasEum ^u erreichende Ziel oderfl 
fik düs Versläudnis unzulzifsig siihI (man \^\, j. 368, 4. f. 383 — 387, 
5. 42^, 425 u, a. m, mil den enlÄprecbentUn SMIt-n b*»j Curlius) oder 
kleinJiche, der Katur der Sachi» nichl aupenn^rscne Ändrriingcn in der 
Anordnuiip. Die Präcision dei Ausilruckes lial im Vergkiclie mit dem, 
was der Br. Vf. bei Curtiüs fand, öflera gebllen, raan vgl* j. 402, 4 wo 
vom IVIediuro eine paHsivu Form ^of! geliÜdel weriten können, $. 404^ 3 
die HeÄii'hung *tes hislori^cben Prlnt^ns ant die Zukunft (die Zu- 
kunft iüt aber noch keine Gt-fsehichie)» J. 407 «der ind. mr. isl (CurtiuM 
«ngl t bezeichnet) die — - eintretende Mandbrn^f u. a« m. In den mil we-^ 
(ijgcn Auauabmen nuü Curlins herüber genomnienen ßeiapieten zeigt der 
iir* Vf, aufi^er uid>eß rundeten Änderungen (e. B. wenn er in detti Verse autj 
Soßk. OC, Si ri^tv stall fi^ii^ arbn-ibt u. a.) eine übertriebene Vor-J 
Inibe für dai Komma, vnu der lieh leicht s'.eigen \iU\ , dafä sie mit dem^ 
Strüben der Briechiseben Sj>rache nach engem ZiisamnienHchbefsen derl 
ei meinen Theile des SalKea im Widerspruche steht, vgl Krii^'er 5- 5, 10,^ 
A. 2 und Weh^hold'a IrefTende ßemt^rkungen in seiner gehall vollen Ah-1 
handlung über di^ulseho Orihograpbie (in dieser Zeitschr, 1852. S, 121 f)." 
Die Übersetzung, al^gesehen davon, dafs sie einigemal weggelafs^^n, oder die 
von Curtius mit gutem Ueilarhte vorgezogene lateinische Übersetzung auf- 
gegeben iiit, eidbehn baung derjenigen Genauigkeit ^ durch welche allein 
sie zur Erläuterung der synlakti scheu Hegeln beitragen kann; man findet 
verschied eno Tempora des8eH^en Verliunjs ununlersehieden iiherselzl, dai 
Futurum ata Präsens, Verbum als [Nomen ulierlragen. %\ie Anfübrung einer 
griechischen Rpdensart im Infinitiv o^^er |mit dem Inäef, zig durch das 
Sufüx der J. pirs. übersetzt u, dgL m. ßesundere Beachtung verdient in 
die?ier Hinsicht die Überael^ung de* ImiierL und de* Aorist. Es wird 
nämlich ä. 405 denj g riech, und iaU imperf. das roagyar. gtejehgeslelit ; 
vom magyar. praei. {fmtU idS) wird es kwät nicht ausdrücklich gesagt, 
1 dhff aber gt'schlorNi^n werden, daf» der Hr. Vf. das?ielbe wie da» laL perf. 
pdem ßhnuU (imperfi g^gcniiUer auffafst. Ks stH Ijemerkt, dafi ßitnuU 
und muH im Migy.ir. einfache Kormen hal , Vitla wäre also ^ eraf und 
ffaii = faiL In wiefern die mngyar. Sprache Neigung und Fähigkeit 
■ liati die giinannteEi Poritieii ninh ihrer Reillichen Bedeutung £u scheiden^ 
llDÜfsen imtiirlich geborne MijL^yartMi beurtheiten* Bei. sagt nur so viel, 
KiiaTs er in di>m, wms or bi?« jt?l/,t geschriebenes oder gedrucktes iu.magyar. 
I Sprache t^elesfMi, eine strenge und geregel lo Scbeiiluog wie i wischen 
I dem lat, imperf. uod perf. nicht beobachtet hat Prof, Remple bemerkt 
in ieiner «ungar. Sprachlehre» (3. Aufl, Wien 1850 S, 115)s *lro ünga- 
I mchen sind die halb vergangenen Zeiten im ürogunge fast zu wenig ge* 
I bräuehlich, und es wäre tu wünschen, dafs jene ?^euereo, die sich ihrer 
hedieo«!!). auch immer den riobtigen Ort dafür wählten." Wie geaagt» 



liilteu nffelcluik Lickntr Pältöl, ang. v. K, Haider. 901- 

nicht nur im «(Jiugange,' 'Sondern auch in der Schrirt vermifsl man die 
strenge Regel. Sei dem wie ihm wolle , wenn einmal in einer Gram- 
matik das Griechische auf das Magyarische in obiger Weiso bezogen wird, 
so müfseo diese Beziehungen folgerichtig durchgcfürl werden. Das ist . 
aber in unserem Buche nicht geschehen. Wir lesen : tpsQpfiTiif estem 
imait id6\ IjQsxo kärde {fäimttU Mö), Üb Mcsapa ifä/m.) und ähnliche 
Falle in grofser Zahl. 

Indem Ref. durch Aufzählung mancher Unrichtigkeiten im einzch 
nen , die er sich notiert hat , nicht ermüden will , glaubt er nur noch 
einea Pimct berühren tu sollen. Bei des Üliersetzung ist es besondert 
nahe gelegt, öfters die syntaktischen Gcsetxe derjenigen Sprache, in wel- 
che man übersetzt, zur Vergleichung zu ziehen. Eine solche Bemerkung 
vermisst nan z. B $. 343, wo auf den Gebrauch des Singulars bei deo 
GardinaUahlen im Magyar., oder $. 394, 1 und 3, wo zu oizog o av^p 
u. a. an die t heil weise Cberein^limmung des Magyar, mit dem Griech. 
im Gebrauche des Artikels hinzuweisen war. An anderen Stellen wird 
das Magyar, mit dem Griech. ohne die nothwendige Vorsicht zusammen- 
gestellt. So soll nach $. 370 noXioi (loi tpiloi daCv und ^sokan neifem 
(mein), baräilm (meine Freunde)* ganz gleich coustruiert sein. Der Hr^ 
Vf. war in vollem Rechte, hier das Magyar, zu vergleichen, nur durfte 
er nicht beifugen ^epen ügy mint ma§yarban^ (ganz so wie im Magyar.), 
denn zur völligen Gleichheil miifstc nolloC fiot Iftol (plXoi tMv 
stehen. Überhaupt besinne man sich, ehe man bei der Spraclivergleichung 
von völliger Gleichheit redet. — $. 186 behauptet der Hr. Vf., das 
griech. Med. gleiche vielfach (soköan) dem magyar. Der Ausdruck 
ist freilich unbestimmt genug gehalten , aber auch so besagt er JedenlaUs 
zu viel; denn abgesehen von einer gewifscn MittelsIcIluDg zwischen Act, 
und Pitss. , gleicht genau genommen das magyar. Medium dem griechi- 
schen gar nicht. Viele griech. Formen medialer sind zugleich pa^iver 
Bedeutung, im Magyar, ist die mediale Form durchweg von der passiven 
geschieden; das griech. Medium entbehrt der activen Formalion, das 
magyar. Medium hat sie in den nicht abgeleiteten Zeitwörtern meist — 
von ßzik (er friert), ist z. B. das praei. J^azfam, fäztül, fäwtt. .. ganz 
so gebildet wie von kere9 (er sucht), kemstem, kerestei, kereseU.,.^ 
das griech. Medium hat sehr oft transitive Bedeutung, das magyar. aU 
solches nie, und ein Verhältnis zischen Ad. und Med, wie es die griech. 
Formen noiiiv und noisia&ocij i%8id6vai und indidoad'ai, nagixuv uod 
naQixsa&ai u. s. w. zeigen, ist der magyar. Sprache unbekannt ; der Unter« 
chied zwischen activer und medio - passiver Flexion erstreckt sich i|n 
Griech. auf sehr viele Formen, im Magyar, auf sehr wenige im sing. 
des praes. und imperf,; das griech. Medium erzeugt sich durch Flexion, 
das magyar. mehr durch Ableitung als durch Flexion u. s. w. Aus die- 
sen Andeutungen wird sich ergeben , dafs die magyar. Sprache mit dem 
Medium einen gant anderen Weg eingeschlagen hat, als die griechische,, 
und dafs ein Grammatiker, wenn er in diesem Puncto vergleichen will, oifbjt 



voD Ubcreiiiftlimoiung ri?dt!u, sondern die Verlieh ietjen heil DAcbweisen niufs. 
Üiiri^cni versU'ht e» sicU, d^kTs hierbei nur d^e Zeilworti*r lu helt'Jicbl 
komm^ik, Welche in di^r S. pert. ik ni\ dm SUmm rii^en^ also eine von 
den activeo^ wenn auch nur fiir wen i ge Korroen , wirklich ver- 
schied nne Flexion haben; denn in jfnt'in wetteren Sinne, in dem ina^ryar. 
ÜrTimmrtliken und WÖrl erblicher d;is Worl nM^p {MetfJ gebrauchen, 
B, IL äl (leht), mäsiihäi (kriecht herum), fardtil {dreht sich; u. 8. f. liaüa 
j«de Sprache, nicdt Uoh die griechische und magyarische, ein Medium. 

iliermit schUerst Uef, spine ttemerkui^Ren über das i'oriiegende IJnch* 
Die Fra^e über das Verhaltni^i 7.ur Curüu.'^Wheii Grammalik^ welche wir 
auf Aidafs der Vorreile auf^uwerfen nicht umlihi konnten, wird durch die 
lUrgelegteu l^inzelheilen schon beantworl(!t aeiuj denu es ergibt »ich 
daran«, daf3 durch die vom jlrm Vf. vorgenommenen Veränderungen diese 
Grammatik nirgends erheblich gewönnet», dagegen an GcihAi^gkeil i l^äci- 
cisitin, Itichli^kett »ehr viel verloren hal, dafs sie nicht blofs einer Niren* 
gen ttevision sondern einer durchgängigen ifmarJ>eiluiig hedaif^ wenn sie 
dem Ünterrichle sicheren Nutzen bringen soU. I^inem Manne gegenüber,! 
der seit einer Reihe von Jahren mit edlem Eifer für das j^riechisrhe Spraeh- -^ 
Studium wirkt, würde Ref, , von der Hedaclion fM einer heurtheilenüea 
Anzeige aufgefordert, sich der Rerension nicht untcrjtogen haben, w-enn 
nicht die Überzeugung von der WjchNgkeit der Sache jedem persönlichen 
Wunsche Schweigen geboten hätte | die Achtung vor dem ItriL SL machte 
es dem Bef. im l'fiiclit, nictit Idofi t\i behaupten, sondern wenigstens für 
den gröfslcn Thed des Buches die Behatiptungen i.\x lie weisen. — Der 
l>rtick und die äuf&ere Ausstultuug des üuches verdienen die vollste An- 
erkennung. 

P e 8 I. I£. H a J d e r. 



Grmnmatira della Untfua greva del prof. Ghatt^ppe Kmo, 
Ti'Tza mf*%ifmi*. P^rte prima. Vene-z^a ^ AnL di Tom. 
icifippi tJpotjniß. iS64. — Prez%o austr. (ire 2. 

Der Hr. Vf. des vorliegenden Werkes erklärt in der Vorrede lu der 

eben erschienenen dritten Auünge desselben, auf eine Beurtheilung setner 
(irammatik , wrtcbe die ö*i!err. Gymnas, Ztschr. Jahrg. IS53. IJft, X ent- 
hält , Huckiiebt genommen zu haben, so weit es JKüa die Zeit und arind 
Überi^eugung erlaubten, Schon der [Jmstand, d^fjä din wotmeiiiendeu, nur 
im tuterc^ise der Stelle gegebenen Winke jfner Üeuvtheilung freundJiche 
Beachtung fanden, verpflicblet uns, die Veränderungen, welche der itn Vf, 
in ÄeinefB Werke vorn?« hm , näher in*s Auge ^\x fafüen. Im gvinzen biieb^ 
wie der vorliegende erste TheiL zeigt, Anordnung und Behandlung dei 
Lehrstolfes dieselbe, und die Vernnderuiigen beschränken sich auf btofse 
Einzelnhellen. Ifif^fs war hei einer so rasch erfolgten neuen Antlage kaum 
anders f.\x erwarten* ^Ute jedoch, wovon der Ww Vf. selbst als von 



Brno, Grammalica della lingua greca^ ang. v. Fr. Uochegger. 409^ 

einem sehr mögiicheu Falle spricht, eine vierte Auflage des .Buches sich 
iiolhweudig zeigen, so müfslen wir den schon einmal ausgesprochenen 
Wunsch noch dringender widerholen , nämlich , dafs der Hr. Vf. seine 
(irammalik, um sie für die Schule wahrhaft nutzbringend zu machen, 
einer gänzlichen Dmarbeilung unterziehe ; denn auch in der jetzigen Auf- 
lage entspricht sie den Foiderungen, die man an eine griechische Schul- 
grammatik zu stellen heutzutage berechtigt ist, nur in entfernter Weise. 
— Auf zwei Puncto, in denen der Hr. Vf. seiner eigenen Überzeugung 
folgen zu mufsen glaubte, wollen wir kurz eingehen. Der erste ist die 
neugriechische Aussprache, an welcher Hr. Prof. Emo festhält und zwar aus 
folgenden Gründen : erstens, meint er, müfste die allgemeine Trennung der 
Diphthongen (d. h. die Aussprache derselben als wirklicher Diplitliongen, 
nicht als einfacher Vocale) die Harmonie der Sprache zerstören {la dieresi 
generale dei dittonghi mi parve sempre esser causa di orrtdo sconcio 
neir armonia della llngua); zweitens müfste in folge dieser Aus^iprache 
die Beobachtung des Acceiites, die doch i\cr Organisationsentwurf gewifsen- 
hafl gewahrt sehen wolle, als beinahe unmöglich aufgegeben werden. Was 
nun den ersten Grund, nämlich den den Misklanges betrifft, so läfst sich 
derselbe, da er zu sehr Geschmacksache ist, eben nur einfach umkehren, 
mit der Behauptung,* gerade die neugriechische Aussprache zerstöre den 
Wolklang, und zum Belege könnte man z. B. folgenden Vers aus der 
lliade A 89 ovtig - aol aolXijg tzocqu vr^val ßuQslag xii'Qccs inolati — 
oder andere ähnliche Stellen in Unzahl anfuhren. Was aber den zweiten 
Grund betrifft, nämlich die Mi^^achtune; des Accentes, so stellen wir dieser 
unberechtigten Meinung, — denn der Aecent kann bei vollkommener Aus- 
sprache der Diphthongen recht wol beobachtet werden, wie die Erfahrung 
unwiderleglich lehrt — die berechtigte Behauptung entgegen, dafs bei voll- 
ständiger Durchführung der neugriechischen Aussprache die Quanti- 
tät aufgegeben werden mufs, und doch sichert dieser der Org. Entwurf 
nicht weniger als dem Accente die strengste Beachtung — wenn sich Ref. 
mit dem Hrn. Vf. auf den Org. Entwurf in einer Sache berufen soll , wo 
dieser nichts weiter, als das in dem Wesen der Sprache selbst enthaltene 
ausspricht, und nur darum ausdrücklich fordert, weil es bisher vielfach 
vemachläfsigt war. Überhaupt aber handelt es sich bei der Entschei- 
dung für die eine oder die andere der beiden Aussprachen weder um eine 
blofse Geschmacksache, noch um einseitige Gründe, sondern darum, welche 
von beiden sich wifsenscliaftlich schärfer begründen und praktisch vor- 
theilhafter durchführen läfst , und in diesen beiden Rücksichten ist die 
neugriechische Aussprache gewiss im Nachtheile. Wir verweisen hierbei 
in der ersteren Hinsicht widerholt auf Hrn. Prof. Curtius gediegenen Auf- 
satz hierüber (österr. Gyncn. Ztschr. 1852. S. 1 ff.); in praktischer Hin- 
sicht kann für die mancherlei Verwechselungen, zu denen die neugriechi- 
sche Aussprache Anlafs gibt, die Grammatik des Hrn. Vf.'s stibst den Beweit 
liefern durch so manche auch noch in dieser vierten Auflage (viel reich- 
licher 10 deo früheren) sich findende Verseben , welche mit grÖfsler 



Wafirsctieiiilielikejt iu jener Ausspruche ihren tirunü halien (z. ß. reqpAci 

S. 79, A^gs-ffiyv, A^gj-fl-tjtt, it^o^i Atqp-Ö-iä S, 107, fnj-9"os S. 101 u- a, m,), I 
Der s weile Punrl, in welcliem <ter llr. Vf« es veiHchniAUen /rii mülsen fzlaubte,, 1 
ilie ticheien Ergelmisso der neueren wir^enÄchaft lieben ForHeliyutfcn auf- I 
zunehmen, betrini dic> natürlich vermeiuttichep Vermischung regejmäfsiger 1 
und unre^eluiärsi|er Formen. Wir sagten ausdrückLich, die vermeinl- I 
liehe Vormischung, denn der llr. Vf, iül noch immer der M*'iiiung , die I 
sogcnaimlen tempora secunäa seien lauter unregelmirsige Formen, eine 1 
Annahme, die gegen alh* gesunde Theorie diM- Sprache streilet, wnd jti I 
ihrer Anwendung, nämlich ^er Trennung der zusammengehörigen Sprach- I 
formen, den Schülern die t-hersichl und somit die leiehlero Aneignung 1 
derselben erschwert. So hek'hrt der Hr, Vf. von S. 77 ff. den Schüler I 
über die Bildung der Tempara der per&a liquida^ tiud xeigl %. B. diej 
A hielt ung des fUL ertflm, {im\ IVfftlof, ßtrf, ^a-rixXxa, als regelmäfsiger 1 
leiten; den üor. itrtaXr^y aber un<l iUa fut fSzal^GQp^GiL lernt der Schü- 1 
ler erst S, HO ff. unter ik-n llnregelmäfsigkeiien keimen! So bekommt j 
der Schuler keine klare Einsieht in die Hdilung der Tempora aus dem,! 
Verhalstamme, F^omit nie Sicherheit In Handhabung der Formen p Docb 1 
dieser Cbelstnnd w^re noch ein geringer, wenn dahei nicht ein anderer I 
Orund^ritum im Spiele wäre; der llr. Vf. behauplet nämlich, S. 110, die 1 
zweiwylbigeii rerbu liqjfklu, welche im futura t h.aben , wie ffrflcö, 1 
(FTrffco, Tf^£, konnten diefü e in or verwandcbi, und ein zweifei fuitffumX 
bilden, a%alm^ anctgtB^ Ta^oo, Tempushildungen, die in der ganj^en 6rä-J 
citat nicht vorkommen. Von den verdls mitiis gibt ihr llr. \t plürk-,j 
liolitT Weise in dieser Auftage keine ßituru serunffa mi'hr und die ritTtiä, i 
917110 u. s* w. sind verschwunden; dafür blieben und vermehrten sii h die 1 
FhAiitasieformen der Perta tiqutdn mit noch manchen anderen So flnden^l 
wir %, B. ein vöUitändigea imperf. //i^rf// von £^t*t, ^.mji', iJ*o»t| 
ijto u, s. w., ein p^rf rhg^^tct voji rqifct», pfp^f^ijxof von ß^^fim^ ni- 1 
^vya von tpEvytxif ein fitiurum ßoüta von ßoGnm , atv^ism beliebig für,! 
ttipitiaf , einen v o I U t i n d i g e n Optati vus ae^tfcu^ Im f t a , cfff , p, J 
durch atte drei Zahlen und Tersonen, und ähnliches mehr* Auch die Feh- J 
ler in Accenl und Spiritus sind noch immer sehr zahlreich, £. B. aurscr.l 
den früher lje;:eichnf'len %6^ sU nv^, nqaytuit sL n^äy^a, ctotig iL I 
ümtfQj ^TjfiTivgü^ ai. ziij^ii^r^og , i<fQov st. aq^QQV ^ ^txov st. ft^ov, ^^ 
Xvatit iniper^ sL itVat ; ivo^ st, Ivog , i^iiq st, £|ijff u. s. w, 
in Men^e. — Eine Xu>?alio bilden einig« Übersnlzungsbeispiele aus dem 
Griechischen und in« Griechische, S. 97 — 100, die nur als IVolje dienen 
solk'M, wie man bei solchen Übungen vorzugehen habe, Sie sind saminl- 
lieh aus Kühner entnommen, und zwar ^m. WXIII über die ProHomifm^ 
griechisch, Nro. XXXV üljer die Nmneralm vom Hm, Vf. aus dem Ürie- ■ 
.chiüchen ins Italienische übersetzt^ ISro. XXXIX über die Medialformeni J 
fcneebisch, Mro. LV über die Verba UquUki, aus dem Griechiscbeu iii'sj 
Ililieuittche öburscü^t. Darauf folgt eine Fabel von Aosop, darunter eine 



Mninfsnf^ig, l.at. Grninmalik. «iiijS. v. G. J. GrffStff 3(15 

kleine Übung, mit dem Wortvorrathe der Fabel kleine 8älze nachzubilden, 
und zu eben dem Zwecke ein kleiner Abschnitt aus der Kyropädie. Zum 
Schiurse noch 10 Fabeln von Aesop. — Was nun die Hebungen nach Kuh- 
ner betrifft, so wäre nur zu Punschen, der Hr. Vf. hätte eine grörsere 
Anzahl derselben und zwar in systematischer Folgenreihe gegeben; so 
vereinzelt werden diese Stucke den löblichen Zweck, den sich der Deber- 
setzer dabei stellte, nicht erreichen. Was aber die Fabeln von Aesop bt- 
(riffly so theilen wir durchaus nicht die Meinung des Hrn. Vr/s, dafs man 
die Lecture derselben schon beginnen solle, ehe die Schüler auch nur die 
verdcr auf fit und das nöthigste von den anomalis gelernt haben. Eine 
solche Lecture kann höchstens Gedächlnisubung ohne Verständnis erzielen; 
eine gesunde Methodik aber verlangt, dafs der Schüler nichts auswendig 
lerne, was er nicht auch versteht, dafs somit wifsen und können, Ver- 
ständnis und Anwendung in regelmäfsiger Stufenfolge geübt werden. 
Was soll nun aber der Schüler mit solchen Fabeln, wie z. B. gleich die 
erste der vom Hrn. Vf. gewählten ist, in der Formen, wie ^£^Z^oy, 
9vXXfi€p9tCcriq, SiiXetv^ nazitpayev u. s. w. vorkommen, von denen ihm 
der erste Theil der Grammatik kein Wort sagt? Es lafsen sich sehr wol 
einzelne Sätze oder selbst mehrere im Zusammenhange den Schülern zur 
Lecture darbieten, durch welche man ihre bereits wirklich erreichte Por- 
menkenntnis nicht überschreitet, und nur eine solche F^ectüre kann wirk- 
lichen Nutzen schaffen. — Wir hofTen, der Hr. Vf. werde in dem wol 
nächstens erscheinenden zweiten Theile, namentlich im Verzeichnis der 
anomala wo möglich alle Phantasieformen vermeiden , und in der Syntax 
die Erklärungen durch Ellip&en auf das gehörige Mafs beschränken ; beides 
ist vor allem dringend nolhwendig. Eine durchgreifende, auf gediegene 
Studien gegründete Umarbeitung der ganzen Grammatik dürfte erst die 
Frucht längerer Bemühungen »ein. 

Wien. Fr. Hochegge r. 



Lateinische Grammatik, zunächst für die unleren und 
mittleren Classen der Gymnasien, von Dr. H. Moiszisst zig, Oberl. 
am Kön. Gymnasium in Conilz. Zweite vermehrte und verbefserte 
Auflage. Berlin, Gärtner, 1853. kl. 8. II u. 300 S. — 16 Ngr. •* 
58 kr. CM. 

Über die Aufgabe, welche sich der Hr. Vf. dieses recht brauchbaren 
Büchleins gestellt hat, spricht er sich in der Vorrede zur ersten Auflage 
S. 1 mit diesen Worten aus: ^Vorliegende lat. Grammatik, welche unmit- 
telbar aus dem Unterrichte hervorgegangen ist, hat sich lediglich Klarheit, 
Fafslichkeit und Kürze zur Aufgabe gemacht. Sie ist zunächst für die 
unteren und mittleren Classen der Gymnasien bestimmt und beschränkt 
sich daher auf die Grundlehren der Sprache ; aller gelehrter Prunk , alle 
lexikalische Subtilitäten schliefst sie geflifsentlich aus.^ Und man mufs es 
anerkennen y dafs Hr. M. diese seine Aufgabe auf eine recht befriedigende 



M6 Moisti98t%ig, \M, Grammatik, ang. v. C. J, Grysar. 

Wei8c gelöst hat, wofür auch schon der HmKland spricht, dafs XvoKt der 
so grorseii Menge von lateinischen Schulgrammatiken, welche in Deutsch- 
land eingeführt sind, und zu denen von Jahr zu Jahr neue hinzukommen, 
eine zweite Auflage — die erste erschien im J. 1848 — des Buches so 
bald nöthig geworden. Die Formenlehre ist mit gehöriger Vollständigkeit 
gegel)en; in die Syntax aber sind nur die Hauptregeln aufgenommen, mit 
Ausscheidung des zu speciellen und alles dessen, was in den Dnlerrichf 
der mittleren KiUluugsstufe nicht hineingebort. Auch verdient die Fafsung 
d<«r aufgestellten Sprachregeln unseren Beifall. Hr. M. läfst sich mit Recht 
auf ein Begründen oder auf Dntcrsuchungeu über das Entstehen derselben 
wenig ein — denn Erörterungen dieser Art müfsen der oberen Bildungsstufe 
vorbehalten bleiben — , sondern er stellt die Sprachgesetze in ganz einfacher 
Weise und möglichst kurz gefafst so hin, wie sie sich in dem Gebrauche der 
besten Prosaiker eben nachweisen lafsen, und erläutert sie dann, je nachdem 
der einzelne Lehrsatz mehr oder weniger richtig ist, durch den Zusatz einer 
angemefsenen Zahl von leichten und gut gewählten Beispielen, die, obgleich 
die Schriftsteller nicht namentlich angeführt werden, fast alle den Schrif- 
ten der befsereu Periode entnommen sind. Im ganzen scheint die gröfsere 
Grammatik von F.Schultz vielfach benutzt worden zu sein; doch hat Hr. M. 
diefs mit Selbständigkeit gethan; denn in manchen Ginzelnheiten weicht er 
von Seh. ab, und hier und dort ßnilel sich auch wol, dafs Hr. M. das rich- 
tigere hat, wie wenn er z. B. S. 250 die Seh. Ansicht aufgibt und den Con- 
junctiv als den Modus des blofs gedachten bezeichnet. Die meisten 
Angaben siml von erheblichen (Jnrichtigkeilen frei; doch möchten wir den 
Hrn. Vf. auf folgende Einzelnheiten, welche einer Berichtigung zu bedürfen 
scheinen, aufmerksam machen. S. 205 spricht Hr. !M. über die Folge der 
tempora nach dem eigentlichen Perfectum sich so aus: «auf ein Perf. in sei- 
ner eigentlichen Bedeutung folgt in der Regel ein imperfectum, wenn der 
abhängige Satz ein Absichtssatz, ein indirecter Fragesatz oder Relativsalz 
ist.* Diefs stimmt wörtlich mit der von Schultz aufgestellten Begel, nur 
dafs Hr. M. für gut gefunden, das plttsqu. nicht auch neben dem imperf, 
WOL nennen. Aber Hr. M. hat selbst in dem vorangehenden Paragraphe ein 
Beispiel angeführt ^membris utimur prius quam didicimui, cuius ea 
UiWtaiii causa habeamus^ welches auch für die Richtigkeit des prae- 
Mens spricht. — S 220, ö, ist die Regel: ^gunm regiert als Zeitpartikel in 
der Erzählung mit der Bedeutung «da, als^ immer den Gonjunc- 
tiv, und zwar Jmperf. oder Plusquamp., indem man sich bei einer 
Reihe von Begebenheiten die eine zugleich als Grund der anderen denkt.' 
erstens zu allgemein ausgesprochen; indem es Stellen gf'nug gibt, in denen 
das guitm temporale mit dem I n d i ca t i v auch des Imperfects und 
Plusquamp. verbunden wird, z. B. Cic. PhU, X/\\ iO, Cui quum im- 
perium dahamus, eodem tempore etiam spem nominis eins de- 
ferebamus. Cic, orat. 13, Ego, quum a nostro Cntone laudabar, 
tel reprehemtf me a ceteris fncile patiebar, Caes. b. g. ///, 15. Quum 
stngulas bfnae ac temae circumsteterant, mitites in hostüim mwis 



ifoJ$%i8sHiff^ Lftf. Grammatik, h\\^ v. C. J. frjt/s/rr. »07 

troHMeeHiiere contendebanL und so an unzähligen Stellen. Zweitent i«t 
da, wo der Coiijuncliv des Imperf. und Plusquamp. sich wirklich neben 
dem temporellen quum ßndet, der Satz sehr häufig, aber doch nicht im- 
mer von der Art , dars man ihn zugleich als den (■ r u n d des im Haupt- 
Mlze ausgesagten denken könnle, z. B. Cic. orat. 62. Quem Ubrum ad 
PkiUppum Macedonem scrfpsU , quum iam admotum esset senex 
Caes. b. c. 111, 41 Mane Dyrrhuchium venit, quum primum agmen 
Pompeii procul cerneretur. Cic. Brut. 43. Defendit LicinUun, 
quum duodetriglnta annos luUus esset. In diesen Sätzen ist qnum 
nur als ein temporeiics aufzurafsen. Daniit ist es so gegangen. Kben 
dadurch , dafs das quum in der Erzählung so häufig ein Causal > Ver- 
hältnis andeutet, ist es gekommen, dafs man sich an den Conjunctiv des 
Imperf. und Plusquamp. gleichsam gewöhnte, untl ihn selbst zuweilen in 
solchen Verbindungen gebrauchte, in denen das Verhältnis des Satzes sich 
nur als ein temporelles auffafsen läfst. — S. 226 wird unter a gesagt: 
«der Conjunctiv steht nach einem Relativum, wenn wirklich ein Demon 
tkraliv vorangegangen ist> und unter h «wenn das Demonslralivuni, wor- 
auf sich das Relativ bezieht , zu ergänzen ist.* Diese Relativsätze fuhrt 
Hr. M. $. 552 auf den Begriff des Folgesatzes zurück, womit es seine 
Richtigkeil haben mag; aber es hätte hier doch auch angegeben werden 
mufsen, wodurch sich diese Relativsätze von denen mit dem Indicativ 
unterscheiden, und in welchen Fällen die Conjunctiv Torm im Lateinischen 
wirklich angewendet werden mufs. Der Anfänger kann sehr leicht ver- 
fuhrt werden, den Begriff der Folge in viele Relativsätze hinrinzuirngen, 
in denen derselbe ganz unstatthaft ist. — S. 228, $. 559 ist die Regel so 
gefafst, dafs mir zwei gnnz verschiedene Sprarhgeselze mit einander ver- 
mengt zu sein scheinen. (^Nacli est qiii , sunt qui , nemo est qui, qufs 
est qui u. 8. w. und ähnlichen allgemeinen Ausdrucken steht der Con- 
junctiv zur näheren Bestimmung der Beschaffenheit des Subjectes.* 
Es sieht diefs so aus, als ob auch dieser Conjunctiv auf den unter $. 552 
besprochenen zurückgeführt werden sollte, da doch in diesen Relativsätzen 
die Beschaffenheit de^ besprochenen Subjectes gar nicht hervorgebo- 
ben wird , und der Grund des Conjunctivs vielmehr darin zu suchen ist» 
dafs nach nntlus est qui das Besprochene als etwas blofs gedach- 
tes, nach pauci, muiti u. a. als etwas ganz unbestimmtes hin- 
gestellt wird. — S. 236 wird die Bedeutung der tempora des Infinitivs 
in der herkömmlichen Weise angegeben «das praes. des Infln. bezeichne 
eine unvollendete Handlung, das perf. eine vollendete, ohne Zeitbe- 
stimmung.* Fafst man den Infinitiv an und für sich, so hat es mit 
dieser Angabe seine Richtigkeit; aber wenn der Infinitivsatz mit einem 
Hauptsatze in Verbindung (ritl, so kann er ohne Zeitbestimmung nicht 
mehr gedacht werden, und zwar bezeichnet in diesem Falle das praesens 
das Verhältnis der G 1 e i c h z e i t i g k e i t , das perfectum das des v o r- 
a n g e h e n 8. Falsch ist es , wenn man , durch die ^amcn praesens und 
perfectum verleitet, in solchen Verbindungen von Gegenwart und V er- 



Siblioikera Teuhmrimut, ^\\^> v, G. Linken 



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gjiiigenheit redet — 8. 257 scheint uns die AttgAbe, dafs die m^~ 
Mimifitit TerhaUa im Lat. mit den Parlici|)i(;n de» ^erf, ydd fiiL ptiU. 
verUuscht wtrdco, etwas ünvoU«läiidi^, Dt^nn es wird iiichis darüJuvr 
gesagt , in welchen FäUeii die Beibehaltung d^JS SubgUntiva nolh wendig, 
oder wie, w^nn beide Ausdrucks formen zuläfi^ig sind, sieh die eine von 
der anderen in ihrer Bedeutung unlerscheideL Das von Hm. W. auge- 
führte Beispiel liierae recituUie kfiiin sf?l*i' kieht zu einer fthlei haften 
AutTaf^fung der Saclie führen; lieiin iUer/te rtcUtüae mihi piftmerttni 
heifst durchaus nieht «die Vorlesung des anefies hat nur ^er^lteti (diefs 
mufs nftch deoi befsererT Spracb^t-br^uche hvHsen recmuio mertintm mikt 
pimuHi ertil Livius und die *i|m**?ren baben äaR pnriic\ perf. prisg, im 
Nominalrv in dre^pr Weise statt des mtsi. vert. gehrauehl), sondern nur 
^der vorgeJestino Brief hat mir gt-fallen,*' -<- L^ben^a11s unvollnlättdig 
i«t das S. i58, J* 654 über die Anwendung des ttbL übsoL gesagte. 
^Wenn der [Vebensalz ein anderes Subj^cl aU der llauplsal^ Ival, und dieser 
Nebe»snt?t durch ein Partie ipiuro abgekürzt werden soll, so tritt das Siub- 
jecl desseihen nebnt dem l*artreip in den Ablativ." Hier aber ffblt ein 
Zusal», namlinh der, dafs, wenn dieser Ablal^v angewandt werden soll, 
das Subject des Farlielpialsatzes in dem Naupi.salte gar niebt entlialten 
sein dnirf, 

VV t (3 ti. C, J* G r y s a u 



BMioiheca 
riana. 



gcriptorum Oraecorum et Homanontm Teubne^ 



Seit uniserem letzten Berichte in dieser Zeitsehriri Jahrg. 1853, 
S^ 568 ist die genaimte Sammlung in Metiger Weise Tori schreitend , um 
tine ganze Reihe von Bänden vermehrt worden, welche sich den früheren 
in würdigster Weise anacbliefsen^ und deren Vorzüge vor allen liisherigin 
Handausgaben ähnlicher Art auf das entschiedenste anzuerkennen sind. 
Bas Unternehmen hnt nchon jetzt in i\\t\\ vier Jahren seines Besteht^ns eine 
solche Ausdehnung und Bedeutung gewonnen, dafs In Europa nur ein 
Ihnlichet» die Qidot*sclie Sammlung griechischer Scliriftsleller« die in- 
dessen xum theil andere Zwecke Tertolgt^ sich wird vergleichen lafsen. 
Dabei aber welcher Unterschied des Preises kwi sehen beiden Sanimlungen, 
Seihst bei den Blinden, bei welchen dort nur die la leinische Übersetsung 
zugegeben ist, übersleigl der Preis d^n der entsprechenden Teubner'scben 
Ausgabe oft um das drei- bis vierfache: der volUtändige DemoifithenaH 
«. B. kostet dort 5'/, Hthlr. , hier 1% Btblr., Xenophon dort 4 ftlhlr,, 
hier l7| RlhJr. u. s, f. Für den erfreulichen weiteren Fortgang bürgen 
EUgteicb die Namen der MSnner, w^elche neuerdings förmlich tu einer Re- 
dftctions-Commifsion zusammengetreten sind: 1mm. ßekker, A, Pleck^ 
eilen, K, H a I m , A. M e i n o k e , F. VV« S c b n e i d e w i n. Wenn end- 
lich der verdiente Begründer der Sammlung in den zuletzt ausgegebenen 



Bibliotheca Teuöfieriana, aiig. v. 6, Linker. 309 

Bciichteu iniltheiit, wie der allgemeine Beifall, den da» Unlernehineii ge- 
funden, ihn ermuthigl habe, dasselbe über das ganze Gebiet der allclassi- 
schen Literatur auszudehnen, so werden alle Freunde wahrer Wifäenscbaft 
diesem Plane die beste und gedeibiichüle Förderung wünschen. 

Von griechischen Ciassikern liegen zunächst als neue Frscheinungen 
vor: 1. Babrii fabulae Aesopeae, ed. F. G. Schneidewin. X u. 
66 S. 6 Ngr. Bei der allgemeinen Theilnahme und der grofsen Literatur, 
welche die Fabeln des Babrius in dem Decennium, das seit ihrer Bekannt- 
werdung nun vcrflofsen ist, hervorgeruren haben, mufstc eine Handausgi^e, 
welche, wenn auch sonst im engsten Anschlufse an Lachmann's muster- 
hafte Recension 0845), zugleich einen sichtenden Überblick über die 
seitherigen Leistungen gibt, ein wirkliches Bedürfnis genannt werden; 
sie ergänzt zugleich eine Lücke der Sammlung, indem C. Halm in seine 
Ausgabe der fabuUie Äeaopicae nur eine Auswahl der clioliambischen Fa- 
beln aufgenommen halle. Dafs der Hr. Herausgeber zu seiner Aufgabe völ- 
lig berufen war, liefsen seine bisherigen widerhollen Forschungen über 
Babrius erwarten. Die praefatio berichtet über die Abweichungen vom 
Lachmann'schen Texte und die aufgenommenen Emendationen , von denen 
eine nicht geringe Zahl dem Herausgeber angehört. Interessant ist die 
Vergleichung mit der seil her schon von neuem erschienenen Gesammtaus- 
gabc des Babrius in Tb. Bcrgk's schöner Anthoiogia lyrica, Lipsiae^ 
Reichenbach. 1S54. 

2. Diodori Siculi Bibliotheca historica ex recognitiane 
Imm. Behheri. Vol. I. lib. I-X (VHl u. 555 S.). VoL II. Hb A/— 
XV (XIV u. 540 S.). \ol. III. lib. X\-XX (VIH u. 571 S.) ä 24 Ngr. 
Eine neue Bekkcr*sche Ausgabe i^t immer ein Ereignis, auch wenn sie 
keine durchgreifende neue Recension des Textes gibt , namentlich erfreu- 
lich, wenn wir den hochverdienlen Herausgeber seine Sorgfall einem Schrift- 
steller zuwenden sehen , der Irolz seiner Wichtigkeil in neuerer Zeit nur 
einen Bearbeiter (L. Dindorf) gefumlen hatte, und bei dem wie 
bei Appiau eine woifeile neuere Ausgabe in Deutschland ganz fehlte. Eine 
Vorrede ist hier gar nicht gegeben: ^praefationis vicem index supplebit 
Jocorum praeter Codices emendatorutn.^ Die eigenen Emendationen des 
Herausgebers sind dabei widerum durch die gewohnten Sternchen be- 
zeichnet. Auch die Fragmenlsammlung von lib. YI—X hat einige Be- 
reicherung und verbefserte Anordnung erfahren. Mit Verlangen sehen wir 
in der Fortsetzung einer neuen Bearbeitung der so wichtigen Reste der 
letzten Bücher entgegen, in der zuerst auch die neuerdings von Fe- 
der und G. Müller herausgegebenen Fragmente au ihrer Stelle erschei- 
nen werden. 

Bei Pdusanias hat widerum der lelzle und verdienteste der Heraus- 
geber selbst eine neue Bearbeitung übernommen: 3. Pausaniae De- 
scriptio Graeciae, recogn, J, H. Ch. Schubart. \ol. f. lib. /— 17 
(XXVI u. 486 S.). 15 iNgr. — Seit seiner gröfseren Ausgabe {Paus, edd, 

Z<>«t%ehr'trt für di« öuerv. Gymi. i854. IV. Hefl 22 



31 ü Bibliotheca Teubneriana, aiig. v. G. Linker. 

Schitöari et Walz, Ups. i838 — i839, 3. voll) halle Hr. S. rüslig an 
diesem Scbriftsieller forlgearbeilet, wie diefs namentlich widerholte AuT- 
sätze in der Zeil8chr. T. All. Wifs. bezeugen; dazu waren andere schätz- 
bare Beiträge von Empcrius, Kayser u.a., zuletzt noch von £. Cur- 
tius im Peloponnesos und Meineke in den Vindlcitte Straboniamie 
gekommen. Abgesehen von dem Bedürfnisse einer billigen Handausgabe 
war so auch die Möglichkeit gegeben, dafs dieselbe namentlich in Um. 
Schubarl's Händen einen wirklichen Fortschritt der Kritik bezeichnen 
werde, und bei einem so sehr wichtigen und so sehr corrupten Schrift- 
steller ist ein jeder Schritt vorwärts von nicht geringem Werthe. Der 
ausführliche Vorbericht gibt über die aufgenommenen Emendationen und 
ihre Urheber genaue Auskunft, und bezeugt, in wie umfafsender Weise 
Hr. S. alle hierher gehörigen Subsidien benützt habe. Die Angabe der 
mehrfach in den Ausgaben digerierenden Abtheilungen und der Bekker'- 
schen Seitenzahlen erleichtern den bequemen Gebrauch. 

Eben so wie bei Pausanias gibt auch bei 4. Quintus Smyr- 
naeus der letzte Herausgeber selbst einen neuen Text: Q. Smyrnaei 
Posthomericorum libri XIV, Relegit Arm, Koechly, Accedit index 
nominum a Fr. Spitznero confectus. Zugleich u. d. allg. Titel: Corpus 
poetarum epicor, Graecor. consilio et studio Arminii Koechly editum. 
XXXH u. 318 S. 12 Ngr. Die praefatio gibt aufser einigen nach der 
Weise des Herausgebers humorislischcn Digressionen die wenigen Abwei- 
chungen von der erst 1850 {Ups., Weidmann.) erschienenen gröfseren 
Ausgabe Hrn. K.'s au, und Iheilt namentlich die Vergleichung einer sehr 
giiten neapol. Handschrift von G. Wolff leider nur bis III, 426 mit, der 
früher in der Zeitschrift für Alt. Wifs, 1851 veröffentlicht war. Der sehr 
ausführliche und sorgfältige index nominum, eine der letzten Arbeiten des 
verewigten Spitzner, ergänzt eine Lücke der gröfseren Ausgabe. 

Von den schon früher begonnenen Ausgaben sind jetzt zu Ende ge> 
langt: 5 Piatonis dialogi secundum Thrasylli tetralogias dispositi. 
Ex recognitione C. F. Hermann i. Vol, VI. XXXVHI u. 434 S. 
15 Ngr. {I'-VI = 2 Rthlr. 27 i\gr.) Dieser Band enthält einmal die un- 
terschobenen Stücke, zunächst 18 Epistolae (aus alten und neuen Quel< 
len um 5 vermehrt, während gewöhnlich nur 13 in den Ausgaben vereint 
waren), dann die sogen, oqoi, definitimies, und die Dialoge nf^l 8i%alQVy 
«f^t cr^fT^ff, Jr^^oSonog, Utavtpog, 'AXwicov, 'EQv^tag, *AvTio%oq. Eine 
appendix Platonica umfafst endlich alles an Plato sich anschliefscnde 
Material des späteren Altertums in möglichster Vollständigkeit, die sogen. 
E^gayoyij des Albinus, den z^idcrcxaXtxog rcot/ UXGLXfavog Soyndtojv des 
Alcinous, den Btog ÜXcctojvog des Olympiodorus , die nQoXsyoiJLfva xijg 
nXccToavog tpiXoaofpCag , endlich die Schollen und das Lexikon des Ti- 
maeus. Fügen wir noch hinzu, wie am Schlufse ein vollständiges Ono- 
masHcon Plalanicum und index scriptorum beigegeben ist , so erhellt, 
wie diese Bearbeitung alle äufserlich an eine Gesammtausgabe zu stellen- 
den Anforderungen nicht weniger befriedigt, wie iXxii. kritischen Principien 



Bibliotheca TeudnerfatM, ang. v. G. Linker. all 

dieser Ausgabe und ihre conseqtienle Durchführung längst allgemein die 
verdiente Anerkennung gefunden haben. 

Von Plutarch's Biographien liegt mit z^ei neuen Bänden jetzt der 
gröfste Theil vollendet vor: 6. Plutarchi vilae parallelaey recogn. 
a Sintenis. Voi. IIJ (VIII u. 432 S.). Nicias et Crassus, Sertorius 
et EumeneSy AgesiUms et Pompeius, Alexander et Caesar. \oL IV 
(Vllf u. 428 S.). Phocion et Cato minor , Agis et Cteomenes, Tib. et 
C. Gracchi, Demosthenes et Cicero, Demetrius et Antonius, ä 12 Ngr. 
Die Vorzuge dieser neuen Recognition , in welcher der verdiente Heraus- 
geber eigentlich erst möglichst vollständig die Resultate seiner gröfseren 
Ausgabe {Ups., Winter 1839—46. 4 voll.) zieht, haben wir schon früher 
in dieser Zeilscbr. Jahrg.'l852, S. 935 anerkannt; die neuen Bände dienen 
Dor, jenes Urtheil zu bestätigen, und lafsen es oft bedauern, dafs Dru- 
maoD bei seinem Gescbichlswerke von den Ausgaben des Hrn. S. noch 
keinen Gebrauch hat machen können. F//. Crass. iO , S. 50, 27 ist die 
am besten beglaubigte Leseart aus sachlichen Gründen allerdings nicht zu 
dulden : *0 di ZndcQtayiog — mQ^iriasv Syfaa&cci Zi%Mag xal dic%iXlovq 
Svdffag iapaXcov ig zrjv v^aov avd'ig i ^ sioo nv q i^ a s xov SovXmov 
ixBt noXefiov. Sollte hier nicht die einfachste Emendation sein * i^sia- 
nvQTicsv Sv u. s. w. ? Zur vita Sertorii bietet so eben der Aufsatz von 
G. Dronke in Zeilscbr. f. d. All. Wifs. 1853. Hfl. 6 einige neue Ver- 
befserungsvorschläge, die indessen nicht alle stichhaltig sind. Wir wollen 
hoffen y dafs der letzte Band auch einen neuen index nominum bringen 
werde, um so mehr, da Hr. S. in seiner gröfseren Ausgabe nur den 
Reiske'schen index widerholt hat und in der Didot'schen Sammlung der 
von Doehner versprochene Registerband zu Plutarch noch immer auf sich 
warten läfsl. 

Von lateinischen Classikern ist zunächst der Fortschritt der Ge- 
sammtausgabe des Cicero zu erwähnen: 7. i/. Tullii Ciceronis 
scripta quae manserunt omnia, recogn. Reinh. Klotz. Part. 111. 
vol. 1 continens epislolarum ad familiäres libros XVI, epistolamm ad 
Q. fratrem libros 111, Q. Ciceronis ad M. fratrem de petitione consu- 
latus librum, eiusdem versus quosdam de signis XII^ eiusdem ul fertur 
epigramma de amore feminarum. XXXVIII u. 511 S. 18 Ngr. (Auch 
in 5 einzelnen Abiheilungen). Für diesen Band lag eine feste kritische 
Grundlage in der von Orelli und Baiter verölTenlHchlen Vergleichung des 
Cod, Med. 49, 9 vor, und diesem hat sich der verdiente Herausgeber mit 
Recht in voller Entschiedenheit angeschlofsen, wobei indessen sein Drtheil 
bei genauerem Eingehen auf die Eigenlümlichkeilen des cod* oft genug 
von dem der Zürcher Herausgeber abwich. Über diese Differenzen ist in 
der ausführlichen Vorrede sorgfältig Nachricht gegeben. Angefügt ist eine 
taXnUa ad ordinandam seriem libri n epislolarum ad Q. fratrem nach 
Th. Mommsen's Bestimmung. 

Endlich freuen wir uns, einer Ausgabe gedenken zu können, welche 

22 ♦ 



.113 



m&iiQiliein rüitöuciiam, nwg. w (s\ Linker. 



elurm liiiigsL )iUgi?tiHMiieii Wunsehe und Bedürfni^äse enlgt*gctikomml ; 8* A, 
Getlli Socflum Aiiicarum Ubri XÄ^ em recenstone Martini ifer(%. 
Yal m, !-JK tXVIll u. 252 SJ. 12. Ngr. — \oL IL //*. X-- M {\ 
u. 324 S, 15 Ngr. Für die^jen lq £|irach lieber, hisloi jacher und jurisli- 
scher tHnsjchl so überaus wichtigen Schi ifi st eller war eigeiillich seil iirr 
Awsgabc von Jrik. Gronov {Lügd. B(iL tlOS) keine neue Reccnsjon vor- 
handen ^ da die Beailieifung von Lion (GoUffiff. IS24) diesen Namen 
nicht verdient; ilk Schwierigkeit dt^r Aufgabe und die Zerstreutheit d<-s 
b^ndschrirUicheu Materials mochte davon dbüchreckeu. Hr, IL hatte schod 
vor längerer Zeit auf einer Reise durch halb Europa sich eine inögliehst 
vdlsländige Übersicht über d.issejbo verschaOTl und davon in den JVfoiUit- 
berichten der Berliner Atad. Kovbr. 1847 [Sachriebt gegeben, doch wird 
die beabsichtigte vollständige kritische und erklärende Ausgabe viel leicht 
noch länger auf sich warten lafsen. Cra so erfreulicher ist es, dafs d^r 
AnlaTä der Tenbn, Sammlung ürn. Il„ bewog, wenigslens vorläufig den 
nach seinem Apparate berichtigten Teit zu verötFent liehen, durch depst-ti 
Bekanntmachuii;^ der Herausgeber sich schon ein nicht geringes Verdienst 
um a\U hier einsclilagenden Studien erworben hat. Die Ausgabe nimmt 
.^omit in der Teuhn. Sammlung eine ähnliche Stell UDg ein, wie die nt^uc 
Hecension der Briefe des riinius von H. Reil, deren RcsuKale wir auch 
schon vor il^^m Erscheinen der grofseren Ausgahc hier nicdtrgetegt fanden* 
(Vgl. diesö Xeitschf, 1853, S. 571,) Die Vorrede borichlet imr kurz über 
die Aüweiehun^^eu vom Gronov'schen Teile mit Bezeichnung der nach 
eigner oder fremder Emenilalion veränderten Stellen, ohne daf« indessen 
dabei die bds. Leseart niitgelheilt oder dte Crheier der Yerberserungini 
namhaft gemacht würden ^ was somit der gröfseren Ausgabe vurbebalten 
bleibt ^'aQlentlich ist noch die Sorgfalt hervorziduben, mit welcher wir 
Nru* H. auch auf die Emendalion der jtahlreichen Citale bedacht selien, 
die man sonst im etn£eltjen von dem Herausgeber eines solchen Sammele 
welkes nicht faeanspruehen kann; dte vorhandenen Leistungen hierfür, vor 
aitero L a c h m a n n ' s Lucrez , ebenso B i t s c h 1 ' s utid F 1 e c k e i s e n ' » 
Pitmfina Undeu wir selbst verstandlieh aufs fleirsigsile benutzt, aulserdem 
hat \\f. Fleckeisen auch durch eigene Beiträge den Herausgeber unterstülzt. 
Wie diese neue Textesgestallung eine Menge sachlicher Fragen surs neue an- 
regen und ihnen «um theil eine ganz veränderte Grundlage geben wird, mag 
I. B. die Vergleicbung von iiö. ///, 18, 6 mit «tllofraann d. röin. Senal 
S.40tr.* zeigen. Das VL und VIL buch haben nach Hrn. H.*s Handfichrif- 
teu den IMatz getauscht. Am Schlur!>e sind die reichhalltgslen fjtäfcei bei- 
gefügt, unter denen namentlich der genaue tndex auciurum mit seinen 
Klammern und Fragezeichen für den kundigen eitlen sehr schät7bareii 
Wegweiser abgeben wird. Wir woBen hoff^-u, dafs die grofsere Ausiiabc 
des Hrn. H , welche zu so vielem erst den Sehlüfscl zu bieten vermag', 
nicht mehr allzulange auf sieh warten lafse, selhäüt die Forderuivg des 
7ionum prtmntür in ammm wird hier bald buchstäblich in Erfüllung ge- 
gangen sein. 



Beilläge cur deutsch«!) Literatur, ang. v. K, Weinhold. 313 

So eben koBtimen dem unterzeichneten noch zu: 9. Eur ipiäit 
&agoediae superstUes et deperditamm fragmenta. Ex recensione Aug. 
Nauchii. 2 voll, ä 13'/, Ngr. und 10. Juii Flori epiiomae de T. 
tfvio beUorum omnium annorum DCC libri IJ, recogn. C. Halm. 
L. Ampeln liber memorialis ex recognttlone Eduardi Wötfflin 
(9 NgrJ, Erscheinungen, über welche wir den Bericht auf eines der näch- 
sten Hefte verschieben müfsen. 

Unter den zu erwartenden Ausgaben heben wir namentlich noch 
henror: Horodianus, Heliodorus und Josephus von Imm. Bek- 
ker, AIciphron und S t o b a e u s von Meineke, Dionysius 
ffalic. von Kitschi (dessen gehoffte gröfsere Ausgabe leider noch im> 
mer in die Ferne gerückt scheiilt), von lateinischen Schriftstellern die 
Scriptores hisloriae Auguslae von Bernhardy, die Scrip- 
torea rei ruslicae von H. Keil, Rhetorea lalini von Halm, 
Seneca r helor soii }Aai^%Q, r^r^nZ/u« von Fleckelse n. Die 
Sammlung wird somit von einer ganzen Reihe von Schriftstellern über- 
baupt die erste kritische Ausgabe nach dem Mafsstabe der Neuzeit bringen. 

Wien. GustavLinker. 



1. Schaefer, Job. Wilh. Dr. Tabellen zur Geschichte der 
deutschen Literatur, zum Gebrauche in höheren Schulanstallen. Leip- 
zig, G. Mayer, 1853. IV u. 68 S. 8. — 12 Ngr. = 48 kr. CM. 

2. San-Marte, Waltber von Aquitanien. Heldengedicht aus 
dem Lateinischen des zehnten Jahrhunderts, übersetzt und erläutert. 
Magdeburg, Greutzsche Buchhandl. (R. Rrelschmann), 1853. III und 
Ä19 S. 8. — IV4 Rthlr. = 2 n. 30 kr. CM. 

8. Barthel Karl, Leben und Dichten Harlmann*s von Aue. 
Berlin, H. Schindler, 1854. X u 65 S. 8. — 12 Ngr. = 48 kr. CM. 

Welchen Nutzen genaue Tabellen für die Geschichte der Literatur 
haben, ist von uns schon einigemal in diesen Blättern angedeutet wor- 
den. Was in der gewaltigen Fülle der geistigen Erscheinungen leicht 
entschwindet, die chronologische Folge, die Wechselbeziehung zwischen 
innerer und äußerer Geschichte, die Dürftigkeit und der Reichtum der 
einzelnen Jare und Jarzehnte, verzeichnet eine Tabelle dürr und trocken, 
zur Stärkung des Gedächtnisses, zur Schärfung des Auges, zur Anregung 
des Witzes. Wer es also über sich gewinnt, eine derartige Arbeit sorg- 
sam und treu außzufüren, thut jedenfalls mer, als der one eigene Forschung 
und one neue Außgangspuncte zu den vierzig vorhandenen Geschichten 
deutscher Literatur die einundvierzigste zusammenbettelt. 

Zu den bereits vorhandenen tabellarischen Übersichten treten als 
neuer Zuwachs die Tabellen von Hrn. Dr. Job. Wilh. Schäfer, dem 
VerfaOer eines violverbrcilelen Handbuches un<1 eines nicht minder ver- 



314 Beiträge zur deutschen Lileralui, aiig. v. K. Weinhold. 

breiteten GrundriOes der deutschen Literaturgeschichte. Die neue Arbeit 
zeigt, daß Hr. Seh. sich mit den besten einschlägigen Werken vertraut 
gemacht hat und gern bemerken wir in der älteren Zeit den Einfluß 
Wilhelm Wackernagels. Je schwieriger in den ersten Zeiträumen gerade 
eine tabellarische Übersicht ist, weil feste Jarzalen feien und die Zustände 
über die Eräugnisse überwiegen, um so anerkennenswerter ist ein gelun- 
gener Versuch. Daß der Hr. Vf. sich überhaupt über seine Aufgabe klar 
war, bewies er dadurch, daß er nicht die ganze Masse des mittelmäßigen 
der Tabelle einzufügen suchte, sondern nur das wirklich bedeutende ver- 
zeichnete. Um dem Geiste das Verhältniss zwischen der politischen und 
der literarischen Geschichte offen zu hallen, sind in zweiter kleiner Spalte 
die äußeren Geschicke unsres Volkes zusammengestellt. 

Die Tabellen gehu biß zum Jaro 1852. Wer sich früher gewonne- 
nes im Gedächtniss festhalten und ordnen will, wird sie mit Nutzen ge- 
brauchen können. 

Es ist jetzt in allen Wißenschaflen das lebhafte Bestreben bemerk- 
bar, die Früchte der gelerten Forschungen in den Besitz aller gebildeten 
und somit in den Geist und Saft des ganzen Volkes übergehn zu laßen. 
In der deutschen Philologie zeigt sich dasselbe; abgesehn davon, daß die 
meisten gelerten Arbeiten genießbarer geschrieben sind, hat sich zwischen 
sie und die Laien eine nicht unbedeutende Zal von literarhistorischen, 
mythologischen u. a. Büchern gestelt, welche die Vermiltelung gründlich 
zu vollziehen suchen. In gleichem Sinne wirken die Übersetzungen und 
Bearbeitungen altdeutscher Gedichte. — Es ligt uns die Anzeige eines 
solchen Werkes ob, des Walther von Aquitanien, von San- 
Marte. Der Hr. Vf., Regierungsrat A. Schulz in Magdeburg, ist der 
gelerten Welt längst bekant als Übersetzer Wolframs von Eschcobach, als 
Bearbeiter der Gudrunlieder, als Forscher in der keltischen und polnischen 
Sage, als Herausgeber endlich wichtiger Quellen der britischen Geschichte 
(Nennius und Gildas, Berlin 1844. — Gotfrieds von Momnouth MHoria 
regum Britanniae, Halle 1853). 

In dem vorliegenden Buche hat Hr. San -Marie den WaUharius 
manu fortis, jenes bekanle lateinische Gedicht des zehnten Jarhunderts, 
übersetzt und mit einem vollständigen erklärenden Rüstzeug versehen, 
voll des Wunsches, dieses trotz seines lateinischen Gewandes bedeutende 
Denkmal deutscher Heldendichtung allgemein zugänglich zu machen und 
namentlich die reifere Jugend der Geiertenschulen zur Liebe für unsre 
alle Literatur anzuregen. Er gibt zu dem Zwecke in der Einleitung auß- 
führliche Nachrichten über das Gedicht und dessen Verfaßer, wobei er 
sieh nach der Brüsseler Handschrift unbedingt für Gerald entscheidet. Mir 
scheint indessen mit Rücksicht auf das schwer zu beseitigende Zeugniss 
Eckehards IV. die Anname Wilh. Waokernagels warscheinlicher, daß nem- 
lich auch Eckehard l. sein Theil an dem Werke habe, und daß jene 
späteren Zierden St. Gallens, Eckehard I. und Gerald, gemeinsam in jün- 
geren Jaren das Buch verfaßten, das wir offenbar mcr als freie poetisch« 



ßeid'.ige zur dcuUcheu Lileratur, aiig. v. K, Weinhold. 3]<S 

Schularbelt, denn als Gedicht zu nennen haben. Ebenso vermag ich den 
Versuchen des Hrn. Vf.'s nicht beizutreten, die einzelnen Persönlichkeiten 
und namentlich die Hauptträger der Sage mythisch umzudeuten. So etwa< 
ist leichter vermutet und mit scheinbaren Gründen unterstüzt, als bewie- 
sen. Ich wenigstens stehe nicht an, obschon ich selbst vor Jaren in mei- 
nen Sagen von Loki (S. 76) bezüglich des Kampfes zwischen Walther und 
Hagen die Vermutung mythischer Anlenung fragend außsprach, die ganze 
Sage für geschichtlich zu nemen, so weit sich in der Sage die Geschichte 
erhalten kann. 

Die Übersetzung in deutschen Hexametern bildet die lateinischen des 
Originals möglichst treu nach, freilich mit manchen Härten im metrischen, 
die Anmerkungen geben im wesentlichen, was Jak. Grimm seiner Außgabe 
beifügte und benutzen auch die Zusätze, welche Aug. Geyder gab. Beides 
erwähnt der Hr. Vf. außdrücklich. 

Der Anhang hat alles übrige gesammelt , was zur literarischen Ver- 
folgung der im Buche angegebenen Spuren dienen kann. Wir finden hier 
die kronikalen Nachrichten über Eckehard I. und Gerald, die Varianten 
der Brüsseler Handschrift nach Du Merils Außgabe, die für die Sage wich- 
tigen Stellen auß den nordischen Sagas und BoguchwaU polnischer Chro- 
nik, Außzüge auß dem Chronicon Novaliciense, die merkwürdigerweise 
nach Muratori und nicht nach der beßeren Außgabe Bethmanns in den 
Monumenten von Perlz (T. VII.) gegeben sind; ferner die Bruchslücke des 
mittelhochdeutschen Epos von Wallher und Hildegund nach tiarajans Auß- 
gabe in dem Schatzgräber (Frühlingsgabe), wobei Hrn. San Marie die neue 
Lesung Massmanns entgangen scheint, welche derselbe in Haupts Zeilschrift 
H, 217—222 mitlheilte, und endlich die lateinischen Hymnen Eckehards f., 
welche hier zuerst gedrukt wurden. 

So bietet der Walther von Aquitanien San Maries ein reiches Ala- 
teriaJ und wird denen namentlich willkommen sein, welche dem Gedichte 
näher treten wollen, one im Besitze der zerstreuten Hilfsmittel zu sein. 
Die beste Außgabe des lateinischen Gedichtes isl bekantlich von Jakob 
Grimm in den von ihm und A. Schmeiler besorgten lateinischen Gedichten 
des X. und XI. Jarhunderts (Göttingen 1838). 

Von dem Waltharius manu fortis biß zu Hart mann von Aue ist 
ein hübscher Schritt; aber wir müßen ihn machen, denn eine kleine Ab^ 
handlung von Karl Barthel soll angezeigt werden über das Leben und 
Dichten Hartmanns. Der Hr. Vf. ist durch seine Vorlesungen über die 
deutsche Nationalliteratur der Gegenwart bekant geworden, welche wir in 
dieser Zeitschrift Jahrg. 1852. S. 46 f. besprachen. Sie fanden vermöge 
ihres nicht zu läugnenden Wertes, noch mer wegen der darin herschen- 
den theologischen iUchtung weite Verbreitung und erlebten rasch hinler 
einander drei Auflagen. Der Hr. Vf. selbsl ist voriges Jar gestorben. Auß 
seinem Nacblaße , wie es scheint , ist das vorliegende kleine Schriftchen 
zum Druck befördert worden, das für eine Vorlesung gearbeitet sein 
mochte. Es erhebl keineswegs den Anspruch , etwas neues zu bringen ; 



Zlil li Mtnrer, geographische Schtillmch*r, an^. \. A, Sfeinh/Wier. 

was UcKinann und HaupL in den .Außgaben tler Werke Harlmaons tu 
Uge forderten, bildet mit manclien alleren ßenierbun^en Grimma und 
Simrocki den weaenllicbßn Inhalt der ßarlhelarhen Sebtift II r, RarlUd 
hat die InhaUsaog^iben der eiDZetnen Diclilutigeiv hin^ugerfigl und dieselben 
mit äslhelischcii llemerkungen bcgleili-l, welche klar und niiehterner sind,] 
als man von dem Verfafser der deul sehen Nalionflllilcratur der Gegenwart 
erwartet halle, Jn der Eüdeiinng weist der Hr. \L die literansctte Stel- 
lung Uartmanns nach; weil er aber bei diesem bleiben will, tnufs er die 
dreisproßig© Leiter umdrehen und zuerst von WoUram, dann von Gol Fried 
und zulezt von Elarlmann red&n. Dadurch ist die Enlwtckehing wen^^^er j 
klar geworden. Das ganze Sehr i flehen, von einem DileManlen gescbriebenj 
wird uicbtfachgelerletj Kreißen ^tvi niU/.lfch sein. 

Gv^z, K. Weinliold. 



Leitfaden für den Unlerncljt In der Geog^rapbie von H, Meur^r, 

Lehrer wn Ctymnnsiitni karolinum zu Osnabrück, lilil einer Kisen«) 
bahnkiirte, 5tweile vermehrte Auflage, IMunster, Thehsing, 1853i, ' 
Vm u. g72 S. gr. 8. — 17 Vi Mgr. = 1 H, 10 kr, CM 

Ein Auszug davon rfdirt den Tileh 
Kurze Übersicht der GeDgraphie für Volksschulen und Vorberei- 
tungsclasst'n von II, Meurer, u. ä, w. IV u» 76 S, gr, 8, — 
V» nihlr. = 20 kr. CM. 

So viel der Hr. Verfarser m der Vorrede zur cnteii Auflage auf die 
Theilung der physi kalisehen Geographie in drei Curse ah auf etwaa noch 
niebl dagewesenes sieh zu gute Ihul, m kann man doeh nicht umhin in der 
allgemeinen Anordnung seines Lelirlmches jene Hanptform frtst getreu 
wider *u finden, welche Roon, Voigt und andere schon früher ihren LeÜ- j 
finden gegeben haben. Was Hr. M- daran gtäuderl hal, gerojchl zum ge- [ 
ringen Vort heile, wo niehl tum Nachlheile, wenn, wie bei Luft und Klima, 
das Eüsammengehorigc getrennt wird» Die Worte, womit er seine Forta 
rechlfertigt, passen aueh auf die vorgenannten systeraalischeu LihrbücherJ 
bei denen allen die Vorschule durch die Vcrthcilun^ des KrofTes an 
Trockenheil verlierl, und die Karten schon nach den ersten flegri0en in 
Gebrauch kommeu. Eine nähere Erktürnng derselben versucht zwar der 
Itr. VL nicht, aber er macht sehr guten Gt'brauch von ihnen, indem er 
die Schüler vieles von ihnen ablesen läfsl, wozu am Eingange der Ab- 
schnitte Fragen vorausgeschickt werden* Diefs halle noch bedeulond wei- 
ter getrieben werden können i denn wenn sich der Lehrer besehn^-hener 
Karten bedient^ kann er sogar die Geographie eines jeden Landes so weil 
sie aus der Karte entnommen werden kann, vorhinein als Aufgab« 
M'lzen, und bei seinem spateren Vorträge das hinzu fugen, wovon die Kart« 
schweigt Diese Methode wird mit vielem iXutien von einrgen Lehrern in 
Wien befolgi und verdiente weitere Verbreitung, Sie erfordert jedoeh 
gute Karlen in den Hlnden der Sehiiler, damit ihre Ablesung nicht von 



B, Meurer, Geographische Schulbüch(*r, aog. v. i. Steinäftaser. 317 

Curichtigkeiten strolze. Hr. M. sollte sein Augenmerk darauf lenken, um 
lu erproben, ob sich nicht in dieser Richtung ein neuer Weg brechen 
lafse. Auch in den englischen Geographien gewahrt man eine Masse Fra- 
gen, die häufig die Überschrift fuhren: Übungen über die Karten, und es 
würde gewiss dem Onlerrichte nichts schaden, wenn die deutsche Syste- 
mastik ein Stück fahren liefse , um mehr praktischen Boden zu ge- 
winnen. 

Hrn. M.'s Leitfaden ist durch grofses Format und kleinen compressen 
Druck sehr inhaltsreich. An 9000 Eigennamen weiset der Index aus. Uiefs 
und seine streng - systematische Form qualificieren ihn für eine zweite 
Stufe des Onterrichtes und für eine Vertheilung auf mehrere Jahre, 
beides Umstände, die für sich allein eine Eignung für österr. Gymnasien, 
wo die reine Geographie noch immer nur ein Jahr hindurch und ohne 
Vorbereitungscurs gelrieben wird, unerbittlich ausscbliefsen. Für 
Realschulen zeigt das Buch keine vorwiegende Tendenz durch beson- 
dere Berücksichtigung von Gewerbs- und Handelsverhällnissen ; wenig- 
stens wären bei diesen die Omstande günstiger, da Geographie zweimal, 
jedesmal in drei Jahren vorgetragen wird. Der Hr. Vf. hat durch seine 
«kurze Übersicht' (für Vorbereitungsclassen) den Beweis geliefert, dafs er 
sein größeres Werk für eine unterste Stufe nicht bestimmte, weshalb er 
für diese einen weniger umfangreichen Text schaffen wollte, allein er hat 
gewiss nicht den besten Weg eingeschlagen, wenn er mit einem blofsen 
Auszuge die Aufgabe für gelöst hielt. Die Geographie für die untere 
Stufe mufs mehr Erdbeschreibung sein, als jede später zu gebrau- 
chende, kann aber diesen Charakter nicht erhalten, wenn die di^ecta 
membra der systematischen Gliederung beibehalten werden, wo nicht nur 
Flüfse und Gebirge, sondern selbst Berge und Thäler da und dort zu su- 
chen sind. — Im speciellen politischen Theile sind dem österreichischen 
Staate 8 Seiten gewidmet, viel zu wenig, um bei den bescheidensten An- 
sprüchen als Vaterlandskunde auszureichen. Die allgemeine Einleitung ist 
insbesondere viel zu kurz, so z. B. wird Österreichs Industrie in sieben 
Zeilen abgetban, und man erfährt nicht einmal , wo und wie sie vertheilt 
ist. unter den Nalurproducten fehlen Quecksilber und Zinn, woran Öster- 
reich so wenig Rivalen zählt. Die gebrauchten Zahlen sind ziemlich ver- 
altet, auch fehlt es nicht an Angaben, die falsch sind ohne Schuld, und 
solchen , die falsch mit Schuld des Hrn. Vf. 's. Unter die letzteren gehört 
die Aufführung von Auschwitz, Szator und Krakau als Kronland, die 
Jahrzahl 1849 bei Wien, das verwüste Schlofs Tirol, Brettenz am 
Rhein, der Sieg von Custozza 1849 u. v. a. Die sorgfältige Registrie- 
rung der historischen Notizen aus dem Jahre der Verwirrung ist sehr ent- 
behrlich für den Unterricht. 

Im ganzen genommen hat der Hr. Vf. sich bemüht, deutlich und 
dabei kurz zu sein. Diefs zeigt insbesondere die Vorschule in ihren drei 
Abtbeilungen > bei der man nur selten Begriffsbestimmungen findet, die es 
an Schärfe ermangeln lafsen oder wo eine vermeinte Notliwendigkeit zu 



318 H^ Meurer, Geographische Schuibücher» Aug. v. i, S(e(nhüUier 

cl&tsiücieren gröfsl«a und kleinstes unter ein Mafa bntigen wilt Wer 
die Hoben alTer Zonen in drei Siuf<^n zwangt, muf« sich bequemen^ ii> den 
Alpen MiUel^ebirge zu tehen. Hr. M, Kiehl sieb in tljeser ße^iehunß gut 
aus der Schlinge , tusoferu er bei dem angerührten Normal mafsc für 
Hüget, Berg gar nicht sagt, ob darunter relstive oder absolute llölie ge- 
meiut sei. 

Die Schilderung der Gebirge, %. B. der Alpen (tu deren Syslem der 
tJr. Vr. alte Gebirge von Mitteleuropa, von Ualien und der griechi^eheü 
Üalbiii^et rechnel) ist ziemhcb oberfläcbijcb durchgerührt, meist die allere 
hJ,«$lor)Sche Ansicht, ohne Rücksicht auf innere BeschafTü aheil und üarauT 
begrü n d e te a 2 ii sa ni ni e n b ^ ng . 

tu der politischen Geographie herrscht einiges Misverst£ndnis, welches 
durch die zu grofse Zerspblterung der einzelnen Staaleu hervorgebracht 
wird und dadurch verursacht » daff« mancher Sedezslaai Deutschlands den- 
selben ßauna eimiimml , welcher der skandinavischen Halbinsel , Ja noch 
^rörseren Kelchen zugelhedt isL Die Wclttheile haben keine allgeDielneu 
Üher»jchten erhalten und das biorhcrgehörigo roufs mühsam zusammenge- 
tuchi werden I ein üm^Und, der den Schülern keineswegs nacblheilig ist, 
wenn sie nur alles £u finden wifsen. Die Ausführung solefacr Zusammeo- 
fttellungen durch die Schüler, oder anderseits die Trennung des zusam- 
mengeäteUlen in seine E^temenle bilden sehr nötxlicbe Aufgaben, und ei ist 
tische des gereiften Lehrers, die rechte Zeit und di« rechte Art in den 
verschiedenen Fällen su ermefsen* 

Das beigegebene liisenbahnkiirtchen macht keinen anderen Aispruch 
|«ls den eine klare Übersicht zu gewähren , was auch erreicht ist, 
» Wahrscheinlich der schiefen Lage wegen glaubte der Zeichner ein par 
Meridiane und Breitenkreise anbringen zu müfsen, hat aber seiner Arbeit 
damit einen schlechten Dienst erwiesen. Bekanntlich schneidet der Meri- 
dian 20** öillieh von Ferro Paris und 30" i>stheh Venedig. Man sehe nun 
auf die Karte, wie weit fallen diese Städte links und rechts von den Linien, 
die sie schneiden sollen ! 

Zum Schlüsse kann ich nicht umhin, eine Idee laut werden zu 
lafsen, die ich einer Ausbeute für werth halte, gleichviel ob sie in Lehr- 
büchern versucht wird oder in der Praxis Bodeu greift. Vergleichende 
Geographie zu treiben in elfter unteren oder Miltelsture des Onter- 
richles ist zweifelsohne uiithunlich, weil die Schüler erst die Gegenstände 
einzeln kennen lernen mufsen, bevor man ihnen eine Zusammen- und 6e- 
genüherstellmig nach verschiedenen Sehpunctcn und Merkmalen mit Nutzen 
vortragen kann. Diefs hJit seine Btcbligkeit, so Lnige die Gegenslände des 
Vergleiches dem Gebiete der ganzen Erde entnommen werden^ 
oder ganzer Zonen, mit wenigen Worten , weit auseinander lie- 
gen; allein es gibt \Mii Ahnlichkelten und Unahnlichkeiteu, die auf leicht 
erkennbare aufserttche Jtlerkmale sich basieren, die das na chs 1 1 1 egenda 
betreffen und deren Vergleich sonach schon mit der erslen Vorführung 
verbunden werden kann. \yhäf!> VerglfiHie, iMüonderi über riuNgeäder, 



j 



B, Mewrer^ Geographische Schulbucher, ang. v. i. ^einkataer, 319 

geben nicht nur der trockenen Aufzahlung einen besonderen Reiz, sondern 
sie sind ebenso viele Ankerwurfe in's Gedächtnis, welche den erworbenen 
Schatz befser haften machen, in dieser Beschränkung vergleichende 
Geographie treiben, passt auch für untere Stufen des Unterrichtes, be- 
sonders im vaterländischen Theile, der noch grundlicher eingeübt werden 
soll, und ich möchte wünschen, durch das Anklingen dieser Saite Veran- 
lafeong zu geben, dafs geübte Lehrer der Möglichkeit der, Ausfuhrung, der 
Art und Welse der Durchführung, dem Umfange und den Gränzen dersel- 
ben einiges Nachdenken widmen möchten. Um meine Idee klar genug zu 
machen, werde ich sie im kleinen durch ein Beispiel erläutern. Man be- 
trachte die Flüfse von Niederösterreich am linken und rechten Douauufer. 
Am Unken finden wir 1. zwischen Linz und Melk vorherrschende Richtun- 
gen von Nord nach Süd, tiefe Thal furchen in stets abnehmender Länge, 
2. auf der Hochfläche nach der Sammlung der Gewäfser im Quellgebiete, 
vorherrschende Richtungen nach Ost mit plötzlichem Umbuge nach Süd, 
nach dem Quellengebiete in liefen Rinnen flieCsend und durch Bergvor- 
lagerang gezwungen rechts auszuweichen (Krems und Kamp, Widerholun- 
gen im verschiedenen Mafse). In weiterer Ferne widerholt, in der Haupt- 
sache ähnlich, die Thaya diese Erscheinung in verändertem Malse. 3. 
Wafserarmuth im Hügellande. Breite Thäler und kleine Bäche, oder gar 
waberlos. Ebenen, wo auf vielen Geviertmeilen kein fliefsendes WaÜMr. 
Die Richtung strenge nach den Hauptabdachungen, Schmida's zur Donau, 
Zaya zur March, Rufsbach auf der Schneide beider. Am rechten Donau- 
ufer abermal dreierlei Gestaltungen. L Salza mit der Enns, Ips, Erlauf, 
drei Flüfse mit immer gröfserer Neigung, die nach Nord und Nordost 
geänderte Ostricbtung zu verkürzen und zu verkleinem. Nach dem Über- 
gangsflüfschen Bielach folgen iL drei Baumgestalten im Geäder Traisen, 
Perschling, Tulnerbach, reiche Krone im Quellgebiete, dann ohne nennens- 
werthen Zuflufs bis zur Mündung, jedes folgende Flüfschen ein stark ver- 
kleinertes Spiegelbild des Vorläufers. Hl. Jenseits des Wienerwaldes, ein 
System paralleler Curven in immer wachsenden Umkreisen, Wien, Schwe- 
chat, Triesting, Piesting, Leilha; schon vor dem Eintritte in die Ebene 
ziemlich auf sich beschränkt, dann aber unter einander durch Querrinnen 
und Oberschwemmungsbete verbunden. 

Was im kleinen so geübt werden kann, läfst sich in einer mäfsigen 
Ausdehnung gewiss auch im grofsen anwenden, und es dürften Versuche in 
dieser Hinsicht kaum als unfruchtbar sich erproben. Der gute Wille, durch 
die Hervorrufung solcher Versuche der Schule einen Vortheil zuzuwenden, 
mufs mich gegen die Anklage entschuldigen, diese einem anderen Zwecke 
gewidmeten Zeilen so sehr vermehrt zu haben. 

Wien. A nton Steinhäuser. 



330 / /. u»ii A'. P. Uitrouf, Hie WuiiJli- des HimmelÄ, mg. v ür. ä: AreÜ' 

Die W u fi d <?r des Ui m m e h otler gemein rar^ticFie Darsteüuri^ 

des WdUyslemcs voü J J, v. Lillrow. Vjerle Auflage. Nach 
deu ii#jyeslen Fortschritten der VVifsenschaft Ijearbeilet von Knil v- j 
Liltrow. Slulljrart, HotTmainH , 1854, VIll u. 853 S. S. mit 131 
IJoUsehüUten und 7 Fig. Tafdo* — 2 Thlr. 15 Ngr. i= 5 fl. CVI. 

Unter allen Zweigen der Natiirwifsemchaflen , welche auf die Vei^ ' 
edelung dea menschlichen Gemüthes einen unmiltelbaren EinAufs ausüben, 
nimrai die Asfronomie unhezweifell den ersten Plali ein. Jeder , sei er 
Knabe oder M«inn , fühlt sich erhoben beim Anblicke des 8 lernen himmels 
und liorcht mit gespannter ßegierdo auf die Lehren ^ welche ihm über i 
diese Welten Aufiichlule r.u geben versp rechen, die sich ffist laglich seinen 
Blicken eiUhmien und doch ewip unerfo rieht bleiben. Darum haben 
Schriften, welche diesen Gegenstand würdig und klar hehandfJn, stets die 
vollste Anerkennung gefunden; das grofsc Publicura, und zwar der edelste 
Theil desselben, ist Hichler darüber; seine Stimme spricht sieh so enl- j 
schieden darüber aus, daf« deoi diuelnen nichts zu Ibun übri;^ bleibt all 
das Widererscheinen eines solchen Buches anzuKeigen und höehstens tiber 
die Veränderungen zu berichten , welche in seinem Inhalte oder seiner 
äufseren Form vorgenommen worden sind. 

Diefg h\ der Fall bei dem ob benannten Werke, das nun seit i 
dem Jahre 1834 in der vierten starken Autlage vor uns erscheint, Vier 
Auflagen von einem wifsenscbafUichen Werke binnen 20 Jahren sind wol 
der bündigste Beweis » dafs dasselbe nicht blofs für ilie eigentlichen Ge- 
lehrten vom Fache besliinmt, sondern geeignet ist, jedem Gebildeten in 
berrjedigendsler Weiae Belehrung zu bieten über einen Gegenstand, der 
£war £u den anziehendsten, aber auch zu den minder fafi^hcheu gehorl, 
über einen Gegenstand ^ der seil Jahrtausenden den gröfsten Denkern 
alter Nationen retcblicben und lohnenden Stotf zu Forschungen dargeboten 
hat, deren Früchte, wenn gleich lange Zeit hindurch nur einem kleinen 
Kreise zugänglich, nun aber einen Grad von Sicherheit, Scharfe und An- 
schaulichkeit erlangt haben, welcher ihnen die Treundtichste Aufnahme bei 
Alien Gebildeten zuslcherL 

Diese Früchte sind mit seltener Reichhaltigkeit im vorliegenden 
Buche aufgespeichert un^i werden dem Leser in einer Weise gereicht, 
welehe diese überaus heiehrende Leclüre auch zu einer höchst au geneh- 
men macht. Insbesondere empfehlen wir sie den Lehrern der IVaturwifscn- 
sehaflen, durch welche die Gesammtheit dieser Wahrheiten und Darstel- 
lungen den Schülern zugänglich geuiacht, in den jungen Gemüthern der 
Funke für das erhabene Studium der Kalur geweckt, und aus der Er- 
kenntnis des Wahrnehmbaren der Glaube an das Überifdiscbe gekräftigt 
werden solL 

Wer Gelegenheit hat, div früheren Auflagen des Werkes mit der 
gegenwartigen zu vergleichen , wird aus den Bereicherungen , die sie er- 
fahren » einen Blick in die tieschichte dieser Wiräenschaft währcinl der 
Jelzten zwei Decennien thun können, der ihn belehrt, wie irrig dit« An- 



y. J. und K, V. Liitrow, Die Wunder de8 Himmels, ang. v. Dr. K.KreU. 321 

sieht derjenigen ist, welche behaupten, dafs sie, bereits auf dem Gipfel 
der Vollendung angelangt , keine Gelegenheit mehr biete , geistige Kräfte 
und materielle Hilfsmittel für ihre Zwecke nützlich zu verwenden. Es ist 
vielleicht keine Periode der Vergangenheit, die Zeit Keplcr*s und Ncwton's 
ausgenommen, wo sie so raschen Schrittes voraiigeeilt wäre, wo aber 
auch so viele Mittel für diesen Zweck in Bewegung gesetzt wurden. (Jm 
diefs zu zeigen, sei es uns erlaubt, nur einige der in dieser Ausgabe neu 
hinzugewachsenen Abschnitte flüchtig zu erwähnen. 

Die Entdeckung Neptuns, einer der gröfsten Triumphe, deren sich 
der menschliche Fleifs und Scharfsinn rühmen kann, wird in der ersten 
Abtheilung $$. t25, 126, 127 und in der dritten Abtbeilung 98—105 mit 
jener geschichtlichen Treue gegeben, die eine solche Entdeckung verdient, 
durch welche unser Planetensystem um mehr als die Hälfte seiner vori- 
gen Ausdehnung vergröfsert wurde. Es geht daraus hervor, wie viel die 
drei wifsenschaftlich gebildetsten Nationen, Franzosen, Engländer, Deutsche 
beigetragen haben, um die Frucht zur Reife zu bringen, welche, als ihre 
Zeit um war, durch Leverriefs scharfsinnige Bemühungen gepflückt wurde. 
Die massenhafte Auffindung der Asteroiden (im Werke sind deren 
bereits 2G angegeben), die Berechnung ihrer sich wundersam verschlin- 
genden Bahnen, die Emsigkeit, mit welcher jeder dieser neuen Weltbürger 
verfolgt und beobachtet wird, liefern einen neuen Beweis von der Thätig- 
keil der Astronomen in heutiger Zeit, und während von Olbers Entdeckung 
der Ve»ta (1807) bis zur Wahrnehmung der Astraa durch Hencke (1845) 
38 Jahre verstrichen, lieferte uns das Jahr 1852 allein acht Asteroiden. 
Der Lehrer findet in den $S- 84 — 93 der zweiten Abtheilung die höchst 
merkwürdigen Beziehungen zwischen den Bahnelemeulen , namentlich der 
Lage der Knotenlinien und dem Sonnenäqualor. 

Nicht minder beachtenswerth sind die Betrachtungen über die Ko- 
meten ($. 180—191), insbesondere über jene von kurzer Dmlaufszeit, 
deren bereits zehn unserem Sonnensysteme eingebürgert sind, während 
unsere Vorfahren nur den einzigen flalley'schen als widerkehrenden erkaniit 
und beobachtet halten. 

Über die Doppelsterne, die Arlilchstrafse und Nebelflecken, die ver- 
änderlichen und neuerschienenen Fixsterne hat der Herausgeber eben so 
reichhaltige Zusätze geliefert, wie über die astronomischen Beobachtungs- 
miltcl der neueren Zeit. Auch der dem Werke beigegebene «Atlas de» 
gestirnten Himmels' ist von ihm vortheilhaften Umänderungen un- 
terzogen worden. 

Somit erhält der Leser in dieser neuen Ausgabe der «Wunder des 
Himmels' ein Buch, das ihn auf -dem angenehmsten Wege in die erhabene 
Wifsenschaft einführt, die seit Jahrtausenden den Ruhm des menschlichen 
Geistes bildet. Möge es fleifsig benützt werden, um unter unsere Jugend 
den Samen der Erkenntnis auszustreuen, dessen Früchte den kommendei» 
Geschlechtern zur Ehre und zum Nutzen gereichen werden. 

Wien. K r e i I. 



Dritte Abtheil uns:. 



V^erordnun^eii für die österreichischen Gym- 
nasien; Statistik. 

a. Erläfse. 

ErlaTs des h. Ministeriums für Cultus und Unterricht, 
beireffend die Reguiieru n g der Gehalte u nd Gehaltszu- 
lagen des Lehrerpersonalcs an den aus öffentlichen 
Fonds erhaltenen Gymnasien. 

5. März 1854. 

Seine k. k. apostol. Majestät haben mit Allerhöchster Entschliefsung 
vom 30. Jänner 1854 allergnädigst zu bewilligen geruht, dafs die Gehalte 
und Gehaltszulagen des Lehrerpersonales an den aus Öffentlichen Fonds 
erhaltenen Gymnasien nach folgenden vom 1. Mai 1. J. in Wirksamkeit 
tretenden Bestimmungen reguliert werden: 

I. 

Die den Gymnasiallehrern mit Allerhöchster Entschliefsung vom 
29. Dezember 1849 (für die Gymnasien des lombardo-venetianischen König- 
reichs mit Allerhöchster Entschliefsung vom 24. Seplbr. 1852) bewilligte 
zeitliche Zulage wird eingezogen, dafür werden die ursprünglichen Gehalle 
der Gymnasiallehrer nach den verschiedenen Kategorien um je zweihun- 
dert Gulden erhöht. 

II. 

Die durch verdienstliches Wirken erworbenen Decennal - Zulagen 
von je einhundert Gulden werden weder durch diese Gehalts - Erhöhung 
noch bei Vorruckung in eine höhere Gehaltskategorie an Gymnasien pro 
rata eingezogen , sondern ungeschmälert belafsen; sie sind, wie bisher, 
auch fernerhin als ein Theil der Besoldung bei Bemefsung der Pension 
der Gymnasiallehrer zu betrachten. 

III. 

d) Auf diejenigen, vor dem Jahre 1831 angestellten Lehrindividucn, 
welche noch auf die im Jahre 1819 Allerhöchst bewilligte Deceunalzulage 
eines Gchaltsdritlrls Anspruch haben, finden die unter I und II bezeichneten 



nrläfse. 221 

BestiiDmungen keine AnweDÜung, und werden tolchen Lehrern bei etwaiger 
Vorrückung in eine höhere Gehaltsstufe an Gymnasien die DecennaUuiageu 
eines Gehallsdriltels pro rata eingezogen werden. 

^) In einzelnen Fällen jedoch, in welchen solche Lehrer im Vergleiche 
SU den übrigen jüngeren Lehrern derselben Gehaitsclasse bei diesem Vor- 
gange ungünstiger gestellt würden, ist es stallhüft, dafs die Bezüge der- 
selben den Bestimmungen I und II gemafs umgewandelt und festgestellt 
werden. 

IV. 

Die bisherigen Lyceal- (philosophischen) Professoren, welche die 
Pflichten und die Stellung eines Gymnasiallehrers vollständig übernommen 
haben oder übernehmen werden, können hinsichtlich ihrer Gehaltsbemrs- 
sung, wenn sie sich gegenüber den anderen Lehrern benachtheiligl finden, 
nach der Bestimmung 111, b) behandelt und ebenfalls der Decennalzulage in 
der Art theilhaftig werden, dafs sie sie nach zehn am Gymnasium zuge- 
brachten Dienstjahren erhalten; auch sollen sie unter obiger Voraussetzung 
bei Versetzung in den Ruhestand nach den für Gymnasien bestehenden 
Normen behandelt werden, so dafs ihnen die an der ehemaligen philoso- 
phischen Lehrabtheilung zugebrachten Dienstjahre so angerechnet werden^ 
als wenn sie dieselben an einem Gymnasium vollstreckt hätten. 
Anmerkung. 

Um den Lesern das Verständnis der vorstehenden Verordnung und 
eine richtige Würdigung ihrer Bedeutung zu ermöglichen, hält es die Red. 
für angemefson, die bisher in Geltung beüudlichen Bestimmungen über die 
behalte der Gymnasiallehrer den Uauptzügen nach zu bezeichnen. 

Im Jahre 1807 wurde die Anordnung getroffen, dafs die aus oU 
fentlichen Fonds erhaltenen Gymnasien , im wesentlichen nach der Gröfse 
der Städte , an denen sie sich beßnden , in drei Classen unterschieden^ 
irod hiernach die Gehalte , sowol der Grammalicallehrer (Lehrer des On- 
tergymnasiums) als der Humanitätslehrer (Lehrer der 5. und 6. Classe) 
abgestuft wurden. Es wurde nämlich der Gehall eines Grammaticalleh- 
rers, je nachdem er an einem Gymnasium dritter, zweiter oder erster 
Classe angestellt war, auf 500, 600, 700 fl. CM., der eines Humanitäts- 
lehrers unter den gleichen Bedingungen auf 600, 700, 800 fl. CM. fest- 
gesetzt. 

Eine Verbefserung dieser Gehalte trat durch a. h. Entschliefsung 
vom 10. Juli 1819 ein, indem durch dieselbe allen aus öffentlichen Fonds 
besoldeten Gymnasiallehrern und Präfecten nach jedem zur Zufriedenheit 
lurückgelegten Decennium im Lehramte ihr Gehalt durch Zulegung eines- 
Drittels desselben vermehrt wurde. 

Allein im Jahre 1831 fand man zur Schonung der Finanzen Tür 
nöthig, diese Begünstigung für neu anzustellende Lehrer aufser Kraft zu 
setzen, und ihnen nur nach jedem zur Zufriedenheit der Behörden zurück- 
gelegten Decennium eine bei der Pensionsbemefsung mit in Rechnung im 
bringende Zulage von 100 fl. in Aussicht zn stellen. 

Durch a. h. Entschliefsung vom 16. December 1837 wurde überdief^ 
verordnet, dafs Decennalzulagen in dem Mafse wider eingezogen werden, 
als die damit betheilten Lehrer entweder durch Vorrückung an derselben 
Lehranstalt oder durch Versetzung an eine andere in einen Gehalt ein- 
rücken, der ihrem bisherigen durch die Decennalzulage vermehrten gleict>- 
kommt oder ihn übersteigt. 



8^4 



ErJarse. 



Sogkicb niil dem Beginne der Xhäligkeil für eine durcligreirejub 
Eerarm ütiä IS ymnosial Wesens nclitete aJcli die Aufmerksamkeit der hohen 
Regierung auf die Vuibefderung der ökonomistlxeii Li^c licr Gymnajsial- 
lehrer. Ein specielter \n\ah hieran Ug noch in Tol^cndt^m umstände, Üie 
Gymnasiallehrer hatten bis dfthin itife geringen Gehalte bäuHg durcb eine 
Beschäftigung erhöht ^ welche weder in ihrer didaktticben noch in ihrer 
iDoraliäcben Einwirkung auf die Schule gebilligt werden konntcr und durch 
Verordnungen öfters eingeÄChränkt , aber nicht aufgeheben war, namtieh 
durch Erthcilea s. g. Naehslunden oder Correpelilianeü an die Schüler 
ihrer Clause. Mit dem Cliarakter der angehahuten neuen Gyinuasialeinrich- 
tung stehen diesethen ui einem ao entschiedenen GegensalKC^ daCs ihr Forl- 
hesilehen die neue Organisation von anfang her hätte untergraben muffen. 
kl Erwägung dieser Ünistande wurde durch a. h. EntschJiefsung loui 
ay. Decbr* i849 die Erlheilunä ditüür Correpetitionen abgestellt, und ju- 
i^leiuh den miudi,'Sl btrsoldften üyninasiallehrern bis zur defmitiveti Ge- 
ll all ssy stein tsrerung eine zeitliche Zulage von 200 fl. CM* bewilligt. 
{Reichsgesetxbialt. 1850. S. 429.) 

Wenn die gnädige Fürsorge, welche sich iu dieser sofort VDtl;.o- 
genen MafsregeL ht:kundet, \on dem Lebrcrstande mit dem lebhaftesten 
lUnke aufgenommen wurde, so konnte sie doch schon nach ihrer pro- 
viiiorischen i^atur nicht eine Dachhalt ige moraliÄche Einwirkung ausüben, 
jumal da einige BedingungC'ii mit derselben verknüpft waren, welche den 
Erfolg dieser Anordinmg auf einen ziemlich engen Ivrei» heschränkten, fo- 
der ISalur der blof«! jteitlichen Zutage mar :»chou nach allgemein geset/.- 
hcheti Bestimmungen i'nth^illen ^ dafs dieselbe bei tiemefsung vom fen- 
gioiien nicbl in Hecbimng kosnmt. Aufserdem aber wurde, bei der ge* 
fitailten Aussicht auf dcrmitive Gehaltsregulicrung^ bestimmt, dafis die^e 
zeit liehe Zulage in dem Mafse einge£Ogeu werde, in welchem ein Lehrer 
entweder durch Einlreleii in die Deccnnjiizulage oder durch Versot*ung 
an ein Gymnasium höherer Chsse in eineu hefsscren Gehalt einrücke, und 
m blieb aufserdem die erwähnte Anordnung vom Jnhre 1837 in Kraft. 
In Folge dieser beiden Bedingungen traten unvermeidlich manche U\\- 
35ukommlichkeiten ein. Lehrer. Wülclre srhon im Bt&iiie von Deccnnal- 
Zulagen waren , konnten eine Beförderung an die hefser dotierten Stehen 
voD Gymnasien höherer Kategorien in der Hegel nicht leicht wünschen, da 
Aie an Deeennaixulage verloren, was sie an Gehalt gewannen, und über- 
dtefs fui einem theureren Orte tu leben hatten^ An demselben Gymna^iumi 
/. B. einem der ersten Clasüe, war der jüngere College^ dtjr erst nach 
seint^r Beförderung »n dil^ses Gymneisium li^ die erste Üecennahulage ein* 
getreten war, befser besohlet, iils der altere College, der vielleicht schon 
in Ewei DecennaUulai^en vor Heiner Beförderung an dieses Gyronaaium 
eingetreten war, Aueh die Eeitliche Zulage kam nur denen zu statten, 
die nicht schon durch längeres verdienstliches Wirken sieh DecennalÄU- 
h^en erworben halten; diese dagegen standen um nichts befser, als ihre 
eben erst in die amtliche Thäiigkeit eintretenden Colleßfen. Auf diese, auf 
die neu angestellten Lehrer, blieb daher die Woltbat dieser zeitlichen Zu- 
lage f>tit aussehherallch beschknnkt. 

Allen den angedeuteten Übetatiinden ist durch die gegenwärtige de- 
ftnilive tiegelung abgeholfen. Die fi*sten Gehalte sind nunm<*hr an Gyiiina- 
sieu dritter Classe 700 11. und 800 IT,, an denen zweiter Clasüe 800 0. 
und 900 fl., an denen erster Classc 900(1. und 1000(1. Die nach 10- oder 
20jähriger tadelloser Dienstfuhrung erworbene Decennakulage von 100 fl^ 
öder 200 fl. wird weder durch Eintreten in die höhere Gehaltskategorie 
t'in dem-^elben Gymnasium, noch durch Versetzung nn ein Gymnasium 
höherer Cbsse eingehnfsl; jede solche Beförderung ist also nunmehr eine 



tlrläfse. 325 

wirkliche Refserung der äurseren Lage* Der gesammte Gehalt, der ur- 
sprüugiiche samml der Decennalzulagen, kommt bei der Peusionsbemefsuog 
in Recbnuug. 

Es leuchtet ein, dafs diese Regulierung der Gehalte unmittelbar mit 
ihrem Eintreten der Lage mancher Gymnasiallehrer eine merkliche Berse- 
rung bringt; bei dem gesammten Lehrerslande aber wird dieser neue Be- 
weis der a« b. Gnade den Widerhall des lebhaftesten Dankes wecken. 
Denn es ist nicht biors an die Stelle eines schwankenden Provisoriums ein 
uio vieles günstigeres Dcßnitivum eingetreten, sondern diefs ist uberdiefs 
in einer Zeit geschehen, in der es vollkommen erklärlich wäre, wenn aber 
der Sorge für das Ganze des Staates die Regelung kleiner Einzelheiten 
aufgeschoben, und bei gewaltigen Ausgaben für das VVol des Ganzen die 
Belastung der Staatscassen mit irgend einer Mehrausgabe vermieden wurde. 
Dafs diese umstände ohne Einflufs geblieben sind, gibt von neuem Zeugnis 
von der Werthschätzung, welcher an allerhöchster Stelle der Onterricht and 
die mit seiner Ausführung betrauten Männer gewürdigt werden. 

Erlafs des h. Min i sto riams f ur Gul t us and Dnterrichty 
über die Jahresberichte vom Schuljahre 185^53, beson- 
ders in Betreff des lateinischen Unterrichtes. 

11. März 1854. 
Aus den Jahresberichten der Gymnasien und der Schulbehörden für 
das Schuljahr 1852/53 hat das Ministerium eine Übersicht dessen erlangt, 
was den gegenwärtigen thatsächlichen Zustand der Gymnasien bezeichnet. 
Die Erfabrangen aus den drei bis vier Jahren, seit welchen die stufenweise 
Omgestaltung der neuen Gymnasialeinrichtung durchgeführt wird, sind 
geeignet zu bezeugen, dafs die Wirksamkeit dieser Anstalten , namentlich 
«olcher, auf deren Reorganisierung nicht eine Ungunst der inneren oder 
aufseren Verhältnisse lastete, von dem erwarteten Erfolge begleitet werde. 
Auch ist an diesem Erfolge eine erfreuliche Steigerung wahrzunehmen. 
Die Richtungen, in welchen dem vorgesteckten Unterrichtsziele zugestrebt 
werden soll, sind von der Mehrzahl der Gymnasien mit Sicherheit einge- 
sehlagen. Die Abnahme der im Anfange aufgestofseneu Unebenheiten und 
praktischen Schwierigkeiten, so wie eine fortschreitend gedeihliche Ent- 
wiekeluug des inneren Lebens dieser Schulen ist nicht zu verkennen. Was 
die einzelnen Unterrichtsfächer betrifiTt, so werden Religionslehre, Griechisch» 
Geschichte und die Naturwifsenschaften als diejenigen hervorgehoben, deren 
Ergebnisse mit Rücksicht auf die Übergangszustäode, welche einer unge- 
hinderten Entwickelung noch einlrag thun, im ganzen als erfreulich an- 
zusehen seien. Insbesondere wird die Erstarkung der sittlich - religiösen 
Bildung der Gymnasialjugend als eine entschiedene Thatsache hingestellt. 
Ich habe von diesen Ergebnissen mit Befriedigung kenutnis genom- 
men und erkenne darin den thatsächlichen Beweis, dafs die Lehrkörper 
ernstlich bestrebt sind, das rechte Verhältnis, was Zweck, Grenze und 
Richtung ihrer Berufsthäligkeit anbelangt, gehörig aufzufafsen und sich 
mit dem Geiste des Org. Entwurfes vertraut zu machen* 

Ich erkenne ferner lobend die Offenheit an, mit welcher in den Zu- 

ZettMhr. fttr die ostetr. üymn«tieD. 18S4. IV. HU. 23 



^jn 



Krlnfstf. 



und auch die Ergebnisse darpesttilU werden, wtlnhe nicht auf gleicher 
Hüho mit der Erwürlung und mit de» iiii^e wandlet! Mühe sieben. Wo e» 
sieh uro solche wichtige litlcres^ien, wie Itm des offen tliehen Cloterriehtei 
tmd der EfJEiehting, handelt» isl eine wabrKtjiUgetreufl DaihlcUung dar fac- 
t jachen Zustände um so noth wendiger , hU dieselbe dem Miul^ierium tu 
glt»ich den geeignetsten ADlafü hictel, die Lehrkörper in der Ünrchfuhrurvg 
t*iner Aufgabe, deren Wirkung zunächst an die iüdividuelle Begabung und 
freudige Bereilwilligkeil der vorhandenen krafle gebunden bl^ uolt H^ilh 
und Müfe zu uTilerstüt7en4 

In dieser Beziehung verdient der Cnlerrichl im Lateinischen, kmil 
IheÜQ auch im üeutirehi^n eine besondere Au^n)f>rk.satnLeil. Über die Er^i 
folge dieses UnLerrichled lafJsen sich nlmlich wjderhoU uud in beachlens* 
weriher Atigemeinheit Klagen vernehmen* Zwar wird in den Berirhien 
nitht über Mangel an TheiluJihme der Schüler an der Leclfire der Classi 
ker und über wenig befriedigende Erfolge auf diesem Felde geklagt; im 
üegentheile äufsern die Lehrer des Lntetos im ganzen ihre Zufiiedenhfil 
mit dem Übersehen und dem Ver^täinlnisse der lateiniseht-n feehulaucloren 
Ulein ea wird bemerk!^ dafs die techniiche Handhabung der Sprache in 
grammaliseh correclero Übertragen ans der Muttersprache mit einigem 
Sinne für dfe laleinische Darslellungsform, so weil in letKterer Uinsichl 
Ansprüche tu machen sind , in der JVtehr^ahi und in hohem Grade «ich 
vermissen tafse, zumal bei Schülern der oberen Ciasseo, während man 
sieb beicnglieh der un leren Curse grofslentheila irUfrieden «lelleu könne. 

Durch diese Erscheinungen hal sich bei den Lehrern und Directoren 
die Anificht entwickelt, dte den Latein zugewiesenen Stunden wären nirhl 
ausreichend^ und die entsprechende Abhilfe wäre dahtr in einer Vcrmeh' 
rung der ÜnterrichtHStunden und der schriftlichen Arbeiten di;r Schüler tu 
finden. Allein erstere wäre, insofern sie nur ai^f kosten anderer Unterrichts- 
gegenstände geschehen kannte, und dadurch die bei^teliende tiliederung de« 
gesammleu Onlerrichles in frnge gesletit würde, eine voreilige IVJafaregrl, 
nachdem erst die Probe der tihereinslimmcuden o^ehrjährigen Erfahrungen 
einen Entseheidnngapunct darin zu biett^n haben wird^ ob auch Schütter, 
welche den ganzen tiymnasjalcurs imcb dem vorgt schrie heuen Lehrplane 
absolviert haben, dem Alafs© der geilelllen Forderungen nichi gewachsten, 
und oh daher weaenl liehe Modificalionen in dem Lchrj>Jaue dts^ Laieina 
nngezeigl seien. Gine Vermehrung der scbrifllichen Arbeilrn der Schüler 
würde aber einerseits die Gefahr der tberbürdnng der Schüler noch näher 
liringen, als sie ea in der Dauer der Übergangszeit olinehm ist und in 50 
lange bleibt, als tüchligtf Gymnasialpltdagogik nicht durchgängig den Or- 
ganismus der Schule belebi ; sie würde andei'seits hm dem (Imstande, dafa 
gehäuftere Correcturarbeiten für die f^hrer kaum erschwinglich waren | 
und dahor Ihedweiso unterbleiben mürsten, den praktischen Erfolg nicht 
Kfdgern* Es bleibt daher der weiteren Erfahrung vorbehalten, das Urlhed 
f^icher EU sletleu, ob nicht ein aligemeiu befolgter zweckmafsiger Vorganj^ 



Erläfse. 327 

bf*i (tie.Hem Ünterrichle zur tlr/ieluii^ der gewrniHChten Itesultale, ohiw erst 
die erwähnte Mafsregel einlreten zu Ufseo, voiUtändig ausreiche. 

Vortieg^ende Thatsachen deuten nämlich auf diejenigen Mängel in der 
Ausf&hrung der gegenwärtigen Lehreinrichtung hin, aus denen sich die 
Klagen über nicht genugende £rfolge des lateinischen Unterrichtes erklären. 
Häufig wird aus einem regen, jedoch vom richtigen Wege abirrenden 
Elfer die Leclure za rasch vorwärts gedrängt, um ein gröfseres Quatttum 
abzothun, zum Nachtheile der Fortübung, Befestigung und Erweiterung 
des grammatisrheii Wifsens. Die Kolgen eines solchen zu raschen Vor- 
gehens, vor welchem überhaupt bei jedem [JnterrichUzweige nicht genug 
gewarnt werden kann, machen sich in der grofsen Onsicherheil der gram- 
matisch-lexikalischen Anwendung des Lateins beim Überlragen aus der 
Muttersprache und in der verderblichen Angewöhnung der SchülcT bemerk- 
bar, durch Benutzung fremder Übersetzungen sich ihrer Aufgabe schneller 
und ohne Mühe zu entledigen. Die schriftlichen Aufgaben werden ferner 
nicht immer den individuellen Bedürfnissen der verschiedenen Curse ent- 
sprechend und mit Rücksicht auf die in der Classe vorwiegenden gramma- 
tisch-lexikalischen Schwächen der Schuler gewählt. 

Anderseits mufs wider der Abweg gemieden werden, dafs die Schrift- 
steller als blofse Beispielsammlungen für die Grammatik, und der Text als 
eine onl ergeordnete Nebensache der Interpretation angesehen werde, dafs 
daher die classischen Sprachen, in blofse grammatische Formen aufgehend, 
ohne rechte Frucht für die wifsenschaft liehe humanistische Bildung bleiben. 

Das Mafs der Erklärung mufs auf diejenigen Bemerkungen beschränkt 
bleiben, welche zum gründlichen Verständnisse des Textes unerläfsiich sind; 
sie sind da überflüfsig , ja hinderlich, wo ohne sie das Verständnis voll- 
kommen ist. 

Worin dieses wichtige Mafs besiehe, läfst sich im allgemeinen nicht 
bestimmen; hierin entscheidet die Beschaffenheit des Gegenstandes und die 
Vorbildung der Schüler, und diesen gemäfs die persönliche Überzeugung 
des Lehrers. Die Schwierigkeit dieser Aufgabe, wenn sie mit Erfolg ge- 
löst werden soll, ist nicht zu verkennen. Ungleich mehr ats in jedem 
anderen Unterrichtszweige mufs bei dem Lehrer in diesem Gebiete grund- 
liche wifsenschaftliche Bildung, opferwillige Thätigkeit, pädagogischer Tact 
und häusliche Vorbereitung vorausgesetzt werden. Denn es ist um vieles 
leichter, irgend einen Gegenstand in zusammenhängendem Vortrage zu be- 
handeln, als ihn mit den Schülern so durchzuarbeiten, dafs das Interesse 
und die Selbstthätigkeit aller Schüler geweckt und beansprucht, kein Au- 
genblick der kostbaren Zeit verloren und die Lehrstunde zu einer bestän- 
digen UDgesnchten Prüfung der Schüler wird. Die richtige Wahl und 
Folge &€s Stoffes für diesen Unterricht und besonders für die Übungen im 
einzelnen setzt ein eindringendes Nachdenken von selten des Lehrers vor- 
aus, eine genaue Vergleichung des zu erreichenden Zieles mit den vorhan- 
dienen Kenntnissen der Schüler. Endlich die regelmäfsigen Pensa und Cnn- 
Positionen erfordern, wie bei keinem anderen Gegenstände die Mühe einer 

23 • 



it2H 



Kt-rfsr«!' 



ntk Arbeiten aller Schulet IrelTentleD ftufmfrki'Anitfn ^ nfidi der Style der 
t*iiTXrlnen Glasseii «ich steigernden Corret-lun Und denaoeh i»üfsei> die«? 
Heditigungen dei Erfot^ei des Cnterrrchfes rn den daisiaeben Sprachen um 
fio metir in'i Auge ^etahi werden, nb dieäcr tJnierrJctit die hauptsaeldiche 
Grundlage einer wahrhaft höheren Bildung , welche dem Gytnnaiium nl» 
Zid YOfgesleekt islp bitdel. 

Um iur allmählichen Hehung der wahrgenoinmenen Manfrel, von 
denen »ich übrigeirs iiJcht wenige Lehrer der chssischen Sprachen schon 
jetit frei zu hallen wifsen, nieht nur mit sicherem, j^ondern aueh allge- 
mHnem Erfolge beistui ragen, h^t da;; Küiusteriucn ein begrijndeics Guiach - 
ten über diesen wichtigen Theil deft Gymaaslal unterrichte« von «achl^un- 
Mi^^er Seile abverlangt, Dieses GnUchten, von weteheTn tnehrere gedruckte 
I*;%i<nip{ar0 zur Vertheilnng an die Gynnia^üien angeschlofjsen werden, eiit- 
hitU die entsprechenden aus vorliegenden ThaUachen sich ergebenden me- 
Ihüihüt'hen Winke und Rathschläge, deren Beherzigung und Befotgung den 
ti'hfern mit uacbslehenden Erinnerungen auf das dringendsle empfoh- 
len wird, 

1) Im Dntergyainasium ist sich auf das unerlafsllehe Mafs syntakti- 
scher Hegeln, deren weiterer Ausbau m Obt?r^ymnasium eu erwarten Ist, 
tu beichräuken; aber die feste Durchübung derselben sammt di^r dabei 
Immer zugleich in Betracht kommenden Pormenlebro mufä vollkommen 
»icher gestellt werden. 

2) Im Obergymnasium ist zu beachten, daf^ die zum übersetzen 
aufgegebenen Absebnilte die Kräfte der Schüler nicht ü berat eigen, hingegen 
i»t hierbei für eine so reichliche Übung m aorgen^ als es das Verhältnis 
zu den anderen Lehrgegenätänden nur irgend gestattet, und »ollen diese 
Cbuugen durch gewifsenhafte Gorreclur erfolgreich gemacht werden. Da- 

' mit diese ausführbar sei , ist darauf tn sehen , dafs nicht derselbe Lehrer 
^rait reichlichen Correcturen in lu vielen Classeu überbürdet werde, ein 
*, der noch aufial lender nicht selten bei Vertbeilung des deutschen 
fterrichles an die einzelnen Lelirkräftc begangen wird , so dafs man an 
*d[e Möglichkeit gewifaenbaft ausdauernder Correetur nicht glaubeu kann. 
Es ist nicht zu übersehen, dnifs die Lehrer der Geschichte, der Mathema- 
tik und der Naturwifsensc haften nach dem gesagten mit bedeutend gerln- 
•geren Schwierigkeiten ru kämpfen haben und daher jedenfalls eine gröfscre 
Zahl von [^hrstunden £u überjiehmcu im stände sind , als es den Phito^ 
^'logon rugemuthet werden kaon, 

3) Ob eine €Uung im Latelnsp-echen in eins^elnen Fällen rathsam 
[lei, wenn man nicht grammatische und slilistisiehe Leichtfertigkeit beför* 
dern will, hl nach den B^^sonderheiten der Leistungsfähigkeit der Schule 
und der betreffenden Lchrkräfle zu beurtheilen. In der Kegel wird eine 
ÄoJche Übung hbehstens in den obersten Classen bei der Interpretation der 
Clftssiker und nur da mit zweckmäfsigem Erfolge Platz greifen können, 
wo es sich um die Ausdrucksweise für den Gedankenkreis der Classiker, 
nii^ht aber für moderne Begritfc und Gegenstüode handelt. Jedeufalts sind 



Grläfse. ^29 

in dieser BiDsicht die umsichligen Bemerkungen, welche ein Fachmaiui 
über diesen Gegenstand in der Gymnasial-Zeilschrifl 1852, S. 783 CT. nie- 
dergelegt hat, in genaue Erwägung zu ziehen. 

4) Man setze bei der Leclüre die Ehre der Schule, die ITir jeden 
tüchtigen Lehrer den höchsten Werth hat, nicht sowol in den Dmfang 
und die Schwierigkeit des gelesenen, als darein, dafe die Schüler zum 
Verständnisse des gelesenen durch ihre selbständige Thätigkeit gelangten, 
und es sich mit Hilfe der eindringenden Erklärung des Lehrers vollkom- 
men la eigen machten. In dieser Hinsicht sind die Angaben im Org.* 
Entwürfe immer mit dem Gedanken zu betrachten, dafs die in demselben 
vorausgesetzten Bedingungen noch keineswegs überall vollständig er- 
füllt sind. 

Die hier besprochenen Bedingungen für die erfolgreiche Ertheilung 
des lateinischen Unterrichtes lafsen sich auch für den Unterricht in der 
deutschen Sprache anwenden. — 

Es ist übrigens von wesentlicher Bedeutung, dafs die sprachlichen 
Fächer in einer Classe, insbesondere am Dntergymnasium, in der Hand eines 
und desselben Lehrers liegen. — 

In diesem Falle wird es thunlich und auch ganz unbedenklich sein, 
ohnd formelle Änderung des Stundenplanes die summierte Anzahl der dem 
Latein und der deutschen (Dnterrichts-)Sprache zugewiesenen Stunden so 
zu verwenden, dafs hieraus eine gröfsere Ausdehnung des lateinischen On- 
richtes in der Zeit erwächst. 

Auf Beachtung der voranstehenden, so wie der in dem beiliegenden 
Gutachten dargelegten Winke und auf Zuweisung der Sprachfächer an die 
für sie tüchtigsten Kräfte sind die Direcloren und Inspectoren zu umsich- 
tiger Beobachtung und besonnener Einwirkung hinzuweisen und werden 
sie am Schlufse eines jeden Schuljahres über den Erfolg ihrer besonderen 
diesem Gegenstande gewidmeten Aufmerksamkeit zu berichten haben. — 

Grläfse des h. Min is teriums für Cultus und Unterricht 

an einzelne Schulbehörden. 

(Fortsetzung von Hft. HI des 5. Jahrganges LH.) 

Llll. 1. April 1854. 

Dem Lehrkörper ist über seine rücksicbllich der gerechten Location 
der Schüler vorgebrachten Bedenken folgendes zu eröffnen: 

Der Org. Entwurf geht in seinem Lehrplane von dem obersten 
Grundsatze aus, dafs die echt humanistisch- christliche Bildung nur durch 
den Unterricht in solchen Gegenständen erreicht werden kann, von denen 
ieder zwar die Entwickelung und Ausbildung einer besonderen Seelenkraft, 
aber alle in einem harmonischen Verhältnisse und in wechselseitiger Be- 
Ziehung die Gesammlbildung der Seelenkräfte zur Aufgabe haben. Es ist 
daher auch jeder Grund entzogen, zwischen den Lehrfächern eine solche 
Unterscheidung aufzustellen, welche dadurch, dafs sie einigen Fächern 
den Ausschlag in ihrem Gewicble zuschreibt, den übrigen blof» eine Ne- 



Effܫ. 




»wJKttm 
ig«a wmA ön Foft|CM£ 4cr Scfciler 

ea CalerricklaetI Uxiercs, m daii ■■j.iinMMiB wirde, als bitte s. B. 
LätÖB c» 4 nd M kts Gewicht Mi Tofletdbe sv GcMlücbte oder lU- 
«eil aa Emde die Wirtwig habea, daft Sdiöler aekoo 
■d Ar i t i Mli— gyfMg erUirt werde« BÜrtca, wcmi 
iwci oder drei Gegnetiadcs , dcrca Taxatioiis - Embrilta die 
■!Mirbg«^ befriedigende Le iita e ge e , m deo obrigeB aber ancb 
gar kciae Kcaalsis ■■rbgtwicwe babesu DieU kiae m der wettere« Wir- 
k«^ dcM Z^tHtaiidaisw ^Icicb, dab es dn Scbilcf« frei gcsiclll wirde^ 
a«f einge Ccgt eel i nde tm b e j r bfi« bf, ob«e 
ibre« Aaapfvcbc« aaf die Aatftt— eg ibrer Vereetafibigfcett 
eise ffbailfruaiL n erieidee^ Es levcbtet eia, dafii eise telcbe AttdCmiig 
der Sacbe, dea Orie. Eatwwf seiae« Gewodsatie« «ad aeiaea Geiste nach 
gan ia frage UeBea » |a beseiticca warde. Deai Lebitärpcr siad aacb» 
wie aas deai Majoritüsg ata c blea benrer^ebl, diese aad ibabrbt Bcdeaken 
aiebt feiae geslaadca. Aadcrseits übt sieb aicbt üagaca, aad ist aucb 
ia der Xatar der Sacbe bcgraadet, dafi der EiaSafs der eiaielasa Lsbr- 
giin ai ilf ai i afl^die ClassSeatiea, b ciags eie ise aaT die Tctsetabarbeit der 
SciMlery aicM eia gfetcber sei. I^eaa aadert Tcrbalt es sieb la dieseai 
P^SBCle SMI PldMa . welcbe (wie die dasmcbea Spraebea) wef^ea ibres 
i*it) i »ca jt r ad a Oka TaiiMMiebiagn fie FertseCsaag des b e bciu i Haler- 
riebtes aar aaf feslea« ia der aiebsl bib»ea OasK scbwcr aacbaabetop« 
dea Sraadlagea gestatte«» «der die (wie !«atargcscbicble) riebsicbtiicb 
ibrer FaCslicbkctt aad Aaeigaai« des Scboler weaiger Hiadcraisse bieten, 
weaa sieb ia seiae« WiCk« eiaigc; aacb s|»äler leidit so ersetzeade Man- 
gel seigea. $0 ist es klar, dab 1. B. eia Sebuler der ontefen oder mitt- 
lerea Classe, der ia der lateiai^ebee oder grieehischeo Foresenlebre nicht 
einbeisiiseb ist, ansMglicb in der boben» Oasse mit Erfolg fortkoaiaien 
kaaa. weaa er aacb aocb so aasgebreitete Keaotmsse ia dea übrigen 6e- 
geastaadea b^ntat. 

In alten diesen Beaiebangea nad etwa vorkosMaende« Zweifeln läfsl 
j<docb der Orj. Entwarf keineswegs isi unklaren. Seine bieriier gebö- 
rigen BeMioHittngeen laaten: »Ober die Raigordnung nod die Versetobar 
keil eines Scbnlers entscbeiden seine Gesammtleistungeo ; keinem Schaler 
darf das anzeigen in eine höhere Qasse gewährt werden, der aaeh nar 
in einem Gegenstände für den Cnlerrieht in der höheren Cbsse entschie. 
den unreif ist; die Entscheidung über die VerseUung geschieht in der die 
OU^tkatioa bestimmenden Confereni; aus den Crtheileo der einielnen 
t^ier über die Ui^tuugen iq dea einieioeo Lehrgegcnsläoden ergibt sich 



lürläfse. 33t 

die einzige Classe oder das an die %Spitze der Zeugnisse zu stellende Ur- 
tbeil über den gesammten wirsenschaf (liehen Slandpunct der Schüler im 
Verhältoisse zu den Forderungen der GUssenauf^gabe.^ 

Bei der CJassiOcation und der mit ihr zusammenhangenden Ver- 
setzung der Schuler entscheidet daher das von den beiheiligten Lehrern 
nach reiflicher Erwägung gefaCste Erkenntnis, ob der Schuler im einzelnen 
und ganzen denjenigen Grad des positiven Wifsens und der geistigen Reife 
erreicht hat, wodurch er fähig geworden ist, den der nächst höheren 
Classe sugewiesenen Lehrstoff richtig aufzufafsen, gründlich zu versieben 
und sich leicht eigen zu macheiu Zu diesem Erkenntnisse werden die 
Lehrer um so sicherer gelangen, je deutlicher und bestimmter die Forde- 
rungea der näehst höheren Glassenaufgabe vor Augen liegen und je öfter 
und umsichtiger sich die Lehrer bei den regelmäfsigen Gonferenzen über 
die Kennseichen der relativen Reife oder Unreife verständigt haben. Für 
zweifelhafte Fälle bietet auch der Org. Entwurf das entsprechende Ent- 
seheidungsmittel im $. 73, 7. 

Es kaan hiernach nicht leicht eine Schwierigkeit, die nicht zu be- 
seitigen wäre, rücksichtlich einer gerechten Classification, beziehungsweise 
Location, aufstofsea. Denn hat man sich in der Conferenz, den voranstehen- 
den Grundsätzen gemäCs, darüber geeinigt, welche Schüler die Gruppe 
der ausgezeichneten, welche jene der guten, der mittelmäXsigen, der schJech- 
teo bilden, so wird es auch nicht schwer fallen, luerst in jeder dieser 
Gruppen und endlich in ihrer Gesammtheit die Rangordnung der Schüler 
vorzunehmen. 

i\och könnte gefragt werden, wie derjenige Schüler zu loderen sei, 
dessen vollständige Classification erst der nach den Ferien abzulegenden 
nachträgtichen Prüfung in dem vom Org. Entwürfe $. 73/7 vorgesehenen 
Falle vorbehalten ist. Ein solcher Aufschub kann aber die vollständige 
Location aller Schüler weder beirren noch sistieren; denn ist es noch 
nicht entschieden, ob des Schülers Gesammtleistungen s. B. in die erste 
oder zweite Classe einzureihen seien, so ist doch so viel gewiss, difs seine 
Localionsnummer dieselbe bleibt, er mag nun als der letzte in die Reihe 
der guten, oder als der erste in die Reihe der mittdmäfeigen Schüler 
einrücken. 

In gleicher Weise verhält es sich bei einem noch nachträglich zu 
fällenden Ortheile, ob ein Schüler die erste Classe schlechthin oder die 
erste Classe mit Vorzug zu erhalten habe» Übrigens ist wie bei der Clas- 
sification, so auch bei der Location mit pädagogischer Mäfsigung und Ab- 
wägung vorzugehen, um das Gerechtigkeitsgefühl der Classe nicht zu ver- 
letzen, und ist die Bemerkung des Gyronasialinspectors ganz richtig, dafs 
eine mechanische Anwendung von Zahlenoperationen bei Bestimmung gei- 
ifliger Qualitäten ganz un;£uiäuglich sei. 



3M 



Pt'i!«oniil- unH SrKiiliioti7pn, 



Personal- tiiid S* IniliiotjxejL 

(Ernenoütigen, Beförderungen^ AuRKeichnunprn 
u. s. w,) Se. k* k. npmioU Majeslat habfti mit a. h. Hand^chreibau vom 
22. April 1. J. AMerhörhsljhrftn Miniiler für CuHm und Unlerricht, L<*o 
Grafen von T h u n , dan Orden der eisemeo Rrono l* Clasg« allerg nädiieiit 
EU verleiheu geruhL 

— Se. k. k« apostoL IVhjestät haben miL a. b. Enlscbliersung vom 
22* Aprii L J. dem Dr, Joseph Alexaniter Holfert, k. k. UnlerstaaläJsecrü- 
lär im Mtuisterium für CuHus und Unterricht den Orden der eisernen l^r&ne 
2. Clause» dem Dr. Oforg Holzgel hau* k. k. Witiislerislralh in dcmid- 
ben JVlinisterium das Hillerkreuz dei$ 5t. Leopold-Ordeim, fenter ik-n Sec- 
lion«rathen in diesem Ministerium , Anten Kroinbhol2, biicholL Om- 
sistorialralh ^ und [>n Joh. K I e e m a n n , und zwar eräterem den Ordt-ii 
der eisernen Krone 3* CLasse, lelzlerem den Titel und Ch^^rakter eines Mj^ | 
nisterialrathes, endlich dem Ministerialsecrelür ebenda, Laurenz Csergheo; 
den rilcl und Rang eines k. k. Sectionsrathos altergnadigsl lu verleihen geruhL | 

— Se* k. k, aposlol. Majesläl haben mit a. b. fintschliefsuug vom | 
17, März L J. die Ministerlalconcipislen im Ministerium für Cultus und 
Untf^rriebt, Gustav Preiherrn v. Biefel und Dr* Gustav Hey der, zu 
Miuistcrialsecretären in demselben Minis leri um a. g, zu ernennen geruhU 

^ Der Minister fijr CuUus und tlftlcrrichl hat die Conceptsadjuuc- ' 
tcn im Ministerium für Cultus und l]nlt?rricht, Joseph Jirecek und b'hi- 
lip(» OberuhubeFt £U Miniaterialconcipisteu in diesem Miniälerium 
emannL 



— Der Assistent der Lehrkanzel der Chemie an der k. k* üoiversi- 
tat in Wien, Hr. Edmund Schrei uzer, zum ordeuLlichen Lehrer an der 

k. k* Oberrealfichule in Lin^ eniannL 

— Se. k. k. apostoL Majesttal haben mit a. h, EntschMefsung vom 
S» April L J. die LehrkanEeE der encyklopädi^dien Einleitung in diu re<-bt&< 
und «laatswif^enüchafUichen Studien, dann der liecbl^pbiloBophie und dt'S 
öslerri Strafreehtea an der Universiräl zu Pavia dem bisherigen Professor i 
am Lyoealsymnasium zu Cremona, Dr, Alexander Rova a. g. zu ver- ' 
leiben geruhL 

^ Der bisherige Supplent am k k, Gymnasium zu ^Varasdin, 
üf. Martin Matunci, ist zum wirklichen Gymnasial lehrer ernannt worden* 

' — Se. k^ k* apostoL Majestät haben mit a. h. EnUehlier^ung vom 
20« März L I. die Sielte des Canorncus Scbula^Ucuä am Haaber Dom* 
capitel dem Oberscbul-Inspeclor des Ödenburger Distrjcles^ AM Ferdinand 
St er 01 a« g. zu verleiben geruhL 



— Die pro vis. Lehrer an der L k* Oherreal^chule auf der Land* 
sirafse in Wien , Georg H ö g e I s ii c r §e r und Emil tl o r u i g siiud i^u 
i%irk liehen Lehrern ernanut worden* ' j 



Perf«onat~ und Schulnotizen. 333 

— Se. k. k. apostol. Majestät huben mit a. h. Cabinetsschreilien 
vom 27. März I. J. dem Gustos des k. k. Münz- und Antiken Cabinets und 
Mitgliede der kais. Akademie der Wifsenschaften in Wien, Johann Gabriel 
S e i d 1 (dem Mitredacteur der sZeilschrift fär die österr. Gymnasien*), 
aus Anlafs der tod ihm verfabten allerhöchst gebilligten Volkshymne und 
in Aoerkennang seiner Verdienstlichkeit als Gustos des k. k. Münz- und 
Antiken- Gabinets und Akademiker, das Ritterkreuz des Franz* Joseph Ordens 
a. g. zn verleihen geruht. 

— Durch a. h. Cntschliersang Sr. k. k. apostolischen Majestät vom 
22. April I. J. haben nachbenannte, theils unmittelbar beim Studien- und 
Schulwesen betheiligte , theils durch ihre literarische Wirksamkeit dem 
Gebiete geistiger Bildung angehörige Männer folgende Ehrenauszeichnun- 
gen mit Nachsicht der betreffenden Taxen erhalten : Jos. Ghristian Freiherr 
v. Zedlitz, k. k. Kämmerer, der bekannte vaterländische Dichter, das 
Ritterkreuz des St. Stephans - Ordens ; Maximilian Freiherr v. Werner, 
k. k* Hofrath der n. ö. Statthai lerei , das Ritterkreuz des St. Leopold- 
Ordens ; der Archaolog Girolamo Gonte Orti-Manara, k. k. Kämmerer, 
den Orden der eisernen Krone 2. Glasse; Wenzel Reichel, Domherr und 
Statthaltereiralh, und der Archaolog Dr. Peter Kandier, Advocat, Anwalt 
der Stadt Triest und wirkl. Mitglied der kaiserl. Akademie der Wifsen- 
schaften, den Orden der eisernen Krone 3. Glasse; Dr. Jakob Beer, 6e- 
neral-Grorsmeister des Kreuzherrcn-Ordens mit dem rothen Sterne, Director 
der wifsenschaAlichen Prüfungscommission für Gymnasial • Lehramtscandi- 
daten in Prag, Dr. Job. Ignaz Rotler, Abt von Braunau, und Giovanni 
S a n t i n i , Director der Sternwarte in Padua und wirkl. Mitglied der 
kaiserl. Akademie der Wifsenschaften, das Gomthurkreuz des Franz-Joseph- 
Ordens; Paul Partsch, Vorstand und Cuslos der k. k. Hof- Mineralien* 
Gabinete, Vinzenz Kollar, Vorstand des k. k. zoologischen Gabinetes, 
Joseph Ghmel, k. k. Regierungsrath und Vice - Director des k. k. Haus- 
Hof- and Staatsarchivs, Albert Jäger, k. k. Professor und Mitglied der 
k. k. Prüfungscommission für das Gymnasiallebramt zu Wien, Beda We- 
ber, geistl. Rath und Sladtpfarrer zu Frankfurt a. M , als Historiker und 
Dichter geschätzt, Joseph Bergmann, Gustos am k. k. Münz-. und An- 
tiken-Gabinete, Dr. Georg Philipps, k. k. Hofrath u. Professor, Wilhelm 
Haidinger, Sectionsrath und Director der geologischen Reichsanstalt, 
sämmtlicb wirkl. Mitglieder der kaiserl. Akademie der Wifsenschaften, 
ferner Joseph v. Kozacsek, Abt und Scbulinspector zu Prefsburg, Peter 
v. M^hes, Domherr und Ehreuschulrath für katholische ungarische Schu- 
len daselbst, Dr. Gottfried Mayer, Stadtphysikus und Scbulinspector drr 
evangel. Lehranstalten ebendort, ignaz Nyiräk, Titularprobst , Scbulrath 
und Scbulinspector zu Kaschau, Paul Tomaschek, k. k. protesil^nti- 
scher Scbulrath und Scbulinspector daselbst, Dr. Michael Haas, Titular- 
probst, Domherr und k. k. Scbulrath der Ofener Stattbalterei- Abiheilung, 
Joseph Pap-Szilägyi, gr. kath. Domherr und k. k. Scbulrath der 
Grofswardeiner Stattbalterei -Abtbeilung, Ferdinand Sterne, Abt und 



m% 



P«r«oml' üiid Sf!hu1noll«efi, 



SchulinHp<^ct<jr der Oddeuburger Slatthalterei - Abtheitung p Max Weisse, 
ruivorsUälsprofessor und Üirector der Krakauer Sternwarte» der Dicblrr 
J, F. Gas lell i, ptn% UadurharLsf^ecretlir, der geschäUte Sehn fU teuer 
AtNIbert Stifter^ k. k. Schulrath, Peter Ivanovicb, pr. Schuirath, 
iIas Aitter kreuz des Frani Joseph OrdeDs ; Michael Paanäex, Vice^Ärchi- 
dUcom Schul inspeclor und Pfarrer zu Komoüi, ChryioMomus Zachafr 
Franci&caner-Orden^priesler i emerUirler Djrecior dea kalholincbca tiymnA- 
siuius in Epehes, Paul Orsi^ k. k. Schulraih zu Röveredo , Dr, Jo»epb 
S t e h i Q g e r, Üymiiaaialdireclor zu litDsbruck, VtnEen£ G a a s e r , Froff s- 
sor zu Briiefi und Quirin Scb«nach| HaupUchtiJdirectar, daa goJdene 
VürüieuHtkreux mit der Kroue ; Georp Scbenacb, Professor an der L k. 
(Jiitversitäi zu Innsbruck deo k. k. lUlhalileL 



(GescbenL) Das hiesige k. k. Naturatieucabinet bat dem im 
l^ritsteben begriffenen Gymnasial-Naturaliencabinele tu Agratn 163 Stück 
Vrigol^ meisteni americaniscbe, 4 AlTeu und 1 weifs(^ü Fuchs stugewend«t, 
£U deren Aoschaffung der Agraiuer Anstalt die Mittel fehileiu 

(B rledigu ngeoO Vom 1* Semeiter 1853/54 angefaugen isl ein 
Johann Adam Leb rbau m*äcbes Stiftungsstipendiuin jährticber 65 fl. CM, 
Tür eimn Gymnasialscbuler erledigt, vorzüglich für Knabon aus der Lebr^ 
baum'schen und Harlmaori^scben Freundschüft , in deren Abgänge tberj 
Hunh für fiolcbe von Waidbofen an der Tbaya. Einreicbungatermiu : 31« 
März, tAmls*>l*tt «ur Wr Zig. v. 17- März Wr. 65 J 

— Vom 2. Semester des Studienjahres 1853/54 ist das bis zurSlu-v| 
dienvoliendung dauernde Co L H n'scbe Slirtuiigsstipendiuni jährlicher |20 fl. 
CM. erledigt» wozu diö Glieder der von Collin'ächeu Familie, insofern sie 
uiittetlos und durch Talent, Fleifs und Sitten ausgezeichnet sind und he* 
rtsiU den Studien obliegen, in deren Ermangelung auch andere so geartete 
Jünglinge Anspruch haben« Die gehörig documentierlen Gesuche sind bis 
längs lens 10, Mai L J. bei der k. k. d. b. Stattbai terei ^u überreichen. 
(AiDtsbl K. Wr. Zig, V. 24. März 18^. Kr, 710 

^ E^ sind votn L Semester dej Sludienjahrefl 1853/54 ao iweij 
Üriiversiläls-Sli pendien erledigt, nümlicb a) ein Haideiibu rs'sches im! 
)ahiL Betrage von 22 fl. CM. für studierejkde Jünglinge, welche aus Ikigarn 
ptebürlig und des Deutschen kundig sind, auf die Dauer von 10 Jahren ; *) 
ein Engelhard'scbes ehenfails im ßelrage von jahrlieben 22 fl. CM. für 
einen aus korneuhurg gebürtigen Jüngling auf die Dauer von höchstens 
6 J^breu, nach Vollendung der Grammaticalclassen. Die gehörig instruier- 
ten Gesuche sind bis 10, Mai 1, J. bei dem Consistorium der Wiener L k, 
Universität m überreichen- (AmtsbU z. Wr. Zig. v. 29. März Nr, 750 

— Es sind oachstehendö tlniversitäti * Stipendien in Erledigung ge- 
kommen : a) Ein Hosenburs' sches H u n t e r ' sches im jäbri Betragt ^ 
von 40 IL CM-t vom 2, Scmeater des Sludieujabres 1853/54 angefangen, 
tut auA der ffarre Gaubitseh oder sousl aus Niederbaterreich gebürtigt 



Personal- und Schulnotizcii. 

Jünglinge auf die Daner von 6 — 8 Jahren. — ö) Ein KnaffTsches im 
jährl. Betrage von 120 fl. CM. für studierende, welche aus Rraiu gebürtig 
sind, vom 2. Seooester des Studienjahres 1853/54 angefangen , auf die 
ganze Dauer der Studien. Die gehörig instruierten Gesuche sind bis 
10. Juni d. J. bei dem Consistorium der Wiener k. k. Universität zu über- 
reichen. (AmUbL z. Wr. Ztg. y. 25. April 1854. Nr. 99.) 

— Vom 2. Semester des Studienjahres 1853/54 an ist ein Uohen- 
balk'sches vermischtes Handstipendium jährl 140 fl. CM., das zunächst 
für Verwandte dos Stiflers, in deren Abgang aber auch für aus Terasp 
oder aus den Nachbarschaften gebürtige bestimmt ist, bis zur Studien* 
Vollendung dauert und in Wien oder in Tirol genofsen werden kann, in 
Erledigung gekommen. Die gehörig instruierten Gesuche sind bis 15. Juni 
d. J. bei der k. k. n. ö. Statthalterei zu überreichen. (Amtsbl. z. Wr. 
Ztg. V. 25. April 1854. Nr. 99.) 

— Bei der Georg Fürst 'sehen Knaben - Erziehungsstiftung ist ein 
Stiflungsplatz vom 1. Semester des Studienjahres 1854/55 angefangen in 
Erledigung gekommen. Gymnasiasten erhalten, anstatt der Betheilung mit 
dem Handstipendium von 300 fl. GM. , im gräfl. Löwenburg'schen Cont 
victe vollständige Verpflegung und den Unterricht unentgeltlich. Facul- 
tätsstudierende werden auch ferner mit dem Stipendium jährl, 300 fl. CM. 
bei heilt Abkömmlinge der Verwandtschaft des Stifters, in deren Ermange- 
lung aber auch in der Pfarre Aicha vorm Wald des kön. bayer. Landge* 
richtes Passau geborene, können, unter Voraussetzung der nöthigen fiSh 
fähigung, diese Stiftung erhalten. Die gehörig documentierten Gesuch« 
sind bis 15. Juni d. J. bei dem bischöfl. Consistorium zu Passau einzu- 
bringen. (Amtsbl. d. Wr. Ztg. vom 28. April 1. J. Nr. 102.) 

— Vom 1. Sem. des Schuljahres 1854 an ist ein von Johann Bern* 
hard Polksteiner gestiftetes Stipendium v. jährl. 20 fl. CM. erledigt, 
auf das zunächst Verwandte des Stifters, dann Söhne von Burgern und 
Inwohnern der Stadt Waidbofen an der Ybbs, in deren Ermangelung aueh 
studierende Jünglinge aus der Umgegend, selbst aus dem Bauernstaudei 
berufen sind. Die Gesuche mit den nöthigen Belegen einzubringen bis 
J5. Juni d. J. bei der Stadtgemeinde Waidhofen an der Ybbs. (Amtsbl 
z. Wr. Ztg. V. 28. Aprü L J. Nr. 102.) 

— Aus der Stiftung des am 30. Nov. 1846 kinderlos verstorbenen 
Gutseigentümers Hrn. Andreas v. Zolchocki, der mittels letztwilliger 
Anordnung sein ganzes Vermögen zu Stipendien gewidmet bat, kommen 
im nächsten Schuljahre zum ersten male 2 Stipendien von 150 fl. und 
14 Stipendien jährlicher 100 fl. CM. für Söhne des polnischen Adels in 
Erledigung. 

— In der k. k. Theresianischen Akademie zu Wien ist ein von 
Schell enburg'scher StiftungspUitz erledigt. Die, mit Rücksicht auf das 
in den Zeitungsblättern im J. 1845 verlautbarte Programm über die Er- 
fordernisse zur Aufnahme in die besagte Akademie, gehörig instruierten 
Gesuche bis 20. April J. J. bei der krainisch - ständischen Verordneten^ 



mn 



Personell - und Kchuliintiren. 



«icllo iti Laibaeh, der das Hcpräseiiiationsredit xuslebl, zu ub^rreichi^n. 
CAmt«l>L jj, Wr. Zig. vom 24, Märi- !Nr, 7L) 

— lo der k. k- Theresianischtn AkAdemie ist em freiherrUch voh 
TeufreQ bacir^cher SlifUplalE in Erledigung gekoniEnerv, ku dem nach 
der IfUtwiJligen Anordnung des Sliflers Söhne nm dorn Adelst atide t\rs 
Kaisertuma Üslerreich berufen aindi welche das 8. Leben.'jjahr erreuli« 
und das 14. nichl QberschnUen haben. Dre gehörig inslruierteii Gfsutbe 
bis läng«len& 30, April L J. bei dem Einreiehungsprotocolle des n. ö> Lau- 
deS'Vcrordneleu-Col legi ums im Laiidbause zu überrekbeo. (AmlsbL t, Wr. 
£tg. V. 5- Appll 1854. Nr. 81.) 

— lu der k. k. TheresianischeuAkademie ist ein Ferd inan d'icher 
Stift ungsplaU für jungem Adelige im Lebensjabre »wischen 8 und 12 Jahren 
tfrledigt. Die mit den legalen Nachweisungen belegten Gesuche sind läi«g^ 
stcns bis 10, Juni 1B54 bei der k. k. mahriscbeit Slatllinilerei einzubnu- 
g«n. (Amlsbl i. VVr, Zig. v. 25. April 1854, Kr. 9&J 

— Das k, k, Obergyranasium zu Vinkovce in d. croat, sJav. Mi^ 
I litärgren^^e benölbigt mit dem Beginne den Scbuljabrts 1854/55 in den 

tJntergymnasiatclassen einen Supji kanten für die elassis^cUe ruilologie nml 
einen zweiten für die Naturgescbichle und Physik odf r für Nal Urgeschichte 
und IVIalhemallk. Ow Bewerber um diese Supplenturen haben ihre gehö> 
rig belegten Gesuche bis £uqi 15. Mai d. J. bei der Diiection dieses k. k. 
Obergymnasiunis einzureichen und sich über die nölhigi^ BeHihigung durch 
i£eunluis eines slaviscben DiaU-klea und der dcu Ischen Spraelu^, so ^ic: 
über ihre philoünphisehen Studien legal auszuweisen* (Arotsbl lUr Wr. 
Ilg. T. IL April 1854. INp. 86.) 

— Am k. k, Gymnasium zu Zengg i^t das Lehrfach der grfeebi- 
schen und deutschen Sprache im Gebiele des Obergymna^iums erledigt, 
womit eine Hemuneraliou für eiuen geprüflen Lehrer von 700 ü. CM,, für 
einen ungeprufUn Supplenten von 300 iL CM, verbunden isL Gehörig in- 

ritruierte Gesuche sind an das h. croatisch^&lavoniäche Gouvernement lU 
I riehteni Einsendungstermin t längstens binnen 2 ^YDchen von der ersteti 
j Einschaltung der Goneursausschreibung. (Amtsbl. z* Wr. Zig. ?. 29* April 
1854. Nr. 1030. 

— An der teehnischeii Akademie ru Lemberg ist die mU dem 
I Gehalte jährlicher 100^ Ü. CM. verbundene Lehrkanzel der Physik widcr- 

Eubeselzen Die Concursprüfung wird am polytechnischen LisliUile m 
WteOp dann an den lechoiscben Instituten zu Prag, Brunn, Gral£ und Lem- 
berg, und zwar die achriflliche am 23» u. 24« Juni l J., die mumihclie 
an einem der folgenden von dem LebrbÖrper der genannten Institute £U 
bestimmenden Tage abgebalten werden. Bewerber haben unter Beibringung 
ihrer geborig instruierten Gesuche sieh bei der Direction einer der vor- 
genannten Lebran st allen m meldeu. (Am tibi z. Wr. Ztg* VOCQ 14. April 
18Ö4. Nr, 89.) 

— 2ur Besetzung der Assistentenstelle bei der Lehrk.inzel der all 
gemeinen und specicLlen Chemie au der L k. tecbniscbeu Anstalt in Brunn 



Personal- und Schulnolizen. 337 

( Verlautbart unterm 6. tSoy. 1853), mit welcher seitweitweiligen, auf zwei 
höchstens vier Jahre sich erstreckenden, Bedienstung eine Besoldung jähr- 
licher 300 fl. CM. verbunden ist, wird ein neuerlicher Concurs ausgeschrie- 
ben. Die gehörig instruierten Gesuche sind längstens bis Ende Juni 1. J. bei 
der k. k. mahr. Statlhallerei einzureichen. (Amtsbl. z. Wr. Z(g. vom 28. 
April 1854. Nr. 102.) 

(Todesfälle.) Am 23. März 1853 starb zu Braunschweig K. 
Barthel, Candidat des Predigtamtes und Privatlehrer daselbst, bekannt 
als Verfafser der Schrift «Die deutsche Nationalliteratur der Neuzeit in einer 
Reihe von Vorlesungen dargestellt.* 1850. 3. Aufl. 1852. Nach seinem 
Tode ist erschienen : «Erbauliches und Beschauliches aus K. BarthePs Nach- 
lafse. Mit einer biogr. Charakteristik des Vf. 's von Dr. J. W. Hanne.* 
Halle. 1853. 8. 

— Am 23. Febr. 1854 starb im Stifte zu Admont in Steiermark 
der hochw. Hr. P, Juslus Zettler, Capilular dieses Benedicliner-Stiftes 
und emeril. Präfect des k. k. Gymnasium zu Judenburg. 

— Am 7. März 1. J. starb zu Verona Hr. Dr. Pietro Maggi, Prof. 
der Mathematik an der Universität zu Padua, Mitglied mehrerer gelehrten 
Gesellschaften u. s. w. 

— Am 11. März 1. J. starb zu Pest Hr. J. Bärändy, als publi- 
cistiscber, besonders statistischer Schriftsteller bekannt, im 76. Jahre. 

— Am 19. März 1. J. starb zu Pest, Hr. Ignaz Nagy, correspond. 
Mitglied der ungar. Akademie und Redacteur des belletr. Blattes «Hölgy- 
futar*, im 44. Jahre. 

— Am 24. März 1. J. starb zu St. Florian im Lande ob der Enns 
der hoch würdigste Probst und Abt des regul. lateranensiscben Chorherrn- 
stiftes dortselbst, Hr. Michael Arneth (geb. am 9. Jänner 1771 zu Leo- 
poldschlag im Muhl viertel) , Ritter des kais. Leopoldsordens, vom J. 1823 
bis 1848 Generaldirector der obderennsischen Gymnasien , ein durch 
Klarheit des Verslandes, Schärfe des Ortheiles und unermüdlichen Fleifs 
ausgezeichneter, um die Emporbringuiig des Stiftes eifrigst besorgter, in 
jeder Beziehung trefliicher Mann, der auch auf dem Gebiete schriftstelle- 
rischer Thätigkeit sowol durch mehrere theologische Abhandlungen, als 
insbesondere durch seinen, in unserer Zeitschrift (Jahrg. 1853. Hft. VII, 
S. 591—595) mit dem gebührenden Lobe erwähnten, Tractat: «Ober die 
Gymnasialstudien in Österreich,* vielseitige Anerkennung sich erworben liat. 



Vierte A b t h e i I ii n jir. 



5^' 



Miscellen. 

Bibliographische Obersichteo, 

A. Übersicht der seit 1853 in Deutschland erschieoeoen philologi- 
schen Literatur. 

//. Ausgaben der lateinischen Ciassiker und Erhlärungssehripen. 

(Fortsetzung und SchiuTs von Hft. Hl. S. 256—261.) 

Plautus, T. Maccius, Lustspiele, im Trimeter übersetzt von C. 
Mor. Rapp. Bdckn. 9 — 17. (Dichter, römische, in neuen metr. Obers, 
herausgeg. von C. N. v. Osi ander und 6. Schwab, fidchn. 42 — 50.) 
Stuttgart, Melzler. 16. a V« Rthlr. 

Bekker, E Imm, De emptione vendiHone, quae Piauti fabuUs 
fltisse prodetur. Haiae. {Dies, inaug.) 

Enger, Zur Prosodik des Plautus. Ostrowo. (Gymn. Progr.) 
Geppert, F., über Vor- und Zunamen des Plautus und die Eohiheit 
seiner Slücke. Archiv f. Philol. XIX. S. 262 — 303. 

Ritschi, F Plautinische Excurse. Rhein. Mus. IV, 156—159. 
iSom, plur. der 2. Decl. auf is,) 

Sek mit 9, G. De actuum in Plautinis fabnlis descrfptkme, 
JB^nmte. (Dies, inaug.) 
Wex, G. Punica im Plautus. Rhein. Mus. IX, 312—315. 
Piini Secundi, C. Naturalis historiae libri XXXYII, Recem- 
suit et commentariis criticis indicibusgue instruxU Jul, Sillig. Ham- 
öurgi et Gothae, Perthes. Vol UI. 4 Rlhlr. (Subscript. Preis 3 Rthlr.) 
8. Zeitscbr. f. d. öst. Gymn. 1853. S. 435. 

Die früher erschienenen toll. U m. \ rec. L. v. Jan, Münohn. gel. 
Änz. 1853. Nr. 52 — 55. 

PliniusSecundus, C., Naturgeschichte. Übersetzt und erläutert 
von Ph. H. Rülb. Bdchn. 9 — 14. (Prosaiker, römische, in neuen Über- 
setzungen herausgeg. von G. N. v. Osi and er u. G. Schwab. Bdchn. 
177 ff) Stuttgart, Metzler. ä 3V4 Ngr. 

Bethmann über ein Palimpsest von Plin. nat. bist. , mitgetheilt 
von Pertz. Monatsbericht der königl. preufs. Akad. d. WiCs. zu Ber- 
lin, Novbr. 1853. 
Gerbard. Ed., Zu Plinius (Nat. Hist. XXXIV, S. 19 $. 90). 
Jahn, 0., Zu Plinius (Nat. Hist. XXXIV). Rhein. Mus. IX, 315—320. 



MtftrpMefl. 



sm 



r«iii<»ffea, ThiJr, Zur Erklärmig dea PliniUiS, Aülikeuliri^uz ^ittii 
13. Winke Iwan US feste. Berlin. 4, 
OiunUj F. PiMinaiuraHs hmaria emendatur. Philol VH, J9a (T. 
UfifcMSp €, L Vindtctae FHniunae, Grpphiae, Koch, faic L 

Flini, C Cnee. Secundf, EpisUiiamm iibri fX. Ephtuln- 
rmn ad TraUmum Über. Faneg^ricus. HecogumfU H. Keil Lfygtfiif, 
Teuöner. {BT) 10 Ngr 

S. Zeitschr, f. ost. üynao. 185S S. 57K 

Fompeii Tragi [Tügfmnin , ^aotum alia in cmiicibm mmm- 
wtrfptts bibiiothecae QimUnianae iHPenit, aim i'ä operitus, srtlpfort/m 
mnximam partem Folonorum^ iam tulgnUs prfmus ofilmnfiteriif, frng 
menta pridem nnta adfunxit, ac mm cum prüiagis llüinriamm Fhi/ip 
picarum ei er in eis uMnarniifmtbtts edkiit Aug. Bi^l&u>skL Accet/K 
nütma Uieraria de Trogo €i iiide:i. Leopoä iM tfpogr. bibt. Osm 
tiniitu&e, 

Ift^cker, JuL, tli& Famifie Mt Kompeiür in Gallien. Pbilologu« Ml. 
389 ff. 

Froperiius, Sex,, *. CatuUus, 
QmtntiitHnui^ M, Fabiu$. 
Enderiein, F. Leon., cammeniaiimis ile Bitmbergensi cod in- 
mtutimum QuiHÜUmii mscr. sec/io /Vf iibri XI ^ vap ifl crnUimm. 
SuePOfUrii, Giegler. 4. % RthJr. 

Meifiler, F*, Zu QuinliUanua. Phibl VIJL 182 ff 
Weber , C. F., M, Fab. QuintUiuni iöoi^ (X / ta4) emendatur 
ei iUuMtratur. Marburgi, Eiwert 4. (/«tf. lecL Mb. IS**/^^.) 

Salus tfi^ G, Crispi, CüNUuü Mgurihu fffsiariarma reii- 
quiae, lucer türum mciorum episioiae ttd Caesar em Invectirae De- 
eiamafiö in Cafiliftam. Kevefistiii udnoudione trilica indicibus hlsfü 
ricis et gramnmticii imtruxU Fr. Dar. Ger lack. Acceduni kfstori 
cor um ceterum H&mmtorum reiiqmue a Cur. Lud, Roth caltectae et 
äispöstiae, ßasiiiae , Schweig hauser, Zweile HaJft^. den Abneiimeni der 
crsUn (1852, 5 lUlilr.) gratis tiai^hf:« liefert, ^ 8, 385—576. 

Eolhält luuachsl den Rest der FragmenUaniinlung vou Roth bis nuT 
Q, Tübero berabi besonders dankenswerlb ist hier di6 Aufnahm« atirh 
der hisiorJJicheu Fragcnenle des Varro. Darm iolgi eme kurzi* üdfigtu- 
iio criticn von Hrn. Gerlaeh zu Sallust, enclHch zum Scfdufi^c^ iMii 
iehr uniiüize.'* addiiamenium de €. Salustü Ctispi ifistnriarttm ItbrU K 
Die verüprocbeiit-n indices hiitorid et grmnmaiici sind nusgebiielit-n 
Die P>»gii]enlBamm!uKig von Jinlb bildet den einzig wertvolJen Tht'il 
des Üuches. 

Sallustt Crispi, C, äpera quae Sftpersum. Ad fidem tmli 
cum msi. recemuH, cum seleciis CortU n&tis suisque cmnmentttrits 
edidii et fnäicem accuratum adiecit PYtd. Arttttus, VoL HL Et 
». i,: ffistmiärum /^agmentn, Pienioru, emendatioru ei mpa ordine 
di$poiita mi»que cümmeiiiariis Hiusirafa edklil et indices aceuratm 
adiecit F^ K. Accedit codicis \aticani et patimpsesti Toktuni exempium 
tupidi imcriptum. Lisp, Ttubmr. 3 Rthli. 

{VqL i—ll c. appmd, Lips.^ IV^Uefs — 3'/, Riblr.) S. Z^ilschr. f. 
d. ösL Gymu, 18&4. S. 139-145. 

Satlusii Crispi, €., Catiiina et Jugurtha, üratitmes et epi- 
gtalae e^ 0fstf>riftrum tfbrii deperditia cum (nttffru r arietute Victmimta, 
Gertuchitma, hrit%(mm. Becagnowit J, Csp, üreitius. Additm mtHt 



3M1 



MiNcHleti. 



ir, miL Citeronfs CaNiinnrta (/) et ^piimnae T, LitU Ubrorum CXL 
Turici, Meifer et Zeifer, EäUio aiiera. Vi Ilthlr. 
VV Ol feilere Titel ausgäbe d<?r \usg, yon I84l>. 
Linker, Gst, # Zu Salluit C*/«^^ -2^ <?X Zeitichr. f. d. oäL Cyran. 
1853. S. 868—870. 

H o th , C. L,, Amieutungen über Jland^chriflcufamilieD Salltiat's. Ehe in. 
Muä. IX, :i, 129—135, 

Scripiörei historiae Augustae. 
IlucJemanu^ E. E,^ 2ii den Mcfiplm-es htmrioe Auffuame, PbiloL 
VII, 585. 

Seuecae, L Annaei, Opera quf^e supersu/U, recftgn. Kffaate. 
Ups., Teubn, iß, T.) Vol. Jii: Ad a LiicHium ^istoiar, tmraUum 
iWri XX, Fragmenfa. libri supposiiicil. /fiäex. 1 Rthlr. 
S. ÜUchr. f. d- Ost. llymn. 1853, S* 570. 
Seneca, L. Anuafu«^ Werke, ßdchn, 16 — 17, BHefe, über«. 
von A, Haakh. ßdchn, 5 — Ö* (Prosaiker, römische, in neuen Überselt. 
herausgegeben von C, N, v. Osiander und G, Schwab. BdeU». 174^176.) 
*stuügarl, MeUler, A 3% Ngr. 

ff aas et F*w Aä L Annaei Senecae dialogorum Ulfrum VI üdiw- 
iati&nei crilicae, Yraliglaü, tSS3. (laä^ leci. aesL) 

Wäifflin, Ed., L. Ann. Serteca de moriöus. PbiloL VlIL 184 IT. 
Slatiui, F, PapinlUE. 

Weber, C /*., CommetUfitia de cadice Statu OasseUam. Mar- 
burgi, ßai/r/iüfer. 4, 

Suetanii Tranquiltt, €., Vfta TeretUli. EfnendavU ei im 
sfruvil McoL Fritscä. Bonn, (ßtss. inauß.) 

Tacitit €. Cornelil, Germania. Emtme, ffaäieäi, Ed, IL 

12. V. '^»'^''*^ 

/7rKö«rfi?r, i. fA., Coniecturae in dinl&güm de oraiortäue. Ha- 
iae. (Gymn. ProgrJ 

Fabian^ M, /:, Quid TacUm de numim dipim tudkarerit. Ipct 
(Gyinn. Progr,) 

MuUeJly Zu TaciIus Agricola. ZetUchr^ L d, Gymnasial w, 1853, 
S. 427, 662—663. 

Nolle, Beilrage £ur Etnendntion und Erklärung mehrerer Stellen in 
Tarltus' Werken. Archiv f. PhiloL XIX, S. 303—308. 

Obharius, Zu Tac, Amu Itl, I, Zeitischr. f, d. Gymnasial wesen 
1853, ^. 91. 

Ttbuiius, AtbiUMt ^* catuUuM. 
Vnleri Maxim ( factarum et äictnrnm memi^rahliimn Hbrt iX 
rttm fnrertl auctorii fragmefiio de praenominibus Reeensuit ei emeu- 
ditm C, EempfiUB. Berollni, Reitmr fSS4, 3V, Rtblr. 
BrsLe kriU^ßbfi Aut^gibe. 
Vaierius Frotus^ M., de noitx anlfquff. Htrausgef;, ^on 
Tb. Mommsen. (Abgedruckt aus den Berichten d. k. tiacha. GeiteliMch, 
d. VVifs. Phil bist, O. 1853). Leipzig, Hirieh V, Rthlr. 
Varro, M, Terentlus. 
Merektin, Lud.t Quaeslmnes Varronlanae. Barpali, Cidser. 
4. {Ind. SckoL a. iSS2.) V» HUdr. 

Thilo, G., De Varrmie, Flatatchi Quaesllonnm Romamrum auc- 
iore praeciptio. Bann. [Diss. immg.} 

l>ie Abhandlun^on von Merkitn und von Thilo »iud rec. von IL 
ktiil, labrb, f. Pbd, LXIX^ S. 46—101. Vgl, .mcb :S4UusNm ed. Ger lach. 



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MUcellen. 341 

Virpilii Moronis, A, Aeneidos epitome. kccedU e Georgi- 
en et BueoUcis delecius. Scholarum in usum ed. Em, Bo ff mann. 
Vindoöanae, Gerold i8U Ed. IL V, Rlhlr. 

Virgilius Maro, P., Gedichte, im Versmafse der Urschrift über- 
setzt vou C. N. V. Osiaiider. Abth. 1: Die Idyllen u. d. Gedicht vom 
Landbau. Auch u. d. Titel: Glassiker des Allcrtums. Eine Auswahl der 
bedeutendsten Schriftsteller der Griechen und Römer in neubearbeiteten 
Übersetzungen Lief. 7. Slultgart, Metzler. 4 Ngr. 

Am eis, Zu Vergil. Zeitschr. f. d. Gymnasial w. 1853, S. 931. 
Dietsch» Rud.. Theoiogtunenon Yergiiiamrum partiaUa, Gri 
mae, Gebhardt (Gymn. Progr ) 4. V, Rlhlr. 
S. Jahrb. f. Phil. Bd. LXVIII, S 445 f. 
Häc kermann, i., Expiicationum Yergitianarum specimen. 
Greffiwald, Koch. (Gymn. Progr.) 4. V« Rthlr. (S. Jahrb. f. Phil. 
LXVUI, S. 445). 

Zu Vergil. Zeitschr. f. d. Gymnasialw. 1863, S. 88, 735. 

Hudemann, Zu Vergil. Bhend. S. 654. 
Schiller, Zu Vergil. Ebend S. 95. 
Ladewig, Th., Zum Vergil. Piniol. VII, 477 ff. 
Stauder, Zu Vergil's Moretum, ZeiUcbr. f. d. Alt. Wifs. 1853, 
Nr. 37—38. 



Literarische Notizen. 

Im 10. Hefte des Jahrganges 1852. S. 808—833 wurde durch eine 
ausfuhrliche Anzeige auf die Schiift K. v. Raumer 's: ,^Der UfUerrickt 
im Deutschen* hingewiesen, eine Schrift, die kein Lehrer des Deutschen 
sollte uugelesen lafsen. Neuerdings hat sich der Hr. Vf. veraulafst ge- 
sehen, durch eine in den N. Jahrb. f. Philologie LXIX, 1. S. 73— 78 
enthaltene Selbstanzeige der Grundgedanken und wesentlichen Zweck sei- 
nes Buches kurz, zu bezeichnen. Die historische Untersuchung über den 
Zusammenhang, in welchem die schulmäfsige Behandlung des Deutschen mit 
der Entstehung und Festsclzung der Schriftsprache steht , und die sorg- 
same Erwägung des wirklichen praktischen Bedürfnisses eines Onterrichtes 
im Deutschen fähren in voller Einstimmigkeit dahin, als Aufgabe der Schule 
in diesem Lehrzweige festzustellen : «die Überlieferung der hochdeutschen 
Schriftsprache und der in ihr niedergelegten Literatur.' Welche Folge- 
rungen sich aus dieser Festsetzung der Aufgabe für die allgemeine Gestal- 
tung des Unterrichtes ergeben , bezeichnet der Hr. Vf. sodann bündig in 
folgendem : 

«Die Einrichtung dieses Unterrichtszweiges bestimmt sich also nach 
dem Charakter seines Gegenstandes. Wenn wir als solchen die hoc h- 
deutsche Schriftsprache bezeichnen, so folgt daraus schon die 
ganz eigentumlichfi , doppelseitige Natur dieses Unterrichtszweiges. Die 
hochdeutsche Schriftsprac'ie ist eine lebende Schriftsprache. Sie 
ist also in die Mitte gestellt zwischen die todte Schrift s p räche und 
die lebende Mundart. Ihr Gattungscharakter steht einerseits gegen- 
über den jetzt todte n Schriftsprachen, z.B. dem Lateinischen und 
Allgriechischen; zweitens aber den lebenden, blofs gesprochenen 
Mundarten. Als S c h r i f t s p r a c h e hat sie den Charakter des u n v e r- 

ZeiUehiifl für .üp o«t«rr. GymnAs. |854- IV. H«rt. 24 



H^^ 



Mbctfikn. 



änd erliu h fe^bkheiuleii, itas» üuI lieu bereits vorhauil «neu iiiuMt'rfjiltifzeii 

Schriftwerken ruht uml »ich den aus diesen gezogenni pramraaltsrhe« Ke- 
geln uniei wirft. Als I üb ende ächriftapracbü liat sie li^n Chsrnkler des 
werdenden, das äich durch den EintluCa der i^e.spi'ocheneu Mundarten und 
der LndividualUät des s abreibenden ändern kann, Watlte man dt^m schrei- 
tuenden ^e^^laUen, sich uto daü aJs b cliri ft sprac b e erk.innte feststehende 
gar tiicbt zu bokümiuern und nur seiiiGt eigenen (Mundart ^u folgen « hq 
wira es um die gemeinsame Schririäpractie gethan. VVoUte mmi dagegen 
die indifidtielle Fortbildung des üij er lieferten gmi auseetiliefsen und nur 
gestalten, w^i^i ^lieh aus den bereit» vorhandenen Schriftwerken belegen 
W^i, so würdi^ mnn keine lebende Schriftsprache mehr babe'n, soudem 
eine todte iede ausgebitdete Schriftsprache bat die ^ieigung, allmählich 
eine lodte Scbriflsprache m werden. So ergieug es dem t^atein, so dem 
Kanskriti und meiijichltcbem Erai' fsen nach wird auch das [>eutsche nm 
Ende seiner Tage einen ahnÜcben Verlauf uebmen. 

Wenden wir nun das gesagte auf unseren tiegenstand, den deutschen 
Unterricht auf Nchuien an, so erkennen wir deuüieh dessen sdiwierige, 
aber unertpefslich wichtige Aufgabe. VVäre das Ueut^rhc eine blofs gc* 
Äprochene Mundart, ^o hätte man Hecht, allen Hchulmafaipen Betrieb der- 
selben aus den Sehnten tleutschlands tu verhaniien. Wiire unsere tioch- 
dL'ulscIie Schriftsprache eine todte Schrift^ipracbe, so hätte luan Itecht, 
sie wie eine solche im tchren. So aber ist sie eine tebende Schrift- 
Sprache , die veredelte Muttersprache des Schulers. tiar?ius ergibt sich 
auch für die Schute ein mittlerer Weg, der »wj^tchen volhgem Gebenla(*eo 
und todlender Lehrhaftigkeit die Mitte hält. Die Schule hat alterduiK'^ in 
die Sprache des Schitlers regehid eitizui^relfen, iudem sie dieselbe unter 
die anei'kannleu GL'^et^e der deutschen Schriftsprache beugt, Aber sie soll 
diefs thun, ohne ilie Quehen mutiersprachlicher Schöpferkraft auszutrock- 
nen. Vermei